328

der gespannte, erschreckte Ausdruck ihres Gesichts.Warum! i>t er nicht zurückgekehrt? So oft die Kompagnie in die Stadt kom­mandiert war, waren sie abends wieder zurück. Zum Nachtdienst genügt doch da» Bataillon, das sie dort haben. »Warum kamen sie nicht mit dem letzten Zug?" i . . , . , .

Ich erklärte ihr, wie wenig beunruhigend dreier Umstand,ie». Uber sie schienreinen Einwendungen kein Gehör zu schenken. Plötzlich schlug sie die Lände vor das Gesicht, ein herzzerreistendes Weinen erschütterte ihren ganzen Körper.Heute ging es böse zu in der Stadt, ich »vckst es, es äst geirrlh bis zum! Schieden gekommen. Er stand den Kugeln der Aufständischen gegenüber und ich ich!" s

Ich verwies darauf, da» ,u!au es sich wohl überlegt haben tverde, gegen die Soldaten mit Steinen und Revolvern vorzugehen. Meine Worte schienen sie auch zu überzeugen, sie.wurde etwas ruhiger. Wir iahen stumm nebeneinander. Aber mm hörten wir beide ein seltsanres Geräusch. Wir verrieten es uns nicht, aber wir hörten es doch beide, dieses entsetzliche Geräusch. Ich Nebenzimmer waren Schritte vernehmbar, durch die Tevpichie ge­dämpfte, aber doch deutlich hörbare Schallte. Wenn der Wind aussctzte, hörte inan sie, wie sie das Zimmer.durchlnasten, nranck- mäl so nahe an uns herankameu, dah ivir.meinten, ein« Gestalt au- dem Türrahmen treten zu sehen seine Gestalt. Und jetzt war e», als »venu sich »im Dunkel.des NebcnraumeS jemand aich Fenster zu schaffen machte, es war, als wenn eine Hand an die Scheiben pochte . . . Da lieh mich der gellende Schrei der Geliebten aussahren eine Scheibe im Nebenzimmer klirrte, ein losgerissener Fensterrahmen schlug unter den Stöben des Windes, der wie ein Tobsüchtiger »m das Laus.raste, in rhyth­mischen Schlägen gegen die Mauer. , i ^

..So fasse dich doch!" ries ich,ivas schreckt dich denn? Dev Sturm hat ei» Fenster aus der Sicherung gerissen, .es ist ja nur eine Scheibe zerbrochen!" l

Sie hielt die Lände über die Ohre» und ihr Gesicht trug den Ausdruck tödlicher Angst.So schliche doch dieses Fenster, das utacht mich ja wahnsinnig. Schliche doch diese Türen nnd diese Fenster, ich kann das nicht nrehr anhören."! s. l

Ich gehorchte, schlost auch die inneren Fenster. Der ßarirf des Sturmes drang nur mehr gedämpft herein, die Ruhe schien ihr wohlzutun Ich küstte ihre Lände, ihr leises Weinen ver­stumme allmählich ...

ES ist schon Mitternacht," sagte sie.Ich fühte mich schon wobler, jrieiut Nerven sind überreizt, verzeihe es mir, Geliebter, Geh' jetzt, ich fürchte niich jetzt nicht inehr, nur der Sturin hat mich so erregt. Ich imll des Mädchens wegen nicht, da» du noch länger hier bleibst."

Ich überzeiigie mich, dast sie nu.a ivirklich ruhiger war, bat sie, nachtsüber das Licht brennen zu lassen und ein Mittel zu nehmen, bas ihr bei Nerveubeschwerdeu schon »ft gedient hatte. Morgen früh, wenn ihr Galle zurückkomnie, hoffe ich, .würde sie aUe Fasluna wieder finden und dann Herz und Vernunft in gleicher We.se Gch>ör geben, mir unsere Lage .ohne Ueber- spaniltheit zu beurleiie». Sie nickte, drückte ihr tränenfeuchtes, blasses Gesicht an meine Brust »iw nahm dann.ein Licht, um mltr über die Stiege zu leuchteii. >

Ich kann Mir nicht helfen." sagte sie und hielt vor der Türe de- Zimmers inne,ich kann mir nicht.helfen, noch habe ich da- Gefühl, er würde heule noch komme», ,er sei auf dem Weg hierher und würde uns auf der Treppe begegnen ober unten am Tor auf uns warten." i

Sie dielt die eine Hand schützend gegen die Zugluft im Treppenhaus vor die Kerze, der ganze Widerschein des von ihrer Laich umhegten Achtes fiel auf ihr schönes.Gesicht Als ich ihr nochmals sagte, daß kein Zug mehr anlange, nickte sie entschlösse».Konnn," sagte sie,nun will ich wirklich .nicht mehr töricht sein." i

Bo>n Flur »iw dem Tor trennte uns nur mehr eine Glas­tür. Kaumt hatte sie ifle geöffnet, all sie mir heiser zuslüsberte: Zurück, schnell zurück! Dort, siehst du nicht, dort!",

Sie fable Mich bei der Land uiw wollte mich gegen die Trepve zurückzerren. Aber seht war ich entschlossen, ihren törichten Einbildungen Widerstand zu leisten. Ich hielt sie fest, nahm ihr den Leuchter au» der Land uiw leuchtete lief in den Flur hinein. Sie sollte deutlich sehen, dah da nicht aber da klai»inerte sie sich verzweifelt an mich »iw ihre Angst gellte durch das Haus:Ja, siehst du ihn denn nicht, da siebt er ta intt dein Blut auf der Stirn iriPunb wie aus dem Mund das Btnt riunt. Er kam Abschied zu nehmen, er denkt beim letzten Aiein- zug an niich, seine Seele bringt mir seinen »letzten Grub, uiw ich lag in deinen Armsen, er findet mich Berräterin in deinen, Armen!"

Das Lichi ivar erloschen, das Mädctie» lwttc oben die Tür geöffnet und kam geänastigt über die Trepve. Sie fand ihre Herrin schreiend am Boden liegen Wir hoben sie .ans und trugen sie in die Wohnung zurück. Noch in der Nacht kam der Arzt. Er konnte nicht Helsen Ain nächsten Tag mustten »vir die Kranke in eine Nervenheilanstalt überführen Dort starb sie nach wenigen Wochen. Die Psychiater sagten freilich, ivas sie damals in der Nacht zu sehen glaubte, seien Halluzinationen.,

die ersten Smnptonie ihres organisch längst vorbereiteten Leiden- gewesen, Aeusterungen einer schon kranken Einbildungskraft, Mer »vie, meine Lerren, erklären Sie es sich," fragte der'Major, und seine Stimme klang gar nicht, als erwartete er.ein« Anllvvvtz wie zu sich selbst sagte er es:Wie erklären Sie sich, da» mach mu Morgen nach jener surchtbaren Rächt den Leichnam.unseres armen Lauptmanns brachte: er halte hei einem Bajonettangriff der Truppen gegen die Aufstä,wischen eine Kugel in! .die Äirq erhalten und »vor zwei Stunden nachher gestorben . . ."

Alle schwiege». Ein heulender Windstost fuhr gegen die.Fen­ster. Dann hörte nian ihn in den Wipfeln her uralten Bäu nee des nahen Stadtgarteiis. Wie er sich pseisend mit.tausend Efd- räuschen in den Löhen verlor, klang es »oie ein in »Veiten Fernen! hilflos verhallender Franenschrei ...»

humoristischer.

* Die gekränkten Schweine Ein Engländer, dev seine Ferien im Norden Irlands zubrackite, »nachte eines Tages einen Spaziergang, liiw da er groheil Durst verspürte, ging er zu einem Pächter und bat um eiuen Trunk Milch De» Pächiers Frau gab ihm eine grobe Schale Milch: aber »oähreiw er sich daran erlabte, bemerkte er mit Berwunderung, »oie sich eine Anzahl junger Schioeine um ihn drängte. Es schien ihm, als ob die kleinen Tiere sich sehr »ucrkioürdig benähmen Und er fragte:Liebe Frau, »oarum sind die Ferkel nur so aus­geregt?" Woraus die Frau ihin scelenruhig erwiderte:Da­ist doch klar, Herr: es ist ja ihre kleine Schale, aus der Sie trinken."

* Der Menschenkenner.Er sieht »oirklich »oie eiu Narr aus."Aber, Papa, er hat mich eben um meine Land gebeten,"Wirklich? Und da »oollt Ihr tnnner noch behaupten, rch wäre kein Menschenkenner?"

vüchertisch.

Reim Richers. Eine Hamburger Geschichte von Adalbert Me tu Hardt .Marte Hirsch' 304 Seiten 3 Mark, gebd. 4 Mark. Leipzig, Hesse & Becker Verlag. Im Nachlab der portresslichcn Erzählerin faiw sich das druckferlige Mannskript eines Erziehungsromans: »vohl das reifste Buch der verstor­benen Schriftstellerin, die, dem Vielschreiben abhold, sich stets als gewissenhafte Künstlerin bewährte. Das Beste, was nian von dem neuen Roman sagen kann, ist vielleicht, dast er belehrt, ohne je die Absicht fühlen zu lassen, und da» ir das Zeug hat. für viele eine Art Trostbüchletn zu »»erde». Im Mittelpunkt der Geschichte, deren Hintergrund der vielbe»vegte Hamburger Hafen bildet, steht der 25jährige Richard Reimers, Sohn eines Hamburger Grostkanfinanns. Der typische Jünglnig: unzufrieden mit sich selbst und der Welt, grüblerisch, weich, nachgiebig, von» einer unbestimmten Sehnsucht eriüllt. Ern Freund des jungen Reimers hat sich wegen einer hossnungslose» Liebe zu einer schönen Südländerin das Leben genoinmen, und Richard sieht den Toten nun beständig vor sich, bereit, ihm zu solgen u.w doch immer wieder zaudernd zind zweifeln». Eine Reise soll ihn den trüben Gedaiiken entreibcn. 'Aber schon im Hamburger tzafeu trifft ihn eilt Unfall, und das Schicksal sendet ihm einen ret­tenden Engel. und z»oar, ironisch wie es ist, in der Person eine- biederen Polizcikommissars. Als Richard Reimers genesen ist, wird er Jollensührer im Hamburger Hasen: als solcher nimmt ec den Nanren Reim Richers an. Die harte körperliche Arbeit »oird seine Rettung Die Liebe zum Leben, zur Heimat nnd zur täglichen Pflicht erioacht in iy»n, und er darf »ach wenigen Mo­naten als ein neuer 'Mensch vor seinen Baker treten. Auch die knabenhafte Liebe £_u jener bestrickenden Südländerin ist über­wunden: an der Seite einer jungen SeuatorStochter wird er> ohne ein Philister ge»oocden zu sein, das Glück fiiwen.

Tauschrätsel.

Kopl Bahn Ader Bad - LachS Muster Hand Wurst Beü Sichel Hebel Die AnIangLbuchstabe» vorstelwnder Wörter sind mit anderen

Buchstabe» derart zu oertanlche», dast man cbensovicle neue Wörter erhält, deren Anlnugsbuchslaben den Name» eine- Bildhauer- ergeben. Auslösung in nächster Nummer-

Auslösung der Skat-Ausgabe in voriger Nummer' Abkürzungen: tr = Trefft p Piaue, e Eoeur, <»r Earreau trB Tress-Bub«, pA Pique-Ast, cP = Eoeur-Dame u|iu. Ju» Skat liegeu trA und trli; Vorhand bat : i>B, pD, pH, pA, cK. cA, carZ catP, cnrK. tarA, Hwterhaud l al dir üb.tgen Spiel- gang : 1. V. rarZ Nt. car7 H. carB.

S. £>. tr9 V. cA 9)1. tr8.

3. H. IrZ V. cK M. tr7.

Nun hat Voihaiiü Coeur abgeioorteu, »veshalb Hiulerhaud c8 eZ und eB der Reihe »ach auSspiett; bei» (cljtcii Stich must Mtttel- ha»d mit der ev nehme».

Redaktion» R Neurath. Notatioutdruck und Verlag der Brühlschen UnioersitätS-Buch» und Eteindruckeret, R. Lange, Gieh«^