1 Uhr nachmittags schloß, die gründe für seinen Rücktritt
auseinandergesetzt und sei damit lebhaften Meinungsverschiedenheiten unter den Ministern begegnet. Minister-räsidenl Salandra habe überlegt, ob er dein König nur den Rücktritt des Schatzministers und des Ministers des Aeußern, oder den Rückiritt des gesamten Kabinetts unterbreiten solle.
Rom, 31. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) „Giornale d'Jtalia" schlecht: Schatzminister Rubini wollte, daß das Kabinett von der Kammer 200 oder 300 Millionen neue Steuern fordere, um die militärischen Ausgaben zu bestreiten. Ministerpräsident Salandra und die anderen Minister waren aber der Ansicht, daß der gegenwärtige Augenblick dafür nicht günstig sei. Das Blatt glaubt, daß Salandra mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt werden wird.
Dixmuiden ausgezeichnet haben, ein Regiment von 1000 Marineartillerrsten, eine Gruppe von Automobilschcin- werfern und eine Flußslottc,
Berlin, 1. Nov. (etr. Mn.) .Zu tot italienischen Ministerkrisis bemerkt der römische Korrespondent des „Bcrl. Tagebl", daß eine Aenderung der auSn>Lrtigen Politik durch den Wechsel im Ministerium jedenfalls ausgeschlossen sein dürfte. Der „Boss. Zeitung" wird dazu aus Rom gemeldet: Die Krisis im italienischen Ministerkollegium ist durch die Weige- rung des Finanzministers Rubini hervorgerusm worden, die Per- antwortung für die Beschaffung der außerordentlich großen Militärkredite zu übernehmen, die vom.Kriegsminister und den übrigen Mitgliedern des Kabinetts gefordert worden waren. Dem Minister- vräsidenten ist diese Krisis augenscheinlich nickst unangenehm, denn er bekommt dadurch eine günstige Gelegenheit, sein Kabinett aus eine breitere Grundlage zu stellen. Er kann nun eine Reihe einflußreicher Parlamentarier in den sMinisterrat nehmen nnd dadurch seine Gefolgschaft unter den Politikern und unter dem Volke bedeutend vergrößern. Salandras Wsicht wird es sein, ein sogen, großes Kabmett zu bilden, das Vertrauen bei allen Parteien genießt.
Die Besetzung der Insel Saseno.
Rom, 31. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) „Agenzia Ste- fani" meldet: Heute vormittag hat die Besetzung der Insel Saseno stattgefnnden. Admiral Patris telegraphierte, daß er in Haiba (?) und S an Nicola (?) eine Batterie und die dritte Kompagnie eines Landesbataillons ansgeschisft habe.
Ein Ausstand in Algerien.
Berlin, 31. Okt. (Ctr. Bln.) AuS Köln wird gemeldet: Rach einer Meldung der „Köln. Zeitung" waren dem Madrider „Fmparciak" zufolge die jüngsten Ereignisse in Algier ziemlich ernster Natur. In der Ortschaft Benigpsen weigerten sich die Eingeborenen, der Verfügung Frankreichs, wonach alle Mauren von 19—45 Jahren emzuberufen sind, nachzukommen. Die Gendarmen, die Rekruten gewalt- am aus heben wollten, wurden erschossen und ihre Leichname zerstückelt. Ms eine Zusammenrottung von etwa dreitausend Eingeborenen stattfand, wurde französische Artillerie und Kavallerie entsandt, um den Tod der Gendarmen zu rächen. Die Zensur verbietet Mitteilungen über ihr Eingreifen.
Die Gefährdung der Kathedrale von Reims.
Roin, 31. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Ta die französische Heeresleitung wiederum eine Batterie vor der Kathe- drale von Reims ausgestellt und einen Beobachtungsposten auf dem Turnt der Kathedrale eingerichtet hat, hat im Aufträge des Reichskanzlers der preußische Gesandte ' in Vatikan bei der Kurie gegen den barbarischen Mißbrauch von Gotteshäusern einen förm- ichen Protest eingelegt. Tie Franzosen allein trügen die Verantwortung für eine etwa eintretende Beschädigung; üe den Deutschen zur Last zu legen, sei eine Heuchelei.
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Der österreichische amtliche Bericht.
WTB. (Nichtamtlich.) Wien, 1. Nov. Amtlich wird verlautbart: 1. November mittags. In Russisch-Polen entwickeln sich neue Kämpfe. Angriffe auf unsere Stellungen wurden zurückgeschlagen und ein feindliches Detachement zersprengt. Die mehrtägige erbitterte Schlacht im Raume nordöstlich Turka und südlich Starh Sambor fühtte gestern zu einem vollständigen Siege unserer Waffen. Der hier vorgebrochene Feind, zwei Infanteriedivisionen und eine Schützenbrigade, wurde aus allen seinen Stellungen geworfen. Czernowitz wird von unseren Truppen behauptet. Das namentlich gegen die Residenz des griechisch-orientalischen Erzbischofs geeichtere Attillcriefeuer der Raffen blieb ohne nennenswerte Wirkung.
(WTW.) Wien, 1. Nov. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 31. Oktober. Die Erfolge unserer Truppen, di« der ihrem seinerzeitigrn Einbrüche in die Macva dort auf starke mit Draykhindcrntsscn, geschützte Befestigungen stießen und in dies« erst vor «wer Tagen noch langen schwierrgen 'Kämpfen ber Ravnje Bresche schlagen konnten, erfuhren heute eine bemerkenswerte Fortsetzung. Trotz verzweifelter Gegemwchr der Serben und ungeachtet der schwierigen Paflierbarkeit der teckweis« sumpfigen Maeva drangen heute unsere sämtlichen über die Save und die Dana vorgegaugenen Truppen in breiter Front weiter vor und nahmen dort di« Orte Cruabara, Banovopolie, Radenkovie, GluSci, Ta bamvic. . 33ottoret, Fcldzengmeisker.
Russische Greuel.
England und Amerika.
(WTB.) London, 30. Okt. (Nichtamtlich.) Die „Mor- ningvost" meldet aus Warshington: Die Politik Englands und Amerikas stehen imGegensatz zueinander. England wünscht natürlich zu verhindern, daß Güter nach Deutschland gehen, die dem Mutterlande als Kriegsmaterial von Nutzen wären oder ihm Helsen würden, gewisse Industriezweige zu erhalten. Die amerikanische Regierung würdigt die Lage Englands, fühlt sich aber nicht veranlaßt, England auf Kosten dcS amerikanischen Handels zu unterstützen. Es fühlt ich vielmehr verpflichtet, alles zu tun, was in seiner Macht teht, um. die Auslandsmärkte für amerikanische Erzeugnisse zu sichern. Es wird sehr bald deutlich werden, daß die Bert- hältnisse auf einen Zusammenstoß hintreiben, der nur durch Takt und Rücksichtnahme, sowie durch gegenseitige Zu geständnissc und eine großzügige, vornehme Diplomatie aus beiden Seiten vermieden werden kann.
L o n d o n, 31. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Times" melden au' Washington vom 29.Okt.: StaatssekretärBryän hat einen Befehl an die Hafcnbehörden erlassen, bis auf wei- teres nur den zuständigen Beamten der Regierung Auskunft zu erteilen über alle aussahrendcn Schiffsladungen sowie deren Bestimmungsort bis 30 Tage nach der Klarierung des Schiffes, in dem sich die Ladungen befinden. Der Korrespondent der „Times" fügt hinzu, die amerikanische Regierung handelt damit innerhalb ihrer 'Rechte, aber da England das Recht habe, Schiffe ans hoher See zu untev- ucheu, sei es fraglich, ob der erwähnte Befehl nicht zur Eins- Führung einer strengen britischen Patrouillierung des Atlantischen Ozeans und infolgedessen zu einer vermehrten Möglichkeit von Verwickelungen führen werde.
Wien, 1. Nov. (WTB. Nichtamtlich. Meldung des Wiener Dorr.-Bur.) Wie erst ietzt bekannt wird, haben die Russen in den von ihnen besetzt gewesenen Tellen der Bukowina arg gehaust. Zahlreiche Meierhöfe und sonstig« Gebäude wurden niedergebrannt, viele Wohnungen geplündert und Passanten auf der Straße von Kosaken beraubt. Vom Lande werden mehrfach grundloseHin- richtungen und andere Gewaltakte gevieldet. In Czernowitz führten dH Russen unter Nichtachtung des Roten Kreuzes Sanitätsoffiziere und Jnfpekttonsbeamte zum Teil mit Ketten gefesselt als Kriegsgefangene ab. Insbesondere auch die Rumänen in der Bukowina hatten vielfach zu leiden. Die ausschließlich von Rumänen bewohnte Gemeinde Maidom bei Stvro- zynets ist in geradezu vandalischcr Weise zcrstött worden und völlig medergebrannt und ausgeplündctt. Biele Einwohner haben ihr gc- sanites Hab und Gnt verloren und sind davongejagt worden. Das Schloß des rumänischen Schriftstellers Ritter Wolkcynski in Bu- dcnitz wurde unter der Führung eines Offiziers geplündert. Aus dem GMshose des rumänischen Großgrundbesitzers Janosz in Panka wurde bestialisch gehaust. Alle Oiebäu de wurden niedergebrannt und die Vorräte geplündert, wodurch ein Schaden von mehreren hunderttausend Kronen angerichtet wurde. Die Gemeinde R o p o s o, in der auch sonst arge Gewalttaten vorkamei^ wurde geplündert. Der Bürgermeister, ein Rumäne, entging nur mit knapper Not durch das Eingreifen unserer zufällig ankommeuden Pattouülen dem sicheren Tode. Auch die Gemeinde Kuszuttvars wurde geplündert. Aehnliche Meldungen gehen noch ständig in großer Zahl ein. ,
Der französische Tagesbericht.
Pcvri-s, 31. Okt. (WTB. Nichtamtlich) Nachmittags ittutL'/r Uhr wurde folgendes EommuniguS ausgegeben: Der Dag wurde charakterisiert durch» einen allgemeinen Offensivangriff der Deutschen auf der ganzen Front von Nieu- Port dis Arras imb durch heftige Angriffe auf allen Teilen der Schlachtlinie von Meuport dis zu dem Kanal von La Bassse. As gab abwechselnd Vorwärts^- und RückwättS- dewegungen. Südlich Nieuport wurden die Deutschen, die Ramscapelle nahmen, von dort durch Gegenangriffe vertrieben. Südlich Bprrn verloren wir einige Stützpunkte (HolledekS und Zcmdvoord), rückten aber östlich Apern gegen Passchendael vor. Zwischen La Bassse und Arras wurden alle Angriffe der Deuffchen unter großen Verlusten zurück- aewiesen. In der Gegend von Chanlnes rückten Wir über Li ho ns hinaus vor und uahmen Le Quesnoh en Santerre. 'Ich der Gegend Mt der Aisne sind wir ebenfaW auf den Höhen des racksten Ufers stromabwärts Soifsons vorgerückt, mußten aber gegen Vailly zurückgehen. Wir sind in der Gegend von Souain vorgerückt. Im Argonnenwcckd und in der Woevre ist ein heftiger Kampf entbrannt. Im Walde von Le Krstre haben wir weiteren Boden gewonnen.
Von der französischen Marine.
Bordeaux, 1. Nov. (Agence Havas.) Die Marine hat aktive Formationen gebildet und zwar eine Brigade mft 6000 Mann Füsilieren und eine Maschinenge-, wehÄompagllie, die sich unter dem Admiral Honarch hei
Ans Kamerun.
Bordeaux, 31. Okt. (WTB. Nichtamtlich. Meldung, der Agence HavaS.) General Dobbell, Kommandant der Verbündeten in Kamerun, hat dem Gouverneur von Französisch-Wcstafrika mitgeteilt, daß eine Kolonne französischer und englischer Marinesotdaten am 26. September Edea am Sanagaflusse, 90 Kilometer von der Küste enfernt, besetzt habe.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 2. November 1914 .
Die Schiffahrt in und an der Themse.
London, 31. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Die Admiralität gibt bekannt, daß bis auf weiteres alle Schifffahrt in und «ms der Themse durch Edinburgh-Channel oder durch Black-Deep, südlich Küock John und Knob Bojen, und durch Caze-Deep gehen muß. 9Hfe anderen Fahrstraßen sind geschloffen. Kein Fahrzeug darf zwischen sieben Uhr abends und 6 Uhr morgens unterwegs bleiben. Die innerhalb der Sunk Head-Boje oder innerhalb der Linie zwischen South Lang Sand und dm Fast Shing- leS-Bojen vor Anker liegenden Schiffe dürfen innerhalb der bezeichneten Punkte zwischm 7 Uhr abends und sechs Uhr morgens keine Lichter zeigen. Damit ist die Schifffahrt von und nach London auf eine einzige enge Fahr- sttaße beschränkt.
AuS Portugal.
London, 31.Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Mor- ningpoft" meldet aus Lissabon vom 27.Oktober: Zahlreiche Verhaftungen haben im ganzen Lande stattgefunden. Der Herausgeber des Blattes „Restauracao", Romen Christo, wurde des Landes verwiesen. Die Carbonari haben seit der Amnestie des letzten Februars daran gearbeitet, um die Gefängnisse wieder zu füllen. Sie wissen, daß bei der gegenwärtigen Lage Europas die Verhaftungen von Royalisten wenig Aufmerksamkeit finden und glauben, die langersehnte Gelegenheit sei gekommen. Die Bewegung wurde unterdrückt und alle royalistischeu Zeitungen beschlagnahmt. Telegramme an die Auslandspreise werden zensuriert oder gänzlich unterdrückt. Die Regierung scheint den Karbonaris freiere Hauch zu lassen als je. Di« republikanische Press« Liffabons fordert die Regierung auf, keine Gnade zu zeigen. Der Korrespondent schließt: England hätte ein Jahr früher Portugals mtlitärische Mitwirkung sicher nicht erbftten oder annehmm können, und wenn es dies jetzt tut, muß es unter der Bedingung gesckuhm, daß keine weiteren Vergewaltigungen und Verfolgungen durch die Karbonari Vorkommen.
November.
Tie Farben des Herbstes verglühen allgemach. Die Gärten stehn leer, die Bäume opfern dem Nachtwind die letzten dürren Matter. In der Lust liegt der,Atmr welken Laubes und feuchter Erde. Manchmal ist es, als sei die Sonne ganz versunken, als sei all ihr Leuchten erloschen, und wir fichlen die tiefe Melancholie der Novembertage, an denen der Blick ttn Grau versinkt und der farblose Himmel müde die Ferne verhängt. Regen und Wind machen sich daran, ein Großreinemachen in der Natur crbzuhcrlten und den Einzug des Winters allmählich! vorzubereiten. Gran und farblos, nicht Herbst mehr nnd noch nicht" Winter, sind die Novembettage, und in keinem Monat hält es schwMr, zur Natur in innere Beziehung zu treten, als gerade jetzt, wo sie sick» unfreundlich und gleichgülttg allem Schönheitssinn des Menschen verschließt.
Im November denken wir der Toten. Allerseelen und Totensonntag sind ihnen geweiht. Wem noch Wünsche den Ehrgeiz bedrängen, und wessen Gemiß- frende noch Wonnen ersehnt, der fühlt sich an diesen Tagen, die der Werksorge entlastet und nur dem Gedächtnis der Toten bestimmt sein sollen, an der .Wurzel des Lebens tiefinnerlich bedrängt. Lebenwollen ist allen, die noch mit frischen Kräften im Lebendigen stehn, und auch denen, die schon altersschwach gebeugt sind, gemeinsam, und der Tod ist allen der gemeinsame und über alle Gegensätze hinweg verbrüdernde Gegner. Und trotz dem Gedanken, daß nür die Befristung des L»bens menschliche Kraft und Leistung erzeugt, und daß ein ewiges menschliches Lebeu ein ebenso langes Hinsiechen aller kraftvollen, zusassenden Lebendigkeit sein tnüßte — die Gegnerschaft, das dunkle Auflehnen gegen den Tod spüren wir alle, wenn wir, wie im November, der Toten denken.
Heute mehr als jemals. Das große Sterben des Krieges war uns ftemd geworden, und für die Mten und Aelteren, die im Frühling oder Sommer des Lebens die Zeit von 1870 und 1871 erlebt haben, hatte die Erinnerung an ihre Tränen in den Jahren des langen Friedens ihr« Schrecken fast verloren. Weit draußen auf den historischen Feldern, an blühenden Rainen, in einem Wiesengrnnd, manchmal auf stillem Dorffrredhof im Schatten eines allen Kirchleins — da hatte man beim Besuch der Schlachtfelder von Anno 70 Kreuzt ei n an Kreuz gesel»eit, dazwischen loohl auch den prunkenden Stein eines ruhmreichen Regiments. Und mancher hat dort gestanden und sich abgefunden damit, daß er die Ruhestatt seines Sohnes, fernes Bruders oder Gatten nicht'fand; und hat gedacht: Wie war das nur, als sie hier kämpften, fielen und bestattet wurden — was muß das für eine große, erhabene Zeit gewesen sein. Und wer von den Aelteren die Reise auf die Schlachtfelder nicht gemacht hat, der hatte gelernt, sie in Gedanken aufzusuchen. Und inzwischen ist'manch ein Grab auch in der Heimat, das einen toten Krieger aufnahm, verfallen, weil die Angehörigen dem Toten folgten, ist die Erinnerung an die Zeit vor 44 Jahren blasser geworden, hatten die Jüngern sich daran gewöhnt, in den Denkmälern der Helden mehr einen Schmuck der Sttaße denn eine Ehrung für die gefallenen Sieger zu sehen.
Nun stehn wir wieder mitten im Kampf ums Leben, das nur tausendfacher Tod uns geben kann. Im Osten und Westen ist die Erde rot vom Blute Tausender, die vor wenig Wochen lebensfroh und lebensstark hinausgezogen sind für des Vaterlandes Ruhm und Herrlichkeit, und die nun schon zu den stillen Schläfern gehören, denen die Gedächtinstage der Toten geweiht sind. Wer hätte vor einem Jahre geahnt, daß das Gebot des Sterbens fast jede Familie, fast ein jedes Haus unter seinen grausamen Willen zwingen toürde?
Das Leid eint wie die stumme Auflehnung aller gegen das Sterben, die uns mit grausamer Deutlichkeit in den dunklen Novembertagcn befällt. Und die Trauernden so
Die letzte Tat der „Emden".
London, 1. Nov. (Nichtamtlich) Der Marinekorrespou dent der „Times" schreibt: Wie die auf der Reede bo-nJBe- nang liegenden Schisse die „Emde n" trotz ihrer Mas- kieruug ohne Prüfung herankommen ließen, bleibt unerklärlich. Die List der „Emden" war natürlich vollkommen fair, wenn sie die falsche Flagge vor der Eröffnung des Feuers herunterholte. Sie war von einem Offizier, der sich als so unternehmend und schneidig gezeigt hat, wie Kapitän v. Müller, nur zu erwarten.
Der Angriff auf Tsingtau.
Tokio, 31. Okt. (WTB. Nichtanttlich.) Amtkich wird bekanntgegeben, daß der alkgemeine Angriff auf Tsingtau von der Land- und Seeseite heute vormittag begonnen hat.
Mobilisierung in China.
Berlin, 31. Okt. (Priv.-Tel.) Das „Berl. Tgbl. meldet aus Wien: Nach einer Kvnstanttnopeler Meldung steht eine Art allgemeine Mobilisierung Chinas bevor. Ein Ausschuß unter dem Vorsitz Jüanschikais arbeitet an der Fertigstellung der Mob Uff icrungSv Urschriften,
gut -wie die, an deren Tür der Tdld noch, vorüberging, müssen das Herz in beide Hände nehmen, um der Größe des
Volkes das Liebste, das sie besaßen, auftechten Nackens zu opfern. Wir wissen, warum wir diese Opfer tragen. Und die Tage, an denen wir in diesein Monat der Ber>iorbcnen gedenken, -gewinnen in dieser großen Zeit ihren Wert erst dann, wenn wir ohne Grollen vor unfern Gott hintteten und sagen können: „Drin Wollen ist heilig. Segne, die von uns schieden, laß sie ihren Tod nicht umsonst gestorben sein imd lege ihn auf deine Weltenwage, daß sie sich füx uns zu Sieg und Frieden neige!"
'** Der neue Fahrplan, der nrit Gültigkeit ab 2. November von der Eifenbahnverwaltung herausgegeben worden ist, wird morgen im „Gießeuer Anzeiger" erscheinen.
** Die Kartoffelversorgung. Die Laub- wirtschaftskammcr verbreitet folgende wohlgemeinte Mahn u ng Mt die Kartoffelerzenger und -Verbraucher des Großherzogiums:
„Um die Befürchtungen der Städte, für kommenden Winter ihre Bevölkerung nicht mit genügenden Mengen vm Kartoffeln versehen zu können, zu zerstreuen, ersuchen wir die hessischen Landwirte, keine Kartoffeln nach den benachbarten Staaten abzugeben, sondern sie in den l»essischen Städten zum Verkauf zu bringen. Die städtische Bevölkerung aber wind gebeten, nicht zu sehr aus so- fortige Lieferung zu drängen, da die Landwirte zurzeit mit der Feldbestellung noch stark in Anspruch genommen sind."
Daß die erwähnten „Befürchtungen der Städte" nicht so grundlos sind, erhellt klar daraus, daß am letzten Samstagmarkt, wie an ddn Vormärkten, we der ani Brau d- platznochaufOswaldsgarten Kartoffeln zum Verkauf angefahren waren. Die Stadt hatte im Schulhaus cm der Neustadt noch einen Rest von 9 Zentnern auf Lager, der in einer Stunde in Mengen bis zu 20 Pfund ausverkauft war. Hunderte von Frauen, die Katt off« ln haben wollten, mußten unverrichttter Dinge abziehen oder umstanden ratlos das Gebäude. Sie erklärten, daß >n Gießen für Geld das für ihre Famllie notwendige Nahrungsmittel in kleineren Mengen nicht zu haben sen Man sah vielen dieser Frauen ans daß sic zu den Aermsteir .der Bevölkerung gehörten. Der Gedanke, daß es- trotz aller


