Ausgabe 
25.5.1914
 
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blickte zu Boden, und sein Geist weilte weg fcoit Helgoland, sein Auge sah die Salons der Frau von Braun.am Pariser Platz, und unter all den Sachen und «ächelchen drrn ftc selbst, die Schönste der Frauen.

Und er merkte es nicht, daß er stehen geblieben >var, bis ihn Kun sonst anries:.,Rene!"

Wie? Ach so verzeih, Kun."

Er lachte gezwungen und schaute sich verwundert um und blickte erstaunt den Freund an, dann sagte er:

Kun, >vo hast du gelernt in den L>eelen der M«»)chen zu lesen? Was nützt mir das Leugnen. Du hast recht mit allem, was du vorhin sagtest. Ich bin fertig mit Berlin, mit dem Leben überhaupt Ich bin ausgerissen wre ein mausender Hund Und daß ich's gleiche sage: Hier mag ich nicht bleiben, Kun Ich brauche Ruhe, viel Ruht, ich mutz ivieder zu mir selbst komme». Ich hatte mir Helgoland anders gedacht: still nnd einsam, und finde nun ein sashionables Bad n»t geputzten Men- schen, mit schönen Menschen. Geputzte Mensclum sind alle salsch, die haben kein Herz. Ich brauche Naturmenschen, mit z«r,chli>- senem Kittel und fluchendem Mund, wirkliche Menschen, keine Puppen. Ich muh von ganz vorn ansangen, die Menschen wieder zu lieben. So ganz nach und nach mutz sich der m mir zertrümmerte Glaube an das Gute und Wahre wieder ausbauen, und das gelingt mir hier in diesem Trubel nicht."

Sie waren dicht am Hingstgars in ein kleinesHaus ein- Q^treteu.

Hier wohne ich nun schon vier Jahre, Rene. Erst hatte ich mein Domizil unten an der Treppensttatze, aber da ivar es zu geräuschvoll, und ich brmiche zur Arbeit viel Rul>e. Wenn ich im Biologischen Institut fertig bin und es auch keine Fahrt mit dem uns von der Regierung zur Berfügiing gestellten Forschungs- dampser gibt, dann sitze ich hier in meiner Klause und schreib« und zeichne, und wenn im Winter die Stürme um mein Hans loden und drunten das Meer brairdet, als wollte es di« ganze. Insel fressen, dann sühle ich mich hier drin so wohl, datz ich .nie Sehnsucht nach Berlin bekomme mit seinem Wintertrubcl und seinen Saisonverpflichtungen."

Er führte Rene in zwei kleine, aber sauber und gut ein­gerichtete Zimmer, ......

Diese beiden Stuben hatte ich für dich Herrichten lasten, Rene. Hier sollst du hausen und genesen. Und an und um und auf der Insel habe ich hundert Motive entdeckt, die du auf die Lein­wand bannen kannst, und die dann deine Grütze sein sollen an Berlin und Deine Gemeind« dort."

Du bist so gut, Kun, ich danke dir, und ich beneide dich. Aber von all deiner Güte kann ich nur Ivenig Gebrauch machen, denn ohne ernste Arbeit kann man nicht lang.auf Helgoland bleiben, ich aber habe keine Kraft zur Arbeit und keine Lust. In nir lebt nur eins: Ekel. Ich will fort, in ein ödes Fischerdorf nit leerem Strand und einfachen Menschen. Nicht wahr, du (issest mich ziehen und bist mir nicht gram?"

,Wenn du denn nicht anders willst, Rene! Ich dars dich nicht halten. Jeden, Menschen kommt im Leben eine Zeit, da ist er vie ein Kind, da packt ihn «in großer Wunsch, cs ergreift ihn eine Sehnsucht, der muß er nach, und kostete es ihm das Leben. Da Hilst kein Raten anderer Menschen. Er weiß es besser. Dem einen ist's die Liebe, dem andern die Kunst, dem dritten was weiß ich. Tausend Menschen, tausend Wünsche. So gehe deiner Sehnsucht nach, Rene, vergrab dich in der Einsamkeit, viel­leicht, datz dir dann dein früheres Leben wieder begehrenswerii erscheint und du gesundest." (Forts, folgt.)

im Anne aus der Flucht vor Bhrfolgern über ein Sejil lief, dtr>

sechzig Meter hoch über dem tobenden Meere gespannt war und in einemDrama aus einer Lokomotive" kletterte der Held von einer Lokomotive auf eine andere, während die Züge mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern in der Stunde nebeneinander dahinbrausten. Der französische Filmschauspieler Sablon mimte mit dem Holländer Boemmester zusammen ein Filmstück, das sich auf dem Meere absvieltc. Ein kleines Fischerboot gerät aus hoher See in Brand, und der einzige Matrose,. der sich an Bord befindet, springt in die Wellen. Das Schiss, das zur Darstellung dieser Szene benutzt wurde, lvar mit allerhand leicht brennbaren Stoffen ange­füllt, und eine Lunte lies vom Mastj über das ganze Verdeck in den Bauch des Schisses hinab. Der Darsteller selbst war vollkommen in Sackleincivand eingehüllt, die mit Petroleum getränkt war. Da­ganze kleine holländische Dors Vollendam. vor dem sich die Szene abspielte, lvar am Strande versammelt, die Frauen weinten und die Männer schüttelten die Köpse. Als alle- bereit war, wurde die Lunte entzündet, und Sablon sprang, in Flammen gehüllt, ins Meer.Durch die Wolken/' so lautet der Titel eines Films, der in England ausgenvnimen wurd«: ein Ballon, in tausend Meter Höhe vom Winde getrieben, in rasender Fahrt, am Schlepptau hält sich krampfhaft ein junges Mädchen sest. Schon verliert e» die Kräfte, es kann sich kaum noch Haltest, und der Vater, wahn­sinnig vor Angst, neigt sich über den Rand der Gondel. Schließ­lich, im letzten Augenblicke, gerade als sie loslassen will, gelingt es ihm, ein Lasso um ihre Schultern zu schlingen: die Tochter ist gerettet! Diese gefährliche Szene wurde von einem zweiten Ballon aus aufgenonimsn, der sich in einer Entfernung von einigen Me­tern von dem ersten befand. Sowie es sich um etwas Gefährliches und Außerordentliches handelt, darf Amerika nicht zurückstehen. Dort hat jüngst ein Kinoschauspieler einen Rekord in Unerschrocken­heit und Furchtlosigkeit ausgestellt. Nach einer fröhlichen Mahl­zeit ließ er sich, wie der obengenannte Pariser Kinosachmann er­zählt, in einen Stahlzhlinder von 3 Metern Länge und 90 Zenti­meter Durchmesser verstauen. Dieses Torpedo wurde mittels einer großen Kanone 1000 Meter hoch (?) in den Lustraum hinausae« schossen, und als sich die Bahn des Geschosses wieder der Erde zu­zuneigen begann, schlüpfte der Held geschickt aus dem Zylinder heraus, öffnete einen Fallschirm und landete wohlbehalten in sanftem Abstieg wieder auf der Erde. Doch nicht immer laust die Geschichte für den wagemutigen Filmdarsteller so glimpf­lich ab. In Südkalisornien ereignete sich folgende Szene mit tragi­schem Ausgang. Eine Truppe von Filmschauspielern beschloß, sich die Waldbrände, die dort die Gegend verwüsteten, zunutze zu machen und ein Stück zu stellen, das einen Waldbrand zum Hintergrund hatte. Man begab sich aus eine Lichtung. Schließlich, als man im besten Spielen lvar, bildeten die hohen Waldriescn, die den kleinen, freien Platz umstanden, einen Scherterhaufen, der über der ganzen Gesellschaft funkenslicbend zusammenstürzte und sic unter sich be- grub. Eine Filmkünstlerin, die bei der Ausübung ihres Berufes schon oft dem Tode in» Auge geblickt hat, ist Miß Geni Gauntier, natürlich auch eine Amerikanerin. Sie ist in der Wüste Sahara von Beduinen angegrissen worden, wurde einige Monate später beinahe von einer Sandhose in Florida verschluckt und bei der Darstellung einer Kriegsszene durch die Eyplosion eines Pulver­kastens in die Lust geschlendert. Gelegentlich etines Brandes, den sie auch selbst inszeniert hatte, entrann sie nur dadurch dem sicheren Tode, daß sie mit ihren schwachen Händen ein Loch durch das! Dach des Hauses brach und viele Meter auf den Erdboden her­untersprang. _

vermischte«.

Gefährliche Kilmtrickr.

Aus der höchsten Zinne eines Turmes, mitten in Rauch und Flammen, erscheint eine Frau, ihre Haare flattern im Winde, ihre Augen suchen den Horizont ab: das Feuer unter ihr versperrt ihr den Weg zur Rettung. Soll Hilfe vom Himmel kommen? Ja, sie komint: in der Ferne erscheint ein Flugzeug, in rasender Fahrt kommt es näher, zieht enger und enger seine Kreise um den flam­menden Turm, ein Seil wird in den Funkenregen hinabgelassen, die Unglückliche erfaßt es, und im nächsten Augenblick befindet sie sich an Bord des Flugzeuges in Sicherheit, Kein Mensch dessen Augen diese Szene mit gespannter Erregung auf der Leinioand im Kino versalzt haben, wird glauben, daß so etwas wirklich in Natur ausgenommen worden ist. Man wird an allerhand photo­graphische Tricks denken, aber Capellani, der artistische Leiter der PariserTocivtä cinsmatographiaue", der von einem Mit­arbeiter derLcctures pour Tous" darum befragt wor­den ist, versichert, daß dieses Filnistück nur eine genaue Wieder­gabe dessen ist, was sich tatsächlich in voller Wirklichkeit in der Nähe von Paris abgespielt hat.Ein Filmschauspieler", sagte er, mutz ein niutiger Mann mit eisernen Nerven fein, denn das Publikum stellt an die Ausstattung und Inszenierung der Stücke die höchsten Ansprüche. Und Mut allein genügt nicht. Der Lieb­ling des PublikumK, den cs Abend für Abend in de» Kinos« be­wundert, muß auch ein vollendeter Sportsmann, Akrobat und Athleth sein." In dein FilmDer Leuchtturm des Todes" stellte eine Schauspielerin eine Szene dar, in der sie mit einem Kinde

*Europa in zwanzig Tagen". Bor dem Excelsior- Hotel ln Rom fährt eine lange Reihe von Droschken vor und ihnen entsteigen, abgelfetzt, zerschlagen und todtmüde, die Teil- nehmer an der ReisegesellschaftEuropa in zwanzig Tagen süv 190 Mark". Mrs. Brown ist eine der letzten, die sich mühsam zusammenrasst, um auszusteigen. Ihre Tochter aber ist noch immer voll ungebrochener Enerqie. Sie packt die Mutter am Arm: Mutter, wo sind wir hier? Ist das Rom?" Müde antwortet, die Mutter mit einer Gegenfrage:Welcher Wochentag ist den» heute?"Warte. Ja: Dienstag." Dienstag? Zeig mal de» pieiseplan. Wen» es Dienstag ist, muß es natürlich Rom sein."

Rüffel.

Echt italienische Wurst »nt Schluß-S an, Hinteren Zipfer Nennt eine griechische Stadt, die einst den Persern getrotzt. Auflösung in nächster Nummer.

Anstösnng de? niagischen Quadrats I» voriger Nuininerr

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Redaktion R Neurath. Rotationsdruck und Verlaä'der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckeret. R. Lang». Gieß«»