Ausgabe 
15.7.1914
 
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bfruinfc ei n geräumt VNd j_n g e fl r 111 werbe Ohn geverdte. Test Dur vrkundlen haben wir Secret Jnsiegel heran henken vnd gel/en laffen. Zu Marvurgk am Tage Petri ad cathedram anno A^niini Tausent, sunshunderl siebzig mid sieben/'Bercdde vnd verspreche (Rolshausen) darnach vor mich vnnd meine erben, daß wir alles daß Jhenig, was uns in solcher Verschreibung aeineldet wurdtet, treu sich vnnd vestiglich halten, auch hochgedachten Mepnen gnädigen Fürsten vnnd Hern vnd seiner ffitfn. Gnaden erben an denen stücken, welche seine sürst- lichc gnad hierinn Austrücklichcn bedinglt, Unnd Vor­behalten haben, nicht verhindern, dazu welche Zeit Jhro fürftl. gnad oder deren erben vnd Nachkommen, sürsten zu Hessen von mir vnd meinen Erben Inhalt vnnd lauth vorhergehender Verschreibung zu darin bestirnten Zeitt von uns widderzulosep begehren, wir denn Ihrer fürftl. gnaden dieselbige widderablosung also ohne allen Jn- lrag vnnd Verhinderung v erstatten vnd zulassen, auch Fntrag vnnd Verhinderung verstauen vnd zulassen, auch jegen Erlegung der 6000 sl. Hauptsumme obberurter Mehrung losch Schloß vnd Stadt mit ihren Zugehorungen, In «Uermaßeu ihres genandten Pfandt? entpsangen vnd übernom­men habe, frey leddig wiederumb abtreben sol­len tmb Wüllen. Alles treulich dessen zu wahren Urkunden vnd ohne geverdte habe ich diesen Revcrßbrief mit eigener Hand unter­schrieben mid mein Angeboren Jnsiegel hieran gesetzt.

Geschehen oss tag vnd Fhar wie vor.

(ge*. Friedrich von Rolshausen.)

Nach dem Registervber alle Hins vnd gevelle an gelde, feucht, vedder vie, wackzs vnd andeerem" vom Schloß und der Stadt Stausenbcrg vom Jahre 1571 gaben Bürgermeister und Rat alljährlich an Bede (Steuer) 44 s l. 22 alb., 90 st. 83 alb. ständiges Geld, vomBi einkaus" je 1 fl. Tos Ein­nahmegeld vom Fisch-Wasservon de Lohne" erbrachte von 2 Pächtern 20 sl.; dazu waren noch wöchentlich 3 Psd. Fisch aus das Schloß zu liesern. Die Einnahme vomalten und neuen Haingartenzins" betrug 8 s l. 15 a l b.Die Zwenn harngraben vor dem thor an der Mauer, der Kellersgarten genannt, zwischen der Mauer und Friedrich v. Rolshausen hat! der Schultheiß des orts amtshalber im gebrauch." L e h n s - träacr imLollarer Gericht" hatten von Häusern und Gütern

11 fl. 2 alb. zu zahlen. Die Inhaber des Schloßgeländes und verM ölen (Mühle) am vnderu Stein" (unterhalb der Station Friedellzausen an der Lahn) halten ein Neujqhrgeld zu zahlen,wie es seither im ort berechnet wird". Außerdem waren fällig vom Schloßaelänoe und von der Mühle 9 Malter

12 Mesten Korn, 12 Malter 4 Mesten Daser. Das Zehnte-Korn erbrachte 20 Malter 4 Mesten. Aus -Ascher-Mittwoch" waren zu liefern von 99 Personen 2 5 M e st e u Olev" (Rapssamen), ausLichtmeß" 19'/- Pid. Wachs (zu BcleuchtungszweckenL Bon Däusern Und Lehnsgütern hatten 8 Einwohner, davon einer in Ruttershausen und einer in Lollar, 16 Ganse zu stellen: von einzelnen Gütern inDickenbach" (untergegangenes Tors aus den: Weg von Stauscnberg giach Oden-

usen, links vom Weg) 11 Gänse, im ganzen also 9 6 G ä n s e. An ^astnachtshühncrn" waren zu liefern 16 Stück, anEi- genleibshühncrn": 95, im ganzen 51 Hühner, an Fastnachtshähnen: 98 Stück, angehendHähnen": 1 2 6 Stück, und zwar von Güternin der Kirchgasse, bei den Ro­dengruben, am Rolshausenschcn Baumgarten, an der Lendelbach, hinter der Rudtharth, am neuen Daingraben." TieS o e r a u - Wiesen" (zwischen Mainzlar und Taubringen) lieferten 20 Wagen Deu: die Grummeternte wurde für 24 sl. 17 alb. ver­steigert. Die Einkünfte aus den Gefällen zum Slausenberger Schloß lassen sich ungefähr aus 1000 sl. jährlich berechnen, kür die damalige Zeit ein hoher Betrag und gewiß eine gute Verzinsung, 15»/» von den von Rolshausen vorgeschossenen 6000 fl.

160 4 kani mit dem Tode des Landgrafen Ludwig IV. von Marburg die Oberburg Staufenberg an den Landgrafen Ludwig V. von D e s s e n - D a r m st a d t, den Gründer der Gießencr Universität. Es entspann sich aus dieier Marburger Erbschaft bekanntlich ein Erbschastsstreit, der für das Dessen- land verhängnisvoll wurde, da er erst endgültig mit dem West­fälischen Frieden 1648 ausgetragen wurde. Aber schon 1623 wird dem Landgrafen Ludwig V. vom Kaiser Ferdinand II. von der Marburger Erbschaft zugcsichert: Gießen, Düttcnbcrg, Bu- seckcr Tal, Staufenberg, Alsfeld, Romrod, Butzbach. Am 5. August 1607 schlug der Blitz in die Oberburg Staufenberg ein. Tas Wetter zerstörte den Giebel Undsorn die ganze Wanderung" iStock­werke'.

Während des 30jährigen Krieges hatte die Oberburg viel zu leiden, namentlich von den Schiveden, weshalb auch gewöhnlich angenommen wird, der schwedische General Königsmark habe sie 1647 in die Lust gesprengt Nach dem Bericht des Pfarrers Trygophvrus zu Kirchberg soll sic von den N i ed e r h e s s e n , die wegen der Marburger Erbschaft mit Dessen-Tarmstadt in Krieg waren und allerdings auch Schweden und Franzosen als Ver­bündete hatten, durch General Mort arg ne am 2 7. Mai 1 6 4 7 zerstört ivorden sein. Ter Kirchberger Pfarrer berichtet 1647: ,,Das Hessische Kriegswesen ist diesen Sommer über so kontinmret, daß von dem Nieder-Hessischen Gencral-Leutenant

Morlaguic Rheinfels. Kaub, die Katz etc. F-riedbergk, Blankenstein, Königsbergs und airdere feste Plätze eingenommen, auch unter denen .St fl senb erg im Majo (Mai) feindlich angegangen, das fürstliche Haus nnterminiret Und! sainbt dem Thurm dem 27. eiusdem Mayi, war scstens Ascenlionis (Himmelfahrt) gantz llbernhausen geivorsen Undt tzingeäschert worden."

Die Reste der Oberburg zerfielen seit der Zeit immer mehr. Lange Jahre war der Weg zu ihr durch Gras, Gestein, Gebüsch und T-ornen unzugänglich, bis der hessische Staat seit 1844 einen Weg anlcgen, das Schlohgeländc mit Bäumen mid Gesträuch besetzen ließ und sie durch Reparaturen an der Burgruine und an der Schloßmauer vor gänzlichem Versgll schützt«- 1846 wurden für die Wiederherstellungsarbejiten der Oberburg 560 sl. ver- weüdet: seitdem wurde sie unter Aufsicht des Staates gestellt, der heute noch für die Erhaltung der Ueberreste forgt.

Unterhalb der Oberburg liegt die Unterburg. Sie biüieke ehedem auch ein längliches Viereck von 12 Metern Länge. An ihrer Stelle standen wohl ursprünglich die Wohnungen lwr Burg­mannen der Oberburg. Fälschlich wird angenommen, Frich- rich II. von Rolshausen, der 1564 Friedelhousen erbaut hat, habe auch 1563 die Unterburg erbaut. Ist es schon unwahrscheinlich, daß Friedrich II. von Rolshausen innerhalb zwei Jahren zwei Burgen erbaut haben kann, so weist auch die Unterburg in ihrem Baustil auf eine frühere Bauzeit als Fri edel Hausen. Die Er­bauung der Unterburg fällt wahrschemlich in das Jahr 1517 und ist von dem Onkel des erwähnten Friedrichs II., von Fried­rich I. von Rolshausen, ausgesührt worden. Dieser Fried­rich I. von Rolshausen war mit einer Freiin von Rau-Holj- hausen Verheiratet. An einer Pforte zur Unterburg finden sich webest der Jahreszahl 1517 das Rolsyauscnsche und dos Rauisch«Wappen,

Friedrich II. von Rolshausen, dein 1571 Landgraf Ludwig IV. von Marburg die Oberburg verpfändet hatte, war hesfen-kasselscher Oberst und unter Philipp dem Großmütigen und seinen: Sohn Wilhelm IV.,Dem Weisen", (15671581) ein angesehener Edelmann und Hofmarschall. IM schmalkaldischen Krieg führte er als DauMmann ein Fähnlein. Er kommandierte die 50 Trabanten, die bewaffneten Lcibdiener des Landgrafen Philipp. Als solcher bezog er eineLeibesbesoldung" von 50 fl. monatlich. 1562 wurde er dom Landgrafen Philipp mit einigen tausend hesst- lchen Reitern den Protestanten in Frankreich zu Hilfe gesandt. Er erwarb sich dort groben Ruhni, besonders in der Schlacht bei Treu: »nd kehrte 1563 mit Schätzen reich beladen, die der Sage nach ihm Mehrer« Maulesel heimführten, von Frankreich zurück. 1564 erbaute er sich bas Schloß Fried «l hau seit, wahrscheinlich Mit dem französischen Gelde, weshalb dies aüch Klein-Frankreich" gmannt wurde. 1577 war Friedrich II. von Rolshausen Amtmann und Burgmann zu Staufenberg. 1583 starb er; er wurde in der Kirche zu Kirchberg beigesetzt, wo sich noch ein schönes Epitaphium von ihm befindet.

Daß die Unterburg 1647 nicht dem Schicksal der Ober­burg verfiel, erklärt iich einmal daher, daß die Unterburg nach dem Fall der oberen Feste als Schutzburg kür die Kriegsführung keine Bedeutung halte. Weiter kommt in Betracht: Ein Urenkel Friedrichs II. von Rolshausen, Otto von Rolshausen, war kömg- ltch-schwedischer Oberst und diente als solcher damals in Deutsch­land. Ihm mußte daran gelegen sein, seine Burg Fpiedelhausen Und auch die Unterburg seines Vetters Ignaz von Rolsbvusen zu schützen. Nachdem dieser schwedische Oberst 1670 sein Besitztum Friedelhausen veräußert hatte, kam auch bald darauf die Un­terburg in den Besitz der Famili« von Graß. Hundert Jahre später ging sie, infolge Erbstreitigkeiten schon venvahploH etwa um 1780 in den Besitz eines pensionierten Pfarrers Busch von Brandobcrndorf über, dessen Erben sie für 900 st. an emen kurhcssischen Oelonomien KeUauf der Fortbach" verkauften. Dieser ließ sie zum größten Teil abbrechen, wobei er allein 900 st. für Blei vom Dach gelöst haben soll. Somit war die Unterburg zur Ruine gemacht. Später erstand die Ruine für 960 st. ein Käuf- mann Taschs aus Gießen, der mtch die Badenburg erwarb. TaschS lieb sich in dem Turm ein Zimmer einrichten. Bon Tgschd erwarb die Ruine ein SchreinerMeister Stingel aus Staufenberg, der in ihr eine Wirtschaft einrichtete, die gut ging. Trotzdem bot er das ganze Besitztum für 1160 sl. zum Verkauf aus. Als im Jahre 1858 die Prinzen Heinrich und Ludwig von Hessen in Gießen studierten, erwarben sie das Besitztum von Stingel. 18601862 wurde unter Leitung des Professors Dr. ,Dugo von Ritgeu, der auch die Wiederherstellungscnlwürse antcrn'gte, 7>as Hauptgebäude der Unterburg mit den Ringmauern teilweise wieder hergestellt. Prinz Ludwig, der spätere Großherzog Ludwig IV. von Hessen, in dessen alleiniges Eigentum die Unterburg übergrug, sorgte für die Erhaltung der Burg. 1871 wurde ein Saal hergerichtet und unter Beihilfe des Herrn Adalbert-von Rabenau mit Rüstungen Und Waffen geschmückt. In dem Saal und in dem Garten der Burg wurde im Sommer Wirtschaftsbelrieb eingerichtet. Dem jeweiligen Burgwirt, jetzt Herrn Torfeld, ist auch die Aussicht über die Burg übertragen. Ter jetzigeEigentümer derBurg ist der Grobherzog Ernst Ludwig von Dessen, der manches für ihre Wiederherstellung tat. Seit 1887 sind auch im oberen Stock der Unterburg Wohn- räume hergerichtet.

Tie Unlerburg Staufenberg hieß auch und heißt noch im Bolksmund dieSch oben bürg". Die Bezeichnung weist