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in seine» Lebensbedürfnissen, daß die äußeren Verhältnisse Ruhe und Zufriedenheit gewähren."

Hm der Oberstleutnant griss sich in den Unisorm- kragen. Es war, als wallte er noch einmal lebhaft wider­sprechen. Aber dann zuckte er die Schultern.

Ta finde ich mich freilich nicht mehr zurecht. Aber vielleicht weißt du's besser. Astrid ist also jedenfalls fest davon überzeugt, daß diese Ehe sie glücklich machen wird?"

Ja, und ich nicht minder. Peterscn loird sie aus Hän­den tragen. Er gibt einmal einen Musterehemann ab. Ver­laß dich darauf! Wir Frauen haben einen Blick für so etwas."

Im Gesicht des Oberstleutnants zuckte es verhalten auf,

Na und umgekehrt? Darauf kommt es ja doch am Ende auch ettoas an?"

Du kennst doch Astrid. Er wird es nicht schlecht haben. Sie hat ihn ja immer gern leiden mögen. Nein, nein, Joachim, die beiden leben sich einmal sehr gut ein. Mir ist gar nicht bange."

Nun wen» ihr es den» durchaus wollt in Gottes PJamen! Hoffentlich ist es nur das Richtige für unser Mädel."

Sein Gesicht war wieder ernster und zeigte innere Be­wegung. Frau von Henning aber, die befreit ausatmete) glänzte helle Freude auf dem Antlitz Gott sei Dank, daß bas in Ordnung war! Nun sah sie bessere Zeiten kommen. Und sie eilte hinaus zu Astrid, uni der Harrende» die große Botschaft zu überbringe».

(Fortsetzung folgt.)

Der Vogelzug im Frühjahr.

Plauderei von Dr. Fritz Skowronnek.

Eins der grüßten Rätsel der Tierkunde ist noch immer die Malsenwanderung der Vögel im Herbst und Frühjahr, deren Zahl auch bei vorsichtiger Schätzung nach Milliarden bezissert werden muß Bei oberflächlicher Betrachtung erscheint es als ganz selbst­verständlich, daß Tiere, denen die Natur durch die Flügel die Fähig­keit verliehen hat, loeite Strecke» schnell zu d»)eilen, davon Ge­brauch machen, um südwärts zu ziehen, wenn ihnen der Winter im Norde» die Nahrungsquclle verschließt.

Ta taucht schon die Frage aus, lvas ihnen den Weg von und nach Süden zeigt. Sie wäre leicht zu beantworten, tvenn alle Vögel nur streckenweise vor dem Winter zurücklveichcn würde». Das tun aber nur wenige Arten, die man deshalb als Strichvögel bezeichnet. Tie Hauvlmengc zieht aber von ihre» Wohnsitzen im hohen Norden so schnell als möglich bis über den Aequatoc hinaus aus die süd­liche Erdhälste. TaS ist jetzt wissenschastlich erwiese» durch die Kennzeichnung von Vögeln mit Füßlingen, die von der Vogelwarte Rossitten aus der Künsche» Nehritng seit Jahren mit großem Er­folg durchgesührt worden ist.

Diese Maßregel ist in der ersten Zeit stark bekämpft ivordcn, weil man aunahm, daß die gekennzeichneten Vögel vermehrter Ge­fahr ausgcsctzl sein würden. Das ist aber, wie die Ersahrung gelehrt hat, nicht der Fall. Der kleine Ring am Fuß des! Vogels ivird nicistcns erst entdeckt, wenn die Tötung aus irgend eincin anderen Grunde ersolgt ist. Schon die kleine Zahl der gekennzeichneten Vögel sällt gegenüber der großen Masse gar nicht ins Gewicht, und noch weniger die paar Dutzend, die »nlerweAs getötet lvcrden, weil t»an den Ring an ihrem Fuße erkannt hat. «ic nützen damit der Wissen­schaft, weil nian dadurch die Wege, die von den Zugvögeln ein- aejchlagcn werden, feftstcllen konnte. Und ferner erfährt man, daß Störche aus Norddeutschland bis nach Südafrika, also über 10000 Kilometer weit stiegen. Tort wurde in der Wüste Kalahari «in Storch von einem Buschnrann durch einen Pseilschuß erlegt. Ter Ring am Fuße des Vogels erregte abergläubische Scheu bei den Eingeborenen Es fand sich aber doch ein beherzter Mann, der ihn abnahm und einem englischen Händler brachte. Durch diesen kani er nach England und schließlich an die eingegrabene Adresse: Vogelwarte Rossittcn, German»". Durch die beigejügte Zahl konnte dort sestgestellt werden, daß es sich um einen jungen Storch handelte, der aus einem Tcheunendach in Ostpreußen das Licht der Welt erblickt halte.

Geradezu ergötzlich nird sür französische Zustände sehr bezeich­nend ist eine Komödie der Irrungen, zu der eine in Rossitten ge­zeichnete Lachmöwe den Anlaß gab. Sie weilte mit vielen ihres­gleichen an der^ Rhone in Südsranlreich und ivnrde dort erlegt. Ter glückliche Schütze berichtete über den Ring einer großen Zei­tung. Tort konnte man sich die InschriftVogelwarte Rossitten" nicht erklären, aber das WortGcrniami" ließ sofort den Verdacht entstehen, daß die Prussiens bereits Möwen zu einem ähnlichen Zweck wie Briestanben abrichte» und verwenden. Dieser Verdacht wurde ganz ernsthaft erörtert und nur ganz schüchtern ivagte sich die Vermutung hervor, daß es sich nur einen Licbesboten handeln könne, der sich verstogen hätte. Schließlich kam der ergötzliche Zei- tnngsflreil zu Ohren eines Schweizer Gelehrten, aber der Besitzer

deS Ringes weigerte sich, denTalisman" herauszugebe». So ge­schehen im 20. Jahrhundert in Südsrankreich!

Eine große Streitfrage ist es, weshalb nicht alle Vögel einer Art gleichzeitig ansbrechcn. Bon den Störchen und Schwalben z. B. weiß man, daß sie sich erst zu großen Gesellschaften vereinige», die zusammen die Reise antretcn. Bei Kranichen und Wildgänsen ist es ebenso. Aber bei den Staren hat man sestgestellt, daß die Jun­gen des Jahres sich zusanimenschlage» und schon ziemlich früh im

t erbstc sich auf die Reise machen, während die Alten in großen chwärmen hier umherziehen, bis der Frost sie vertreibt. Da muß man doch fragen: >oas leitet die Jungen aus dem weiten Wege, den sie noch nienials znrückgclegt haben? Noch schwerer ist die Frage zu beantworten, weshalb viele Arten sich bereits aus den Weg be­geben, obwohl lveder das Wetter noch Nahrungsmangel sie dazu veranlasse» können? Ferner: Welches ist dieHeimat" der Zug­vögel: der Norden, wo sie brüten, oder der Süden, >vo sie sieben, ia acht Monate weilen? Nach unserem Sprachgebrauch müssen wir die Heimat sür den Norden in Anspruch nehmen, wo sich ihr Licbcs- leben abspielt, wo sie sich eine Wohnstätte errichten und ihre Nach­kommenschaft erziehen.

Ja, weshalb bleiben sie nicht im warmen Süden, lvo ein un­veränderlich schönes Klima und reiche Nahrung ihnen ein unge­störtes Wohlleben sichern? Weshalb ziehen viele Arten schon wieder zu einer Zeit nach Norden, >oo sie hier noch Schnee und Frost finden, wo sie hier hungern und frieren müssen? Es ist doch un­möglich, den Vögeln sentimentale Gefühle zuzufchreiben, wie wir sie mit deni BcgrissHeimat" verbinden ! Selbst der Begriff:In­stinkt", der sich immer da einstellt, wo die natürliche Erklärung sehlt, muß hier versagen, denn er soll doch eine Zweckmäßigkeit bedeuten. Ist es aber zweckmäßig, daß Vögel zurückkehren, um von der Reise entkräftet in einem scharfen Nachwinter umzukominen?

Man hat den Instinkt als dasGedächtnis der Gattung", als eine unbewußt ausgespeichcrte Ersahrung zu erkläre» versucht. Wie lvill man aber das Versagen dieses Gedächtnisses erklären, wo doch Hunderttausende von Vögeln in >edem Frühjahr dieselbe Erfahrung machen?

Eine der betrübendsten Erscheinungen ist die st e t i g e A b - irahmeder Zugvögel. Auch hierbei handelt es sich um ME l l i a r d e n , den» cs ist erwiesen, daß nicht einmal die Eltern­paare, die bei uns gebrütet haben, vollzählig zurückkehren. Da man im Durchschnitt aus jede Brut drei Junge annehmen kann, kommt also mehr als der jährliche Zuwachs auf dem Zuge nach dem Süden um. Das sind sehr teure Reisekosten, die unsere Wandervögel be­zahlen müssen!

Ta der Storch ein großer Flngkünstler ist und auch nicht ein begehrenswerter Braten, der deshalb heftigen Nachstellungen von seiten der Menschen ausgesetzt ist, so bleibt nur die einzige Annahme übrig, daß er im Süden an Nahrungsmangel eingeht, denn von Gegnern aus dem Tierreich, die ihm dort gefährlich wer­den, weiß die Naturkunde nichts. Nun ist cs ja richtig", daß eine durch nichts gehemmte Vermehrung des Tierreichs unmöglich ist, selbst nicht bei den Arten, die wir nach unseren wirtschaftlichen In­teressen alsnützlich" bezeichnen. Nun ist aber seit eincin Jahr­hundert nicht nur keine Vermehrung, sondern eine sehr fühlbare Abnahme gerade derjenigen Vogclarten sestgestellt, die wir als unsere besten Verbündeten im Kampfe gegen das Jnscktenhcer hoch­schätzen müsse». Weder die Wissenschaft noch die Technik können dem Gärtner uitd Landwirt bei der Abwehr schädlicher Insekten so wirksam helfen, wie das Heer der kleinen Singvögel.

Wir pslegen ja bei dieser Gelegenheit stets voll edler Ent­rüstung aus den abscheulichen Massenmord in den südeuropäischen Ländern hinzuweisen. Er ist durch nichts zu entschuldigen, aber er entbindet uns nicht der Pslicht, vor unserer eigenen Tür zu kehren, um sestzustellen, ob wir nicht auch etwas zur Verminderung der Singvögel beitragen. Leider niuß diese Frage bejaht werden, denn in den mitteleuropäischen Knlturstaaten schien den meisten Sing­vögeln die Nistgelegenheiten und der Unterschlupf, den sie zu ihrer Sicherheit brauchen.

Das ist die unabweisliche Folge der modernen, von kühl praktischen Erwägungen geleiteten Land- und Forstwirtschaft, die aus die Erzielung der höchsten Reinerträge ausgeht und kein an­deres Interesse gelten läßt. Zu diesem Zweck wurde der Boden melioriert. Der Acker wurde drainicrt, wobei jeder Graben, jede Hecke, jeder Strauch und Baum beseitigt wurde. Moore und Brücher wurden entwässert und zu ertragreichen Wiesen umgc- wandelt, bis der Zustand erreicht war, den man so treffend mit dem WortKullursieppe" bezeichnet. Ebenso gründlich wurde der Waldverbessert", indem man die Laubhölzer, vor allem Eiche und Buche, durch die schneller wachsenden Nadelbäume, Kiefer, Fichte und Lärche, ersetzte. So sind in etwa anderthalb Jahr­hunderten acht Zehntel aller Laubwälder in Deutschland durch Nadelholz verdrängt worden. Ja hier wird noch mit Sorgfalt jeder hohle Baum eutsernt.

Die Folgen sind nicht ausgeblieben. Fast alljährlich lverden Tausende von Hektar Wald durch^die Nonne und den großen! Kiesernspinner vernichtet, weil die Singvögel sehlen, die der Vcl- mehrung dieser Schädlinge Schranken setzen können. Eine Hoffnung aus Besserung bahnt sich langsam an, denn die Forstwirte begin­nen seit einiger Zeit wieder geniischte Bestände zu schassen.

In der Landwirtschaft hat die Jagd die Umkehr veranlaßt. Denn die Jäger verlangen mit Recht kür die hohen Pachtpreise,