Ausgabe 
(11.1.1915) 8. Erstes Blatt
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Nr. 8 Der Siegener A erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; weimal wöchentl. Krels⸗ latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag): zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche. Fernsprech-Anschlusse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelled l Adresse für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.

Erstes Blatt

165. Jahrgang

jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pji.; durch die Post Mk. 2. viertel f jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf. Haupt- schristleiter: Aug. Goer

General-Anzeiger für Gberhessen

Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7.

Montag, II. Januar 1915

ZBezugsvreis: monatl. 75 Pf., viertel-

Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz, für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

die Stimmung im englischen Oberhaus. . Ein deutscher Sieg in Ostafrika.

(WTB. Großes Hauptquartier, 9. Jan.(Amt⸗ lich.) Westlicher Krsegsschauplaßtz. Die ungünstige Witterung, zeitweise wolkenbruchartiger Regen mit Gewitter hielten auch gestern an. Die Lys trat an einzelnen Stellen über ihre Ufer. Mehrere feindliche Angriffe nordöstlich Soissons wurden unter erheblichen Verlusten für die 1 zurückgeschlagen.

n französischer Angriff bei Perthes(nördlich des Lagers von Chalons) wurde unter schmeren Verlusten für den Feind abgewiesen. Im Ostteil der Argon nen machten unsere T n einen erfolgreichen Sturmangriff, nahmen 1200 Franzosen gefangen und erbeuteten einige Minenwerfer und einen Bronzemörser. Schlesische Jäger, ein lothringisches Bataillon und hessische Land⸗ wehr zeichneten sich hierbei aus. Ein vorgeschobener von uns nicht besetzter Graben bei Flirey wurde in dem Augen⸗ blick von uns gesprengt, in dem die Franzosen von ihm Besitz genommen hatten. Die ganze französische Besatzung wurde vernichtet. Westlich und südlich Seunheim änderte sich nichts. Die Franzosen wurden aus Ober⸗Vurnhaupt und den vorgelagerten Gräben in ihre Stellungen zurückgeworfen und ließen über 190 Gefangene in unseren Händen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage im Osten ist bei anhaltend schlechtem Wetter unverändert. Unsere Beute vom 7. Januar hat sich auf 2000 Gefangene und sieben Maschinengewehre erhöht. Oberste Heeresleitung.

(TB.) Großes Hauptquartier, 10. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz. Das schlechte Wetter hielt auch gestern an; die Lys ist an einzelnen Stellen bis zur Breite von 800 Metern über das Ufer getreten. Feind⸗ liche Versuche, uns aus unseren Stellungen in den Dünen bei Neuport zurückzudrängen, schlugen fehl. Nordöstlich Soissons wiederholten die Franzosen ihre Angriffe, die gestern sämtlich unter großen Verlusten für sie abgewiesen wurden. Ueber 190 Gefangene blieben in unserer Hand. Die Kämpfe dortselbst sind heute wieder im Gange.

ö Westlich und ͤstlich Perthes(nordöstlich des Lagers von Chalons) griffen die Franzosen erneut heftig an. Die Angriffe brachen unter sehr schweren Verlusten für die Fran⸗ zosen zusammen; wir machten etwa 150 Gefangene. In den Argannen gewannen wir weiter Gelände; hier wie in Seed Apremont, nördlich Toul, dauern die Kämpfe noch an. Am 8. Januar abends versuchten die Franzosen erneut, das Dorf Ob er-Burnhaupt im Nachtangriff zu neh⸗ men. Der Angriff scheiterte gänzlich. Unsere Truppen mach⸗ ten weitere 250 Franzosen zu Gefangenen und erbeuteten ein Maschinengewegr so daß sich die Beute van Obern- Burn⸗ haupt auf 2 Offiziere, 420 Mann Gefangene und 1 Maschi⸗ nengewehr erhöht. Die Franzosen hatten auch hier augen⸗ scheinlich schwere Verluste; eine große Menge an Toten und Verwundeten liegt vor der Front und in den angrenzen⸗ den Wäldern. Gestern fanden nur kleinere Gefechte im Ober⸗ Elsaß statt. Gegen Mitternacht wiesen unsere Truppen bei Nieder⸗Aspach einen französischen Angriff.

Oestlicher Kriegsschauplatz Die Witterung hat sich noch nicht gebessert; auf der ganzen Front blieb die Lage unverändert. Kleinere russische Vorstöße südlich Mlawa wurden abgewiesen. Oberste Heeresleitung.

Die Reden im englischen Oberhaus, von denen das Wolff Bureau uns wieder ausführliche Proben übermittelt, verdienen die regste Aufmerksamkeit. Nicht als ob Deutschland nun beruhigt die Hände in den Schoß legen dürfte. Wir haben zunächst gar keine Schlüsse aus den englischen Stim mungen zu ziehen, und wir sind überzeugt, daß unsere Hee

kesleitung nicht etwa darin nachlassen wird, alle unsere

militärischen Machtmittel zur vollen Anwendung zu bringen.

Die leitenden Männer Englands haben diesmal keine Zahlen

genannt, und wir haben daher die Pflicht, uns in keiner Weise aschen zu lassen. Aber eine Wirkung, eine für uns Deutsche erfreuliche Wirkung werden die Auseinandersetzun gen im Oberhaus schon haben. Es wird der Welt klar wer⸗ den, wie es mit der Siegesgewißheit unseres größten Fein⸗ des aussieht. Der müde Londoner Wortstreit wird auf die Franzosen noch lähmender wirken als der Regen, der jetzt immerfort auf die Schlachtfelder herniedersäuselt. Schon hat sich der Bazillus der Enttäuschung auch imTemps ein⸗ genistet. Schreibt dieses Blatt doch neuerdings: Die Ver⸗ bündeten könnten den 7 nur um den Preis härtester Opfer erringen Ob diese Aeußerung wieder auf die eng⸗ lischen Politiker zurückwirken wird? Diese wollen, nach französischer und russischer Meinung, die härtesten Opfer nicht bringen, und nach dem Verlauf der neuesten Sitzung

des Oberhauses ist es ife h Ae lande wirlich st es höchst zweifelhaft, ob es auf dem Insel

kommen wird.

zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht st vom Regierungstische doch das vielsagende lle hauptsächlich durch seine Flotte

chen Räder der Volkswirtschaft bewegen muß, kann sich um neue dafür auf⸗ der Stimmung des

Volkes zu rechnen. Und was die Hauptsache ist: es wäre zu spät! Wo sind die Offiziere, die den Plan verwirklichen könnten? Wieder werden wir also an den Satz erinnert, der von der maßgebenden Stelle ausgesprochen worden ist: wir stellen so viel Soldaten ein als wir ausbilden können.

Die englische Presse übt an den Regierungserklärungen ziemlich unverhüllt Kritik. Warum, so fragt sie, nannte man früher Zahlen und jetzt nicht mehr? Es ist vergnüglich, zu lesen, wie Lord Lucas namens der Regierung den Groß⸗ sprecher Churchill reinzuwaschen oder wenigstens zu entschul digen versucht hat. Es war ja, so ungefähr wurde da gesagt, nur ein frommer Wunsch Churchills, als er so große Zahlen nannte; 25 Armeekorps sollten aufgestellt werden, wenn eben die nötige Zahl von Menschen aufge⸗ bracht werden könnte. Homerisches Gelächter muß dieses Kapitel abschließen, über das wir, wie man sieht, nicht mit Unrecht öfter die Ueberschrift gesetzt haben:Der Schwätzer Churchill. Wir haben jetzt sogar die amtliche Be⸗ stätigung dafür erlangt.

Aus dem englischen Oberhaus.

Die englischen Maßregeln gegen eine Invasion.

London, 9. Jan. WTB. Nichtamtlich.) In der gestrigen Sitzung des Oberhauses führte Earl of Crewie über die Vor⸗ bereitungen gegen eine Invasion aus, daß bereits Mitte Oktober die Lorpfeutnanz der verschiedenen Grafschaften entsprechende Weisungen erhalten haben. Diese seien Ende Oktober und im Lauf des November abgeändert worden. Die Vorbereitungen seien als eine Art Versicherung gegen mögliche Gefahren zu betrachten. Unter der Aufsicht der Lordleutnants seien lokale Notaus⸗ schüsse gebildet worden, die die Einzelheiten ausarbeiten. Es wurde nicht für wünschenswert erachtet, für die Bildung der Aus⸗ schüsse allgemein Anweisungen zu, geben. Lord Curzon Oppo⸗ sition) bemerkte hierzu, die Streitkräfte, dic in den einzelnen Graf⸗ schaften gebildet würden, seien, selbst wenn sie eine Million Mann zählten, nutzlos, wenn der Notfall eintrete, falls sie nicht unter direkte militärische Kontrolle gestellt würden; ja sie würden sogar eine große Gefahr darstellen, da sie vom Feinde vielleicht nicht als Kombattanten anerkannt werden. Er hoffe deshalb, daß die Organisationen für die Verteidigung des Landes unter entsprechende militärische Kontrolle gestellt würden. Lord Selborne tadelte, daß die Admiralität keinen Vertreter im Oberhaus besitze. Er sprach die Ansicht aus, daß es verfehlt gewesen sei, eine Marinebrigade nach Antwerpen zu senden. Die Flotte unter Admiral Jellicoe solle nicht nur zu Patrouillezwecken verwendet werden; ihre Hauptauf⸗ gabe bestehe darin, die deutsche Flotte zu vernichten, wenn diese sich herauswage.

London, 9. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Im Oberhaus sagte Lord Haldane bei der Erörterung der militärischen Lage, die Aufforderung zum Heereseintritt wurde mustergültig beantwortet. Es sei kein Grund vorherzusagen, daß das Prinzip des frei⸗ willigen Dienstes einen Fehlschlag bedeuten werde. Falls die Notwendigkeit der Dienstpflicht erwiesen sei, füge sich die Re⸗ gierung der Notwendigkeit. Haldane fuhr fort: Wir kämpfen für unsere nationale Existenz. Nur ein Sieg, der die Wiederkehr des früheren Zustandes ausschließt, kann als befriedigend gelten. Die dem Lande gestellte Aufgabe ist sehr schwer, aber keine Mühe und keine Hilfsquelle des Landes soll gespart werden, um die große Aufgabe zu einem glücklichen Ende zu führen.

Weitere Kritik an den englischen Heeresmaßnahmen.

London, 10. Jan.(W. Nichtamtlich.) Lord Lucas erklärt namens der Regierung, daß es streng vermieden wer⸗ den müsse, bei Besprechungen von militärischen Vorbereitungen Zahlen zu erwähnen. Wenn England wüßte, wieviel Mann in Deutschland aufgestellt und ausgebildet werden, so wäre das für die Verbündeten von der größten Bedeutung. Ebenso könnte schon die Angabe einer einzigen Zahl für Deutschland Wert be⸗ sitzen. Alles, was gesagt werden könne, sei, daß das Kriegsamt trachte, die Ausrüstung mit der Rekrutierung im Einklang zu er⸗ halten. Das geschehe gegenwärtig, und um mit der beschleunigten Rekrutierung Schritt zu halten, mache das Kriegsamt enorme Anstrengungen, um für Ausrüstungsgegenstände zu sorgen. Die hierfür geschaffene Organisation gewinne schnell an Umfang. Der Einwand, daß Churchill Zahlen angegeben habe, sei nicht ganz zutreffend. Churchill habe nur in seinen Rekrutierungsreden gesagt, daß, wenn die nötige Zahl von Menschen aufgebracht wer den könnte, 25 Armeekorps aufgestellt werden sollten; er habe damit einen Wunsch ausgedrückt.

Lord Selborne sagte: Deutschland hat gezeigt, daß es die wunderbarste Kampfmaschine befsitzt, über die jemals eine Nation verfügt hat. Die Auf- gabe, die den Verbündeten obliegt, ist außerordentlich ernst und schwierig: das sollten die Engländer voll einsehen. Deutschland 5 den Vorteil der zentralen Lage und des einheitlichen Kommandos. Deshalb ist es nötig, daß wir für eine voll- ständige und dauernde strategische Zusammenarbeit zwischen uns und den Verhündeten Sorge tragen, sowohl auf politischem als auch auf militärischem Gebiete. Wenn das freiwillige Rekrutie⸗ rungssystem nicht genug Menschen liefert, müssen wir zur al l⸗ gemeinen Wehrpflicht schreiten. Dieser Fall muß ent⸗ sprechend früh vorbereitet werden, damit nicht ein nationales Chaos eintritt.

Der Lordkanzler sagte, die Aufgabe Englands in diesem Kriege decke sich nicht ganz mit der der Ver⸗ bündeten. England müsse vor allem für die Herrschaft zur See sorgen. Es sei mit verhältnismäßig geringen Verlusten imstande gewesen, seine Vorherrschaft zu erhalten. Der Armeebedarf werde mit einer Geschwindigkeit hergestellt, die noch vor kurzem unerreichbar gewesen sei. Das gelte sowohl von den Explosib⸗ stoffen wie von den Geschossen und Gewehren. Die größte Wohl⸗ tat des Krieges sei, daß er England seine Mängel einsehen ge⸗ lehrt habe. Eine enge Fühlungnahme zwischen den Ober kom- mandierenden der verbündeten Länder sei un m ö glich,

die Stäbe seien jedoch in Fühlung und die Oberkommandierenden.

über die einzelnen Operationspläne unterrichtet. Es würden alle

Anstrengungen gemacht, ohne Rücksicht auf die Kosten, den Deut⸗ schen eine den 42 Zentimeter⸗Mörsern gleich wertige Waffe gegenüberzustellen.

Lord Curzon fragte, ob Sir Roger Casement nach dem, was vorgefallen sei, die Staatspension weiterbeziehen werde. Die Aufgabe, vor die England sich gestellt sehe, sei die größte seit Be⸗ stehen des Königreiches. Das Oberhaus wünsche zu wissen, ob das Kriegsamt, das mit Arbeiten überbürdet sei, überhaupt Zeit gehabt habe, über die Vorbereitungen zur eventuellen Einführung der allgemeinen Wehrpflicht nachzudenken.

Lord Crewe sagte, das Rekrutierungssystem, das einen Still⸗ stand oder auch nur eine Entmutigung der britischen Exportindu⸗ strien mit sich brächte, würde auf den schließlichen Erfolg der britischen Waffen ungünstiger einwirken, als wenn die Rekrutierung um einige Tausend Mann hinter den Erwartungen zurückbliebe. Die Rekrutierung in Irland sei trotz der unglücklichen Differen⸗ zen, die dort beständen, zufriedenstellend. Mit Bezug auf Roger Casement sagte Crewe, er sei gegenwärtig nicht in der Lage, eine Pension zu beziehen und werde auch kaum jemals in diese Lage kommen.

Das Haus vertagte sich sodann bis zum 2. Februar.

London, 10. Jan. WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus: Lord Rosebery führte in einer Rede in Dalkeith u. a. aus: Wir stehen zwei Tatsachen von größter Be⸗ deutung gegenüber: Erstens, daß die britische Nation auf immer unterworfen wäre, wenn sie nicht bis zum letzten Schilling und bis zum letzten Mann kämpfte, und zweitens, daß das deutsche Volk als die größte Militärnation der Welt sich' nie wieder erheben würde, wenn es geschlagen würde.

Ein englischer Kabinettsrat über die Retrutierungsfrage.

Kopenhagen, 9. Jan.(Ctr. Blu.) Am Silvestertage fand im Buckinghampalast unter dem Vorsitz des Königs Georg ein geheimer Kabinettsrat statt, worin vornehmlich die bisher unerfreulichen Retrutierungsergeb⸗ nisse beraten wurden. Kitchener sagte, die Notwendig⸗ leit der Einführung des militärischen Zwanges werde sich nicht umgehen lassen. Der gleichen Anficht war Chur⸗ chill, aber Asquith und Lord George wollen nach wie vor von dem höchst unpopulären Vorschlag nichts wissen Der Ministerrat kam zu keinem endgültigen Beschluß.

DerTemps über die Kriegsaussichten.

Paris, 10. Jan.(WTB. Nichtamtlich) In einem Ar⸗ tikel über die Entwickelung des Krieges schreibt der Temps: Der Krieg hat einen Charakter angenommen, den man nicht erwartet habe. Man müsse jetzt mit einem Abnützungstriege rechnen und deshalb die gefährliche Un⸗ geduld vermeiden. Deutschland könne trotz großer Men⸗ schenverluste noch viele Reserven aufstellen. Die Ver⸗ bündeten köunten den Sieg nur um den Preis här⸗ tester Opfer erringen. Deutschland sei noch nicht am Ende. Die großen Schwierigkeiten würden im Fri hjahr beginnen, namentlich wenn die Neutralen hart blieben. Der Krieg, den Frankreich augenblicklich führe, sei eine harte Prüfung. Die Ungeduld wünsche eine Beschleunigung der Operationen, aber es sei Geduld nötig.

Die Rekrutierung in Frankreich.

Paris, 10. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Wie der Temps mitteilt, ist die Einberufung der Jahres- klasse 1917 bereits in Erwägung gezogen worden. Ein endgültiger Beschluß ist jedoch noch nicht gefaßt worden.

Lyon Räépublicaine meldet: Der Kriegsminister erklärt in einem Rundschreiben an die Presse, die Nachricht über die end⸗ gültige Außerdienststellung der Jahresklasse 188,88 der Terri⸗ torialreserve sei nur teilweise richtig. Bisher seien Mannschaften der Territorialreserve von 1887/88 nur aus der inneren Zone ent⸗ lassen worden; sie würden bei Bedarf wieder einberufen. Die Mannschaften, die als Handwerker und Bäcker verwendet wer⸗ den, werden auch in der inneren Zone nicht entlassen.)

1200000 Mann französische Verluste.

Zürich, 9. Jan. Der größte Teil der französischen Presse ist gegen die Heeresleitung wegen der soeben veröffent⸗ lichten Verlustliste aufgebracht, da man erst jetzt erfuhr, daß in den Spitälern nicht weniger als 498000 Verwundete gepflegt werden. DerLyon Republicain schreibt: Welchen Zweck unsere Regierung mit der bisherigen Vertuschungspraxis verfolgte, ist niemand klar. Sagte sie sich nicht, daß der Tag kommen müsse, an welchem das Volk fragen werde, wie es komme, daß sämtliche öffentlichen Gebäude in Frankreich Spitäler geworden seien. Man wisse heute genau, daß in dieser halben Million die privat ver⸗ pflegten Verwundeten nicht einbegriffen sind. 300 000 Gefangene haben wir nach seindlichen Berichten verloren. Wenn wir die Zahl der Toten mit mindestens 300 000 annehmen, so hat Frankreich heute bereits 1 200 000 Mann an Verlusten.

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Die österreichisch⸗ungarischen Tagesberichte.

Wien, 9. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 9. Jan, mittags. In Westgalizie nn, wo sich die Gegner zumeist bis auf die nächsten Distanzen gegen⸗ überstanden, wurde gestern ein Nachtangriff des Feindes auf den Höhen nordöstlich Zakliczyn abgewiesen. 8

Nördlich der Weichsel dauert der Geschützkampf an. Die Kirche einer größeren Ortschaft in Russisch⸗Polen mußte gestern in Brand geschossen werden, da die Russen auf dem Kirchturme Maschinengewehre eingestellt hatten.

In der südlichen Bukowina und in den Karpathen nur Plänkeleien.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

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