Ausgabe 
18.11.1914
 
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Siegcsfrcudc in Wien.

Wien, 17. Nov. (WTB. Mchtanttlich.) Oberbürber­nreister Dr. Weißkirchner ordnete anlüMch der Siege der österreichisch-ungarischen Armee in Serbien die Beslag- gung des Rathauses uno sämtlicher städtischer Gebäude an. Er richtete an Feldzeugmeister Potiorck ein Telegramm, in welchem er die Freude der "Stadt Wien über die glänzen­den Erfolge der tapferen Südarmee ausspricht und de» l>el- denmütigen Söhnen Oesterreich-Ungarns sowie ihren ge nialcn Führern im Namen der Stadt Wien die herzlichsten Grüße entbietet.

Italiens Haltung.

Turin, 17. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Ter römische Mit arbeite! derGazctta del Pvpolo" berichtet aus vorzüglicher Quelle: Die üalienische Politik ist nach wie vor nicht

aggresiv, sondern in der Defensive und bereit zum Eingreifen, falls die italienische Bevölkerung außerhalb der Landesgrenzen in Gefahr ist, von den anderen Staaten absorbiert zu werden. Es zurzeit völlig unrichtig, dan Sonnino bereit sein soll. Italien zur Unterstützung Englands nach Aegypten zu iüh en, was eine Kriegserklärung der Dreibuuoi.euase bewirken würde. Italien beabsichtige nur, seine durch die türlsische .Agitation be­drohte Kolonie Libyen zu schützen.

Der Angriff auf Apcrn.

Kopenhagen, 17. Nov. DerDaily News" wurde ge­meldet, die Deutschen haben einen verzweifelten Angriff auiPpern begonnen. Tie Operationen der Alliierten in dieser Gegend befinden sich an einigen Punkten im Fortschreiten. Vieles hängt davon ab, ob die noch einige Tage die Stellung behaupten können, die sic jetzt einnchmen. Die deutsche Ossenftoe ist mit größerer Heftigkeit eingeleitet worden als je zuvor

Frische französische Truppen in Flandern.

Amsterdam, 17.Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Der belgische Berichterstatter vonDe Tijd" meldet: Zur Verstärkung der ge­schwächten westlichen Front und zur Ablösung belgischer Truppen wurden frische französische Truppen hrran- gesührt. Ein Teil der Belgier geht nach Paris, um die unver­brauchten Truppen der Pariser Fortbesatzungen für den Frontdienst frei zu machen.

Schnee in Rordfrankrcich.

Berlin, 17. Nov. DieB. Z." meldet aus dem Haag: In Nordsrankreich ist am Montag Schnee gefalle». Das Wetter war in den letzten Tagen sehr kalt, stürmisch und sehr regnerisch. Heute herrscht sehr starkes Schneetreiben. Die Wege sind in Moräste verwandelt.

Beschießung von Armentidres.

Ko pen h ag e n, 17. Nov. (WTB. Nichtamtlich.)Po­litiken" nieldet aus Paris: Armenlieres wird be­schossen. Mehrere Fabriken gingen in Flammen auf. Der Schaden ist bedeutend. Das städtische Hospital wurde ge­räumt.

Reue deutsche Angriffe aus Reim» und Umgegend.

London, 17. Nov. (WM. Nichtamtlich.)Morning Post" meldet: Seit Freitag herrscht große Tätigkeit in der Champagne. Reims urnd Umgebung werden heftig beschossen. Die deutschen Linien erstrecken sich im Halbkreis nm die Stadt. Die Deutschen haben verschiedene Forts im Besitz. In den letzten 48 Stunden wurden heftige Angriffe des Feindes auf den wichtigsten Punkten ausgesührt, wobei der größte Druck in der Rich­tung auf Berry-au-Biac und Thiclt ausgeitbt wurde. Die Deutschen haben offenbar große Verstärkungen erhalten, und die Artillerie und ihre schwersten Be­lagerungsgeschütze wieder von den Höhen abgefahren. Die deutschen Laufgräben sind ein Altes Erche vorgeschoben worden. Die nächtlichen Angriffe dauern ständig fort. Heute früh nmrdcn die Schlachthäuser gesprengt.

Ersatz abhanden gekommener Auszeichnungen.

Berlin, 17. Nov. Ein neues Armee-Verordnungs­blatt enthält, wie die Korrespondenz Piper mitteilt, fol­gendes:

Ich genehmige. daß denjenigen Angehörigen, des aktiven Heeres, die während des jetzigen Feldzuges ohne ihr Verschulden das Eiserne Kreuz verloren haben, diese Auszeichnung unentgeltlich ersetzt werden darf. Vorstehende Be- stimmung hat auch auf die übrigen Orden, die von Offizieren. Sanitäts-, Zeug-, Feuerwerk- und Fcstuugsbmi-Osnzierc» sowie von den Beamten verloren wurden, sinngemäß Ainoendung zu finden. Aus den nrir gehaltenen Vortrag genehmige ich, daß die von Angehörigen des aktiven Heeres Mährens des jetzigen Feld­zuges ohne chr Verschulden verlorenen Dienslauszeichnungskreuze und Landlvchrdicnstlwszeichmmgen unentgeltlich er cyt werden dür- jen. Großes Hauptquartier. Gcz. Wilhelm l. K.

Eine Spende von in Argentinien lebenden Deutschen.

Berlin, 17. Nov. (WTB. Mchtamtlich.) Die Deutsche llcberseeische Bank in Buenos Aires hat dem Stell­vertreter des Reichskanzlers 3 7 5000 Mark als das Er- bebnis einer Kriegsspende übersandt, welche die in Argentinien lebenden Deutschen und Deutschenfreunde ur Unterstützung der Verwundeten und notleidenden Fami ien in Deutschland gesammelt haben. Diese hochherzige Spende wird in ganz Deutschland mit lebhafter Freude be­grüßt werden als ein Zeichen treuer Auhänglichleit a» die alte Heimat und inniger Teilnahme an dem großen Kampf, in dem sie steht.

Die neue größereEmden".

E m d c n, 17. Nov. Aus das Beileidstelegramm der städti­schen Kollegien an den Kaiser aus Aulaß des heldenmütigen Unlcrgangs der Emden hat der Kaiser folgende Antwort gesandt:

Großes Hauptquartier, Zivilkabiiiell. 15. Nov. Herzlichen Dank sür das Beileidstelegramm anläßlich des betrübenden und doch so heldcnhaslen Endes meines Kreuzers Emden. Das brave Schiss hat auch noch im letzten Kamps gegen den überlegenen Feind Lorbeeren sür die deutsche Kriegsslagge erworben. Eine neue slärlere Emden wird erstehen, an deren Bug das Eiserne Kreuz angebracht werden soll in Erinnerung an den Ruhm der alten Emden.

Tic Tätigkeit des KreuzersKarlsruhe".

Am st erbaut, 17. Nov. (WTB Nichtamtlich.) Das .Handclsblad" meldet aus London: Der Kapitän des eng lischen DampfersMaria", von Pucntas Arenas nach England unterwegs, erzählte, oaß sein Schiff ain 20. Sep­tember von dem deutschen KreuzerK a r l s r uh e" beschlagnahmt und versenkt loordeu ist. Der Kapitän und die Mannschaft derMaria" ivurdc» an Bord des Be gleitfchifsesCrefeld" gebracht. DieKarlsruhe" hatte da­mals bereits die DampferPolvicastle",Strathroy",Map- leberanch",High-Landhopc" undJndraui" beschlagnahmt. An demselben frage wie dieMaria" wurden die Dampfer Cornish Eity", am darauffolgenden Tage die DampferRio Agusa", ,,Farne",Niaba del Arinaga",Lyurolvank Cervantes",Pruth" unoEondor" beschlagnahmt. Am 22. Oktober lies dieErcfeld" in Santa Eruz ein und lan­

dete insgesamt 439 Personen von den erbeuteten

Dampfern.

Ein englischerSieg".

Rotterdam, 16. Nov. (WM. Nichtamtlich.) Der Nicuwe Rotterdamsche Courant" meldet: Das deutsche RegierungsfahrzeugKomet", das bei Neu-Guinea vo» einer austraische» Flottenabtcilung fortgenommeu ivurdc, ist dieser unter dem NamenUna" einverleibt worden.

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Aus dem englischen Unterhaus.

London, 17. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) (Unterhaus.) Asquith stellte bei Beantwortung von Anfragen eine Solderhöhung der unteren Rangklassen der Armee in Aussicht. Er sagte: .B isher wurden 438 Unter­offiziere zu Unterleutnants befördert. Aus die Frage, welche Schritte die Regierung getan habe, um den Feinden die Zufuhr notwendiger Artikel abzu- schneiden, erklärte Asquilh, daß die Regierung seit Kriegsbcginn keiner anderen Frage größere Aufmerksamkeit geschenkt habe. Es sei eine der schwierigsten Fragen, haupt­sächlich deshalb, weil es sich um Güter sür den Feind handle, die aus neutralen Ländern durch neutrale Schisse ausgesührt würden und in erster Linie einen neutralen Bestimmungs­ort halten. Wenn die Regierung willkürlich handle, würde sie mit den Rechten der neutralen Mächte in Konflikt kom!- men. So belangreich es sei, dem Feinde mit allen gesetzlichen Mitteln Kriegsmaterial, Lebensmittel und andere dringend notwendige Güter abzuschnciden, so sei von ebenso großem Interesse, daß England sich nicht willkürlich gegen das Völ­kerrecht und gegen die neutralen Länder verhalte. Die Re­gierung strebe darnach, mit großer Vorsicht beide Pflichten zu erfüllen, so daß ein Konflikt vermieden würde. Asquith sagte ferner über die Zunahme der Stein kohlen-Aus- suhr nach Skandinavien, er glaube, daß die Ver­mehrung nicht sowohl daraus folge, daß Steinkohlen schließ­lich nach Deutschland gingen, sondern vielmehr, daß Skan­dinavien eine Zeitlang der Vorräte beraubt gewesen sei. Asquith fuhr fort: Es war nicht zu verwundern, daß sich die skandinavischen Länder an England wandten, um Vor rate zu erhalten, die sic nicht mehr aus Deutschland erhielten. Holland sei ein Land, das Rechte als neutraler Staat/ geltend mache. Die britische Regierung habe keinen Grund zu Klagen. Holland besiudc sich in einer delikaten und schwie­rigen Lage, da das Land den Unterlauf des Rheins beherrsche und an Belgien grenze. Asquith schloß: Ich beklage mich nicht über die Art, wie Holland seine Verpflichtungen als neutraler Staat erfüllte, aber andererseits müssen w i r dafür^sorgen, daß Güter, die tatsächlich sür den Feind und seine Armeen bestimmt sind, ihn nicht unter dem Vorwände erreichen, daß sie für neutrale Häsen konsigniert seien. Asquith wies schließlich ans den geringen Prozentsatz der Krankheiten in der Armee hin.

Das Unterhaus nah», nach kurzer Aussprache ein stimmig das Gesetz zur Bewilligung des Kredits von 225 Millionen Pfund an und ermächtigte die Regierung, die ziocite Million Mann unter die Massen zu rufen.

England gegen Frauen und Kinder.

Berlin, 18. Nov. Gegen die von England betätigte Ein­sperrung von deutschen Personen weiblichen Geschlechts sind, wie dieRundschau" erfährt, durch Vermittelung einer neu­tralen Macht nochmals die schärfsten Schritte in London unternommen worden, von deren Ausgang es abhängt, ob nicht Deutschland zu gleichen DergeltungSmaßnabmen auch gegen die zahlreichen sich in Deutschland aufholtenden Engländerinnen schrer- ten wird.

Ein englischer Dampfer auf Grund geraten.

Kopenhagen, 17. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Berlingske Tidcnde" meldet aus Drontheim: Ter eng- lischeDampferW e i m a r" (?), von Archangelsk nach Leith unterwegs, geriet bei einer Dve bei Bosereholm auf Grund. Aus dem Dampfer befanden sich 28 englische Marineoffiziere und Matrosen, die mit einem Eisbrecher von Kanada gekomnien waren; sie sind in Dront­heim interniert worden.

Abreise des russischen Gesandten in Teheran.

Kopenhagen, 17. Nov. Eine Blatternachricht aus Petersburg besagt: Der russische Gesandte hat Teheran verlassen und ist nach Päbris übergesiedclt. Die persische Regierung hat das Parlament zu einer außerordentlichen Tagung einbcrufen. Petersburger Blät­tern zufolge wurde in Teheran der Aufruf des Kali­fen amtlich durch die Regierung bekannt gegeben mit der gleichzeitigen Verkündigung, daß der Durchzug tür­kischer Truppen durch Persien von der Regie­rung gestattet worden sei.

Die Haltung Bulgariens.

Wien, 17. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Einer Meldung der Südslavischen Korrespondenz ans Sofia zufolge veröffentlicht das bulgarische RegierungsblattNaradni Prawa" nachstehende Er­klärung : Wir erfahren, daß in Sofia serbische Abgesandte eingclrossen sind, um Verhandlungen über irgendwelche Konzessionen an Bulgarien auf der Basis der Abtretung des linken Warda-Ufers unter illnerkennung der nationalen und kirchlichen Rechte der Bulgaren in Mazedonien zu pilcgcn. Wir zweifeln daran, daß diese Abgesandten Glück haben werden, weil Bulgarien und die bulgarische Regierung mit solchen un­bedeutenden Zugeständnissen nicht befriedigt werden können.

An» fu'ffen.

Die Erneuerungsmahlri« zur Zweiten Kammer.

(rb.) D a r m st a d t, 16. Nov. Die V o r st ä n d c und Vertrauensmänner sämtlicher Parteien der Zweiten hessischen Kammer waren heut nachmittag im Ständehause zu einer gemeinsamen Besprechung zusain- mengetreten. Die unter Vorsitz des bisherigen Kammerpräsi- denten, Oberbürgermeister Köhler-Worms, stattfand. Den einzigen Gegenstand der Beratung bildete die Frage der Erncucruiigswahlcn zur Zweiten Kam in er ohne W a h l k a nt p s ans Grund des gegenwärtigen Besitz­standes der Parteien. Dieser Vorschlag war gelegentlich der gemeinsamen Beratung der Kammcrvorstände und Finanz­ausschüsse mit der Regierung vom Abg. Ulrich angeregt und von der Regierung sympathisch ausgenommen worden; so­wohl die Naiionallibcrale Partei, wie gestern auch die Frei­sinnige Volkspartei, hatten sich im allgemeinen ebenfalls da­mit einverstanden erklärt. In der fast vierstündigen Beratung ergaben sich nun aber doch allmählich nicht unerhebliche Schwierigkeiten. Es wurden besonders von den sozinldemo kratischen Rednern zahlreiche Anforderungen oder Vorbehalte gellend gemacht, die bei den Vertretern der anderen Parteien zum Te, aus starke» Widerspruch stießen. Da unter diesen Umständen zwischen den verschiedenen Parteien in der Ver­sammlung eine Verständigung nicht erzielt werde» konnte, so soll in einer in 14 Tagen einzubcrufenden Ver­

sammlung ein ncucrVereinigungsvcrsllch unter.«

nommen werden. Die für die erste Halste des Dezember be­absichtigte kurze N o t st a n d s l a g u n g derLandständ, wird dadurch nicht beeinträchtigt.

»

(rb.) D a r m st a d t, 16. Nov. Der Rcichstagsabg D r. m e d. B c ck c r, der bei der letzten Wahl im Januar 1912 als nationalliberaler Vertreter für den Rcichstagswahlbezirl Bingen-Alzey gewählt worden ist, war bekanntlich schon vor mehr als einem halben Jahre an einem schweren Gallenstein- leiden erkrankt. Nachdem er mehrere Monate im hiesigen städtischen Krankenhaus gelegen und sein Zustand wiederholt einen sehr bedenklichen Charakter angenommen hatte, unle» zog sich Dr. Becker vor vier Monaten einer neuen schweren Operation in der Gießcncr Klinik. Nachdem der chirurgische Eingriff seinerzeit glücklich gelungen war, hat sich in der Zwischenzeit der Zustand des Patienten so weil gebessert, daß er vorgestern aus der Klinik entlassen werden konnte.

Aur dem Reiche.

Die Reichstagsrrsatzwahl in Mannheim.

Mannheim, 17. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Bei der Heu» stattgesundcnen Reichstagsersatzwahl sür den im Felde gcsallcne» Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Frank im Wahlkreis Mann- heim-Weinhcim-Schwctzingen wurde der sozialdemokratische Kan- didat Redakteur Oskar Geck mit 11574 Stimmen gewählt. Ein Gegenkandidat war nicht ausgestellt. '

Berlin, 17. Nov. (W. B. Nichtamtlich.) Tic von den T a r- lehcnskassen auSgclichencn Beträge oermindcrle» sich in der Zeit vom 7. bis zum 14. November uw 80*0 auf 1036,7 Millionen Mark. Davon entfallen 750,4 Millionen Marl aus solche Entnahmen, die sür Zwecke der Kriegsanleihe bean­sprucht wurden. Ta am 7. November die sür Zwecke der KriegS- anleihe bewilligten Darlehen 801,9 Millionen Mark betrugen, ist eine Verminderung um 51,5 Millionen zu oerzcirhuen. Dies ist um so bemerkenSwettcr, als die Einzahlungen aui die Kriegs­anleihe in der Woche vom 7. November bis zum 14. November um 95,6 aus 3673,8 Millionen stiegen. Kontingentierten Zucker belciben die Darlehenskassen bis zu zwei Dritteln des aus der Verordnung des Bundesrats vom 31 Oktober 1914 sich ergebenden jeweiligen Kontingents deS Preises.

Berlin, 17. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) TieB. Z am Mittag" erfährt von einer Persönlichkeit, die an der Besichtigung einiger Einrichtungen der sozialdemokratischen Gewerkschasten telnabm K af; die Fahrt junr 1 gemein- chasilich nah den Kon umvcrcinsanlagcn nach l ich enbe g g ng. Nach deren Besichtigung trenn.,.. >ich die Fahrt eilnebmcr , zw.1 Gruppen, von denen die eine die Einrichtungen deS Holzarbeiier- verbandes befuchtr, die andere baS GewerkichaitshauS. An beiden Orlen wurden dir Teilnehmer mit einer Ansprache gegrüßt, auf die bei den Holzarbeitern der ReichSschatzsekrelär Kuh», im Ge- werkschastshaus Handclsminister Sydow mit einigen Tankesworirn erwiderten. Tie Teilnehmer an der Bcsichttgungssabrt empfingen wie sic erzählen, sehr wertvolle Eindrücke, die sicherlich später, wie dieB. Z." glaubt, bei der Lösung dringender Fragen, z. B der Arbeitslosensürsorge von großem Nutzen sein werden Znglciä aber ist der Ministcrbcsuch bei den Gewerlschaste» in der gegen­wärtigen Zeit rin glänzendes Zeugnis für die pvliliiche Einigl.it und Geschlossenheit des deutschen Volkes.

München, 17. Nov. (28. 93 ) Der Kommandierende General des I. Bayerischen Armeekorps hat einen Erlaß veröffentlicht, der sich gegen die Gehaltskürzungen und L o h n m i n« dcrungen, insbesondere gegenüber den Heimarbeiterinnen lichtet, und zur Hintanüaltung eines derartigen gemeingefährlichen Ge- bohrens strenge Zwangsmaßrcgeln in Aussicht stellt. _

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Ans Stadt nnv Land.

Gienen, 18. November 1914.

KricgSbcfuch aus Schlesien.

Wenn unsere Stadt den Pnlsschlag der Zeit mich nickst aus nächster Nähe zu fühlen bekommt so gibt es doch in ihr soviel dessen zu sehen, was uns an die kriegerische Zeit er­innert, daß, die Gedanken in ständigem Kreislaus um die großen Geschehnisse gehalten tverden. Tie Garitison, die seit Kriegsbeginn Tausende und Taufende junger Streiter ins Feld sendet, unsere Landsttlrmcr, die in Gieße» ihren Ba- taillonsnamen haben, das Gefangenenlager, das als Stadt für sich ein Drittel der Bewohner ganz Gießens aufnehmen könnte, die zahlreichen Lazarette, mit denen unsere Universitätsstadt dem Vatcrlande tatkräftige Hilfe leistet, alles das erinnert zu jeder Stunde und auf allen Wegen daran, daß der Krieg die Stunde beherrscht. Kleine und große Vorkommnisse aller Art gesellen sich hinzu, das Bild zu vervollständigen, und in den weiten Rahmen fügte sich gestern ein neuer Ton: Viele, vicleHunderte von Lands­leuten aus den schlesischen Grenzgebieten, vornehmlich aus dem Regierungsbezirk Oppeln, kamen auf der Durchreise durch Giessen und mußten für einige Zeit die gern geübte Gastfreundschaft der Bürgerschaft in Anspruch

nehntcn.

In den Nachmittagsstundcn pochte und schellte es an vielen Türen, und in allen standen, von wenigen erwartet, aber von allen herzlich in Empfang genommen, junge Män­ner aus dem Osten des Vaterlandes, die das Gebot des Klie- gcs aus der Heimat geführt hatte. Wtr sprachen mit einer ga,tzen Reihe von ihnen. Begreiflicherweise kommt ilpieii die deutsche Muttersprackw ganz anders von den Lippen als den Hessen, und so war die Verständigung zwisckwn dem Besuch aus dem Osten und den Qnartierwirteu nicht immer gaiiz einsach, zumal die meisteu launi wußten, iveshalb ina» sie aus der .Heimat geholt hatte, und was man mit ihnen beab-

sichttgeer aug sa 0 ^ Te f \ n her Nähe von Benthe». Eist kleines, zutrauliches Kerlchen, eben siebzehnjährig, der am Abend des letzten Samstags sicherlich mit anderen Gedankeö schlascn gegangen war, als am Dieitstag morgen an dev andern Seite des deutschen Vaterlandes in ein frcnidcs Quartier gehen zu müssen.

Kaum ligg' ich sch.asfen." erzählt er.scl^ellts draußen auf der Straße. Mitten in Nacht um ll Uhr. Schreit der Polizeidiener:Alle Männer und Burschen ztoischen 17 und 24 Jahren müssen morgen früh 5 Uhr vor Gemeindelsaus. Oh. waren am andern Morgen viele Tausend vor Gemeinde­haus. (Ter kleine Landsmann lmt in der Aufregung natürlich ein wenig ausgeschnitten.) Dann ist der Ortsvorsteher ge­kommen und hat gcsaggt: Mle müssen sahrrn nach Beuthen. Tann sind nur eingestiegen in d,ese große Paketwegm unv gefahren gesal>rcn gefahren bis Giften. Was soll u» tun in Gissen?" Zum Abschiednehinen sec wenig Zeit ge­wesen, zun, Packen schon gar nicht.Tie von uns, was gcoue und lräslige sind, werden Soldatten, kleine schicken sie wredcst heim." Und der Kleine erlaubte sich eine kräftige Kritik, datz man ihn nicht schon hinten in seiner Heimat als hinreiclstnd ist in erkannt habe. Mit einem wahrhafi unwahrscheinlichen Appetit machte er sich dann an einen soliden Küssee und meinte kauend:Das einzige Guttc an Reise ist. daß mau kriggt richttgen .Hunger." Wann er denn zum letztcnnim ettoas bekomme» l>abe?Lwitc morgen um scchse." Und war es nachinitlags sünse. Nun, er holte das Bersäumlc nach