Ausgabe 
3.12.1914
 
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öonettet, sckjtver verwundene russiflhe Konsulat! ist jetzt de» Verletz»,^«n, die er durch russische Granaten erlitten hatte, erlegen. Die Russen gehen inr Kaukasus gegen die moham- inedMiischen Bewohner mit größter Strenge vor. Sie suchen Tausende in das Heer einzureihcn, um sie nach andere» .eeriegDschaichlatzen zu versclsickc». Während bisher zahlreiche niohammedanische Stämme feine Soldaten zu stellen brauch­ten, wurden jetzt allein aS dem Stainmc Kabartni .8006 .Mann unter die Waffen gezlvungen. Doch wissen alle Mo° hannncdaner nn Kaukasus, daß der Heilige Krieg prokla- iniert ist oder wenigstens, daß der Krieg mit der Türkei aus- gebrochen ist, und sind entschlossen, den Russen nach Kräften Widerstand zu leisten.

Die englische Gewaltherrschaft in Aeghpten.

Genf, 2 Die deutschen und österreichischen

Staatsangehörigen in Aegypten, deren es nach amt­licher Statistik 15 000 gibt, iverden dort von den englischen Behörden andauernd belästigt. Mle Männer Wischen 18 und 45 Jahren wurden nach, Malta gebracht. Die übrigen kamen in das Konzentratianslager von Mex. Die türki­schen Staatsangehörigen erfahren dieselbe Behandlung. 75 Türken sind bereits in der Zitadelle von Kairo untergebracht ivorden.

Bulgarischer Botschafterwcchsel.

So fi a, 2. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der bulgarische Gesandte in Konstantinovel, Tontschew, ist nach Wien versetzt worden. Die Konstantinopeler Gesandtschaft wird vor- läusig der frühere Gesandte in Cettinje, K u l u s ch a w, leiten.

Die Eisenbahnbrücke über den Wardar gesprengt.

Saloniki, 2. Dez. (WTB. Nichtamtlich.^Die Eisen­bahnbrücke über den Warda zwischen Strumitza mrd Dewirkapu ist von Banden gesprengt worden. Der Mttelpfeiler wurde zu zwei Drittel, der nördliche vollständig zerstört. Drei Brückenseldcr sind eingestürzt. Der >Berkchr zwischen Uesküb und Saloniki ist eingestellt. Die Wiederher­stellung der Brinke wird längere Zeit beanspruchen. Bei der Zerstörung soll ein blutiger Kampf Wischen Len Banden und serbffchem Militär stattgesunden lieben. Eisenbahn- tvagen mit Verwundeten passierten Saloniki auf dem Wege nach Monastir.

Siege der Senussi in Marokko.

Koustantinopcl, 2. Dez. (WDB. Nichtamtlich) Nach Mitteilungen aus amtlicher Quelle hat im südliche» Marokko in der Schauja bei Au, Galaka zwischen Se- nussis und französisclien Truppen unter dem Befehl des Ge­nerals Largou ein Gefecht staltgefunden. Der Führer der Schaujas, Scheich Abdullah, fand hierbei zwar den Tod, doch wurden die Franzosen in die Flucht geschlagen. Die Se­nussi trugen auch in den Gegenden von Kamnem imb, Wadai glänzende Siege davon.

Der Bnrenkrieg in englischer Beleuchtung.

London, 2.Dez. (WTB. Nichtamtl.) Das Reutersche Bureau meldet aus Prätoria unter dem 30. November: Gestern kam es bei der Farm Quartsonlein nächst Edenville zu einem Gefecht zwischen Oberst Manis Botha und einer Burenabteilung von 120 Mpnn unter Piek Henning. Drei Buren wurden getötet, 73 gefangen genommen, der Rest floh. Kommandant O e n i ck e r hatte gestern ein Gefecht mit einer Burenabteilung unter Gcheon van Buren in der Nachi- Barschaft von Bothaville. Ban Buren und zwölf andere Buren, darunter ein Schwerverwuudeler, nmrden gefangen, die übrigen flohen und wurden verfolgt. In Bothaville er­gaben sich zahlreiche Buren.

Besetzung der Insel Neupommern durch «»stralische Truppen.

London, 2. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Hier ein­getroffene australische Blätter bringen Einzelheiten über die Besetzung der Insel Neupommern durch austra­lische Streitkräfte. Am 1. September erreichte das australische Geschwader die .Herbertshvhe und landete 25 Mann, um von der ungefähr vier Meilen landeinwärts gelegenen drahtlosen Station Besitz zu ergreifen. Die Gelandeten stteßen auf un­erwartete »Wider st and seitens der Deutschen und bewaffneten Eingeborenen, die unter den Kokosnußpalmen verborgen waren. Ein australischer Offizier und ein Unteroffizier wurden getötet. Später wurden weitere 150 Mann gelandet, dir unter dem Widerstand der Eingebo­renen bis auf 100 Yards an die Station heran gelangten, wo sie 6 Deutsche und 40 Eingeborene verschanzt fanden. Hier wurde ein australischer Offizier getötet und einer verwundet. Nm späten Nachmtttag übergaben die Verteidiger die Sta­tion. Während der Schanzgraben nach Waffen durchsucht wurde, brach ein neues Gefecht aus, das jedoch die Eroberung der Station nicht verhindern konnte. Inzwischen besetzte die Infanteriekolonne widerstandslos den Ort Herbcrtshöhc. Ebenso wurde Rabaul ohne Kamps eingenommen. Zwei Tage später wurde die Insel für eine britische Besitzung erklärt. Inzwischen verschanzten sich größere Streitkräfte von Deut­schen und bewaffneten Eingeborenen in dem von der Küste 68 Mellen entfernten Gebirgsdistrikt Tomo. Nach einer Beschießung durch die Schifssgeschütze erreichten die austra­lischen Truppen unbehindert Tomo.

Die englischen Schiffsverluste.

London, 2. Dez. (MB. Nichtamtlich.) Der Fiotteu- korrespondent derTimes" schreibt: In den ersten vier Mo­naten des Krieges vernichteten deutsche Untersee­boote sieben brttische Kriegsschiffe und vier Handelsschiffe, ferner durch Kanonenschüsse drei brittfche Kriegsschiffe und 50 Handelsschiffe.

Deutscher Reichstag.

(WTB.) Berlin. 2.Dez. (Nichtamtlich.) DrrReichs- tag nahm nach der mit überaus stürmischem Beifall auf- genommenen Rede des Reichskanzlers die angeforderten fünf Mlliartzen der neuen Kriegskredite gegen dir einzige Stimme des sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. Liebknecht an.

3.>i tzu n g. Nachmittags 4 Uhr.

Am Dnndesratßtiscke: Reichskanzler Dr. von Betbnamn Holl- loeg, Dr. Delbrück, von Jagow. Großadmiral von Tttpitz, Goar HertLng, Kvaetke, Dr. Säst, Dr. Svdow, von Wendel, Beseler, von Loebell, Hadeufiuin und eine Fülle von BerwNmächttgtrn zum Buudesrnt itttb Kommissarttn,

Das Hans ist vollständig besetzt. Sämtliche Zichörertribünen -sind schon vor Begri« der Sitzung überfiillt. 'Der Platz des Abg. TriMborn (Ztr.), der heute sein 60. Lebensjahr vollendet, ist mit einem Rosenstrauß gesckmnuü. A uf dem Platze des im Tttld« gefallenen Abg. De. Frank lttgt ein Lorbeerkrauz.

Präsident- Dr. Kämpf eröffnet die Sitzung -um 4 Uhr ,1.5 iMn. mit folgender Ansprache^ Meine Herren! Nach vier- '-nonatLcher Vertagung ,heiße ich Sie alle zu treuer Arbeit in ottsem Hanse wllllommen, Dieicnigen aber unter uns, die in das Best» haben chhe» können und die aus dgm Felde hev-

beigeeklt sind, iwn an den Ivichtigru Arbeiten des Reichstags teilzunehmen, begrüße ich auf das allerherzltthste, (Lebhafte Zu­stimmung.)

Seitdem wir am 4. August unter dem gewalttgen Eindruct der auf uns einstürmendcn Ereignisse uns getrennt frobcn, sind wichtige welthistorische Ereignisse euigetreten, vor allem aber hat sich, gezeigt, daß alle Gedanken des deutschen Volkes aus diesen! gewattigcn Krieg gerichtet sind in dem Vertrauen, daß die Einig­keit des deutschen Volkes alle Hindernisse überwinden werde, in denr Bewußtsein des Sieges, das getragen wird von der Stärke der militärischen Macht Deutschlands zu Wasser und zu Lande, und von den, Bcwufüseiil der wirtschastliä>cn Stärke deS deut­schen Vaterlandes. (Erneuter lebhafter Beifall.)

Alle wehrfähigen Männer sind ins Feld gezogen oder erwarten ungeduldig den Mgenblick, der sie zu den Fahnen ruft. (Bravo!) lieber eine Million Kriegsfreiwillige hab-en sich zii den Fahnen gemeldet imd nur ein kleiner Teil von ihnen hat jetzt eingeroihk werden können. ?lus unserer Mitte sind 65 Abgeordnete und 27 von unseren Beamten unter die Fahnen gerufen und der erste, der aus unseren Reihen auf dem Felde der Ehre gestorben ist, war ein Kriegsfreiwilliger. (Die Abgeordneten haben sich von ihren Plätzen erhoben.) Wer nicht hinausgceilt ist, sorgt für Verwundete und Angehörige. Eine Opfersieudigkeit sondergleichen geht durch das ganze Land. Alt und jung, Fürst Und Volk sind beteiligt an den Werken des Volkskrieges. Die großartige Organisation unseres Geld- und Kreditwesens sindcl ihren Gipfelpunkt in den Erfolgen der Zeichnung der Kriegsanleihe. Bravo!) Zu unseren Gegnern hat sich das japanische Reich gesellt, das für seinen Undank nur anführen kann: die Beutegier nach dem Wahrzeichen deutscher Kultur, das wir im fernen Osten ansgerichtet haben. Dagegen ist den treuverbündeten Reichen Deutschland und Oesterreich-Ungarn ein neuer Bundesgenosse erstanden in dem Osmanenreiche (Bravo!), das mtt allen islamitischen Völkern das englische Joch abschütteln und damit die Grundsätze der englischen Kolonialmacht erschüttern will. Ich erinnere an die Erfolge von Lüttich, Namur, Maubeuge, Longwy, Mülhausen und Taunenberg. Alle Schlachten haben be­wiesen, daß alle unsere Truppe» von dem ersten bis zum letzten Regiment die Reserve, Landwehr, Landsturm, Kavallerie und Artillerie, Pioniere und alle Spezialwaffen von dem gleichen Geiste beseelt sind. (Bravo!) Unter dem GesängeDeutschland, Dcuffchland über alles" haben sie die feindlichen Stellungen ge­stürmt. Dem Heere steht die Flotte ebenbürtig zur Seite. Das Herz geht uns aus, wenn wir an dieGaben" und dieScharnhorst" denken und an dieEmden" (lebhaftes Bravo!), die alle Meere unsicher gemacht hat, und vor der die Flotten unserer Gegner zitterten. Ich erinnere ferner an die Schlacht bei Eoronel und an die glorreichen Taten der Unterseeboote, die heute den Schrecken der ganzen britischen Flotte und des britischen Heeres bilden. (Bravo 0 Wir schließen in unseren Dank ein auch die Bewohner und Farmer unserer Kolonien, lvir danken denen, die freiwillig die Arbeit übernommen haben, die Leiden des Krieges zu mildern und für unsere Verwundeten zu sorgen. (Bravo!) Schwer sind di« Ber- luste an Verwundeten und Menschenleben, die der Krieg fordert. Wir trauern mit den Frauen und Eltern und sind stolz auf so viel« Heldcnsöhne, die ihr Blut vergossen und ihr Leben hingegeben haben in den, Weltkriege, den wir um imsere Existenz zu führen haben. Unter den Fahnen unseres Heeres und unter der Flagge unserer Flotte werden wir siegen. (Lebhafter Beifall.)

Daraus ehrt der Präsident die inzwischen verstorbenen Mit­glieder des Reichstags: Dr. Semler (nat.-lllch, Ritter (Kons.), Metzger (Soz.) und Dr. Brabant (Fortschr. Vollsp.), sowie in längerer Rede den aus dem Felde der Ehre gefallenen Abg. Dr. Frank.

Der Präsident verliest sodann ein Glückwunschletegramm nebst Antwort aus Anlaß des Geburtstags der Kaiserin, ferner Tele­gramme, die er ans Anlaß des Falles von Tsingtan an den Kaiser und den Staatssekretär v. Trrpitz gesandt hat, sowie die eingegan- genea Antworttelegramme, ferner den Tetegrammwechsel zwisclum den Präsidenten des ungarischen Abgeordnetenhauses und des Deutschen Reichstages.

Hierauf tritt das Haus in die Tagesordnung er». Auf der Tagesordmmg stehen Nachttagsetats (KrttgSvorttgeiff.

t Der Reichskanzler über dir Kriegs- mW Beklage.

Reichskanzler Dr. vo-n Brthmann Hollmeq: Meine

Herren! S. M. der Kaiser, der draußen bei der Armee wellt, hat mir bei meiner Abreise ansgetraqen, der deutschen Bol^vertretung, mit der er sich in Sturm und Gefahr in der gemeinsamen Sorge um das Wohl des Vaterlandes bis zum Tode eins weiß, seine besten Wünsckie und herzlichen Grüße zu übermitteln, und zugleich von dieser Stelle aus in seinem Namen der ganzen Nation Dank zu sagen sür die beispiellose Ausopserimg und Hingabe für die ge- wallige Arbeit, die draußen und daheim von allen Schichten des Volkes olmr llnterschied geleistet worden ist und weiter geleistet wird. (Lebhafter Beffall.) Auch unser erster Gedanke gilt dem Kaiser, der Armee und Marine, unseren Soldaten, die im Felde und aus hoher See für die Ehre und Größe des Reiches kämpsen. (Beifall.) Voll Dank und mit felstnsestem Bertranen blicken wir aus sie (erneuter Beifall), blicken wir zugleich auf unsere österreickhsch-ungarffchen Waffenbrüder (lebhafte Zu­stimmung), die treu mit uns vereint in glänzend bewährter Tapferkeit den großen Kamps kämpsen. Noch jüngst hat sich uns in dem uns ausgezwungrnen Kämpfe ein Bundesgenosse zu­gesellt, der genau weiß, daß mll der Vcrnichtting des Deuffchen Reiches es auch mit seiner staatlichen Selbstbe st ui u n un g zu Ende wäre (sehr richtig!), das Ottomanischr Reich. Obwohl unsere Gegner eine gewaltige Koalition gegen uns ausgeboten haben, so werden fte hoffentlich die Erfahrung machen, daß airch der Arm unserer mächtigen Verbündeten bis an die schwachen Stellen ihrer Welffttllwrg reicht. (Beffall.) Am 4. Au­gust bekannte der Reichstag den unbteugsamen Willen des ge­samten Volkes, den ihm aufgezwnngenru Kumps aufrmiehme,, nach seine Unabhängiqkett bis zum äußersten m verteidigen. Seitdem ist Großes geschehen. Wie kann inan dir Heldentaten der einzelnen Armeen, Regimenter und Schivadvonen auszählen bei einem Kriege, dessen Fronten durch die ganze Weit gehen. Ihre Taten wird die Weltgeschichte verzeichnen, (LrNuftrr Bsiffoll.) Die unvergleich­liche Tapserkell unserer Truppen hat dien Krieg in Feindesland getragen. Noch stehen wtt sest und stark da urch können mll aller Ziwersicht der Zukunft entgogerffchen. (Lrbhoster Beffall.) Aber bi« Widerstarrdskrast des Feindes ist rwch nicht gebrochen, wir sind nicht am Ende der Ochser. Die Nation wird diese Opfer wcüer tragen mit demselben Heroismus, mit da» «8 sie bisher getragen hcll, dam wir mKffen und wollen diesen Berteidiguusskrieg, den wtt, von allen Setten bedrängt, für imser Reich und unsere Frei­heit führen, bis zum guten Ende dnrchkümpsen. (Allge m ei n er, lebhafter Beifall.) Dann wollen wir aber auch der Dreisttgkett gedenken, nnt der man sich an Miseren in Foindesdmd lebenden wehrlosen Landsleuten, zuM Teil in einer jeder Zivilisation hnsprechenden Weise (lebhafte ZllNmm»ng) vergriffen hat. Die ekt muß es erfahren, daß niemand eimtm Deutschen uugMtznt ein Haar krümmen kann. (Lebhafter, wiederholter Beffall ) \

Meine Herren! Wenige Augenblick-, nachdem jene Sitzung vom 4. August zu Ende gegangen war, erschien der grvßbritan- rrffche Botschafter, NM uns

ein Ultimatum Englands und nach dessen sofortiger Ablehmmg die .ikriegserNärnug zu über­bringen. Da ttb Tittch damals z« dieser endgültigen Stellnngrmhme der brittschen Regierung noch nicht äußern konnte, will ich jetzt ettngc Ausführungen dazu machen. Die Frage nach der Vrr- auttoortnng an diesen größten aller Kriege liegt sür uns klar. Me äußere Berantwortting tragen diejenige« Männer in Ruß­land, die dir allgemeine Mobilisierung der russischen Arm« be­trieben und durchgrsetzt haben (Znstimmung), die innere Berant- wartung aber ttägt die brttische Regierung. (Erneutt lebhafte Zu­stimmung.) Das Londoner Kobinett komttr den Kttcg unmöglich mackwn, wenn es in Petersburg unzlveideiitig erklärte, England sei nicht gewillt, auf dem österreichisch-serbischen Konstikt einen Kontinentalkrieg der Mächte ausbrechen zu laffen. Eine solche Sprache hätte auch Frankreich gezwuirgen, Rußland encrgffch von allen kttcgerischcn Maßnahmen abzuhalten. Dann aber gelang un­sere Permittlungsaktion zwischen Men und -Petersburg und es gab

keinen Krieg. England hat das nicht getan. England kanittr die kriegslüsternen Treibereien einer zum Teil nicht verantwortlichen, aber mächtigen Gruppe um den Zaren. Es sah, >vse das Rad ins Rollen kam, aber es fiel ihm nick>it in die Speichen. (Lebhafte Zu­stimmung.) Trotz aller Friedensbeteuerungen gab London in Pe­tersburg zu verstehen, England siehe auf der Seite Frankreichs und damit auch Rußlands. (Lebhasrc Zustimmung.) Das zeigten klar und unwiderleglich die inzwischen erfolgten Publikationen der ver­schiedenen Kabinette, insbesondere das Blaubuch, das die englische Regierung herausgcgebcn hat. Nun gab es in St. Petersburg kein Halten mehr. Wir besitzen darüber das gewiß unvcrdächttge Zeugnis des belgischen Geschäftsträgers in St. Petersburg, der berichtet Sie kennen seine Worte, aber ich will sie hier wiederholen am 30. Juli an seine Regierung: England gab anfänglich zu ver­stehen, daß es sich nicht in einen Konflikt hineinziehen lassen wolle. Sir George Buchanan sprach es ganz offen aus: heute ist man in St. Petersburg sest davon überzeugt, ja man hat sogar die Zu­sicherung, daß Englarid Frantteich beistehen werde. Meser Bei­stand fallt ganz außerordentlich ins Gewicht und hat nicht wenig dazu beigettagen, der Kttegspattei Oberwasser zu verschaffen. (Hört, hört!) Erst vor sieben Wockicn gab ein englischer Staatsmann im Parlament die Versicherung: Kein Verttag, kcuie Abmachung binde die schrankenlose Weltstellung Englands, falls ein Krieg ausbreche, frei, könne Großbritannien sich entscheiden, ob es an einem euro­päischen Krieg teilnehmen wolle oder -richt. Also es war keine Bündnispflicht, kein Zwang, es war keine Bedrohung des eigenen Landes, die die englischen Staatsmänner vcranlaßtt, den Krieg entstehen zu lassen und dann sofort selbst in ihn einzutteten. Dann bleibt nur übrig, daß das Londoner Kabinett diesen Wettkrieg, diesen ungeheuren Weltkrres, kommen ließ, weil ihm die Gelegenhctt gekommen fdjkto, mit Hilfe seiner volttischen Entcirtegenossen dar Lebensnerv seines größten europäischen Konkurrenten ans dem Weltnmrtt zu zer­stören. (Sehr vickstig!) So ttägt England und Rußland zu- sanrmen> über Rußland habe sch mich am 4,. August ausge­sprochen vor Gott und der M-enschhett die Verantwortung für diese Katastrop^, die über Europa, die über dir Menjckchett hereingebrochen ist. Die belgische Neutralität, die England zu schützen vorgab, ist eine Maske. Mm 2. August, abends 7 Uhr, teilten wir tn Brüssel mit, daß wir durch die uns beturnteq Kricgsvläne Frastkreichs um unserer Selbslerhattuns willen ge­zwungen seien, durch Belgien m marschieren. (Sehr wahrp Aper schon am Nachmittag desselben Tages, am st. August, also bevor m London das geringste von dieser Demarche bekannt war und be­kannt sein konnte, hatte die englische Regierung Frankreich ihre Untersttitzung zugesagt (Hört, hört!), und zwar b-üstnqungÄoS zugesagt sür den Fall eines Angrfffes der deutschen Notke ans die sianzösffche Küste. Von der belgischen Neutralität aber war mit kemem Wort die Rede. 'Diese Tatsache ist sestgestcllt durch die Erklärung, die Stt Edward Greh am 3, August imllnbcr- luruse abgab, usid die mir am 4* August infolge des erschtuertru telegraphischen Verkehrs nicht in extenso bekairut war, und be­stätigt durch das Blaubuch der englischen Rrgierrmg selbst Wie hat da England behaupten kömien, es habe das Schmert g»- zogen, well wir die belgische Neuttalität verlebt hätten? Wie konnten die englischen ^matsmäuuer, denen doch die Ve rg auyew- hott genau bekannt war, überhaupt von der belgischen Neuttalität sprechen? Ms ich am 4, August von dem Unrecht sprach, das wir mtt denr Einmarsch in Belgien begingen, staud^noch nicht fest, ob s«h die Brüsseler Regierung nicht in der Stunde Heck Not dazu entschttetzen würde, das Land zu schonen und sich unter Protfft auf Antwerpen zurriÄuziehen- Sie erinnern sich, daran, daß ich noch der Einnahme von Lüttich aut Antrag unserer Hoereslritilug eure erneute Aufforderung in dresem 'Sinne an die belgische Regierung gerrchttt habg Ms ruLtärffchci, Gründen mühte ine Müglichkett zu einer solche» Entwicklung auch unter allen tt-rwständcn offen gehalten werden, Für

di« Schuld der belgischen Reyier»»» lagen schon damals mannigfache Arrzeichcn vor; postkive schrfft- llche Beweise standen mtt noch nicht zn Gebote. Den ^mglAchew Staatsmännern aber waren diese Beweis« genau bekannt. (Sehr richtig!> Und wenn jetzt durch die in Brüssel ausgesuudenent von mtt der Ocffentlichkeit übeogebenen Aktenstück scstgestellt worden ist. wie und in welchem Grad« Belgien seine Neutralität England gegenüber mei'sgeqeben hatte, so fft nun vre hr alle Wett über zwei Taffachen im Klaren: Ms unsere Truppen in der Nacht vom 3. zum 4. August das belgische Gebiet betraten, befanden sie sich ans dem Boden eines Staates, der seine Nruttakttät selbst längst preisgegrben hatte. Und di« andere Tatsache: Nicht um! der belgischen Neuttalttät willen, di« es selbst mtt untergraben! batte, hm uns England den Krieg erklärt, sondern well es glaubte, zusammen mtt zwei Großmächten des Festlandes imser Herr wer­den zu kömien. (Wiederholtes lebhastes Sehr richtig!)

Schon sett dem 2. August, seit seinem Verspttchen der Kriegs- solae an Frankreich, war England nicht mehr neutral, sondern tüffächkich ttn Kriegszustand mit »ns. Me Motivierung seiner Kriegserklärung vom 4. August mtt der Verletzung der belgischen Neuttalttät war nichts als ein Schaustück, geeignet, das eigene Land und das neuttale Msland über die wahren Beweggründe zum Kriege ttrrznführen. (Sehr richffg!) Jetzt, wo der bis in alle. Einzelheiten ausgearbeitete

englisch-belgische Kriegsplau cuthüllt ist, erscheint auch die Politik der «nglffchen StaaSmäuner für alle Z«t vor der Weltgeschichte gekennzeichnet. Di« engliscff- Divloinatic hat ja auch ein übriges dazu getan. Auf ihren Ruf entriß uns Japan das heldenmütige Kiouffchau und verletzte dabei dtt chinesische Neuttalttät. Ist England gegenüber diese-» Neu- tralitüt«hrnch cingeschttttru? (Sehr gut! Sehr rrchttg!) Hat -8 da seine peiuSche Fürsorge für dtt ncuttalen Staaten gezeigt?

^^Mttne ^Herren! Ms ich vor fünf Jahren auf diese« Matz te-

rnseu wurde, stand dem Dreibund festgefügt dtt T ripelent eute gegen­über, rin Werk der Engländer, bestinnnt, dem bcfmntten MinziP derBalance of Power" zu dienen, d. ft, i»5 Deutsche üb ertr u g en, der sett Jahrhurtderteu befolgtt Grundsatz der englischen Polttck, sich gegen dtt stärkste Macht des .Kpntments wendeu, sollte in der Tripelenteute sein stärkstes Werk»«, finden. Dari» tag Mt vornherein

dw-r aggr«ssiv« Eharakter der Tuirpfee-atr»*e gegen dir rein dettvsive Tendenz des Drestmudes, durin tag der Keim zu der gewaltsame» Explosion. Ein Voll von der Größe und der Tuchügkctt des deutschen läßt sich in ferner freien und friedlichen Entwicklnng nickt ersticken. Angesichts dieser Lage war der deutschen Pokttikder Weg klar bvrgezeichnet. Me mußte versuchen, durch eine Verständigung mtt de» einzelnen Mächten derTripleenteute die Krttgsgefabr zn dannen, stt nrnßtr gleichzeitig^ «usere Web»

krast so stärken, daß sie dem Kriege, wenn er doch kbm, gewachsen war. Stt wffsen, meine Herren, wir haben beides getan. In Frunk- reich begegneten wir immer >meder dem Revanckwgcdanken: von ehrgeizige,: Politikern genährt, erwies er sich stärker als der un- zweffelhaft von einem Telle des französischen Volkes gehegte Wunsch, mit uns in ement nachbarlichen Verhältnis zu leben. Mit Rußland kam es zwar zu einzelnen Bereu,barnuyeu. ober seine feste Mlian; nnt Frankreich, stin Gegensatz zu dem mtt uns vcrbitndeten Oesterreich und ein von panslawistlschen MachtgeÜisten gczüchteler Deuffchenbaß machten Vereinbarungen unmöglich, dtt im Falle von pvlttffchen Krffen dtt Kriegsgefahr ausgeschlossen hättt. Verhältnismäßig am freiesten staich England da. Ich habe schon vorher daran erinnrrt, mit welcher Emphase dtt englischen Staatsmänner immer aufs neue ihrem Parlament das ganz ungebundem Selbstbestttnrnungsrecht GroßbrttamrttuS gerühmt lmben. Hier konnte am ehesten der Versuch zu einer Verständigung gemocht werden, die taffächlrch den Wellsittden garantiert hätte. Danach habe ich gehandelt, danach mußte ich bandeln. Der Weg Ivar schvial, das wußte ich wohl. Dtt iasnlarc englische Denk­art hat im Laufe der Jahrhunderte einen politischen Grundsatz mit der Krott eines selbstverständlichen Dogmas ansgcstaltet, den Grundsatz nämllch, daß England ein arbitrium mundi gebühre, d,-s es mir aufrecht erlmlten köiuie durch die unbestrittene Seeherr­schaft einerseits und das viekberusene Gleichgewicht der Kräfte ans dem Konttnent andererseits. Ich habe niemals gehofft, diese,, alten englischen Grundsatz durch Zureden zu durchbreckie». Was ich für möglich hielt, war, daß die wachsende Macht Dcutstlilands und das