Ausgabe 
28.10.1914
 
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»'amt zur rechten Zeit unsere Pioniere an der Spitze. Eines der schönsten und wertvollsten Denkmäler, welche sie sich für die Kriczs- zeit gebaut haben, ist die mitten int französischen und belgischen Arttllcrieseuer geschlagene Kriegsbrücke bei Dinant, die in andert­halb Tagen so sest die beiden Ufer des breiten Stromes verband, daß grotze Teile einer deutschen Armee lxier auf die linke Seite der Maas Vordringen konnten. Wir besitzen von französischer Seite sehr erstaunliche Berichte, ivelche Angenzengen über diese, selbst der Feind, zur Bewunderung zwingende Heldentat erstattet haben. Als die Franzosen den Brückenbau trotz ihres wütenden Feuers inimer näher an ihr User hcranrücken sahen, gelang es ihnen, in der Deckung eines benachbarten Waldes schwere Geschütze herbeizusührcn, mit denen sie die Brücke und ihre Erbauer mit Erfolg beschossen. Aber sehr bald beantwortete gleich starke deutsche Artillerie das Feuer, und mitten im Duell der schweren Kaliber, welches die Franzosen wird Belgier sehr rasch zum Abzüge uöttgtc, bauten un­sere Pioniere ihre Brücke weiter, so datz alSbatd die Verfolgung des geschlagenen Feindes beginnen konnte.

Diese Kricgsbrücke bei Dinant ist auf Böcken errichtet, die aus den srisch in den benachbarten Wäldern geschlagenen Stämmen zusammengesügt sind. Sie erinnert in ihrer urtümlichen Zweck­mäßigkeit unwillkürlich an das Bild, das wir uns aus der Schule von der Rheinbrücke Caesars zu machen gewohnt sind.

Aber unsere Pioniere wissen sich mit einer immer regen, nim­mer verlegenen Erfindungskraft auch mit ganz anderen Materialien zu behelscn. Was gerade zur Band und brauchbar ist, das mutz ihnen dienen. So hat man z. B. bei Givet, bei Lüttfch (dort an Stelle des schönen von den Belgiern gesprengtenPont des Arches") und noch an.vielen anderen Stellen sehr schnell äußerst tragsähigc Brücken dadurch errichtet, datz, man die großen Last- schisse aut der Maas zusammenstellte, teils reguirierte, soweit es sicy nni feindlick-en, teils gemietete, soweit es sich um neittralen Besitz handelte, und diric Riesenpvntons dann mit einem starken Balkensteg überlegte. Damit war dann eine Verbindune jibcr Flüsse und Ltröme gefchassen, die auch für die schwersten Trans­porte sofort gangbar war. Eine Schwierigkeit entstand freilich, »renn der Fluß durch Hochwasser oder starken Abfluß seinen Wasser­spiegel hob oder senkte. Da mußte dann sein Laut aogedämmt oder gestaut iperden, eine Arbeit, welche ebensalls mustergültig und sehr rasch ausgcführt tvvrden ist.

Neben diesen, ihren herköinmlichen Hauptaufgaben haben die Pioniere aber auch in diesem Feldzug eine ungemein.wichtige Rolle im Festu ii g s k c i c g c gespielt. Beim Sturm auf 'das Fort Flvrvn bei Lütttch, die erste feste Stellung des Feindes, die wir genommen haben, sind die Pioniere durch den Gürtel der starken Drahthindernisse, unter dem das ausgezeichnet angelegte Schuß­feld der Glacis völlig eindeckcndcn Feuer der feindlichen Gewehre und Maschinengewehre vorwärts geschlichen, haben die Drahthinder­nisse entfernt und so den nachfolgenden Truppen den ersten Weg geöffnet.

Ganz ähnlich war ihr Vorgehen gegen das von einer sranzö- sischen Clitetruppe besetzte Fort Camp des Romains bei Verdun, dessen Verlust di« Franzosen bekanntlich für unmöglich gehalten haben und dessen Wegnahme sie lies entmutigt hat. Hier haben die Pioniere sich ebensalls im sehr gut gezielten feindlichen Feuer, unter schweren Verlusten, aber unaufhaltsam, den Weg durch die Drahthindernisse geschnitten, sind in die Gräben des Forts ge­drungen und haben hier den immer noch ausharrenden Ver­teidigern mit Handbombcn und den eine erstickende Wirkung aus­übenden Bcheltsgranaten, welche sic an Holzstanqen in die Kase­matten hincinsteckten, buchstäblich den Rest gegeben.

Auch als Lougwn gcstürint werden soll!«, ivaren die Pioniere schon bis an die Wälle der Festung vorgedrungen und hatten in schwerer Gefahr durch Flatterminen die Drahthindernisse des Vorglacis zu öffnen begonnen. Da erfolgte bekanntlich im letzten Augenblicke die Uebergabe der schon durch die furchtbare Beschictzung in hofsuuugslose Lage geratenen Besatzung.

Sehr bedeutsam ist der Anteil der Pioniere an der Einnahme hon Antwerpen gewesen. Bekanntlich hing das Schicksal der stärksten Festung der Welt" daran, ob der Nelheabschnitt von den vereinigten Belgiern und Engländern gehalten, oder ob er von uns erzwungen wurde. Entsprechend seiner großen Wichtig­keit ist dieser Abschnitt von den Belgiern dirrch sehr zweckmäßig verteilte moderne Forts und gute, durch das weit überschwemmte Wicsengelände schwer angreifbare Erdbeiestigungen geschützt wor­den.Wir müsien heute über die Nethe!" Das war am entscheiden- den Tage das Kampfgeschrci unserer Truppen.Wir müssen, koste cs, was es wolle." Und diese Waffentat hat unsere tapferen Pio­niere schwere Verluste gekostet. Zweimal ist bei Lierre, wo der erste Nebergang erzwungen tvurdc, die Vorhut der Pioniere, die den angestaulcn Fluß unmittelbar unter tan Feuer der hinter ihm liegenden Schützenlinien und der benachbarten Forts zn über­brücken versuchten, blutig auigerieben worden. Aber sie gaben nicht nach. Und endlich war auf zusammengebundcnen leeren Weintonnen der schmale Steg fertig, über den unsere Truppen stürmend aufs andere User drangen. Und da war Antwerpens Schicksal dlirch diesen schmalen, unscheinbaren Tonnensteg besiegelt.

An dein zweiten Netheübcrgang, den toir erzwangen, bei Wael- hem, ist trotz der Eile unseres Vordringens doch eine recht solide Balkenbrücke geschlagen worden. Wer auch hier lagen, während Fort Waelhcm unter unseren dirken Brummern in Schutt und Trümmer sank, schon in Sclüveitc des Forts die Tonneneinheiten! bereit, um die Nethe im entscheidenden Augenblick zu überspannen. Nur im Notfall standen die angeschirrten 'Brückentrains der Pio­niere hinten in Mccheln zum sofortigen Vorrücken in der Reserve. Abcr loedcr sie noch das Tonnend, lwlssmateriäl brauchte benutzt zu werden, da inzwischen das Fort Waclhem erledigt war und das Rückzugsseuer der sliclienden Belgier und Engländer uns nicht mehr am Ban der Balkenbrücke hindern konnte, über welche dann unsere schweren Geschütze gegen Antwerpens inneven Befcstigungs- gürtel vorgingen.

Wie es von einer Truppe, die in ihrer Gesamtheit von solchem Geiste beseelt ist, nicht anders zn ertvarten ist, haben sich die Pio­niere bei allen Efelcgenhelleii, welche dieser an alle Teilnehmer so gewaltige Anforderungen stellende Krieg ihnen bot, durch tapfere Eiuzeltatcu ausgezeichnet. Am bekanntesten ist das kühne Wagnis des Leutnants Nobiling geworden, der mit einigen Lotten bei Nacht die feindliche Postenkette durchschlich, die Maas übersckyoamm und die wichtige Eisenbahnlinie im Rücken des Feindes, auf welcher dieser seine Munitionszufuhr erhielt, mitten in dem stark besetzten Gebiet zwischen Toni und Verdun sprengte. Die n,eisten Teil­nehmer sind von dieser kecken und sehr erfolgreichen Unternehimmg glücklich über die reißend angeschwvllenen Fluten der Maas znriick- gekchrt und ttagen mit Stolz das wohlverdiente Eiserne Kreuz.

Das war ein Geniestreich, ein wirklicher Geniestreich, einer von ungezählten. Die Franzosen nennen »war ihre Pioniere immer Genietruppen, aber von ihrcin Genie ist bisher trotz derunsterb­lichen napoleonischen Traditionen" wenig zu merken gewesen. Ihre Lauptleistungcn haben im Zerstören von Brücken bestanden, und selbst dieses Geschäft haben sie meist ziemlich talenttos betrieben so datz die Zerstörung in keinem Verhältnis zu dem Aufwand»- slcmd oder ganz zwecklos war.

_WScheu ermann, Kriegsberichterstatter.

Geschichten von porfirio via;.

Mit dem Tode desmexikanischen Bismarck", des Schöpfers des modernen Mexiko, Porfiriv Diaz, hat ein Leben und eine Laufbahn geendet, wie sie romantischer kei­nes Dichters Phantasie aussimien könnte, wie sie erfolg» gekrönter selten in der Geschichte zu finden sind. Der 84jüh- rigc Greis hat zwar noch am Spätabend seines Lebens das tragische Schicksal erdulden müssen, daß er viel von dem, was er aufgebaut, wieder zerfallen sah, daß. das alte Chaos über die Ruhe und Ordnung trrumphierte^die er mit grosse artiger Energie und Kraft begründet. So gilt auch für ihn des pltgricchischen Weisen nachdenkliches Wort: es ist keiner vor seinem Tode glücklich zu preisen, aber die Historie wird dies traurige Schlußkapitel der allerletzten Mtcrs- jahre vergessen vor der sieghaft kraftvollen Gestalt des Generals und Staatsmannes, der durch 40 Jahre in seinem Land die erste Rolle spielte. Der vergötterte Held in mehr

als 50 Schlachten, mit Orden überladen, die doch nicht alle Narben decken konnten, für die er sie erhalten, der Sieger in ebenso viel Revolutionen, der Bändiger des Dra­chens Zwietracht, der Mexiko durch ein halber Jahrhundert zerfleischt er wird stets von dem romantischen Schimmer eines einzigartigen Schicksals umstrahlt sein, das ihn nicht nur zu einem trefflichen Bandenführer, einem eisernen Krieger, sondern auch zu einem großen Staatsmann werden ließ, Noch nach Jahrhunderten wird man sich tvohl in Mexiko so wie heute die wundersamen Geschichten von seiner Tapferkeit erzählen, von seinen romanttschen Ver­kleidungen, in denen er sich mitten unter die Feinde wagte, von den phantastischen Formen der Flucht, durch die der Gefangene stets den Händen der Geguer und der drohenden Todesgefahr entging. Ein Kind des Aufruhrs, iu denc stolzes spanisches und leidenschaftliches indianisches Blut rollte, ist Diaz ein Mann des Gesetzes, der Vater der Ordsnung geworden.

In diesem zügellosen, von den wildesten Bürgerzwisten durchwühlten Lande konnte er das nur durch schonungslose Strenge. Seine Gegner haben das WortDiazpotismus" geprägt, durch das sie eine Steigerung des Begriffes Despo­tismus ausdrücken wollten. Wo sich die alte Unkultur seinem mächtigen Willen zur Zivilisation entgegenstellte, da kannte er keine Schonung. So wurde z. B., wer einen Tclegraphendraht durchschnitt, augenblicklich gehenkt. Aber nicht dem Schlvert und dem Strank verdankt er seine bei­spiellosen Erfolge, sondern de» geistigen Waffen seiner Persönlichkeit, der ungeheuren Zähigkeit seines Willens und der faszinierenden Kraft seines Wesens. Wie er die Leute beherrschte, dafür ein einfaches Beispiel. Ein skrupelloser amerikanttcher Konzessionsjäger hatte sich an den Präsi­denten gewandt und behauptete, er sei ein Opfer voll Be­trügereien nnd Gewalttaten geworden. Ais er so vor Diaz klagte, wandte sich dieser mit dem einzigen Satz:Was wünschen Sie?" zu ihm, und vor diesem starren undurch­dringlichen Gesicht verging selbst dem abgefeimten Speku­lanten aller Mut zur Lüge; er stammelte, machte Ausflüchte und bat schließlich, sich zurückziehcn zu dürfe». Diaz hatte während der ganzen Szene kein Wort mehr gesprochen. So brachen vor dieser Eiscnstirn alle niedrigen Intrigen und schlimmen Pläne von selbst in sich zusammen. Seine Feinde behielt er stets int Auge, und wehe ihnen, wenn die Stunde kam, da er abrechnete! Ungefährliche Feinde fertigte er mit einem trockenen Humor ab. Als der Schriftsteller' Carlo de Fornaro sein PamphletDer Zar voll Mexiko" gegen Diaz geschrieben hatte, gestattete der Angegriffene nicht nur den freien Verkauf des .Buches, sondern sprach sogar in einem freundlichen Brief dem Verfasser seine An­erkennung aus und erklärte, das Buch seinen Freunden und Bekannten empfehlen zu wollen. Dieser Brief hat Fornaro mehr geärgert als viele der dunklen Taten, die er dem mexikanischen Großmogul" zur Last legte.

Noch als Achtziger besaß der aufrechte breitschultrige Greis die straffe Strenge und entschlossene Kühnheit, die das Geheimnis seines Erfolges waren. Jeder Mann im Lande grüßte ehrfurchtsvoll diesen alten Soldaten mit den tief­liegenden dunklen Augen, der blühenden Gesichtsfarbe, mit dem weißen kurzgeschnittenen Haar und buschigen Schnurr­bart, der zu jeder Zeit für jeden seiner Untertanen zu spre­chen war. Ms dererste unter Gleichen" war er höflich und zuvorkommend gegen die Seinen, und diese stete Bereit­willigkeit mischte Liebe in die Furcht. Das illustriert der folgende typische Vorfall. Eine der berühmtesten Abenteuer in Diaz' abenteuerreichen Leben war seine Flucht von dem DampferCity of Havanna". Er war damals während der Präsidentschaft Nerdos als Verbannter nach. Mexiko zurück­gekommen; ein Preis war auf seinen Kopf gesetzt, und schon bei der Einfahrt in den mexikanischen Hafen wurde der ver­kleidete Diaz verraten. Soldaten drangen «ruf das Schiff, um chn zu verhaften, und er rettete sich nur. dadurch, daß er ins Meer sprang und in einem fünfstündigen verzweifel­ten Kampf mit den Wogen sich in Sicherheit brachte. Eines Tages wird dem Präsidenten Diaz ein vöttig fremder Mensch gemeldet, der ihn sofort und dringend zu sprechen wünschte. Diaz läßt ihn auch sogleich, eintrcten und fragt:Was kann ich für Sie tun?"Ich niöchte nichts weiter", antwortet der andere,als einmal die Geschichte Ihrer Flucht aus Ihrem cigenen Munde zu hören".Ich, stehe zu Diensten", sagte Diaz ruhig und erzählte mit aller Lebhaftigkeit seines Naturells zum hundertsten und aberhundertsten Mal den Vorgang. . .

A»»S ttsifc

Gießen, 28. Oktober 1914.

Auf dem Felde der Ehre gefallen.

(Aus Hessen nnd den Nachbargebietcn.f Zahlmeister Ernst Wolf, Jnf.-Rgt. 83, aus Gießen. Res. Karl Lcuser, Jns.-Rgt. 116, aus Frankenbach. Drag. Ludwig Bender, Drag.-Rgt. 24, ans Langsdorf. Mi-sk. Christian Müller, Jnf.-Rgt. 116, aus Gellshausen. Ufrs- d. Res. Kurt Noack, Jns.-Rgt. 116, aus Alsfeld. Res. Wllh. Scher- stuhl, Jnf.-Rgt. 116, ans Wahlen. Untervfs. d. Res. Willi Finger aus Lauterbach. Res. Wllh. Reinhardt, Jnf.-Rgt. 168, aus Gronau. Unterosf. d. Res. Lehrer Franz Ludioig Adler, Jnf.-Rgt. 115, aus Gernsheim. Oss.-Stcllv. Lehrer Gg. Karr, Jns.-Rgt. 99, aus Alsheim. Gesr. d. Res. Otto Langsdorf, Jnf.-Rgt. 168, aus Pohlgöns. Landwehrm, Philipp Schmidt, Feld-Res.-Bäckerei-Kol. l5, aus Brauushardt Untcroff. d. Res. u. Lehrer Willy Bayersdorf, Jns.-Rgt. 117, aus Offenbach a. Main. Gesr. Karl Weber, Jnf.-Rgt. 116, aus Herboru.

Gesr. d. Res. Hermann Wunderlich, Jns.-Rgt. 117, aus Dillenburg. Landwehrm. Otto Schmidt, Res.-Jnf.-Rgt. 81, aus Erdbach. Lt. d. Res. Forstassessor Wllh. Brückner u. Lt. d. Res. Oberförster Lndw. Nikolaus aus Neustadt i. O.

Landwehrm. Lldam Krauß, Jns.-Rgt. 116, aus Nieder- Modau. Max Heinr. Merz, Ul.-Rgt. 6, aus Eichen a. d. Nidder. Lehrer Ernst Sam es aus Eckartshausen. Land­wehrm. Wilh. Bcchtold, Jnf.-Rgt. 116, aus Raiurvd. Land­wehrm. Otto Usinger, Res.-Jnf.-Rgt. 116, aus Schotten. Res. Ludwig Straub, Jnf.-Rgt. 116, aus Schotten.

Bon hessischen Landeskindern in Amerika

liegt uns eine große Anzahl von Briefen vor, die uns von den Empfängern, Lesern unseres Blattes, zum Abdruck zur Verfügung gestellt worden sind. Bon ihnen allen den ausgedehnten Gebrauch zu machen, wie es manche der Einsender wünschen, ist uns selbst­verständlich nicht möglich, zumal tich die Schreiben von jenseits des Ozeans alle in einem Punkte gleichen: Samt und sonders stellen sie mehr oder minder beredte ÄokumeMc der glühenden Liebe für das bedrohte Heimatland nnd der schrankenlosen Ovser- willigkcit sür die Opfer des Krieges dar, aus allen klingt das Leid, mcht dott dabei sein zu können, wo es um die höchsten Güter des Volkes geht. Nachstehend geben wir eine kleine Auswahl der be- zeichnenden Stellen wieder. Wenn manches davon auch schon bei anderer Gelegenheit nnd in anderer Form bekannt geworden ist; es ist doch tröstlich, immer wieder zu hören, daß auch in der Fremde tausende Herzen für uns schlagen, und daß die öffentliche Meinung in Amerika sich der Wttchl der Wirklichkeit auf die Dauer nicht hat entziehen können.

Tag und Nacht hat man daran gearbeitet, die amerikanische Presse eines Bessern zu belehren. Ter Umschwung ist nicht

IM FELDE

erwarten unsere Angehörigen aus der Heimat Nachrichten über die Vorgänge daselbst und über die Ereignisse und Fortschritte auf den Kriegsschauplätzen. Durch die regelmäßige Uebersendung des

Gießener Anzeigers

kann mancher lebhafte Wunsch erfüllt werden. Die Nachsendung des Gießener Anzeigers ins Feld erfolgt am zweck­mäßigsten durch die Post. Man bestelle ihn deshalb bei den zuständigen Post­ämtern vom 1. Novbr. an unter genauer Angabe des Namens, des Armeekorps, der Division, desRcgimcnts und der Kom­pagnie. Außer dem üblichen Bezugspreis erhebt die Post nur eine monatliche Umschlaggebühr von 40 Pfennig. Be­stellungen nimmt außerdem entgegen die

Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers,

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ausgeblieben. In Netv Pork erscheint eine deutsche Wochen­schrift unter deni TitelVaterland", die schon ganz vorzügliche geleistet hat. Hier iu Detroit hat sich ein Deutscher Bund ge» gründet, der cs sich zur Hauptaufgabe gemacht hat, gegen die Tentschenhetze in der Presse zu arbeiten. Sein anderer großer Zweck ist, den deutschen Witwen und Waisen zu Helsen und die Not zu lindern, die durch den Krieg in Deutschland her- vorgerusen wird. Versammlungen haben den deutschen Geist ans Licht gebracht und habeic Schillers Wort: Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, wahr gemacht. Oesterreicher, Ungarn, Magyaren, Kroaten und wie sie alle heißen nrögen, haben sich unter den Flügeln des Deutschen Bundes znsammcngeschart Die Deutschen von Detroit wollen zum mindesten 75 000 Dollars an den deut­schen Gesandten in der nächsten Zeit absenden. In einer Massen­versammlung am 7. Oktober haben bedeutende Redner in deutscher und englischer Sprache Worte der Auiklärung gegeben. Man darf auch nicht vergessen, daß die von Deutschland Heini kehrenden Ameri­kaner viel dazu beitrugen, die allgemein herrschende Stimmung zu Gunsten der Deutschen zu beeinflussen. Alle stimmen darin überein, daß nicht der deutsche Kaiser, derWar Lord" oder KriegS- gott, wie er anfangs genamrt wurde, oder der deutsche Militaris­mus den Krieg verschuldet hat, sondern einzig und allein Eng­land.

....... Denn die Engländer, so heißt es in einem Wetter«,

Schreiben, nehnirn sogar deutsche Briese nnd Postsachen von neu­tralen Schiffen. O, wie ich diese Engländer hasse und verachte!... Wir Deutsche haben hier einen Kampf gegen die Lügen unser« Gegner zu kämpfen und auch wir hier stehen wie ein Mann. Die Stimmung richtet sich, nachdem die Wahrheit zutage kommt, gegen England. Englische Freunde von uns sind beschämt, Namen Engländer zu ttagen. ... Ja, toie wir unfern Kaiser lieben und verehren, merken wir jetzt erst, wo er angegriffen wird. Wir dürfen stolz aus ünsern Kaiser und unser ganzes Hans Hohen- zvllcrn sein. Wir haben hier ein Hans, in dem viele präättigv Deutsche zusamnienkvinmen. Ter erste Trunk gilt immer unser« Kaiser, der zweite dem lieben alten Kaiser Franz Joseph... Ein« unserer Landslcutt hat seine Stellung in Südamerika ansgegcbsl und die welle Reise nach Chicago unternommen in der Hoffnung, von hier ans Gelegenheit zur Uebersahll nach Deutschland zu finden, und sei es als Schiffsheizer mif einem holländischm Dampfer. . ., Wir hier in Chicago arbeiten ttichttg für das Rote Kreuz. Tausende von Sammellisten gehen.um, und wir hoffen ein paar Millionen zusammcnzubekomnren.

Tie englischen Zeitungen, haßt es wieder in einem Briefe, inachten in der ersten Zeit das ganze Land durcheinander mit ihren instunen Lügenberichten, und ich habe manchmal vor Wut geweint, tvenn ich las, wie man dein deuttchen Lande und semevi Bolkv so unrecht tat... . Wir halten in allen Städten und Ortschaft» Protest- und Avsklärmigsversammlnngen ab und klären das amen- kanische Volk über die Ursachen und den Verlauf des Krieges auf. Wir tun alles, was in unseren Kräften stetst, um DeulKH- land zu verteidigten gegen alle Neider imd Hasser. Wir hoffen, mit her Zeit für unser Vaterland den Betrag von 50 Million« sammeln zu können. Jeder gibt sein Scherslein.

Schließlich geben wtt noch einen Abschnitt ans einer deutsch- amerikanischen Zeitung wieder, aus der ebenfalls cv- hellt, >vie man den Kampf gegen die Feinde Deutschlands aut Seiten unserer Brüder betreibt. Die betteffende stelle lautet:

Tie Zeiten sind ernst. Unsere Stammesgenosscn tm alten Vaterlande kämpfen um ihre Existenz gegen eine neidische, gie­rige Gcldmacht und gegen die Uebergriffc slawischen Barbaren­tums Es ist ein Kampf auf Leben und Tod, in welck'Lm Deutsch­land mit feinem Bundesgenossen siegen muß. Wir vermögen von hier aus mir moralische Unterstützung zu geben, welche gleichzeitig die finanzielle einschließt. Und unabläsftg müssen wir im Jntereffe unserer Brüder, die jetzt den Boden mit Blut düngen, tätig, ununterbrochen müssen wir berrit sein, auch nach den gräßlichen Schlächtereien die Wunden des Krieges p Hellen und lindernd dort einzugreifen, wo di« unmisbleibliche Not an die Titten poclzt. Und nur mit verernter den tscher Kraft können wir da von lster ans wirkungsvoll eingreifen.

Gleicktsrittg dürfen wir nickst vergessen, datz auch wtt httr einen Kampf auszufecksten haben, der deni in Eirrvpa von unseren Stancmesgenosscn anszfnseclstenden in manckier Hinsicht ähnelt. Wir käuiptcn um die Erhaltung der periönlickzen Freiheit gegen die Angriffe des fanatischen Wassermnckertnms. Wir käinpfo: gegen die Bevormundung einer Rotte von getvisscnlvsen Fana­tikern >md Polilikaillen, welche uns in die Zwangsiacke der pnri- tanischen Heuchelei M stecken versnck-cn; welche darüber uns Vor- schriftrn mack>cn wollen, was wir essen und was wir trinken^ >oie wir unser Leben cinrichten sollen. Besonders gegen dl« Tentsckien nnd deren Vereine richten sich die Anschläge dieser Schncselbande, nnd es ist dringend nottvendig, daß aus dichnn Grunde eine feste Organisation geschaffen und vereint gegen die Uebergriffe per Wasserfnnpel Front gemacht tvttd.

Dazu ist die Mithilfe aller Deutschen notweninz und deshalb solltt in der Sitzung des Stadtverbandes am nächsten Sonntag nachmittag nicht ein einziger ffriheitsliebender Bürger fehlen. Also, deuffche Stammesgenossen, an die Grwchrr und angetteten in dieser Versammlung!

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** Krieg und Invaliden- und Hinterblie- benenversicherung. lieber die Ansprüche der Kriegs­invaliden und der Hinterbliebenen gefallener Feldzugsteik nchmer an die Invaliden- und Hinterbliebenenvcrsicherung (IV. Buch der Rcichsversichcrungsordnuiigs, die neben den aus den militärischen Fürsorgegesctzen beruhenden Bezügen geltend gemacht werden können, bestehen in den .ni