— «7
schar', und schärfer geworden i es keuchen die Lungen, öie Maschinen, die Ferbnkcn, du' Magen vor lauter Hast, es stülpten die ÜJcütoreii vor höchster Anspanmmg, schneller geht es, sihngller —. lind das Leben ward ein maßloses Ziel. Mir scheint: einstmals war der Tag doppelt so lang „ich die Nacht auch, und bewußter hätten die Menschen gelebt. Ich glaube fast, sic vermochten auch bewußter au sterben. Jetzt reißt es uns plötzlich hinab, wie den 'Aviatiker ans chwind, Inder Hü^, der mit grausigem Aussclilag an Mutter «de ich zerspritzt, statt sriedlich lvcich und versöhnend seinen Körper in llrstoss zu betten. ....
Wie nach einem Theaterstück die Dame den Abenoichlerer nachdenklich iich um schlägt und aus dein Heimgang die erlebten bimlsarbenen Stunden gedankenschwer noch einmal überschaut, so mochten nwhl einst anck: Menschen vom Lebeiisschaiispiel Abschied nehme», zu einer Zeit, in der nur» sich noch selbst das Sterbehemd wob. —
Daß wir in dem Jahrhundert der Erfmduiigcn leben, hat Uns die« Unrast gebrockst. Quantitativ nehmen >mr sicher mehr in uns an als unsere Borgenerationen: es fragt sich eben nur, ob uns dadurch qualitativ nicht ein Rückschritt kam. Vielleicht haben wir ganz vergessen, daß die Materie uns dienen soll und wto nicht ihr.
Sei cs aber wie es wolle, tatsächlich ist jeden Falls, daß wir wehr und mehr in einen Wettkamps mit der Sekundenschnelle hiiieingesteigert wurden und iruii mit unserem also gelinderten Leben auch »ns selbst entsprechend umsormen.
In äußerlichen Erfolgen sind wir ja kolossal geworden.
Ein Mann stand unter uns auf, der spielte mit Funken über die Weltnieere hinweg, so blitzesschnell, daß sie Seknnden lahm-- beinig hinterher hinke» mußten, ein anderer l-atie das Telephon erfunden, durch das ein jtnndenweiter Abstand »wische» zwei Mensche» urplötzlich zu einem Nichts znsa»nnenschlvo,id. Man uiinnit den Hörer ab n»d hat die Zeck mühelos, mit köstlicher Selbstverständlichkeit betrogen. — Drinnen im Kino rollen sich lebendige Bildet ab, viel schneller als das wirkliche Da—sein sie vorüberrauschen lassen kann. Fabelhaft wird komprimiert. An ein Telephongespräch z M alle Sinne Menden, empfindet der Seknnden- Niensch als überflüssig: wie gut kann er noch nebenbei einen Brief schreiben, sich die Schuhe ansziehen! Meder fjot er dann einige Seknnden gespart. Wohin gespart? Für was? Für wen? — Das ist ja ganz gleichgültig. Die Hauptsache ist: er hat sie gespart. Einen Frennd habe ich, der schreibt sogar während des. Telephon- gesprächö lyrische Gedichte.
Wir sind auch gar nicht mehr abhängig. Ist «s Nacht, und wir treten in das dunkle Zimmer, so braucht nur unsere Hand herrisch-sieghast den Kontakt zu drehen »iid das Licht umblitzt uns, als nsttßlen wir Sonnen ausznzanbern.
Ganz absonderlich markant drückt sich der Sekundeninensch im ültiiiomobilisten aus. Die schnelle Fahrt trainiert zu einem noch schnelleren Auisassen der Einzelheiten. Steine ans der Straße, entgegenkommende Geiäbrte drohe», die Umwelt zieht vorüber, per Wagen selbst bittet ständig in» Aufmerksamkeit, das alles rührt de» Sekimdeninensch nickst. Scharfäugig sitzt er am Steuerrad seines Wagens. Nicht niinder kaltblütig und scharsängig loird er auch a» dem Stenerrab seines Lebens sitzen lernen. — Es gilt immer, die nächstkoinmendc Sekunde beherrsckwnd kampsbcrcit zu empsangcu. Wenn die übernächste Sekunde den Tod bringt, soll die nächste wenigstens nicht nutzlos verlan gewesen sein. Bei stehen Sie, es gilt immer, vom Erlraki des Lebens zu kosten. Natürlich bars man als Sekimdcnmcnsch nicht an Einzelheiten kleben, vielmehr heißt es, sofort zur Erledigung neuer Ausgaben bereit sein, »venu man die erste Ausgabe gelöst hat. Wer die meisten Ausgaben löst, ist Sieger. Dies alles bewältigen, ohne in Flüchtigkeit zu verfallen, das ist ein großes Ziel, aber auch ei» schweres Problem.
Mir sagte einmal ein Prototyp des Sekundenmensche»: „Wissen Sie, ich komme niir manchmal vor wie io ein Straßcnniusikant meiner Kinderjahre, der seitwärts vor sich eine Drehorgel, auf dem Kops einen Schüttelbaum, aus dem Bauch eine Pauke und unter dem Fuß di« Schlagbeckcn hatte und alles gleichzeckig in Bewegung setzte, um damit eine zum mindesten sehr laute Musik »n machen."
Werde» die Sesundenmenschen mehr und besseres erzeugen als nur — Lärm?
Das ist gewiß: Es bleibt bei diesem für »»sere Sinne so übcrsteigcrlen Tempo kanin Zeit noch Kraft, aus das Seelische um Uns, gar aus das in uns zu achten. Was die Mitmenschen denken Und kmvsindcn, »vird» nebensächlicher loerdcn, mehr denn je wird >»a» darauf merken, wie sie Handel». Eine ruhige, loarmherzige Anteiluahme am Mitnicnsckw» wird sich aus praktischen Gründe» verbieten.
Und vielleicht muß der Sckiindenmeiisch am Schluß seines Lebens erkenilen, daß er war wie das Kind, das nicht gc»»g in die Hände nchmcii tonnte und darum alles verlor, daß er unzählige Sekunden gelebt, doch nicht eine erlebt hat.
Vielleicht aber auch schasst der Sckundenmensch zehnmal so viel als der gewöhnliche Mensch, vielleicht ist er ein Bezwinger Md bringt cs sogar noch einnial fertig, die Erde schnekler kreisen »n lassen Ich muß ja auch sagen: sie dreh! sich viel zu langsam.
vermischte».
* D i e 2- ch ä d l i ch k e i t » » b n r ch l ä ! j i a e r Kops b e d« ck» » a e ». I»i Winter gel>«n noch weniger Dleisschen bar- bänpiig als im Sommer. Tnbei wird viel zu wenig bedacht, daß durch die Kovil cdeekuiig zum Schaden des Kopie- und paar» wncliies di« Ausdünstung verhindert lind eine gefährliche Wärme- stännng eizen^t Ivird. Wähle man wenigstens leine Kopfbedeckung nach vernlinilige» Grundsätzen, nicht »ach denen der Blöde ans. Wie verschieden diese Wärniestailiiiig je »ach Art des Materials ist, zei.ck die lolgende Zujaniineiisteilung: tlnler der leite» Mütze »Dienstmütze) betrug die Wärme 37 Grad, unter dein stellen schiuarze» Hut 33'/, Grad, unter dem Zylinder 32 Grad, unter dem weichen Filzlint 30 Grad, unter einem leichte» Clrohimt da- tzkgen nur 26Jä Grad. Tienstrnütz« (Iackitinützet, steiier Hut und Ztzlinder und niilbin die uiigecigi,eisten Kopibcdeckimgcn. Für die Geluiiderhalkuiig d«S HaarbodeuS ist es »»geniei» wichlig, daß die Ausdünstungen der Kopibanl entweichen und Lust und Licht zn- treten können. Tarnm iiwß die Haupllorderung kiir die Haarpsteg« immer lante» : Möglichst viel barbaupt gehen, zumal nn Kindes- altcr. Mütze und Hut dürse» »nr auSnabmslveile getragen werden und muffen dnrchlälstq !ür Ausdünstung«» und L»lt lei». Dte jetzt viel getragenen Gummi-, Leder- und WachStuchkappe» sind ein gesniidi-eitllcher Frevel.
kt. Photographie ans M « »j ch « » h a u t I Und z>var ans der Haut lebendiger Mensche», ist die neueste Modenarrheit der Amerikaner, Ter aniertknniich« Ersinder hat nämlich ein Ber- sahren erlnnde», die Haut lebender Menschen li btempsindlich z» machen, io daß pholograpbiiche Bilder daraus abgezoae» iverden können. Diele neue» Tätowierungen taffen jetzt junge Tarne» mit Begeisterung an stch vornehin«»: wer schöne Schultern hat und sie gern zeigt, ziert lie heule unbedingt mit einer Photographie. Di« einen wählen das Bild des Gatten, die andere» das ihrer Kinder. Ti« bände der Daine» werden demnächst allgemein mit Bildern von Angetwrigen geziert iverden. Wahrscheiiilich werden a»ch di« Herren das Bild itzrcr Liebsten sich irgendwo ans die Hanl photographieren lassen, was sie unbesorgt tun können, weil diele Tätowierung vor der gewöbiilichen den Vorzug hat, daß sich dte Bilder jehr leicht wieder entternen lassen solle».
ko*. Warn in lieben die Tiere das Kopskranen? Daß Tiere, »amenillch Hunde, das Kovlkranen jehr lieben, ist eine bekannie Talinche. Soweit mein« Erfahrungen reichen, schreibt Tr. Tb. Zell im „Kosnios-Sandiveiser" lStnltqartj, sind am enip- fäiiglichiien dainr die langhaarige» Hunde. Diele liebe,» es auch sehr, wenn man sic unten am Halse kraut. Ter Grund hierin« liegt selbstverständlich in dein Wolilgcwllen, das bei dem Tiere erregt wird, wenn ihm Stelle» belwndeli werde», zu denen es schlecht gelangen kann. Auch die Katze liebt das Kranen, aber, loivcck ich mir ei» Urteil darüber erlauben dari, doch weniger als der Hnnd. Mit ihrer beweglichen Pranke kann sie sich auch viel leichter leibst bearbeiten als der Hund mit seiner tolpaischigen Plote. Alle Böget, die sich überhaupt antassen lassen, scheinen auch sehr iilr das Kopf» krauen eingeiioiumeil z» fein. Besonders ist mir diele Boriiebe bei Papageie» anlgelallen. Blochten sie auch sonst noch Io lanntich iein, sobald sie hörten: „.Komm, Köpicheu kraue» I" steckte» sie lo- iort itzren Kovi durchs Guter. Bon Pferden ist es bekannt, daß sie sich gegenl itig ge»> de» Hals und andere Stelle» benage», an die sie nicht selbst heran können. Ter Grnnd ist natürlich auch in dieiein Fall der gleiche. Wie dankbar alle Tiere iür die Bejciliguiig oder wentgklens Minderimg des Hautreizes sind, ersietzt i»a» daraus, daß sie sich willig hmlegen, damit inan sie bürstet. Das tili» logar wilde Tiere häufig, ivenn der Wärter mit dem Bürst,eng kommt. Wie liebt es mit dem Kop'krancn bei den Affen'? Ich bade mich gerade darüber bei erfahrene» Praktikern eingebend erkundigt. Sie bestätigen mir, was ich selbst beodachlet batte, daß den Affe» das Kopskranen ganz kalt läßt. Ter Grnnd liegt aui der Hand. Er kann sich den Kovi selbst kraue» — ivas braucht er dam die Hand des Mcnlchcn? Niemals wird inan sehe». daß der Affe >vie der Hund, Papagei ulw. einc>n Bekannten de» Kopi yin- häll, damit man ihn krauen soll.
Unser Weihnachtspreisrätsel
hat bcr den Lesern der G i e ß c n e r Familie nblätter allem Anschein nach starken Anklang gesunden, denn wenn auch nur 33 richtige Lösungen eiiigingen, so erhielten wir doch eine große Anzahl von Briefen, die sich mit großer Freude über das Rätsel änhcrleil, das sehr vielen allerdings großes Kopfzerbrechen »lachte.
Am heil'gen Weihnachtsabend Geht Ehristkind leis durchs Land Und spendet seine Gaben,
Gar ntaiichen schönen Tand.
Ee tritt in iliedre Hüllen,
Ter Reichen prächtig Haus vnd teilt nach alten Titten Die Festgeschelikc aus.


