Ausgabe 
17.12.1914
 
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(Bemalt den Fe^ft von den Grenzen zu drängen Mer Unterschied der Stünde, aller Unterschied der Berufe, aller Unterschied der Parteirichtungen war verschwunden: alle erfüllte nur der eine Gedanke: einzustchen mit aller Kraft für die Sicherheit, für die Verteidigung des Vaterlandes, Fürsten und Völker, gemeinsam zogen sie hinaus auf die Wahlstatt, und auch unseren allverehrten Landesherr» sehen wir seit den ersten Tagen unter seinen Landes­kindern die Geschicke vor dem Feinde teilen. In einem unvergleich- liebcn Siegeslauf zogen die deutschen Scharen durch Belgien nach Frankreich hin, in der offenen Feldschlackst die Heere des Feindes schlagend, und seither als uneinnehmbar geltende Festungen mit cinein Handstreich vernichtend.

Einig, einig war das deutsche Vaterland geworden, und daher auch die Macht, das zu vollbringen, was in den ersten Tagen des Krieges geschah,

Tahcim aber, wo die Zurückgebliebenen waren, die nicht mit hinausziehen konnten und durften gegen den Feind, war derselbe Geist, derselbe Geist der Einigkeit, der Festigkeit zurückgeblieben; derselbe Wille, standzuhalten, durchzuhalten und mit zum Siege zu helfen, Freilich, wer weis; nicht, daß da brausten auf den blutgetränkten Schlachtfeldern von Belgien, von Frankreich und Rußland die Blüte unserer Nation zum Teil schon Hingeiunken ist: wer weiß nickst, daß wir noch nicht am Ende unserer Verluste stehen. Durch einen Strom von Blut und eincn Strom von Tränen sind wir schon hindurchgegangcn, und schmerzlich, mit tiefem Gefühl gedenken wir aller derer, die sich für des Vaterlandes Sicherheit und Wohlergehen geopfert haben, Mer in dieser Stunde, meine Herren, ist es unsere Sache nickst, zu klagen; in dieser Stunde wollen wir gerade, den Blick ausrecht gerichtet, uns geloben, und jenen geloben, die dahingegangen sind, daß wir sesthalten wollen an dem Ziele, das wir uns gesetzt haben, daß wir einen Frieden haben tvollen, der der maßlosen Opfer wert ist, die um ihn ge­bracht worden sind, (Lebhafter Beifall,)

Nach jenem Siegeslauf durch Belgien und Frankreich änderte sft-, dar .Kriegsbild, Wir trasen auf eincn hartnäckigen Feind, der sich in ähnlicher Weise wie wir in einer Art Festungskrieg gegen uns gestellt hat, und nicht mehr in jenem Lauffchritt des Sieges geht cs heute vorwärts, sondern Schritt um Schritt wird grimmig gekämpst. Dir daheim, die wir gewohnt waren, tag- läglich einen Sieg scstzustcllcn, wurden so manchmal ungeduldig, daß es nicht schneller ging, Mer, meine Herren, das wesentliche, ist: es geht vorwärts, und zu unserer großen Freude können wir immer wieder von den glänzenden Taten hören, die in deur fernen Osten gegen Rußland vollbracht werden. Jetzt aber ist es an deut­schem Volke, zu der Begeisterung, mit der das deutsche Schwert gezogen ist, nunmehr die Msdauer, nunmehr die Ruhe und die Besonnenheit zu fügen, di« notivenüig ist in der Heimat und für unsere Truppen draußen, jenes zähe Festhalten, das den endlichen Sieg verbürgt.

Unsere Tapferen stehen draußen vor den Feinden in Gefahr, in Gefahr chrer Gesundheit und des Leben», bei Regen und Schnee, bei Nebel wft Wassersnot, und sie hallen aus, Sehen Sic und stören Sie die, die zurückkonrnrcn von dm Schützen­gräben, unt welcher Freude, mit welcher Begeisterung sie von dem erzählen, >vas sic da draußen erlebt! Hier in der Heimat wvllm Sic immer wieder neue Kraft in sich ausnehmm für ihr schweres Tagewerk da draußen. Nun, meine Herren, bieten wir ihnen hier inder Heimat diese Kraft, die sie draußm nötig haben, bieten nsir sie ihnen dadurch, daß wir ilmen zeigen, mit welcher Ruhe, mit welcher Sicherheit, mit welchem zielbewußten Vorgeben wir hier in der Heimat arbeiten wollen, lassen Sie uns zeigen, daß wir hier dm chernm Willm haben, die wirb- fchoffbichcn Berhälmiffr des Landes ansrecht zu erhalten in allen Stücken, alle Mühen und alle Schäden, die der Krieg Benny sack»en muß, möglichst zu lindem und die Vorbereitungen dafür zu treffen, daß nach dem Frieden der Aufbau unserer Wirtschaft- tichm Verhältnisse wieder eintretm kann. Nur wmu sie draußen ivissm, wie sickwr wir hier in der Heimat sind, wie wir ihnen dm Rückm stärkm und halten, nur dann ist ihnm auch die Kraft gegeben, vor dem Feinde das zu teistm, was sie gem leisten wollen und nrüffen, um das Vaterland ju endlichem Fricdm nneder zu führen. So wollen wir auch hier geloben, in der Heimat, einig, einmütig und stark zu bleibm, stark zu bleiben bis zu dem endlichen Fricdm, den wir uns nickst dmkm als ein Aushören der jetzigen Sveitigkeitm, sondem dm wft uns dmkm als einen ruhmvollen Wschluß, aus dem Deutsch­land in nmer Gestalt, neu gekrästigt, hemrwgeht: ein Friede, der aucki unserem Feind England zeigt, daß seine Wellherrschaft, die cS sich angmmßt hat, nur so lange besteht, als cs Lmte gibt, die an diese Weltherrschaft glauben, «Lebhafter Beifall.! Dies« Sicherheft stier in der Heimat, die wft stärkm wvlbm auch durch unsere Täftgkeit hier in der Bertreding des Landes, stützt sich ouf unser unerschütterliches Verftaum zu unserem tapferen Heere, Es erfüllt uns mit Dank ratb Anerkennung, was die Söhne des Vaterlandes draußen vor dem Fände geleistet haben. Wer einm Btick auf Ostpreußen und Elsaß-Lothringen wirst, die unsere Feinde verwüstet babm, versteht erst die Leistungm unserer Trnp- pm reckst zu würdigm, (Lebhafter Beifall.)

Lassm Sic uns, meine verehrten Hemm, in dies« feierlichm

Szene anwesend ist oder sich auch beide kriegerffch begegnen Ge­rade in diese Kantpffzmen hat Shakespeare eine gewaltige dva- 1 ma tische Wucht gelegt, mögen es nun Zweikämpsc sein, wft die zwischen Macbeth und Macduft oder zwischen Evrftlanus und AufidtuS, oder kriegerische Bewegungen ganzer Massen, wft in Rickwrd III." und ,Julius Cäsar", Meisterstücke der drama­tischen Schlachtdarsftllung hat er hier grgebm, indem er dm Kamps der Heere m großen bedeutendm Bildern in raschem Wechsel und lebendigstem, Gegensatz über dft Bühne wogen läßt. Ein kriegerisches nift tatmlustiges Volk, wft es die damaligen , Engländer waren, jubelte diesen Szmm besonders zu und küm- mcrtc sich nickst darum, ob das. ivas auf der Bühne erschien, ine Vergleich mit der Wirklichkeit nur lächerlich sich ausnehmm komfte, Stirn z, B, tu ShakespearesKönig Johann" dft Eng­länder und Franzosen auf der Buhne um die Stadt Amiens käinpseu, so ließ sich das mir in einer sehr stärkmVerkürzung" zeigen. Spätere Zcftm, in dmcn die Phantasie dös Publikums nicht melch so leicht und srmdig ollen Fordernngm des Regisseurs gehorchte, haben sich den Kopf zerbrochen, wie man solche Schloch- tm realistisch darstellm könne. Das im Jahre 1841 erschienmc Theaterleftkon gibt dafür folgendes Rezept:Wald, hohes Busch­werk, Mauern, welck« die Kämpfendm den Blicken des Zuschauers mtziehen, so daß man nur Fahum, Sperre, Helme mft ver­schieden >acb,gen Faderbüschen in mairnigsacher Bewegung erschei­nen sieht, dazu der gecigirete Lärm duvch Krirgsmstrumcnte, Geschrei, Waffcnklirrm, Krachen usw,, besonders aber das sicht­bare Vorüberzftbcn zahlreicher Züge von Kriegern in die Schlackst und aus derselben, genügen für dft theatralische Veranschau­lichung auf der Bühne, Für dft Dekoration ist so wenig offen« Dülnimranm als möglich anzuraftu, Berietzstückr aller Art müssm die Vorgänge wechselweise verdecken und eben deshalb begünstigen," Wegen diefte szenischm Schwierigkeiten waren, wie Freytag in seftier Technik des Dramas sagt,die Gefechte auf der deut­schen Bühne stets übel berüchtigt und werden von dem vorsichtigen Dickster vermiedm". Nur ein dmtscher Dramatiker hot geradezu in Sälachtenbildern mff der Bühne geschwelgt und die Unwahr- schcinlichkeit der räumlichen Berhältiftssc bis zur groteskm Toll­heit gesteigert. Das war G r a b b e, der sich für das größte strategische Genre der Menschheit hiell, und da er nickst als ein neuer Napoleon dft Welt erobern konnte, wmigstms vor den Kulissen seine Ricsmkämpfe schlug. SeineHermannsschlacht" bietet.nichts wie ein großes Wandclpanvrania auseinandrrfolston- der Kämpft, und in seinemNapoleon" bringt er die Schlachten von Ligny und Waterloo direkt auf dft Bühne, Liguy wrrd in eftier cmzigen Szene dargestellt, in der um dm Kais« sein ganzes Heer versammelt .ist, die Zwölfpsünder auf dft Bühne donnern, die reitende Artillerie vorjaift und alle Dörfer vor und hinter der französische» Schlachllrme brmnm. Der Waterloo marschieren ganze Armeekorps gegmeinander vor, und als- ww mit seinem Heere aus der Bühne arckvmnrt, kommandiert Lobau den ttzorden:Fcu«", worauf Bülow -rwidert:Glcick>- salls!"

Stunde gelobm, daß wir fest vertrauen^auf unsere dmtsche

Kriegsmacht! Lassen Sft nnS in dieser Stunde gedenken des Obcrstm Kriegsherrn, Seiner Masestät des Kaisers (die Bersamm- tung erhebt sich«; fassen Sft uns gedenken unseres hcrrlickim Heeres, unseres Stotzes zu Laude, zu Wasser und in der Luft! Ihnm möge der «Sieg beschieden sein; sie lebm hoch, hoch, hoch!

Zn der mit großer Begeisterung ausgmommcnm Rede hattm sich alle Anwesendm, auch die Sozialdemokraten, erhoben,. Nach dem dreifachen Hoch gedachte der Präsident noch mit herzlichm Worten der mit im Felde tätigen Wgeordneten und widmett dem Abg, Dr, B o r h e i m e r, der den Heldmtod fürs Vat«land «litt, einm warmh«zigen, tief empfundenen Nachruf: alle Anwesmdm hatten sich zu Ehren des Verstorbenen von den Plätzen «hobm. Der Präsident erinnerte au das im August d, I, «folgte Ab- leben des Präsidmten d« Ersten Kamm«, Gras v, Schlitz genannt v, Görtz, und rief auch ihm Worte de- Dankes und d« «Anerkennung nach, während die Wgeordnelen sein Andenken durch Erheben von den Sitzen ehrten.

Bei d« alsdann vorgrnommmm Wahl der Mitglied« der vi« parlamentarischen Ausschüsse wurdm nach dm Vorschlägm der v«schiedenen Fraktwnen alle bisherigm Mftglied« wied«- gewählt,

D« ^Präsident schloß alsdann dft Sitzung um Vj 2 Uhr, Nächst« Sitzung: Donnerstag vormittag 10 Uhr.

Die Erste Kammer

trat gleichfalls gegen 1 llhr zu einer neuen Sitzung zusammen, der am Regftrungstische die drei Minister und andere hohe Re- ginungsvertret« beiwohnten.

Präsident Fürst Solms-Hohensolrns-Lich hielt zu Beginn eine längere Ansprache. Er wies darauf hin, daß die Tagung in d« ernstestm und schwerstm Stunde stattsindet, die unser Vaterland jemals durchzumachen hatte. Es sei aber gleich­zeitig auch die größte und «habmste Zeit. Es lebt nur d« seine Gedanke im ganzen deutschen Volk, unter allm Umstärftcn die nattonalm Güt« zu schützen und die Ehre d« Nation hochzuhalten, koste es, was es wolle. Das dmtsche Volk beherrscht der Geist «des Gvttvertrauens auf die gerechte Sache, dft oberste Heeresleitung und die glänzend organisierte Armer, es beseelt der Geist des Sieges, Wir dürfen mit Stolz blickm auf die bisherigen großen Erfolge, aber wir müssen auch in tiefster Dankbarkeit d« vielen Opfer gedenken, die draußen aus dem Schlachtfclde dm Hel­dentod gesnndm haben. Wir gedenken f«nm d« großm W«ke d« Liebestätigkeit für urrs«c Krieger imd V«wundetm, an dessm Spitze Großherzogin Eleonore steht, sowie d« Für­sorge für die Hinterbliebenen, Unser« lftnmndmmgswüttsigan Heeresleitung könucn wir nicht genug dankbar dafür sein, daß sie es v«standm hat, diesm blutigstm all« Kriege in das Feindes­land zu v«legm. Wir hoffen und wünschen alle nur das «ne, daß das Schwert nicht eher in die Schelde gesteckt werdm ivird, bis ein Friede crrimgen wordm ist, d« dem Deutschen Reich für alle Zukunft dft Stellung zusiche«, die wir perlangen,

Dft Rede schloß mft einem dreisckchm Hoch auf Kais«, Groß­herzog, He« und Flotte, in das alle Anwesenden begeistert em- ssinmrten.

Nachdem d« Präsident dann noch dem verstorbmm Grafm v, Schli tz-Görtz etnm warmhmzigen Nachoff gewidmet, zu dessen Ehvm sich die Mftglied« von den Plätzm «hobm, «folgte die Wahl d« Mitglied« für die verschiedenm Ausschüsse,

Dft nächste Sitztmg wurde auf Donn«stag vormittags 11 Uhr airbmaumt,

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Rach dem Hoch aus den Grosiberzog bei d« Ka ncm « «ö ff m mg beschloß dft Venammlimg auf Vorschlag des Fürsten zu Solms dft Abfendung sölgendm Tel«gramms an den Grobher­zog:Dft zur Eröffnung dos 36. Landtags versanrmellm beidm Kamwem d« Stände sagm Ew, Köwgl, Hoheit für dft durch Se, Exz, dm Herm SwatSmftrrst« übamitidten Grüße ehc«- bfttigsftn Dank, IN dem qewaltiqm Ringen um Deutschlands Ehre und Dasein käncpftn auch wir Hesftn im Felde und in d« Heimat einmütig und mit mutig« Entschloffmbeft, Dft Ver­treter des Landes sind freudig berat, die unvermeidbaren Schä­den des Koftcxes nach Kräften zur lindern und die wirtschaftliche Kraft des Landes durchzudattm m nvwr Entfaltung nach Erkämp- sirug eines ruhmvollen, dauernden «Friedens, "

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Darmstadt, 16, Dch, Die Regierung hat eine dem An­träge des Mg, Grünewald-sisiiesien entsprechende Vorlage kfttr, Aenderung der Städteordnung bchüglich d« Verschie­bung d« Stadtverordnetenwahlen und Erleichte­rung der Beschlußfähigkeit (Kriegsnotgesetz)) dm Stän­den überreicht, lieber dieselbe wird in d« rnorgigm «Sitzung b«a- ftn und beschlossen werdm.

Unegrbnefe au§ dem Westen.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, o«boten.)

Eine Heldentat unserer Marine.

Telegramm unseres KrisgsherichterftcttterS,

Großes Hauptquartier, 16, Dez,

Beim Besuche des Kriogsgebretes an der belgischen Küste erfahre ich folgende Heldentat unserer Marine: Am 11, No­vember beabsichtigte «eine ganze französische Division auf nachmittags 4 Uhr bei Lombartzjyde nördlich Nieuport den Durchbruch zu versuchen. Elf Bataillone Matrosen-Artillerie und Marine-Infanterie kamen dem Feind zuvor und «gingen im Sturm, voran ein Marine-Jnfanterie-Bataillon mit ent­falteter Fahne, gegen die starke französische Stellung an. Da der Dünenflugsand Gewehre und Maschinengewehre teilweise unverwendliar machte, entschied das Bajo­nett, und nach blutigem Gefecht warfen unsere sechstausend die fünfzehn tausend Franzosen ln die Fluch t. Die Franzosen liehen eine große Masse von Toten und BerwUTideten auf dem Schlachtfeld und ver­loren über 800 Gefangene, darunter viele Offiziere.

Für den Heldengeist unserer Offiziere ist es kennzeich­nend, daß wir bei zweihundert Toten vierzehn Offiziere verloren Hoden, die in Ostende feierlich bestattet worden sind. Auf die verbündeten Feinde, rnnnentlich auf die Fran­zosen selbst, hat d-ftfer Landsiey unserer Marine den tiefsten Eindruck gemacht '

W. Scheuernrann, Kriegsderichterstatter,

Eine staatliche Kontrolle ffir den Nahrungsmtttelmartt.

Die alZbald nach! Kriegsausbruch begründete Zentral­stelle für Heeresverpslegung hat, wie uns überein stnnmeirü berichtet wird, im allgemeinen den an sie gestellten Anforde­rungen entsprochen. Man darf getrost behaupten, daß keine der kriegfiihrenden Armeen so vortrefflich verpflegt wird, wie die deutsche, Ntmmchr fordert etti Mttglftd genannter Zentralstelle, Oekonomftrat Franz Schiftan (Lindvw), in oerDeutschen Tageszeitung", daß auch für Ernährung der Zivilbevölkerung und der Viehbestände eine Zentralstelle errichtet werde, so daß der Staat die Ernährung des Volkes kontrollieren und durch seine H»ünde gehen lassen könne. Zu diesem Zwecke sollen Nachweisüngen über die vorhandenen Bestände ausgenonrinen werden, eine, wie man zugestehen muß, recht umfangreiche Arbeit, die in manchen bäuerlichen Kreisen Mißtrauen begegnen ivird. Wie sich Oekonomierat Schiftan die weitere Durchführung des Planes dentt, mögen folgende Ausführunaen beleuchten: Alle vorhandmen Körnervorräte müffm der mensch- lichm Emährung dimstbar gemacht w«den. Auf die Heran- fütterung von Mastvieh müßten besondere Prämien gesetzt w«dm, da die Preise der Futtermittel, selbst wenn sie, wie zu

erhoffm ist, durch Höchstpreise erschwinglich gemacht werden, in keinem Verhältnis zu den Mastviehpreisen stehen. Der Staat sollte sich zum alleinigen Käufer für alle Boden- und Viehprodukte erllärcn, die Höchstpreise für beide und die V«- wendungsstellen vorschreiben. Der Staat müßte sofort alles be­reite Gftreide, wenn auch zu hohen Preisen, im Notfälle zwangs­weise ankaufm und es in Silos lagcm , , , Selbstverständlich müßtm sich diese Maßnahmen in Bezug aus die VoltLcrnährung auch aus dm zwangsweisen Ein- und Verlauf von Vieh beziehen, D« Viehhändler hätte dabei als Kommissionär des Staates und unter dessen Aufsicht zu erscheinen, Tie Preise für Vieh müßten ähnlich, wie es bei dem Getreide geschieht, unter Berücksichtigung d« Frachtparitäten und der für den Berwendungsort angemessenen Preise sestgclcgt werden, Ten Fleischern müßte ihr Höchstverdienst vorgeschricbm sein. Nur dann, wenn der Staat während des Kriegs­zustandes die gesamte Volksernährung in die .Hand nimmt, ist diese bei ein« längeren Tauer des Krieges zu gewährleisten,"

Wir nehmen an, so schreibt dazu die Bollsw, Korr,, daß Herr Schiftan unter Köruervorrätc, die attsschlftßlich der menschlichen Ernährung dienstbar gemacht werden sollen, lediglich Brotgetreide begreift und nicht den Spuren des Prof, Dr, Eltzbacher folgt, der Magermilch, Gerste u, n, nicht als Viehftitter verwendet sehen will. Wie die Vieh­bestände imter solchen Umständen erhalten werden soll«,, wird verschwiegen, ebenso, woher der Staat in Kriegszeiten die gewaltigen Mittel nehmen soll, um alle Boden- und Viehprodukte des Landes anfznkaufen. Was in vorsteheichen Auslassungen über die Erhaltung des Viehstapels zum Aus­druck kommt, verdient gewiß Beachtung; aber was dem Staate in seiner Eigenschaft als Organisator des Handels« itnd Kaufntaim zngemutet wird, geht entschieden zu weit. Damit würden dem Handel, und zwar auch dem soliden, unerträgliche Fesseln angelegt, abgesehen davon, daß dem konsumierenden Publikum kein materieller BortcÄ ans der Verstaatlichung oes Getteide- und Viehhandels erwachsen dürfte. Der Staat oder das Reich könnten sich süglich dar­auf beschränken, sich einen einigermaßen zuverlässigen lleber» blick über den gesamten Nahrungs- und Jntternnttelmarkl zu verschaffen und das Publikum gegen unlautere Spekulationen zu schützen. Der Anfang ist damkt, gcmacht, wenn auch reichlich spät und bei lvettem nicht in. ausreichendem Maße,

Dar rote Geheimnis".

In letzter Zeit melden die Blätter vom Ausbruch einer; revolutionären Bewegung in Rußland, Die Polizei entdeck- geheime Waffenniederlagen, geheime Waffensendnngen unl^ Versanimlungen von Verschwörern, Die Bewegung richtet sich in erster Linie gegen den Krieg und dann im allgemeiuem gegen den Zarismus,

Es ist wohl daran nicht zu zweifeln, daß die ruffischej Revolutionszenkralc wieder in Tätigkeit zetteten ist. Jeden hat von dieser Institution gehört, aber selten hat jemand einen ttchtigen Begriff von ihr. Die Revolutionszentrale war, das größte polittsche Geheimnis des vorigen Jahrhunderts^ in Rußland, und möglicherweise kann es auch im laufenden

g ahrhnndert nicht gelüftet werden. Es ist wohl fetten eine, rganisation so scharfsinnig eingettchtet und so sicher vor den) Spürangen der Geheimpolizei versteckt worden, wie jeneÄ Kollegium von Männern, dessen bloße Anordnung keine ge* ringere Macht auf die Unzufriedenen, die Roten, ausübt, wie etwa ein Ullas des Zaren aus die musterhaften Uute»- tanen.

Die Revolutionszentrale wurde zu Zeiten Meaxnders II. organisiert. Wo, hat niemand erfahren, Are Bornbe, die den zweiten Mexander zerriß, wurde auf Befehl der Zen--, träte geworfen.

Dftse unheimliche Institution stellte dann ihre Tätigkett bis auf weiteres ein. Während der Herrschaft Alexanders HI, mußte sie aber doch wieder auf den Plan treten. Sie befahl, den Monarchen zu besettigen. Es wurden mehrere Attentate- auf den tyrannischen Herrscher versucht. Bei Borki gela^ fast ein Anschlag, und seinen Folgen erlag schließlich der der körperlich stärste aller Zaren, Man nannte das eine Pfuscherarbett der sonst so sicher und erfolgreich wirkenden!! Zentrale. Run, zu Zeiten des Sohnes des Tyrcnneiv-Reckeü. hatte die Zentrale eine glücklichere Hand. Die russische Revo­lution nach dem Kttege mit Japan war ihr Werk, Und jetzt? Wer weiß denn, was jetzt beschlossen worden ist. Man stellte, schon sett einigen Jahnen eine neue Revolutton in Aussicht^ und jetzt hött man inuner wieder, daß die russischen Revo­lutionäre den Krieg mit einem allgemeinen politischen Uro-, stürz beschließen wollen. Künftige Tage werden uns über vieles belehren.

Man fragt wohl neugiettg: Wie ist denn diese mächtige und unentdeckbare Revolutionszenttale organisiett? Es läßt sich hierauf nur eine wenig genügende Antwort geben. Man weiß nur» daß die Organisation vor Verrat völlig gesichett ist, Ihre Mitglieder kennen sich gegenseitig nur in beschränk­testem! Maße. Man sagt, nur je drei Mitglieder sollen eine Gruppe bilden und einander kennen. Sollte eines dieser Mit­glieder ergttsfen werden, so kann es nur seine zwei Genossen, verraten. Die raffiniertesten Foltern, wie sie zu Zetten Aleaxnders HI. in russischen politischen Gefängnissen an- gewaicd: wurden, blieben in bezug auf Ausforschung der Re-« volutionszcntralc völlig erfolglos.

Der geniale Lockspitzel Asew, der mtt seiner Spürnase wahrend der Revolution die intimsten Geheimniffe der Frei­heitskämpfer erschnüffelte, dem überhaupt kaum etwas auj seiten des ringenden Volkes wie auf seiten der ränkeschrnio- denden Regierung verborgen blieb, vermochte den Sitz undj die Organisation der Leitung der Bewegung doch auch nicht zu entdecken. Man habe zwar Spuren des sogenanntenExe­kutivkomitees", der Vollstrecknngsabteilung der Rcvoluttons- zentrale entdeckt, doch sei die Verfolgung nicht von Erfolg begleitet gewesen.

Das rote Geheimnis mag in diesen Tagen wohl wieder die ganze polittsche Polizei des Zaren interessieren. Viele wer­den spüren und forschen, um endlich die seit Jahrzehnten an­gestrebte Entdeckung zu machen. Es dürfte aber doch, wft schon erwähnt, alles beim alten bleiben. Das rote Geheimnis wird nicht gelüstet, imo je nrehr die Regiericng an chm ver­zweifelt, um so suggestiver, mächtiger wirkt es auf die un- zufriedenen Massen des Volles und der Intelligenz, _

7. Sitzung der Großherzoglichen Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.

Protokoll-Auszug.

Gießen, 3, Dez, Anwesend sind dft H«ren: Geheimer Kommnzienrat Heichcl« hsim als Vorsitz«ü>«, Fttedbttg«, Kommerzienrat Hoos, Jhring, Roll, Noioack, Rinn, Köln, Rühl, Stammler, Wenn«, Zuröml, und d« Syndikus,

1. Bei den Er g ä n zun g s w a hl e n zur Handels­kammer, welche am 24, November d, Js, st«ittgelünden haben, sind im Wahlbezirke Gießen-Stadt die Herrm Geheim« Si'nmmtr- zicnrat Heichellchm, Koinmerzienrat Klingspvr, Kaufmann August Noll: im Wahlbezirk Lich Hungen Herr Brauereibesiv« Jhring; im Wahlbezirk Älsftld Herr Fabrikdirektor Ramfveck wieder und im Wahtbezftk Lanterbacki Herr Fabrikant Dichm II, neu ge- mähtt wordsti.