Lkkizierstöchtrr.
Kornau von Paul Grabein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Kind, Kind! Ueberspann' dock den Bogen nicht. Ich rede so etwas ja doch nicht auf den blauen Dunst hin. CMniib' inir'S doch: Petersen lässt sich das sicher nicht mehr lange bieten Dass er nur nicht bei einer anderen —"
EKrda lehrte sich langsam der Mutter zu. Ihr kam plötz- lich ein Gedanke.
„Du hast auch wohl schon eine» bestimmten Verdacht?" Etivas tvie Verlegenheit malte sich aus den Zügen Frau von Hennings. Da sagte Gerda eS ihr auf den Kopf zu: „Ich weiß auch auf wen — Astrid!"
Eine Panse, dann die Antwort:
„Nun ja, Kind, wenn wir doch einmal darüber reden. Wirklich, es ist mir das schon ein paarmal ausgefallen: wenn du Petersen so abfallen ließest, dann widmete er sich jedesmal Astrid. Es scheint, daß auch sie nicht ohne Eindruck auf ihn geblieben ist. Darum also noch einmal: Sei nicht unklug, Gerda, verdirb dir nicht selber mutwillig deine Chancen."
Das Akädchen schtvieg eine» Moment. Dann aber toarf sie den Kopf in den Racken.
„Gesäitt ihm Astrid besser — in Gottes Namen, so mag er sie nehmen. Vielleicht tvärc das überhaupt die beste Lösung für uns alle. Astrid käme jedenfalls zehnmal besser mit ihin aus als ich. lind euch kann's ja schließlich gleich sein - tvenn er nur überhaupt eine von uns nimmt!"
Wie ein geheimer, bitterer Borwurf klang eS. Da sagte Frau von Henning:
„Gerda, dn sprichst gerade, als sollte das alles unseret ivegcn geschehen. Kind, ich will dich doch nicht etiva ans dem Hause treiben. Erscheint dir eine Ehe mit Klaus Petersen so absolut unmöglich, nun gut — kein Mensch tvird dich dazu zwingen. Mein gutes liebes ttind", und die Mutter nahm jetzt GerdaS Hand, „glaubst du denn, ich hätte nicht auch einmal anders gedacht, genau so wie du? Aber wo ist das alles geblieben? — Möchtet ihr doch wenigstens daraus lernen! Das sieht sich iin Leben nachher alles anders an. Die große Liebe — gewiß, es ist etwas Schönes und Hohes darum. Aber such' dir dje paar Menschen, Ivo das bleibt und standhält, auch nachher in der Ehe. Darum soll man nicht einem salschen Ideale nachjagen. Einen Mann haben, den man achten kann, aus vollstem Herzen, dem man voll Vertrauen sein Geschick in dre Hand geben kann — mehr soll man nicht verlangen vom Leben. Und glücklich die Frau, der das beschieden ist. Glücklicher vielleicht als die andere mit der allzu überschwenglichen Liebe. Wenn du doch das cin- sehen wolltest, mein Kind!"
Aber Gerda antwortete nichts. Rur ein schwerer Seufzer hob ihr die Brust. Da schüttelte die Mittcr bekümmert veK
Kops. Sic wußte nichts mehr zu sagen. Ms ihren Zügen erschien wieder der vcwgramte Ausdruck, der sich dort immer einnisiete, wenn ihr nicht gesellschaftlicher Zwang ein verbindliches Lächeln aufnötigte.
Born an der Dür ging jeltz-t die Hausglocke. Frau von Henning sab nach der Wanduhr, gegen l /al2 Uhr, es konnte wohl schon ein Besuch sein, und sie verschloß ihre Rechnungen und Wirtschaftsbücher im Nähtisch.
Run klopfte es, und der Bursche erschien.
„Herr Petersen bittet, den Damen seine Aufwartung! niachen zu dürfen."
lim Gerdas Lippen spielte ein leises Lächeln. Sie sah zu der Mutter, über oeren Gesicht eS wie ein Hauch der Beg-> legenbeit flog Doch nun sagte diese, bereits wieder ganz Repräsentantin:
„Ich lasse bitten, und melden Sie nachher den Besuch den jungen Damen ans der Loggia." —:
.Herr Petersen verneigte sich tief vor der eintretende« Hausfrau und küßte ihr die Hand. Auch die Begrüßung Ger- das war sehr respektvoll. Er überreichte ihr einige prächtige Orchideen.
„Darf ich mir erlaube», mich zu erkundigen, /wie de» Damen der Abend gestern bekommen ist? Es war übrigens zu reizend, meine gnädige Frau."
Und er wandte sich von der Tochter wieder der Mutteu zu. Die Unterhaltung, die üblichen Höflichkeitsphrasen, lag den» auch ausschließlich zwischen der Frau Oberstleutnant und dem Besucher.
Gerda saß, gedankenverloren mit ihren Blumen spielend daneben und schwieg. Mer mit Ohr und Auge kritisch Gewiß, es war im Grunde nichts gegen ihn einzuwenden. Sein Anzug tadellos korrekt; er sah überhaupt gut aus, ohne Frage, aber ebenso inhaltslos. Ein völliger Durchschnittsmensch, nüchtern, platt, ohne jedes Temperament, ohne Tiefen. Und so war auch alles, was er sagte. Wenn er sprach, batte man beständig das Gefühl: Warum eigentlich das alles? Lohnte es sich des Aufwandes der vielen Worte, nur um diese Selbstverständlichkeiten hcrauözubringcn?
Und sie mußte plötzlich denken: Er und sie verheiratet, immer so allein einander gegenüber — nicht auszudenken! Sie würde nicht mehr wissen, was spreck)en mit ihm, sein nichtiges Gerede würde ihr auf die Nerven fallen. Eine trostlose Perspektive.
er ist überhaupt ein sehr angenehmer Mensch. Finden Sic nicht auch, mein gnädiges Fräulein?"' tönte es ihr da im Ohr.
„Gewiß," nickte sie zustimmend zu ihni hin. Aber sie hatte überhaupt keine Ahnung, von wem er sprach.
Dann rrat Astrid ein. Mit einem leis vertraulichen Druck reichte sie dem Besucher die Hand.
„Wie aufmerksam von Ihnen. Herr Petersen — bereits so in aller Frühei"
Gerda verstand den doppelten Sinn der Worte, eines ge- ! Heimen Dankes für die Sendung des Bielliebchens; die


