Ausgabe 
29.10.1914
 
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beit Vertretern der Mächte abgeschlossene Uebereinkom- men von Korfu gewährte den Bewohnern von Nord- cpirus ethische und religiöse Garantien, die ihnen gestatteten, unter dem neuen Regime friedlich zu leben, Unglücklicherweise machten die inzwischen enigelrctene» Ereignisse die Wieder­herstellung der Ordnung und Sicherheit als unerläßliche Vor­bedingung des Wohlergehens dieser bereits so schwer heim-, gesuchten Bevölkerung unmöglich. In dieser Gegend nahm die llnsicherheit überhand und fanden häufige Angriffe alba­nischer Banden gegen die Truppen des autonomen Epirns statt. BlutigeKämpfe waren die Folge, die die Bevölke­rung nicht zu einem friedlichen Leben kommen ließen und sie seit Äionaten im Zustande etoiger Angst erhielten, wäh­rend andererseits zahlreiche muselmanische Eintvohner dieser Gegenden Haus und Herd im Stich ließen und nach Balona flüchteten. Zu wiederholten Malen wandten sich die Mächte an die hellenische Regierung mit der Forderung, sie möge chren Einfluß bei Zographos aufbielen, uni die Rückkehr dieser Anwairöerer zu sichern. Die geringen Mittel, über die die provisorische Regierung verfügte, gestatten ihr jedoch nicht, die Verantwortung dafür zu übernehmen, der Rückkehr der oben genannten Flüchtlinge zuzustimmen und die Ordnung, Sicherheit und Wohlfahrt der von ihr verwalteten Provinz wirksam verbürgen zu können.

Unter diesen Umständen und angesichts der sich daraus -ergebenden fortschreitenden Anarchie habe sich die griechisch)« Regierung, geleitet von den Gefühlen der Menschlichkeit und auf Bitten der christlichen und muselmanischen Bewohner von Epirus, die wiederholt die griechische Regierung darum ersuchten, entschlossen, die Verantwortung für dieOrdnung und Sicherheit imLandezuüber- nehmen. Sie habe sich ferner entschlossen, ihre Trup­pen in den Bezirk von Argyrokastro und P r e -- meti zu dem Zwecke einrücken zu lassen, um hier Die Ordnung zu sichern, den herdflüchtigen Bewohnern die Rückkehr zu ermöglichen, das Leben und Eigentum aller Epi­roten ohne Unterschied der Religion zu gewährleisten und an den Grenzen des Königreichs die zu seiner Sicherheit un­erläßliche Ordnung herbeizuführen. Die Notwendigkeit dieses Vorgehens stellte sich um so dringender dar, als die Saatzeit naht und den Familien der Ausgewanderten Gelegenheit ge­geben werden mußte, zur rechten Zeit heimzukehren, um die Felder bestellen zu können. Indem Griechenland zu diesen Maßregeln greife, welche einen rein provisorischen Charakter trage, nehme es sich vor, sich stets streng nach den Beschlüssen der Mächte zu richten, denen es durch seine Note vom 8. (210 Februar beigetreten ist, wie es denn auch bereits in diesem Sinne den Mächten eine Erklärung abgab.

Tic Beschießung von Antivari.

Wien, 28. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) DieSüd­slawische Korrespondenz" berichtet ausführlich über die früher gemeldete Beschießung des Lowtschen und von Anti- vari. Am 10. Oktober vormittags wurden die montene­grinischen Artilleriestellungien auf dem Lowtschen in wir- iungsvoller Weise durch ein üsterreichisch-ungarisches Flug­zeug, das ein Maschinengewehr und Bomben mit sich führte, bei gleichzeitiger Mitwirkung der in der Bucht von Cattarv liegenden Kriegsschiffe angegriffen. Das Flugzeug be- Hann die montenegrinischen Stellungen aus dem Mafchinen- fgewchr zu beschießen. Auch ließ der Flieger mehrere Bom- -beu in die Stellungen der Adontenegriner fallen, die das Flugzeug vergeblch beschossen. Gleichzeitig nahm die schwere -Schiffsartillerie den Lowtschen unter heftiges Feuer. Es schien, daß das Bombardement starke Wirkung hatte. Am 18. Oktober nachts erschien eine österreichisch-ungarische Flo- tille aus Torpedobooten und Unterseebooten überraschend vor Antivari, wo am Tage vorher ein französischer .-Dampfer Artilleriematerial, Flugzeuge und Proviant für Montenegro ausgeladen hatte, die noch im Hafen lagerten. Mehrere Lagerschuppen wurden in Brand ge­schossen und die erneuerte Fnn kenstation zer­stört. Als die französische Flotte herandampste, waren unsere Schiffe bereits außer Schußweite nnd fuhren im Schutze der Kiffteuforts. Wie verlautet, herrscht in Cetinje über den ungenügenden Schutz Antivaris durch die fran­zösische Flotte große Bersttmmung.

Ausbreitung des Burenaufstandes.

Amsterdam, 28. Oktober. (Ctr. Frkft.) De rTe­stes r aaf" bc r ich te t aus London: Die letzten Mel­dungen aus Südafrika lauten sehr ungün­stig. Es scheint, daß auch General de Wet gegen Botha Partei genommen hat, während man sich über die Haltung vieler anderen einflußreichen Mitglieder der Hertzog- Pattei in London sehr beunruhigt. Gerüchten zufolge sollen hohe englische Beamte durch ausständische Buren gefangen genommen sein. Zieht man, so bemerkt ein Berichterstatter derFrkf. Ztg.", der wir diese Meldung entnehmen, die außergewöhnlich strenge englische Zensur in Betracht, so kann man sich aus diesen wenigen Mitteilungen, die der englische Zensor durchgehen ließ, einen Begriff von der wahren Lage in Südafrika machen. Bis jetzt haben die Luglffcheik, Telegramme nur von Siegen über Maritz und bevorstehender Beendigung des Ausstandes sprechen dürfen: auch die zuletzt hier in Amsterdam aus England eingetroffenen englischen Blätter vom Dienstag veröffentlichen die üblichen für Eng­land sehr günstigen --Nachrichten über den Aufstand.

Aur dem Reiche.

Die deutsche Presse in der Krieaszeit. Aus An­laß des 25 jährigen Berlagsiubilämns haben sich dieChemnitzer Neuesten Nachrichten" an den Generalobersten v. Heeringen, den Heerführer unserer VII. Armee, gewandt und diesen um sein Urteil über die Bedeutung und Geltung der deutschen Presse in der gegenwärtigen Kriegszeit gebeten. Generaloberst v. Heeringen hat daraus der Zeitung einen Bttes gesandt, in welchem es u. a. heißt:In der ernsten Zeit, in der ganz Deutschland ohne An­sehen der Petton und Partei für Kaiser und Reich zusammen­steht, hat sich auch die deutsche Presse vortrefflich bewährt. Diskret, wie es im Interesse unserer Operationen erforderlich ist, vatri- vtisch im besten Sinne des Wortes, ist der deutsche Zeitungswald ein treues Spiegelbild der ernsten, ovierwilligen und siegesbewußten Stimmung unseres Volkes. Für uns im fernen Frankreich ist die Presse ein lwchwert gehaltenes Band mit der geliebten Heimat, das den Soldaten im »orberften Schützengrabor, wie dem oberen Führer sttts neue Kraft zum Siege zusübtte."

Ein Telegramm des Reichskanzlers. Dem Fürst­bischof Dr. Bertram von Breslau, dessen Einführung heute startfindet, ging von dem Reichskanzler aus dem Großen Hauptquartier folgendes Telegramm zu :Euer iürstlickwn Gnaden spreche ich am heutigen Tage meine aufrichtigsten Glückwünsche aus. Gott der Allniächtige gebe Ihrem oberhirtlichen Walten auch in Ihrem neuen Wirkungskreise seinen reichsten Segen. Die schle­sische Treue, die sich in hattem, aber ruhmvollem .Kampfe für die Ehre und den Bestand des Vaterlandes wieder glänzend be- währt, wird auch Ihrer Friedensarbeit einen guten Boden bereiten."

Berlin, 28. Okt. (W. B. Nichtamtlich.) In der heutigen Sitzung des Bundesrals gelangten zur.Annahme der Entwurf

einer Bekanntmachimg über die privatrechtlichen Verhättnisse der Genossenschaften zum Zwecke der B o d c n b e w ä s s e r u n g, die Entwürfe von Bekanntmachungen, bett. Höchstpreise usw.

Au» Stadt und LanH.

Gießen, 29. Oktober 1914. Offener Brief an die Lchüler höherer Lehranstalten.

Liebe Jungen! Die weiften vvn Euch würden jetzt sicher lieber im Krieg fettr nnd für das Vaterland Leben und Ge sundheit opfern als behaglich, im warmen Zimmer auf der Schulbank fitzen: und ich weiß: lvemi Euch jemand zeigt, hier und dort könntet Ihr selbst etwas tun für die große Sache, fo würdet Ihr nicht zögern, es zu vollbringen.

Nun gut, ich will Euch eine solche Gelegenheit zeigen.

Kürzlich ging ich an einer höheren Schule vorbei, als gerade Pause war. Da sprangen viele in eine natyc Kondi­torei, imd sie kamen zurück mit Törtchen, Cremschnittcheu und anderen keckeren Sächelchen. Ich habe mich über den guten Appettt gefreut, mit dem das verzehrt wurde, aber zugleich kam mir doch der Gedanke an die Tausende Ber triebener oder Arbeitsloser, die jetzt in unserem Vaterland Not leiden, und an die vielen wichtigen Aufgaben, für die jetzt dringend Geld gebraucht wird. Und ich dachte mir: wenn jetzt unsere Jugend statt der teueren Konditorivaren

Brot äße und das ersparte Geld für vaterländische Zw-ecke sammelte, das bewiese echte, männliche opferwillige Vaterlandsliebe, das wäre schlichtes Rittertum. Ist das im Grunde nicht auch Eure Ansicht?

Und vielleicht findet Ihr bei näherer Ueberlcgung noch andere Gelegenhetten zu solch wertvollen Entsagungen im Dienste des Vaterlandes? Wie steht es denn z. B. mit dem Trinken nnd Rauchen nnd Euren Weihnachtswünschen? Ich bin sicher: Euerem findigen Geist fällt noch Tausenderlei ein, woran ich Alter gar nicht denke. Wie wäre es, wenn Ihr damit Ernst machtet? Ener alter Freund A M.

Auf dem Felde der Ehre gefallen.

(Aus Hessen und den Nachbargebitten.)

Res. Adolf Müller, Jnf.-Rgt. 116 aus Gießen. Gefr. d. R. Ferdinand Schwalb, Jns.-Rgt. 116 ans Alten-Bnscck. Landwehrm. Wilh. Stumpf, Res.-Jnf.-Rgt. 116 aus Kirtorf. Landwehrm. Gefr. Ludwig Seim, Res.-Jnf.-Rgt. 116 aus Wahlen.

Res. Karl Lehmer, Jnf.-Rgt. 168 ans Staden. Landwehr­mann Adolf Tuch, Jnf.-Rgt. 118 aus Mchnz. Res. Jos. Sauer, Jnf.-Rgt. 117 aus Mainz. Vizefetdw. Phil. Maus, Pionier-Bat. 21 in Mainz-Kastel. Freiw. Karl Jaxtheimer, Jnf.-Rgt. 88 aus Hanau fl. M. Res. 'Georg Graeff, Jnf.- Rgt. 115 aus.Darmstadt. Unteroff. Aug. Reff, Jnf.-Rgt. 115 aus Darmstadt. Landwehrm. Christoph Mahr, Jnf.-Rgt. 115 aus Brcnsbach. Res. Gustav F u h r, Jnf.-Rgt. 116 aus Felker- dillen (All). Mnsk. Willi Theiß, Jnf.-Rgt. 117 aus Stangen­rod.

IM FELDE

erwarten unsere Angehörigen aus der Heimat Nachrichten über die Vorgänge daselbst und über die Ereignisse und Fortschritte auf den Kriegsschauplätzen.

Durch die regelmäßigeUebersendung des

Gießener Anzeigers

kann mancher lebhafte Wunsch erfüllt werden. Die Nachsendung des Gießener Anzeigers ins Feld erfolgt am zweck­mäßigsten durch die Post. Man bestelle ihn deshalb bei den zuständigen Post­ämtern vom 1. Novbr. an unter genauer Angabe des Namens, des Armeekorps, der Division,desRegiments undder Kom­pagnie. Außer dem üblichen Bezugspreis erhebt die Post nur eine monatliche Umschlaggebühr von 40 Pfennig. Be­stellungen nimmt außerdem entgegen die

Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers.

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** Ritter des Er fernen Kreuz^es. Obervegie­rungsrat v. Wussow bei der deutschen Verwaltung in Brüssel, Wilhelm Kann und Heinrich Jüngst von Dillen- burg. Wahl und Santtätsseldw. Walter, Jns.-Reqt. 65, von Niederscheld. Cunz aus Burg. Präparandenlehrer H a st i n g aus Herborn. Stabsarzt Dr. D o b t, Futzart -Rgt. Nr. 10, aus Wetzlar. Leutn. und Kompagnieführer Harald Turner, Inf.-Regt. 131 aus Leun. Vizefetdwebel Karl Schlegel, Jnf.-Regt. 81, aus Aßlar. Dizefeldw. im vierten Bayer. Jnf.-Regt. Otto Geisel aus Alsfeld. Reichsbank­bote Buckow, Vizswachtmeister im 18. Fußart.-Linien- Regt., aus Biedenkopf. Lehrer Dönges (zurzeit Einj.-- Untervffizier bei der Maschinengew.-Abt. Fnf.-Regts. 81), früher in Friedensdorf. Sämtliche vier Mitglieder der Fa­milie v. H e r f f in 'Darmstadt, der Oberst Karl b>. Herff wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. Kt. ausgezeichnet Pionier Wilh. Dich! von Löhnberg. Wzeseldw. Werner Willgerodt, Zeichenlehrer am Kgl. Gymnasium in Dillenburg.' Unteroff. Heinrich Jüngst und Gesr. Alfred Heimes von Dillen- burg. Bizefeldw im Jnf.-Regt. 115 Wilhelm Glanz. SPraft« wagensahrer Uffz. beim Stabe der 5. Kav.-Div. Lehe in Darmstadt. Eins.-Freiw. Pb. Sang, Jnf.-Regt. 115. Schntz- mann Philipp Stein, Uffz. m der 2. Sam-Komp, des 18. Armeekorps in -Darmstadt.

** Stad ttheater. Es ist beschlossen worden, daß bei sämtlichen Vorstellungen Militärpersonen vom Feldwebel abwärts auf dem zweiten und dritten Parkett nur l-albe Preise zu zahlen haben: auch werden unseren ver­wundeten Kriegern für die Nachmittagsvorstellungen Frei­karten nach Bedarf zur Verfügung gestellt werden.

** Wohltätigkeitskonzert. Das dritte und wahr- schttnlich für dieses Jahr letzte Wohltätigkertskonzert findet Sonntag, und zwar nicht wie sttther au) der Liebigshöhe, sondern im Philosvphenwalde statt, da die Räume der Liebigshöhe dem Militär zur Bttfügung gestellt werden. Das Konzert findtt statt zum Besten unserer im Felde und bei der Marme stehenden Mstbürger. Der Reinerttag wird dem Ober­

bürgermeister zur Anschaffung von Liebesgaben überwiesen. Sse*. »rundete haben iviederum freien Eintritt. Die Programme ,oer- den zivar kostenlos gegeben, doch steht zu hoffen, daß der Eine oder der andere mrgesichts des guten Zlveckes des Konzertes und des niedrigen Preises irttwitlig auch ttnen kleinen Obolus sür das Programm etttatttt.

** Krieg und R e l i gio n s fr a g en. Die Vorträge, welche der Ober hessische Verein für Innere Mission veranstaltet und die religiöse Fragen mit .Bezug aus 'den Kriq, behandeln sollen, beginnen am künftigen Sonntag, 1. Noo., abends 8 Uhr, und finden in der Stadtkirche statt. Den ersten Vortrag hält Prof. D. Schian über das Thema:Bedeutet der gegen­wärtige jtrieg den Bankerott der Christenhett?" Der Eintritt für jedermann srtt.

**U n ron- T h«a t er" (Selt-ersweg 81). Aus den: neuen Programm ist besonders das großartige Kriegsdrama'Der Heber- fall auf schloß, Boneourt" zu erwähnen. Heute rmd morgen smd wieder zwei Ausnahmttage zu klttnen Prttscn. (Siehe Inserat.)

** Im Lichtspielhaus auf der Bahnhofftraße wird heute und morgen noch der FilmAtlantis" nach Ger- hart Hauptmanns gleichnamigem Roman gezeigt. Der Film ist als technisches Meisterwerk ebenso interessant wie ast- moderne Seiffation. Das Hauptinteresse konzentriert sich auf den in allen Einzelheiten wiedergegebenen Untergang des OzeanriesenRoland", eine Schöpfung der .Kinoregie, wie sie bisher noch nicht lvieder erreicht worden ist.

** Vortrag in der Universität. Wir machen ans den Vortrag des Geh. Hofrat Prof. Dr. Elbs:Ans der Entwicklung der chemischen Industrie m Deutschland und England", der heute abend Um 8>/« Uhr in der neuen Aula der Universität swttpndtt, ncch» mals aufmerksam. Der Ertrag ist betamulich »um Besten von Hinterbliebenen im Felde gefallener Gießener bestimmt.

** Die 116er im Taubcnschlag. Allerlei Ernstes und Heiteres von unseren, wackeren Gießener akttven Regiment plaudett ein Jeldpostbttes von ttnem 116er aus, den man uns einsandte. Er lautet:

Liebe Eltern!

Ihr werdtt Euch zunächst Wundern, ttnen Brief vvn mir zu bekomme», der mit Tinte gttchrieben ist. Ausnahmsweise habe ich nial ttne Flasche Tinte und Feder dazu erbeMtt. Seit einiger Tagen ist unser Regiment nebst llttnen Abteilungen anderer Truppengattungen als Armeereserve unter Führung des Generals

....... hinter die .Gefechtsfront zurückgezogen

worden. Das Regiment liegt in zwtt Ortschaften, imscr Batailbm in - - - aus dem ich Euch schon vor einiger Zttt ttnige Briese und Karten zugehen ließ. Untergcbracht sind wir kompagniewttst in den noch einigermaßen erhaltenen Gebäuden, um jederzeit aufs schnellste marschberttt zu sttn. Die zettchoüenen Fenster, Wände und Ziegeldächer sind durch die bei uns bifindlichen Handwerker wieder hergestttlt worden. Dachdecker, Glaser, Maurer usw., alle konnten uneder einmal ihres Amtes wallen. Die übttgeu Mann- schasten beschäfttgtcn sich mtt JnsMndsetzen der Höfe und Sttaßen, so daß das von uns bewohnte Dorfviertel schon wenige Stunden nach dem Einzuge einen guten Eindruck machte. Selbst unser General war des Lobes voll über die zustande gebrachten Leistungen und hat uns seine Anerkennung ansgeiprochen. Meine Komvagnie liegt im Gehöft des M.... F.... Mein Schlafgemach mit noch zwtt Kameraden einer hiervon ist von Grünberg befindet sich im unteren Stockwerk eines tnrmartigen, fensterlosen Tau­ben schlages, dessen nächst höhere Etage nur noch von emer Henne nnd einem fast schwanzlosen Hahn bewohnt wird. Aber ttotz seiner werrigen Federn im Schwanz läßt er es sich nicht nehmen, uns jeden Morgen gegen 6 Uhr den Tages­anbruch zu vertündeu. Doch lange wird er nicht mehr krähe» brauchen, dann lverden Hahn und Henne in unsere Kochgttchirrc gmxrndett sein, da sonst doch niememd da ist, der sich ihrer an- nimmt. Einen kleinen, noch fast neuen Koksofen haben wtt heute aus dem unbewohnten Nachbarhof requiriert, den wir in un­serem, zur Hälfte in der Erde gelegenen Zimmer ansgesttttt haben. Um Licht in die Stube zu bekommen, heben wir während des Tages die Tür ans, lvährend der Nacht brennen wtt Wachskerzen; den .Boden haben wir dick mit Stroh belegt. So liegen wir augenblicklich wie im tiefsten Friede». Der Dienst ist derselbe wie in der Garnison. Gegen 7 Uhr vormittags wird durch den Unteroffizier vom Dienst geweckt, anschließend findtt Waschen unter Aufficht der Korporalschastsführer statt. Der Vor­mittag wird zum Gefechtsexerzieren und Anlegen von Feldbttesti- gungen ausgenutzt, die wir zwar alle genügend kennen, aber unser junger Ersatz ist hierin noch nicht genügend eingewttht. Nachmtttagsl üben wir Ehrenbezeugungen, rttrrigen Gewehre, daran anschließend putzen wir unsere Sachen für den näck)sten Tag, wobtt wtt allerhand schöne Lieder, auch welche aus der Heimat, singen. Selbst imstr M u s i k k o r p s ist heute in Tätigkett getreten nnd hat uitter an­deren schönen Liedern auch den Pattser Ernzngsmarsch erklinge« lassen. Wie mag es auf die noch anwttenden Franzosen gewirkt haben, wenn sie ihn kannten. Die Verpflegung, tue bisher noch nie schlecht war, ist ausgezeichnet. Nach dm: Abend- mahlzttt, die mttstens aus einer guten Suppe httteht. gibt es noch mal Kaffee oder Tee, der nrtt Rotwein gemischt wird. Vom Battnllon hat die Kompagnie 72 Liter empfangen, den wir setzt mit Genuß verzehren können. Ihr seht, liebe Eltern, daß Ihr nnbttorgt nm mich sttn kölmt, wir leiden keinen .Hunger. Doch wem erst wieder weiter marschiert wird, dann wird die Regelmäßigkeit etwas eingeschränkt werden müssen: das Essen kommt dann zuletzt.

Vor dem Eingang des zum .Hose gehörigen Hauses, löttches durch einen Granattchuß fast vollständig znsammeiigesallen ist, liegen zwtt Angchöttge des Regiments beerdigt. Wtt haben ihnen ein schönes mit Blumen dekoriertes Grab errichitt. Ern Kreuz aus Holz zttgt die Namen der Tapsereir.

Hiermit will ich schließen, da wtt drtt Bewohner des Tauben schlages noch einen kleinen Schasskops uwche» wollen. Nun sttd alle recht herzlich gegrüßt

von Euren, Sohn H.

** Abgabe von ansrangierten Militär- Pferden in Hanau. Samstag, den 31. ds. Mts., mittags 1 lllp, versteigert die Landivirtscltziftskamnier für das Groß­herzogtum Hessen in der Kaserne des Ulanen-Reginrents 6 in Hanau 10 Stück ansrangierte Militärpferde, darunter zwei tragende Stuten, gegen Barzahlung. Augelassen zur Versteigerung werden nur Landwirte und zwar aus­schließlich ans dem Großherzogtum Hessen.

Landkreis Gießen.

sF) Watzenborn, 29.Okt. Ein junger Krieger aus unserer Gemeinde, Karl Weiß, Unteroffizier bei den 21. Pio­nieren, ist am 8. Okt. durch Verleihung des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet worden. In einem Briese an seine Eltern schreibt er darüber: ,Lch bin schon oft auf Patrouillen gewesen nahe am Feind. Bei dieser Gelegenheit habe ich ttne Herde Schafe entdeckt, die zwischen uns und den Fran­zosen im Felde umher weideten. Die Schafe hatten Schel­len an und sollten uns verraten, wenn wir nachts vdtt' gegangen wären. habe ich mit vier Mann dennoch diä klugen Franzosen rlberlistet, indem wir uns hinschlichen, weit vor, fast bis an die feindlichen Schützenlinien, und die ganz« Herde Schafe in unsere Stellung brachten. Als wir ankamen, wurden wir mit Jubel begrüßt. Es waren mehr als 150 Stück, es war ein guter Fang. Wir hatten Fleisch die Menge. Was wir übrig hatten, ist an die ganze Brkigade verteilt worden. Dadurch ist unsere vierte slümpagnie sehr be­kannt geworden. Ich habe heute deshalb das Eiserne Kreuz erhalten, eine schöne Auszeichnung."

F. Watzenborn-Steinberg, 29. Oku Der Krieg hat ans unserer Gemeinde schon eine ganz« Rtthc schwerer Opfer gefordert, 7 ans dem Felde bei Ehre Gefallene und 22 Ver­wundete': einige werden vermißt. Von einem der Schwcrverwim- beten melden zudem die iienesten Nachriehtm, er stt jttncn Wunde» erlegen.