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Erster Blatt ' Jahrgang Montag, 2. November IM

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Lin englischer Kreuzer durch ein deutscher Unterseeboot

vernichtet.

Dauernde Erfolge im Westen. Italienischer Uabinettrwechsel.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 31.Oktober vorm. (Anttkich) Unsere Armee in Belgien nahm gestern Rams- ca»eile und Birschote. Der Angriff ans Dvern schreitet gleichfalls fort. Sandvoorde, Schloß Hellebeke und Wambeke wur­den gleichfalls gestürmt.

Auch weiter südlich gewannen wir Boden. Oesilich Sois- s o n s wurde der Gegner gleichfalls angegriffen und im Lause des Tages aus mehreren stark verschanzten Stellungen nördlich von Bailly vertrieben, :Am Nachmittag würde dann Ballly gestürmt und der Feind unter schweren Berlustm über die Aisne zurück- geworsen. Wir machten 1000 Gefangene und erbeuteten zwei Maschinengewehr«.

Im Argonner Walde, sowie westlich von Verdun und nördlich von Toul brachen wiederholte feindliche Angriffe unter .schweren Verlusten sür di« Franzosen im Feuer zusammen.

Der Kampf auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz hat noch nicht zu einer Entscheidung geführt. Westlich von War­schau folgen die Russen langsam unseren sich neu gruppierenden Kräften. ^

lWTB.) Großes Hauptquartier, 1'. Nov., vormittags. (Amtlich.) In Belgien werden die Operationen durch Ueberschwcmmungen erschwert, die am Mer-Ipern- Kaual durch Zerstörung von Schleusen bei Nieuport herbeigeführt sind. Bei U p e r n sind unsere Truppen Wester vorgedrungen. Es wurden mindestens 600 Gefangene gemacht und einige Geschütze der Engländer erbeutet.

Auch die westlich Lille kämpfenden Truppen sind vor­wärts gekommen.

Die Zahl der bei Baikly gemachten Gefangenen er­höhte sich auf 1'500.

Im Nordvsten standen unser- Truppen auch gestern noch im unentschiedenen Kampfe mit den Russen.

(WTB.) London. 1. Nov! (Nichtamtlich.) Amtlich wird unter dem 31. Oktober gemeldet: Ein deutsches Unterseeboot brachte heute im englischen Kanal den alten Kreuzer.Hermes", der von Dünkirchen zu­rückkam. durch einen Torpedoschutz zum Sinken. Beinahe alle Offiziere und Mannschaften wurden gerettet.

Wie uns von amtlicher Stelle mitgeteilt wird, liegt eine Bestätigung der Nachricht deutscherseits noch nicht vor. Her­mes stammt aus dem Fahre 1898, hat 5790 Tonnen, legt 20 Seemeilen zunick und Ipit 480 Mann Besatzung.

(WTB.) Konstantinvpcl, I.Nov. (Nichtamtlich.) Den Botschaftern Rutzlands, Englands und Frankreichs sind die Pässe z u g e st e l l t worden. Der russische und englische Botschafter reisen heute abend, der französische morgen ab.

Der türkisch-russische Krieg hat mit guten türkischen Er­folgen eingesetzt: im Schwarzen Meer können die russischen Schisse der türkischen Flotte kaum.Widerstand leisten, und das Zarenreich hat dort schon geni-ichtige Schläge erhallen) Sebastopol in Brand geschossen, der Hasen von Odessa von der türkischen Flotte angegriffen: alles muh Rußland wehr­los über sich ergehen lassen, Natürlich wird inan in Peters­burg ängstlich Umschau halten: wo erstehen Helfer?. Wer es regt sich nichts in der Runde, in Sofia erklärt man, es sei an eine Aenderung der bulgarischen Politik nicht zu denken, Rumänien bewahrt seine ruhige, abwartende Haltung, und auch Italien wird schwerlich- feindselig gegen die Türkei und Oesterreich Vorgehen, wenn, was kaum zu bezweifeln ist, seine Voraussetzungen sich erfüllen, daß die mohammeda­nische Bewegung ihm in Ltbizen keine llngelegenheiten be- reitet. Wir wüßten auch nicht, warum Italien gerade jetzt, nachdem die Aussichten der Triple-Entente ungünstiger ge­worden sind, sich auf deren Seite werfen wollte. Wäre ntcut in Rom gesonnen, mit England, Rußland und Frankreich zusannnenzugehen, so hätte man iir Rom doch wohl zu einein günstigeren Zeitpunkte los,geschlagen. Die tzwünde des jetzi­gen Kabinettswechsels sind noch nicht llar und unzweideutig bekannt: angeblich handelt es sich um Meinnngsverschieden heilen in der Finanzpolitik. Die neuesten tztachrichten aus dem deutschen Hauptquartier und von der österreichischen Heeresleitung aber lassen erkennen, daß unsere Heere auch aus eigener Kraft den Weg zum Siege finden. Auch der heldenhafte Geist in der deutschen Marine bereitet >urs fast täglich frohe Genugtuung: ein englischer Kreuzer hat, trotz Mrnenschutz irn Kanal, infolge des Torpedoangriffes eines deutschen Unterseebootes wieder daran glauben müssen. Tic Rolle Englands als Seemacht wird allmählich kläglich: schon machen sich die ersten Anzeichen bemerkbar, dag die Ber­einigten Staaten v'on Nordamerika nicht gesonnen sind, sich die Seeräuber-Willkür Englands gegenüber amerikanischem Handelsschiffen auf die Dauer gefallen zu lassen. Die Lon­donerMorning Post" verrät uns dies, und so müssen lvir es wohl glauben.

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Die türkische Flotte in Tätigkeit.

(WTB.) Konstantinopel, 31.Okt. (Nichtamtlich.) Aus amtlicher Quelle verlautet: Der PanzerkreuzerSul­tan Ja wus Sc lim" versenkte ein russisches, mit 300 Minen beladenes Schiff und ein KohlentranSpvrlschiff, be­schädigte rin russisches kanoneiiboot und b c s ch o tz S e - wastopol erfolgreich. Der KreuzerMirilli" zer­störte in Naruskr die Petroleum- und Grtreidelager und ver­senkte 14 TranSportdampfer. Der Torpedo- bootszer stör erJadifHiariLillet" versenkte ein russisches Kanonenboot, der Torpedoboots- zerstürerMuavenet" ein Schiff derselben Gat­tung. In Odessa wurden die Petroleumbehülter und 5 russische Schiffe beschädigt. Der KreuzerHamidije" beschütz The odosia und versenkte in Kertsch ein Trans­portschiff.

Wie demBerl. Tagcbl." noch berichtet wird, haben die Russen in Odessa und Sewastopol auf die Beschießung durch die türkischen Schisse mir Artillericseuer geantwortet. Nach Aussagen gefangener Matrosen, sowie aus der An-, Wesenheit eines in Grund geschossenen Minenlegers bei der russischen Flotte vor dem Bosporus geht hervor, daß die russische Flotte beabsichtigte, den Eingang des Bosporus durch Minen zu sperren und die türkische Flotle zu zersprengen, indem man die im Schwar­zen Meere befindlichen türkischen Schisse von den Flotten^ teilen im Marmarameer abtrennte. Gegenüber diesen uner- ivarteten Angriffen, nach welchen anznnehmen war, daß die Russen die Feindseligkeiten ohne vorherige Kriegserklärung eröffnen würden, nahm die türkische Flotte die Verfolgung der russischen Flotte auf und zersprengte sie.

In Konstantinopel selbst herrscht vollkom- mcneOrdnung. Die Ereignisse im Schwarzen Meer sind noch nicht, allgemein bekannt geworden. Me es heißt, haben die Dreiverbandsbotschafter bereits ihre Pässe verlangt und werden heute abreisen.

Unmittelbar nach dem Beginn ^des Krieges hat die Pforte einen wichtigen diplomatischen Schritt unternommen, welcher beweist, daß sie auch entschlossen ist, ihre Souveräni- tätsrechte in Aegypten zu wahren. DemBerl. Tageblatt^ wird darüber aus Konstantinopel nach Wien gemeldet: Der Sultan hat an sämtliche Ai ächte eine Note ge­richtet, worin er dagegen protestiert, daß ihn die englische Okkupationsarmee in Aegypten an der Ausübung seiner Souveränitätsrechte hin­dert. Auf Grund dieses Protestes wird der Khedive Eng­land aussordern, die englische Wühlarbeit in Aegypten ein­zustellen. In den letzten Tagen sind Russen, Engländer und Franzosen eiligst aus Konstantinopel abgereist. Der russische Botschafter forderte die Russen ans, die türkische Hauptstadt zu verlassen. Der englische Botschafter sandte seine Familie heim. Es kam zu zahlreichen Straßenkundgebungen für Deutschland und Oesterreich.

Eine amtliche türkische Mitteilung.

Berlin, ZI.Okt. (Ctr. Bin.) Ueber den Beginn der russisch-türkischen Feindseligkeiten liegt heute eine amtliche Mitteilung der türkischen Regierung vor. Sie lautet nach der B.Z. a. M":

Während ein Teil der otwmanischen Flotte am 28. Ollober im Schwarzen Meer Uebnngen vornahnt, eröfsnete die russische Flotte, nachdem sie längere Zeit den Uebungen gefolgt war und sie zu.siöreu versucht hatte, am Donnerstag die Feindseligkeiten, indem sie die otwmainschen Schisse angrisf. Im Verlaus des sich nunmehr entspiuneuden Kampfes gelang es unserer Flolte durch die Gnade des Allmächtigen, den MinendampferPrut", der eine Wasserverdrängung von 5000 Tonnen hatte und etlva 700 Minen trug, zu versenken, einem der russischen Torpedo­boote schwere Beschädigungen beizubringen und einen Kohlendamvstr zu kapern. Ein von dem türkischen Torpedo­boot ,L>airet Millie" abgeschossener Torpedo hat den russischen Torpedos äzerKuvanez" (1100 Tonnen) versenkt, und ein anderer von einem türkischen Torpedoboot abgeschossener Torpedo Hai einem anderen russischen Küstenwachtschiff sehr schweren Schaden zugesügt. Drei russische Offiziere und 72 Matrosen wur­den von den Unseren gerettet, und, da sie zur Bemannung dey versenklen urid zerstörten Schiffe.gehörten, gefangen genvnimen. Die kaiserlich türkische Flotte hat durch die Gnade Gottes keinerlei Schaden erlitten, und der Kamps geht günsttg für unsere Flotte weiter. Die kaiserliche Regierung wird ohne Zweifel mit äußerstem Nachdruck gegen diese seindlick« Hand­lung Einspruch erheben, die von der russischen Flotte gegen einen Teil unserer Flotte unternommen ivordcn ist.

Aus diesem Bericht ergibt sich, daß der Ausbruch der Feind­seligkeiten durch die russische Flotte provoziert worden ist

Kon staut in opel, 1. Nov. (WTB. Mchtamtlich.) Der russische Botschafter ist am 31. Oktober mit Familie im Sonderzugc abgereist. Mit demselben Zuge haben auch die übrigen Herren die Botschaft verlassen, ihre Familien^ angehörigen sowie eine iHnl>e von russischen Persönlich-: keilen die Stadt. Die Reise geht über Bulgarien und Ru­mänien. Die Mitglieder fast sämtlicher diplomatischer Mis- sionen der nicht am Kriege beteiligten Staaten waren am Bahnhof erschienen, um >tch von dem russischen Botschaft

ter zu verabschieden. Allgemein fiel cs auf, daß die Bot­schafter von England und Frankreich fehlten.

Rom, 31. Okt. (WTB. Mchtamtlich.) DieAgenzia Stefam" meldet aus Petersburg:' Nachdem die Türkei die Feindseligkeiten gegen Rußland eröffnet hat, hat die rus­sische Regierung ihre Konsuln angewiesen, die Türkei zu verlassen und den Schutz der Russen Italien zu übertragen. Der russische Botschafter wurde angewie­sen, Konstantinopel zu verlassen. Rußland wird den tür­kischen Untertanen in Rußland gegenüber dieselbe Haltung cinnehmcn, wie die Türkei gegenüber den russischen Unter­tanen.

Keine Ausweisungen in der Türkei.

Konstantinopel, 1. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Wie aus guter Quelle verlautet, wird die türkische Negierung nicht mit der Ausweisung der Staatsangehöri­gen der Tripel-Entente Vorgehen und diejenigen, die abreisen wollen, an der Ausführung dieser Absicht nicht weiter hindern. Die Regierung gebe damit einen Beweis ihres Humanitätsgefühls und der Zivilisation, die wohl höher stehe als die jener Mächte, welche nicht zögerten, die deutschen und österreichisch-ungarischen Staatsbürger auszuweisen.

Um gegen einen eventuellen Angriff der feindlichen Flotten gesichert zu sein, hat die Regierung die notwendigen Maßnahmen zur Verteidigung des Hafens, von Smyrna getroffen.

Die Stärke der Türkei.

London, 31. Okt. (WTB. Nichtamllich.) russischer militärischen Kreisen sieht man, Ivre dieEvening News' cricS Petersburg melden, die Türkei keineswegs als einen zu verachtenden Feirid cm. Obwohl die türkische Heeres- orgarnsation Mängel habe, könne fie doch eine halb-e Million Soldate n ins Feld führen und äußere dem 300 000 Mann Rcservetruppen. Die Russen seien voll) ständig- auf die Verteidigung des kaukasischen Gebietes vor­bereitet.

Pall! Mall Gazette" glaubt, das Vorgehen der Türkei werde den ganzen Balkan in Flammen setzen, alle Länder außer der Republik San Marino müßten in den Krieg hineingezogen werden.

Rußland und Persien.

Konstantinopel, 1. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Nach Meldungen hier eingetroffcner persischer Blätter soll Ruß­land seine Truppen aus Persien zurückzichcn, um sie nach Polen zu schaffen, aber es verpflichte sich nicht, sie nicht mehr nach Persien zurückznsenden. Die Erregung-gegen Rußland hält an. Da die Russen die Bevölkerimg von Tar- gucvar und Margucvar angrisfen, so unternahmen die Be­völkerung und persische Reiter einen Gegenangriff. Etwa 100 Kosaken sollen getötet oder ver­wundet worden sein. Der russische Konsul in Jfpa- h a n soll infolge des Wandels der öffentlichen Meinung der Perser in eine derartige Erregung versetzt worden sein, daß er plötzlich .gestorben ist. Der bekannte persische Führer Salar ed Dauleh l)at ein Abkommen mit dem Bach­tiarenchef Emir Diu sah am geschlossen. Sie erließen einen Aufruf, in dem die Bevölkerung ihrer Stämme aufgefordert wird, das.Vaterland zu retten. Es hat sich ein Ausschuß zur Befreiung des Kaukasus von den Russen ge­bildet, der eifrig nach Mitgliedern fahndet. Der Ausschuß hat einen Aufruf erlassen, in dem alle Mohammedaner im Kaukasus aufgesovdert werden, sich für den bedrohten Islam zu erheben.

Die Haltung Griechenlands.

Athen, 31. Oktober. (WTB. Nichtamtlich.) (Agence d'Athönes.) Sämtliche Mächte haben die Gründe, welche die hellenische Regierung zur Wiederbesetzung von Nordepirus zwangen, als vollberechtigt anerkannt. Wie gemeldet wird, wird die vollständige Wiederbesetzung aller Bezirke des autonomen Epirus demnächst beendet sein.

Rücktritt der italienischen Rabinettr.

(WTB.) Rom, 31.Okt. (Nichtamtlich.) (Agenzia Stcf.) Der Schatzminister Rubini gab heute den Entschluß kund, von seinem Amte zurückzutreten. Infolgedessen ent­schied sich das ganze Kabinett dahin, gleich­falls aus dem Amte zu scheiden. Ministerpräsident Salandra teilte dem König diesen Entschluß mit. Der König behielt sich seine Entscheidung vor.

(WTB.) Rom, 31. Okt. (Nichtamtlich.) DasGiornale d'Jtalia" sagt in seiner Ausgabe von heute nachmittag den inzwischen erfolgten Rücktritt des Schatzministcrs Rubini voraus und führt als Gründe hierfür Meinungsver­schiedenheiten an über die Art und Weise, wie man die Ausgaben über die militärischen Erfordernisse be­streiten solle. Rubini habe im heutigen Ministerrat, der uuv