Dkkixirrstöchter.

Ronian von Paul Grabetn.

(Nachdruck verboten.)

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Sie blickte einem, mit spitzem Mündchen zierlich geblase« neu Rauchringe nach, aber beobachtete.dabei doch unter den halbgesenkten Wimpern hervor Gerda.'Indessen blieb diese ganz ruhig. Statt ihrer lieg sich drüben Edith vernehmen:

Zigaretten? Gin höchst unpassendes Viclliebchrn-E)e- schcnk. üorrektcriveise darf ein Herr einer Dame doch nur Blumen schicke». Jedes andere Geschenk ist eine Taktlosigq keit verletzend für die Dame. Wie konntest du nur an- nkhmen!"

Pah. ivenn ich nach deinem Sittenlodex leben ivollte, liebste Edith, dann tonnte ich nur schon von vornherein auf jedes Vergnügen verzichten. Fallt mir ja aber gar nicht ein. Was sang' ich mit Blumen an, die morgen welk sind? Warum soll ich da i» aller Welt nicht eine Aufmerksamkeit praktischer Art annehmen? Ob nun Pralinecs oder Ziga-s rette» das ist doch wohl ziemlich schnurz. Und gegen Pra-, linees hat selbst Mama nichts einz»wendent Pctersen hat Gerda doch schon oft genug welch« geselstckt."

Und tvoher wußte er denn, das; du die Queen vor-, ziehst ?" forschte jetzt doch auch Gerda,hast es ihm am Ende wobt selber gesagt'?"

Gewiß Hab' ich's!"

Mein Gott, Mädchen, bist du denn von allen Be^ griffen verlassen'?" empörte sich Edith ihrerseits.

Nicht im mindesten, mein Herzchen. Aber tvenn mich jemand osfcn fragt, lvoinit er niir eine kleine Freude ninchen würde, warum soll ich's ihn, da nicht ruhig sagen? Ist das denn ein Unglück ?"

Unschicklich ist und bleibt cs," entschied Edith.

Gerda aber sagte, indem sie langsam wieder ihr Buch durchblätterte:

Na jedenfalls rat' ich dir dringend: Laß Papa nichts von der Schachtel da sehen."

Aber Astrid lachte nur.

Kinder, habt euch dock nicht so! Ihr seid mitunter komische Leurche». Macht euch doch das Leben nicht selber mit Gewalt schwer. Es gibt euch ja doch keiner 'nen roten Heller dafür."

lind mit philosophischer Gelassenheit rauchte sie weiter.

Einige Minuten gingen so im Schivrigen dahin. Aber da horchten die Drei plötzlich auf. Bon drinnen aus den Wolmräumen des Hauses klang eine Unterhaltung herüber, die immer lebhafter wurde, und nun hörte» sie deutlich eine kiese laute Maunesstimme:

Ja, du lieber Gott, was sollt' ich denn machen? Ich mußte das Pferd dock haben. Mit dem Emir tan» ich docki unmöglich meine Abteilung vorführen. Ter alte Verbrecher schmeißt mir womöglich die aanre Besichtigung um. Und du

weißt doch, was diesmal auf dem Spiel steht: schneideich schlecht ab, dann kann ich mir getrost den Zvlinder kaufen. Und wo bleibt Ihr dann alle, du anti> die Mädels?"

Papa! Also doch schon da!"

Und Astrid griff rasch »ach ihrer Zigarettenschachtel. Drinnen ii» .Hause aber vernahm man jetzt die Antwort der Mutter:

Ich und die Kinder! Ja, lvcnn du nach uns nur eiwas eher gefragt hättest, ehe tm deinen Pferdekauf vornahmst. Der .herbst steht vor der Tür wovon nun unsere Mnler-t garderobc bezahlen?"

Na, mein Gehalt ist doch auch noch da!"

Aber cs klang nicht mehr ganz so sicher.

Dein Gehalt! Als ob du nicht selber tvüßtest, daß das so glatt draufgeht für den Haushalt."

Eine Pause, dann aber tvieder die verärgerte Stimme des Vaters:

Sv werden die Kerls mit der Bezahlung für eure Sachen eben gefälligst tvarten bis-zuni Januar, de» nächste» Zinsen ich kann's doch nicht ändern. Was sein muß, muß sein. Und damit basta!"

Laut hörte man drinnen eine Tür Zuschlägen. Dann wurde es still. Auch die drei Mädchen verharrten in Schwei­gen. Auf Ediths Mienen lag ein trüber Ernst. Wie ein Ahnen künftiger Dinge. Vielleicht war das auch ihre Zus kunft. Ihre Gltern halten einst aus Liebe gel>eiratet sic wußte es von der Mutter selbst und nun dieser Ton zwischen ihnen! Es war ja nicht das erste Mal, daß sie unfreiwillig Zeuge» einer solchen Auseinandersetzung wurden.

Eine Erinnerung stieg plötzlich in Edith auf. Etwas, was ihnen Tante Albertuie, die Stistsdame ans Preetz, einmal erzählt hatte. In den ersten Zeiten seiner jungen Ehe hatte der Oberstleutnant seine kleine Frau so manchmal, lvenn sie müde von einer Gcscllschast nach Haus kam, auf seinen Armen die Treppe hinaufgctragen, in zärtlicher Sorge und ritterlicher Liebe. Und jetzt! War das der Liebe Los? Immer, unausbleiblich?

Um Gerdas seingcschnittcnen Mund spielte ein bitterer Zug. War das nicht schrecklich? Daß sich zwei Mensche», zwoi an sich hochgesinnte Menschen, so anfallen mußten unter dem Truck der Verhältnisse? Die Mutter tat ihr leid, aber der Vater auch. Was mochte alles voraufgegangen sein, ehe er bis zu dieser Rauheit der einst angebeteten Frau ge­genüber gekommen war. .

Sie sah in, Geiste wieder Walter .unllbnrg vor sich, gestern abend. Mit seiner leidenschaftliche» Hingabe bereit, alles für sie hinzuopfcrn. Der arme, gute Junge! Und doch wäre sie gestern nicht die Vernünftige geblieben auch ihnen wäre das sicher einmal besckiedcn gewesen. Ist die Sorg? erst im .Hans, fliegt die Liebe zum Schorn­stein hinaus. Ein abgedroschenes Wort, aber nur allzu wahr. Wozu also da erst dieser Umweg voller Qualen und Ent­täuschungen? Dann dock, lieber gleich an das Ziel, zu dein man doch kam, so oder io: einer Ehe ohne alle Illusionen,