Weiber-Keyiment.
Wonian von OSkar «' l a u fj in n it rt (Nachdruck Ufrt'oteii.)
(Fortsetzung.)
„Wieso, Weiberregimcnt?" fragte ziemlich scharf der Geheimrat,
„Sehr eil'sach! Die Besitzerin der Werke ist eine Tanie, Sie schrieben mir kein Wort davon, daß es sich fiir mich um eine Stellung bei einer Dame handle,"
„Ich schrieb Ihnen nichts, weil ich schon ahnte, daß Sie mir mit solchen Einwendungen kommen könnten. Was heißt das? Weiberregiment? In Jahr und Dag ist die ganze Geschichte hier Aktiengesellschaft, und dann gehen Sie alle Weiber der Welt nichts mehr an, als Sie »vollen. Die Sache hier ist überaus traurig und geradezu tragisch. Der alte Bnchtvald hat klein angesangen, und sich z>» einem Groß-Industriellen mühsam emporgearbeitet. Als er starb, hinterließ er zwei Söhne und eine Tochter namens Dorothea, fiir die ich insofern ein größeres Interesse habe, als daS Mädchen mein Patenkind ist. Die beiden Söhne über- nahnien die Werke und führten sie mit glänzendem Erfolge, Vor zivei Jahren machten die beiden Brüder eine Sommer- Erholungsreise nach Helgoland, dort unternahmen sie eine Segelpartie littb fanden durch eine plötzlich cinsetzende Böe mitsamt dem Schiffer, der das Boot lenkte, de»» "Tod durch Ertrinken, dabei» Sie von der Katastrophe denn seiner Zeit nichts in den Zeitungen gelesen?"
„Bor zivei Jahre» »oar ick» in Nordamerika, tu Pittsburg, und bekam kaum eine deutsche Zeitung zu Gesicht,"
„Kann ich »nir denken! Die Katastrophe »oar also da und Dorothea die einzige Erbin und Besitzerin der Werke, deren Wert nach Millionen zählt. Was sollte das arm«: Mädel ansangen? Ich habe mich der Sache angenommen, so gut eS ging, und nach dem Rechten gesehen Ich bin auch heut noch gewisserinaßen der Betriebsleiter, Sie haben also nicht mit cinein Weiberregiment, sondern mit niir zu tun, ?lber aus die Dauer kann ich die Leitung dieser Riesensache nicht behalten, ES bleibt eben nichts anderes iibrig, als eine Aktiengesellschast zustande zu bringen, aber dazu müssen die Werke auf der Höhe und in schivunghaftein Betriebe sein, und daS zu erreichen, ist Ihre Aufgabe, Ich denke, dieselbe muß recht verlockend für Sie sein, und es handelt sich um eine LebcnSsteiluug Daß Sie auch Betriebsleiter der Aktieugcskllschast bleibe», ist selbstverständlich, ES winkt Ihnen hier eine Stellung mit mehr als hunderttausend Mark jährlicher Einnahme und einer Selbständigkeit, wie sic kaum ein regierender Fürst hat. Ich meine wirklich, ich verdiente von Ihnen et»vas »nehr Anerkennung fiir meine Bemühungen um Ihre Zukunft."
„Selbstverständlich bin ich Ihnen von ganzem Herzen danfi>ar, Herr Geheiinrat, und Ihre guten Absichten verkenne ich nicht einen Augenblick lang. Aber ebenso bleibt
die Tatsache bestehen, daß eS sich vorläufig um ein Weiber- reginient handelt, und in Oesterreich hat man ein sehr bezeichnendes Sprichwort, Man sagt dort: Weiberregirnent, da steht der Tod drauf!"
„Ach, lassen Std mich iu Ruh mit Ihren österreichisckwn Sprichwörtern, die haben hier in Westdeutschland keine Geltung Seit »vann sind Sie überhaupt ein solcher Weiberfeind? Haben Sie böse Erfahrungen mit den Weibern gemacht?"
„Nicht im mindesten, Herr Geheimrat! Ich bin kein Weiberfeind, ganz im Gegenteil, ich achte und schätze die Frauen überaus hoch, allerdings aus einer gewissen Entfernung, denn die letzten Jahre meines Lebens haben nüch mit Arbeiten und Studien derartig in Anspruch genommen, daß ich gar keine Zeit hatte, mich mit der edlen Weiblicl»- keit näher zu beschäftigen. Ich bin mit Damen viel zu- sammengekoinmen, besonders m' Amerika, aber es »oar iinmer nur ein zufälliges und flüchtiges Zusammensein, Aber noch einmal versichere ich, daß ich in keiner Weise ein Weiberfeind bin,"
„Dann ist Ihr Verhalten um so »veniger erklärlich» zumal Sie ja die Verhältnisse hier gar nicht kennen, Dorothea Bnchtvald ist ein prächtiges, liebenswürdiges, besckM- denes, klitges, ernsthaftes, gebildetes, entzückendes Geschöpf .....»vaS haben Sie schon wieder so ironisch zu
lächeln?"
,^Herr Geheiinrat, nach der Fülle von schmückenden Bei- »vorten, die Sie der Dame beilegen, muß diese eine Göttin an Schönheit und .»tlugheit sein!"
„Wer spricht von Schönheit? Ich habe gar nicht behauptet, daß Dorothea eine Schönheit ist. Das wäre Ueber- treibnng, aber ein wunderbares Weib ist sie, daS Herz und Kopf auf dein rechten Fleck hat, kein Backfisch mehr, Ende der Zwanziger, bart geprüft durch Unglück, aber lebcns- srisch, lernbegierig und klug über alte Maßen, Sie hätten nur hören sollen, mit welcher Begeisterung sie auf meinen Vorschlag einging, Sic für den Posten hier zu engagieren. Sie gibt etivas aus meine Ratschläge, und ich habe Sie natürlich genügend berausgestrichen,"
„Wahrscheinlich über Gebühr, Herr Geheimrat, beson ders »venn Sie der Dame eine solche Fülle von guten Eigen schaften ausgezätzlt haben, die ich angeblich besitzen soll, wie Sie »nir gegenüber soeben die Eigenschaften der Dame priesen,"
„Natürlich habe ich Sie weit über Ihr Verdienst gelobt, denn ich sehe jetzt ein, »velch undankbarer Mensch Sie sind." Der Geheimrat lächelte aber, als er diese Worte sagte, und Werner »vußte, daß sie nicht ernst gemeint »varen,
„Ich bin bereit, Herr Geheimrat, mich Ihrem werten Wunder Patenlinde in Freiheit vorführen zu lassen!"
„Spotten Sie, soviel Sic »volle»»! Ich lvünschc »>»ur, daß Sie nicht mit vorgefaßter Meinung an die Sache hier herantreten, ES steht denn doch zuviel auf dem Spiele, Das Wohl und Wehe der Werke, das Berinögen meines


