Ausgabe 
4.5.1914
 
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Sein Kind." Aber es erschütterte ihr daS Herz, wie er sprach.

Und sie sah auf den Vater, der mit tief zusammenge-, toaene» Brauen, mit einem wahrhaft versteinerten Antlitz auf die Tote niederstarrte. Was mochte in seinem Innern Vorgehen? Tönte es ihm von den stummen Lippen dort vteNeicht wie eine Anklage entgegen,?

Da ging Astrid leise hinaus, in Ehrfurcht vor diesem Schmerze.

Am Tage darauf kamen bereits' die ersten Kondolatio- nen, Briefe und Besuche die Antwort auf die gestern noch versandten Anzeigen und zahlreiche Blumeuspen» den. Auch ein Kranz von weißen Rosen war darunter, von Walter Kyllburg.

Er selber erschien am Nachmittag. Der Oberstleutnant empfing ihn. Heinz Keßler war ja für niemand sichtbar. Ein völlig Niedergebrochener, hielt er sich auf seinem Zimmer.

Nur Astrid war zugegen, als sich die beiden Männer die Hand schüttelten, stumm, sich aber ansahen mit bren­nenden Augen. Bis endlich der Vater er wußte nur, daß das Herzleiden, das Gerda sich bei der Geburt des Kin­des zugezogen hatte, die Todesursache war sagte:

Sie starb den Ehrentod der Frau. In Erfüllung ihrer Pflicht."

Dann wandte er sich ab.

Da trat Astrid zu dem Freunde und führte ihn zu Gerda, die nun aufgebahrt lag, in all ihrer marmorblassen Schönheit zwischen einem Hain von ernstgrünen Palmen, illur eine einzige Blume schmückte sie eine weiße Rose, die ihre Hände hielten.

Ich gab sie ihr," sagte Astrid und sah den Mann an, der dem Herze» Gerdas teuer gewesen war.Sie ist aus Ihrem Kranze."

Seine Lippen zuckten, aber er sagte nichts. Da trat Astrid still zurück. Mochte er allein Abschied von ihr nehmen.

Waller Kyllburg blickte vor sich hi», ohne sich zu regen. Da stand er nun vor der Schwelle, die zu dem großen Dunkel führte. Was barg sich dahinter? Die urewigen Rät­sel unseres Seins, hatten sie sich erschlossen für sie, die da lag, losgelöst von aller Erdenlast? Gab es ein Wieder­sehen für die, die ein Sehnen getragen und doch nicht zu­einander hingesunden hatten?

Seine Augen suchten Gerdas Antlitz, als könne ihm dort Antwort iverden. Und als er so ihre Züge sah, von einer überirdischen Berklärtheit, mit einem Ausdruck des Friedens, mit dem Hauche eines Lächelns fast, da kam es über ihn wie eine trostvolle Verheißung.

Und in dieser Sturrde faltete zum erstenmal wieder seit seinen Kinderjahren Walter Kyllburg seine Hände.

Die ltüche im Mai.

Von 91. Bur g.

Ta die Mode auch die Küche und die Geselligkeit beherrscht, so hat mau neuerdings an Stelle des Kaffees und Tees für die Sommernionate vielfach kleine nachmittägliche Obstgefellschaften eingesührt. Sie haben ihren besonderen Wert für den Aufenthalt im Freien, im Garten, auf der Loggia und dem Balkon, timnen' aber auch im Zimmer stattsinden. Diese ?lrt der Geselligkeit ist nicht etwa eine Erfindung der Großstadt und Neuzeit, sondern findet ihre Vorbilder in der uralten Sitte kleinstädtischer und länd­licher Gastlichkeit. In Gutshäusern, Pfarrhäusern, Oberförstereien, ländlichen Beamtensamilien usw. war es von jeher im Sommer üblich, Gäste, die zusällig oder geladen käme», mit irgendwelchen saisongeinäßen Lbstgerichten zu bewirten. Namentlich im Norden. Früchte mit Milch oder Sahne, gesottene oder gezuckerte Früchte auf Mürbteig, Fruchtflammeries mit Schlagsahne oder Sahnen- saueen, Fruchteremes, endlich auch seit neuerer Zeit selbslbereitele kandierte Früchte und Fruchtpasten tverden für derartige sommer­liche Zusammenkünite bevorzugt. Soll nun der geliebte und ge­wohnte Labetrunk des Kaffees oder Tees, der ja auch im Sommer oft sehr ivillkvmmen ist, nicht fehlen, so wird der Obstimbiß etwas später serviert. Ter Mai bringt zwar noch kaum größere Vorräte heimischer Erdboden, aber' ivenn das Wetter und die Versand­bedingungen günstig sind, kommen ost große Posten aus Frankreich und Holland nach Deutschland und müssen manchmal, weil die Haltbarkeit der schönen Früchte begrenzt ist, reichlich wohlfeil ver­kauft werden. Oft allerdings hat man es auch mit sehr hohen Preise» zu tun, die während der ganzen Saison bleiben. Wenn die Vorräte größer werden oder in kleineren Städten uich auf dem Lande der Garten größere Mengen hergibt, werden sie ge-

waschen, abgetropft. mit seinem Zucker gemischt und neben Sahn« oder Schlagsahne gereicht oder einzeln aus Mürbtelgtörtchen gelegt, mit Zucker bestreut und mit einem Häufchen Schlagsahne zugedeckt.

Aus dem Süden kommen auch Maikirschen, die für den seinen Nachlisch ost willkommen sind, aber für Obftaesellschasten resp. den zweiten Gang nach dein Kaffee oder Tee (Schleppe genannt) nicht in Frage komme». Sie sind noch nicht so aromatisch und süß, wie die Kirschen Deutschlands, die erst gegen Ende des Monats aus den Markt kommen.

Apfelsinen und Mandarinen fangen an, ihre Herrschaft an das Sommerobst abzntreten, die Reste, namentlich der Apfelsinen, sind um diese Zeit ost von köstlicher Süßigkeit, die sie im Winter kaum haben. Ueberseeische Ananassrüchte sind recht preiswert und werden von vielen sparsamen Hausfrauen gern zu einer guten Creme oder auch zu einigen Tosen Konserven verwendet. Ananas­bowle verschwindet für einige Zeit; denn die frischen Maitränke erinnern daran, daß die Psüigstfestbowle doch eigentlich echt psingst- lich nur als Maitrank ist, und dann wird auch die Erdbeerbowle nach und nach durchaus zeitgemäß. Daß die Maibowle von recht gutem reinem Weißwein bereitet werben muß, ist ebenso bekannt, wie die Tatsache, baß das Waldmeisterkraut, welches zur Bowl« benutzt wird, noch nicht blühen darf. Nur die Blätter, ehe dli« Blüte sich entfaltet, haben das wundervolle bekannte Aroma, das ein Feinschmecker einst treffendFrühlingsaroma" genannt bat. Das ?lroma des Waldmeisters soll auch nicht zu streng sein, das! feinste Aroma kann durch zu yroße Mengen seine Wirkung ein- büßen. Man vermeidet es soviel als möglich, geriebenen Zucker oder Stückenzucker in die Bowle zu geben. Man soll einig« große Stücke Hutzucker schnell in kaltes Wasser tauchen, in einen innen ganz weiß emaillierten Kochtops geben, in dem niemals Jett oder Fleisch zubereitet wurde, und sich auf heißer Stelle oder gelindem Feuer zu klarem Syrup läutern lassen, indem man den Schaum vorsichtig abitimmt. Man kann auch die Zuckerlösung noch durch ein seines Sieb oder Seihtuch fütrieren. Man hat etwas Wein mit dem zusammengebunbenen Waldmeisterkraut angesetzt und sehr kalt gestellt. 9lm besten hängt man den Waldmeisterstraub an einen Faden, so daß man ihn nach Belieben aus der Derrin« ziehen oder, wenn das Aroma noch nicht kräftig genug ist, wieder hineingeben kann. Tann gibt man die Zuckerlösung und den übrigen gut gekühlten Wein hinein. Mit Rotwein wird Maibowle sehr selten bereitet. Eine echte Mqigabe, die sich allerdings schon Ende 9lpril einstellt, sind auch die unreifen Stachelbeeren, die in vielen Gegenden Deutschlands als Kompott, als Fruchtspeis« oder Auslage für Mürbteig treten und sehr beliebt sind. Oft aller­dings hört man über die intensive Säure der unreifen Frücht« ftagen. Tem kann man abhelsen, indem man die von Stielen und Blüten befreiten, gewaschenen und abgetropsten Beeren mft kaltem Wasser nebst einer Messerspitze voll doppelkohlensaurem Natron auf gelindes Feuer stellt, zum Kochen kommen und 1015 Mi­nuten kochen läßt, woraus man das Wasser durch ein Sieb abgießt. Tann füllt man neues, heißes Wasser, aber nicht zu viel, sondern nur so, daß es mit den Früchten gieichsteht, auf und läßt fte nebst Zitronenschale, Zimmt uich Zucker langsam gar- und weichschmoren.

Aus dem Gemüsemarkt hat der Spargel die Herrschaft; denn viele, unzählige Menschen erklären Spargel für das einzige Gemüse, das inan in seiner Saison jeden Tag essen kann. Sogar in derselben Zubereitung; manche Leute essen täglich Stangenspargel mit zer­lassener Butter, während andere mit den mannigfaltigen Spargel« gerichten: Spargel mit holländischer Sauce, Gemüsespargel mit oder ohne Karotten, Stangenspargel mit Butter, Stangenspargel mit Käse und Butler, Spargeisuppe, Spargel mit Zwiebackklößen, Svargei mit Krebsen, Spargelpudding usw. abwechseln. 9luch Rühr­eier mit Spargelstückchen sind ein gutes Somniergericht, zu dem neue Kartosseln in der Schale vorzüglich passen. Außer Spargel bat man junge, zarte Kohlrabi, grüne Bohnen, Karotten, jung« Schoten, aber alles noch recht teuer, so daß die allermeisten Haus- srauen doch noch die vortrefflichen Gemüsekonserven vorziehen, entweder die selbstbereiteten, wenn es sich um Vorräte des eigenen Garten handelt, oder gekaufte. Im Hinblick auf den Nahenden Hochsommer mit seinen Geniüsegaben pflegen die jetzt angebotenen Konserven ost recht wohlseil zu sein. Sie srnd auch für viele Haus­frauen, namentlich die beruflich tätigen, sehr vorteilhaft, weil sie doch fertiggekocht und nur angeseimt und gewürzt werden müssen. Ihre Bereitung erspart Zeit und Feuerung.

Morcheln sind ebenfalls vorhanden, und es ist nur daran zu erinnern, diese Pilze recht gründlich zu wasclzen, da in den viele» Falten und Fältchen sich ost Keine Würmchen verkriecl>en. Außer­dem muß jede einzelne Morchel sorgfältig geprüft werden, ob sie auch ganz frisch ist. Ist sie das nickü, zeigt sich die kleinste angefauUe Stelle, so ist sie sofort zu beseitigen. Tenn in diesen angesaulten Stellen entwickelt sich das gefürchtete Pilzgift, das das ganze. Gericht durchdringen kann und das Gesundheitsstörungen, ost solche idnoeret Art, hervorruft. Nichtein Giftpilz", der zwischen eßbaren war, ist ost schrild gewesen an vorgekommenen Pilzvergiftungen, sondern der verdorbene Pilz. Auch ist anzuraten, die sauber ge­waschenen, abgetropsten Morcheln nicht nur mit kochendem Wasser zu brühen, sondern mit kaltem Wasser auszustellen, ins Kochen kommen und 1516 Minuten kochen zu lassen. Tann gießt man das Wasser fort und benutzt es nicht etwa zu Suppen oder Sauce. Alle etwa schädlichen Teile der Pilze kochen sich so sort, und man kann dann die Bereitung des Gemüses vornehmen. Zu Spargel»