Ausgabe 
(6.2.1915) 31. Erstes Blatt
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Der amtliche russische Bericht.

Petersburg, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht des Großen Generalstabes. In O stpreußen drangen wir am 2. und 3. Februar an beiden Ufern der Scheeschuppe in Gegend Lasdehnen unter fortwährenden Kämpfen vor. Am lin⸗ ken Weichselufer hielt die Schlacht an der Front Borzymow Volig.Chielsowska mit auszerordentlicher Hestigteit an. Große feindliche Massen waren angesetzt zu dem Zwecke, unsere Front ein⸗ zudrücken. Die Deutschen brachten hier in einem Abschnitt von 10 Werst sieben Divisionen, unterstützt von 100 Batterien, zur Aufstellung. Einzelne Divisionen entwickelten sich auf der Front von nur einer Werst. Unser Gegenangriff begann in der Nacht vont 3. Februar und hatte eine Reihe von Bajonettkämpfen zur unmittelbaren Folge. Es gelang uns, den Feind zum Uebergehen in die Defensive zu zwingen. Bei Bor z y mo w eroberten wir

zwei Reihen deutscher Schützengräben und warfen den Feind aus

Jumina. Nach diesem hartnäckigen Kampfe erstürmten unsere Truppen ein Grundstück bei VoliaChiellowska, das der Feind seit zwei Tagen besetzt hielt. Indessen war die benachbarte Brennerei am 3. Februar noch im Besitze des Feindes. Die Schlacht dauert mit gleicher Heftigkeit an. Dann entwickelten sich Kämpfe auf der Front vom Dukla⸗Passe zu den Uebergängen von Wysch⸗ ko w. Bei Soidnik im Latorcztale und in Richtung auf Uzsok rückten wir vor, machten 2000 Gefangene und erbeuteten 10 Maschinen⸗ gewehre. An den Uebergängen bei Tucholka in den Beskiden setzten unsere Truppen in den letzten Tagen dem Feinde hartnäckigen Wi entgegen und nahmen mindestens zehnmal Bajonett⸗ kämpfe an, auf die sie mit Gegenangriffen antworteten. Am 3. Fe⸗ bruar beschlossen wir, unsere Truppen vpn diesen Uebergängen in bereits vorbereitete Stellungen zurückzunehmen. Die feind⸗ lichen Kräfte, die hier operieren, find ganz bedeutend. Die Versuche des Gegners, über den Paß von Wyschkow gegen Tartarow hin vorzudringen, wurden unter großen Verlusten zu⸗ rückgeschlagen.

Angebliche amtliche russische Auffassungen.

5 Stockholm, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die Peters⸗ burgerBirschewija Wiedomostie vom 28. Januar r Regierung einige Fragen äußeren itik wi zu ge⸗ ben, Von Zeit zu Zeit kursteren bei uns Gerüchte über die Mög⸗ lichkeit eines Separatfriedens, entweder mit Deutschland deder Oesterreich⸗Ungarn, oder endlich mit Ungarn allein. Diese Gerüchte entbehren jeder Grundlage. Der Friede mit Deutschland wird nur nach dem endgültigen, vollen Siege über den Germanis⸗ mus geschlossen werden, denn nur in diesem Falle wird in Europa

wirklich dauernde Ruhe herrschen. Dieses Resultat könnte schon jetzt erreicht werden Zu diesem Zweck müßte man aber 2 bis 300000 Menschenleben opfern. Um ein solches Blutvergießen zu vermeiden, erachtet die Regierung es als notwen⸗ dig, den Termin des Sieges hinaus zuschieben, um⸗ somehr, als sie von dem schließlichen Siege unserer Waffen über⸗ zeugt ist Ein Separatfrieden mit Oesterreich-Ungarn ist faktisch unmöglich Wenn die Monarchie der Habsburger um Frieden bittet, so müßte sie sich als besiegt erklären. Die Bedingungen, die der Monarchie in diesem Falle gestellt werden müßten, wären für sie ummannehmbar. Die Doppelmonarchie müßte in diesem FJiaalle nicht nur mit unseren Forderungen, sondern auch mit solchen der Serben und Montenegriner rechnen; auch müßten dann die

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der Slaven in Oesterreich⸗Ungarn erfüllt werden, auch die Gerüchte von einem Separatfrieden mit Ungarn allein

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eine Zerstückelung der Monarchie bedeutet. Grundlos sind

unter Tremung Ungarns und Oesterreichs. Die erste und wichtigste Bedingung eines solchen Vertrages wäre un⸗ sere und unserer Alliierten Forderung, daß sich Un⸗

garn nicht nur von Oesterreich, sondern auch von Deutschland 5 und auf unsere Seite tritt. Es ist nicht zu erwarten, daß Ungarn die Forderung annehmen wird, die es zwingen würde, gegen Oesterreich mit der Waßte in der Hand zu kämpfen. DerRietsch vom 29. Januar bespricht diese Kundgebung und bemerkt, daß man zum ersten Male in einer offtzibsen Kund⸗ gebung in Rußland von einer Teilung Oesterreichs spricht.

Ein Handschreiben des Kaisers Franz Josef.

5 Wien, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der Kaiser hat

an den Ministerpräsidenten Grafen Stürgkh folgendes Handschreiben gerichtet:

Ait den Zeitraum

uns durch die

1Lieber Graf Stürgkh! Zurückblickend eines halben Jahres, während dessen wir in U feindlichen Absichten unserer Gegner aufgenötigten Kampfe stehen, gedenke ich dankbaren Herzens der opferfreudigen Haltung, die meine treuen Völker in dieser schweren Zeit bekunden. Von wür⸗ diger, ernster Zuversicht beseelt, haben sie sich den großen Anforderungen der Zeitläufte voll gewachsen ge⸗ zeigt, haben sie in der edlen Bereitwilligkeit, ihre Söhne zu den Fahnen zu schicken, in einsichtsvoller Anpaffung an die Bedürf⸗ nisse der Kriegszeit, in hingebender Fürsorge für die Opfer des Kampfes ihren hohen Patriotismus und ihre altbewährten staats⸗ bürgerlichen Tugenden aufs Neue glänzend bewiesen. Diese wohl⸗ tmende Erfahrung stärkt meine Zuversicht, die in dem Vertrauen auf die in heldenmütigen Taten neuerlich so ruhm⸗ voll erprobte Tüchtigkeit meiner Wehrmacht fest begründet ist. Unter der Leitung meiner Regierung, die sich in dem Bestreben, alle Kräfte in den Kampf des uns allen gemeinsamen Zweckes zu stellen, nach wie vor mit meiner ungarischen Regierung begegnet, wird die Bevölkerung auch weiterhin mit Gut und Blut fest zum geliebten Vaterlande stehen. Ich bin dessen gewiß, daß ihr nach dem Schluß des Krieges, dessen schwere Lasten sie bis aus Ende zu tragen freudig entschlossen ist, der mit Hilfe des All⸗ mächtigen zu erringende Friede, der Lohn aller Mühen, Leiden und Gefahren des treu und beharrlich ausgefvchteten Lampfes beschieden sein wird. Dies beauftrage ich Sie, mit dem Ausdruck meiner wärmsten Anerkennung und meines Dankes, der Bevölkerung zur Kenntnis zu bringen. Wien, 4. Februar 1915. Franz Josef m. p. Stürgkh m. p.

Ein bezeichnender russischer Armeebefehl.

Berlin, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Folgender Armeebefehldes rufsischen Höchstkommandie⸗ renden gelangte in die Hände der deutschen Heeresleitung in Rawa:6/19. Oktober 1914, Warschau. Der Höchstkom⸗ mandierende lenkte die Aufmerksamkeit darauf, daß in der vergangenen Kriegsperiode einige Korps und Divisionen eine große Menge Geschütze und Maschinengewehre verloren

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lage entsprochen hat. S. Kais. Hoheit befahl aus diesem Grunde, die Kommandeure der Truppenteile darauf aufmerk⸗ sam zu machen, daß es notwendig sei, das Kriegsmaterial etwas mehr zu schonen wegen der Schwierigkeit des Ersatzes und weil äußerst unerwünscht ist, daß unsere Gegner durch Zurücklassen unserer Geschütze und Maschinen⸗ gewehre bereichert werden. Gleichzeitig befahl S. Kais. Hoheit, alle Kommandeure, welche sich der ungenügenden Schonung des Geschütz- und Maschinengewehrmaterials schuldig machen, in Strafe zu nehmen. In Urschrift gez. der Kommandeur der II. Armee: Gen. d. Kav. Scheidemann.

Die russische Knute.

Wien, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Das Wiener PolenblattNoviny berichtet aus Le mb erg, daß dort unter der russischen Herrschaft die körperliche Züch⸗ tigung eingeführt worden ist. Ein Lemberger Bürger er⸗ zählte dem Berichterstatter des Blattes, daß er wegen eines geringen Vergehens gegen eine behördliche Vorschrift in den Kerker geschleppt und dort an eine Bauk gefesselt wurde, worauf an mit Nagafkas bewaffnete Kosaken der Befehl er⸗ ging, ihn zu züchtigen. Die Schläge fielen auf den entblößten Körper. Derselben Strafe wurde auch das Mitglied des Lem berger Gemeinderats Mokrzycki unterzogen.

Eine russische Erfindung.

Berlin, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Durch die russische Gesandtschaft im Haag wurde amtlich die Meldung verbreitet, daß ein russisches Unterseeboot am 29. Januar ein deutsches Torpedoboot in der Ostsee bei Moen zum Sinken gebracht habe. Von zuständiger Seite wird mitgeteilt, daß die Nachricht auf freier Erfindung beruht.

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* Aus dem englischen Unterhaus.

London, 5. Febr.(WTB Nichtamtlich.) In der Sitzung des Unterhauses am Mittwoch antwortete Bonar Law auf die Rede des Premierministers, der sich gegen die Einbrin⸗ gung von Gesetzes vorlagen, die einen Streit der Parteien erwecken könnten, aussprach, er fände den Vorschlag der Regierung vernünftig und wolle ihm keinen Widerstand ent⸗ gegensetzen. In gewöhnlichen Zeiten würde die Opposition der Regierung nur sehr ungern eine solche Machtvollkommenheit ein⸗ räumen; die Regierung wolle aber offenbar dasselbe tun, wie die französische und kanadische Regierung, nämlich die Session als Kriegssession behandeln. Er erkläre sich mit der Erklärung des Carl of Crewe im Oberhause, die mit den Worten des Premier⸗ ministers übereinstimme, einverstanden. Der Liberale Hogge pro⸗ testierte dagegen, daß den Mitgliedern auch das Recht entzogen werde, Vorlagen nicht parteimäßigen Charakters einzubringen, und beantragte ein Amendement in diesem Sinne. Die Regie⸗ rung machte auch die Presse mundtot. Sie verbot ihr, bei der Entsendung des Gesandten an den Vatikan für 24 Stunden

Zusatzantrag. Der Vorschlag der Regierung wurde angenommen. * Ueberfällige englische Dampfer.

London 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Man befürch⸗ tet, daß der DampferBorowdale aus Sunderland, unterwegs von London nach Grandville, bei St. Malo einem Unterseeboot zum Opfer gefallen ist. Auch die Dampfer Sorata undOreonia sind überfällig.

Die gesitteten Engländer. Konstantinopel, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Milli. Aus Bafssora geflüchtete Moslems erzählen, daß die Engländer die Stadt 8 u einer Wüste gemacht haben. Sie fällten den berühm⸗ ten Dattelpalmenhain. Die Bevölkerung flieht massenweise infolge der unglaublichen Bedrückungen. In Dscheddah schossen die Engländer vom Meere aus auf eine Gruppe betender Moslems und die Moscheen, welche sie zu zer⸗ stören versuchten. Nach diesen Handlungen der Barbarei verkünden die Engländer in ihren Bekanntmachungen an die Moslems entfernter Länder zynisch, daß sie die Mos⸗ lems und die heiligen Stätten achten.

Die Schlacht bei Korna.

Konstantinopel, 4. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Das osmanische Informationsbureau teilt folgende Einzel⸗ heiten über den Kampf, der am 20. und 21. Januar bei Korna in Mesopotamien stattfand, mit:

Sechs Bataillone feindlicher Infanterie rück⸗ ten mit vier Batterien und zwei Maschinengewehr⸗Schwadro⸗ nen, unterstützt von drei Kanonenbooten, in einem in ein Ka⸗ nonenboot umgewandelten Schiffe in der Nacht in Schwarm⸗ linie gegen den linken Flügel der Türken vor. Die feindlichen Kanonenboote, die sich gleichfalls dieser Stellung näherten, eröffneten das Feuer auf fünf Kilometer Entfernung. Nach drei⸗ stündigem Kampfe mit drei feindlichen Bataillonen gelang es dem anderen feindlichen Regiment, das unseren linken Flügel zu durchbrechen beabsichtigte, bis auf 800 Meter sich zu nähern. Unsexe Reserven erwiderten das Feuer heftig und gingen sodann zur Offensive über. Da inzwischen unsere Linientruppen aus ihren Stellungen heranrückten, mußte der Feind sich in Unordnung zurückziehen, wobei er überaus große Verluste erlitt. Da ein Kanonenboot beschädigt wurde, ge⸗ staltete sich der Rückzug zur regellosen Flucht. Auch die Kanonenboote mußten, obwohl sie sich bemühten, den Rückzug durch ein Bombardement zu decken, sich gegen Mittag zurück⸗ ziehen. Während des Kampfes und der darauf folgenden Ver⸗ folgung verlor der Feind 400 Mann an Toten und 600 Mann an Verwundeten und ließ zahlreiches Kriegs⸗ und Sanitätsmaterial im Stiche. Unfere Verluste belaufen sich auf kaum ein Zehntel der feindlichen. Die Ausdauer unserer Artillerie war über alles Lob erhaben. Sie unterbrach das Feuer gegen mehr als 30 feindliche Schnellfeuergeschütze nicht einen Augenblick. Das in ein Kanonenboot umgewandelte Schiff fing Feuer und sank. Unsere beiden Geschütze brachten zwei feindliche Maschinengewehre zum Schweigen und zwangen sie zum Rückzuge. Die Tapferkeit unserer Truppen flößte dem Feind einen solchen Schrecken ein, daß er nicht einmal die be⸗ festigten Stellungen mehr zu halten vermag.

Aus Stadt und Cand. 5 Gießen, 6. Februar 1915. Der Gießener Landsturm in Feindesland. 1

Kaisers Geburtstag! Wie eigen berührte es uns alle doch, wenn wir in den letzten Wochen daran dachten, daß dieser höchste militärische Festtag in Bälde bevorstehe. Kaisers Geburts⸗ tag in Kaisers Rock! Bilder aus längst vergangenen Zeiten tauchen auf. Wie der Rekrut nach sauren Ausbildungswochen zum erstenmal spüren darf, daßdem Kniser dienen nicht nur ernste, harte, sondern auch frohe Stunden in sich schließt, daß sauren Wochen auch frohe Feste folgen: wie er zum erstenmal unter den Töchtern des Landes schüchtern Umschau hält, um sich eine schmucke Tänzerin für den Kompagnieball am Abend zu sichern usw. usw. Und nun wieder Kaisers Geburtstag vor der Tür! Zwanzig Jahre zogen inzwischen dahin, des Lebens und Mühen haben ihre Spuren in den Gesichtern hinterlassen, hier und da zeigt Haar und Bart einen grauen Anflug, und die Hände zeugen mit ihren Schwielen davon, daß das LebenMüh' und viel Arbeit ist. Und doch, wenn man sie gesehen hat bei der Parade am 27., dann

haben, wobei die Höhe der Verluste nicht immer der Gefechts⸗

darüber zu schreiben. Der Liberale King unterstützte den h

n 1 8 2 noch Spannkraft genug, um noch ganz anderes zu lei der Leier sie an andere Stelle ruft!. 8 Schon wochenlang vorher begannen die Vorberei zum Fest. Es ist ein anderes, in der Garnison eine st Feier einrichten, wo der Kammerun izier gewissenhaft alles von Jahr zu Jahr aufbewahrt, was alter Ueberlieferung gemäß 5 ist, wo neues nur in bescheidenstem beschafst werden darf, denn es kostet Geld, und Geld ist bekanntlich beim Soldaten wie i rompagniekasse immer nötig; oder die Vorbereitun in Feindesland treffen, wo zwar nichts a ist, a mit Hilfe einigerBons(die die Kommandantur in diesem Fall bereitwilligst unterschreibt und die Mairie nolens volens stem: pelt) und mit französischen Hilfskräften leicht und reichlich alles

in der Kom

besckafft wird. So konnten wir denn am 25. beginn, ne den pröch⸗ 0 5 daarmes vor der Mairie, der für den Zweck wie geschaffen ist, zur Parade zu schmücken. Und wenn sich zbundert fleißige Hände regen, soschreitet die Arbeit munter sort. Am 26, mittags waren rings üm den Platz(vom franzöfi⸗ schen Nationalfest noch vorhanden) Flaggenmasten aufgestellt, die mit Grün umwunden, abwechselnd deutsche und die Flaggen der

tigen place

Bundesstaaten trugen. Die mächtige Front der Mairie spar mit Grün geschmückt und ebenfalls reichen Flaggenschmuck;

tru

. mult der Krone, die abends hun⸗

derte von strahlenden Glühlampen trugen. Vor der Mairie wurde

der Altar unter schwarz⸗weiß⸗rotem Zelt aufgestellt, vorn mit dem

Eisernen Kreuz geschmückt, sonst ganz in Weiß gehalten, auf

beiden Seiten von Tannen und grünen Pflanzen flankiert und

o eine wirkungsvolle Gruppe bildend, über der ein mächtiger ä

deutscher Adler seine Schwingen ausbreitete.

. Tie Festordnung war, dem Wunsch des Kaisers folgend,

ret von allem, was nach rauschender, rein äußerlicher Festlich⸗

leit aussehen konnte: wiederum sollte sie den Franzosen aber

auch einen starken Eindruck von deutscher Kraft geben, wie sie

nach sechs Kriegsmonaten noch ungebrochen ist. Am Abend des

26., um 6% Uhr, setzte sich der Zapfenstreich unter Voran⸗

tritt unserer Bataillonsmusik von der Kaserne aus in Marsch.

Eine reichliche Zahl farbiger Lampions gab dem Zuge ein recht

festliches Gepräge. Es ging durch eine ganze Anzahl Straßen

bis zur Mairie, wo unsere höheren Offiziere an den Fenstern

der Kommandantur Aufstellung genommen hatten, unter ihnen

unsere Exzellenz, der Kommandeur der Inspektion, General⸗

leẽntnant Graf v. Montgelas. Hier brachte die Musik eine

Anzahl Musikstücke zu Gehör, zum Schluß den Zapfenstreich

und dann gings zurück zur Kaserne. Es braucht wohl nicht be⸗

sonders hervorgehoben zu werden, daß die Franzosen, die schon

die Vorbereitungen auf derPlace d'armes mit großem In⸗

teresse verfolgt hatten, auch in großer Zahl anwesend waren;

einige Tausend werden es wohl gewesen sein. Und daß alle dienst⸗

freien Soldaten dabei waren, versteht sich am Rande. Am andern Morgen war großesWecken

Uhr begann

Manust chaften

daneben mächtige weiße

die zahlreichen Orde mein. Einleitend

über den weiten P Graf von Mont Ansprache das dreifache Hurra auf unsern obersten Kri aus, damit zugleich das Gelöbnis unwandelbarer Atemzug erneuernd. Zugleich 223 alle Kirchenglocken

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so stramm, daß die zahlreich anwesenden Aktiven und Reservisten

laut

8 0 vorbei, stramm, ohne im Tritt, und heraus die ine, daß das Pflaster dröhnt. Und dann in bunter Folge alles, was unsere Stadt an Truppen birgt: Artillerie und Kavallerie, Kraftfahrer und K ene in Uniform und Zivil, Sanitäter und Rotes 2 immer noch eine Formation, und immer größer wurden die Augen der Franzosen, die in großer Zahl den Platz um⸗ standen und sich nicht 1 wundern konnten, wo nur alle die Allemands herkamen. enn mindestens die gleiche Anzahl stand ja noch als Zuschauer dabei. Aber alles hat einmal ein Ende, und so war denn schließlich auch die letzte Gruppe mit dem Roten Kreuz vorüber, die Mufsik schwenkt ein und die Offiziere treten zur feierlichen Paroleausgabe zusammen, bei der Exzellenz die ver⸗ liehenen Eisernen Kreuze verteilt. Auch unser verehrter Batail⸗ lonskommandeur, Oberstleutnant v. Knobelsdorff, durfte ein solches in Empfang nehmen, nach seinen eigenen Wortenin An⸗ 5 erkennung treuer Pflichterfüllung des Gießener Landsturms. Mittags gabs überall festliches Essen und nachmittags war alles, was nicht auf Wache war, dienstfrei. Da l hat dann mancher das seit Wochen zum erstenmal sonnige Wetter N benutzt, um sich ein wenig umzusehen und die bescheidenen land⸗ f schaftlichen Schönheiten der Stadt und ihrer Umgebung in sich

aufzunehmen.

ends gabs ein gutes Nachtessen: Kartoffelsalat und frische a oberhessische Burst von französischen Schweinen. Nach dem Essen fand sich jede Kompagnie in einem entsprechend hergerichteten Saal ihres Reviers zusammen, um noch einige Stunden bei etlichen Gläsern Bier und Liebesgabenzigarren, bei den Klängen der Bataillonsmusik und Vorträgen ernsten und heiteren Juhalts den Tag zu beschließen. Wie nachträglich bekannt wird, hat des Kaisers Gnade noch weiter das Eiserne Kreuz verliehen: den euten und Kompagnieführern Heyer und Scherer, dem Offizier⸗ Stellvertreter Mendelsohn und dem eee

Ritter des Eisernen Kreuzes: Regier

Neuweger.

. sessor K. Wittmer aus Darmstadt, Leutn. d. R. im Feld⸗ rt.-Regt. 84. Leutn. d. L. und Bat.⸗Adj. Lehramtsreferen⸗

dar Dr. W. Glitsch aus Friedberg, Landw. ⸗Regt. 116. Jeldpostsekretär Heinrich Diehl aus Kirchhain. Landwehr⸗ mann Siegmund Nußbaum aus Niederklein, Inf.⸗Kegt. 167. Off. Stellv Schumann Kratz aus Bade! g Oberfäger Richard Müller aus Gönnern, 11. Jäger⸗Bat., Maschinengewehr⸗Abt. Gefr. Befort aus Wehlar, Inf. Regt. 116, Maschinengewehr⸗Komp. Oberstleutnant Stem⸗ pel aus Butzbach(1. Kl.). Hauptmann Wilcke aus 2 bach. Uffz. d. R. Ferdinand Jung aus Biedenkopf, 1 Juf.⸗Regt. 71. Dr. Heinrich Zöller aus Schlitz, Leutn. im Art.⸗Regt. 43, abkommandiert zum akt. Inf.⸗Regt. 53. Leutn. und Kom ieführer Karl Hahn aus Schlitz. Gefr. Karl Eisenbach aus Schlitz, Leibg.⸗Inf.⸗Regt. 115. l draft aus Uellershausen, Drag.⸗Regt. 15. Gefr. Roß⸗ mann aus Frankenhausen, Inf. Regt. 116. Lehrer Pfl. anz aus Atzenhain, Leutn. d. R. im Inf. 99. 1 1 Witting vom 2. Bat. Ju dgl. 116. Feldunterarzt Dr. Goldmann im 3. Bat. Inf.⸗Regt. 116. ö Der zweite hessische Lazarettzug. Der Hessische Landesverein vom Roten 1 i tigl.

Genehmigung und nach den Vorschriften des Kb et, der in den nächsten Tagen von der Heeresleitung

hat man das Gefühl: Diese Männer sind noch nicht alt, sie haben

it Kri sministertums einen zweiten übernommen und seiner Bestimmung übergeben werden