lich, nach längeren schriftlichen Versuchen: 20'/- Meter und 5 Meter 30, das waren wirklich noch nicht 26 Meter, und die hatte ich frei.
Aber der Bauer schrie: „Betrug! Falsch gemessen! Ich werde euch lehren! Das Diug da ist meine, oa gibt cs nischt!" Der Sekretär war froh, nach allem Klettern und Messen nun endlich seine drei Franken verdient zu haben und schwor, kein Mensch brächte ihn mehr hinauf, er hätte gemessen, und jetzt wäre eö klar. l
Aber der Bauer begann vollends zu kochen: „Was!" schrie er. „Ihr Fremden, ihr glaubt, ihr braucht bloß ins Land kommen — und baut euch eure Dinger aus Zement, mitten in unsern Wald? Das wollen wir sehen! Der Advokat muß kommen! Das Gericht muß kommen! Denn das ist meine, da hat kein Mensch kein Recht draus!"
Wie er einen Augenblick ruhig war, ging ich hin und sagte freundlich: „Was Ivollt ihr denn mit dem halben Meter? Da wächst doch noch nicht einmal ein Strauch! Das Bassin ist mein, loir haben's doch eben zusammen gemessen. Mer ich will euch die zwei Quadratmeter zusammen ab- kauscn und bezahlen, als ob's euer wäre! Da habt ihr 'nens halben Marengo!" Das- ivar inehr als der doppelte Wert des Grundes^ ich dachte, ich hätte mir einen Freund erkauft.
-Aber der Bauer wurde nur wütender: „Was?" schrie er, „wollen Sie mich bestechen? Mein Recht will ich haben! Mein Land will ich haben! lind N>enn Sie mir tausend Franken geben: der Grund, den Sie mir da ansgegraben haben wegen Ihrer elenden Wassergrube, der ist ineine!"
Er nahm das Maß und die Stange und stolperte wieder nach oben..Der Sekretär, der längst wieder saß und trank, ivinkte mir, als wollte er nckr sagen: Laßt ihn nur gehen, den Verrückten!
Aber ich rief: „.Heh! llntenbleiben! Ihr könnt euch Hals und Beine brechen! Vorsicht da oben!" Und ich schrie aus Leibcökrästen, obwohl doch der Bauer ganz nahe blieb. „Der Felsen bröckelt! Laßt doch daS! Ihr habt doch vorhin genau mitgemefsen! Jcki ivill's ja kaufen!" Der Bauer mußte schon oben sein, man hörte es rascheln.
Plötzlich stand er an der Felsenspitze. Mit seiner Stange in Händen, schwarz gegen den wolkenlosen hiinmel ragend, glich er einem rasenden (sötte. Er horte nicht auf zu drohen und zu schreien: „Ihr Schufte! JhrLügncr! Euch wird man es lehren! Falsch messen! Das kenn' ich, ihr Schufte, ihr Lügner!", und er spannte das Maß bis zur Ielsenspitze, auf deren Ende ec mit einem Fuße trat. Es schien, er wollte das Maß mit einem Stein beschweren.
Der Sekretär grinste. Ich war aufgesprungen und rief: „Wahnsinn! Mensch! Vorsicht! Zurück!", und wollte hinauf, so rasch es eben ging. Aber große Steine hielten inich auf, denn der Wütende hatte alles zerstampft und gelockert, und ich mußte acht geben, nicht ins Geröll zu rutschen, tzch kletterte aus allen Vieren hoch, die großen Farren wie Ruder brauchend. ES waren noch zehn Schritt bis zu dem streitigen Plateau.
Plötzlich — Steine bröckelten — stürzten — das Blöken von einem Stier — ein Aufprall — ein Stcinsturz —
Ich stand erstarrt.
Während ich wieder nach unten eilte, hörte ich »och den glucksenden Sekretär und unterschied genau, daß er die dicken Gläser vom Tisch geworfen hatte.
Als ich am Fuße des Felsens ankam, stand er schon bei dem Bewußtlosen. Den Sturz hätte er am Ende mit ein paar Rippcnbrüchen überwunden. Aber ihm war ein Fels- stnck nachgefalle», cs mußte unmittelbar hinter der bröckelnden Svitze besessen haben und ihm »achgebrochen sein. Das hatte die Wirbelsäule zerschlage». Er selber lag klotzig wie ein Stein, er gab keinen Laut, aber er röchelte.
Als wir ihn auf niein Bett geschleppt hatten, seufzte er einmal sehr tief auf, — und verschied.
Der Sekretär, der in den letzten Minuten nüchternes geworden >var, hatte noch immer sein Schlucken: „Die Gerechtigkeit ist blind, ich hab's inrmer gesagt! Dazu trügt sie nämlich die Binde! llnd dazu trag' ich mein Maß und meine Karte!" Er schluckte immerfort, setzt loiinte inan es für Weinen nehmen. „Gerechtigkeit muß eben sein auf der Welt! ü Meter 30, — Sie haben's doch gesehen — !"
Ich dachte: Gerechtigkeit!
vermlschtes.
Kt. Der Nährwert der Sonnenstrahlen. Ein französischer Arzt, Miramond de la Roqnette, soll, wie das „Journal de Geneve" berichtet, jüngst der Variier Akademie der Wissen- schahe» Bericht über Versuch« abgestatiet haben, die etwas fastnacht- mäbig ai,mute» : Wie grob ist der Nährwerl der Sonnenstrahlen t io wagte Tr. Mirainond de la Roquelte, und uni diese schwerwiegende Frage beantworten zu können, begab er sich nach Algier, um dort zunächst durch Tierversuche der Löiung seiner Ausgabe näher zu kommen. Dort stestle er nun eine Reih« von Meerschweinchen in gläsernen Käfigen im Freien ani. Zur Winterszeit bekam jedes täglich 4 Gramm Daser au! 100 <3ramm seines Körpergewichtes : im Frühling setzte der Gelehrte die tägliche Nahrung aus 3 Gramm herab, und während der Zeit der größte» Hitze bekam jedes Mcerschiveinchcn nur noch 2 Gramm Haler ans 100 Gramm seines Körpergenüchtes. Das merkwürdige Ergebnis soll nun das gewesen sein, daß die Meerschweinchen durchaus nicht abnahmcn, wie man erwarten sollte: im Gegenteil, sie gediehen vortresflich und behielien ihre Körperfülle bel. '31 IS einzige Erklärung — so sagt der sranzönsche Gelehrte — bleibt die Annahme übrig, daß die durch die Sonnenstrahien dem Körper zugesührt« ArbeitSkrast de» Auslall an Nahrimgsstossen erlegt bat, imd er veriveist aus die Bewohner heißer Länder, deren Mäßigkeit im Esse» allgeniet» bekannt ist.
Icos. Mit der Nützlichkeit oder Schädlichkeit der Amseln hat sich kürzlich die sächsische Zweite Kammer aus Anlaß eines Gesetzentwurfes eingehend beschäftigt. ES nmß als cr- nfiesen angesehen werden, daß die Amseln nicht die harmlosen Vögel sind, als die sie meist hingestellt werden, besonders in der Nachbarscimst der Städte zeigen sie gefährliche Eiitartriilgserschel- inmgen. Großen Schaden richlc» sie in Obst- und Beerenpslan- zungen an, am schwersten aber ist der gegen sie erhobene Vorwurf der Nesträuberei. Bei der Aussprache wurden sehr verschiedene Meinungen laut, eins aber steht doch fest, daß die Amseln eine Gefahr für den Obstbau bedeuten und ohne Ziveiscl oft auch räuberische Neigungen zeigen. Der Regierungsvertreter, der aus seiner Snmvathie für den Vogel keinen Hehl machte, niußte scstflcllen, daß die Ainseln i» Gegenden, in denen große Obst- und Bcerenplaniagen bestehen, wirtschaftliche Schädigungen verursachen, die sür das Land schwer ins Gewicht falle». Eine Ausrottung der Amseln durch das neue Gesetz ist nickt geplant. Der Abschuß wird nur aus Ansuchen und »ach Prüfung der Vcrechtigung gestattet werden, und die sächsische Regierung will dafür sorge», daß kein Mißbrauch mit den Äestinliuimge» des neuen Gesetzes getrieben wird, und daß keine unnötige Schießerei um sich 'greift. Mit dieser Erklärung kann jeder Vogelfreund einverstanden sein.
* DaS Wichtigste. Der Lehrer erläutert die zehn Gebote und fragt dann, um Gedächtnis und Ausmerksamkcit der Schüler zu erproben : „Und iver von Euch kann mir jetzt eilt Gebot nennen, das nur vier Worte hat?" — Sofort streckt sich ein Finger. „Nun?" — Der Schüler: „Betreten des Rasens verboten!"
vüchertisch.
— A c u e Frauenkleidung und Frauenkultur.
Organ des Deutschen Verbandes sür Neue Fraueiikleidung und Frauenkiiltiir. Schristlcitung: Clara Sander, Else Wirminghaus, beide in Köln. Verlag der El. Braunschcn Hosbuchdruckerci in Karlsruhe. Jährlich t0 Hefte in Hoch Quart mit zahlreichen Abbildungen und Zeichnungen auf Kunstdriickpapicr, sonne Schnittmiisterbogen. Preis fürs Jahr 6 Mk.
— Das Jugend-Moden-Albu>n für 1914 verbunden mit reichhaltigem Wäschebnch ist zum Preise von 60 Pf. im Verlag der Jiilernaliaiialc» Schnittmaniisaktur in Dresden soeben erschienen. Es ist in seiner äußeren wie inneren Ausstattung als eine vorzügliche Leistung der deutschen Mode-Lileratur zu bezeichnen. Entzückende Kindergestalten, die bei allem modischen Schick sich in reizvoller Natürlichkeit darbiete», beleben die Seiten deS Albums. Für alle Altersklassen sind die Modelle vertreten und keiner Mutter wird cs schwer fallen, sür ihre Lieblinge die rechte Kteidung danach zu wählen und in sparsamer Weis« selbst zu schneidern, denn sür alle Vorlagen sind die vorzüglichen Favorit- Scknitle.erhältlick. (Zu beziehen durch die Internationale Schuill- »lauufaktiir, Dresden N. 8, Nordstr. 29/31.)
palindrom
Mancher der Schisser fand plötzlich durch mich sein Grab in
den Wogen
Rückwärts gelesen jedoch ivnrd' ich ihm einstens geschenkt. Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung der Schach-Nusgabe in voriger Nummer: Weiß. Sckivari.
1. -»8 Beliebig.
2. I) od. 8und Malt.
Redaktion: K. Neurat h. — Notatpmsdcuck und Derlaa der Brühl'schen klniversttäts-Buck. ,n>d Steindruckerei. R. Lanae. Gießen»


