Dkkizierstöchtrr.
Roman von Paul Grabetn.
(Nachdruck Verbolm.)
(Fortsetzung.)
Heinz Keßler aber ward noch lebendiger in seiner Unterhaltung Er suhlte jenes geheimnisvolle Ueberströmen voir ihr zu ihm und zurück; wie cs zwei Menschen empfinden, oft gleich beim ersten Begegne». Jenes instinktive, aber untrügliche Gefühl, einander zu gefallen; ein Ahnen von Dingen, die da kommen tverden Und so kam in seine ganze Haltung, in seinen Ton eine leise Vertraulichkeit.
Miezi Molnar duldete es ohne Bedenken, ja, gerb sich auch ihrerseits dem geheimnisvollen Reiz dieser erste», aller- leis slen Wechselbeziehungen hin. Aber sie ließ dabei die Umwelt nicht so außer acht wie er. Und so sagte sie ihm plötzlich halblaut, mit einem gedämpften Warnen im Ton, aber ihn dabei ganz unbefangen «.«lachend:
„Sie - i glaub', Ihre Frau Ger lin hat Sehnsucht najch Ihnen. Sie schaut alleweil so her.
„Meine Frau?" und er bog sich unwillkürlich etwas zurück von ihr.
„Ja, das ist doch die Dame dort bei dem Larun seiner Frau — die schlanke Brünette. Uebrigens a ganz an apartes G'sicht. I moach Ihne niein Kompliment, Herr Keßler."
Und sie blitzte ihn jetzt an, mit leiser Schelmerei.
Aber seine Stinr umwölkte sich, und er erwiderte nichts. Langsam kehrte er sich jetzt doch nach Gerda um. Er sah einen Moment noch ihr Antlitz zu ihnen beiden hergewandt, mit einem ernsten Ausdruck. Nun aber blickte sie fort, in den Kreis der Damen driibcn hinein.
Da stand er auf, doch nur widerstrebend, und blickte jetzt ans Miezi Molnar nieder. Sie saß vor ihm mit ihrem unschuldigsten Lächeln und spielte init ihren: Fächer.
„In der Tat, meine Frau scheint sich zu langweilen. Ich muß wohl mal hinüber. Aber sagen Sie wann plan-, der» wir wieder einmal?"
Sie öffnete nur mit einem Achselzucken den Fächer. Da drängte er: „Bitte!"
„Liegt Ihnen denn wirklich gar so viel daran?" Und fragend sahen ihn ihre Sammetaugen von unten her an.
Er autivortete nur mit einem leidenschaftlichen Zusam- menpressen der Lippen. Da klappte sie langsain de» Fächer wieder ineinander.
„Wollen'S vielleicht amoal a Schalerl Tee bei mir trinken?"
„Waim?"
„Wann's mögen."
„Also morgen!"
Sie lächelte »nieder vor sich nieder; ganz harmlos. Aber
in ihren Augen stand ein geheimes Grüßen, als sie nun zu ihm auisah:
„Alsdann, auf Wiederschaun — morgen."
. Und auch sie erhob sich.
*
Gerda und Heinz fuhren bald daraus heim. Ein paar Minuten sprachen sie nichts miteinander. Dann zog er das Zigarettenetui.
„Du erlaubst doch?"
Der Wagen war geschlossen.
Sie nickte nur, und sie schwiegen weiter, tvährend er etlvas hastig vor sich hinrauchte. Er hatte dabei ein uns behagliches Gefühl, als ob ße sich doch in Gedanken mit ihm beschäftigte. Mit ihren Beobachtungen vorhin an ihm und der Molnar.
Er hatte sich da doch ivohl gleich etwas zu sehr ins Zeug gelegt. Sein leidiges Temperament! Nun war sie am Ende gar eifersüchtig — zum mindesten aber ernstlich verstimmt. Er kannte ja ihre Anschauungen. So gar kein Verständnis für die Freiheiten des Künstlers, der doch mit anderem Maß gemessen sein will als jeder x-beliebige Durchschnitts- Philister!
Er tat einen großen Zug und blies den Rauch energisch von sich. Aber dann drückte er die Zigarette im Aschenbecher der Wagentür aus. Immerhin — so etwas war doch unbequem im Hause. Solch heimliches Schniollen. Besser, man ging der 'Sache gleich einmal aus den Grund. Und unvermittelt richtete er plötzlich an sie die Frage:
„Du hättest es wohl lieber gesehen, wenn ich mich nicht mit der Molnar unterhalten hätte'?"
„O — wenn du doch einmal Gefallen au ihrer Unterhaltung suchest."
Er biß sich auf die Lippen. In ihrem Ton lag so viel Geringschätzung.
„Was hast du eigentlich an ihr auszusetzen?"
Es klang herrisch. Da wandte sie ihm den Kopf zu, mit einem großen, erstaunten Blick, und erwiderte nur:
„Ich glaube kaum, daß es Zweck hat, uns darüber M unterhalten. Du tvürdest mich doch nicht verstehen."
Uird wieder wehte es ihn aus ihren Worten an wie ein frostiger Hauch. Diesmal galt es ihm selber.
Heiß schoß es ihni in die Schläfe.
„Nun, >oie cs dir beliebt."
Er ivarj fick), ihr abgekehrt, in die Wagenecke. Kein Wort fiel inehr zwischen ihnen auf der ganzen weiteren Fahrt.
4 -
Seitdem war Gerda Keßler noch viel einsamer als vorher. Ihr Mann ging ihr offenbar aus dem Wege, anstatt er sich bemüht hätte, ihr wieder näherzukoimnen. Selbst an den Nachmittagen tvar er jetzt immer aus dem Hause.
Der Winter hatte inzwischen Einzug gehalten. Es war sogar ein anhaltender, starker Frost eingetretcn. Selbst


