territoriale Herrschaft in Albanien wünsche, mit Befriedigung die Landung ausgenommen, die im Interesse der Vermeidung von störenden Unruhen in Valona und zur Verhinderung einer Verminderintg der Würde Italiens keine längere Verzögerung geduldet tjattc.
Rom, 27. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die Agenzia Ztesani teilt mit, daß Maßnahmen getroffen worden sind, um ein Regiment B e r s a g l i e r i nach Valona zu entsenden, welches die daselbst gelandeten Matrosen ab- lösen soll. Das Regiment wird tnorgen in Valona eintrefsen.
Kämpfe in Südafrika.
Kapstadt, 27. Dez. WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Zwischen einem engliickren Komumndo und einer deutschen Patrouille von 60 Mann kam es am Norduser des Oranjcflnsses in der Gegend von Carnavan am Mittwoch zu einem Gefecht. Tie Enaländer verloren zwei Tote und einen Berwundeten, die Deutschen einen Toten und zwei Verwundete.
Japan.
Rotterdam, 27. Trz. WTB. Nichtamtlich.) Wie der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" ans Tokio meldet, teilte der lapanischc Minister des Aeußcrn bei der Beantwortung einer Anfrage in der javanischen Kanimer mit, daß kein einziges Land Japan ersucht habe, Truppen nach Europa zu schicl c n.
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Die steigenden Brotpreise in England.
L o n d o n , 27. Tez. lWTB. Nichtamtlich.) Die B r o t v r e i i e werden in den nächsten Tagen neuerdings steigen, so daß ein Brot von vier Pfund gegen 70 Pfennig kosten wird. Tic Ursachen der Teuerung > erden in erster Linie dem Mangel an Schissen und den darauf zurückznsührenden höheren Frachclitzen, der schlechten Ernte in Australien und der Schließung des Schwarzen Meeres zuge- schriebcn. Auch die Preise sür Salz sind bedeutend gestiegen.
Dover.
Der jüngste Besuch eines deutschen Wasserflugzeuges lenkt von neuem das Interesse auf Toner an der südöstlichen Ecke von England, dessen Kriegshasen von jeher eine besondere Bedeutung besessen hat. Ist er doch von: Festlandc aus am schnellsten zu erreichen, nicht bloß mit Flugzeugen. Ties war zur Zeit der Segelschiffahrt von noch größerer Wichtigkeit. Aber auch heute ist Dover eilt Brennpunkt des militärischen Interesses, da fein Hafen eine ganze Kriegsflotte auszunchmen vermag und zugleich gegen Sturm, Torpedo und llnterseebvotsangrifse Schutz gewährt. Außerdem führen von Dover ans fünf Kabel nach Frankreich, die von den Regierungen Frankreichs und Englands gemeinsam betrieben werden. Das alte, itoch von den Römern angelegte Kastell galt als uneinnehmbar. Mit den neuen Befestigungen der «stadt begann man. als Napoleons Landung von Bou- lvgne aus drohte. 1827 wurde der Ausbau zu einem modernen Kriegshasen begonnen, 1902 im wesentlichen vollendet. Auch frühere Seeschlachten lzabcn bei Dover statt- gesunden. Hier besiegten die Engländer ein französisches Geschwader, welches der Mönch Eustachius führte. Ernsthafter war eine Schlacht gegen die Holländer unter Admiral Tromp am 29. Mai 1692. Sie erösfnete die Reihe schivcrer Zusammenstöße zwischen den beiden seefahrenden Nationen, welche so lange um die Vorherrschaft aus dem Meere gerungen haben Bis heule ist cs England gelungen, diese Vorherrschaft sich zu wahren, hoffentlich nicht niehr für lange Zeit! —
Zur Wirtschaftlichen Kriegführung.
Mehr als je tritt gerade in diesem Kriege die Absicht ünsercr Gegner zutage, durch wirtschaftliche Schädigung unsere Heerestrast zu lähmen, unsere Volksernährung zu erschweren und damit die Ernährmig des Heeres zu stören und den Gang der Ereignisse in gewünschter Weise zu beeinflussen. Tie kontinentale Lage Deutschlands, sein hochentwickelte/. Wirtschaftssystem, die gewaltige Entwicklung seiner Industrie und seines Handels, die tetls auf ausländische Rohprodirkte angewiesen sind, legt einem so verschlagenen Gegner wie England den Gedanken einer wirtschaftlichen Aushungerung ohne weiteres nahe, und daß die Durchführung dieses Planes von seiten John BnllS ohne jede Sentimentalität erfolgt, dafür bürgen die Spuren, die im Burenkrieae sowie in Indien hinterlassen worden sind.
Wir haben uns also ans eine mit allen Mitteln betriebene wirtschaftliche Kriegführung gefaßt zu tnachen und cS ist unsere Ausgabe, durch entsprechende Gegenmaßnahmen dasür zu sorgen, daß wir auch tu diesem Kriege Sieger bleiben.
Mit in erster Linie unter den wirtschaftlichen Fragen steht die Stickstosfversorgung von Pflanze, Tier und Mensch. Ter Mensch hat ebenso wie daS Tier in seiner organischen Substanz (als Muskeln, Nerven, Blut usw.) eine beträchtliche Menge stickstoffhaltiger Substanz festgelegt, die einer dauernden Erhaltung und Erneuerung bedarf. Einen Teil der notwendigen stickstoffhaltigen Substanz bezieht der Mensch vom Tiere (in Gestalt von Fleisch, Milch, Eiern usw.), einen anderen Teil aus dem Pflanzenreiche sin Gestalt von Brot, Gemüse usw.). Tie Tiere, soweit sie hier für uns in Betracht kommen, veziehcn ihre stickstoffhaltige Substanz vom Pflanzenreiche, wobei die Einrichtung der Berdauungs- apparate weitgehende Anpassungen an die übliche Nahrung ausweist. — Tie Pflanze liefert also in letzter Linie die organisierten Stickstoffverbindungen für Tier und Mensch. Tie Pflanze ihrerseits bezieht den zur Organisation ihrer Stoffe nötigen Stickstoff vorwiegend aus dem Boden, und da der Stickstoff in den weitaus meisten Böden nur in geringer Menge vorhanden oder für die Pflanze aufschließbar gegeben ist, so ist bis zu einem gewissem Grade nicht allein die Höhe der Gesamlerute, sondern auch die Menge des in der Gesamternte vorhandenen Stickstoffes vom Bodcmvert abhängig.
Um die ihr gestellte Ausgabe der Ernährung der deutschen Bevölkerung tosen zu löiinen, hat die deutsche Landwirtschaft schon seit Jahren eine künstliche Vermehrung der Stick- stoftvorräte im Boden angestrebt, wobei sie die von A. v. Humbold aufgesundenen ncckürlick>cn Satpeterlager Chiles ausnutzte. — Leider liegt der Salpeterhandel 'Chiles säst ganz in .Händen Englands, Ivo er wie noch so manches andere durchaus nicht gut ansgehoben ist. — England aber glaubt durch Absperrung der S alpet er zusuhr Deutschland, ganz schnell im ivahren Sinne des Wortes „anshungern" zu können. — Mein es spekuliert falsch! Wir haben in Teutschland in Gestalt der Kokerei eine dauernd fließende Stickstoflquelle, denn das bei der Verkokung der Steinkohle entstehende Ammoniak kommt, an «Schwefelsäure gebunden, als schweself'aures Ammoniak in den .Handel und kann (wie gerade auch die seit etwa 6 Fahren dnrchgeführten Versuche des Verfassers beweisen) fast ebensogut als Stickstoffdünger bemttzt werden, wie der Salpeter. — Die Voraussetzung aber für eine möglichst ausgedehnte Fabrikation von Ammoniak ist ein großer Gasverbrauch nnb Kvks- verbrauch — m ü g e al s o f e b e r gu i e r De u t s ch e ni öq- lichst viel Gas bczw. Koks anstatt Steinkohle
verbrennen, so lv ä ch st d a m i t indirekt die Stick stosfzusnhr für unsere Felder. — Wie schon angedeutet, geiiügett aber diese gewonnenen Stickstoffmengen noch nicht zur Deckung unseres Stickstofibedarfs. Das Reich hat daher die Ausbeute einer erst in der allerletzten Zeit vor dem Kriege technisch fertig gewordenen Patents über- nominen, das die Erzeugung von Armnvniak unter Ausnutzung des Stickstoffes "der Lust zur Aufgabe hat. Noch sind aber diese Anlagen nicht gebaut und ihre Leistungsfähigkeit läßt sich nicht sicher ermessen, daher bleibt unsere Stickstofsversorgnng auch unter Berücksichtigung des Kalkstickstoffes (des Kälcimncyanemids), das auf elektrischem Wege (unter Benutzung von Kalk und Kohle oder von Kal ciumrarbit) bei Ausnutzung des LttftstickstofteS in Deutsch- land hergestellt wird, für die KriegSzeit selber tmd die nächsten Jahre nach dem Kriege nicht genügend gesichert. — Diese Sicherstellung der Stickstoffvorräle ist aber gleichbedeutend mit der Sicherstellung unserer Volksernährnng und Heeresernäbrung, daher bleibt es die zwingendste Ausgabe, alle vorhandenen Stickstofsguellen auszunntzen!
Gibt eS in Teutschland noch unansgenutzte stickstoffquellen? Gewiß, sogar recht beträchtliche. Einige dieser Stickstofsqnellen, deren Ammoniak täglich zu hunderten von Kilogramm ungenutzt verfliegt, sind die Elektrizckätszcn- tralcu, so z. B. die Zentrale Wölfersheim der Provinz Oberhesjen. Nach den Untersuchungen von Ziemlich (Dissertation, Gießen 1912), der unter Naumanns Leitung in Gießen arbeitete, enthält die grubenfenchte Kohle der Grube Ludwigs ho ffttung 0,22 Prozent Stickstoff: von diesen! Stickstoff lassen sich bei Destillation der Kohle je nach der Temperatur 9—38 Prozent als Ammoniak gewinnen, daneben liefert die trockene Destillation der Kohle beträchtliche Mengen wertvollen Teers und genügend Heizgas, um eine Destillation überhaupt wirtschaftlich wichtig erscheinen zu lassen. Man hat seitlfer diesen Verhältnissen bei uns weniger Beachtung geschenkt, weil die hier zu gewinnenden Animoniakmeiigen anscheinend nur gering sind. Heute haben sich die Verhältnisse bei uns gewaltig geändert. Jede, auch die kleinste Stickstoffquelle muß ausgenntzt werden und ihre Ausnutzung erscheint bei der gewaltigen Preissteigerung der Stickstoffdünger auch rentabel. Was aber die Hauptsache ist, diese Stickstoffmenge kann ziemlich rasch und sicher beschafft werden. Tie Anlage einer Generator- gasfeuerung in Wölfersheim sann in längstens einigen Monaten erledigt sein, und das.Animoitiak kann bis zur Frühjahrsbestellung im März, April. Mai, Juni den hessischen Landwirten zur Verfügung gestellt werden und diese haben es auch zu Preisen von 28—30 Mk. und selbst 35 Mk. pro Doppelzentner unter allen Umständen nötig.
Tie Not ist da, sie wird sich nach dem Kriege noch dringender bemerkbar machen! Darum scheinen alle Mittel zur Linderung recht.
II. Soweit die Stickstosfversorgung der Pflanze und nun noch einiges über die Stickstofsversorgnng unserer Tiere. Tic gewaltige Entwicklung der Textil-, der Ocl- und Mühlenindustrie in Deutschland hat cs mit sich gebracht, daß während der Friedenszett gewaltige Mengen stickstoffreicher Pflanzeirabfälle ans dem deutschen Markte waren. Wie Verfasser schon früher betonte, mußte «diese Zufuhr mit dem Erstatten der Produktionsländer allmählich Wegfällen. — Jetzt hat unS der Krieg mit einen, Male diese Zufuhr ab- geschnitten und nun heißt's, hilf dir selbst!
Auch hier gibt es noch eine ganze Reihe von Quellen, die besser als seither nutzbar gemacht werden könnten. .Hier sollen nur einige naheliegende erwähnt werden. Die in Hessen cingefichrten Kreisabdeckereien verarbeiten jührlich mehrere 1000 Zentner gefallener und verendeter Tiere. Die Verwertung der Kadaverrückstände als Futterstoffe war seither nicht sehr befriedigend, da die Prodntte, das Kadaver- mehl, nicht hygienisch einwandfrei waren. Dieser Uebel- stand ist zu beseitigen, wenn das beim ersten Dämpfen und Zerkleinern hergestellte Produkt einer zwecken Behandlung mit gespanntem Dampfe unterworfen wird. Auch hier sind keine besonders teuren und zeitraubenden Einrichtungen zu treffen und die Not der Zeck erfordert dringend, daß alles Mögliche versucht wird, um gute, einwandfreie Fntter- stosse zu schassen. — Daß aber das do.ppel gedämpfte Kä- davermehl ein gutes brauchbares Futter ist, hat Verfasser bei Versuchen mit Geflügel, Schweinen und Ochsen wiederholt gesunden.
Noch andere Rückstände könnten als wertvolles stickstoffhaltiges Viehfutter Verwendung finden. Es sind die Rückstände der städtischen Haushaltungen. — Wird der Müll in Dreiteilung, als 1. Küchenabsiälle, 2. Knochen und 3. Staub, Schlacken, Asche usw. getrennt gesammeck, so können die Kuchenabfälle (wie Gemüse-, Kartoffel-, Obst- abfälle) ans Horden getrocknet werden und es entsteht dann ein Trockenfutter, das nach den Erfahrungen in Charkotten- burg gut von den Tieren verwertet wird. — Die Voraussetzung für die Durchführung dieses Verfahrens ist das notwendige Verständnis seckens dxr Bürger, der Hausftauen und des HauspersonälS. Ob und inwieweit eine probeweise Einsührnng dieser Mullverwertung in Gießen und anderen hessischen Städten möglich ist, fielst dahin. «Daher ist aber, das; uns auch hier die Not der Zeit alle Mittel, ihr zu be- gegiten, versuchen lassen sollte.
Gelingt es uns in Deutschland (wie bisher auf dem politischen, so auch auf dem wirtschaftlichen Gebiete), uns mehr auf uns selbst zu besinneu und alle zmsere wirtschast- licheu Kräfte selbstbewußt und vereint' auszunutzen, dann hat uns der große Krieg trotz Mer Nöten und Beschwerden einen reichen Segen gebracht, denn — Gott ftrafe England!
Dr. Kleb er ger.
wie England Italien hinierging
lesen wir in einem fesselnden Aufsatz über die britische Kolonialherrschaft, den Legationsrat Dr. Alfred Zimmermann für das Januarheft von Belhagen u. Kbasings Monatsheften geschrieben hat. Es heißt da:
Wer erinnett sich nicht noch des blutigen Abenteuers der Italiener in Abessynien und der traurigen Erfahrungen, die sie da mit England gemacht? Seck laugen Jahren hatte das Königreich Italien, dessen Wortführer immer nr engen Beziehungen mit England standen, unter dem Einflüsse von Reisenden und gewissen Geschäftsleuten seine Blicke aufs Rote Meer geworfen. Es wollte aus der Erüflnung der neuen Weltstraße des «Suez kan als auch einen Vorteil ziehen. Die herrenlose Insel Sokotta schien ihm ein geeigneter Platz für ein afrikanisches Kolonialunternehmen zu sein. Während es seine Vorbereitungen traf, griff aber England, das von dem Plane Wind bekommen hatte, ein uiti> hißte seine Flagge auf der Insel 1875. Nun richtete Italien seine Blicke aus Tripolis. Doch in London zeigte sich keine Geneigthrit, Italiens Wünsche zu unterstützen. So wagte man in Rom nicht, an dieser Stelle mit der Türkei anzubinden, und entschloß sich, es mit einer kleinen- Bucht von Assab, die 1870 gelegentlich sür Anlage einer Kohlenstation am Roten Meer erworben worden >var, zu versirchen; 1880 ging die Blicht in die Hände der italienischen Regierung über, imd cs iviirdc in der Folgezeit dieser Besitz ringsum ausgedehnt. Da brach der Ausstand der Mahdisten aus und beraubte das von England damals besetzte Aegypten seines Hintcrlandes. Das eng
lische Parlament wollte nach den Mißerfolgen der erftcn kostspieligen Züge gegen den Mahdi voll neuen Opfern sür den ägyptischen Sudan nichts wissen. «So sah sich die englische Regierung anderwärts nach Hilfe um. Schleunigst ivurdc die italienische Re- gierung crnruiigt, den einst türkischen Hafen von Massaua, der damals besonders als Tor Abessyniens diente, zu besetzen. Man hasste, ans diese Weise den, Mahdireich jeden dlusweg nach dcnc Meere abzuschneidcn. Die Einverleibung Massai,as in den italie- fchcii Besitz verwickelte binnen kurzem Italien in Schwierigkeiten nicht allein mit Frankreich, Rußland und der Türkei, sondern vor illem mit Abrssviiien, das sich des wichtigsten Hascnplatzes nicht berauben lassen ivollle. Toch int Vertrauen auf England ließ eS Italien aus einen Krieg ankonnncn, bei dem cs 1887 in Dogali eine schwere Niederlage erlitt. Zu seinem Gluck brachen in Abcs- synie» selbst Unruhen ans. Der Nc>nis starb, an seine Stelle trat Mcnelik von Schoa, dem Italiens Unterstützung willkommen H>av. ®r fand sich denn mit der italieyischen Festsetzung in Massaua Im Mai 1889 ab und erklärte sich nach Behauptung der Italiener sogar bereit, nur durch ihre Vermittlung fortan mit fremden Staaten zu verkehren. Der Erfolg veranlaßte Italien ttotz des Widerstandes seines Parlamentes seinen afrikanischen Besitz weiter ausziidehncn.
Kaum hatte sich indessen Italien mit großen Opfern in seiner Kolonie eingerichtet und ging daran, sic gegen alle äußeren Angriffe zu sichern, als in England die Eifersucht erwachte. Die Mahdisten griiie» daS italienische 'Eryihraea an. Um ihnen erfolgreich cnt- gcgenzutrctcn, nahin Italien 1891 Kassala in Besitz und suchte Abessynien fester in die Hand zu bekommen. Da mußte cs alsbald die Erfahrung machen, daß Menclik nickst allein von Frankreich imd Rußland, sondern auch von England, ivcmr auch heimlich unterstützt wurde. Im Jahre 1895 kam es zum Krieg der Italiener mit Menelik, und am 1. März 1896 erlitten sic bei Adna eine vcr- -lichtende Niederlage. Sie mußten alle 'Ansprüche auf eine Schutz- herrschajt über 'Abessynien fallen lassen imd einen großen Teil der Kolonie räumen. Kassala wurde an Aegypten zurückgegcben'. Den vollen Tank Englands ernteten die Italiener aber im März 1899. Damals schloß England, ohne auf die ibin nur zu wohl bc -- kannten Wünsche und Pläne Italiens die leiseste Rücksicht ziz nehmen, hinter seinem Rücken erneu Vertrag über die Bcsitzverhätt- ilisse im Hinicrlande von Tripolis. Es überließ den wichtigsten Teil des Sndails, des .Hauptgebiets sür Absatz und Bezug von Waren sür Tripolis, kurzerhand bei, Franzosen!
Aufgeklärt über den Wert der englischen Freundschaft haben diese bösen Erfahrungen die Italiener nicht. Nach wie vor sind sie im Fahnvasser der englischen Polckik geblieben. Um sich auch nur der Zustimmung Englands und Frankreichs für eine künftige mögliche Besitzergreifung von der Tripolisküste zu sichern, haben sie Deutschland in der Marokkoangelegenheit im Stich gelassen und so dem Dreibund den ersten schweren Stoß versetzt. Beim Trivolislriege war eJntalien dann weiter unangenehme Ueber- raschnngcn von seiten Englands Vorbehalten! Der Wunsch, einen aucki nur kleinen Vorteil herauszuschlagen, der mit Hilfe des Dreibundes für Italien nicht zu crlcntgen war, hat die Italiener aber auch damals veranlaßt, alle Streiche von englischer Hand ruhig hin- zunehmen. Heute ist cs klar, daß England selbst das dürre Tripolis den Italienern nicht überlassen hätte, wenn es nicht damals schon! den Krieg gegen Deutschland im Sinne gehalst und vvrausschcuiend berechnet hätte, daß der Trivolisbesiy die Italiener nötigen würde,- sich vom Kampsc an der Seite seines Verbündeten fernzuhatten.
Au» Stadt und Land»
Gießen, 28. Dezember 1914.
Wcihnachtsfcier».
Im Dvrvverein von 1846 fand am 2. Feiertag nackMnttngS eilte würdige Weihnachtsfeier für die I u g c n b t u r rt c r statt. Nach dem Auftnarsch der Türner begrüßte der Vorsitzende, .Herr Erle, die in großer Zahl erschienenen Angehörigen der Turner und die geladeneu Gäste. Tie hierauf folgeitden Stabübuugen der «Dchüler und das Bockturnen der Jugeirdtttrner fanden reichen Beifall. Anschließend daran hielt Herr Bölzing eine zu Herzett gehende Ansprache über die „Krieigsweihnachten 1914". Der von einem «Schüler gesprochene Prolog „Turners Weihnachten" fand freundlichste Aufnahme. Das von einem Schulmädchen nett und mit richtiger Betonung vorgettage x, in kräftigen Ausdrücken gehaltene „Soldcckenlie!/' niutete von den zarten Kinderlippen drollig an, und verfehlte seine» Eindruck auf die Zuhörer nicht. Von deii weiteren Darbietungen verdient der Flaggenreigen besonders herdor- gehoben zu werden. Stabwindübnngen und Pferdturnen boten weitere Abwechselung. Man hatte seine Freude an der Munterkeit der kleinen Turner, die sich> inck Emsigkeit und Geschick ihrer Aufgabe enlledigten. Eine Geschcnk- verteilung bildete den Schluß der schönen, von patriotischem Geiste getragenen Feier, die namentlich unter den Schülern noch lange nachklingen wird.
Eine Weihnachtsbescherung für arme Kinder von Gießener Kriegsteilnehmern fand am 16. Dezember im Adelphenhause (Kaiserallee 87) statt. Die Feier nahm um vier llhr ihren Anfang mit dem Kaffee. Hierauf richtete der erste Chargierte zeckgeutaße, zu Herzen gehende'Worte an die Kinder und als sich dann unter den weihevollen Klängen zarter Weihnachtslieder die F4ügel° türen zu dem stimmungsvoll ansgestafteten Bescherungsraum öffneten, inalte sich ans den erwartttngsvolleu Ge- sichtertt der Kleinen hellste Freude über die im Lichterglanz sttahlenden Clxristbäunie und die überaus zahlreichen mißliche „ (Keschenke. Nach erfolgter Bescherung wechselten Della- mation und Spiel mileinmtder ab. Ten Kindern wurde zum Schluß noch ein Abendbrot gereicht, und so nahin die sttm- mnngsvolle Feier ihren Ausgang, die den Kindern stets in dankbarer Erinnerung bleiben wird, ebenso wie den Ver- bindungsnntgliedent und erschienenen Gästen.
Weihnachtsbescherung der Kranken ves Landsturmersatzbatailllons Gießen. Am Mittwoch abend wurde auch den kranken Laudstürmern in der alten Aliceschule eine liebevolle und reichliche Weihnachtsbescherung zuteil. Eine Dame vom Roten Kreuz, ivür- digte in folgendem hübschen Gedichte den Wert der Land- sttirmleute: . ^ ^
Ter Eichenwald rauscht, ine Wolke zieht,
Und hell wie Sturmwind klingt ein Lied.
Das Lied vom Vaterland.
Zu schirmen Heim und Vaterhaus,
Alldeutschlauds Jugend zog hinaus.
Von Berg und Tal und Strande. »'
Und uuterbeB hält Hab und @ui,
Ter Landsturmmann in sichrer Hui, lind Sttaßen, Brücken, Stege.
Und Magazin und Pulvcrturm
^ Beschützt cr vor der Feinde Stur«.
Ilttb Strom und Schienenwege.
In Wind und Wetter Tag und Nacht,
Der Landstnrmmann hält treue Wacht,
Gewehr im Arm aus Posten.
Und pfeift auch keine Kugel her,
So pfeift der Wind doch umsomehr Aus Westen und auS Osten.
So dient auch Ihr dem Vaterland.
Mit Aug' und Ohr, mit Herz und Hand,
Mit Seel' und Leib und Leben.
Drum will im Glanz der Weihnackststcum'
Dem Landstnriinnami der WeihimchiSmann Zum Danke Liebe geben.


