vehörden war eine solche Arbttt nicht tzu leisten. Derartig erschöpfende, bis ins Kleinste gehende strategische, taktische Angaben wie die oben mitgeteilten, oder so genaue Taten über bas rollende Material, über die Schleusen und Brücken kann ruan aus andere Weise sich rächt beschaffen. Die Listen über die Velegungssähigkeit, die über Belgien verfügen, als wäre es das eigene Land, können nur von der belgischen Regierung stammen. Äuer ist zweifellos amtlick>es belgisches Material benutzt worben. Man hat es für englische Zwecke zurechtgemvcht oder viele Stellen einfach ins Englische übersetzt. — So eingehend hatten lÄrg» laich und Belgien bereit» rm Frieden ein militärisches Zusammenwirke:, miteinander verabredet. Belgien war eben politisch und militärisch nichts anderes als ein Vasall Englands. Die Entrüstung, die England heilte wegen Deutschlands angeblichen Neulralitätsbrnchs vor aller Welt zur Schau trägt, ist durch diese Dokumente als völlig haltlos und ungerecht erwiesen. Wenn senlanü den Anspruch auf Empörtsein hat, so sind wir es. Als anläßlich unserer Operationen an der Küste die englische und französische Presse höhnisch meinten, wir seien über die Gefahren des Ueberschwemnrungsgebietes im sogenannten Polderland nicht unterrichtet, hatte sie insofern recht, als wir Belgiens Geländes- Verhältnisse zu Beginn des Krieges allerdings nur soweit kannten, wie sie sich aus den im Buchhandel käuflichen Quellen ergaben. — Umso wertvollere Beutestücke waren daher für uns die englischen Erkundungsberichtei und vorzüglichen Karten. Wir konnten dieses außerordentliche Material sofort den eigenen Zwecken dienstbar machen und England mit den eigenen Waffen bekämpfen. Darin liegt für die sorgsame Arbeit unserer Gegner wohl das beste Kennzeichen.
Au» dem türkischen Hauptquartier.
(WTB.) Ko n stau t in ope 1, 1 Dez. (Nichtamtlich.) Die gestern veröffentlichte amtliche Mitteilung: des Großen Hauptquartiers besagt:
Am 29. November haben an der persischen Grenze unbedeutende Zusammenstöße mit den Russen stattgefunden.
Die Haltung Gricchenlauds.
Konstantinopel, 1. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) „Taswir-i-Eskiar" erfährt, daß Griechenland alle Anerbietungen und Bemühungen des Dreiverbandes, mit ihm zu gehen und der Türkei den Krieg zu erklären, zurückwies, weil Ettiechenland es seinen Interessen entsprechender finde, alle Meintrwgsverschiedenheiteil mit der Türkei freundschaftlich zu regeln.
Au» Rumänien.
Bukarest, I.Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Tie Kam- m e r wählte Michael Phorkde einstimmig ivieder zum Präsidenten. Die Agence Roumaine bemerkt, die Einmütigkeit der Wahl bekräftigte die Einigkeit aller Rumänen in diesem Augenblicke. — Ter Senat wählte den früheren Präsidenten Basil Missir wieder.
Au» Bulgarien.
Sofia, 1. Dez. (WTB. Mchtamtlich.) Die Brüder Buxton reisten am 90. November nach Nisch ab, wo sie kurzen Aufenthalt nehmen werden, um dann nach England znruckzutehren. Man betrachtet ihre Mission allgemein als gescheitert.
Sofia, 1. Dez. (WTB. Nichtamtlich) Die „Agence Bulgare" meldet: Zwei Reserve-Jahrgänge, die zu Wasfetrübungen cinberusen waren, sind beurlaubt worden, um zwei neuen Jahrgängen Platz zu machen.
Eine russische Drohung gegen Bulgarien.
Kopenhagen, 1. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Nv- w v j e W r e m i a" vom 24. November behandelt in dem Leitartikel das gegenwärtige Verhalten der bulgarischen Politiker und läßt sich in der erbittertsten und beschimpfendsten Weise über die Rebe des Abgeordneten G e n a d i e w aus, den sie als einen gewesenen Menschen bezeichnet. Die Zeitung zitiert das Geuadiew- sche Wort: „Wir sind keine Russoohvben," und bemerkt dazu folgendes: Mit diesen negativen Phrasen, die jeglichen realen Inhalts entbehren, charakterisiert der Redner die Beziehung Bulgariens zu Rußland. Augenscheinlich fand unsere Diplomatie in der letzten Zeit in Sofia gegenüber den Bulgaren nicht den richtigen Ton. wcnu der verantwortliche Redner der Mehrheit des Ministeriums sich bei Erwähnung Rußlands auf die eben erwähMe halb herablassende Phrase beschränkt. Das Blatt kommt auf die Möglichkeit des Einrückens Bulgariens in Mazedonien zu sprechen und »ersteigt sich zu folgender plumber Drohung: In diesem letzten Falle — und wir sind überzeugt, daß unsere Ansicht dm Stimme des gesamten denkenden Rußlands entspricht — würde nichts das Gefühl des Widerwillens und der Entrüstung zurückkalten können. Auf die Bulgaren würden die grausamen Wotte Taras Bulbas angewendet werden: Ich habe dich geboren, und ich werde dich auch töten.
Der englische Protest gegen angebliche Reutralität»- vcrlctzung durch Ecuador und Columbien.
London, 1. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) „Dailh Telegraph" meldet aus Washington: Bryan gab zu verstehen, daß er sich wegen !der englisch-französischen Proteste betreffend eine Neuttalitätsverlehung durch Ecuador und Columbien nicht weiter bemühen werde. Gegenüber den englischen Behauptungen, daß sich eine deutsche Funkeiistation in Columbien befände, begnügt sich die amerikanische Regierung mit einer Erklärung, daß dies nicht der Fchl sei. Es läßt sich nicht sagen, was die Vereinigten Staaten tun, wenn England und Frankreich selbständig gegen Columbien Vorigehen sollten. Der Korrespondent des „Daily Telegraph" glaubt, die Bereinigten Staaten würden sich einem energischen Auftreten England» und Frankreich,» nicht wider- setzen, man müsse abwarten, ob England und Frankreich dies wagen werden und ob nicht schlimmsten Falles die Vereinigten Staaten sich dennoch bemühen würden.
Vom Burenkriege
ist nur wieder eine englische Meldung zu verzeichnen:
London, 1. Dez. >WDB. Mchtamtlich.) Die Blätter melden aus Pretoria vom 28. November: Hier wurde amtlich bekannt gemacht, daß General Louis B o t h a am 26. Rov. de, Zkastell die Buren unter Hendrik Brouwer angegriffen und rn der Richtung auf Nauwpoort zurückgetrieben habe. Zur Beurteilung der Bedeutung des Bürgerkrieges ist bezeichnend, daß die Frauen der Buren aus den Höfen arbeiten oder die Arbeit durch Kasfern verrichten lassen: die Männer stehen alle im Felde.
Aur dem Reiche.
Berlin, l. Dez. lW. B. Nichtamtlich.) Im Reichstag irat heute vormittag die sogenannte „freie Kommission" zur Vorberatung der neu gesorderten Kriegskredite zusammen. Von der Regierung sanden sich ein: Reichskanzler v. Äethmann H o l l w c q in feldgrauer Generalsuniform, säst olle Staatssckrelärr der Reichsämter und mehrere preußische Minister. Auch Vertreter der Bundesstaaten erschienen: darumer der bayerische Ministerpräsident (Äras v. H e r t l i u g. Außer den 36 Mitgliedern der "mmission sanden sich bei Beginn der auf 10 Uhr vormittags o „beraumten Sitzung so viele Abgeordnete als Zuhörer ein, daß der Saal des Bundrsausschusse« die Teilnehmer nicht zu fassen t" imochte Deshalb wurden die Verhandlungen alsbald noch Be- „m n ui de n Plenarsitzungsfaal verlegt. Ei» großer Teil der '.U>. geordneten war m feldgrauer Uniform erschienen. Der Vorsitzende
deS Budgetausschusses. Dr. Spahn, leitete die Verhandlungen, deren strenge Verlraulichkeit der Ausschuß beschloß. Vor Beginn der Beratungen drückte der Reichskanzler in einer kurzen Ansprache seine Freude darüber aus, mit den Vertretern des Volkes wieder in persönliche Fühlung treten zu können. In begeisterten Worten pries er sodann den guten Geist unserer Arm« und Flotte und die Einigkeit des deutschen Volkes. Ausführungen über die politische Lage behielt sich der Kanzler für die morgige Vollsitzung des Reichstags vor. Reichstagspräsident Dr. Kämpf dankte dem Kanzler und versicherte ihn der unentwegten Einmütigkeit des deutschen Volkes.
Stuttgart, 1. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) Wie der „Staats-Anzeiger" hott, hat der König dem Reichskanzler zu seinem Geburtstage einen telegraphischen .Glückwunsch übersandt.
Au» Stadt und Lau-,
Gießen, 2. Dezember 1914.
Auf dem Felde der Ehre gefallen.
(Aus Hessen und den Nachbargebieten.)
Hornist Gesr. Wilh. Schmidt, Ins.-Rgt. 117, ans Hain- Grüildan. — Lt. Max Eichel aus Tarmstadt. — Lehramts- Assessor Adam Ehrbard in Beerfelden. — Lt. d. Res. Hans Kleiner, Lt. bayr. Rcs.-Jns.-Rgt, — Landwehrm Jos. Dreht, J»I.-Rgt. 118, ans Worms. — Pionier Adain Trundt, Pionier- Bat. 2v, a>is KriegSheim. — Geir. Wilh. Heck, I. Res-Garde- Rgt. aus Dörnigheim. — Unteross. Ferd. La » nhar d l, Ins.- Rgt. 136, aus Hanau. — Osf.-Stellv. und Tiplom-Handelslehrer Tr. Hermann E l s ä j s e r ans Hanau. — Wehrmau» Wildelnr Simon. Fuß-Art.-Rgt. 7. au« Dtlleaburg. — Dr. phil. Willi. Schneider aus Nieder-Ramstadt. — Dragoner Karl Weitzel, Trag.-Rgt. 22, ans Darmstadt. — Einj.-Äeir. Wilh. Müller, 2. bayr. Jägerbat., aus Heinertshause». — Unteroff. d. Landwehr Franz Wilh. Keller aus Lffenbach a. M. — Ersatz-Restrvisl Adam Sybertz, Ins.-Rgt. 118, aus Offenbach a. M. — Unler- osfizier Jean Neurath, Pionier-Rgt. 25, aus Marburg. — Unteroff. Karl Achenbach, Jus.-Rqt. 83, aus Weitenbach. — Kaufmann Berlhold FriebertShäuser aus Gladenbach.— Res. Tambour Herm. AngerSbach, Nes.-J»s.-Rgl. 88, aus Biebeukops. — Unteroff. d. Res. Ludwig Müller aus Wommelshausen. ,
** Von der Universität Der Pttvatdozent für Psn- chiattte und Oberarzt an der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten der Universität Gießen Tr. Kart Berliner ist zum außerordentlichen Professor ernannt worden.
** Auszeichnung. Offizier-Stellvertreter Ludwig Bergör, Rcs.-Jnf-Regt. 116, aus Gießen erhielt die Hessische Tapserkeitsmedailke.
**Fürsorgefürim Krieg Wer st ümnielte. Am 27. v. Mts. fand auf Veranlassung des Schriftführers der Deutschen Vereinigung für Krüppelfürsorge, Heim» Professor B i e s a l ski-Berlrn, in den Mäumen der Landesversicherungsanstalt zu - Tarmstadt eine Besprechung statt, wie für die im Krieg Verstümmelten, nur noch teilweise Arbeitsfähigen gesorgt werden könne. An dieser Besprechung haben Vertreter des Großh. Ministeriums, des Landesvereins vom Roten Kreuz, der Landesversicherungsanstalt Großh. .Hessen, der Lazarett-Direktion Darmstadt, des städtischen Arbeitsamts, des Krüppclheims und des Hessischen Fürsorgcvereins für Krüppel teilgenommen. Als Ergebnis der Besprechung wurde festgestellt: Die Fürsorge für die Kriegsinvaliden muß m ög lt ch st ze i t ig, also schon während der Lazarett- behandlnng erlittet an» es ist daher anzustzreben, daß in den allgemeinen Reserve- und Bereinslazaretten den Verwundeten, die einer orthopädischen Behandlung oder Nachbehandlung bedürfen, diese auch zuteil wird, und daß sachverständige Aemte hierfür zngezogen werden. Nach Möglichkeit »soll in Orlen mit größeren Lazarett-Einrichtungen eines der Lazarette hierfür besonders erusgestattet und diesem die geeigneten Verwundeten überwiesen werden. Da den Kriegern, die als Folgen ihrer Verwundung am vollen Gebrauch ihrer Gliedmaßen behindert sind, möglichst ihre volle Arbeitsfähigkeit ivieder gegeben werden soll, ist in ihrem Interesse eine vorzeitige Entlassung! ans dem Lazarett- und dem Militärdienst zu vermeiden, und es ist zweckmäßig, den wiederhergestellten Mann unmittelbar in eine Arbeitsstelle zu entlassen. Da die Verwundeten zumeist nicht in ihren Heimatslazaretten verpflegt werden, ist wenigstens die Nachbehandlung in der Heimat anznstrebcn, um die Arbeitssuche zu erleichtern. Die Verwundeten sind daher möglichst vor Abschluß der Bchandlung einem der 'Heimat nahe gelegenen Lazarett zuznführen. — Zur Arbeitsvermittlung sind keine Neueinrichtungen nötig, sondern cs ist engster Anschluß an die Arbeitsnachweise und Arbeitsämter zu empfehlen. Die in Arbeitsstellen Untevgebrachten sind — wenigstens in der ersten Zeit — zu überwachen und sollten sich in dieser Zeit nicht selbst überlassen bleiben.
** Militärische Vorbereitung der Fugend. Tie zweite Jnstruktionsstimde am Freitag abend brachte nach turne- ttschen Uebungen Unterweisungen über vesichiedene Arbeiten unserer Pioniere (Anlage von Schützengräben usw.) durch die Herren Bou- sührer Pairan und Kreistechniler Müller. Der erste Zug der ersten Kompagnie wurde durch die Herren Ofsizier-Stellvertrtter Haupt und Kern über den Bau unseres Militärgewrhrs unter- richtet. Zum Schluß behandelte Herr Oberlehrer Lamby, geschmückt mit dem Eisernen Kreuz, in sehr interessanter Weise die Frage, womit unsere Artillette schießt. Ein späterer Dortrag soll die Frage llarlegen, wie unsere Artillette schießt. Am Sonntag nachmittag rückten die beiden Kompagnien nach der Wellersbnrg aus. Tie Feuerwehttapelle, die sich freiwillig in den Dienst der Jugend gestellt hat, führte die Iungm-umschatt hjnairs und bolie sie in Wieseck wieder zum Heimmarsch ab. Tie Uebungen im Gelände erstreckten sich auf Unterweisungen im Entsernungschätzen, Bildung der Schützarlinie u. a. m. An der Anstnldnnc, der Jagend in obigem Sinn haben sich bis jetzt beteiligt die Herren Pros. Tr. Mitterniaier, Offrz.-StÄlv., Univ.-Sekvetär Erle, Stadt- baumeister B r a u b a ch, Schuhmachermeister Weeg, LeutnaM Dingeidein, Leutnant Petri, Feldw.-Leutnant Herzet, Feldw.-Leutn. Horst, Feldw.-Leutn. Ranft, Ofsz.-Stellvettr. Haupt, Offz.-Stellv. Kern, Oberlehrer Dr. S ch a e s e r , Bauführer Wachsen, Dreher Fritz Wenzel, FrnanzaspirantM ü l l e r, Schuhmachermeister Erb, Schlosser R. Schwall, Schueidermür Horey leck, Kreistochniker Müller, Bauführer Pairan, Architekt Roll, Univ.-Tanzlehrer Will, Rttsender Ph. Hermann, Feldwebel-Leutnant Naumann, Krimiualkommissar Müller und Dr. Krausmüller.
** Für unanbringbare Pakete, die durch die Sammelstelle der Kaiserlichen Marine, 1. Ersatzbataillon Kiel oder 2. Dorpedodivisrvn Wilhelmshaven, an Angehörige der Feldtruppenteile der Kaiserlichen Marine in Belgien versandt wurden, sind folgende Bestimmungen erlassen: Derartige Pakete sind grundsätzlich an den Absender zurückzusenden, wenn sie nicht den entsprechenden Vermerk enthalten, daß sie znm Besten der Angehörigen der betreffenden Feldtruppenteile verwendet werden dürfen. Kansleute und Handwerker, die Waren auf Bestellung versenden, tun gut, wenn sie die Pakete mit dein Vermerk versehen, daß sie im Falle der Unanbttngdarkeit znrückzn senden sind, weil bei manchen Feldttuppenteilen die Berernbanrng gettoffen ist, daß alle unanbringdaren Pakete znm Besten des Truppenteiles verwendet werden sollen.
** Po st verkehr mit Ge fa nyenen in Rußland. Die russische Postver wa l t u n g hat nunmehr der Erösfniing des Postanwcisnngsverkehrs der Kriegs-
gesangenen zwischen Deutschland und Rußland zum l. Dezember z u g e st i m ni t. Die Postanweisungen nach Rußland sind in schwedischer Währung (Kronen und Lere, Meisl- bettag 525 Kronen) anSzustellen und werden in Malmö nach dem Kurse von 175 Kronen — 100 Rubel umgerechnet, lieber die sonstigen, bereits früher mttgcteilten Bersendungsbedin- gütigen geben die Postanstalten Auskunft; im Schaltervor- raum jeder Postanstalt ist auch ein Aushang („Pvstverkehr mit den Kriegsgefangenen") angebracht, der die Verscn- dungsbedingnngen enthält.
" Stadttheater. Man schreibt uns: Um auch eine Neuheit zu dringen, wird am kommenden Dienstag im Abonne> ment „Als ich noch im F l ü g e 111 e i b e‘, ein iröhlicheS Spiel in 4 Auszügen von Albert Kehm und 'Martin Frehsee, gegeben werden. Das liebenswürdige Werk dürste zurzeit das meist- gegebene Stück aus deutscheu Bühnen sein und wird überall sehr gut ausgenommen, wie auch aus Darmstadt berichtet wird, wo es im Spielplan des HostbeaterS erschienen ist.
** Backhaus' Beethoven-Abend. Der berühmt« Klaviervirtuos Wilhelm Backhaus will die glänzende Lluf- nahme, die er bei seinem siüheren wiederholten Austrtten hier gesunden hat, damit erwidern, daß er seine Kunst in den Dienst der Kriegswohllätigkeit zugunsten Gießens stellt. Zu diesem Zwecke wird er im Rahmen der Konzerwereins-Veranstaltungen einen Beethoven-Abend zum Besten geben, der am Montag, den 7. Dez. in der neuen Aula stattfinüek. Das nach Inhalt und Walil llassische Programm bringt die Pathätigue, die Appassivnata und aus der reifsten Schasfenspettode des »Meisters die Sonate op. 101 in A-dur und die dem Erzherzog Rudolph gewidmtte in 6-moll (op. 111). Ein ähnliches Konzert hat Backhaus kürzlich in Berlin, bei dem die Kronprinzessin ihr Erscheinen zugesagt hatte, veranstaltet, und ebenso in Stuttgart, wobei ihni im besonderen Aufträge der Königin von Württemberg das Hoftheater zur Verfügung gestelll wurde. Die Verehrer des Künstlers dürste es interessieren, daß er kürzlich von Amerika zurückgrkehrt ist, wo er den größten pianistischen Triumph der letzten Jahre erzielte. Bon den Pressc- stimmen, die über seine viermonatige Konzertreise vorliegen, mögen einige mitgtteilt sein: „New Aork Staats-Zeitung": „Backhaus erwies sich als ein Künstler von allererstem Rang, der den ihm vor» angegangenen großen Ruf voll rechtfettigte. Vor allem ist er wunderbar musikalisch. Dazu besitzt er Einfachheit, Sttlgesühl und als besondere Naturgabe eine gewisse Naivüät, die sich an die schtviettgsten Probleme mit einer Selbstverständlichkeit bermrmacht, die erquickend wittt. Die schtviettgsten technischen Aufgaben löst er mit unfehlbarer Selbstverständlichkett, als ob alles für ihn ein Kinderspiel wäre. Und immer hat man das Gefühl, daß da noch ein Ueberschuß an Kraft dattnstecke, der sich nie ausgebe. Das Publikum feierte den großen Pianisten nach Gebühr. Wilhelm Backhaus ist der Ersten Einer und möglicherwttse der Erste von Allen." >— „The Sun": „Er genießt lwute die größte Wettschätzung und Verehrung aller ernsten Musiklicbhaber bei uns. Amettka ist überfüllt mit Künstlem, aber für solche Jdealerscheinungen der Musik ist immer rin Ehrenplatz frei: er mag wicdcrkommen!" — „New Bork City Revue": „Alles Empnndeu strömt in diese Zauberhäude, die zu singen nnd zu sprechen wttsem, Es ist so etwas Herttsities, Seltenes, einem Künstler sagen zu können, daß er die Kttttk eirt- ivaffnet, daß er den Kritiker zu einem Bewunderer seiner Kunst macht, ihn für viele Stunden der Unsieude und Unbefttedignng reichlich eirtschäbigt hat. Hier ist einmal ein Künstler, den man nur schweren Herzens wie einen liebgewordenen Freund schwinden sieht."
** Bortrag in der Unrversitüt. Wir machen nochmals auf den Borttag des Geh. Kirchenrats Prof. Dr. Eck: „Der Schotte Carlyle, Deutschlano und England", der heute abend 8 1 / i Uhr in der neuen Aula der Universität stattfindet, anftnerksam. Der Ertrag ist zmn Besten von Hinterbliebenen im Felde gefallener Gießenrr.
** Aenderungen im Wechselverkehr. Nachdem der Bundesmi durch Bekanntmachung vom 23, November die Protest»- sttst für Wechsck, die in Elsaß-Lothringen, in der Provinz Ostpreußen oder in einzelnen Kreisen »Destpreußeus zahlbar sind, sowie für solche im Stadtkreise Danzig zahlbaren gezogenen Wechsel, die als Wohnott des Bezogenen einen in Otz- vrenßen oder in einem der betettigten westpreußischen Kreise liegenden Ott anqeben, um weitere 30 Tage, also auf insgesamt 150 Tage, vettängett hat, ist die Postordnung vom 20. März 1900 entbrechend geändett worden. Ferner hat die Postordnung folgende beachtenswerte Aenderung erfahren: Während der Geltung der Bestimnnmgen über die Vettängerung der Fttsten des Wechsel- und Scheckrechts kann der .Austtaggeber verlangen, daß der Wechsel mit dem Postaustrage schon am zweiten Werktage nach dem Zahlungstage des Wechsels nochmals zur Zahlung vorgezeigt und, wenn auch diese Vorzeigung oder der Versuch dazu erfolglos bleibt, protestiert werde. Dieses Verlangen ist durch den Vermerk „Ohm die verlängette Proteststtst" auf der Rückseite des Postaustrags aus- zudrücken. Es können mithin künftig ausgeliefett werden a) Post- protestauiträge mit dem Vermerk „Ohne Proteststtst", d) Post- vrotestmifttäge mit dem Vermerk „Ohne die verlängerte Protestfrist" und c, Postprotestanfträge ohne leben Vermerk. Währeiü» bei den unter a bezeichneten Postprotestonsträgen sogleich nach der ersten vergebttchc-n Vorzeigung oder dem ersten Bettuch« der Vorzeigung Protest erhoben wird, sind die unter b und c auf» geführten Postprotestaufträge, soweit nicht eine zwette Vorzeigung überhaupt ausgttchlossen ist, wie z. SB. im Falle ausdrücklich« Zahlungsverweigerung bei der ersten Vorzeiguug, nochmals zur Zahlung vorzuzeigen und ersorderlichersalls zu vrotestieren, und zwar die unter o am zweiten Werktage nacki dem Zablungstage des Wechsels, die unter v bei Ablauf der verlängerten Wcchselproteststtst.
** Die Hnndebesitzer werden wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß nach dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in der Stadt Gießen die Hunde so lange fest gelegt oder an der Leine geführt werden mnsserß als die Stadt Gießen einen Sperrbezirk bildet. Zuwiderhandlungen sind strafbar.
Landkreis Gießen.
F. Watzenborn-Steinberg, I.Dez. Unsere Jugend- w e h r ist nun ordnungsmäßig konstituiert. Ein Vorstand ist gebildet, Heller »nd Instrukteure, die sich bereitwillig zur Verfügung stellte», sind angenommen. Da nun auch gleich zu Anfang zirka 84 junge Leute beitraten und die Uebungen krisch und sröylich mtt- inachten, so Kursen wir hohen, daß die Einttchtung lebenSiähig sein wird und daß sie unserem Volke und vor allem unserer Jugend selber zum Segen gereichen wird.
T. Watzenborn-Steinberg, l.Tch. Nachdem berttts am Sonntag, den 27. September ds. Is. in unserer Kirche eine Trauerfeier für die vier ersten gefaUenen Kttegar aus unserer! silameinde abgehalten wurde, fand am letzteil Totenfeste im Nach- mtttagsgottesdienst eine weitere sehr «ündrucksvolle und tier ergreifende Gedächtnisfeier für fünf Söhdre unserer mttnde statt, die ttn Dienste des Vaterlandes ihr Leben gelassen haben. Es find dies: Georg Harnisch IX. in Watzenborn, 29 Jahre alt, Karl Burk II. von Watzenborn, 25 Jahre alt, Ernst Häuser von Watzenboor, Theodor Ludwig Philipp twn Steinberg und Leopold Ka tz, Kriegsfreiwilliger von Watzen dorn, 19 Jahre alt. Inzwischen ist der Httmgang von nocki z>vei vielleicht drei unserer Jtrieger zur Gewißheit geworden, während noch einige vermißt werden, über deren VerÄ«b bis fetzt leine sichere Iiuskmlst zu erzielen matt
x Utphe, 2. Dez. Die Liebes tat igkeit unserer Gemeinde hat sich glänzend bewährt. Bei der hiesigen Sammelst e l l e gingen bis l. Dezember ein 920.59 Mk., wovon 547.35 Mk. an das Kreiskomitee für „Rotes .cttenz und .Kriegshilfe" abgeliefert wurden. Ferner wltvden bis jetzt cur das Kreiskomitee in Gießen gesandt: 1000 Eier, 30 Pfund Wurst und Schinken, 1 Ztr. Aepfel, Türrobst, Wein, 500 Zigarre» und Zigaretten, Dabah 5 Pfeifen, 73 Paar Strümpsc, 64 Paar Handschuhe, 72 »opfschützer, 11 Paar Kniewärmer, 109 Hemden, 16 Unterhojcn. 38 Handtnck,er, 52 Bettücher, ein vollständiges Federbett, 2 Federkissen,


