StoJrt und bfen Islam eine neue Aera des Gkückvs herbei ssühcen. Der Botschafter kieß sodann den Kaiser und den Suklan hvchkeben. Nazim Pascha stellte darauf einige sreigelassene Algerier vor, von denen einer in einer arabischen Ansprache ausdrückte, die Hoffnung aller Muselmanen sei mit Hilfe der Verbündeten sich von dem Joche Englands, Frankreichs und Rußlands zu befreien. Endloser Jubel fotzte diesen Worten. Nach Absingung der deuxschen Nationalhymne begab sich der Zug zum ochlusje zur äsierrvichrseh-ungarischen Botschaft.
Konstantinopcl, 15. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Rach der KnildKebuns vor der deutschen Botschaft traf der Zug, an dem sich ungefähr 6000 0 Personen beteiligten, vor der österreichisch-ungarischen Botschaft ein. Etwa 2000_ Teilnehmer begaben sich in den Botschaftsgarten und stellten sich in einem Halbkreis auf. Ter ehemalige Minister des Aeußern M u k- t h a r Betz, der kurz vorher mit dem Vorstand der valriotifchen Vereine bei dein Botschafter Markgrafen von Pallavicini vorgesprochen hatte, hielt vom Balkon aus eitle Ansprache, in der er die Verdienste des Botschafters um die EnteMe zwischen Oesterreich- Ungarn, Deutschland und der Türkei hcrvorhob und die Bedeutung der Allianz der drei Kaiserreiche Oesterreich-Ungarn, Deutschland und Türkei betonte, die nicht aus persönlichen Gründen hervorgegangen sei, sondern einen natürlichen Zusammenschluß der drei Reiche zur Bekämpfung des gemeinsamen Feindes bedeute, die ein denkwürdiges Bündnis eingegangen seien, wie cs die Geschichte noch niemals verzeichncte. Die Türken iverdcn in diesen gemein samcn Kämpfen all ihre Tapferkeit zeigen und ihren Verbündeten den Wert des moralischen Einstusses, den sic auf die ganze islamitische Welt besitzen, Nachweisen. — Ter Redner schloss mit Hoch- ruseit auf das heilige Bündnis der drei Kaiserreiche und die ver kündeten Armeen. Tie Rede wurde mit Begeisterung ausgenommen. Unter stürmischen Lochrufen erschien Botschafter ' Taf Pallavicini aus dem Balkon und dankte für die Kundgebungen.
AuS der Türkei.
Konstantinopcl, 15. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Wie gemeldet wird, sind die von Deutschland freige- lassenen muselmanischen Kriegsgefangenen in Adrianopel ein betroffen, tov sie einige Tage verweilen lver- den. — Tic ivsriere Zerstörung von Lokalen türkcn- feindlichcr Bescher wurde durch sofortiges energisches Eingreifen von Polizei und Militär verhindert.
Kon st a n t in opel, 15. Nov. (DTB. Nichtamtlich.) Sänttliche nicht muselmanischenNativnalitälcn wetteifern darin, ihre Teilnahme an dem von der türkischen Regierung unternommenen Kampfe zu bekunden. Das griechische N a ti o nalf p i t al teilt mit, das; es der Regierung aus eigenem Antriebe für die Militärvcrwak.rrng eine Anzahl von Betten für verwundete und kranke Mrlftärperso- nen zur Verfügung ft ekle und schon einige seiner Zweig- anstalten ausschließlich für militärische Zwecke bereitgestellt habe. Das armenische und israelitische National- spiial zeigen denselben Eifer. Die Armenische Bank gab 23000 Kronen für die an die Grenze entsandte Armee sowie eine Ambulanz mit fünfzig Betten.
Ko n st a n tin »p e t. 15. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Wie „Dänin" erfährt, bat der englische Angriff gegen Akaba in Indien und alle englischen Besitzungen, in denen Muselmanen leben, einen Sturm der Entrüstung hervorgerufcn, weil er einen Angriff gegen die heiligen Stätten des Islams darstellt. Um diesen schlimmen Eindruck zu verwischen, hat die englische Regierung in Indien ein Communrqus veröffentlicht, in dem es heißt: England nähre keinerlei aggressive Absichten gegen die Muselmanen, und in dem versichert wird, der Kreuzer „Minerva" habe mehr als 800 Meilen von ÄSaba entfernt gehalten „Dänin" bemerkt dazu: Derartige Kommuniques zeigen klar, wie die englischen Verräter zittern.
Der heilige Krieg in Marokko.
Kon stan tin ope l, 15. Nov. (WTB Nichtamtlich.) Wie „Tasvro-ittZfkiar" erfährt, genannt der Heilige Krieg, der gegen Frankreich prollanriert wordeii ist» in Marokko an Ausdehnung. Dem Blatte „Saddet" zufolge, das in Tanger erscheint, sind 10000 Marokkaner und derSultanAbdul'Melekin Dazza ein gezogen. Eie nahmen die französischen Beamten gefangen. In einem zwischen Marokkanern und Franzosen in der Umgebung von Tangeransgesochterreir Kümpfe sind die Franzosen geschlagen worden. Der Gouverneur von Tanger soll die französische Regierung darauf aufmerksam gemacht haben» 'daß die Stadt, falls nicht in den nächsten Tagen Verstärkungen gesandt würden, von den Marokkanern eingenommen würde.
Die Kämpfe der Türken in Kleinafien.
(WTB.) Konstantin opel, 15. Nov. (Nichtamtlich.) Amftichc Mitteilung aus dem türkischen Hauptquartier: Unsere Truppen haben die Stellung von Kotnr in der persischen Provinz Aserbeidschan besetzt, die bisher von den Russen besetzt war. Diese wurden geschlagen und flohen. Heute haben leichte Gefechte ztmsehen unseren verfolgenden Trrchpen und ihrer Nachhut statt gesunden. Die Kämpfe bei Köprtköi waren sehr heftig. Unsere Truppen zeigten eine wirklich außergewöhnliche Tapferkeit. Ein Regiment machte drei Bajonettangriffe gegen die Hohe 1905, in deren Verlauf der Kommandeur und die meisten Offiziere eines Babwvpns fielen. Endlich drangen unsere Truppen mit einer Tocpferkbrt, die auch in der rühm- reichen oitomanifchen GesihiMe ehrenvoll hervortritt, in diese Stellungen ein. Nicht ein Mann von der feindlichen Besatzung dieser Höhe ist entkommen. Unter der sehr großen Deute befindet sich viel Defestigungs- material. Gegen die bei Foo an der Küste in der Provinz Bassora gelandeten Engländer wurde ein heftiger Angriff unternommen; von den Engländern fielen sechzig.
Ein Bericht der russischen kaukasischen Armee.
Petersburg, 14. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Bericht des Generalstabs der kaukasischen Armee: Der Kampf in der Gegend der Stellungen von K ö p r i k ö i dauert immer noch an. Keine kriegerischen Bewegungen in der Provinz Zatchorekh in den Tälern von Bagasid und Alaschkert noch am Gestade des Schwarzen Meeres.
Vernichtung türkischer Transportschiffe.
Konstantinop el, 14. Nov. MTB. Nichtamtlich.) Eine Mitteilung des türkischen Hauptqnattiers besagt: Die nach den t ü r- kischenTransportschiffen „Be^mialen", „Bachriaehmer" und „Midhat Pascha" angestellten Nachforschungen haben ergeben, daß diese Schiffe, die vor der Beschießung Songuwaks ab gingen, um zum Truppentransport zwischen früher genannten Orten zu dienen, mit der ruffifchen Flotte, die Songuldak bombardierte, zusammen- trasen und von ihr versenkt wurden. Die Besatzungen in der Stärke von 219 Mann ,ntb einige Passagiere wurden nach russischen Berichten von den Russen gefangen genommen. Der Verlust dieser Schiffe ist bedauerlich, aber sie werden durch drei bessere den Russen weggemmmieue russische Schiffe ersetzt, die die Namen der drei versenkten Schisse erhalten.
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Die Spioncnkurcht im englischen Unterhaus.
London, 14. Rov. (MTB. Nichtamtlich.) U n t e r h - u s. Der Itnionist Johnson Hicks beanttagtc ein AmendemeM zu der Adresse, welches dü Beunruhigung ausdrückl, daß die Thronrede nicht auf die öffentliche Geiaht Bezug genommen habe, die aus der Anwesenheit der Ausländer im Verewigten Königreich enlstaichen war, die vielleicht in Verbindung mit den feindlichen Staaten standen, und aus der Existenz der Akticngesell- schasten, die iast sämtlich aus ausländischen Aktionären bestehen. Johnson sagte, Mac Kenna habe am 9. Seplencher angegeben, da» sich 50 633 Deutsche und 16141 Oesterreicher im Laude befinden. Wenn man noch die polizcllich nicht registrierten 10 Prozent rechnet, würde die Gesamtsumme über 73 000 betragen.
— Johnson kritisierte diese Maßregel der Regierung als unzureichend und fragte, imviewcit nominell englische, aber tatsächlich deutsche Handelsgesellschaften ihr Geschäft in Großbrilan- men iorrsühren dürsten, obwohl sie oicllcichr durch neutrale Länder mir dem deutschen Hauptouartier Verkehr unterhielten.
Mac Kenn« erwiderte und ftagte, od Johnson sagen wolle, daß jeher einzelne Dem:che in Großbritannien wie ein Feind aus dem Schlallftelde beyandclt werden solle. Johnson l>abc tljm selcht drei Deutsche für die Naturalisierung empfohlen. Es wäre nicht grausam, sondern notwendig, alle Deutschen als Spione und Feinde zu beharrdeln. Bettesss der Internierung und Freilassung von Deutschen habe die Zivilregierung keine Macht, die Initiative zu ergreifen, da das eine rein militärische Angeleg-nhttt sei. Das Staatssekretariat des Innern handelte auf Ansuchen de- Militär- uw MarinebehOrden. K itÄener habcam?. Septembererklärt,ausgewrssenGrur- ben sollten io e \ t er e Ver haf tu n g e n v o r g e o m m ert werden, was geschehen sei. r.i- Umstände erlanbten kein bestimmtes System, oietmeltr müsse ftd> die Regierung durch die Frage der Gefahr leiten lassen. Wenn ein Einiall von Zeo- Velinen zu erwarten sei, würden die Leute interniert werden müssen, da die Befürchtung bestände, sie würden versuchen, eine Panik hervorzubringen. Ja es fei denkbar, daß Internierungen in großem Mahstabe statliänden, um Derartiges zu oerbiudern.
— Mac Ken na fuhr ört: Im leöten Mona, erh elt die mit tr rische Frage ein anderes Aussehen. Die Regierung nahm au« Wunsch derPbi.-itärbchScde» mehr Verhaftungen vor, aber eä_wurde rtid-t für notwendig geheim, damit sortzufthrrn, und die Militärbehörden lehnten es ab, für die- Unterbringmrg der deutschen Verhafteten zu sorgen. Mac Kenn« machte ironische Anspielungen aus die Aeußerungen von Lord Charles Bercssord, dag der englische Krieg verloren ginge, well das deutsche Marmeamt durch Spione in England Informationen erhalten habe.
Bonar Law griff Mac Kennas Maßregeln an und sagte, jeder Deutsche in Großbritannien, gleichviel ob er naturalisiert fei oder nicht, sympathisiere stets mit seinem eigenen Lande und sei verdächtig. Große Anstrengungen müßten gemacht werden, um den Verkehr solcher Untertanen feindlicher Staaten stets zu überwachen, der den englischen Interessen irgendwie schaden könnte. Lord Beresford forderte die Regierung auf, alle Untertanen feindlicher Staaten hinter Stacheldraht einzuschließen, einschließlich der in hohen gesellschaftlichen Stellungen. die mehr Einfluß hätten als andere. Der Radikale D a l z i e l betonte, an der Ostrüßc von Schottland herrsche die Empfindung, daß die Spioncnirage nicht richtig behandelt werde. Es >ei nicht zu leugnen, daß für die Provinzen der Ostküste von Schottland sür die deutschen Läsen und das dänische Schiffahrtsgebiet von Wichtigkeit sei. ob deutsche Unterseeboote es erreichten. Der Abgeordnete erwähnte den Fall, in dem ein Deutscher von der Behörde die Erlaubnis hatte, sich mit einem photographischen Apparat )n der Umgebung von Rosehrae fiei zu beloegen. Der Fall beweise, daß die Besorgnis des Publikums gerechtfertigt sei.
Hieraus vertagte sich das Unterhaus.
Ter Vurenkricg
Kavstadt, 15. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Ein amtliches Telegramm aus Pretoria teilt mit, daß Oberst Badenhorst, der von Weloenhoek im nördlichen Oranjesreistaat vorrückte, seinem Bericht zusollge, am 12. Novernibir bei Frank- f.o r t das Rehellenkommando unter dem Beseht von Van Böller an gegriffen uni> dessen Lager mit 47 Mamr und 56 Pferden erobert hat. Zwei Rabellen sielen, drei wurden verwundet, t>
Inwieweit die Engländer es hierbei mk,t der Wahrheit halten, kann leider nicht nachgeprüft iverdcbr.
Lord Roberts t-
London, 15. Rov. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird mitgeteW, daß Lord Roberts gestorben ist. Lord Roberts besand sich in Frankreich auf Besuch bei den indischen Truppen, deren Oberbefehlshaber er gewesen ist. Er hatte sich am Donnerstag eine Erkä l tnn g zugezogen, aus der sich eine Lungenentzündung entwickelte, der er nunmehr erlegen ist.
Lord Roberts war einer der besten Männer, die England ans militärischem Gebiet anizuweisen hatte. Nicht weniger als 40 Jahre seines Lckens hat er in Indien zugebracht und dort seine mür- tättscke Lacishahn vom Kadetten bis zum ttzeueralseldmarschall durchgemacht. An den meisten englischen Kolonialkriegen des letzten halben Jahrhunderts hat Lord Roberts teilgenommen. So >oar er einer der sähigsten Generale der Engländer während des Aufitandes in Afghanistan im Jahre 1879, und als die Schwiettgkeiten des Burenkrieges nberwälttgend groß wurden, sandte man Lord Roberts zur Unterstützung von Kitchener nach Afiika. Roberts und Kitchener waren übrigens seit jeher erbitterte Gegner, und dieser Tatsache ist es wohl auch zuzuschreiben, daß Roberts beim Ausbruch des jetzigen Krieges keine Verwendung gesunden hat.
Das Legen deutscher Minen.
Berlin, 15. N»v. (WTB. Nichtamtlich.) Dje „Nvrdd. Mg. Ztg." verössenchicht eine Erwiderung der deutschen Regierung aus den Protest der brittschen Regierung gegen das Legen deutscher Minen in der Nordsee. Darin wird etwa folgendes ausgestlhrt: Obgleich das achte Laager Abkommen vom 18. Oktober 1607, woraus die brittsche Regierung sich beruft, völkerrachürch cm gegenwärtigen Kriege für keinen Beteilrgken bindend ist, band sich die deutsche Regierung an seine Besttm-- mungen, abgesehen von Art. 2, den sich sowohl Deutschland wü Frankreich ausdrüchlrch Vorbehalten haben, s r e i w i l l i g. Die Behmiptung der lwitffchcn Regierung, daß die deutschen Minen offenbar durch Ftscherbootr, vielleicht sogar unter neutraler Flagge gelegt seien, ist völlig aus der Luft gegriffen^ Die deutschen Minen sind ausschließlich von deutschen Kriegsschiffen gelegt. Wer wett von der Küste und den Häsen des Gegners Minen verankert werden dürfin. ist im .Haager Aibkommcn nicht bestimml, auch nicht durch völkerrechtliche llebimg festgclegt. Die englische Angabe über die Entfernung der deurillen Minen von der bedrohten Küste ist wett übertrieben. Vielmehr sind die Minen so nahe gelegt worden, wie es die Gestaltung des Ankergrundes und die Ber- halttäffe der Küste gestatteten. Unwahr ist die Behauptung über Sperrung neutraler ZUfahrtstrasien. Keine deutsche Mine ist auf der Zusahttstraste von der hohen Sec zu einem neutralen Hasen gelegt. Deuttchersetts sind Minen mit aller möglichen Sorgfalt verankert. Sollten einzelne insolge von Strömungen oder Stürmen ins Treiben gekommen sein, so sind diese Fälle wckt weniger zaUreich als bei den englischerseits gelegten Minen, die an der belgischen und niederländischen Küste angc- trieben wurden und dort Schoden getan haben.
Wieder eine Reuter-Lüge.
(WTB.) Berlin, 14. Nov. (Amtlich.) Eine Meldung des Reuterschen Bureaus aus russischer Quelle behauptet, daß zwischen dem 23. Oktober und dem 5. November die Russe» den Deutschen 22000 Gefangene, ixrrunter 323 Offiziere, gnehr als 100 Kanonen und 4 Haubitzen abgenoimnen haben. Wir sind erinächtigt, festzu- stellen, daß diese Angaben erfunden sind..
Die Einschließung des „Königsberg" ,m Rufijlfluß.
London, 15. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Der Flotten, korrespondeut der „Morning Post" icftreiit: Eine glücklicherweise kurze Verlustliste, die die Admiralität veröffentlicht, zeigt, daß, als der deutsche lUreuzer „Königsberg" im Rusiji- F l u 6 eingcschlossen wurde, ein Gefecht stattsaud. Es nmrdc bereits gemeldet, daß die Mannslliast der „Königsberg" mtt Geschützen gelandet war und sich in der Flltßmüichrmg verfchatrzt hatte. Es scheint daher, daß die Verseirkung bcr Kohle,rschijn im Fahrwasser des Flusses unter deupFeuer, des Feindes geschah. Die englischen Schiffe waren das Schlachtschiss „Golrath" und die leichten Kreuzer „Cliatam" und „Weymouth".
Ein japanisches Torpedoboot gesunken.
Tokio, 15. Nov. Amtlich wird bestätigt, daß ein java- niiches Torpedobvott beim Minensischen in der Bucht von Krau tschau durch eine Mine zum Sinken gebracht worden ist.
Vom italienische» Heer.
Rom, 15. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Nach Zeitungsinel- düngen hat der Mini st errat eiustimuttg neue außerordentliche Ausgaben sür das Heer im Betrage von 400 Millionci» , Lire beschlossen. >_ 1
Au§ dem Reiche.
Die Regelung des Miets Verhältnisses in
K r i e g c. Ter Vorstand des Deutschen Städietages, der im Berliner Rathaus zu einer Sitzung zusammengetreten war, hat über die Regelung des Mietsverhältnisses im Kriege solgende Entschließung einstimmig gefaßt: Trotz der fast unübersehbaren Fülle von Aufgaben und Leistungen, welche der Krieg den Gemeindeil gebracht hat, haben die Gemeinden ein besonderes Interesse jür die Frage der Mietszahlungen an den Tag gelegt und je nach den örtlichen Verhältnissen durch o:ganisaeorisü»e Älaßnahmen, z. B. durch Kredilsürsorge, tatkräftig bewährt. Nachdrücklich zugunsten der Hausbesitzer wirken die Beschlüsse der Gemeinden, wonach vielfach besondere Mietszuschüsse für die Kriegersamilieu vor>wsetzcn oder allgemeine Zuschüsse der Gemeinden zu den Reichsmindestsätzen reichlicher bemessen werden, damit dann ein Teil der Miete gewährleistet werden !ann. Die Gemeinden haben dce in diesen Mietsunrerstützungen liegendeir großeir Opser im Interesse des Vaterlandes gern aus sich genommen, obwohl die Fürsorge sür die Knegerfamilien gnindsätzlich und jedenfalls im Rahmen des Notwendigsten Angelegenheit des Reiches ist und deshalb umfassend nur durch Einlreten des Reiches geregelt werderl kann. Diesen Leistungen der Gemeinden gegenüber cn:behrt die von dem Schutz- verband sür deutschen Grundbesitz in breiter Ocsfentlichkeit ver- ttctcne Ansicht, die Gemeinden laten in Mietsfiaqen nicht, was llmen obliegt, jeder Berechtigung. Trotz aller Slnstürme gegen die Gemeinden hält der Deutsche Städtetag daran fest, daß jetzt die Verwendung der Gemeindemittel auch in Kriegszeiten, und besonders in Kriegszeiten, ausschließlich durch das Interesse der M- gememheit bestimmt werde und daß selbst zugunsten des den Gemeinden so eng verknüpften Hansbesitzerstairdes eine Hilisattion, die anderen Ständen versagt bleibt, aus öffentlichen Mitteln unzulässig ist. Die von dem Schugverband für deutschen Grundbesitz vorgcschlagem Aktion würde die finanzielle Leistungssähigkeit der Gemeinden und damit die Grundlage des Hausbcsi:ers zerstören.
Hamm (Wests.), 14. Nov. Der frühere fortschrittliche Abgeordnete Geh. Juittzrat Windt borst, Stadtverordneter und Ehrenbürger von Hamm und Welefeld ist heute im 81. Lebensjahre geswrben. D
Asrr Stadt m»$ LanS.
(Sieben, 16. November 1914.
** Autounfall ßes Großherzogpaares. Der Großherzog, der am Samstag abend aus emige Tage von der Front zu seiner Familie zurückgekehrt ist, ist gestern morgen mit seiner Gemcrhlin einer großen Gefahr entgangen. Nachdem das Großherzogliche P ar am Margen den Gottesdienst in der Hostirche besuitt hatte, wollte nran am istachmittag im Auto einen Besuch des Prinzenpaares Friedrich Karl in Frankfurt unternehmen. Das Auto, das nicht von dem gelvoh-tten Chauffeur, sondern von einer jüngeren Kraft gesteuert wurde, fflhr in raschem Tempo über die Feldbergstraße, als an der Jir-u. zung des Doruheimerwegs ein Wagen der Elektrischen Straßenbahn vom Bahnhof her heranbam. Beide (öesährte bremsten init aller Macht, doch konrtte der Z u s a in m e n st o ß nicht mehr vermieden tperden. Das Auto des (ßroß- herzoglichen Paares wurde von dem Wagen der Straßenbahn erfaßt und einige Meter zur Seite au den Bordstein der Straße geschleudert. Der Chauffeur stürzte aus dem Wagen, während das Oirohhcrzogspaar trotz des Ernstes des Vorfalles mit dem bloßen Schrecken davon kam. Auch der Chauffeur wurde nicht verletzt. Tie beiden Fahrer behaupten, rechtzeiiig Signal gegeben zu haben,, doch scheint es, als ob der Chauffeur nicht die richttge Fahrbahn eine gehalten hat. Die polizeilichen Erhebungen sind im Gange. Das stark beschädigte Anlo >m>rde abends oo» .Hosangeslell- teu abgeholt. — Der Großherzog wohnte abends im Hof« kheatcr der Vorstellung von Trrstan und Isolde unter Felix Weingartner bei.
»»Den ersten Schneefall brachte uns der gestrige Sonntag abend. Manch sachverständiger Blick war im Laufe des Tages prüfend zu den eilig ziehenden Wolken geflogen, und die empftndlichc Külte im Verein mit dem charakteristischen, verwaschenen Grau des Himmels hatte überall die Prophezeiung im Gefolge: Heute wird es sitt-erlich schneien. Und richtig: In der Dämmerung begann es erst sacht und zaghaft von oben mit kleinen weißen Flocke» zu riefeln, aber bald begann ein Schneegestöber von solcher Dichtigkeit, daß trotz des nassen Bodens im Handumdrehen die schönste Wrnterlandschaft entstand. Selbst auf dem Pflaster und dem Asphalt konnten sich die großen, nassen Flocken zu einer dicken, weißen Decke schichten, in der alles Geräusch des Verkehrs erstarb. Viel Leben zeigten allerdings in den Abendstunden die Straßen nicht; der Auseitthalt draußen war zu naß und ungemütlich, als daß man die wanne Strlbe damit hätte vertauschen wollen. So mancher wird beim Anblick des winterlichen Bildes unserer Soldaten gedacht haben, die den Unbilden des Wetters io oft ohne Schutz preisgegeben sind, und bei manchem wird dabei das Verständnis für die Notwendigkeit, ihnen aus der warmen Heimat zu helfen, noch lebendiger geivordeir sein.
»» Vom 116. Landwehr-Jnfanterie-Regi- m e n t. Wie heldenmüttg sich unsere hessischen Landsleute — das Landwehr-Jnf.-Regt. 116 ist aus Landwehrleuten aller drei Provinzen in Darmstadt gebildet worden — an den Käntpsen vor der Front betätigt haben, zeigt die Tatsache, daß an die Angehörigen des Regiments bisher nicht weniger als 101 Eiserne Kreuze uird 14 hessischeTapser- keitsmedaillen unseres Großherzogs crtellt werden konnten. Das Eiserne Kreuz erhielleu: Oberstleutnant und Regimentskommandeur Graf v. Schliejsen, Haupttnann Perschke, Oberleutnant Wagner, Oberlt. Moewes, Oberlt Schäfer, die Leutnants Paluschka, Schiustcr, Wester, Hahn, Wagner, Himmelreich und Clvrius, die Ofs.-Stcltv. Hiuten- berg, Neuroth, Dieter, Eckhardt und Petri, llntcrzahlmcister Sievert, Bizefeldwebel und Regimentsschreiber Gerhard, die Vizeselinoebel Best, Schäfer, Schneider und Malftnus, die Feldwebel llhil, Schmidt und Bär, die Uirtcrosfizicre


