Ausgabe 
26.11.1914
 
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Seme Blicke liefen hin und her. Alles verbrannt und zer­stört! Die schweren ollen Möbel von seinen Künstlersahrtcn ein einziger Trümmerbanien! Die Betten und Decken verkohlt! Die fröhlichen Kleinigkeiten des Hausrats verschwunden unter Schutt imd Asche!

Nanz oben ans der wüsten Niattc lagen die Resie eines Bildes. Ein Stückchen Bcrgland unter heißem Sommerhirnmel und der stopf eines' Mannes, der mit blauen alemannischen Angen in die Ferne sah.

Sein Bild, das er nwchenlang in der Seele gerragcn und an dem er zuletzt gearbeitet hatte, ehe die Geiste, schwadronen über die Grenze ritten

Dos mürbe wobt niemals wieder gemalt tverden können 1

Der Künstler vergrub den Mopf tiefer in das ausgeschichtete Gras. Bor seine dämmernde Seele trat ein anderes, größeres Bild: Das Bild eines weiten, freien Landes in breuuendeiu Herbst glänz, und darin das deutsche Volk, kämpseild und leidend, siegend uud auflwuend . . .

Das sollte die nächste Ausgabe sein!

vermischte«.

* Das Blitze li der Blüten d i e Lösung eines 1 5 (>j übrigen Rätsels. Bor rund lüO Jahren, im Jahre 1762, beobachtete Elisabeth Linnß, die Tochter des großen Natur- furscberS, daki die rotgelbeu Blätter der Kapuzinerkresse ab und zublitzten". Lange haben die Gelehrten darüber gestritten, lvie die seltsame, von vielen Forschern bestätigte -Erscheinung zustande käme, und durckl die neuesten llntersuchnngen darüber, die von A. Sckileiermacher (IstOd imd Friedrich ?i. Tlwnias ( 1914), ist das Rätsel endgültig gelöst. Ein Aussatz vou Tr. O. Damm im Prometheus" (Verlag vou Otto Spamer in Leipzig» macht über dies Blumcurätsel und seine Lösung fesselnde Mitteilungen. Die Beobachtung geliugt nur in der Dämmerung, u. z. an lebhasl seuerroten Blüten, die sich von, grünen Blatthintergriind abheben und man kann sic künstlich mit buntem Papier uachahmeu: man nehme ein grüneres Stück kornblumrubtaues Pacher und ilrbe ein feuerrotes, möglichst glanzloses Stück Papier daran», das ctiuu l bis 4 Ouadrcttzeutimeter groß ist. Dann bewege mau das Blatt ick,mell hin und her, ohne daß der Blick dem Pacher folgt. Es entsteht ein deutliches Ausblitzen. Roch einiger Uebinig gelingt der Versuch auch bei ruhendem Objekt und wanden'.vern Blick »nd schließlich nimmt man das Aufleuchten auch ivahr, lvenn man den Blick nur gerade bis auf da-s rote Pacherstück und iticiil dorüvcr hinaus lenkt. Tie Gelehrten, die iit den, Blitzen der Blüren eine elektrische Erscheinung vermuten, sind nun durch Versuche endgültig tviderlegt worden» in der Nähe einer anfblitzenden Blicke zeigt ein empfindliches Elektrofkop keine» Ausschlag» es ist datier keine elektrische Erscheinung in der Art des St. Elmsfeuers. Es kommt überhaupt keine phvsikalrsckic Kraft in Frage, die das Blitzen her- »orrust, chelmehr ist die Erscheinung nicht objektiver, sondern fub- iektiver Natur und findet in der phvstolvgischen Optik ihre Er­klärung. Der scheinbare Blitz, der von der Blüte oder dem Farbcn- papier auSgeht, hat in Wirklichkeit seinen Sitz im Auge des Be­obachters und ist nichts anderes, als das Nachbild, das bei rnhendem Objekt und bewegtein Ange ebenso hinter dem heilen Objekt er- scheiill, wie wenn das Ailge ruht und der Gegenstand bewegt wird. Der Untergrund der Blumenblätter, die viele blaue Strahlen aus- lende», tvic das Papier bei dem kliustlicheu Bcrsnch gibt ein Helles Nackwild: die Enipsindung seiner Helligkeit snmmiert sich mit der berecks vorhandenen Rotempsmdnng, und so kommt das plötztiche Anflenchtcn zustande.

vücherlijch.

MteinzStirlings Abenteuer im Frieden und im Kriege. Etu Buch für die Fugend vou Fedvr v. Zobel­titz. Mi! Bildern von Fritz Schoeu. Verlag Ullstein L- Co., Berlin-Wien. 6 Mk. Mit der Vollkraft seines großen Erzähler talents schildert der bekannte Berscksser hier die Geschichte eineck jungen Menschen, den oigeirtiimliche bäusliche Berbällnisse auS der gewohnten Bahn heränsgeschltnidert und in eine abenteuerliche! Welt voll bunter Erlebnisse und mannigialtigcr Gcckahreu ge­trieben haben. Von der deutschen .Heimat, kommt der jugendliche Held nach Rußland und der Türkei, unten,im,nt mit einem tür­kischen Fliegerossizier eine» wilden, tollkühnen Flug über die Berge, Steppen und Wüsten Kleinasiens bis nach den, Anti- Ltbauon. Er gerät in Gesanqenschast,. befreit jid>, macht eine ein» stustreiche Bekanntschaft und finde! endlich einen Lebensberus: die drahtlose Telegraphie. So kommt ec nach Belgien, wird iir Lüttich vom Kriegsausbruch überrascht, entzieht fick, mit großer List imd Geistesgegenwart seiner Berhastuiig als Spion und erlebt den ruhmreichen Einzug der deutschen Trnvpen. Der tortreißende Schwung, der durch alle diese farbigen Bilder geht, hält das Inter- Esse und bte Spannung der Leser bis zum Schlüsse lvach. Es ist das Buch eines Dichters, der die Jugend liebt und weiß, lvas sie begeistert und fesselt.

K r i e g s n n in in e r 16 derI l l u st r i e r t e n Zei­tung" (Verlag I. I. Weber, Leipzig». Die vorliegende Nummer ist wieder von cinrr Fülle vorzüglichen und interessanten Bildee- matcrials in mustergültiger technischer Wiedergabe. Bon großer Unmittelbarkeit der Wirkung sind die Bilder des SondrrzeichnerS Professor Hans von Hahek, der n»S tmckende Szenen von den nwstlicheu Kriegsschauplätzen vor Augen sticht. O. I. Olvertz, der in der Front kämpfende Mitarbeiter derIllustrierten Zeitung", ist mit vier kleineren Bleisttstzcichuungen vertreten, die deutsche Soldalcngräbe, bei Reims wiedergehen und in ihrer Schlichliwil voll erschütternder Tragik sind. Bon größeren Bildern seien uock» genannt:Im Lazarettzug":Deutsche Patrouillcnsahit im Auto- uwbil durch ein von Franzosen besetztes Dorf":Deutsche Brücken wache an der Maas"»Kampf der türtischen Tardanellensorts gegen -die vereinigte englische und französische Flotte" ustv. Bon gesunder,, Hnmor zeugt das prächtige dovvelieckige Bild Richard AßmannsEine Erinnerung an den Fall vou Antwerpen". Sen, uttereifant sind ferner als hlegeustäcke zur deutschen bildlichen Kriegsberickjterstattnug drei Adbckdungen aus den englischen Zeit schrittenabe Sptierc" undJllnstratcd London Rems". Wie stets enthält die reichhaltige Rümmer ferner »ock, eine große An­zahl kleinere Ltreiibtllur von den verschiedenen Kriegsschauplätzen, sowie neben ansgezeiümeten Ausiützeu aus berufenen Federn eine chrdiwlogische Darstellung der kriegerischen Ereignisse der letzten Woche. _

Erlebtes und Erliticuc», Ertmupktes nrid Erstrittene».

Wir rille» zi:!ai>nc>, nach Soiscmourt Am frischen Morgen, halb sechs imc die Uhr,

Und von den staubigen, troclencn Wegen Lachte «nS hell die Sonne entgegen.

Uns lachte das. Herz uud mit leichtem Traben GingS durch den letzten Schützengraben.

Dann weiter im Schrill ans das Dürft«» z»,

Dar stiedlich da lag in de- Morgens Rnh.

Wir solllcn erkunden und enväheu.

Ob die Feinde norl, dorlen in Stellung stehe».

Als wir noch mitten im lieberlege»,

Krachte uns höllisches Feuer entaeqeu.

Blei» Pierd sank zu Boden. Es streckte sich

In den letzten Zügen und deckte nach

Mit seinen, Leib vor dem kalten Eisen

Der sräickijchen Büchjen. Ich kroch ans lecken,

Vorsichtigen Sohlen die Straße zurück

Und tras den Freund. Crn kurzes Strick

Trug ihn sein Pierd noch, dam, sank er zur Erde.

Ich sanö ihn, und mit loeher Gebärde

Reicht er die Hand mir:Du muß! mich stützen,

Zwei Kugeln hob ich i», Beme«,."

Ich hals ihn, sorl: mit Müh und Rot Eiitrannen wir glücklich de.»> bitteren Tod.

Die Sonne lag lzell über Soiiemotut Ai» srühe» Dlorgen, und sechs >var die Uhr.

Otto Neurath, raud. plul., z. Zt. in, Felde, kriegsfreiw. Drago»,er.

Schach-Auistade.

Bon E. LI. Schmidt.

Auflösung in nächster Nummer. .

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummari Heini, Leim, Reim, Seim.

e.chrsktleitmig: Llng. Goetz Rotationsdruck und Verlag der Brnlck'iche» UniversttälS-Buch- »nd Sleindrnckerei. R. Lange. Gieße».