Ausgabe 
28.10.1914
 
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Nr. 253 Zweite; Blatt

IH. Jahrgang

Ecschetnl ki;tich mit Ausnahme des SanniagS.

TieOeßener ZamNieatzlätter" werben dem .Anzeiger^ »icrmat wöchentlich beigeleql, das ffreiidl»« für den Krris Sichen" jiveinial wöchentlich. Di-L«nd»irlichafIUch,n Seit- fr»H«n" ericheine» monatlich zweimal.

II Wv

Seneral-Anzcrger für Gberhesjen

Mittwoch, 28. Oktober

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn Universitäts-Buch- und Sieindruckerci.

R. Lange, Gießen.

Echriltlkitunq.GcschäitSitcUc ».Druckerei: Schul- slraßc7.Geiit>äiIsslclleu.VerlaglS-ss^5I,Echr>i>- leitnng: ^^112. üldresic!ur Trahlnachrichten: Anzeiger Ließen.

Die wachsende bpannung in Nordamerika.

Die folgenden Betrachtungen eines unserer Mitarbeiter sind vielleicht etwas verfrüht, geben aber «rngesickUs der augenblicklichen englisck>-amerikMnsct)en Auseinandersetzun- gen doch interessante Ausschluss«:

Die unglaublich freche Belästigung der amerikanisck^u Landelsschifsahrt durch das englische Piratcntuin l/at in den Vereinigten Staaten solche Erregung und Entrüstung her- vorgerusen. daß man mit einem Eintritt Nordamerikas in den Krieg immerhin rechnet. Nur dieArt und Weise dieses Eintritts ist noch unklar. Tie Washington Times, ixv 4 am Regierungssitz Wilsons erscheinende Blatt, spricht bereits von derFeindschasl" der Bereinigten Staaten, die das Aus- wärlige Amt -u London riskiere. Das ktaug wie eine riricgs« drohuug gegen Eitgland, aber mau kennt ja die leider noch immer nicht umgestimmte össenttichc Meinung in Nordame­rika, die trotz der rücksichtslosen Kaperpviitik Englands nickst so schnell zu einem offenen Bruch init dem angelsächsischem Vetter vorschreiten wird. Kvmmt es zu einer A»lssprackx> zwischen London zuid Waslstngton, so ioird man das wohl nicht so schlimm geincint haben. Aber man ioird iimnerhin den gekommenen Zeitpunkt bemitzen, lim nun endlich Japan gegenüber klare Stellung zu nehinen. Mit anderen Worten: Nordamerika zieht den Degen, rennt ihn aber zu­nächst einmal dem Japs in den Leib, allerdings schon mit einem wütenden.Seitenblick aus dessen europäischen Berbü»- «deten, Da aber zuzeiten eines Weltkriegs jedes Staaisivesen nur noch nach dem gewertet wird, ivas es an militäriscksen Kräften aus der Pfanne l>a1, ist in dieseni Zeitpunkt nur die eine Frage maßgebeiid: Ist man in Washingtonerzbereit"? Ist es vor alleni die amerikanische Flotte, und httben dio Bereinigten Staaten, denen das Mexiko-Abenteuer so graste Beschwerde» verursachte, »och ein Heer, das zurllntersrützung einer Frottenaktiou icher die Ozeane verschifft iverdcii könnte?

Von der amerikanischen Flotte l>at man gehört, daß sie trotz des neuen Erdrutsches bei Culebra glücklick) und voll­zählig durch den Panamakanal gebracht worden ist. Genauer betrachtet >var dies die atlantische Motte, mimlich -1 Tibi sionen zu ,e 4 bis 5> Linienschissen, eine Torpedoboots- slottiKe in 5 Divisionen und eine kleine Unterseeboots« slottiLe. In Reserve stehen noch mit verringerter Besatzung aus der atlmitischen Seite etwa 8 Linienschiffe, 3 geschützte Ü'reuzer und Ai Torpedoschifse. Ständig befindet sich an den Kasten des Stillen Ozeans (nun vereinigt mit dem Haupt« geschrvader der Atlantischen Flotte) die Pazifische Flotte, Sie ist an sich nicht sehr imponierend: sie besteht aus 4 Panzer­kreuzern. einer Flottille zu ü Dorpcdobootszersbönern und Torpedobooten, sonne 3 Unterseebooten. In Reserve werden gehalten 1 Linienschiff, 3 Panzerkreuzer und 3 geschützte Kreuzer, wozu noch von der Westküste von Mittelamcrika 4 geschützte.Kreuzer hinzugezogen werden könneir. Die asia­tische Flotte per Bereinigten Staaten wird wohl draußeiv blechen müssen, und ihre Vereinigung mit der Hauptmacht im Kriegsfall: ist eine große Frage. Fraglich ist dann auch der Wert der kleinen amerikanischen Mittelmeerdivision, Zweifellos haben die Bereinigten Staaten sich gerade in den letzten zwei Jahren mit dein Ausbau ihrer Flotte große M'rl/e gegeben. Die AuSgabeiistciqerung des letzten Jahres z. B war weit meist als doppelt so groß nri: die Englands. .'Der «s fragt sich, was heute von den neugeplante.ii Rüslun-

K tig ist. Der Klongreß hat > eben falls an den Vorau- irmmei, zuletzt »o<l> recht bedeutende Kürznirgen vor­genommen. Trotz der Reklamefahrten der ameriscnisschcn Flotte in den verschiedenen Ozeawen wissen also die even­tuellen Gegner der Bereinigten Staaten wahrscheinlich ganz genau, das; der Kriegswert Nordanierikas zu Wasser heute >:och keineswegs der politischen Bedeutung und der Well- stellung der Bereinigten Staaten entspricht.

Noch iocnigcr Respekt hat man wahrscheinlich vor Nord­amerikas Landmacht. In Mexiko ist dock, zu viel klar ge­worden. Gegen die nioralische Tüchtigkeit der Truppen Nord- amerikas, die dort gekämpft haben, soll nicht das Mindeste gesagt sein. Die mangelnde Organisation des Kriegsbedarfs, der Munition und Vorräte ivar es incr, was von allen un- parteiischen Fachleuten gerügt irurde. Wer der anicrika- nischc Dollar kann manchem Uebelstande nachhelse». Ter Dollar würde ja erst richtig zu rollen beginnen, wciur sich ein großer populärer Krieg entwickelt. Noch immer, wenn es so richtig daraus aukaiu, haben die Amerikaner i» ihrer beispiellosen Großzügigkeit auch den Krieg in großem und größtem Stile zu lühren verstaudcu. Die Lereinigten Staa­ten tüniien aus einem gewaltigen und ungem-.iu kricgs- brauchbaren Meiischenbcsraride schöpfe». Das bewies die Niederivcrsung des Philippinenausstandes und der spanisch- amerikanische K'rieg, das beiviesen vor allem die gewaltigen Bürgerkriege. Nordamerika imponiert z'.var nicht durch das, was cs im Augenblick hat, aber dock) durch das, wsts cts' rascher wie andere Staaten aus dem Bode» stampfen kann. ImAmerikanismus" liege» auch die starken Wurzeln seiner niililärische» Kraft. Allein sckzon der Respekt Japans, aber auch Englands vor diesem Kriegslvert Nordamerikas ist für das kämpfende Deutschland-Oesterreich ein guter Bundes­genosse.

Am yserkanal.

Milten durch das Land derWateringucs" zieht sich von Comines am Lys der Mcrkanal nordwärts bis Nieiv- port, das durch ihn zum Seehafen der im Mittelalter blühen--, den Handelsstadt Bvcrii geworden war. Doch bei cineni Tief gang von.zwei Metern genügt er schon seit längerer Zeit nicht mehr den Ansprüchen der modernen Kanalschiffahrt, zumal zwischen Dpcrn und dem Lys 14 Schleusen de» Verkehr erschweren. Die belgische Regierung beschloß daher, ihn zu erweitern und die an beiden Usern sich kilometerweit hiw- ziehendcn Bauvorräte und teiltvcise schon ausgebaggertcn Sand- und Scklammasscn, bilden jetzt hcistumstriltcnc Brust­wehren der in Flandern tobenden Schlacht.

Schon seit zehn Jahrhunderten bestehen dieWatcr- ingucs", jene Wassergesellschaften, deren Aufgabe es ist, das Kanalsystem instandzuhalten, weiter auszubauen und so immer neues Kulturland zu schaffen. Denn die aus dem In­neren des Landes kommenden, wasserreichen Flüsse, vor allem Aa und Mer haben breite Uebersschwemmungsdelten gebildet, aus denen erst in jahrhundertelangem Kampf des Menschen gegen die Natur fruchtbares Land wurde. Der ein­zelne Bauer kann zwar sein kleines Viertel entwässern und pflügen, aber den Bau der größeren Kanäle, deren Weiter« führung bis zum Meer und die Errichtung regulierender Schleusen müssen dieWateringucs" übernehmen, von denen es bei der Stadt Furnes Gesellschaften gibt» deren Macht­bereich sich über 30 000 Hektar erstreckt, während andere nur Gebiete von wenigen hundert Hektaren regulieren. In frühe­ren Jahrhunderten leitete man die Entwässcrungskanälc in die natürlichen oder künstlichen Schiffahrtsstraßen, also auch in die Mer nnd ihren Kanal. Doch wenn das Wasser stieg und die Schleusen geöffnet werden 'mußten, dann entstand auf diesen Wasscrivcgen eine die Schiffahrt hindernde, zu große Strömung. Daher ging das Bestreben derWatev- ingues" in den letzten Jahrzehnten dahin, das Entwässe- rnngssystem von den Schiffahrtskanäken völlig lmabhnngig zu machen und auch der Ausbau des Mcrkanals ist mit dar­auf zurückzuführen. Wo er bei Comines, dem Geburtsorte des altfranzvsischen Geschichtsschreibers Philipp von Co- nrines, vonr Lhs nach Norden abzweigt, dehnen sich riesige Flachsfelder zu beiden Ufern. Die Lust ist durch die Dünste, die beim Rotten des Flachses entstehen, eradczu verpestet. Ueber 30 000 Hektar sind init Flachs ebaut. Ist er geerntet und in Garben gebunden, wird er im Lystal und am Mcrianal erst ein ganzes Jahr hindurch

in Darren getrocknet zum Unterschied von dem slanderischen Flachs, der diesen Trockenprozeß nicht durchmacht. Dann wer- av'ni senkrecht in breite Holzkisten gestellt »undi diese, mit großen Steinen beschwert, i» den Kanal versenkt und am Strand verankert. Das fließende Wasser bewirkt eine Gärung, durch die der Pslanzenlcim, der den Bast mit dem Stengel verklebt, zerstört wird. Und eigenartig: während der slandcrische Flachs sonst eine stahlgraue Farbe hat. sieht der in demgoldenen Wasser" de? Ly. und des von ihm aus­gehenden Mcrkanals gerottete Flachs hellgelb aus. Meilen­weit sind seine Stapel an den Ufern geschichtet und bringen den Anwohnern reichen Gewinn. Was hier gebaut, wird in Vpern und anderen Städten Flanderns verarbeitet.

'Nördlich von Bvern herrscht, vor allem östlich des Ka­nals, reicher Hovienba», dessen Hauptort das Städtchen Po- peringhc bildet. Kurz vor Dixinuideu mündet der Kanal in das künstlich erweiterte Beit der Vier. Fette Viehtriften, Wiesen und Gräsereie» wechseln mit Acckcrn ab, und dia große Anzahl der vom Kanal aus sichtbaren, schon beträcht­lich tiefer als dessen Wasserspiegel liegenden Dörfer mit ihren Gemüse nnd Obstgärten bezeugen den Reichtum des Bodens, >vic die starke Bevölkerung dieser Gegend. Die Viehzucht ist sehr bedeutend und in Friedenszeitcn bildet Dixmuiden den Mittelpunkt eines lebhaften Milch- und Buttcrhandcls über den Kanal nach England. Allein je mehr mir »ns Nieuport nähern, desto häufiger werden Sandstächen und Sanddünen; wir durchfahren das Land, das heute die Belgier unter Wasser gesetzt haben, um den Vormarsch unserer Truppe» auszuhal- icn, Die Kühe aus der Weide sind sichtlich magerer, die Pferde kurzbeinig, klein und von plumper Gestalt. Die küminerlichc Nahrung dieses Sandbodens scheint nur dem genügsamen Esel zuzusagen, wie denn dieses Tier auch vorzüglich für die Bcsördermig der Bodencrzcugnisse des fruchtbaren Polder« landes nach den Städten und Seehäfen Flanderns Venven- dung findet, wenn man cs nicht vorzicht, sic auf dem Kanal zu Schiss zu befördern. Von Osten kommt durch eine ähnliche, nur wenig angebautc Gegend der Kanal von Dünkirchen und Furnes, von Westen der Kanal von Ostende und beide mün­den durch große neucrbaute Schleusen vor Nieuport in die Mer, Ein alter Lenchtturm aus dem Jahre 128-1/, der einst vom Strande die ankommenden Schisse warnte, liegt heute mehrere Kilometer landeimvärts am kanalisierten Fluß. Auf dessen westlichem Ufer dehnt sich aber das Schlachtfeld der Dwnenschlackst", in der Moritz von Orauien mit seinen Hol­ländern am 2. Juli 1600 den Spaniern eine vernichtende Niederlage bcibrachte.

Nnegsbnese m dem Westen.

Von nnferm Kriegsberichterstatter, sllnbercchtigter Nachdruck, auch auszugsweise, berbotet/)

Pionicrtaten.

Großes Hauptquartier, 23. Okt.

Obwohl unsere Pioniere in diescin Feldzüge sortwähreiid in der vottunsten Front ftcljeit, so gilt doch für sie dasselbe, >vie für die Eisenbahntrnppen, dast man sich in der Heimat keinen voll- ständioen Begriss von ihren großartigen Leistungen maclü.

Unsere Feinde batten gehofft, nachdem ihr Plan, uns uiwor- bereitet zu treffen, mr der Schnelligkeit und dem glänzenden Ge- lingen unserer Mobilmachung gescheitett war, uns mindestens an der Maaslinie zum Stehen zu bringen und hier so lange auf- zuhalten, bis das in allen Weltteilen gegen uns ausgebotenc Men- schenmaterial beisammen war. Statt dessen lwben wir die Maaslinie mit ihren Heiden sehr starken Festungen Lüttich und Namnr säst durch Handstreich genommen nnd haben Belgien in unanshaltsamem Siegesläufe übcrrannt, uns so eine breite und nur teilweise ge­deckte Angrifsssront gegen Frankreich eröffnet.

Den schwierigen Weg in diesem so rasch imd erfolgreich er­ledigten ersten Abschnitt des Feldzuges haben uns unsere Pioniere gebahM. Das ganze Maastal zeugt von ihren Taten. Der Feind hatte alle Brücken gesprengt, alle Straßen durch Berlzaue, Gräben, verborgene Minen ungangbar gemacht. Aber uns irgendwo em- scheideno anfzuhalten, das ist ihm nicht gelungen, denn überall

Erinnerungen an Dünkirchen.

Bon Heinrich Gretcr.

Dünkirchen yehött zu den bedeittcndsten Plätzen der Schist- kahtt an der französischen Küste. Afnssalkend groß der Segrt- schiffverkchr. In den Docks sieht man neben den Dunpfeni in fast übcnoiegrnbcin Ataste stattliche Bollschisfc und Bicrmastrr liegen. Das tot seinen Grund freilich mit in der Tatsache, daß in Dünkirchen eine -a-egelscknsfrecderei von Weltruf ihren Sitz hat. Die Zufuhr, besonders von Holz und Getreide, ist hock, anxulchlagen

Ter Hasen ist prächtig sauber urid grosttzügig ausgedmit, mit kanggrzogenen Kais und gcräunrigcn Becken. Es hat einen eige­nen Reiz, im Dunkel des Abends in diesen Hafen cinzulgufen. Der Eindruck prägt fick, iür rineii, der nicht gerade em Seeniann ist. derart, als fchlüpsc das Schiss direkt vom Meer aars in eine Ocssnung rin. An der Eingang-Ächleuie steht der Lenchtturm. Aus der Höhe des FeucrS fallen im Kreise lauge dünne Lickt- srrahlen sckuäg durck, die Nacht, bewegen sich, steig und gleich- inäßig, um den '/.Mittelpunkt, nnd diese Erscheinung ist nne eine lebendige kastende ^pürtakttck. die riesig, phantomendatt. der Ge- slaltunq der Spinne gleichend, an mächttge Wcttzauber denken läßt. Aber sobald man in der -r-chleuie Halt macht, tritt gleich eine kleine llcberraschurig auf, die nichts mebr mit Phantasien zu tun hat Plötzlich hört man von der Seite der Sckileuie piatt- deutsche Rns«.Na, wo geiht't? Wo is de Kaptein ? Kann ick em sprrken ?" So ist der entr Mensch, den man hier, bei Tag und Nacht begegnet, crn Deutscher, ein gut Mecklenburger Junge. Der >-xb>si:ch<aidler meldet sich zur Stele. Dergleichen mutet gax zu lustig an. Wer, wie ick^ <3 ldttt erleb: hat. möchte es heute auf seine Weise unter eigene» Empsindungen auslegen. Sieht man doch so etwas wie ein Sinnbild darin.

Aachitrüonisch ist der Ort von einer wohltuenden Scksticknhett und EinhintlickckeiL Die Frcmten der Straßen sind ohne jeden Zierrat, und nirgends trifft man auf den bei uns so stark crn- gefressenen llniug mit den angeklebten Balkcmcn. Sehenswert ist das Rathaus. Ein Renaisjanccbau in der Rue de l'Eglise, besonders auch im Innern. 2>er Turin ist wundervoll in seiner Form, und weithin sichtbar. Die Partie am Fischerrihasen hat große nmlerische Reize. Die HauvtLache (Rue de ffEglffe wirkt etwas zu breit und gedrungen, aber doch ioieder emnehmend in der schönen Gotik. Sie hat ihren eigenen Glockenturm, der ran der anderen Seite ihr gegcimberstelu und als ehnvürdiges Wahrzeichen der Stadt gchütet ioird. Er stellt den Neberrest von erneni alten Kloster dar. Geschmacklos sind von den größeren Bauwerken allein die Post und der Bahnhot. Beide stammen aus den letzter Achrzehrtteu.

, Beim Bahnhof schieben sich die Dafenanlagen tteer in die j Stadl hinein, und es erttsteht eine ioeite freie Pattic mit Brücken und langen Zügen von Lichtern, die den an den Hasen anschlie- fenden Kanal befabren. Zu beiden -r-eiten dieses freien Em- schnittcs stehen die stilvollen alten und neueren Wohnhäuser, da und dort schöne Giebel raiffttcckcnd, wie eng gereihte Truppen, nur so eben in Sckmlßioeite, wenn man hier ein imgesähr zu- tteffcndcs Gleichnisbild anwcndcn soll, einander gegenüber. Ecksteu- scn und Gräber charakterisieren die Peripherie der Stadt. Da- nack, konrmen wieder Schutzwälle mit Kanonen. Durch steinerne Torbogen gelangt man ins Freie, pasirett am Kanal entlang grobe Fabrikanlagen, Pett-oleunrraffinericn, Holzplätze. In der Ferne sieht man die mächttg ausragendcn Trockendocks, hört das Hänimern cm den Schiffskörpern, die dort in Aäbeil und Rrva- ratur liegen. Aus dein Kanal findet man viele Hausboote, und bei einem, das den deutschen NamenFritz" führte, stand ich eine Weile in Gedanken versunken.

Anher einem verwittettcn alten Theater im llaffischen Stil hat Dünkirchen auch ein interrsiantes Anttkenniuseum, das Bil der, Skulpturen und kimstgrwerblick>e, zoobogisckre, völkerkundlick« Sachen enthätt. Bier größere Säle bergen die Gemälde. Die alten Meister sind gut v rrtteten Unter den größten wie Rem- brandt, Rubens, Gwtto, Bervmse, Holbein, Attirillo, steht man auch die Niederländer Tenicrs, Brouivcr, van Herch, van der Meulen, Paul Potter, und weiter dann Gaubanlt, Eoignard, Bidaut und andere mehr. Ilntcr den kunstgewerblichen ttzegen- ständen ist eine Sammlung von iapanisckiwi Elfenbecniiguren bemerkenswert. Auch der den vlostiickicn Bildwerken im Bestibüt findeen sich ausgezeichnete Arbeiten.

Das Lochendste aber nach modernem Begriffe ist wobl der Badcsttand von M a I o. Der Ott, in dem nur Mietvillen, Hotels und Kurhäuier, darunter crn neues in monumcMaler Prächtig- kcit, stehen, schließt sich dircll an Dünkirchen an. Der >strand zieht sich breit und nnabiebbar lang hin. Man hört ^trmmen, die wissen wollen, daß Malo Ostende bald überflügeln wird Ich war zur Herbsttzert dott, und am Sttande war nicht die Spur von einem Menschen zu sehen. Ter Eindrua hatte in seiner -Schönheit etwas Ergreifendes, Tiefe unendliche Linie, die die aut den Sand rollenden Wellenkämme ziehen, machten das Erhaben-Einsranc gewiiicrnnrßen noch deutticber, Ern kühler Wind webte imd der Staub wandette, ohne sich n, erheben, stttcb- weise über die Sttandflächc hin Es dämmette Linkerhand sendttc der Lenchtturm ichon sein tastendes Licht aus, - lar »nd hart stand die Lust und zeichnete alles Feste. Körperliche scharf wie in Kttstall gefaßt. Allmählich dunkelnd stteg der Abend über die offene See heraus. Als ich zurückging, erschien ein Flugzeug von der Stadt her und kreisle unter dem wolkenlosen Himmel,

Eine neue Kriegsrcvue, Aus Breslau wird uns geschttebcn: Unter dem TitelSieben gegen Zwei" ha­ben Fritz E r n st und Karl Bibcrseld eine Reih« von vater­ländischen Zeitbildern aus dem Weltkriege verfaßt, die am Sonn­abend mst allen Zeichen eines Erfolges im Breslauer Schau­spiel h a u s e zur Uraussübrung gelangten. Im Mittelpunffc der losen, aber für die bunte Szenenreil,« einer Revue ausreichenden Handlung steht ein amüsanter Deutsch-Pole, der zugleich der Haupt- träger des mit taktvoller Umsicht über das Ganze ausgebreittten Humors ist. Mit Zbiginew Kowallck, dem lavieren Feldgrauen, durcheilen wir die Ereignisse der legten 2>/r Monate, von Michel? Ettvackien im dörflichen Sommcttricden bis zur Eroberung von Ostende und dem Ausblick auf den Einzug durch den Are de Ttt- umvhc, Theodor Körner, von Schlachtrufen geweckt und von Jubel auss neue aus Grabcsttesen hervorgerufcn, gibt in Nangvollen Ver­sen den Bildern einen künstlenschen Rahmen, Paul Weiner hat dieser aktuellen Bühnen-Kttegsbettchtcrstattung eine rcichhalttge Musik geschrieben, von der mehr als eine Nummer Anwartschast aut Volkstümlichkeit besitzt.

Ein neues Metall, Im russischen Zentral-Asien ist in den Bergen von Namaarai, wie dieNuova Antologia" bettchtet, von einem Forscher ein bisher völlig unbekanntes Metall gesun­den worden. Es ist weich, von dunkler Farbe und von btträcht- lichem Gewicht, Bei der Untersuchung im chemischen Laboratottum wurden sehr bemerkenswerte Beobachtungen an diesem neuen Me­tall gemacht. Wurde es mit Säure in Verbindung gebracht, so entwickelte sich eine außervidentlichc Kälte, so baß der Glasbehälter, in dem sich die Säure befand, sosott zersetzt wird. Man machte einer anderen Versuch mst einem Eisengefäß und das Ergebnis war dai gleiche. Die Chsmiker wandten darauf noch ein großes Granit­stück an, das sich sosott vetteilte, ohne Gasentwicklung und ohn« Explosion, aber unter merllicher Herabsetzung der Temperatur, Als der arheimnisvolle Stoff mst Alkali belwndelt wurde, vettor das Gesäß 20 Prozent seines Gewichts. Als diese merkwürdigen Er­gebnisse sestgestellt waren, suchte man von neuem an dem Aus- tkndungsott nach dem Metall, und es gelang, größere Mengen davon zusammenzubttnqen, mit denen nun ausgedehnte Versuche vorgeirommen werden sollen. Zu den übttgen überraschenden Eigen- schasten besitzt das neue Metall augenscheinlich heilende Kräfte, Das Ueberraschendste aber bleibt der Verlust an Gewicht, den alle Gegen­stände erleiden, die mit ihm in Berührung kommen. Die Chemiker, di- das neue Metall untersucht haben, sind überzeugt, daß die Welt eine nicht minder große Ucbcrraschung erleben wird, als sie die Entdeckung des Radiums ihr gebracht hat.