Kt. 1
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Erster Blatt *
164. Jahrgang
Zreitag, 2. Januar 1914
Mger
General-Anzeiger für Oberhessen
RotationLdnxk »nd Verlag Ser Srühl'jchen lltzio.-Such- und SteinSnitkerei «. Lange,
DczuqSorei»:
nwnatlich 75 'Bi„ vierteljährlich Bit. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen
nwnatlich LS Al.; durch dicPvst Mk.2,—viertel, jährl. auSjchl. Bestella. Zeilenpreis: lokallSPs., auSivärtS 20 Alenniq. Chefredakteur: A Eoeg. Verantwortlich für den volit. Teil! A»g. Goetz; für .Feuilleton', ,Der- mischteS' uud.GerichtL- fna[": Slatl Neurach; für ,3tabl und Land"'
NeSaktion, Expedition und Druckerei: Schulftrahe 7. H^BeL
Die heutige Nummer umfaßt 10 Setten.
Tagcskalerrdcr au4 dem Jahre 1814.
2. Januar; Treffen bei Rheinböllen im Hunsrück, Kreis S immer». BorckS Truppen bcliegen die Franzosen, die sich eilig zurückzichen.
Die Keujahrsfeier am kaiserlichen Hof.
Berlin, 1. Jan.
Tic Ncusahrssticr am kaiserlichen Hose wurde um 8 Uhr morgens mit dem großen Wecken cingeleitct. Mährend gleichzeitig von der (Malerte der Schloßknvpel die Trompeter der Gardekürassiere Choräle blirien Unter- den >!langen „Freut -nch des Lehens" beioeqte sich das große Wecken über den Schlaßvlah, die Straß: Unter den Linden hinab bch zum Brandenburger Tor und zurück. Das Wetter war kalt. Hin und wieder trieben einige Flocken durch die Lust. (5rn zahlreiches Publikum begleitete die Schellente.
Tack Kaiser paar, die anloescnden Prinzensöhne und Prinz Heinrich trafen nach !l Uhr im Automobil vom Renen Palais aus. bum Publikum herzlich begrüßt, ein. Er folgte die Anfahrt »er giirftlict; feiten, Staats Würdenträger, hohen Militärs und Hof. chargen. Auch dir Alwronnng der Halloren begab sich ins Tehlvß. fMenen 10 Uhr nabm das Kaiservaar die Glückwicnsckie de? königlichen Hanfes und daran anschließend die der Hofstaaten entgegen. Um 10V; Uhr begann in der Schloßkapellc der Gottes diciist. Hier hatten sich n. a. eingcfundcn per bohr Adel, der Reichskanzler, die stimmführenden Bevollmächtigten des Bundesrats, die (Meneralil.it und Admiralität, die Ritter des Schwarzen AdlerordenS. die aktiven und inaktiven Staatsminister, die Staatssekretäre, die Präsidien des Reichstages und der beiden Häuser des Landtages, der Oberbürgermeister und die Stadtverordnetenvorsteher von Berlin, Potsdam und Charlottenburg. Unter großem Bortritt nahten die Majcstäteti. Ter Kaiser i» Generalsuninirm mit dem Bande des Schwarzen dldlrrordcns stihrte die Kaiserin. Hierauf folgten der Kronprinz mit der Priuzeftin Eitel, Prinz .Heinrich mit der (kronchliizessm. weiter dir Prinzen Titel, Adalbert, August Wilhelm, Oskar, Joachim und die Söhne des Prinzen Friedrich Leovold. Rach Gemeindegesang und der Liturgie predigte Oberhofprrdigrr Dryaiidcr Über das bvm Kaiser ansgewählte Bibel-- wort ans dem Bnch des Propheten Sacharja 8,16: „Jas ist aber, das ihr tun foltt; Redet einer mit dem »ndittn Äabibkit, lind lichtet recht und ichastct Frieden in euren Toren." Im ieierlichen Zug« begab sich der Hof nach dem Weißen Saal, tpo die Majestäten vpr die Stuien des Thrones traten und die Gratulationsknr der r>, der Kaorll- rersammrlt gewesene« Herren iplgke Ter Kaiser schüttelte dabei dem Reichskanzler triftig die Hand. Tie Präli- denten der Parlamente iprackien dem Kaiser die Glückwünsche der Häuser aus. Um 11h- Uhr cmpsing der Kaiser die Botschafter, hieraus das Staats Ministerium, die kommandierenden Generäle nnd Admirale sonne den »euernannten türkischen Militärattachee Oberstleutnant Dftbrmil Ben und seinen bisherigen Bertreter. Die Kaiserin empfing die Botschoster und hieraus die Fürstinnen. Um 121': Uhr begab sich per Kaiser, gefolgt von seinen sechs Söhnen und den Herren des Haupiguartiers, zu Fuß nach dem Zeughaus. Die Sonne war inzwischen durchgekommen nnd beschien die Schnee- landschast. Berschiedene Jugendvereinigungen liatten sich au der Schloßbrücke ausgestellt. Bor den, Zeughaus stand die Ebren- koinvagnce. Der Kaiser an ihrer 'Front begab sich danir zum Zeughaus. Hier begann in der :>iukmesballe dir Nagelung der 26 neuen Truvvenieldzeichen der ncuerrichteten Truppenteile. Im Lichthose nmrden die Feldzeichen durch den evangelischen Feltiprobst in Gegenwart des kath. Feldprobftes geweiht. Tie dann ausgegebene Parole lautete wie immer Königsberg Berlin. Hieraus folgte der Vorbeimarsch der Ehrcnkompagnie mit deit eingetretenen neuen Feldzeichen und der Salntbotterie. Um 1 , Uhr lehrte der Kaiser in das Schloß zurück.
Nachmittags fuhr der Kaiser bei den Botschaftern vor. Um 7 Uhr abends war bei den Aiajestätcn Tafel für die komman-
d.errnden Generäle, tooran sich eine Beivreckmug über die Kastcr- mnnöier Ist!" anschloß.
Politische Reujahrskundgcdun-tii
^ Rom, l. Jan. Bei dem heutigen Empfang her iranzüftschen Kolonie in der Botschaft hielt der ftanzöiischc Botschafter Barrere eine Ansprache, in der er den Wunsch ausdrückte, das; die Beziehungen zwischen Frankreich nnd Italien immer woin gegenseitigen Vertrauen getragen sein .möchten. Das vergangene Jahr habe so manche Kämpfe »nd Gegenlätze in den Interessen der Länder gebracht, die den Weltfrieden hätten gefährden können. Das habe nnuermeidlich auch uuter sehr befreundeten Rationen zu vorübergehenden Meinungsverschiedenheiten führen müsse». Obwohl kein (Megeniatz Frankreich und Italien getrennt habe, habe mau doch zu gelvissen Zeiten glauben können, baß die traditionelle Freundschaft etwas gelitten habe. Glücklicherweise sei dies nicht der Fall grirefen. Tie Beziehungen, die auf ernsten Rcalitätcn gegründet feie», lönnten ivrder in -inen, Monat noch in einem Jahre durch Mißverständnisse in Frage gestellt werde», die zu lösru, die Ausgabe der Tiploiugtic sei.
Rom, l. Jan. Anläßlich des Jahreswechsels hat Mischen dem Reichskanzler p. Bethmam, tzollweg, dem Grasen Berchthold und den, Marchese di San Giuliano ein herzlicher Tepeschen- Wechsel stattgcsundeii.
Paris, 1. Jan. Ter Bataillonschei Looanicr aus dem Gefolge des Kriegsminislers Noulcns begab sich nach Grisolles, um dem deutschen Militärattachee Oberstleutnant p. Winterteldt die WünscheideS Ministers und die der sranzösischen Armee aus- zusprcchc».
Paris, 1. Jon. Poincar« hielt anläßlich des Ren jahissestes in, Elysec divlomaliichen Eniplang ab. Als Tvycn des diplomatischen Korps brachte der Botschaitcr von Großbritannien Beitis seine Glückwünsche »nd die der Kollegen iür Franlreich und dessen Präsidenten dar. Berti führte ans, daß das Iaht 1913 die Wiederherstellung des Friedens gebracht habe und daß alle Umstände zu der Annahme berechtigen, daß das Jahr 1914 keine Unruhen bringt. Poincare erlvidertc, daß die Wüttiche zur Erhaltung des Friedens dem beständigen Gcdatllcn der trail- zöiischen Regiciung entsprächen. Er erinnerte daran, daß Frankreich seit langen Monate,! unaufhörlich mit den ander» Mächten tätig sei, an de> Erhaltung bezw. an der Wiederherstellung des Friedens wirke. In der Hosfnung, daß alle Nationen endlich die Sicherheit nnd Freiheit erlangen möchten, an der Entwicklung der ivirtschaftlichen Beziehungen und dem Fortschritt der Zivilisation zu arbeiten.
Ofen best, l. Ja». Der Ministerpräftdent Gras Tis )a hielt anläßlich der Ncusahrsgratulation der Regiermigspartei eine Ansprache, in der er sagte, wenn er in seinem Leben nickt» anderes getan habe, aU daß er wk^k» dr.ß. ' ' r-kTrstb«, ':-c Olstruktiou
niedcigebrvchcn und diese für die künftigen Zeiten, durck die Regelung der neuen Henckärdnung rmmögtich gemacht habe, glaube er, nichtlupnonst gelebt zu haben. >sLebb. Beifall.) 'Trr Ministcr- piäsidcnt drückte die Hvffming aus, daß die Opposition, welche anfänglich streikte, seither jedoch bei gewissen wichtigen Anlässen im Hause erschienen war. in nicht aUzu scrner Zettl an den Beratungen des Hauses in nortnaler Weise teilnchmen werde. Er erklärte sich bereit, aller- mtfzubieten, damit der Opposition die Rückkehr zu einer normalen Tätigkeit erleichtert werde. In dem Rückblick au, die abgelausene Reichstagsperiode hob d>'r Ministerpräsident die (Mesep.c zur Stärkung der Armee, welche mit der, wie er hotte, baldigen Llnnabme und der neuerlichen Erböhung des Rcktutenlnnlingcnts nunmehr zum Abichlun gelangen werde. Nach den bedeutenden Oviern, die Oesterreich-Ungarn für die 2! r m e c gekrackt habe, werde sie unter allen in Betracht kommenden Armeen eine solche Stellung einnehme», welche das Gefühl der Sicherheit erbShe und der Aktionsfähigkeit der östcereichiich-ringarischen Tiplomatie verstärkten Rückhait gebe. Gleichzeitig würden dadurch die Aussichten des europäischen Friedens gebessert; denn nichts sei so jebr als Bedrvlmng des Friedens anzniehen, wie wenn in oer üiientlickcn Meinung Europas der Glaube an die niilitärtsche Stärke der Monarchie crichüttcrt würde.
D t c » » e ,_t ,_1. Jan. Gras Andraisp, der Führer der Opon- sitioncllen Bciiapungsvartei, hat bei der Neujahrsgratulation feiner Parleirrcunde erklärt, cS sei Gebot des Parlamentarismus, daß, nachdem die Regierung das W a h l r c s o r m g e s e h> gc - ichasien habe, llieuwahlen ausgeschrieben würden. Keineswegs ici das Abgeoidnetenhaus mehr betäkigt, die Verwaltung zu resor- mieren und ähnliche große Gcsepenttoürse durchzuiühren. Er fürchte, daß diese (Mesehenttvüne den Zweck hätten, die Macht- mittel der Regierung hei künftigen Wahlen «I vergrößern.
Die Kedenbezüge der volkrschu leerer in Hessen.
rb. Darmstadt, 1. Januar.
Gelegentlich der parlamentarischen Beratungen über die Besoldimg-svorlage ist vielfach aus den Umstand hingetviesen worden, daß sowohl sehr viele Beamte, als auch ein großer Teil der Lehrerschaft in Hessen nicht unerhebliche Einkünste aus Nebenstellen beziehen, die bei der Bemessung der Besoldung nicht in Betracht gezogen würben. Die Regierung hat daher, einem Wunsch des Finanzausschusses folgend, zur näheren Beurteilung der geuehmigiiugspflickitigcn Klebencin- künfte der Beamten und der Lehrerschaft eine nnifangreiche Znsanimenstellung vorgelegt. Nach den zu den Ministerral- akten gcnomincnen Sonderverzeichnssseii der Großh. .ikreis- schullommisstonen haben für Unterricht an Forlbildungs schuleii, für Organistcndienst nnd Leitung von Gesangvereinen, ans der Funktionszulage für Hanptlehrer, sowie für sonstige private Tätigkeit insgesamt 2519 Lehrer ein Neben- cinkominen, da» iedocb außeswrdentlich verschieden ist und- zwischen 75 »nd 2480Mark jährlicher Nebenes n n a h m e schwankt.
Den niedrigsten Saß bis zu 75 Mark beziehen insgesamt 257 Lehrer, darunter 28 in Offenbach, 10 in Worms, 2 in Mainz, 58 in.Heppenheim, 26 in Oppenheim, 22 in Büdingen, 20 in Bcnsheim. 18 in Gießen-Land, 13 in Osfenbach-Land und Erback. 10 in Fr iedbcr g; inDarm- stadl, Bkainz, Worms und Gießen ist das Nebencinkom men der Bolksschullchrer verhältnismäßig gering. Es beziehen in Darmstädt 5 (in Darmstadt-Land 24) ein solches iibcr 150—200 lNark. 9 über 300—350 Mark. 38 von 350 bis 600 Mark, 32 von 600—1000 Mark, 4 bis 1200 Mk.. 2 bis 1500 Mark und 4 über 1500—1710 Mark. In Matirz- Sladt habe» 12 und in Mainz-Land 14 Lehrer 150—200 Mark, desgleichen 5 in Offenbach-Stadt und 24 in Offen- bach-Land, 26 in Friedberg, 24 in Groß-Gerau, 22 in Büdingen, je 20 in Dieburg Erback, und Alzen 18 in Bene— beim, 15 ln Schollen und G i e ß e n - L a » d, 14 in Akainz- Land u. i. k. Ein Nebencinkommen von 250—300 Mark ha den je 22 Lehrer in Offenbach-Land und Fricdbcrg, 21 in LI l s f e l d, 20 in Dieburg, 19 in B ü * ’ n-n <■ v 18 in Groß Gerau, 17 in Gießen Land, sc 1! in Lorms-Staol,
Land und Bensheim, 13inMainz-T.w>. >2 Lauter» Bon 300- 400 Mk. haben je 27 in A S f ei» 24 m Fri ■ - - berg, 33 in (Mießen-Land, 20 n Darmstadt und -i'te bürg, 21 in Lauterbach, 18 ir Schotten, je . i Lssenbach-Land, Mainz-Stadt nnd '"r-n ilrm; .:w Mi bis 500 Mk. 18 in Ofsenbach-Stadt. ,5 in Mai,; ii-' * in Ofjenbach-Land 13 in Darmstadt. 11 in BnGbei in Dieburg: von 500—700 Mk. : ' i>» Da;
Mainz-Stadt, 22 in Osfenbach-Stadl
13 in Worms-Stadt und Friedberg, in ein, .du», 3-
Oppenheim uff. Bis 800 Mk. bezieh .- 1'.
bacti Stadt, in Tarmsradl 9, in Worin i '.ai pa.T.
F r i e db c rg und Oppenheim je 3: ^ bezieh"»
in Offenbach-Stadt 12, in Mainz-St 20 t, .'.lzc., und Bingen
je 5, in Worms-Stadt und BenSheini je 4, in Tarmftadl3;
bis 1200 MI. in Osfenbach-Skadt und in Mainz-Stadt je 7,
parfilalaufführuksyen.
Die gestrige Erstausführung von Ricbard Wagners Büh- nensestsviel Parsisal im Deutschen Opernhaus zu Charlottetl- burg war des gewaltigen Werkes ilud des bedeutungsvollen Tages würdig »nd machte auf das ausverkaustc Haus einen liesgehenden, zum Teil überwältigenden Eindruck. Am Schluß der Vorstellung, die nahezu sechs Stunden dauerte, wurden die heutigen Darsteller Paul Hausen Parsisal,,, Robert Blaß ^Gurnemanzl, Julius Röthcc Ger im letzten Augenblick für den erkrankten Ernst Lehmann den Amfortas übernommen hatte) und Frau Melalie Eurt (Knudri) und ebenso der szenische Leiter Direktor Georg hartiiianu immer wieder stürmisch gerufen. Aus die Wandeldekoration war verzichtet. Das Bühnenbild des Gralstempels war von prachtvoller Wirkung, die ganze Inszenierung außerordentlich sorgfältig nnd 'gediegen. Das Orchester unter Leitung von Eduard Möhrike war ausgezeichnet. —
Außer in Eharlottcuburg sandeu heute noch Erstaus- jührungen von Wagners Parsisal in Breslau (c-tadttheater in beiden Landestheatern in Prag, in der Budapester Polks-< oper, in Rom l»id Bologna statt. Ruch in der Großen Oper in Paris fand die Erstausfiihrung in Form einer Generalprobe statt.
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Allerlei vönt Parsisal. Schon ein Mcnschenalter, bevor die Parsisal-Partilur beendigt war. trug Wagner Motive im Kopf herum, die er später in diesem Werke verwendete, und die aus Anton Seidl, den späteren genialen Dirigenten, damals noch Wagners Sekretär, so gewirkt harten, nfls er sie eines Tages vom Musiker spielen hörte, daß sie sich ihm unvergeßlich ins Gedächtnis ein, prägten. Als später dann Wagner die Skizzen für die Partitur zusammenstellte, ries Seidl, als er an die Mumcnniödchenmusik lau, aus: „Das kenne ich!" Ganz erschreckt sprang Wagner aus. „Wo wollen Sic die Melodie gehört haben?" Seidl beruhigte den Meister und klärte ihn auf, dieser aber konme lange Zeit nicht den Schreck vergessen und fragte immer von neuem, ob er noch bekannte Melodien in der Musik gefunden habe. Zum Geburtstag seiner Gattin Coiima, Weihnachten 1878, bereitete der Meister seiner getreuen Mitkämpferin eine sinnige Ucbcrraschung. Durch das freundliche Entgegenlommen des .Herzogs von 'Meiningen ivurdc ihm die ausgczciwiietc Mciningische Hoskavcllr aus zwei Tage zur Berstiguna gestellt, und am Morgen des Geburtstages ivurde Frau Cojimä von einem Ständchen .überrascht, das das weihe,-.
volle Boripicl zum „Parsisal" zum Besten gab. Frau Cosima wußte nicht, daß dies schon instrumentiert war, da die Instrumentierung kurz vorher vollendet war. Engelbert Humpcrdinck erzählt noch, daß er einer der erste» gewesen, die den „Parsisal" lennen gelernt. Als nnbekanntcr Musiker lmttc er den Meister in seiner Billa d'Angri bei Rcavel, wo Wagner mit den Seinen lebte, um die letzte Hand an das Werk zu legen, bemcht. Liebenswürdig nahm Wagner den jungen Künstler ans, der sich aus seiner Pisiteu- tartc den liangvollen Titel „Mitglied des Ordens voni Gral" beigclcgt hatte, und Wagner lud ihn riw der „LicbeSniahlszeiic aus dem .Parsijai'" beizuwohnen, die am 67. Geburtslage Wagners im engsten Freundeskreise ausgeftihri werden sollte. Anwesend waren noch Joses Rubinstei», ein tüchtiger Musiker und Pianist, und der Balladensängrc nnd Koniponist Martin Pluddcmann, die die nicht leichten Gralülicder den Kindern Wagners cinstndiert hatten, dir niti vor freudiger Erregung geröteten Gesichtern sich um den Flügel reihten, an dein Rubinstein begleitete. „In der Mitte, des Kreises aber," io erzählt Humveidinck, „saß Wagner, vor sich aus einen, Pult die ausgeiührte Skizze des „Parsisal". ans der er saug nnd dirigierte, Solist, Kapellmeister und Regisseur in einer Person. Mil seiner nicht großen, aber klangr-otlcn Stimme, der alle Register zu Gcbme standen, nnißte er alle einzelnen Vorgänge in eindrucksvollster Weise wiederzugeben, nnd n enn einmal ein Sopran ucrsagte oder ei» Tenor durch Abwesenheit alinzte, dann hals dcr Meister aus und tührte so odnc alle Fährnisse das Werk zum glücklichen Emde." Als die letzte,, Klinge „Selig im Glauben" leise verschivebten. sank schon die Dämmerung hernieder, und alle schwiegen ergriffe» „in lautloser Entrücktheit, als hätte eine unerhörte Ost'enbarung aus einer höheren Welt sich eben vrr lündigt." Dan» aber brach sich die Begeisterung Raum; Wagner aber lächelte vergnügt und sagte; „Na, Kinder, ihr dürft mit mir zufrieden sein; ich ivar nicht Mts den Koch gefallen, als ich dies schrieb!"
— 2 i c Id c ii tisi z ic ru n g dcr Gioconda iand in dcr Hockn'chule für schöne Künste in Paris statt. Das Gemälde wurde mit einer Photographie verglichen, die lurz vor den. Verschwinden dcr Gioconda ausgenommen worden war. Außerdeni wurde scstgestellt, daß,das Gemälde genau in den Rahmen paßt. Die Jdcnttfiiiening, des Gemäldes ist demnach vollständig sicher. Die Gioconda mürbe darans in dem Ansstellungssaal unlcrgebracht.
ckb. Das I n b i I ä u »i der Kaiserlichen Bibliothek ii, Petersburg. Unser Petersburger Korreipoudcnt schreibt uns; Diese Bibliothek, die zu den größten Büchersammltwgcn dcr Welk gehört, begeht am 2, (15.) iJannar 1914 den Tag
ihres hunderliährigeil Bestehens. Ten Grnndswck dieser ungeheuren und überaus kostbaren Bücheriammlung bildere die berühmte Biilivtbck dcr Grasen Zalusski, die Siumoroto nach dcn: Einnahme WarickuiuS als Staatseigentum crllärt hall-' und nach Petersburg ichassen ließ. Tie Zalustlischc.Bibliothek sollte in einem lieftmderen neu auszutührrnden Gebäude, an dcisen Ba» man im Jahre 1795 schritt, unlergebracht werde». Katharina planle Großes, — das Gebäude der „Reickisbibliothck" iolltc neben den io leicht erworbenen Bückcrichätzen verschiedene qelrbrre In- stnulioneii embaltc», — leider blieb cs, wie so oft in Rußland, nur bei der Absicht, dcr Tod der Kaiserin wart alle weirilir gcnden Pläne über de» Hausen. Ihr Nachsvlger, Kaiicr Paul, ivar nicht dcr Mann, der sich iür hie Wisscnschast interci'iertc. seine Beschäftigung lvar der (öamaschrmdicnst, de» er mit eiserner Härte handhabte. Es ielstte nicht viei, nnd die ganze Bücher - iammlung wäre ausgetkilt Ivvrdcn. doäi gelang es noch, da-; Unheil albzuwcnde». Im Lause von zwölf Jahren wurden noch veilcknedene, zum Teil sehr wertvolle Erwerbungen gemacht nnd dann eriolgtc endlich am 1. Januar 1814 die ieierliche ich- össnnng der Bibliothek; freilich war ihre Bcnupung zeitweiltg mit echt russischen Bedingungen umgeben, — einer ihrer Direktoren, der den ariswkratäichcn Namen Buiurcin führte, oert'ügte. daß Spezialwcrke nlkr Fackneuicn auSzubändigen seien, da hie Lektüre iolcker Bücher seitens anderer L>mte aui diese nuc „idVib- >jch" wirken könne; junge Leute dtiritcn die Bücherei nb"rhaupr nicht besuchen, da auch iür diese „schädliche" Wirkurhcn h- süicküet wurden. Seither hat sich vieles, wenn auch nicht alles« gcändeit, — es gil t in der Bibliothei .noch viele lausende Bücher, deren Inhalt auch heute noch als „schädlich" betrachtet wird, und die daher nur ans Grund einer besondere» Erlaubnis aus- gesolgt werden dürieu; natürlich erhält nickst icdenuanu diese Erlaubnis. Tic Samuilung enthält nelien den Biicherbeständen eine große Anzahl von Jitcunabclu und viele seltene wertvoNe .Handschriften, Bilder tilw. Die Hunderlsahrscier soll in glanz - voller Weise vor sich gehen: vorauslichtÜck wird der Bibliothek eine größere Summe, Nt Nrnerwerbüugcn zur Ben'stguug gesteUr werden, denn in dieser Beziehung ist sic infolge durchaus unzureichender Mittel seit Jahren stark im Rückstand. Tir Samm - lung nebst sehr geräumigen, vor ettva 10 Jabrcn erbaute,» Lcso- saal nimuit einen ganzen Häuserblock im Zentrum der Stadt am Rewskt Prospeei ein. Eine Eigentünilickrken der .KaiseNichen Bibliothek besteht darin, daß ivohl in keiner Bücherei de> Welt so viele Bückie, in der rohesten Weise verdorben werden, wie in Petersburg. Aber das gebärt hoffentlich mit de; Brrg-ingen- hcit an.


