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(27/01/1915) 22. Erstes Blatt
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allen Ereignissen der kriegerischen

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e Erstes erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich Familienblätter;

weimal wöchentl. Kreis- latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ w ftliche Zeitfragen Ferusprech- Anschluͤsse: jür die Schristleitung 112 Verlag, Geschäftsstelledl

Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. e von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.

Gießen

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105. Jahrgang*

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er Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdrudk und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschästsstelle u. druckerei: Schulstr. 7

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Mittwoch, 27. Januar 1015

Zezugsvreis: monatl. 75 Pf., viertel jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2. viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf. Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz, für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

5 Des Maisers Geburtstag!

Des Kaisers vielseitiges und impulsives Wesen ist früher nicht selten zum Gegenstand heftiger Kritik gemacht worden; er selbst hat es dem Schriftsteller Ganghofer gegenüber einmal ausgesprochen, daß er oft mißverstanden werde, daß man ihm unrecht tue. Wir erkennen heute die Wahr- heit 15 kaiserlichen Worte, und wir sind von ganzem Herzen beglückt, der Persönlichkeit des hohen Mannes näher und näher gekommen zu sein. Was an ihm beklagt und ge⸗ tadelt worden ist, war zum guten Teil der äußere Ausdruck einer reich begabten, bewe lichen und phantasievollen Natur; an der Nüchternheit der ö gemessen, den politischen Geschäften gegenüber, schienen die kaiserlichen Bekundungen einer verspaͤteten und verklungenen Romantik anzugehören. Man darf es wohl sagen, in der dumpfen Atmosphäre der vergangenen Jahre, unter dem Druck der Parteikämpfe, in der Schwüle weltpolitischer Zweifel und Besorgnisse war unser Kaiser ein Einsamer, dessen Seele vielfach unverstan⸗ den bleiben mußte. Seines Wesens Kern hat sich uns erst jetzt recht entfaltet, wo wir in eine ganz neue Welt hinein⸗ getreten sind, in eine Zeit, die alles Suchen und Zagen ab⸗

estreift hat, die nur noch Tat und Entschlossenheit kennt.

n diesen Tagen hat uns der Kaiser das leuchtendste Muster der Pflichterfullung gezeigt. Die schwerste Stunde hat ihn stark und mutig gesehen. Wenn wir hineinblicken in die Bücher der Vorgeschichte dieses Krieges, so steht uns schier das Herz stille bei den diplomatischen Wetterschlägen, die einen ängstlichen Mann an der Spitze des Reiches hätten niederdrücken müssen. Es ging um das Ganze, ein Höllen⸗ schlund schien sich vor dem deutschen Volke zu öffnen, nicht nur um die Ehre des Reiches mußte gekämpft werden, sondern um seinen Bestand! Und unser Kaiser war ein

riedenskaiser. Wie oft hat er mit beredten Worten den 5 friedlicher deutscher Kultur geschildert, wie sicht⸗ bar hat er, trotz seiner Vorliebe für die Uebung der Waffen und seiner Sorge für die Ausbildung der Wehrmacht, nach der Palme des Friedens gerungen. Immer wieder haben die Deutschen ihm diesen edlen, christlichen Sinn anerkannt 5 mancher bangte und sorgte, unter den drohenden Wetter- zeichen, ob unser Oberhaupt einen Frieden um jeden Preis

lich rr lassen würde.

n lese man noch einmal die Kundgebungen des Kaisers in den kritischen Julitagen. Schlicht, fest und fried⸗ lich klingen die Worte aus seinem Munde, die an den Zaren

richtet sind, keine Spur von Aengstlichkeit, aber auch kein

n der Herausforderung klang darin. Nur die Ueberzeu⸗

gung einer kraftvollen Persönlichkeit, der entschlossene Wille

der Pflichterfüllung. Englische Heuchelei mag es in der Welt verbreiten, der Kaiser habe den Krieg heraufbeschworen; kein Ehrlicher und Verständiger in der Welt wird es glau⸗ ben, und alle Deutschen bekunden es laut und klar: herrlich und rein steht das Bild des Kaisers da in dieser schweren Stunde, die über Krieg und Frieden entschied. Mit männ⸗ lichem, hoheitsvollem Ernste versuchte er eine letzte Ver⸗ mittlung, aber keinen Frieden um jeden Preis suchte er. Das Herz 3 uns stille zu stehn in der Größe und Ge walt der Stunde, aber es jubelte bei der e majestä⸗ tischen Haltung, die der Kaiser uns zeigte. Da wurde kein Wort zu viel gesprochen, da war jede Geste der Ausdruck eines ruhigen, guten Gewissens. Dem Moskowiter gegen⸗ über und dem König von England, seinem nahen Ver⸗ wandten, fand der Kaiser den würdevollen, abgemessenen Ausdruck, den die staatsmännische Notwendigkeit und das Ansehen des Reiches erforderten. Mit lebhafter Genug⸗ tuung lesen wir in dem Berichte des englischen Botschafters Sir Goschen jene grollende Botschaft des Kaisers, die er durch einen seiner Adjutanten übermitteln ließ, worin er von den Gefühlen des deutschen Volkes sprach und die 8 der englischen Titel erklärte, wobei Goschen in seinem Berichte schrieb,daß diese Botschaft von ihrer Herbheit nichts durch die Art der Mitteilung verlor.

Das alles waren die Ausläufe jener Staatenpolitik, die durch die Künste König Eduards und seiner Nachfolger zur unvermeidlichen Weltkatastrophe trieb. Es blieb kein Raum mehr zu großen deutschen staatsmännischen Meister⸗ stücken. Aber das Schlußkapitel dieser Politik der vergan⸗ genen Epoche lesen wir doch mit mehr als ästhetischem Vergnügen. Sittlich hoheitsvolle Naturen geleiteten das stolze, starke Reich in diesen Entscheidungskampf, und beim Uebertritt über die Schwelle eines neuen 5 Zeit⸗ alters, in der Stunde des Kampfes und der Ge ahr, sahen wir die erhebende Einmütigkeit von Staatsgewalt und Volk, der unser Kaiser so kraftvoll und eingebungsvoll Aus⸗ druck verliehen hat mit dem Wort: Ich kenne keine Parteien mehr, sondern nur Deutsche.

Seitdem hat des Kaisers Stimme nicht oft mehr sich erhoben. Aber er hat gehalten, was er versprach, als er sich von den Reichsboten trennte mit dem geflügelten Worte:Nun wollen wir sie dreschen. Unermüdlich weilt er überall, wo seine Anwesenheit Nutzen stiften kann. Er ist dem Kanonendonner nachgezogen bis in die Frontlinien, wo er, wie früher im Frieden, seine Getreuen begrüßte und anfeuerte. Jetzt leuchtet uns 1 schwung⸗ und macht⸗ volle Persönlichkeit, mit ihrer erhebenden Regsamkeit und Treue für des Vaterlandes Wohl in hellerem Glanze denn

je zuvor! Der Träger der Krone ist dem gefährdeten Reiche

der sichtbare Führer, der machtvolle und glänzende Ver⸗ treter geworden all der gewaltigen Reichtümer materieller und ideeller Art, die der Krieg weithin in die Erscheinung gebracht hat. Vom Volke geliebt, von den. deutschen Fürsten und Bundesgenossen als ein Hort von Treue gepriesen, so tritt Kaiser Wilhelm heute in sein 57. Lebensjahr ein. Bei Zeit hat er durch Wort und Tat die Herzen gebannt. Während er selbst die ge⸗

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wohnten Ehrungen zu seinem Geburtstage abwehrte, hat er, ein Friedens- und ein Kriegsherr, der Bedrückten und Getroffenen seines Volkes gedacht. Die Erlasse, die heute amtlich veröffentlicht worden sind, bezeugen Weisheit und Güte. Wir empfinden es dankbar, daß mit der großen deutschen Machtentfaltung auf den Feldern blutigen Ringens auch die hehre Gestalt romantischen Rittertums in der Person des Kaisers uns gegenwärtig ist. Die schönen Worte Uhlands tauchen vor uns auf, als er von der Wiederer weckung der alten deutschen Heldenlieder schrieb:Der Deutsche hat seine Deutschheit aus seinem Innern wieder hervorgeholt, er geht nun mit Vergnügen auf die alten Zeiten zurück, wo sich sein Volk in freiexen, stärkeren Zügen aussprach. Er sucht in den alten, köstlichen Schriften und er findet sich wunderbar wie von süßen, wohlbekannten Stim men seiner Jugend angesprochen.

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(WTB.) Großes Hauptquartier, 26. Jan. vor⸗ mittags.(Amtlich.)

5 Westlicher Kriegs schauplatz.

Der Feind nahm gestern wie gewöhnlich Middelkerke und Westende-Bad unter Artilleriefeuer. Eine größere An⸗ zahl Einwohner sind durch dieses Feuer getötet und ver⸗ letzt worden; darunter der Bürgermeister von Middelkerke. Unsere Verluste gestern waren ganz gering.

Beiderseits des Kanals von La Bassée griffen un⸗ sere Truppen Stellungen der Engländer an. Während der Angriff nördlich des Kanals, zwischen Givenchy und Kanal, wegen starker Flankierung nicht zur Wegnahme der englischen Stellung führte, hatte der Angriff der Badener südlich des Kanals Erfolg. Hier wurden die eng⸗ lischen Stellungen in einer Frontbreite von 1100 Metern im Sturm überrannt, zwei starke Stützpunkte erobert, 3 Offiziere, 110 Mann gefangen ge⸗ nommen, I Geschütz, 3 Maschinengewehre ser⸗ beutet. Die Englünder versuchten vergeblich, die von uns sofort für unsere Zwecke ausgebauten Stellungen zurückzu⸗ erobern, wurden aber mit schwveren Verlusten zurückgeschla⸗ gen. Unsere Verluste sind verhältnismäßig gering.

Auf der Höhe von Craonne, südöstlich Laon, fanden für unsere Truppen erfolgreiche Kämpfe statt.

Im Südteil der Vogesen wurden sämtliche Angriffe der Franzosen abgewiesen; über 50 Gefangene fielen in un⸗ sere Hand.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Nordöstlich Gumbinnen griffen die Russen Stellun gen unserer Kavallerie erfolglos an.

Auf der übrigen Front in Ostpreußen fanden heftige Artilleriekämpfe statt.

Kleinere Gefechte nordöstlich Wloclawek waren für uns erfolgreich.

In Polen, westlich der Weichsel und östlich der Pi⸗ lica, ereignete sich nichts von Bedeutung.

Oberste Heeresleitung.

Erlasse des Kaisers.

Berlin, 27. Jan.(WTB. Amtlich.) Folgender Aller- höchster Erlaß wird hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht:

Ich will den Angehörigen der im Kampfe um die Ver⸗ teidigung des Vaterlandes gefallenen Krieger des preußischen Heeres in Anerkennung der von den Verewigten bewiesenen Pflichttreue bis zum Tode und in herzlicher Anteilnahme an dem schweren Verlust ein Gedenkblatt nach einem mir vor⸗ gelegten Entwurf verleihen. Das Kriegsministerium hat das Weitere zu veranlassen.

Großes Hauptquartier, 27. Januar 1915.

(gez.) Wilhelm R.(gegengez.) Wild v. Hohenborn.

Berlin, 27. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Heute, als am Ge⸗ burtstag des Kaisers, sind zwei Am ne stieerlasse des Kaisers bekannt gemacht worden. Der erste erläßt anläßlich der ruhm- und opferreichen Kämpfe im gegenwärtigen Kriege allen aktiven Militärpersonen die gegen sie von Militär- befehlshabern verhängten Disziplinarstrafen und die militärgericht lich verhängten Geld⸗ und Freiheitsstrafen, oder deren noch nicht vollstreckten Teil, bis zur Dauer der Freiheitsstrafe von sechs Mo⸗ naten. Von der Begnadigung bleiben ausgeschlossen diejenigen, die unter der Wirkung von Ehrenstrafen stehen, und diejenigen, die sich während der Untersuchungs⸗ oder Strafhaft schlecht geführt haben. Bei Vorschlägen auf Rückversetzung in die erste Klasse des Soldatenstandes darf während des Krieges von den vorgeschriebenen Fristen und Terminen abgesehen werden..

Der zweite Amnestieerlaß genehmigt die Niederschlagu 1 gerichtlich noch nicht eingeleiteter Untersuchungen gegen die Kriegsteilnehmer wegen vor ihrer Einberufung zu den Fahnen und vor dem 27. Januar begangener Uebertretungen und Ver⸗ gehen(außer Verrats militärischer Geheimnisse) und wegen Ver⸗ brechens gegen ss 243, 244 oder 264 des Reichsstrafgesetzbuches,

wenn der Täter zur Zeit der Tat noch nicht 21 Jahre alt war. In anderen geeigneten Fällen soll das Staatsministerium Begnadi⸗

gungsvorschläge machen. Von diesem Gnadenerlaß sind aus geschlossen Personen, die durch militärgerichtliches Urteil aus dem Heere und der Marine entfernt sind oder werden, oder nicht mehn als Kriegsteilnehmer anzusehen sind. Straserlaß des Königs von Bayern.

München, 26. Jan.(WTB. Nichtamtlich) S. M. der König hat mit Allerhöchster Entschließung vom 25. Januar laufenden Jahres anläßlich der ruhm- und opferreichen Kämpfe dieses Feldzuges zum Geburtstagsfeste S. M. des Deutschen Kaisers allen Militärpersonen des aktiven Heeres, soweit S. M. dem König das Begnadigungsrecht zusteht, die gegen sie von mili tärischen Befehlshabern verhängten Disziplinarstrafen, sowie die von Militärgerichten verhängten Geld- und Freiheitsstrafen bezw. den noch nicht vollstreckten Teil derselben, in Gnaden erlassen,

sofern die ihnen auferlegten Freiheitsstrafen sechs Monate nicht übersteigen. Ausgeschlossen von der Begnadigung sind diejenigen Personen, die unter der Wirkung von Ehrenstrafen stehen und während der Strafverfügung, soweit sie bereits begonnen hat, oder während der vorausgegangenen Untersuchungshaft sich schlecht geführt haben.

Straferlaß des Großherzogs von Baden.

Karlruhe, 26. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers hat der Großherzog allen wegen nichtmilitärischer Straftaten von den Militärgerichten Ver⸗ uxteilten badischen Staatsangehörigen die gegen sie ausgesprochenen Geldstrafen und sechs Monate nicht übersteigende Freiheitsstrafen, soweit sie noch nicht vollstreckt sind, nachgelassen. Ausgeschlossen von der Begnadigung sollen die Personen sein, welche unter der Wirkung von Ehrenstrafen stehen, und Personen, welche während der Strasverbüßung, soweit diese bereits begonnen hat, oder wäh⸗ rend einer vorausgegangenen Untersuchungshaft sich schlecht geführt haben. Ist auf Geldstrafe neben Freiheitsstrafe erkannt, so soll die Geldstrafe nur dann nachgelassen sein, wenn die Freiheitsstrafe unter diesen Erlaß fällt.

Kundgebung der deutschen Frauen.

Berlin, 26. Jan.(Priv.⸗Tel.) DerLokalanzeiger berichtet: Die Anregung, anläßlich des Geburtstages des Kaisers eine Anhänglichkeitskundgebung der deutschen Frauen in die Wege zu leiten, hat lebhafte Zustimmung gefunden. In manchen kleineren Orten wurden bereits mehr als 1000 Mark ezeichnet. Vorbereitet wird eine Anschrift und eine Kaiser⸗Wilhelm⸗ Spende deutscher Frauen, die für vaterlän⸗ dische Zwecke zur Verfügung des Kaisers gestellt wer den soll.

Eine Kaiser⸗Wilhelm⸗Straße in Aussig.

Aussig, 26. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die Gemeinde⸗ vertretung hat einstimmig beschlossen, die Wockauer Straße Kaiser⸗Wilhelm⸗Straße zu benennen. An die Kabinettskanzlei Kaiser Wilhelms in das Große Hauptquartier wurde ein entspre⸗ chendes Telegramm abgesandt.

Baron Burian im deutschen Hauptquartier.

Berlin, 26. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der öster⸗ reichisch-ungarische Minister des Aeußern Frhr. v. Bu⸗ rian traf am Abend des 24. Januar im Großen Haupt⸗ quartier ein. Er speiste bei dem Reichskanzler v. Beth⸗ mann Hollweg und hatte darnach mit ihm eine län⸗ gere Unterredung. Am 25. folgte Burian einer Einladung S. M. des Kaisers zum Frühstück, sodann hatte er eine Besprechung mit dem Chef des Generalstabs des Feldheeres, General der Infanterie v. Falkenhayn. Am Abend speiste Burian beim Reichskanzler und trat sodann die Rück- reise an.

Dem Vernehmen nach hat S. M. der Kaiser den öster⸗ reichisch-ungarischen Minister des Aeußern Frhr. v. Bu⸗ rian durch die Verleihung des Schwarzen Adler⸗ ordens ausgezeichnet. Der österreichisch-ungarische Bot⸗ schafter in Berlin, Prinz zu Hohenlohe Schillingsfürst, er⸗ hielt das Großkreuz des Roten Adlerordens, der Kabinett⸗ chef, Legationsrat Hoyos, den Kronenorden zweiter Klasse mit dem Stern.

Auszeichnung eines ungarischen Regiments durch den Kaiser.

Budapest, 26. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Das 25. Infanterie- Regiment, das einzige der öster⸗ reichisch-ungarischen Monarchie, das zum Andenken an die Schlacht von Custozza die goldene Tapferkeitsmedaille an der Regimentsfahne geheftet trägt, ist letzthin auch durch Kaiser Wilhelm ausgezeichnet worden, der in Würdi⸗ gung des tapferen Verhaltens des Regiments in den russisch⸗ polnischen Kämpfen ihm eine mit dem eifernen Kreuz ge⸗ schmückte prachtvolle Fahne sandte.

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Die Seeschlacht in der Nordsee.

Berlin, 26. Jan.(Priv.⸗Tel.) Wie dieB. 3. Mailand meldet, dauerte die Seeschlacht in der Nordsee bei ununterbrochenem Feuer vier Stunden. Das deutsche Geschwader stand niemals still, obwohl es weniger mächtig als das englische war und die deutschen Schiffe die geringere Geschwindigkeit und weniger zahlreiche Geschütze hatten. Der KreuzerBlücher löste sich zuerst aus der Gefechts linie und kämpfte sehr mutig. Aber englische Torpedojäger schnitten ihm die Verbindung mit den anderen Einheiten ab, das Ergebnis war der Untergang desBlücher.

Amsterdam, 26. Jan.(WTB. Nichtamtlich.)Tija veröfsentlicht folgenden, ihm aus Mnuiden vom 26. Januar zugegangenen Bericht: Der Kapitän des Fischdam pfers Mimi, der am Sonntag vormittag 10 Uhr sich zwischen den kämpfenden Kriegsschiffen befand, erzählt über die Seeschlacht folgendes: Wir waren auf dem Wege nach Hause und befanden uns West-Nordwest von Helgoland, als wir in der Ferne Rauch aufsteigen sahen, der sich so schnell näherte, daß wir binnen kurzem große Kriegsschiffe und etwas später sie begleitende Torpedobvote sahen. Noch bevor wir ihre Nationalität erkennen konnten, erdröhnten Schüsse, denen Salven folgten, von denen der ganze Luftraum erzit⸗ terte. Riesig hohe, über Wasser treibende Rauchwolken entzogen die Schiffe dann vorübergehend unseren Augen. Wir setzten unseren Kurs fort und dachten aus ihrer Nähe zu kommen. Die Kanonade kam aber unheilvertündend näher, so daß wir schließlich von einer großen Anzahl englischer Torpedoboote umringt waren, die schießend und manövrierend an uns vorbeiführen. Geschosse

weiter entfernter Schifse explodierten ganz in der Nähe un⸗ seres Dampfers. Nachdem der Wind die Rauchwolken ver⸗