Ausgabe 
23.10.1914
 
Einzelbild herunterladen

Der Kaiser nn yaupiquarncr.

Jetzt darf man es ja sagen, so schreibt ein Mitarbeiter der Franks. Ztg. aus Luxcniüurg, der Kaiser und das Große Hauptguartler waren drei Wochen lang in Luxemburg. In Luxemburg wohnte der Kaiser in dem mit roten Ziegcl- bordürcn gezeichneten Haus der deutschen Gesandtschaft an der schonen Straße, die von Luxemburg nach Eich hinabsührt. Aus dem Dach des Hauses stand ein Ma­schinengewehr, und die Höhen ringsum hatten Schein­werfer, die ihre Lichtkegel durch die Nacht warfen, auf der Jagd nach französischen Fliegern. Kurz vorher hatte ein solcher ja Bomben in Luxemburg abgeworsen. Tags­über Ivaren die Scheinwerfer durch Geheimpolizisten in .Spvrtcrnzügcn ersetzt. Ta niemand in Luxemburg solche Anzüge trug und außerdem einer den anderen kennt, so hatten diese Geheimpolizisten von der ersten Stunde an ivenig Geheimes für die Luxemburger. Der Kaiser erging, sich jede» Abend zur selben Stunde vor dem Haus, in dem er wohnte, und der kurze Straßenzug war dann, außer für die Elektrische, abgespcrrt. Er fuhr oft im Auto in den Grüncnwald, um in dessen einsamen Wegen zu spazieren oder den Wald zu durchreiten. Er fuhr auch öfter zum Schlachtfeld. In Luxemburg hatte er seine eigene Küche mit eigenem .Küchengerät, Taselsilber und Linnen. Das Kasino, das Haus eines Privatklubs, war für diese Zwecke gemietet worden, und täglich ging der Kaiser dorthin mit seinem ganzen Stab essen. Moltke, Bethmann Hollweg, Terpitz und v. Stein waren bald gut bekannte Persönlich­keiten in der Stadt. Seit einer Woche ist das Haupch quartier wieder verlegt worden.

Eine Kundgebung dev deutschen Arbeiterpartei Lesterreichs.

Berlin, 22. Okt, (WTB. Nichtamtlich.) Der Be­fehlshaber der Bclagerungstruppen von Antwerpen, Gene­ral v. Beseler, hat folgendes Telegramm erhal­ten: Ein tausendfaches treudeutsches Heil dem verbündeten Bezwinger Antwerpens. Für die deutsche Arbeiterpartei Oesterreichs: Pulz, Liesing. General v. Beseler ant- tvorlcte: Herzlichen Dank für den freundlichen Glückwunsch und deutschen Gruß. Ich bin stolz auf die erfolgreiche Mit­wirkung der tapferen österreichischen Krieger bei dem Kampf um Antwerpen.

Die Behandlung der Italiener in Deutschland.

Rom, 22. Okt. (WTB. Nichtamtlich.)Giornale d'Jta- kia" veröffentlicht einen Brief aus Deltingen (Bayern), der im Namen von 44 italienischen Arbeitern von dem italie­nischen Arbeiter Angela Paravia geschrieben ist und in dem gegenüber den von den französischen Blättern verbreiteten Gerüchten erklärt wird, daß die italienischen Arbei­ter in Deutschland gut behandelt würden. Die­jenigen, die in die Heimat zurückzureisen wünschten, hätten bereitwillige Unterstützung erfahren. Der König von Bayern selbst habe in der Nähe von München 400 Italienern ein Mahl gegeben. Paravia wünscht, daß dieser Brief veröffent­licht werde, um die falschen Berichte der französischen Zei­tungen zu widerlegen uitd die Familien zu beruhigen. Er schließt, daß die seit sieben oder acht Jahren nach Deutschland gekommenen italienischen Arbeilcr immer die gleiche Behand­lung erfahren hätten.

Bedrohte Deutsche in Marokko.

Berlin, 2. Okt. (WTB. Amtlich.) Durch amtliche Er­mittlungen ist die Nachricht bestätigt worden, daß eine An­zahl von in Marokko lebenden 'Deutschen in Casa­blanca wegen angeblicher Verschwörung gegen das französische Protektorat vor ein Kriegsge­richt gestellt wurden. Es handelt sich um folgende vierzehn Deutsche: Karl Ficke, Krate, Brandt, Max Witt, Waetgen, Foennies, Seyfert, Nehkorn, Mohn, Grundier, Gehsen, Dobbert, Bazlen. Die Vertretung der deutschen Interessen in Marokko nehmen die Bereinigten Staaten von Amerika wahr. Speziell in Casablanca vertritt sie mangels eines amerikanischenBerufs- beamten der dortige italienische Konsul. Die amerikanischen und italienischen Behörden treten nachdrücklich für unsere bedrohten Landsleute ein. Die deutsch: Reaiernng hat alle Schritte getan, um den Sachverhalt ausznklareu und den in französischer Gewalt befindlichen Deutschen sede irgendwie mögliche Unterstützung zukommen zn lassen. Die französische Regierung ist davon in Kenntnis gesetzt worden, daß die deutsche Regierung für jedes widerrechtliche Vorgehen gegen die angeschuldigten Deut­schen in der rücksichtslosesten Weise Rechen­schaft fordern werde.

* * * .

Die Schlacht bei Przemysl.

Wien, 22. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Der Kriegs­korrespondent der WienerNeuen Freien Presse" meldet: Die Mmps-e bei Przemysl und Hermanowice dau­ern in ungemindcrter Heftigkeit fort. Die Russen haben anscheinend vom Lemberg Verstärkung bekommen und machten verzweifelte vergebliche Versuche, sich der Höhe von Magiera, die ihnen am 17. Oktober entrissen worden ist, wieder zu bemächtigen. In der vergangenen Nacht und heute um 6 und 8 Uhr morgens griffen unsere Ar- tilleriegruvpcn ein. Auch die schweren 'Geschütze der süd­östlichen Zwischenbatterien feuerten heftig. Die Bozen er Landes schützen stürmten mit einer Äravour ohne glei­chen und lösten allein eine Aufgabe, die drei Regimentern gestellt war. Man sieht dem Ende der Kämpfe zuversicht­lich entgegen.

Das türkische Parlament.

Konstantinopel, 22. Okt. (WTB. Nichtamtlich) Durch kaiserlichen Erlaß wurde versassnngsgcmäß der für den 14. November anberaumte Wiederzusammentritt des Parlaments mit Rücksicht aus den Krieg um einen Monat verschoben.

Konstantinopel, 22. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Die Ottomanische Bank wurde ermächtigt, den sta­tutgemäßen Bank Notenumlauf auf vier Millionen türkische Pfund zu erhöhen.

Tic Not Serbiens.

Salonik, 22. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Infolge her starken Verluste plant Serbien die" Aushebung der männlichen Personen bis zum Alter von 50 Jahren.

Die Erbitterung der Bulgaren und Mohammedaner Neuserbiens gegen die serbische Verwaltung ist im Stergen begrisfen. Drei serbische Dörfer des Bezirks Ve

les suchte eine starke türkisch-bulgarische Bande heim. Es hat ein heftiger Kamps mit serbischer Miliz statt- gesunden. Auf beiden Seiten waren empfindliche Verluste zu verzeichnen.

A«r Stattt «nd Land.

Gießen, 23. Oktober 191 >.

** Die Gerechtigkeit gegenüber unseren Fein­den machte geslern abend in der Universität Prot. L>. Sa> ian zum Gegenstand eines fesselnden Vortrages, dem eine äußerst zahlreiche Zuhörermrnge mit Spannung lausckstc. Es kann nicht genug betont werden, wie wichtig es für den Volkscharakter rn diesen Tagen ist, mit allen Mitteln diejenige Obiekiivität des Urteils anzustreben, die miser würdig ist und die unsere Eigner säst völlig vermissen lassen. Das Thema, das sich der Redner gewählt hatte, war deshalb in doppeltem Sinne dankbar, sowohl wegen seiner Vielseitigkeit als auch ethischen Bedeutung halber.

In dieser Zeit, in der alles nach niedagewesenen Maßstäben gemessen tverde, so führt: Prof. lt. Sch ran aus, sei es schwer, jiri> den Gerichtshof vvrzustrllen, der nach dem Antworttttegramin dcS Präsidenten Wilson an den Kaiser dereinst die Bcrantwor- tung in dem Völkerringen vetteilen solle. Heute sei noch jeder Partei, und er. Redner, könne nur als Deutscher sprechen. Wer, wenir es um Leben und Sterben gehe, kühl bleiben könne, der habe kein .Herz, nach da» Volk wende ihm den Rücken. Das hindere nicht, wenigstens die Gerechtigkeit des Urteils zu ver­suchen.

Zunächst dürfe man nicht in den Fehler verfallen, an das ge- gcsprochene und geschriebene Wort .in .diesen furchtbar erregten Wochen die parlamentarischen Maßstäbe des Friedens zu legen. Dann müsse man sich gegenwärtig halten, daß wir über die Vorgänge in den feindlichen Ländern infolge des Stockens fast aller Verbindungen schlechter als je unterrichtet seien. Die eigenen Zeitungen litten unter dem Manaxl an Quellen, die Zensur bei- spielsivcise in Frankreich arbeite mit einer unerhörten Sttenge, ferner sei cs verwerflich, für die Taten und Aeiisierungeu einzelner Personen schlechthin die Allgemeinheit eines Volkes v e r - a n t w o r l l i ch zn machen, und von der M einung Englands schlechthin zu reden, wenn irgend ein Chauvinist Unverantwortliches gesprochen oder geschrieben habe. Wenn man die Verant­wortung für den Krieg verteile, dann müsse man bedenken, daß wir in Rußland eigentlich nicht Krieg mit dem Volke führen dies sei eine rndis indigestaguc moles sondern mit einer .Kriegspartei, die allerdings einen von Dostojewski und Genossen trefflich vorbereiteten Anhang von Intellektuellen habe. Diesen dürfe inan nicht unterschätzen. Bei Frankreich und England liege die Sache anders. Hier wie dort habe das Volk keinen solchen Einfluß auf seine Geschichte, daß das Volk keinen Krieg s u h r e, den es nicht wolle. Unterströmungen in beiden Ländern gegen den Krieg seien vorhanden, änderten

das Gesamturteil aber nicht. Was das Kriegs- motiv angehe, so habe man sich daran gewöhnt, Ruß­land Machthunger, Frankreich Revcmchedurst und England Krämer- volitik als die treibenden Aöornente znznschreiben. Man treffe damit ziemlich das Rechte, denn die von unseren Feinden vor­gegebenen Kriegsqründc seien nicht stichhaltig. Rußlands Liebe »u seinen slavischen Brüdern entbehre jedes sittlichen Motivs, England habe in seiner Beschützerpflicht der Neutralität Belgiens ein ans den odelsten Ingredienzien bestehendes moralisches Nar­kotikum sür die wohlverstandenen Instinkte der Masse gefunden. So sei es zu verstehen, tvenn englische Theologen die Moral dieses Krieges auf seiten Englands suchten. Aber sie wüßten nicht, was wir wissen, und seien eben Engländer. De englische Regierung sei nur dann moralisch, wenn Vorteil und Wtoral einmal zusammen­sielen. Brotneid, milder gesagt: Erwerbstrieb seien Englands Kriegsgrund, der Trieb, in dem die Größe und die Erniedrigung dieser Nation lägen. Frankreich sei vielleicht, wie es vorgebe, durch Bündnispslichtcn zum Krieg gedrängt. Aber seine Bündnis zwecke könnten es nicht reinwaschen. Dem belgischen Volke, sofern es über die Konspiration seiner Regierung nicht unterrichtet gewesen setz komme einzig ein sittliches Motiv zu: das der Selbstverteidigung. Die anderen Kriegsgründe unserer Feinde wie Befreiung geknech­teter Völker, Schutz der Kultur, Vernichtung des Militarismus seien, international geurteilt, blöder llnsinw Deutsch uiüsse das Urteil wesentlich schärfer aussallen. Die Art der Krieg­führung gestatte folgende Charakteristik: Die nachgewicscncn Scheußlichkeiten, die sich unsere Feinde hätten zuschulden kommen lassen, verböten ihnen durchaus, gegen die Deutschen den Vor­wurf (her Barbarei zu gebrauchen. Sie und die Teilnahme der Zi­vilisten am Kriege seien eine schwere Schuld der Regierungen. Uebrigens sei es ausgeschlossen, daß deutsche Soldaten Gleiches mit Gleichem vergolten hätten, das gestatte das deutsche Herz nicht. Der Vorwurf, den unsere Feinde an die Beschießung der Reimser Kathedrale knüpften, falle in sich zusammen, wenn man bedenke, mit welchem Hochgenuß die Franzosen beispielsweise Köln beschießen würden wenn sic könnten. Das Zugeständnis der deutschen Re­gierung, Belgiens Rechte angctastet zu haben, sei unter den ge- qegebenen Umständen eine Tat von beispielloser, weltgeschichtlicher Größe. Was demgegenüber unsere Gegner tagaus tägcin an fla­granten Verletzungen des Völkerrechts leisteten, sei umso schwerer zu verurteilen. Zu allem ko mint, daß die Feinde lögen in einer Art, ivie es die Welt sett ihrem Bestehen noch nicht erlebt habe.

Die Gerechtigkett verlange aber jetzt, daß. wir nicht vergäßen, was wir den Ländern, mit denen wtt im Streite liegen, verdanken an Ewigkeitswerten. Wtt dürften nicht vergessen die Kulturtatcn der ftanzösischen Nation, dürften das Vaterland eines Shakespeare oder Tolswj nicht nur im Lichte des gegenwärtigen Krieges be­trachten. Und gerecht sei es auch, an die eigene Brust zu schlagen und zu sagen, daß wir nicht immer so waren, wie wir es. Gott­lob, jetzt sind. Gerecht sein! Und wenn das Streben nach Gerechtigkeit nicht ganz zum Ziele führe, so werde es Gott ver­geben, wenn der Deutsche im Kampf im Leben und Sterben den Gegner vielleicht zu hart beurteile.

** Die Ordnung im Eisenbahnverkehr. Die Kgl. Eisenbahn-Direktion in Frankftitt schreibt uns: In der Presse ist schon vor einiger Zeit ans die Wahrnehmung hingewicsen worden, daß die Ordnung in den Zügen, namentlich in den V-Zügen. zu wünschen übrig lasse, weil seit Ansbruch des Krieges einzelne Reisende sich über die balmvolizeilichen Vorschriften hin­wegsetzen zu können glaubten. Im Anschluß daran war die Erwar­tung ausgesprochen worden, daß das deutsche reisende Publikum bei der allmählich sich vollziebenden Rückkehr zu dem Friedenssahrvlan nunmehr auch die alte Ordnung hock,zuhalten wissen werde Nach den bisherigen Wahrnehmungen ist dies leider in befriedigendem Umfange nochnichtderFall. Noch immer geben sich Reisende gar nicht die Mühe, einen Platz in der ihrer Fahrkarte entsprechen­den Klasse aufzusuchen, sondern setzen sich ohne weiteres in eine höhere Klasse. In Nichtraucherabteilen und in Sveisewogen wird geraucht, Frauenabteile werden von Männern besetzt. Unter einem derartigen Verhalten Einzelner muß die Gesanttheit leiden. Das Stations- und Zugbegleitpersonal ist daher angewiesen worden, solchen Reisenden gegenüber mehr als bisher auf Ordnung zu halten' Bei der recht schwierigen Pflicht, die Ordnung anr und im Zuge aufrecht zu erhalten, ist es dringend erwünscht, daß den Anord­nungen der Beamten, die den außergewöhnlichen Verhältnissen, soweit angängig, Rechnung zu tragen ssch bemühen, von den Rei­senden Verständnis entgegcngebracht, und daß den Beamten ihre Tätigkeft nicht erschwett wird. Ein weit verbreiteter Jrrttim scheint auch der zu sein, daß Unterossiziere und Mannschaften jetzt in jeder beliebigen Wagenklasse Platz nehmen dürsten. Demgegenüber muß daraus hingewiesen werden, daß die Militärversonen von den Eisenbahnen nicht frei befördert, sondern daß alle Lei­stungen der Eisenbahnen von dem Deutschen Reich bezahlt werden. Ist es daher aus diesem Grunde schon nicht gleichgültig, welche Wagenklassc von den Militärversonen benutzt wird, so kommt hinzu, daß Unteroffiziere und Mannschaften auf Grund von Militärsahr­karten und Militärsahrscheinen im allgemeinen nur die Berech­tigung zur Benutzung der III. Klasse haben. Nur tvenn die ab­sendende Militärbehörde die Ucber»cugung hat, daß aus irgend einem Grunde, beispielsweise in Rücksicht aus die Att der Verwun­

dung oder den Zustand des Verwimdcten, die Beförderung ans Polstersitzen nötig sei, kann sic dies in den Militärfahrschein ein- traqcn, worauf dann der Berlvnndcte in einer entsprechenden Klasse befördert wird. Die Staatsbahnvenvaltung hat in zahlreiche Schnellzüge besondere Abteilwagen sür einzeln reisende Verwun­dete eingestellt. Diese Wagen erleichtern die Unterbringung Ver­wundeter, die der Hilfe beim Aussteigcn bedürfen, und erleichtern es ferner deni Roten Kreuz, ans Ilntertoegsstationcn Stär- ktingsmillel zn verabreichen. Es ist daher nicht zu billigen, wenn Reisende die Verwundeten veranlassen, in anderen Abteilen oder in Abteilen Platz zu nehmen, für die die Militärsahrscheine nicht gelten. Den Verwundeten, die hänssg mehrere Tage unterwegs lind, wird damit keine Woliltat erwiesen, zumal tvenn sie dann noch durch Fragen um die ihnen nötige Ruhe gebracht werden. In Kürze erfolgt übrigens die Einführung eines wesentlich er­weiterten, den Bedürfnissen des Verkehrs so viel wie möglich Rechnung tragenden neuen Fahrplans,

** Gefangenentransport. Ein Transport von etwa 120 französischen Gefangenen passierte lsente vor­mittag die hiesige Station auf der Fahrt nach Ohrdnif, Etwa 15 von ihnen, alles Zivilisten, verblieben in Gießen,

Kreis Friedberg.

Ä Bad-Nauheim, 23. Okt. Für die Pflege von Ver­wundeten und Kranken besteht hier ein großes Reserve- Lazarett, welches verteilt ist auf 1. das MikitärkurhanS, 2, Eleonore,Hospiz, 8. Kettelerheim, 4. Poftgeiresungsheini, 5, Elisabethhaus, 6, Israelitische Kindcrheilanstalt, 7, Is­raelitisches Männcrhcim, 8, Kurhaus Walzer, 6, Villa Ora- nien unter dem Oberstabsarzt Dr. Schrade als Chefarzt. Außerdem besteht einBereinslazarett vr>m Raten Kreuz" unter Leittlng von Geheimerat Prof. Dr. Groe- d e l im Konrtzkpstift, sowie Uvei an Bad-Nanheim angeglie­derte Bercinslazaretteim Kaufmannserholirngslseim in Bad-Salzlmusen und in Nidda, In sämtlichen Lazaretten werden durchschnittlich 1000 Verwundete und Kranke von den beiden genannten Chefärzten, unterstützt von 17 Nau- heimer Badeärzten und zahlreichen Oberinnen und Helfe­rinnen, verpflegt. Von den Insassen sämtlicher Lazarett« können die bekannten heilkräftigen Äsermalbäder der Großh. Badeverwaltung benutzt werden. Der lserrliche Park Und die idyllische sriedlich-ruhige Umgebung des Bades werden von den Genesenden fleißig aufgesucht. Gesellige Vorträge, musi­kalische Unterhaltungen und patriotische Darbietirngeu die­nen zur Unterhaltung der Krieger, Zum Abtransport von Verwundeten am Bahnhof stehen eine vortrefflich geschulte Sanitätskolonne und ein Hilfsträ'gerkorps mit den von der Einwohnerschaft reichlich gestellten Autos und 'Droschken zur Verfügung, Ebenso ist die Licbesgabentätigkeit der Ein­wohnerschaft und der wohlhabenden Landbevölkerung der Wetterau sehr reichlich. '

Universitäts-Nachrichten.

Die Bestimmungen über Gasthörer an der Universität Frankfurt a. M. Die Frankfurter Universität hat ihr erstes Semester begonnen. Sie öffnet ihre Tore nickit nur sür Studierende, sondern auch sür Gast - Hörer, die sich nicht immatrikuliere» laffen können, und zwar für diese Kateaorie in Forlsetzuna der von der Akademie ein- aclnhrten Tradition soaar weiter als irgend eine andere vreußische Universität, Ausgeschlossen von der Znlaffimq als Gasthörer sind nur Schüler sowie solche Personen, welche nicht die eriorderliche Bildung besitzen, um den Vorlesungen mit Erfolg folgen zu können. Die letztere Vorschriit wird wie seither an der Akadeniie dabin ans- geleqt, daß alle, die als Gasthörer ziiqelnffen werde» wolle», das 18. Lebensjahr vollendet haben niüssc». Etwas strengere Bestimm­ungen gelte» lediglich sür die medizinische Fakultät. In dieser iverden in der Regel als Hörer nur nvvrobicrte Acrzte und Medizinalpraktikanten zuaelasien, andere Personen mtr aus be­sonderen Gründen und mit jeweiliger Gctiehniignnq der Fakultät, Die Frankinrter Kreise, die daran gewöhnt ivaren, Vorlesungen der Akademie zn besuchen, können diese Gepflogenheit also auch an der Utiivcrsiläl lortsetzen, Ren Ist inbeziiq aul die Znlaffimq der Hörer für Frankinrter nur die sür alle preußischen Uni- versiläten gleichmäßig geltende Bestiminung, daß jeder, der als Hörer an einer Vorlesung teilnehmen will, sich im Besitze eines vom Rektor ausgestellten Öörerscheins besinden muß. Der Hörer, schein wird inuner nur inr die Tauer eines Semesters ausgestellt »nd kostet für Inläiider 5 Mk., sür Ausländer 10 Mk. Die Er­neuerung de? Hörcrschcins kanii auch auf schriftlichen Antrag und »egen Einsendung der Gebnßre» erfolgen. Die Kollegicnaeldsätze sind sür inländische Gastbörer, die eine» Berns ans üben (Beamte, Lehrer, Industrielle, Kansteute, Aerzte usw.), die gleichen wie für die iininatrikiilierte» Stndserendc», nur mit dem Unterschiede, du» Gasthörer auch sür Dorlciunaen, die für Studierende unentgeltlich sind, das übliche Honorar voi> 5 Mk. sür hie Wochenstunde z» ent­richte» haben. Inländer ohne Berns, soivie Ausländer baden alt Gastbörer die dopvelien Honorarsätze z» zahlen. Die Vorlesungen nehmen voin 27. Oktober an ihren Ansang.

Lande!.

Frankfurt a, M,, 22, Okt. Der Börsenvorstand Fran kfurt a. M. hat beschlossen: Die Fälligkeit aller aus Ultimo Oktober ds. Js. geschlossenen oder lausenden Geschäfte sowie der Zahltag .für gegebene und genommene Ultimogelder wird aus Ulttmo November ds. Js. festgesetzt. Bei allen diesen Geschäften beträgt der Zinsfuß für den Monat November 6 Proz. Ber Börsenlombards, die mit vereinbarter llebcrdeckung abge­schlossen waren, bleiben die Depots unverändert: bei allen an­deren Lonibards und Wertvaviergeschäften hat der Geldnehmer oder der Käufer dem Geldgeber oder dem Verkäufer bis zum 30. Oktober ds. Js. vormttcags einen Einschuß von 5 Proz. des ausmachenden Geldbetrags in bar oder in an der Frankfurter Börse zugelasscnen Wertpapieren, berechnet zum Kurse bvm 28. Juli 1914, zu leisten. Der Bareinschub wird ebensalls mit 6 Prozent vom 29. Oktober ds. Js. ab für den Monat November verzinst. Bei sämtlichen Lombarddarlehen ist der Geldnehmer be­rechtigt, bis zum 26. Oktober ds. Js. 'zn erklären, daß er das Darlehen Ultimo Oktober zurückzahlen Ivill; ebenso ist bei Wcrt- Vapiergeschästen der Käufer berechtigt, bis zu demselben Zeit- Vunkte zu erklären, daß er die gckausten Wertpavicre ganz oder teilweise in den MindTstbeirägen des Ulttmohandels am Mtimo Oktober dieses Jahres abncbmcn will. Der Geldgeber oder Derkäuser bat sich hieraus bis zum 28, Oktober ds, Js. zu erklären. Wird diese Erklärung nicht innerhalb d« Frist abgegeben oder lehnt bei Lombards, die nicht mit vereinbarter Ueberdeckung abgeschlossen waren, der Geldgeber, oder bei Wert­vaviergeschäften der Verkäufer, die Rücknahme des Darlehens oder die Lieferung der Wertpapiere ab, so braucht der Einscknisi von 5 Proz. nicht geleistet zu werden. Die Rücknahme von Darlehen, die mit vereinbarler Ueberdeckung abgeschlossen waren, darf nicht abgelcbnt werden. Die Erklärung für die auf Ultimo Oktober d, I. abgeschlossenen Prämien- und Stellagengeschäste findet entweder mündlich in den Börscnränmen oder schrift­lich am 27. Oktober ds. Js. statt. Die Zahlung der Prä­mien und die Erfüllung der aus der Erklärung sich ergebenden festen Engagements findet Ultimo November d. I. statt mit der Maßgabe, daß die sür die Zeit von Ultimo Oktober bis Ultimo November d. I. zu berechnenden Zinsen ebenfalls 6 Proz. betragen, und bezüglich des Einschusses von 5 Proz, an den Verkäufer die­selben Bestimurungen in Kraft treten, die für feste Engagements bestimmt worden sind. Die Zahlung der Zinsen und Reports sür den Monat Oktober sowie die Zahlung der durch die Pränrien- erllärung vom 25. September d, I. verfallenen Prämien findet am 30, Oktober d. I. statt.