Wachstuche Alsik» «in«S Krieges Englsnd nötigen könnte, einzustben, i«ß »»srr alte Grundsatz unhaltbar, unpraktisch geworden und ein ftiwücher Ausgleich mit Deutschland vorzuziehen ist. Jenes Dogma aber lähmte immer wieder die Möglichkeit einer Verständigung, Einen neuen Anstoß erhielten die Vcrlzandlungen durch die KrisiS non 1911. Dem englischen Volke war über Nacht klar geworden, daß cS vor dem Abgrund eines europäischen Krieges gestanden hatte. Die BolkSstimmung zwang die englischen Machthaber zu einer Annäherung an Deutschland. In langwieriger Arbeit gelang eS schließlich. sich über verschiedene strittige wirtschaitliche Jntcresseniragen, die Afrika und Vordcrasien betrafen, zu verständigen, Damit sollten dir möglichen posttischen ReibungSslächen verminden werden. Die Welt ist weit, (Sehr richtig!) Sie bietet, wenn man nur die freie Entfaltung unserer Kräfte nicht hindern will, beiden Völkern Raum genug, in friedlichem Wettbewerb ihre Kräfte zu messen, (Sehr richtig!) Das war ein von der deutschen Politik stets vertretener Grundsatz, Aber während wir so verhandelten, war England unablässig darauf bedacht, seine Beziehungen Frankreich und Rußland immer enger zu gestalten. Das Entscheidende dabei war. daß über das politische Gebiet hinaus immer festere militärische Abmachungen für den Fall eines Kontincntalkriegcs getroffen wurden, England betrieb diese Verhandlungen möglichst geheim. Wenn etwas davon durchsickerte, wurde chre Bedeutung in Presse und Parlament als durchaus harmlos hingestrllt. Verborgen blieben sie unS nicht, wie Sie aus den Veröffentlichungen wissen, die ich veranlaßt habe. Die gesamte Situaston loar eben die: England >var zwar bereit, sich über Einzelfragen mit uns zu verständigen. Oberster und erster Grundsatz seiner Polistk aber blieb der: Deutschland muß in der freiim Entfaltung seiner Kräfte im Schach gehalten werden durch die Balance os Power, das ist die Grenzlinie sür freundschaftliche Beziehungen mit Deutschland zu dem Zwecke: Stärkung der Tripel en tent e bis anfS äußerste, Als die Freunde militärische Zusicherungen darauf verlangten, sind die englischen TtaatSntänner sofort bereit, sie zu geben. Ter Ring ist geschloffen, England ist Frankreichs Gefolgschaft sicher, und damit auch der Rußlands. Aber freilich auch England bindet seinen Willen. Wollen Frankreich oder Rußland, ivo die in Herden Ländern vorhandenen chanvinisstschen .Kreise in der militärischen Konivenz Englands ihre stärkste Stütze sinden, wollen Frankreich oder Rußland loSgelzen. England ist moralisch in den Händen seiner Freunde, lind das nur zu wclchenr Zweck? Deutschland muß niedergehalten werden. Wir haben es an Warnungen bei der englischen Regierung nicht fehlen lassen. Noch zu Anfang Juli dieses Jahres habe ich derl englischen Regierung andcuten lassen, daß mir ihre geheimen Verhandlungen mit Rußland über eine Marmekonvention bekannt seien. Ich habe sie auf die ernste Gefahr aufmerksam gemacht, die diese englische Polistk für den Weltfsteden berge: vierzehn Tage später schon stat daS ein, was ich vorausgesagt habg Wir haben aus der gesamten Lage der Tinge die Konsequenzen gezogen. Schnell hintereinander bade ick, Ihnen die größten Rü- stungsvorlagen gebracht, die die deutsche Geschichte kennt, und Sie haben in voller Erkenntnis der Gefahr einmütig und opferbereit bewilligt, was für unsere Selbstverteidigung notwendig war. Und als der Ksteg ansgebrochcn ist, läßt England jeden Schein falleir. Laut und offen verkündet es: Englaich will kämpfen, bis Deutschland niedergezwungen ist, wirtschaftlich und inilr- tästsch. Panslaioiskischcr Deutschenhaß sstmmt jubelnd zu. Frank- rstch hofft, nstt der ganzen Kraft einer alten soldatischen Nation die Scharte von 1870 auszuwetzen. Darauf haben wir an unsere Fstnde nur die eine Antwort: Deutschland läßt sich nicht vernichten. (Lebhaftes, sich wiederholt crneucimdeS Sehr stchstg!) Wie unsere militärische, so hat sich auch die sin an stelle Kraft Deutschlands glänzend bewährt, sich rückhaltlos in den Dienst des Vaterlandes zu stellen. Das nnrtschaftlichr Leben wird auftecht erhalten. Die Zahl der Arbsttsloftn ist verhältnismäßig gering. Die Organi- sationskrast und Organisationskunst Deutschlands sucht in neuen Formen Uebeln vorzubeugcn, Schäden anszuglstchcn. Kein Mann, keine Frau entzieht sich der freiwilligen Mitarbeit. Keine Werbetrommel braucht gerührt yii werben. (Sehr richstg! Heiterkeit.) Und aUc zu dem einzigen und großen Zweck, sür Las Land der Väter, für die Hoffnung der Kinder und Enkel alles hinzugcben an Gut und Blut Wenn dieser Geist, diese sittliche Größe des Volkes, wie sie die Weltgrsthichte noch nicht gekannt hat, wenn der millionenfach bewährte Heldenmut unseres Volkes in Waffen gegenüber eimr Well von Fstnden von unseren Gegnern als Milftaris- mus geschmäht wird, wenn sie uns Hunnen und Barbaren schelten, wenn sie eine Flut von Lügen über uns auf dem Erdennind verbreiten, ich glaube wahrlich, wir können stolz genug sein, um uns darum nicht zu grämen. (Lebhafter Bestall.) Dieser wimderbare Gstst, der dir Herzen des deutschen Volkes durchglüht in nie gesehener Einigkeit, in der unbedingten Hingabe des einen an den anderen, er muß und er wird siegreich blstben. Wenn ein ruhmvoller, wenn ein glücklicher Frieden erkämpft sein wird, dann toollcn wir diesen Geist Hochhalten als das heilige Vermächtnis dreser surchtbaren und großen Zeit, (Bravo!), Wie von einer Zauber- gemalt sind die Schranken gefallen, die eine öde und dumpfe Zcitlang die Glieder des Volkes tremsten, die wir gegeneinander aufgerichtct hatten in Mißverstand, in Mißtrauen und in Mißgunst, Eine Befreiung, eine Beglückung ist cs, daß min einmal dieser ganze Wust und llnrat weggefcgt ist (Bravo!), daß nur der Marm gilt, einer gleich dem anderen, stner dem anderen die Hand rstchend sür ein einziges und heiliges Ziel.
Ich wiederhole noch einmal das Wort, das der Kaiser sprach, als der Ksteg auSbrnch: Ich kenne kstne Parteien mehr, ich kenne nur noch Tcustchc, Wenn der Ksteg beendet sein ivich. werden Pasteten wiederkchrcn. Ohne Parteien, ohne politischcik Kamps kein politisches Leben, auch sür daS freieste und einigste Volk, (Erneuter Beifall,1 Aber kämpfen wollen wir dafür — ich für mein Tstl verspreche cs Ihnen — daß es in diesen Kämpfen nur mehr Deutsche geben darf, (Lebhafter Bstsall.) Mstne Herren! Ich schließe meine kurzen Slusführungen, Die Zstt ist nicht sürWorte, Nicht über alle Fragen, di» das Volk und die auch mich im Tiefsten bewegen, kann ich sprechen. Nur stns noch: In Treue und mit hstßem Danke gedenken wir der Söhne Deutschlands, die auf den Schlachtfeldern im Osten und Westen, aus hoher See, an den Gestaden des Stillen Ozeans und in unseren Kolonien sür die Ehre des Vaterlandes ihr Leben gelassen haben, vor ihrem jetzt verstummten Heldennrute stnigen wir uns in dem Gelöbnis, auszu- lialten bis zum letzten Hauch, damit Kinder und Enkel in einem stärkeren Deutschland srst und gesichert gegen fremde Drohung pich Gewalt an der Größe des Rstches weitcrbanen können. (Großer Beifall.) Und dieses Gelöbnis soll hinauSschallcn zu unseren Söhnen und Brüdern, die wstterkämpfen gegen den Feind, zu dem Herzblut Deutschlands, das in zahl- und namenlosem Heldennrute aufwallt, für das wir berstt sind, alles hinzugeben, was wir haben, lnnausschallen auch zu unseren Landsleuten im AuSlarrde, den draußen für uns Sorgenden, den von der Hstmsahst Abgeschnittc- nen und Gefährdeten, den widerrechtlich Gefangenen und Mißhandelten,
Wir batten knrrch, bis wir Sicherheit haben, daß kstncr mehr tragen wird, unseren Fsteden zu stören, stnen Fsteden, in dem wir deutsches Wesen und deutsche Kraft entfalten und entnnckcln ioollcn als frstes Bolk, (Ungebenrer, jubelnder Beifall im ganzen Hause und auf den Tribünen, Stürmisches Händeklatschen, das sich immer erneuest. Die Beijallskundgebungen dauern inimrten- lang.j
Die Erörterung,
Abg. Hiaase kSoz,): Die sozialdemokratische Fraktion steht nach wie vor aus dem Standpunkt vom 4. August, daß der Krieg als tiefere Ursache ökonomische Jnterstsengegensätze hatte. Noch sind unsere Grenzen vom Fstnde bedroht. Daher muß das deutsche Volk auch heute noch alle Kräfte zum Schutze des Landes stnsetzen. Wir bewilligen daher die Vorlage, dankbar gedenkend all derer, die Leben und Gesundhstt hingegebcn haben, und derer, die unter unsäglichen Mühen im Dienste deS Vaterlandes stehen Für sie muß in weftestcm Maße gesorgt werden, (Beif, bei den Soz.)
Abg, Tr, Spahn (Zentrum): Namens aller übrigen Parteien , (Bravo) habe ich zu erllären, daß >vir zahlreiche Wünsch» hinsichtlich der Versorgung der Kriegsteilnehmer, auch der Äerztc und Lazarettgehilsen, haben. Mer heute lommt es daraus nicht an
Hacke gebietst! Uns das Wohl des deutschen Vaterlandes: Wrr nckls-
scn den Ksteg durchhalten, bis der Sieg errungen ist und ein Fstedc, der den ungeheuren Opfern entsvstcht und der eineit dauernden Schutz gegen alle Fstnde gcwährlststet. Zu unseren tapferen Soldaten in Heer und Flotte und den Schulter an Schulter mit uns kämpsenden österreichisch-ungarischen Truppen haben wir das Vertrauen, daß der Kamipi bis zu diesem Ziel gsiührt wird, (Bstsall und Händeklatschen,>
Tamil schließt die estte Beratung,
Ohne Debatte werden sodann die Vorlagen in zweiter Lesung angenommen, ebenso in sosostiger dsttter Beratung; diesmal gegen, die Stimme des 'Abgeordneten Liebknecht (Soz.). (Bewegung und dröhnender Bstsall.) i
Mg. Graf von Westarp (kons.) bestchtet über die Petitionen, die er der Regierung zur Verücksichtigung zu überivstsen beantragt. Tie Bevölkerung von Ostpreußen uiid Elsaß-Lothringen könne versichest sstn, daß ihre alte Heimat im alten Glanze wicderhergestellt und sie in ihre Erwerbsstände wieder stngesetzt würden. — Ter Reichstag beschließt sodann, der Vorlage best, Vestagung bis zum 2. März 1915 zuzustimmen,
Schlußrede des Präsidenten.
Präsident Tr. Kämps: Wrr sind am Ende unserer heutigen Arbeit angelangt. Ich kann mit besonderer Genugtuung sest- stellcn, daß, die Einmütigkeit des deutschen Volkes, die sich in der Annahme der Vorlagen bekundet hat, in nichts geschwächt worden ist, und daß das deutsche Volk dadurch zu erkennen gibt, daß es den uns ausgezwungenen Ksteg fostsctzcn wird bis zu dem Ende, das wir uns gesetzt haben) Niemals hat es in derl Weltgeschichte jemals einer lol<l>en Kraftansstengung bedurft ivie heute. Wir sind stnig unter den Fiibrern des Heeres und dev Marine und der oberst«! Heeresleitung Seiner Majestät des Kaisers, und wft verstauen darauf, daß die Größe des deulsäwn Volkes alle Hindernisse aus dem Wege räumen wird, die sich diesem Ziele entgegenstellen. Wir verstauen darauf, daß wir einen Frieden erlangen, der es uns ermöglicht und unseren! Kindern und Enkelkindern, dafiir zu sargen, daß wir in Frieden und Ruhe unserer Aufgabe in der Welt gerecht werden können und nicht gestört werden durch frevelhaften Ucbcrmut irgend eines unserer 'Nachbarn- Wir erneuern unsereir Tank für die Kraftansstengungen ssttens des Heeres und der Marine und aller derjenigen, die zu Hause geholfen haben, die Lstden des Krieges zu mildern. Deutschland lann nicht besiegt werden, solange cs stnig ist, und auf diese Einigkeit hoffen und bauen nur als auf das sicherste Palladium unserer Zukunft. (Lebhafter Bstsall.)
Rstchskanzler Dr, v. Bethmann Hollweg vestiest sodann die kaiserliche Verordnung, betreffend Vertagung.
Präsiden* Dr, Kämpf erbittet und erhält den Auftrag, den Parlamenten der verbündsten Nationen Sympathietelegramme zu senden. Er schließt die Sitzung mit den Worten: Soeben sind wir am Schlüsse unserer heutigen Sitzung angelaiigt, und wir trennen uns mit dem erhebenden Gefühl, für das Vaterland getan zu haben, was in diesem Augenblick unsere Pflicht war. Wir trennen uns mit dem Ruse: Seine Majestät der Kaiser, unser Volksheer, unsere Alarme, unser Vaterland, leben hoch! — Das gesamte Daus stimmt in den dreimaligen Rus begststert stn, — Schluß: 6 Uhr,
Hu* Stadt und Land.
Gieße n, 3. Dezember 1914.
** Der Nachwuchs im Handwerk, Die Handwerkskammer schreibt uns: Dem Handwerk erwachst in jetziger Zeit neben den Fragen der Arbeitsbeschaffung und damit Aufrecksterhaltung der Destiebe eine soziale Aufgabe von weittragender Bedeutung, Es ist dies die Sorge um die Heranbildung und (Erhaltung des handwerklichen Nachwuchses, Mehr denn je treten die durch Abschluß des Lehrvertrags von dem Lehrmeister übernommenen Verpflichtungen in den Vordergrund Fehlt doch in gar vielen Fallen zu Haufe der Vater des Lehrlings und ist es dann sfttliche Pflicht des Lehrmeisters, in väterlicher Weise die Erziehung des Lehrlings zu überwachen und ihm in und außerhalb des Berufes väterlich zur Serie zu stehen. Wer auch das allgemeine Interesse für das Handwerk erfordert, daß dieser Frage erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet wird. Der Krieg hat einen großen Ausfall geschulter Arbeitskräfte im Gefolge, der sich nach Friedensschluß besonders bemerkbar machen wird. Wie in jedem anderen Berufsstand, so werden nachBeendigungdes Krieges auch an das Handwerk große Aufgaben herantreten, die nur bewältigt werden können, wenn ausgebildete Arbeitskräfte genügend vorhanden sind. Die Lehrmeister sollten daher bedacht sein, wenn es sich irgend ermöglichen läßt, die Lehrlin ge in dem Betriebe zn behalten und auch nach Beendigung der Lehre weiter zu beschäftigen- Eine vorzeitige Entlassung ohne Aussicht auf Unterkunft in gleichartigen Betsteben bringt die Gefahr mit sich, daß der Juirge dem erlernten Berufe entfremdet, ja dem Handwerk gänzlich verloren gehen kann. Hier besteht für die Innungen und gewerblichen Vereinigungen ein dankbares Gebiet der Betätigung im Interesse des Handwerks,
**Der Zeitpunkt des Backhaus-Konzertes war der .Gegenstand eines „Eingesandts" in der letzten Nummer unseres Mattes, Die Leitung des Konzert- Vereins schreibt uns folgendes auf die darin enthaltene Anregung, das Konzert ftüher beginnen zu lassen: „Auf das gestrige Eingesandt erwidern wir mit Dank für das sreund- liche Interesse, das sich für unsere Veranstaltungen darin kundgibt, folgendes: Das Backhaus-Konzert war ursprünglich, dem Herkommen nach, auf Sonntag (den 6. Dez.) nachmittags angesetzt. Da der Künstler abends zuvor in Süddeulschland konzertiert, würde es einer siebenstündigen Eisenbahnfahrt bedurft haben, um chn am Sonntag nach Gießen zu bringen, abgesehen davon, daß bei dem gegenwärtv- gen Eisenbahnverkehr eine verspätete Ankunft nicht ausgeschlossen war. Unter diesen Umständen mußte das Konzert gegen unseren Willen vom Sonntag auf Monkag verlegt werden, den einzigen Tag, den der Künstler noch zur Verfügung hatte. Bei der Wahl der Abendzeit leitete uns die Absicht, das Konzert allen Kreisen zugänglich zu machen, wie das überdies aus den angesetzten billigen Eintrittsvrcisen hcrvorgeht, Uebrigens wird der Konzert-Verein auf Wunsch vieler, die auf die abgesagten musikalischen Veranstaltungen in diesem Winter nicht gänzlich verzichten wollen, drei weitere Konzerte im Januar und Februar veranstaften, die mit Rücksicht auf unsere auswärtigen Zuhörer alle ans Sonntag-Nachmittage angeietzt sind. Nähere Mitteilungen darüber behalten wir uns für allernächste Zeit vor,"
** Bortrag in der Universität. Der Hinweis in der gestrigen Nummer auf den Bortrag von Geh. Kirchenrat Pros, Dr. E ck ist durch ein Versehen einen Tag zu früh veröffentlicht worden. Der Vortrag findet heute abend 8V« Uhr statt.
•• Die Sammlung von K l e i d u n g 3 ft ü cf e n ;c. für die Notleidenden in O st p r e u 6 c n und Elsaß-Lothringen im bisherigen Eichamlsgebäude am Neuenweger Tor wird mit dem heutigen Tage eingestellt. Tie Gaben sind auch hier in anerkennenswerter Weise recht reichlich gcsiossen,
•* Auszeichnung. Dem Leutnant Karl Stein aus Gießen vom Jnsauterie - 'Regiment 113 wurde das Eiserne Kreuz und die Hessische TapserkeitSmedaille verliehen.
Kreis Frirdbcrg.
d. Frledberg, S. Tez. Das M a t h i l d e n st i i t hat sür die Industrieschulen der Orte, die dem Friedberger Mathildenstist angehören, 1 0 0 0 M a rk g e st i s t e t. Es kommen 30 Orlschasteu m Frage. Tie Höhe der gesülteten Unterstützungen schwanlt zwischen 5,70 Mark und 247 Mark.
.-iS?* Hessen-Nassau.
(m) Kirchhaiu, 2. Dez. Dem Einjährigen Gutmann R ü l f von hccr, bei dem 92. Regt, in Braunschiveig, wurde das Eiserne Kreuz verliehen, — Der Hornist Gefr, Bieter von Niederklctn hat ebenfalls das Eiserne Kreuz erhalten, — InLangenstci n traf heute morgen die Nachricht von dem Ableben des schwerverwundeten, im Lazarett zu Krefeld liegenden Konrad S ch a a f ein. — Herr Pfarrer Fliegen- s ch m i d t aus Kirchhaiil hielt gestern in seiner Filialgcmcinde Langenstcin einen Go t t e s d i e n st zu Ehren der gefallenen .Krieger, der Reservisten Heinrich K a l c t s ch und Heinrich Knack. Der Kriegerverein nnd der Gesangverein beteiligten sich mit ihren umflorten Fahnen an diesem Trauer- gottesdienst.
Erdbeben auf der Insel Lenkas.
Sofia, 2, Dez, (WTB, Nichtamtlich.) Auf der Insel Lenkas richtete ein Erdbeben furchtbare Verwüstungen an. Der Berg Pefkulia ist eingestürzt. In einer Ausdeh-mma öou drei Kilometern drangen die Meeresfluteu in das Tal von Kalamitzi ein und überschwemmten eure Fläche voit 50 Hektar. An mehreren Stellen der Insel bildeten sich kleine Hügel. 23 Personen lvurden getötet und 50 verletzt. In der Stadt Leukas ustrd der Schaden auf eine Million geschätzt.
Briefkasten Ver Redaktion.
lAuoutzme «usragkn bleib«»» unberücksichtigt.!
H. S. 100. Zur Erleuchtung de» Treppenhauses ist „ach dem Bürgerlichen Gesetzbuch der Vermieter ver-
vsiichtet. Hier am Orte ist «S jedoch vieliach üblich, beim Abschluß des MictskoulrakteS dem Mieter die Beleuchtung seines Stock,oerks zu überiaffen. Eine Polizeiverordnung über den Gegenstand besteht nicht.
il. 8. 73. Ihre Fragestellung ist nicht ganz klar. Soweit ivtc übersehen können, ,verden Sie bei völliger Wiederherstellung natüv lich mit der Wiedercinstellung rechnen müsse».
£. k>. in Grimberg. Die von Ihnen angegebenen Orte können ivir beim besten Willen i», Atlas nicht entdecken. Sie lauten übrigens auch so »mvahricheinlich, daß wir Schretblehler vermuten müssen. Vielleicht handelt es sich um St. Eloy und St. Amour. Beide Orte liegen i» Südsrankreich, erstercr im kvx äe vöwe, der andere in der läovebo evmtäe.
Letzte Nachrichten.
Die Lage in Polen.
Rotterdam, 2.Dcz. (WTB. Nichtamtlich.) Nach dem Urteil militärischer russischer Kreise hat die Lage in Polen eine neue ungewöhnliche Bedeutung gewonnen. Es gab noch kein Ereignis, mit dem so große Interessen und so große Gefahren verbunden waren. Alles weist auf ein Fortdauern und selbst auf eine Vermehrung der gegenwärtigen Spannung hin. Da die Deutschen ihre Stellungen gegenüber Lodz und Lowicz befestigen, so ist es deutlich, daß der Feind bald Ver stärkungen erwartet. Es ist ebenfalls klar, daß Ostpreußen zu weit abliegt, um Gclegenlteit zu einer Gegendenwustraliou zu bieten, selbst wenn die Rüssen dort über eine überwältig gende Mehrheit verfügten. Die Strecke zwischen Plozk und Soldau eigne sich außerdem nicht zu Truppenbewegungen. Die militärischen Mitarbeiter der bedeutendsten Zeitungen sagen, daß die deutsche Offensive fortgesetzt werden wird.
Die Befchießrrng von Ypern.
Paris. 2. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) „Petit Parisien" teilt auf Grund der Angaben eines Bewolmers mit. daß die Beschießung von Ypern seit dem 3. November ununterbrochen fortdauert? Täglich richten die deutschen Flieger über der Stadt mit Bomben einen größeren Schaden au als selbst schwere Artillerie. Die Wasserversorgung ist gestört. Tie Stadt wird bald von den letzten Einwohnern verlassen sein.
Prcssestimmen zur Rcichstagäsihung.
Berlin. 3. Dcz Zur gestrigen großen Sitzung des Reichstags sagt der „Berl. Lokalanzeiger": Aufs neue hat die Welt erfahren, daß das deiltsche Volk einmütig hinter der Regierung steht und zu allen Opfern, die von ihm verlangt werden, mit Freuden bereit ist. Wenn der Sozialdemokrat Liebknecht nach dem bedenklichen Ruhm geizte, das Vaterland in der Stunde der Gefahr im Stickie zu lassen, so hat er sich eben außerhalb des deutschen Volkes gestellt. Der leise Mißton, der dadurch immerhin in die Verhandlungen gebracht wurde, konnte den Gesamteindruck nicht trüben.
Das „Berliner Tageblatt" schreibt: Ter Eindruck der ersten Kriegssitzung des Reichstages vom 4, August ist gestern in vielem noch übertroffen worden. Sck)on das äußere Bild war von einer überwältigenden Großartigkeit. Nicht bloß alle Tribünen waren überfüllt, selbst in dem Sitzungssaal, der sonst ans das srrcngste ausschließlich für die Wgeordneten Vorbehalten wird, drängte eine große Zahl von Damen und Herren. Wie man auch sonst heute mit der herkömmlichen Ordnung gebrochen, das nahm man erst wahr, als sich am Schlüsse der Rede des Reichskanzlers ein lang- dauernder Beifallssturm, wie Bravos und Händeklatschen, Luft machte, au dem sich nicht nur die Wgeordneten, sondern auch das Tribünenpublikum beteiligte. Die Eröffmmgsrede des Reichstagspräsidenten Kämpf bedeutete einen würdigen Auftakt. Man kann nicht wohl besonnener uird wärmer sprechen wie er. Man kann auch nickst mutiger und selbstbewußter den unvermeidlichen Verlusten dieses Weltkrieges gegenüberstehen wie er. Er sprach von schweren Verlusten au Verwundeten und Toten, sprach auch von dem unvergeßlichen Dr. Frank, der als erster ans dem Reichstage den Heldentod gefunden und deffen Platz durch einen von den Wgeordneten gestifteten Lorbeerkranz geschmückt war. Seine Ansprache klang aus in die Worte: Wehren wir uns, wenn es sein mutz, gegen die ganze Welt.
Die „Vosfische Zeitung" schreibt: Jedes Auge hing an dem Münde des Reichskanzlers, als er sich erhob, um die Vorlage über die zweiten fünf Milliarden zu begründen. Was brauchte er viel zu begründen, wo über die Notwendigkeit nur eine Meinung war. In der Tat, die große Stunde fand kein kleines Geschlecht.
Liebknechts Disziplinbruch.
Berlin, 3. Dez. Der Vorstand der soziald-emo- kra tischen Reichs to gs frakt io n stellt fest, daß Karl Liebknecht entgegen deni alten Brauch der Fraktion, der
durch einen Beschluß fiir den vorliegenden Fall erneuert wurde, gegen die .Kriegskredttvorlage gestimmt hat. Der
Vorstand bedauert diesen Bruch der Disziplin,
der die Fraktion noch beschäftigen wird, aufs tiefste.


