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Ich bin wohl etwas abgespannt eS ist auch so heiß hier. Komm, laß uns gehen, Astrid."

Ach jetzt schon?"

Und die Schwester blickte bedauernd zu dem interessanten Gast am Fenster.

Doch Gerda war schon aufgestande».

Wenn du nicht magst ich gehe. Adieu, Herr Kyll­burg."

Astrid mußte da natürlich auch mit.

Sie bleiben noch?" wandte sie sich an Kyllburg.

Ja wenn die Damen es mir nicht übelnehmen."

Aber natürlich nicht!" Astrid reichte ihm die Hand. Bleiben Sie ruhig und erzählen Sie uns nachher Sie wissen ja!"

Sich etwas näher zu Kyllburg neigend, flüsterte es Astrid mit einem bedeutungsvollen Blick auf Keßler. Dann ging sie der Schwester nach, die schon zur Kasse getreten war und nun, ohne von jemand Notiz zu nehmen, den Raum verließ.

Kyllburg rauchte eine Weile vor sich hin. Sein Gesicht, das in den letzten Wochen überhaupt tmmer ein stifler Ernst beschattete, war heute noch um einen Schatten trüber. Ihn quälte da ein so dummer Gedanke. Er sagte sich ja natürlich selber: Unsinn, vollkonimener Unsinn! Eben nur eine Ein­bildung seinerseits. Reizbar wie er jetzt tvar. Lider dennoch ! Immer wieder kam das. Und er fühlte einen treibenden Wunsch, zu wissen: Wer ist der da eigentlich? Wäre das jene törichte Idee überhaitpt denkbar? Und da widerstand er nicht länger, langsam drehte er sich aus seinem Stuhl herum, bis er den Platz drüben am Fenster ungezwungen Überblicken konnte, und nun begann er Keßler zu beobachten.

Der andere bemerkte es anscheinend nicht. Er saß noch immer wie vorhin.

Die Konditorei hatte sich inzwischen bis auf das aller­letzte Plätzchen gefüllt. Es mußte sich wie ein Lauffeuer drau­ßen auf der Promenade herumgesprochen haben: Heinz Keß­ler sitzt bei Rasmussen! Und es war das Signal zu einem wahren Sturm auf das Cafe.

Von den dichtbesetzten Tischen flogen die sehnsüchtigen Blicke der Backfische und selbst schon älterer Besucherinnen zu dem Platze ani Fenster hinüber. Und die, die nicht so glück­lich gewesen ivaren, einen Tisch zu erringen, machten dem umschwärmten Künstler wenigstens nun draußen eine unauf­fällige Fensterpromenade. Zu zwei und drei, eng aneinander­geschmiegt, zogen sie langsam auf dem Trottoir vorüber und sandten ihm verzückte Blicke durchs Fenster.

Geradezu widerwärtig! dachte Kyllburg, und sein Blick suchte wieder das Gesicht Keßlers. Auf den würde dies Zei­chen aber wohl anders einwirken. Malte sich dort nicht die besricdigte Eitelkeit?

Jedoch der Gast am Fenster bewahrte die Unbeweglich­keit seiner Züge. Er blickte dem Rauch seiner Zigarette nach und schien all die Micke drinnen und draußen über­haupt nicht zu bemerken. Aber war das nicht alles vielleicht nur gutgespielte Gleichgültigkeit? Um die Bewunderung für ihn nur noch zu steigern? Er war ja doch eben Schauspieler von Beruf.

Und in Kyllburg wollte plötzlich eine, geheiine Gering­schätzung aussteige». Aber darunter, tiefer fühlte er noch etwas anderes. Eine Feindseligkeit. Er sah plötzlich wieder dir leise Verwirrung Gerdas da vorhin auf der Straße, und dann ihre betonte Abwehr gegen Keßler hier in der Kon­ditorei. Und in dem Blicke, der den anderen jetzt traf, war ein kalter Glanz.

Da sah auch Keßler herüber. Ganz langsam wandte er den Kops dem Offizier zu. Völlig unauffällig, wie in einem zufälligen Bewegen. Aber dennoch wußte Kyllburg: auch der andere suchte ihn.

So trafen sich die Augen der beiden Männer, die durch­drungen einander fragten: Wer bist du? Was willst du von ihr, die da vorhin zwischen »ns war? Hast du ein Recht auf sie? Und welches? Nur einen Moment lang währte dieses stumme Fragen; dann wandten beide die Blicke wieder von sich ab. Gleichgültig anscheinend, als interessierte keiner den anderen auch nur im mindesten.

Keßler stäubte die Asche seiner Zigarette an der Aschen­schale ab mit einer langsamen, gelassenen Bewegung.

Inzwischen waren wieder zwei junge Damen in das Cast getreten. Ihre Augen suchten sofort den Fensterplatz, wo er saß, dann einen Tisch, an den sie sich noch mit setzen könnten. Aber kein einziger Stuhl war mehr frei, und es trafen heim­

lich schadenfrohe Blicke der glücklicheren Rivalinnen die bei­den Zuspätgckommenen. Aber diese ließen sich nicht entmuti­gen. Sie hatten alsbald bemerkt: an seinem Tisch waren ja noch zwei Sitze frei.

Zwar hatte das bisher noch keine gewagt, sich zu Ihnl direkt an den Tisch zu setzen. Aber die beiden ivaren nicht ängstlich. Ein kurzer Blick des Einverständnisses unter den breitrandigen Federhüien und entschlossen steuerten sic auf das Fenster zu.

Ein staunendes Aufsehen im ganzen Cast. Das Klappern der Teelöffel, das Schwatzen und Tuscheln verstummte. WaS wagten die das wirklich? Doch nicht möglich!

Aber da standen die beiden auch schon an seinem Tisch, und die eine, eine kleine, kecke Blondine, fragte, auf die Stühle deutend, init unbefangenster Miene:

Die Plätze sind wohl noch frei?"

Nein, solche Unverfrorenheit! Aber doch in all den ent­rüsteten Mädchenherzen ein geheimer Neid: Warum hatte man das nicht selber gewagt? Das hatte man von seiner Schicklichkeit, seiner Zurückhaltung! Und alles lugte, aus daS höchste gespannt, weiter zu dem Tisch am Fenster hin: Wie würde er sich nun benehmen?

Mit unveränderter Ruhe hatte Heinz Keßler die Annähe­rung der jugendlichen Damen geschehen lassen. Erst jetzt, bei der Anrede der einen, wandte er leicht den .Kops hernm, als bemerkte er sie nun erst. Einen Augenblick sah er die lecket Fragerin stumm an, aber mit einem seltsanien, erstaunten! Blick, daß sie doch ihre Sicherheit zu verlieren begann Dann aber nickte er, ein wenig nachläffig:

Bitte sehr. Ich wollte sowieso gehen."

Und mit einem gemessenen Gruß stand er aus.

Der dreisten, kleinen Blondine schoß das Blut ins Ge­sicht. Sie versteckte ihr Antlitz hinter dem breiten Hutrande. Aber sie hörte doch das leise Rannen und Kichern an allem Tischen ringsum. Brillant! Die hatte er abfallen lassen. Und die eben noch so enttäuschte Sittjamkeit triumphierte als­bald wieder.

Auch Kyllburg hatte den Vorgang beobachtet mit ge­teilte» Empfindungen.

Im Grunde kvnnte auch er Kehler seine Ancrkcnnnng nicht versagen. Und doch wieder ärgerte es ihn, daß er sich so benommen. Es wäre ihm selber eine geheime Genugtuung gewesen, wenn sich jener anders gezeigt, wenn doch einmal bei ihm der eitle, «roberungslustige Theaterhcld zum Durch­bruch gekoinmen wäre. Denn daß er dies trotz seiner äußeren Reserve war, das ließ er sich nicht ausreden. Mein Gott, lein Wunder auch, wenn einem Tag für Tag soviel Weih­rauch gestreut wurde! Das muß ja den Kopf benehme» Und überhaupt es geht keiner ungestraft unter die Komödian­ten. Das Geschäft färbt ab.

So ries es sich Kyllburg inr stillen zu. Mit beflissenem Nachdruck, als gälte es eine andere Stimme zu übertönen, die iyin leise sagte: Ist das anständig? Mit welchem Rechte urteilst du über jemand, den du doch noch gar nicht kennst? Das ist doch sonst nicht deine Gewohnheit. Also Voreinge­nommenheit, Feindseligkeit. Aber warum? Was für einen Anlaß dazu hat dir jener andere denn gegeben?

Mit zusammengezogencr Stirn blickte Kyllburg aus den Brand seiner Zigarette. Dann solgte sein Blick Keßler, der jetzt das Cast verließ.

Da drückte er kurz seine Zigarette in der Aschenschale aus. Bald darauf ging auch er.

lFortsetzung folgt.)

Unbekannte Liebesbriefe der Zarin Uacharina d Gr. und Puschkins.

Mitgcteilt von Anastasia Tschcbotarewsla.

Aus einer Sammlung bisher unverössentlichtcr Liebesbrief« berühmter russischer Perwulichkciten, die Anastasia Tschebota- rcivsla zusammengcbracht bat, bieten Ivir hier einige geschichl- lich bcdcutsamc und menschlich ergrcifeirdeDokumente des Her­zens". Tie große Katharina schreibt an ihren Günstling, den mächtigen Potemkin, der zivar in ihrem Herze» schon längst den Platz an andere, so an Platon Suboio, verloren har, aber an der Spitze ihrer Heere stolzen Kriegsrnhm gegen die Pforte erringt. Alexander Sergcjewitsch Puschkin, Rußlands klassischer Tichtergcnius, legt einer Unbekannten in der Blüte seines BvrowKultus schwärmerisch seine Huldigungen zu Füße» und tvirbt dann als gereister Mann in innigem Bekennen seines tiefen Gefühls um die Braut, die ihm als seine Fran ein kurze»