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Unerhörtes Verhalten des belgischen Gesandten in Kopenhagen.

Köln, 9. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) TieKölnische Zei­tung" meldet aus Berlin vom 9, Dezember: Nach Meldungen auö Kopenhagen bringt das dortige MittagsblattAitenblad" cinJnter- view mit dem belgischen Gesandten in Kopenhagen, Allard. Ter Gesandte muhte bekanntlich die Geschichte von der Verstümmelung eines kleinen Mädchens durch deutsche Truppen selbst für unwahr erklären. Diese Feststellung ist bereits durch die Presse gegangen. Ter Gesandte sügte aber nach der Mitteilung desAstenblads" ihinzu, er könnte belgische Kinder nennen, die während des Krieges verstümmelt worden seien, und auch den Ort angebcn, wo kleinen Mädchen die Hände abgehauen seien für kein geringeres Vergehen alS das Schwenken der belgischen Flagge. Er wisse den Namen einer ganzen Familie, Vater, Mutter und vier Kinder, die sämt­lich von den Deutschen ermordet worden seien. Das jüngste Kind, ein Mädchen von 9*/» Jahren, habe er als Leiche gesunden und sah, daß der Vater im TodeSkampse sich über das Kind gctvälzt habe, um es mit seinem Körper zu schützen.

Der Herr Gesandte des Königs Albert bei dem neutralen Täneniark ivird hierdurch aufgciordcrt, möglichst bald in grcisbarer Form Angaben zu machen, die er über angebliche deutsche Greuel zu besitzen vorgibt. Geschieht das nicht, so würden wir zu der Annahme gezwungen sein, das; der Gesandte sich einer gewissenlosen Ver­leumdung schuldig gemacht habe.

Der Verbrauch von Stacheldraht in England.

L o n d o », 9. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Ans New ?)ork wird gemeldet: Während der letzten Wochen sind unge­heure Mengen Stacheldraht verkauft worden. 'Es besteht solche Nachfrage, daß nicht nur alle bereits bestehenden Fabriken mit Polldamps arbeiten, sondern neue Fabriken zur Herstellung des Artikels eingerichtet werden.

Vom Bnrenkriege.

Berlin. 9. Dez. DieB. Z." meldet aus Amsterdam: Der Führer oeS Aufstandes im westlichen Transvaal, Gene­ral Beyers, ist, wie es heißt, tätlich verwundet worden. Er war vor der jetzigen Burenerhebung Oberbe­fehlshaber der südasrikanischen Bürgerwehr.

Lyndon, 9. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Reutermcldung ans Pretoria sind aus dem Streifzug Bothas bei Rcitz insgesamt etwa 8 20 Bnre n gefangen genommen worden. (Ob Reuter die Wahrheit sagt? Red.)

Die Iren in den Bereinigten Staaten gegen England.

London, 9, Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Wie dieTailv Mail" meldet, veranstaltet der irische Arbeiterführer James Larki in den Bereinigten Staaten eine Pro­paganda gegen England. In einem Lotale Phila­delphias hielt er eine Rede, in welcher er die Irländer auf­forderte, Geld, Waffen und Munition nach Irland zu senden für den glorreichen Tag der Abrechnung mit England. Warum sollte Irland, jagte er, in diesem Krieg für Groß­britannien lämpfen? Was hat Großbritannien jemals für unser Volt getan? Wir werden fiir die Zerstörung des briti scheu Reiches und die Aufrichtung einer irischen Republik kämpfen, aber nicht für die Erhaltung des Feindes, der 700 Jahre lang die Gefilde Irlands mit Verwüstung über­lzog. Wir werden kämpfen, um Irland von der Umklamme­rung durch jene faule Ruine, genannt England, zu befreien. Bei diesen Worten brach das Publikum in stürmischen Beifall aus. Als der Vorhang ausginq, standen sich ans der Bühne mit den Massen in der Hand eine Kompagnie irischer Freiwilliger und eine Abteilung deutscher Ulanen gegenüber. Tie Kommandanten der ?lbtcilungcn kreuzten die Schwerter und schüttelten sich die Hände, während über ihnen deutsche und irische Fahnen entrollt würden und das Publikum die Wacht mit Rhein und God save Jreland sang.

Aus Amerika.

Washington, 9. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Präsi­dent Wilson erklärte sich gegen eine Untersuchung derFragen der nationalen Verteidigung durch den Kongreß, da es unklug wäre und einen ungünstigen inter­nationalen Eindruck wachen könnte,

L o n d o n, 9. Dez, (WTB. Nichtamtlich.) Aus Washing­ton wird unterm 7.Dezember gemeldet: Der Kongreß ist beute zusammengctretc». Morgen findet eine gemeinsame Sitzung statt, in der die Botschaft des Präsidenten verlesen wird. Der Staatssekretär Mc Adoc wird an Ausgaben 7598 Millionen Pfund fordern. Der Voranschlag ist über 6 Millionen niedriger als im letzten Jahre. Das Marine- departcment fordert 29 Millionen und die Heeresverwaltung 20 Millionen. Das Flottenprogramm sicht den Bau zweier Schlachtschiffe, eines Oelschisses, sechs Zerstörer, eines Ka­nonenbootes und etwa acht Unterseebooten vor. Der Senat nahm eine Entschließung an, in der der Sekretär des Haw- dclsdcpartcments aufgefordert wird, über die Menge der nach Canada und an die kriegführenden Mächte in Europa zur Versendung gelangenden Waffen und Munition zu berichten. Brhan kündigte an, daß sich die Forc River Scksiffsbaugeselk- fchaft den Wünschen des Präsidenten Wilson unterwerfe und keine Unterseeboote für die Kriegführenden in Europa bauen wolle.

Ei»offenherziger" Meinungsanstausch zwischen Japan und Ehina.

Tokio, 9.Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der Minister des Acußern Cato sagte im Abgeordnetcnhause, daß die Beziehungen zwischen den Verbündeten und den Neutralen in allen wichtigen Fragen befriedigend seien. Ein offenher­ziger Meinungsaustausch habe zwischen Japan »und China wegen Kiautschaus stattgefunden. Die chine­sische Regierung habe die Lage völlig begriffen. Cato dankte »den Unionstaaten für ihre Bemühungen um die Freilassung »der in Deutschland gefangen gehaltenen Japaner.

* * *

Eine Stimme aus der deutschen Schweiz.

Wien, 9. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) DieReichspost" er­hält von einem Schweizer Publizisten eine Zuschrift, in der es heißt: Wenn in der deutschen Schweiz die Herzen auch bei Deutsch­land und Oesterreicki-Ungarn sind, so bestreben wir uns doch, neutral zu sein. Leider ist es bei unseren welschen, das heißt unseren französisch sprechenden 'Landsleuten in der Westschweiz nicht so. Ihre Presse ist viel zu sehr von der französischen abhängig. So kommen sie auch zu harten, ungerechten Urteilen über Oesterreich. Sie sind hauptsächlich erbost über die Verletzung der belgischen Neutralüät und deklamieren gegen den deutschen Militarismus, als ob nicht die deutsche Woffentüchtigkeit und die heldenmütige österreichische Tapferkeit aller Volksstämme auch für uns einen Damm bilden loürde gegen die östliche Barbarei. Aber glaubt es uns, Oesterreicher, wir Schweizer gedenken Eurer Tapferkeit und unermeßlichen Opfer. Wir ziehen ehrfurchtsvoll den Hut vor Eueren Taten. Wir Republikaner beten für Eueren alten Kaiser, der alles getan hat, um das Unglück zu vermelden. Seid ver­sichert, Oesterreicher, daß es auch bei uns Männer und Jüng­linge gäbt, die lieber mit Eueren Tirolern und Steierern zum Sturme vorgingen, im Wetteifer, wer Besseres zu leisten imstande wäre. Ja wahrhaftig, wie die Deutschen, habt Ihr nächst Gott keine als die eigene Kraft. Go« erhalle Franz den .Kaiser, segne Euere »-'Laff-N ,md gebe Eueren Kämpfern Zuversicht und Todesmut wie

bisher. Er sei mii den Verwundeten, den Gefangenen und den Ver­waisten.

Das Zusammenhalten der Deutschen im Auslande.

Berlin, 9. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Wie die kaiser­lich deutsche Gesandtschaft in Lima mitteilt, hat sich gleich nach Ausbruch des Krieges in Peru ein Hauptausschuß der Roteu-Krcuz-Hilfe gebildet, der durch die Vermittlung der deutschen Uebersecischeu Bank dem Zentralkomitee des Roten Kreuzes 20000 Mark übersandte. Da innerhalb der Kolonie, die eine so anerkennenswerte Opserwilligkeit zum Ausdruck bringt, monatliche Sammlungen veranstaltet werden, wobei die deutschen Frauen eine besonders rege Tätigkeit entfalten, so besteht nach dem Bericht des Konsulaten die Ansicht, daß bald weitere Spenden folgen werden. Dieses treue Zu­sammenhalten aller Deutschen im Auslande macht uns zu­kunftsfroh und stolz.

Eine Antwort des türkischen Kammerpräsidenten.

Berlin, 9. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Auf die von dem Präsidenten des Reichstags Dr. Sittern p f an den Präsidenten der oLmanischen Kammer ge­sandte Sympathiedepesche ist folgende Antwort eingegangen:

Ich habe mit stolzer Genugtuung die Depesche empfangen, die Eiv. Hoch wohlgeboren mir gesandt haben, um die Gruse des helden­mütigen deutschen Volkes zu überniitteln, das die Welt durch seine vaterländische Gesimumg »und seine bewunderungswürdige Tapfer­keit in Erstaunen gesetzt hat. Im vollen Bewußtsein der Gefahr, die ihrer Existenz schon durch die Möglichkeit uneingeschränkter Entfaltung einer tlirannischen Herrschaft der Russen und ihrer Verbündeten drohen würde, hat die Türkei nicht gezögert, ihr Geschick mit dem des glorreichen deutschen Reiches zu verbinden/ Ew. Hochwohlgeboren kann ich schon jetzt der ungeteilten Znstim- mlmg der osmanischen Deputierlenkammer zu dem vom Reichstag bekundeten Gelöbnis versichern, in diesem Kriege durchzuhalten, bis ein dauernder Friede für uns und die kommenden Generationen erlangt ist, in der Zuversicht, daß unsere Streitkräfte zu Lande und zu Wasser siegreich aus diesem Heldentämpse hervorgehen werden. Ew. Hochwohlgeboren danke ich namens der osmanischen Deputierten, denen ich! den Inhalt Ihrer Depesche bei der nächsten Eröffnung unserer Kammer mit Vergnügen übeimitteln werde. Der Präsident der Kammer der DepiNierten: Habil.

Die Finanzlage Italiens,

Rom, 9. Dez. (Kammer.) (WTB.) In der Beratung des F i n a n z g e s e tz c s erläuterte Schatzminister Carcano vor der Kammer die Finanzpläne. »Ter Finanzplan für 1913/14 weist ein Aktivsaldo von 19 Millionen aus. -Bezüglich! des Budgets 1914/15 hob der Minister hervor, daß der Weltkrieg eine »Ver­mehrung der Ausgaben nötig mache, während die Einnahmen Verminderungen aufzuweisen hätten. Die Vermehrungen der Aus­gaben beträfen säst völlig die militärisäien Ministerien, denen ein Knifft von ungefähr einer Milliarde durch» finanzielle Maßb nahmen gewährt lourde, Maßnahmen, die teils erst kürzlich an- genomlnen worden, teils in deni zur Besprechung stehenden Ge­setzentwurf über die Bewüligung »weiterer sechs Budgetzwölftel an die Regierung enthalten seien, Tie Vermehrung der Ein­nahmen werde voraussichtlich ungefähr 100 Millionen betragen/ Der Minister bat um die Ermächtigung, gegebenenfalls den Kredit in Anspruch zu nehmon^

Ter »SchatzMiinister erklärte werter, das Budget für 1915/16 zeige ein Aktivsaldo von ungefähr 46 Millionen; er glaube, daß, man ein solches Gleichgewicht durch Ersparnisse und Ver- einsachungen in der Verwaltung sicherstellen könnte. Es seien Kredite in Höhe von 222 Millionen für öffentliche Arbeiten ge­währt, um' für die zirrückgckehrten Auswanderer und öd« Arbeits­losen sorgen zu können. Ter Minister wies auch aus die ausge­zeichnete Lage der Depositenkassen und Sparkassen hin; die Ein­lagen bei der Post und sonstigen Sparkassen nahmen in ersieulicher Weise zu. Der Minister wies weiter darauf hin, daß die Tätigkeit und das Vertrauen wiederkehren und das nationale Wirtschaftsleben in fühlbarer Weise sich zu bessern beginne, wozu auch die Regierung durch eine Reihe von Maßnahmen mitgewirkl habe. Der Minister wies außerdem auf die gute Lage und die nützliche Arbeü der Emissionsinstitute hin und schloß: Unsere an Beispielen patrio­tischen Opfermutes so reiche Geschichte läßt guten Grund zu der Hoffnung, baß es auch in dieser Stunde an opferwilligem Zu­sammenarbeiten aller Mitbürger nicht schien wird. Infolgedessen sind wir mehr als je des festen Glaubens, daß alle in brüderlicher Einigkeit dazu beitragen werden, der Regierung Mittel zu geben, damit sie ihre überaus großen Pflichten gegen das Vaterland er­füllen kann.

Die Rede des Ministers wurde mit lebhaftem Beifall ausge­nommen und der Minister von seinen Kollegen und den Abgeord­neten lebhaft beglückwünscht.

Aus dem Reiche.

Stuttgart, 9. Dez. Der König und die Königin haben dem Staatsanzeiger zufolge dem RotenKrenzIO 000 Mk. und 4000 Mark als Beisteuer zu den in den württembergischen Lazaretten geplanten Weihnachtsfeiern überweisen lassen.

An» Stadt und Land.

Gießen, 10. Dezember 1914. Auf dem Felde der Ehre gefallen.

(Aus Hessen und den Nachbargebieten.)

Vizeseldwebel Jakob Bernhardt, Rel.-Jns.-Rgt, 83, aus Naunheim. Res. Wilh. Rain, Jns.-Rgt. 118, aus Albshamen. Oisiz.-Stellv. und Postassistent Wilh. N e n r o t h, Jns.-Rgt. 118, aus Groß-Bieberau. Res. Adani Baltz, Jnl.-Rgt. 118, aus Herchenrod«. Landwehrmaun Adam Keil IV., Jns.-Rgt. 118, aus Affolderbach. OIfiz.-Slel>v. und Kreisgeometer Heinrich Weber, Jns.-Rgt. 136, aus Butzbach. Landwehrmann Karl Bachmann, Jns.-Rgt. 116, ans Villingen. Landwehrmaun Johs. Göbel aus Psordt. Oberl. d. R. Karl Hummel Edler von Hasjenfels, K. K. östr. Landw.-Jns.-Rgt. 6, Direktor der Filiale der Plälzischen Bank in Wornis. Kriegs- ireiw. Georg Eugen Alx, Jns.-Rgt. 188, aus Offenbach a. M. Schulverwaller Karl Schäl aus Darmstadt. Res. Karl Zell, Pionier»Bat. 25, aus Ehriugshausen. Res. Heinr. Fis cher, Res.-Jns.-Rgt. 116, aus Friedberg.

** Ritter des Eisernen Kreuzes: Salnitäts- feldtvebel Friedrich Baiser, 9. Feldlazarett 18. Armee­korps aus Gießen (Sohn des Saaritätskolormenführers Balser). Land. med. Fritz C l o tz, Sanitätsnirterosfiz-ier im Jns.-Regt. 239 aus Wölfersheim bei Friedberg. Tam­bourgefreiter Otto aus Wetzlar, Inf,-fliegt, 116. Gefreiter Milan Rosenthal aus Wetzlar. Usfz. Spenglermeister Friedrich Rum bolz aus Wetzlar. Usfz. Kreisbanamts­techniker Gg. Steinb ach aus Wetzlar. Usfz. Fritz User aus Garbenheim. Assistenzarzt Dr. Flecken stein, Jns.- Regt. 168. Bergassessor Kurt Fell er ans Weilbnvg, Lentn, d. R. im Fußart.-Reqt.9. Wilhelm Feller ans Weikbnrg, Lenin, d. R. im Futzart.-Regt.3. Feldtv-ebel pan Eick ans Diez, Res.-Jnf.-Regt. 89. Gerichtsreferendar Max Sauer­dorn ans Montabaur, Lentn. im Res.-Fußart-Regt. 8. Gefr. d. Landlv. Karl Heller aus Herborn und Gefr. Ferd. Meckel aus Burg, Res.-Jnf.-Megt.81.

** Der unausgebildete Landsturm II. Auf­gebots ist durch Kaiserliche Verordnung vom 27. Novem­ber aufgerufen worden. Der Ausruf bezweckt einstweilen nur die Eintragung in die Landsturmrolke. Die Ersatzkommission des Kreises Gießen macht in der vor­

liegenden Nummer die Bestimmungen betr die Meidling, zur Landsturmrolle bekannt.

** Ausstellung von Zeugnissen zumZwecke der Heereslieferungen. Bekanntlich hatte der pren- sische Kriegsminister jüngst angeordnct, daß Angebote auf Lieferungen für den Hceresbedarf von solchen Bewerbern, die der Heeresverwaltung aus bisherigen Gcschästsverbin-I düngen noch nicht bekannt sind, nur dann berücksichligt wer­den, wenn ein Zeugnis der zuständigen Handels­oder Handwerkskammer darüber vorliegt, daß der Anbieter zuverlässig und leistungsfähig ist und dem Ge­schäftszweige angehört, aus dem er die Ware anbietet. Die nun bei der Ausstellung solcher Zeugnisse hcrvorgetrctencn, Schwierigkeiten haben ans Anregung der Handelskammer Berlin das Kriegsministerium veranlaßt, die Ausführung seiner Verfügung nach d er Richtung anzuordnen, daß die schriftlich einznreichenden Angebote aus bestimmte Waren und an bestimmte Adressen zu lauten haben, an die zuständige Handels- oder Handwerkskammer zu senden und von dieser nebst dem von ihr ausgestellten Zeugnis an diejenigen Mili­tärbehörden weiterznleiten sind, bei welchen der Anbieter an- zubiclen wünscht.

** Tuck and Sons. Die Ansichtskarten-Firma Tuck and Sons, London und Berlin, die übrigens deutscher Her- tiinft ist, deren Inhaber sich aber Sir Adolph- bezw. Gustave nennen, ist so geschäftstüchtig-, oaß sie in Deutschland Bil­der von Kaiser und Kronprinz und ähnliche patriotische Ar° titel, im Anslande -aber de nt sch,- fe in »dl i che Kriegs- bilder vertreibt. Die Nntzanwendung aus dieser Tatsache zu ziehen, muß unseren Lesern üderlassen sein.

" Wie wir diesmal Weihnachten s e i e r n sollen, das ist, so schreibt uns ein Leser, in dieser großen Kriegszeit eine Frage, die auch die Beivohner unserer Dörser rege bcschästigt. Ernst »nd geniesten, würdig und hehr!" hieße die einsache Ant» wort. Tamil ist die Hauptfrage aber nnbeantwortel geblieben: Machen wir einen C h r i s! b a u in? Ich habe mir die Mühe genommen und über ein Dutzend Kinder beiraqt, die alle im vorigen Jahre einen Cbristbanm hatten:Macht ihr in diesem Jahre einen Christbaum?' .Nein!' war in allen Fällen die Antwort.Und warum nicht?"Ei, weil es Krieg ist!^ Run, das Chrislbaumschmücken ist eine Gemütssache, aber eine deutsche. Wir billigen den Ernst in den Familien, daraus der Krieg bereits seine Ocher gesordert. Aber sollen denn alle unsere Landkinder den Chrislbanm entbehren, weil es Krieg ist? Die Kinder können ja doch nicht den Ernst des Weltkrieges ermessen. Unseren tapseren Helden draußen im Felde soll ja auch der Weth- nachtsbamn brennen, ebenso den Verwundeten und Kranken in den Lazaretten. Da dürfen unsere Kleinen nicht leer ausgehen. Aus dem Lande ist das Ehristbanmschmücken so keine allgemeine Sache wie i» den Städten. Bleiben die ohnehin schon wenigen Bäumchen ans, dann sehtt der Christbanm diesmal ganz zu Weihnachten aus dem Lande. Und die Christbäume in den Kirchen? Sollen di« auch unterbleiben? Damit stellen wir eine Frage, die hoffentlich ihre gerechte Beantwortung findet.

** Lichtbilder-Bortr»a.g. Nochmals sei ans den heute abend 8 Uhr in oer neuen Llula »der Universität statt- findenden Lichtbild ervor tr ag , dessen Reinertrag va­terländischen Zwecken dient, hingewiesen.

** Die Kriegerkameradschaft Gießen sandte laut Beschluß des Vorstandes an die von hier im Felde -stehenden Truppen 2500 Zigarren.

** Die Bezirkssparkasse Gießen gibt rm An­zeigenteil bekannt, daß auch in diesem Jahre eine Prä­miierung» von »D i e n st b o t e n des Sparkassenbezirks beabsichtigt ist.

** Postscheckverkehr. Vom 15. Dezember ab werden die deutschen Postscheckämter den Ueberwcisungsverkehr mit den schweizerischen Postscheckbureaus wieder ansnehmen. Die Kontoinhaber erhalten dadurch auch während des Krieges die Möglichkeit, in gleicher Weise, wie cs im Verkehr mit Oesterreich, Ungarn und Luxemburg der Fall ist, bargeldlose Zahlungen nach der Schweiz in Austrag zu geben und von da zu empfangen-

Kreis Schotten.

X Rebgeshain, 8. Dez. In der Hofreite eines hiesigen Motorsägebesitzers brach in den heutigen Morgenstunden ans noch nnausgetiärtc Weise Feuer aus. Obwohl die hiesige und auch Feuerwehren aus den Nachbarorten alsbald an der Brandstätte waren, fiel die Hosreite in Asche. In den Nachbarwaidunqcn von Köddingen wird zurzeit Holz geschlagen, das zum Er­bauen von Baracken sür Gefangene verwendet werden fall.

Starkenburg und Rheinhrssen.

ft- Mainz, 9. Dez. In der heutigen Sitzung der Stadt­verordneten widmete der Oberbürgermeister dem verstorbenen Ehrenbürger Landgerichtsdirektor Dr. Bockenheimer einen warmen Nachruf. Die Stadtverordneten erhoben sich zunr Ange­denken an den Verstorbenen von ihren Plätzen. Auf bcml Tische des Hauses lag als einziger Ueberrest des stolzen Kreuzers Mainz" ein Rettnngsgürtel des Schiffes, der auf der Insel Bor­kum angetrieben und ausgesischt imirde. Der Rettungsgürtel zeigt mehrere Schnßstellen. Er wurde auf Wunsch des Oberbürgermeisters von dem Kommandanten der Insel der Stadt zur Verfügung ge­stellt und kommt ins städtische Museum. Denr Wiener Hilfs­komitee zur Unterstützung Reichsdeutscher lourde eine Beihilfe von 200 Mark bewilligt. Für die im Kriegsdienst stehenden Fahrbediensteten der Straßenbahn und städtischen Arbeiter wurde eine Weihnach-tsgabe von je 10 Mark, im ganzen 4000 Mark bewilligt.

Hessen-Nassau.

-w. Kirchhaiu, 9. Dez. Ter Vorstand des Frauen­vereins vomRoten Kreuz" hier gibt bekannt, daß die Truppen» verpstegung auf hiesiger Station eingestellt worden ist, und spricht allen gütigen Gebern seinen Dank aus. Sobald aber das Be­dürfnis sich wieder ergeben sollte, wird die Verpflegung in vollem Umfange wieder ausgenommen werden. In den eingerichteten Strickabenden wird eitrig gestrickt sür die Weihnachtspakete, welche zum Teil schon abgesandt sind. Auch die Krieger-, Gesang- und Turnvereine wetteisern in der Absendung von Liebesvnketen an ihre Mitglieder, welche im Felde stehen. Eine Trauer­nachricht traf wieder hier ein, welche Johann Sprenger und H. Hormel als geiallen meldete, ebenso ist der bisher als vermißt gehaltene Ehlers als gesallen gemeldet worden. Im ganzen sind bis jetzt von hier 12 Mann als gesallen und noch zwei als ver­mißt gemeldet. . _

h Frankfurt a. SD!., 9. Dez. An der Kreuzung der Fahr- gasse mit der Branbachstraße wurde der 11jährige Sohn des Heizers R e i b l i n g von einem Kraftwagen überfahren und gelötet. Ein überaus rasch iahrendcS Rote Kreuz-Automobil überrannte heute in der Schloßstraße einen siebenjährigen Schüler. Obwohl die Räder dem Jungen über Brust und Leib gingen und der Kleine sürchtcrlich schrie, passierte ihm, wie sosort im nahen ElisabethenkrankenhauS seslgestellt wurde, nicht das g e r i n g st e. Der Junge konnte sich allein nach Hanse begeben; nur der Schul­ranzen hatte etwas gelitten.

h Breitenbach, 9. Dez. Am Geburtstage seiner 90jährigen Mutter wurde der 68jährige Landwirt Johannes Stein, ein Rriegsveleran von 1870/71, von seinem durchgehenden Gespann überfahren und zu Tode geschleist.

b. B a d H o in b u r g v. d. H., 9. Dez. Die Stadtver­ordn c t c n v e r s a in ni l u n g genehinigic in gehcinier Sitzung einen Magistratsantrag ans Verstaatlichung des Kaiserin Friedrich-Gymnasiums. Der städtische Zuschuß beträgt jährlich 30 000 Mark; außerdem verpflichtet sich die Stadt, aus einem geeigneten Baugelände ein neues Gynmasialgebäubc zu er­richten. Tie mit dem Gymnasium bisher organisch verbundene Realschule bleibt als selbständige Lehranstalt weiter bestehen.