Ausgabe 
30.10.1914
 
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Die Heerführer.

DieAyence Havas" verbreitete am 26. Oktober fol­gende Mitteilung: Einige Presseartikcl halten immer noch General v. Kluckj für den Leiter der Operationen auf der deutschen Rechten. DaS stimmte zn Anfang der Aktion an der Ars ne AVer seit der Ausdehnung der Front im Norden der Oise ist die Armee des Generals v. Ktuck an der Aisne geblieben, und aufeinanderfolgende Aeirderungen in der Schlachlfront führten an feine rechte Seite Streitkräfte, die vorher am linken deutschen Flügel operiert hatten. (öegen- wärtig sind die deutschen Armeen, welche Mischen Oise und Meer kämpfen, von Süden her gerechnet, derjenigen des Ge­nerals v. Bül>ow, des Kronprinzen von Bayern und des Herzogs von W ü r t t e ui b e r g, letztere in Belgien.

Ein Zeppelin über Paris.

Stockholm, 29. Okt. (Ctr. Frkst.) Goeteborgs Aftonbladet" meldet aus Paris: Am Mittwoch er- schienüberPariseinZeppelin". Es wurden sechs Bomben herabgeworfen, von denen drei größeren Schaden anrichteten. Acht Personen wurden getötet und eine beträcht­liche Anzahl wurde verlegt. Französische Flieger versuchten das Luftschiff anzugreifen, es entkam jedoch in den Wolken.

Londoner Maßnahmen zur Irreführung der Zeppeline.

London, 29. Okt. Aus London wird berichtet: Die elektrischen Bogenlampen sind oben schwarz ge­färbt, damit sie für die Luftschiffe unsichchar seien. Dafür habe man in den öffentlichen Gärten lange Reihen elektri­scher Lampen angezündet und schciichare Straßen markiert, so daß die Zeppeline irre werden müssen und Straßen ver­muten, wo nur Wiesen sind.

Die Behandlung der Deutschen in England.

Hamburg, 29. Okt. Der stellvertretende kommandie­rende töeneral v. Roehl (9. Armeekorps) gibt heute abend folgendes bekannte

Me Frage der Behandlung der Deutschen in England ist in jüngster Zeit mehrfach Gegenstand der Erörterung in der iBresse gftvesen Bon besonderem Interesse waren daber die ver­öffentlichten Mitteilungen eines kürzlich aus England zurück- gekehrten Mannes, die sich auf das Gefangenenlager in Newbnrp bezogen und feststcAen, das; die Behandlung unserer dort unter­gebrachten Landsleute nicht nur der Kriegsgefangenen, sondern auch der übrigen Deutschen in England geradezu in e » - schenunwürdig sei. Jmolgedessen ist ein berechtigter Sturm der Entrüstung in den breitesten Schichten der Bevölkerung da­rüber entstaudmi, das, die Behanddmg der sich hier auftraltenden Engländer im Vergleich zu unseren Landsleuten in England eme viel zu milde sei. Diese Tatsache hat den zuständigen Behörden iBeranlassung gegeben, dem amerikanischen Botsäiaster in Lon­don nritzuteilen, das, di: h er befindlichen englischen Männer vom 17. bis zum 4 b. Lebensiah re gleichfalls ge­fangen gesetzt w-ürden, wenn nicht bis zum 5. November eine amtliche Nachricht über die Freilassung der wehrfähigen Deut­schen in England einginge." (Frff. Ztg.)

Berlin, 29. Okt. DerBerk. Lvkalanz." schlecht: Wie .verlautet, haben nunmehr die deutschen Mlndesregrernngett .Vergeltungsmaßnahmen gegen die gegen deutsche Ange­hörige und ihr Eigentum m England beliebte Verfolgung) in Aussicht genommen. Eine entsprechende Vorlage wird dem Bundesrat demnächst zugehen.

Der Aufstand in Südafrika.

London, 29. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Aus Kap­stadt wird geineldet: General Bot ha verließ Ruften- b u rg am Donnerstag morgen nnd bekam vormittags Füh­lung mit den Anhängern des Generals Beyers, die er in die Flucht schlug. Bei der den ganzen Tag fortge­setzten Verfolgung wurden 80 Wann gefangen ge­nommen.

Rotterdam, 29. Oft. (WTB. Nichtamtlich.) Die Blätter drücken ihr Bedauern über die Ausbreitung des Aufstandes in Südafrika aus. Die meisten be­tauen, daß es sich hierbei mehr um einen Bürgerkrieg) als um die Losrerßung von England handele.

München, 29. Okt. Burenobcrst Jvoste, der sich während des Burenkrieges in Deutschland befand, um @et> der zu sammeln, teilt einer F-irma in Marktreöiwitz über die .Haltung der Buren folgendes mit:

Jedenfalls kann ich versichern, daß nicht der gemeinsame Feind des Burenvolkes der Deutsche, sondern der Brite ist. Die 4000 Gräber im Burenland und die 20 000 elendig rn den englischen Konzentrationslagern zugrunde gegangenen Frauen und Kinder sind ein beredtes Zeugnis für die englischen Frciheits- slaaten für das Burenvolk. Englisch« Lügen lmben es fertig gebracht, daß StreilkräfK des Kaplandes in Teutsch-Südwestairika eingeialjcn sind, um England in dem Kamvse gegen Deutschland zu unterstützen. Gebe Gott, daß die Wahrheit der europäischen Sachlage bis an den Orangefluß Vordringen Möge, daß zu End« dieses ungerechten Krieges das ganze Germanentum zu ewiger Kulmrarbeit sich die Hand reichen möge.

Eine Deutsche Proklamatiou.

A m st e r d a m, 29. Okt. (Ctr. Frkst.) Reuter meldet, daß durch die Deutschen bei den Truppen des Maritz folgend« Proklamation in großer Anzahl verbreitet wird:

An die holländischen Bürger von Südafrika! Da englische Truppen Ramansdrist genonrmen nnd dir dattsche Grenze über­schritten Iwbcn, so stutzen sie damit den «rrvpürschen Krieg nach Südairila hinüberzubringen. Ich erkläre daher ausdrücklich, daß dieDeutschenkeinenKrieggegendieholländischen Bürger von Südafrika wünschen, sie tun im Gegenteil alles, nm den englischen Anfall aus asten Punkten znrückzuwersen, und sie n-erden den Krieg gegen die Engländer und alleingegen die Engländer bis zum Aeußersten führen.

Windhuk, den 16. Sevtember.

Seitz, Gouverneur von Südwestofrika.

Aus Kamerun.

DieVoss. Ztg." meldet aus Rom: Londoner Meldun­gen zufolge haben die Franzosen in den Kämpfen mit den Deutschen in Kamerun vom 26. August bis 19. Oktober allein zehn Offiziere verloren.

Eine Niederlage der Belgier im Kongo.

B e r l i n . 29. Okt. (Priv.-Tel.) DasBerl. Tageblatt" meldet aus Rom: Der hier erscheinendenStampa" >vird aus Paris berichtet: Ein inLeHavre eingetrossenes Tele­gramm des Gouverneurs in K a t a n g a besagt, daß die b e l - gischen Truppen unter dem Kommando des Generak- kommstsars Henry in einem Gefecht bei K i s s i n j i am Ki- wusec durch die Deutschen eine vollständige Nieder­lage erlitten hätten.

Auö Portugal.

London, 28. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) DieTimes" melden äus Lissabon vom 36. Okt.: Gestern sind durch ein Dekret albe Klassen der Flottenreservcn auf ge­rufen worden. Eine Seebrigade von 600 M«mi wird An­

fang November nach Angola geschickt werden, um das dortige Expeditionskorps zu verstärken.

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Die Lage in Polen.

Wien, 29. Okt. (WTB Nichtamtlich.) Bei Bespre­chung des gestrigen, von deutscher nnd österreichisch-unga- risckier Seite in gleichlautender Form ausgegebencn Be- riclstes über die N e ugrup pie r u n g der verbündeten Armeen in Russisch-Polen erinnern die Blätter an eine kürz liche Acußerung des ArmcekvMmandanten B o r o e v i c, der damals sagte, es handle sich gegenüber Rußland um eine einfache Rechnung. Bei der Ueberzahl der Bevölkerung Rußlands hätten wir anfänglich im Verhältnis 1 zu 3 ge­kämpft. Jetzt sei das Verhältnis 1 zu 2. Es werde die Zeit l'onnnen, wo Einer gegen Einen kämpft, und dann würden wir den endgültigen Sieg erringen, den das Volk erwarte. Bis dahin müßten unsere verbündeten Streit­kräfte die russische Uebermacht aufstalten und schwächen. Fm Sinne dieser Aufgabe ergaben sich, wie dieReichspost" schreibt, Kriegslagen, in denen es geboten erscheine, der letzten Entscheidung ausznmeichen und den abgebrochenen Kampf später unter günstigen Verhältnissen erneut auf- zunelstnen. Zu solche«! Entschluß hätten sich die verbündeten Armeen angesichts des Anrückens überlegener russischer Kräfte aus Warschau, Nowogeorgie wsk und Jwangorod genötigt gesehen, nnd den nun auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz erfolgenden Bewegungen wohne kein anderer Charakter inue, als beispielsweise der so zweckmäßigen, erfolgreichen Konzentrierung der deutschen Armeen in Frankreich!.

Bei unserm Hiudenburg.

Berlin, 29. Okt. Eine Hindenburg-Spende ist von mehreren Herren der Stadt Danzig zu den Truppen der Ar­mee des Generalobersten ».Hiudenburg gebracht ivorden. Die Herren erhielten von ihrn die Einladung, an einem Abend­essen teilzunehmen. Darüber wird in denDanziger Neuest. Nachr." berichtet: Etwa 40 Herren nahmen an der Tafel teil. Den zurückgebliebenen französischen Koch hat Herr o. Hiudenburg nicht in seine Dienste genommen. Ein deutscher Koch aus den Reihen seiner Soldaten bereitet das Essen. Ein großer Raum ist als Kantine eingerichtet. Es gibt nur eine Hauptmahlzeit, die 8 Uhr abends eingcnoinmen wird. Es gab einen einzigen Gang, und zwar Huhn mit Reis, dazu ein einziges Schüsselchen Kompott, das nur für Herrn v. Hinden- burg und seine Umgebung bestimmt war. Alle Gerüchte, daß Herr v. Hiudenburg unter bedenklichen Krankheilserscheinun­gen zu leiden habe, sind falsch. Herzlich lachte er über die Leute, die ihm ein Gallensteinleiden zuschreiben. Er bat die Herren, daß diese Gerüchte, die ihm ein Leiden zuschreiben, aus der Welt geschosst würden. Nicht weniger als 82 Mittel gegen Gallenstein habe man ihm zugeschickt, die er doch aber nicht verwenden könne, da er kein Leiden spüre.

Der österreichische Tagesbericht.

Wien, 29. Okt. Amtlich wird verlautbart: 29. Okt., mittags: Auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz fanden gestern keine größeren Kämpfe statt. In den letzten Tagen) wurden Versuche der Russen, gegen den Raum von Turka vorzudringen, erfolgreich abgeschlagen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs, v. H ö f e r, Generalmajor.

Ein schwedischer Protest.

Stockholm, 28. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Anläß­lich des Telegramms, das das Presscbureau der englischen Regierung der neutralen Presse über die finanzielle Lage Englands und Deutschlands geschickt hat, schreibt Professor Cassel nochmals imSvenska Dagbladet" einen Leit­artikel, in dem er sagt: er halte sich für verpsiichtet, im Na­men der Gerechtigkeit gegen eine solche unzuverlässige Informativ nstätigkert zu protestieren. Er führt dann aus: Das offizielle Telegramm des oben genann­ten Pressebureaus sagte u. a.: Der Wechselkurs für die Mark in New Pork ist bereits um vier Prozent gefallen, was zeige, daß man an der New Bvrker Börse über die deutsche Zah­lungsfähigkeit gut unterrichtet sei. Die mit großer Reklame in Szene gesetzte deutsche innere Anleihe wurde nur durch die Sparkassen gedeckt, die von der Regierung gezwungen wurden, 25 Prozent ihrer Depositen an den Regierungsfonds zu über­tragen. Cassel stellt fest, daß die natürliche Tatsache, daß die Mark-Kurse in New Park gefallen sind, keineswegs bedeute, daß New Bork das Vertrauen zu der deutschen Zahlungs­fähigkeit verloren habe, gerade wie niemand behaupten könnte, daß zum Beispiel Schweden das Vertrauen zu der russischen Valuta verloren habe, obgleich der Rubel hier mehr als die Mark gefallen ist, uni> doch sei die Mark auch in Stockholm unter pari. Der Verfasser meint, das offizielle Presscbureau sollte es unter seiner Würde halten, solche irreführenden Dar­stellungen zu verbreiten.

Neues aus England.

London, 29. Qkt. (WTB. Nichtamtlich.) Das deutsche Athenäum ist auf Beschluß des Klubvorstandes ge­schlossen worden. Priltz Johann Sapicha wurde dem Polizeirichter vorgesührt, da er als österreichischer Untertan nicht awKezeigt habe, daß er einen geladenen Re­volver und einen photographischen Apparat besaß. Der Fall kommt vor das Geschworenengericht. Die Londoner Om- nibusgesellschast hat infolge der eingeschränkten Straßen­beleuchtung Und des früheren Geschüstsschlusses beschlossen, den Kraftwagenverkehr eine Stunde früher zu beenden London, 29. Okt. (WTB. Nichtamtlich)) Das Reuter­bureau meldet: Am 27. Oktober hat der Polizeirichter von Deptford unter der Bedingung des künftigen Wohlver­haltens einen «oümten sre ig«lassen, der in Uniform an den Ausschreitungen gegen die Deutschen leibgenommen hatte, und der oom der Polizei in dein Schlaf­zimmer einer geplünderten Hauses im Besch von gestohlenen Ringen und einer gestohlerien Uhr verhaftet wurde.Daily Chrouicle" kritisiert das Urteil scharf und schreibt, es sei fast eine direkte Ermutigung des Verbrechens. Die 'Militärbehör­den könnten weitere Schritte tun; sie hätten hoffentlich eine bessere Vorstellung von ihrer Armee, als der Polizeirichter von der Ehre der Ration.

London. £9. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Prinz Morch von Battenberg, der Bruder der Königin von Spanien, ist gestern seinen auf dem Schlachtfeld erlittenen Wunden erlegen. V

London, 29. Okt. (WTB. Nichtamtlich. ! Der Oeltank- dampferBrindilla", der durch den englischen Kreuzer Sussolk" angehalten und nach Halifax gebracht worden war, ist sreigelassen worden.

Die Lage in Mazedonien.

Sofia, 29. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Der Minister­präsident empfing den bulgarischen Gesandten in Nisch, der ihm einen langen Bericht erstattete. Das offiziöseEcho

de Bulgaric" bespricht die Lage in Mazedonien und betont, daß der unbarmherzige Vernich tu ngsfeldzug g ^ gen die bulgarische Bevölkerung in Mazedo. n i e n ununterbrochen fortgesetzt werde trotz der wiederholten Vorstellungen des bulgarischen Gesandten in Nisch. Das Blatt fährt fort: Jeder Tag bringt uns immer beunruhigendere Nachrichten über die Lage, die unfern Brüdern unter frem­dem Joch bereitet wird. Wir sehen, wie die 'Behörden in Nisch, statt diesen Zustand zu beenden, ihren Eifer in der Erfüllung ihrer Versolgungspftichten verdoppeln und immer heftiger die Bevölkerung dieses geprüften Landes bedrängen. Zahllose Flüchtlinge, die unaufhörlich den Grenzen des) nigreiches zuströmen, bilden in dieser Hinsicht einen unwider­legbaren Beweis.^ Aber als tvenn dieses nicht ausreichm würde, haben die Serben ein neues Mittel ersonnen, um die mazedonischen Bulgaren auSzurottcn, Mazedonien zu ent­völkern, und um es besser seiner Nationalität berauben zu können. Dieses Mittel besteht darin, die unglücklichem Bulgaren in die vorder st en Schlachtlinien zu st e l l r n, wo sie voni feindlichen Feuer dahingemäht werden. Bemerkenswert ist übrigens, daß die serbischen Behörden, statt die verwundeten Bulgaren in Militärhospitälern un- terzubringcn, und sich um ihre Verwundungen zu beküm­mern, sie nach Hanse schicken, selbst wenn ihr Zustand beson­dere Pflege erl>eischt. Somit vertrauen die Serben den Eltern und nächsten Verwandten die Sorge an, die Soldaten zu heilen, die häufig bei ihnen in so hoffnungslosem Zustande eingeliesert werden, daß die Verwandten ihnen nur noch die letzte Ehre erweisen können. DasEcho de Bulgarie" schließt: Das ist die Wahrheit über das Schicksal der Bulgarischen Bevölkerung in Mazedonien. So entsetzlich es auch sein mag, wir haben es vorgczogen, es der Oesfcntlichkeit zu enthüllen, um mir jedem unbegründeten Oplimisnius oder jeder irrtüm­lichen Auffassung aufzuräumcn.

Aus Albanien.

Balona, 28. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Heute vor­mittag besuchte der italienische Kontreadmiral Patris mit zwei Aerzten und dem italienischen Konsul das Lager der Flüchtlinge.

Rom, 28. Okt. (WTB. Nichtamtlich.)Giornake d'Jtalia" meldet: Jii London und Rom war die Nach­richt eingctrossen, daß in der Gegend von Argnrokastro vollständige Anarchie herrsche. Gegenüber dem Problem, die Flüchtlinge von Argvrokastro, welche sich nach Balona be­geben haben, nach Argnrokastro zurückzuführen, hat sich Eng­land nach Athen und Rom gewandt, damit hi« beiden Re. gierungen die hierfür notwendigen Maßnahmen träte«. Italien hat bereits eine ärztliche und eine Hilssii' ))ion dort­hin entsandt, und Griechenland ist im Begriff, die O rdnung in den Bezirken Argyrokastro und Premeki durch Entsendung von regulären^ Truppen wiedcrherzustellen. Es erklärt in sichten an die Signatarmüchte der Londoner Konvention, daß dies einen provisorischen Charakter habe, und daß die griechi­sche Regierung an den Beschlüssen von Lonoon und Florenz festhalte.

Ter fliegende Holländer.

R o m , 29. Okt. DieTriüuna" bringt eine Reihe inter­essanter Einzecheiten über die Tätigkeit derEmden" in dem indischen Ozean. Sie schreibt aus Kalkutta u. a.:

Sosort nach Bekanntwcrden der ersten Meldungen über dir Taten derEmden" wurde ein gewaltiger Eindruck in Kalkutta hervorgerufen. Es wurde unmittelbar der Befehl gegeben, dag keine neuen Dampfer auslanfen sollen. Die Kriegsversichernng für die Schisse wurde aufgehoben. Alle Leute lebten in der furchtbarsten Äugst wegen der zahlreichen anderen Schisse, die entweder bereits überfällig und nicht in dem Hasen eingetrosten waren, oder sich noch auf der Fahrt befanden An einenr Sonn­tag nacknnittag hielt dieEmden" denDiplomat" an. Der Kreuzer war von derMcrrkomania", einem Dampfer der Ham- burg-Amerika-Linie, sowie von dem griechiick>en SchissPontopo- rus" begleitet. Der Kreuzer führte das englisch« SchissCar- binga" im Schlepptau. Außer den bereits gemeldeten schiften hat dieEmden" noch die DampferJüdus",Lovat",Killm" undLarnano" angehalten bezw. versenkt. Als dieEmden" sich nach Singapore wandte, nahmen englische, russische, sraw- zösische und japanische Kriegsschiffe die Beriolgung aus. Als man in der Nähe von Colombo derEmdeir" den Garaus machen wollte, gelang es, ihr die Funksprüche der Verfolgenden auizu- sangen und abermals zu entwischen. Mit dreien enühr dieEm­den" auch dre Route der zwischen Colombo und Kalkutta fahren­den Dampfer. DieEmden" trat dann den englischen Tamprer Sniila", der anderen Schiffen Informationen weitergab. Die Emden" ließ dieDmila" unbehelligt nach Colombo gelangen und letzterer brachte falsche Informationen, die rhin der deutsche Kreuzer übergeben hatte.

Präsident Havenftein über den Geldmarkt.

(WTBü Berlin, 29. Okt. In der heutigen Sitzung des Zentralausschusses der Reichs bank teilte Präsident Haben« stein u. a. folgendes mit:

Tie Ausweise der Reichsbank im Oktober waren durch den Einfluß der Einzahlungen aus die Kriegsanleihen beherrscht. Ms znm 5. Oktober waren 2420 Millionen Mark, bis znm 28. Okt. 3470 Millionen Mark, das sind 78 Prozent der Gesamtzeichnmig, eingezahlt worden, also fast 700 Millionen mehr, als für dre beiden ersten Termine verlangt worden waren. Znm größten Teil sind dies« Zeickmnngen ans bereit gehaltenen Mitteln ge­leistet worden. Di« Inanspruchnahme der Darlehenskassen bleibt hinter den Erwartungen zurück. Ter Hüchstbcttag der bei diesen ausgenommenen Kriegsanleihedarlehen betrug am 7. Oktober 710 Millionen gegenüber den bis zu diesem Tage emgezahltcn 2420 Millionen, ging dann bis zum 15, Oktober aus 593 und bis zum 23. Oktober, an welchem Tage 3087 Millionen eingezahlt naren, auf 534 Millionen zurück. Dieser Rückgang und die fortgesetzten neuen starken Einzahlungen beweisen, daß ein erheb­licher Teil dieser Darlehen nur für ganz kurze Zeit benötrgl wurde. Diese gewaltigen Zahlungen erfolgten ohne nennenswerte Störung des Geldmarktes. Ter Goldbestand der Reichs­bank verstärkte fid> infolge dieser Eiryahlungen nnd der srei« uilligcn Sammeltätigkeit oom 23. September bis 23. Oktober um 152 Millionen, seit dem 31. Inst um 575 Millionen. Der Bestand an Äheidemünzen hob sich von der niedrigsten Ziffer von 18.6 Millionen bereits wieder ans 30.1 Millionen, was als ern Zeichen der Ueberwindung der Kleingejdnot anzu- lchen ist. In der Zeit vom 7. Oktober bis 23. Oktober gab die Reichsbank in kleinen Darlehens scheinen 39.2 Mil­lionen in den Verkehr. Die Gesamtlage ist seit dem 30. September uni 1854.6 Millionen, seit ihrem HöckKstand am 31. August um 1980.7 Millionen zurückgegangen, woran im Oktober auck> die diskontierten Wechsel erheblich beteiligt sind, die seit ihrem Höchststände .Mitte August um 750 Millionen abnahmen. Du reine Golddeckung der Noten erreichte mit 46,1 Prozent anr 23. Oktober einen um k Prozent h.öl>eren Stand als am 31. Dezember 1913, obwohl damals der Notenumlauf um 1375 Millionen geringer war. Die Metalldeckung stie>i oom 30. September bis 23. Oktober von 38,7 Prozent auf 65,5 Pro­zent. So bietet der Stand der Reichsbank ein Bild des berech­tigten Vertrauens in Deutschlands wirtschaftliche nnd jmanzielle Verhältnisse.