Meine Herren, Sie wissen alle, dass nicht benutzte Organe verkümmern. Brockwith schaltete systematisch die Gehirne aus, und sie verkümmerten. Frau Killarney hat uns vorhin unter Tränen erzählt, wie ihr Mann sich verändert hat, seit er „ge- taylort" wurde, wie sie erschrak, als er von Tag 411 Tag stumpfer wurde, wie aus dem heiteren, liebevollen Gatten, dem sorgenden Vater ein gebrochenes Wesen wurde, das nicht mehr lachen und nicht mehr froh sein konnte, das stumpssinnic, atz und schlies und nichts menschliches mehr hatte.
Nun, meine öerrejt, komme ich zum Hauptpunkt meiner Rede. Bivckwith hat die Arbeiter entmenscht, er hat Automaten aus ihnen gemacht, die sinnlos und vcrstandlos arbeitete», wie sein Witte, sein Verstand und seine Idee sie zwang.
Sehen Sie, ineine Herren Geschworenen, eine Dampfmaschine an! Da fährt auch, wie ei» Arm, an sich sinnlos, die Pleuelstange einher, vom Damps getrieben, und nur in Bahnen gezwungen durch den überlegenen Willen des Technikers. Aber ein Fehler kann im Stahl liegen, tief verborgen, und eines Tages bricht eine Verschraubung, knickt. die eiserne, scheinbar so feste Pleuelstange ein, reiht sich aus der erzwungenen Bahn los und erschlägt den Techniker, der ahnungslos in der Näl>e stand.
So war es auch mit Bob Killarney Sein Körper war eine. Maschine, sein Arm eine leblose Stange, aus Muskeln statt ans Eisen; und ein tief verborgener Fehler, der im System lag, jenseits allen menschlichen Ermessens, rih seinen Arni aus dem vorgeschriebenen Bahn und brachte solches Unglück über ihn.
Das System, das ihn bewegte und zivang, das aus einem denkenden Menschen eine herzlose Maschine machte, hat Schuld, nicht er!
Bob Killarney ist unschuldig, meine Herren, und ich bitte um seine Freisprechung!"---
Der Advokat hatte unter lautloser Stille geendet. Die Geschworene», zum groben Teil kleine Bürger von Tampa, gingen schwerfällig in das BeratungSzinimer, und als sie zurück- kamen, erklärte ihr Obmann im Namen der Geschworenen Bob Killarney für unschuldig , , ,
Vermischte».
--- Exzentrische H e r r e n m 0 d e u. Der Ruhm und die Erfolge der Damenschneider, die in jüngster Zeit trotz oder wegen der gewagtesten und kühnsten neuen „Kreationen" das Heer ihrer schönen und folgsamen Anhängerinnen fortwährend wachsen sehen, raubt allgemach auch den Herrenschneidern ihre Ruhe. Die eng lischeu und die amerikanischen Schneider überbicten plötzlich die Herren von der Rue de la Paix an bizarren neuen Ideen, und der Dandy, der in der Borpostenlinie der neuesten Mode bleiben lvill, wird sich in diesem Jahre umtuu müssen, wenn er nicht plötzlich von dein ersten besten Snob überholt sein soll. Datz London >mi> Paris die geschlitzten Herrenbeinkleider lanzieren, ist schon bekannt geworden, die findigen Anierikaner sind mit bcu „durchbrochenen" Herrenwcslen gefolgt: nun enthüllt London seine Karten und spielt seinen höchsten Trumpf aus. Als Pionier wirkte einer der elegantesten Schauspieler der Thenisestadt: vor wenigen Tagen sah man ihn auf den Brettern ei,res sashionablen Theaters des Londoner Westends in einem Abendanzug erscheinen, der ln der Tat zeigt, daß es der Herrenmode an vielem kehlen mag, ganz gewiß aber nicht an Mut. Der Künstler erschien in eine»! Frack, dessen eleganter Schnitt und tadellose Linienführung de» rassiniertesten Kenner männlicher Abendkleidung entzücken mutzte: aber man rieb sich doch im ersten Augenblick zweifelnd die Augen Denn die Aufschläge des Fracks, die sonst, ob nun in matter oder glänzender Seide, doch stets dem ernsten Schwarz treu blieben, leuchteten hier in bunten Farbtönen, die ihren koloristischen llebermut trotz wohlabgewogencr Dämpfung nicht verleugncten. Und dem Aufschlag entsprachen in der Farbe die seidenen Aermelaufschlägc: das einemal sah man ein schüchtern, gleichsam innerlich leuchtendes, zum Schwarz hinüberspie- lendes, tiefes Dunkelblau, das andere Mal ein gedämpftes Violett. Also der Frack mit bunten Aufschlägen! Er wird es nicht leicht haben, populär zu werden, aber vielleicht kommt ihm doch die Karnevalszeit diesmal zu Hilfe, — Aber nicht genug danrft: des echten Dandys harren noch mehr große Erlebnisse, Der sogenannte Byron kragen ist ausgetaucht: jener Weiche, »vohl an die 15 cm breite weiße Umlegekragen, der seine ungestärkten iveichen Leineniuassen weit über den Kragen des Anzugs ergietzt und den Hals srcilaßl. Die Wiederaufnahme des Bvron- kragens ist im Grunde freilich nur die logische Konsequenz des breiten bereits über die Westenränder hinausgreifenden steifen Umlegekragens, den die amerikanischen Modeköurge im vergangenen Herbst lanzierten. Diegcn die jetzt in London vertretene „Neuheit" läßt sich sogar vom ästhetischen Standpunkt kaum etwas einwenden, denn diese Halstracht ist an sich ztveisellos hartnonisch und schön, nur wirkt sie in unserer Gegetttvart wie ein Frenchkörper und somit bizarr. Aber das ivürdc den Dandy vielleicht nicht stören, Und dazu kommt noch eins: nicht jedermann ivird sich diese breiten, ungestärkte» Lcinenkragen leisten können, denn gar
schnell verlieren sie in der staubigen Und rußigen Großstadt ihre blütenwoitze Unschuld. Der Elegant wird also täglich seine fünf bis sechs dieser Byronkragen verbrauchen: und dazu haben ja
nicht alle Männer täglich Zeit und Laune ... 8.
kos. Wie heilen ansteckende R r a u k h c i t e u? Jedermann tveiß, daß ansteckende Krankheiten, Maseru, Scharlach, Tuberkulose, Typhus, ja auch die Cholera und Pest „von selbst" heilen können, ohne daß ein Arzt zur Heilung bcigetragen hat Also mutz sich der Körper selbst mit seinen eigenen Kräften und Mitteln geholfen liaben. Wie er das zustande bringt, darüber schreibt >t»s der bekannte Mediziner und beliebte Schriftsteller Dr. Dekker: Die Bakterien sind die Ursache, die „Erreger" der austecketlden Krankheiten. Gegen sic hat sich der Körper zu wehren: er läßt sie nicht hinein in das Innere, oder tuen» sie eingedrungen sind, wirst er sie fvieder hinaus (Htlsten, Niesen), Verschluckte Bakterien iverden im Magen- und Darmsast abgctötet oder schließlich, ohne datz sie Schaden anstisten, auf natürliche Weise wieder auSgeschieden, sogar die schlimiusten, tvie die Mordversuche des Giftmörders Hops mit Cholera und Typhusbazillen beweisen. Sind Bakterien in den Körper eingedrungen, daß sie in den Getveben und Organen von den Säften zehren und sich bakterienhast in die Millionen vermehren können, so sucht sie der Körper zu vernichten. Das Fieber ist ein solcher Versuch, durch Erhöhnug der Körperwärme dem Gesindel den Aufenthalt unbehaglich zn machen, es an Waclfstum und Vermehrung zu hitldern oder ivenigstens die Eiitwicklnng zu hemmeu. Entzüuduug ist ein anderer Versuch, mit Hilse der stets bereiten weißen Blutkörperchen die Bakterien zu vernichten. Tie Eitern u g ist ein heroisches Mittel, durch Opferung vonr eigenen Gewebe die Bakterien mitsamt der Eitermasse hinauszustoßen. Das gelingt aber nur, ivenn die Bakterien im Gewebe stecken, hier ans kleineren Herd abzugrenzcn und einznschließen sind. Wenn sie im Blutstrom kreisen, so sind sie nicht zu fassen. Hier können Entzündung und Eiterung nicht helfen. Dafür ersindet der Körper einen neuen genialen Kniff: er sondert Säfte ah, die die Bakterie,, klebrig machen. Und nun ereitl sie das Verhängnis. Sie kleben an einander zu zierlichen Rillen und derben Strähnen, ballen sich endlich zusammen zu dicken Klunipen, die schtverfällig im Blut weiter treiben, irgendwo im Adcrnctz stecken bleiben: und nun Ivird diese wehrlose Masse von deu fveitzen Blutkörperchen vollends vernichtet. So ivird der Körper bakteriensrer und -- gesundet von schwerer Krankheit.
Sprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.
^ H > lse oder Hiilke? Die aurtliche Rechtschreibung hat derTchreibweileHülse denGarcnisgemachi, und doch begegnet man ihr »och immer ivieder. Es gibt sogar Behörden und — Lehrer, die an? Unkenntnis oder ost auch an? Trotz »och immer Hülfe schreiben. Der Einheitlichkeit dient das gerade nicht, und darum sei auch hier einmal darani hmgenuese», daß es »ach den, aintlicheu Regelbuch nur Hille heißen dark; nur in Österreich, Bayern, Sachsen nnd einigen Kleinstaaten ist die ü-Form daneben noch zulässig. Er muß zugegeben werden, daß .sich im mündlichen Verkehr das ü wobl noch lange und an vielen Orlen halte» ivird, aber geschrieben Iverden darl cs in Preußen nicht mehr. Man kann beobachten, daß ein Geistlicher ans feiner neue» Bibel in einem Texte immer Hille liest, aber in der Predigt, wen» er frei spricht, nur und stets Hülse sagt. Wülfing.
vüchertisch.
— EingutesBuchzurKonsirmation, das für jeden jungen Mann, für jedes junge Mädchen seinen Wert für das ganze Leben behält, ist die von Kurt mm Weißenseld besorgte Neubearbeitung des berühmten Knigge-Buches „Uebcr den Umgang mit M e 11 s ch en ". Dieses altbewährte Lehrbuch der Menschenkenntnis und veredelnden Lebensführung stellt nun unter dem Titel „Der moderne Knigge" durch Erweiterung seines Inhalts einen Wegweiser für angenehme, aber sichere Umgangssormen dar, und gibt in seinen neuen Abschnitten „Der gute Ton des Augenblicks" und „Wie benehme ich mich in diesem 1111b jenem Falle?" eine Fülle von Beispielen ans dem Leben. Der vornehme ti, Rot- leinen mit Goldausdruck gebundene, aus echt Jndiapapier gedruckte Band kostet nur 2 Mk. Verlag von Wilhelm Möller. Oranienburg- Berlin.
Rätsel.
Tust in der Jugend du, wie dir die Erste sagt,
Wohl nimmer dann in: Alter dich die Sorge plagt.
Die Zweite nennt sein Eigen jeder holde Engel,
Doch findest du sie auch bei einem losen Bengel.
Wenn schließlich sich zur Zweiten „och ein ,d" gesellt, Entsteht daraus sogleich die größte Macht der Welt.
Das Ganze — ohne „d" — schmeckt vrächtig, zart imd sein; Empsehlensivert dazu ist »Münchner" oder Wein.
Auslösung in »rächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummert Eilelkeit ist ein schlimmes Kleid.
Redaktion : K. N « u r a t h. — Rotalionrdruck und Verlag der Brühl'sche» Universttäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Bietzen.


