Ausgabe 
17.12.1914
 
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Hr. 206 Zweiter Blatt 164. Jahrgang Donnerstag, \T. Dezember t0l4

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags,

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Seneral-Anzeiger für Gberhejjen

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Anzeiger Gießen.

^cffifcher Landtag.

. Darmstadt, 16. Dez.

Tic beiden Stänbctanmicm haben sich heute vormittag zur 'ttrbffrmug ber 36. Laudtagspenode konstituiert

Tie Mitglieder der E r st e n Kammer versammelten sich um Vill Uhr in ihrem Sitzungssaal, während am Regicrungsttschc die beiden Enin<eisungskomini>iarc, Slaatsrätc W i l b r a n d und Süffert, Platz nahmen.

«Ltaatsrat Wilbrand begrüßte die EffMeneiicn und gab die vom Grvßbmzog für die Naue Tagung berufenen Mitglieder bekannt. Naß dem er festgestelll, daß die zur Beschlußfähigkeit der Kammer geietzlich vorgeschriebene Zahl von Mitgliedern zu­gegen ist, ersucht er den vom Großhetzog zum ersten Präsidenten der Kammer ernannten Fürsten z» Solms-Hohensolms-Lich, sein Amt cknzunehmen

Fürst 2 o l m s - v o hen s ol m s - L ick> übernimmt daraus das Präsidium, dankt 2r. Königl. Hoheit für die chm durch die Ernennung zuteil gewordene Auszeichnung unb drückt sein Ver­trauen aus. daß die Mitglieder des Hauses sich zu ersprießlicher Arbeit vereinigen würden. , -

Das Haus nahm sodann die Wahl der beiden anderen Prä­sidenten mittels Stimmzettel vor. Zirm ersten Vizepräsidenten nmrdc der Tür st zu Lein in gen, zum zweiten Vizepräsidenten Freiherr HcNl zu Hernsheim gewählt.

Zu Schriftführern wurden gewählt Lbernall Meister Freiherr Moritz Riedesel zu Eisenbach und Fürst zu Iscnburg- Birstein, zu stellvertretenden Sckriftsührern (sieh. Kommerzienrat Tr. Strecker und Landgerichlspräsivent Tr. Hangen.

Tas Haus vertagte sich daraus.

In der Zweite n K a m m e r wurde die Sitzung um 11* 4 Uhr l 5>urd) den Staatskommiliar Tr. Best erössnet, neben welchem Mi- suistettalrat Tr. .Hölzinger Platz genommen hat. Der Platz 'des im Felde gefallenen Tr. Boxheimer ist mit einem^roßen Lorbeerkranz und rot-weißer Schleife geschmückt. Ter Staats­kommissar stellt fest, daß sich auf dem Bureau der Kammer mehr als 30 Abgeordnete als anwesend gemeldet haben: cs kann daher die : Konstituierung des Hauses stattsinden. Es erfolgt nunmehr der Namensaufruf der .Kammermitglieder, ivobei nur der Felddienst­tuende Abg. Best nicht zugegen ist. Tie Abg. 2r. Weber, Fin­ger, Lutz und Ursladt sind in ihrer feldgrauen Uniform, die 'der erstereu geschmückt mit dem Eisernen Kreuz, erschienen.

Ter Staatskommissar stellt daraus scst, daß Abg. Schön­berger das älteste Mitglied der Kammer ist. der darauf auch das Alterspräsidium übernimmt. Er bemerkt, daß er wider Erwar­ten doch noch einmal das Amt übernehmen müsse, nachdem er mit dem Schluß des vorigen Landtags seine varlameittarischc Tätigkeit als beendet geglaubt habe. Zu provisorischen Schriftführern beruft der Alterspräsident die Abg. Finger und Damm.

Es folgt dann die Wahl des ersten Präsidenten. Aus Vorschlag des Abg. Tr. Osann wird der bisherige Kcmtmerpräsident, Abg. Köhler- Worms, einstimmig durch Zuruf wieder gewählt. Dieser dankt für das ihm wieder erwiesene Vertrauen: da aber die Tagung nur eine Krieqstagung sei, so hoffe er, daß der Krieg recht bald sein Ende finden ivürdc und damit auch seine Tättgkeit beendet sein werde

Zum zweiten Präsidenten wird durch Zuruf Ahg. Korell- Angenrod, zirm dritten Präsidenten Abg. Dr. Schmitt gewählt.

Damit ist die Sitzung beendet und der Präsident ladet die Mit­glieder zur Eröffnungssitzung um 12*/» Uhr ein, an welche sich gleich die erste Kammersitzung mit der Tagesordnung: Wahl der Aus­schüsse und der Schriftführer anschließen wird.

Die Zweite Kammer trat um 12Ve Uhr zu einer neuen Sitzung zusammen. Präsident Köhler erklärte, daß vorhin bei der Wahl des Präsidiums ein Irrtum geschehen sei, da die Wahl durch Sttmmzcttel erfolgen müsse.

Tie Sttnnnzettelivahl ergab einstimmig dasselbe Resultat. Vor der Abstimmung über die Wahl der Schrifttührer erklärte Abg. Finger, daß sein gegenwärtiges Militärverhältnis nicht die Annahme eines Postens als Schriftführer gestatte. Es werden deshalb^zu Schriftführern die Abgg. Lang und Raab und zu deren Stellvertretern die Abgg. Lutz und Finger gewählt.

Darnach bettateu die Mitglieder der Ersten Kammer den

Die erste Tannhäuser-AuMrnng in München.

fUngrdrnckte Briese von Richard Wagner und Franz Dingelstedt.)

Ms FranA Dintzelstedt. der aut 8. August 1850 mit leb­haftem Anteil die Uraufführung von Richard Wagners Lohenyrin" in Wcftwar erlebt hatte, bayerischer .Hofinten­dant aemorden war, faßte er alsbald den Plan. Wagners Tannhänser in München aufzuführen. Der lebte damals als verbannter Revolutionär in Zürich, und zwischen ihm imd dem ehemaligenkosmopolitische,, Nachtwächter" entspann .sich nun über den Plan der Aufführung ein interessanter, ^bisher unbekannt gebliebener Briefwechsel, den Dr. Georg Büttner in Leidig in dem demnächst erscheinenden De- zemberhest derSüddeutschen Monatshefte" veröffentlicht. Wagner war es, wie er in einem Briefe an Dingelstedt vom 20. März 1854 ausspricht, wohl zufrieden, sein Werk in München aufgrführt zu selten, machte aber zugleich ernste künstlerische Bedenken geltend.

Meine Opern werden so schrieb er gemeinhin auf den deutschen Theatern durchaus falsch und schlecht anfgcfühtt: täglich erholte ich haarsträubende Beweise oon der ungtanblichen Gedanken­losigkeit und Sttimpft'innigkeit unserer Sänger und Dirigenten. Daß deinohngeachtrt z. B. derTannhäuser" Überall, wo er noch gegeben wurde. Glück und Kassa inachte, ist inir zu einem gemüt­lichen Rätsel geworden, das ich anfangs nur durch Tronic zn lösen vermochte, für das ich fetzt aber doch eine Erklärung in folgenden Umständen erhalten habe. Zumal bei den geringeren Theatern traf ich meistens auf junge, dem Enthusiasmus noch zugängliche Drri- ettten. welche die ungewohnte 'Aufgabe, selbst wenn sie sic nicht voll-- ommcn richtig verstanden, mft ihren mannigfachen, rein mnsi- kalifch-trchnifthen Erfordernissen dermaßen einnabm, daß sie eine ungewöhnliche Tätigkeit zn ihrer Lösung ins Werk setzten."

Was diese Verhältnisse in München betraf, so erklärte Wagner gerade heraus, er müsse den dortigen Hoskapell-- wieister La ch nerfür vollkominen unfähig halten, sich mit Aneinen Intentionen vertraut und befreundet machen zu können". Merdings hebt Wagner selbst hervor, daß'München für hie mangelnde Willigkeit oder Fähigkeit des Orchester­leiters einen Ersaß durch eine vorzügttchc Besetzung der Titelrolle bieten könnte, wosiir dort in der Person des Sängers Härttnger eine hervorragende Kraft zur Verfügung stehe.Dies ist die Rücksicht, die mich für eine Ausführung in München besonders eingenommen sein läßt."

Dingelstedt zeigte sich für den Plan warm interessiert und wollte denTamihäuser" schon im Sommer zur Zeit der Industrieausstellung heransb-ringen. Wagner ließ ihm daraus die von ihm verfaßte ausführliche Anweisung zur Aufführung der Oper zugcheii, auf deren genaue Beachtung

Sitzungssaal, wahrend am Regiernngstischc die drei Minister und eine Anzahl anderer Rcgierungsvcrtrcler Platz nahmen. Staats- Minister Tr. v. Ewald verlas daraus, nachdeui sich alle Anwesen­den erhoben hatten, folgende Eröffnungsrede:

Durchlauchtige Hohe, Hochzuomehrende Herren!

Als am i. 'August der Kaiser die Deutschen zu den Waisen gernsen. richtete unser Großhcrzog an sein Hessenvolk die Mah­nung. freudig die Opfer an Gut und Blul zu bringen, die jetzt von ihm gefordert würden. Weni cs aber nicht beschieden sei, in das Feld zu ziehen, der solle zu seinen, Teil die großen Aufgaben er­füllen, die den Znriickblellienden obliegen.

Tie Hessen haben die in schwerer Zeit stets bewährte Treue ge­halten. Mit beispiellosem Todesmnt haben unsere Regimenter un­ter den Augen ihres Landesfürsten ihren Fahnen den Sieg er­kämpft und opferbereit haben alle Berufsstände im Lande gcwett- eisert. dem leuchtenden Vorbild unserer Großberzogi» folgend, das Los der Kriegsopfer zn lindern und die wirtschaftlichen Schäden nach Kräften zu mildern, die der Krieg im Gefolge bat. Politisch geschlossen sind wir Hessen gleich den anderen deutschen Stämmen in den schweren Kampf um unser Dasein getreten und diese Ein- müttgkeit stärkt uns die Kraft zum endlichen Sieg. Jede Störung des inneren Friedens in unserem Lande fernznhalten, muß di» erste Sorge der Regierung sein. Sic hat deshalb alsbald nach Aus­bruch des Krieges die bereits getroffenen Vorbereitungen zn den: Erneuernngswahlen der Zweiten Kanrnrer eingestellt. Die Vor­nahme der Wahlen erschien in hohem Grade bedenklich, weil die> im Wahlkampf nnverntcidlich hervortretendcn Gegensätze im Aus­land Zweifel an unserer inneren Fcsttgkeit hätten erwecken können.

Tie Großherzoglichc Regierung kormte sich umso eher ent­schließen, die in diesem Fahr an sich gebotenen Neuwahlen zur Zweiten Kammer vorerst zn verschieben, als sie im Hinblick auf Artikel 64 des Gesetzes, die Landständc betreffend, vom 3. Juni 1911 in der Lage war, vor der ordentlichen Ernenernng der Zwei­ten Kammer einen verfassungsmäßigen Landtag einznbernfen.

Es wird Ihnen daher eine Vorlage zugehcn, die zur Ver­schiebung der Neuwahlen zur Zwecken Kammer und damit zu­sammenhängende gesetzliche Anordnungen Ihre Zustimmung nach­sucht.

Aus dem gleichen Grund ist es auch nicht ratsam, für die Er­gänzung der Gemeindevorstände und Gemeindevertretungen Neu­wahlen zuznlassen. Ein Gesetzentwurf, der die bezüglichen Vor­schriften der Städte- und Landgemeinde-Ordnung vorübergehend außer Kraft setzt und die Beschlußfähigkeit der Gemeindevertretun­gen für die Kriegsdauer anderweckig regelt, wird Ihnen vorge­legt werden.

Es wird sodann Ihre Aufgabe sein, mit der Großherzoglichen Regierung Maßnahmen zn beraten und zn beschließen, die die gegenwärtige außerordentliche Zeitlage erheischt.

Den Staatshaushalt hat der Krieg durch Rückgänge in den vor­gesehenen Einnahmen wie durch Mehrausgaben auf verschiedenen Gebieten erheblich beeinflußt. Zurzeit läßt sich nicht benttellen, in welchem Umfange und auf wie lange hiermft weiterhin zn rechnen, sein wird. Alsbald muß aber dafür gesorgt werden, daß zunächst im lausenden Rechnungsjahre ausreichende Wittel für die bereits von Ihnen bewcklrgten ordentlichen und außerordentlichen Staats- auSgaben vorhanden sind. Zn diesem Zweck wird Ihnen eine Vor­lage über die Abänderung des Finairzgesetzes für 1914 zugehcn, wonach die dort zugclassene ülusqade von Schatzanweisnngen inner­halb der berecks bewilligten Kredite unbeschränkt statthaft sein soll. Zugleich soll im Anschluß an die reichsgesetzlichen Vorschriften, auch tue Begebung von Wechseln neben oder an Stelle von Schatz­anweisungen ermöglicht werden. Wt Hckse beider Maßregeln wird dem Geldbedarf der Hanptstaatskasse für das laufende imd einen großen Teck des folgenden Rechnungsjahres genügt.

Wenn auch bei uns wie im Reich angenblicLich die Zahl der Arbeitslosen verhältnismäßig gering ist, so muß doch ins Auge­gefaßt werden, daß sich bei längerer Dauer des Krieges die Ver­hältnisse zuungunsten der Erwerbsmöglichkeiten ändern können. Der möglicherweise einttetendcu Arbeitslosigkeit kann nur begeg­net werden durch rechtzeitige Beschaffung reichlicher Arbcktsgelegen- heit in allen Landesteilen. Dazu soll eine Vorlage dienen, nach der die hierzu erforderlichen Mittel schon jetzt bereitgestellt twrbert können. Zugleich soll eine weitere Geseyesvorlage zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit und zur Beschäftigung von Kriegsgefange­nen die Formen des Enteignungsoerfahrens vereinfachen.

Um den Betrieb des Großh. Hoftheaters auftcchtzuerhalten und damit schwere Nachtelle von diesem hochentwickelten Kunsttnstckut

er mit besonderem Nachdrucke dränyte. Aber schon im Mai mußte Dingelstedt melden, daß die Aufführung verschoben werden müsse, und er bat Wagner, sich weder hierdurch, noch durch die gegen das Werk desroten Republikaners" sich geltend machende Opposition verstimmen oder irre machen zu lasten. Wagner antwortete am 3. Juni, er wolle Dingel­stedt keineswegs drängen: was ihm am Herzen lieg«, sei, daß die Ausführung, finde sie statt, wann sie wolle, auch wirklich gut und ehrenvoll ansfalle.

Nun erhalte ich aber nenmdings wieder so starken und triftigen Grund, ein dereinstiges gutes Resultat zn bezweifeln, sobald die Oper intter Herrn Lachners Leitung zutage gefördert werden soll, daß ich diese Zweifel unmöglich vor ihnen verbergen kann. Bon kompetentester Seite her erhalte ich die Versicherung, daß Hem Lachner, selbst beim redlichsten Willen, unfähig sei, mein Werk mit dem erforderlichen Geist auszusühren."

Diese Erwägung vevanlaßte Wagner zu dem Vorschläge, ob es nicht möglich sei, ihm wenigstens für vier Wochen freies Geleit zu einer Reise nach München zu erwirkens damit er selbst die Vorbereitungen der Aufführung über­wachen könne. Das war unausführbar. Dingelstedt aber hielt an dem Tamilstinsc r-P lane aller Intrigen zum Trohe fest, und es gelang ihm, die Einstudierung durchzusetzen. Wagner erfuhr den Beginn der Vorbereitungsarbeiten erst aus den Zeitungen. Er erklärte sich bereit, seine früheren Bedenken gegen die Aufführung auszngeben, forderte hingegen ein ziemlich erhebliches Honorar, nämlich 100 Louisdor. In diesem Punkte kam, wie der Briefwechsel ergibt, Dingelstedt dem Tondichter nach Kräften entgegen, wenn er auch nicht seine Forderung ganz bewilligen konnte, und so ging denn am 12. August 1855 das Werk wirklich über die Bretter des Münchener Hostheaters. Schon am nächsten Tage meldete Dingelstedt voller Freude dem Meister:

Wenn ich über die Aufführung sage, daß Sie Selbst Freude daran gehabt hätten, so bedeutet das viel, sicher nicht zu viel.

In erster Linie hat Lachner und die Kapelle sich um das Weck ver­dient gemacht: niemals ist eines so fleißig studiert, so senckg an 4° gesühck worden. . . Die Ausstattung war, wie sie nur in Mün­chen sein kann Packs und Berlin kckneswegs ausgenommen, von Wien nicht zn reden, bck uns wicken alle Künstler imd alle Künste zusammen, anderwätts glänzt dm Schneidm aus Kosten des Zckch- nms odm dm Malm ringt mck dem Maschinisten. Ich Hobe nie etwas Aehnlichcs gesehen, wieJhren zwckten Aufzug gestern abend.""

Natürlich hotte Wagner an dem Münchener Erfolge auch seine Freude. .Herrn Lachner (so antwortete er am 16. August) werde ich jedenfalls morgen antworten, um ihm zu danten. In der Tat ist es für mich zum Verwundern, wie schnell in Rkünchen ein Umschlag zn meinen Gunsten statt-

und dem bei ihm beschäftigten, nicht dekretlich angestellten Bühnen- versonal abziitvendcn, wird Ihnen eine Vorlage über die Gewäh­rung eines staatlichen Zuschusses zur Tccknng des für die Spiel­zeit 1914/15 zu erwartenden Fehlbetrags zugehen.

Wie der «taat, müssen auch die Gemeinden und Gemeindever- bändc wirtschastlich und finanziell jederzckt imstande sein, den mannigfachen Ansgaben zu genügen, die in außergewöhnlichem Maße an sie herantteten. Es wird Ihnen oorgeschlagcn werden, den genannten Körverschasten hierbei die sich als nöttg erweisende und anders nicht zu ermöglichende Hilfe durch staatliche Darlehen zu lcksten und die hierzu nötigen Mittel bercktzu stellen.

Zum Schluß eikllcdige ich mich eines Allerhöchsten Auftrages: Sckne Königliche Hoheit dm Großherzog haben mich beauftragt. Ihnen Sckne Grüße zu übermitteln, und der Zuversicht Ausdruck zu geben, daß die von Ihnen zu beschließenden Maßnahmen dazu bcktragen werden, die wirtschaftlichen Kräfte des Landes zu er- halten, bis unser unverrückbares Ziel erreicht, der uns dauernd sichmndc Fckede mkämpst ist.

Im Namen und auf Befehl Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs mklärc ich den 36. Landtag des Großhcrzogttims Hcksen für «öffnet.

Vereidigung neuer Mitglieder.

, Dm Staatsminister fuhr dann fort: Nach Ackikcl 88 dm Ver­fassung habe ich nunmehr die neu ckngetretenen Mitglieder dm Ersten Kammer auf di<^ Vcrsassung zu vereidigen. Es sind dies die Herren Graf von Schlitz gen. oon Görtz und Prälat Enlm, die ich bitte, den Eid zu leisten. (Geschieht.)

Präsident Fürst Karl zu Solms-Hohensolms-Lich brachte hier­aus ein drcksaches Hoch aus den Grobherzog aus, das bei der fest­lichen Vmsamoilung begeisterten Widerhall fand.

Ein Huldignngstelegramm an den Landesherrn.

Fürst Karl zu Solms-Hohensolms-Lich vmlas darauf folgendes Telegramm, dessen Absendnng an den Grobherzog im Felde ein­stimmig beschlosfen wurde. (Bravo!)

Die zur Eröffnung des XXXVI. Landtags versammelten bei­den Kammern der Stände sagen Ew. Königlichen Hoheit für die durch Se. Exzellenz den Herrn Staatsminister übermittelten aller­gnädigsten Grüße ehrerbiettgsten Tank. In dem gewaltigen Rin­gen um Dcnffchlands Ehre und Dasein kämpfen auch wir Hessen im Felde und in der Hckmat einmütig und mit mutiger Entschlossen­heit. Tie Bettret« des Landes sind freudig bereit, die unvermeid­baren Schäden des Kckeges nach Kräften zu lindern und die wirt- schastliche Kraft des Landes durchzuhalten zu neuer Entfaltung nach Erkämpfung cknes ruhmvollen dauernden Fckedens."

Im Anschluß an die mit Beifall aufgenommenc Rede nahm* der Staatsminister noch die Eidesleistung der beiden neu in dia Erste Kammer eingetretencn Mitglieder, Graf v. Görtz, gen. v. Schlitz, und des Prälaten Euler-Mainz vor. Dm einfache Fest- akt schloß alsdann mit cknem von allen Anwesenden ausgebrachte»« drcksachen Hoch auf den Großherzog.

Die Zweite Sammet hielt ihre erste Sitzung nach Eröffnung des Landtags um 1 Uhr ab. nachdem die Mitglied« dm Ersten Kamm« den Sitzungssaal wieder »«lassen hatten.

Präsident Köhler eröffnctc die Sitzung mit folgend« An­sprache:

Hochverehrte Herren Kollegen! Als wir Anfang IM him das letzte Mal tagten und auscknandmgingen, wünschte ich Ihnen ckue Zckt des Ansrnhens nach den anstrengenden Tagen, die hinter «iS lagen. Wir standen am Anfang des Sommms. Es sollte anders kommen, als wir damals denken und ahnen kvmtten. Ein furcht­bares Kckegsgewfttm zog üb« die deutschen Lande dahin. Das ländmgicckge Rußland, das reoanchetrunkene Frankrckch vmbün- deten sich mit dein scheinheiligen England (Bravo!) zu dem Zweck, Deutschland von dm Welt auszutilgen. Wir fühlten es Me und wir fühlen es heute: bck dickem Kampfe, dm gegen uns geführt wird, handelt es sich um einen Kamps gegen deutsche Kultur, um cknen Kamvf gegen den deutschen Gmst, gegen die deuffche Ehre, ja gegen Deutschlands Dasckn. (Zusttnimnng.) Und weil wir das wissen, deshalb ist in uns ckne neue Kraft entstanden und geweckt worden, an die wir selbst nicht oiehr dachten. Denn bebend vor Ent­rüstung und Zorn zog das deutsche Volk, wie es durch diese!Gc- walttat scknm Feinde aus glücklicher Ärbckt gestört war, das Schwmt, und ckn Volksheer im wahren Sinne des Wockes erstand aus allen Volksgenossen, die hinaüszogcn, um mft gckmmigm

gefunden hat, ich muß entschuldigen Sie! fast darüber lachen" Daß dann Dingelstedt seine plötzliche Gnttassnng aus dem Amte im Fahre 1857 selbst mit dem Kampfe um Wtrgncrs Tannhäuscr in Verbindung gebracht hat, ist bekannt.

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Schlachten auf der Sühne.

Dem kckegmischen Gckst dm Zckt haben auch drc Theater Rechnung getragen und bckngen allmlck Kckegsstückr, in denen natüttich die Schlacht ihre Rolle spielt. Wie sich die Künstlm zu allen Seiten die Gestalt des waffenklrmenden Schlachtengottes nicht entgehen ließen, so haben anll) die Tramättkm sckt her wundmoollen Tackdcllung dm Schlacht bei Salamis in denPm- scrn" des Ackchtzlos den Kckeg immer wieder aus die Kühne gebracht. Frellich eiltet realistischen Wiedergabe eines Kanrpf- seldes und eines Massenckngens stellten sich aus dem engen Raum dmBrcktm, die die Welt bedeuten", nnübmwindliche Schwimig- kecken gegenübm, mtb so mußte sich dm Dicht« zn licksen wissen. Schon Homer hat die sogenannte Tckchoskovie erfunden, die Erzählung und Ansmatnng dm Schlachtvorgänge durch nnbe- tckligte Zuschaum, die von fern her, so von den Mauern Trojas, den Kämpfen Wsckmuen. Tm anttke Drantatikcr übernahm dieses lösch: Mttel und flocht lange Schlachtenschlldernngcn in seine Hanotung eftl, die durch Boten beckchtet^ wurden. Auch modmiie Dicht« haben dos Gleiche getan, so Schiller imWallen- stckn": vielfach wird dir Schlacht dem Gefühl des- Zuschauers noch näh« gerückt, indem ein Posten, ans «höht« Watte Aus­guck haltend, in die Kulisse lnnckn nach der Walstatt späht und den Menschen ans dm Bühne oon dem bmichtck, was m sieht. So ist es z. B. in Schill«s .»Jungfrau von Orleans" dm Fall. Dm junge Shakespeare erft, ber in seinen von Trompeten- ackchmettet und Schwettmgeklirr erfüllten Kmrigsdramen eine so stacke Vorliebe für die Schlacht answeist, brachte den Kamvi selbst ans die Szene, und « durfte dies kühne Wagnis nnt«- nehmen bck dm prinrftiven Ausstattung seines Theaters, die d« Phantasie den wcktckten Spielramn ließ und die enge Bühne mit ganzen Städten und Wäldern bevölkerte. Wie eine Tasct mit Inschckft eine Straße dackwllte odm ein Haus, so konnte man auch die riesigen Dimensionen eines Schlachffcldes imbe- k üm i nrrt durch allmlck Plakate andcuten. Wohl kannte Shake­speare die UnzuIänAlichkckt sein« Mittel.Ticke Hahncgrube, Faßt sie die Ebenen Fraiikrckchs?" fragt er lin Prolog zn Hcknckch V."Stopft man wohl In dieses O von Holz die Helme mir. Wovor bck Agineouck die Luft geliebt? O, so v«. zckht, well ja ftn engen Raum Ein knimmer Zug für Millionen zeugt." Gewölmluü wurde die ScklackN aus der elisabethanischen Bühne durch Trommelwirbel und Tromvetensaniaren angczeizt; dann schlugen ckn paar bewafftiete Mönm'r auseinander etit.

Tic Dicht« lösen die Scküackn in eiiizcknc Episode» aus. in denen entweder imin« nur eine d« bckdcn Pattckcn aus der