söoitftnx, oer von Köpften !öieü>ai emctefatzt wird, die Landschaft aufltört: an Stelle einer Landscktcrst erblickt man von dem win-- IZigen Hügel aus ein förmliches Meer von rauchenden Schornsteinen Gunter dem einig grauen Hiimncl, das sich bei der Betrachtung Durch das Fernglas in den ikvinvlex der Städte Tourcomg, Ron ''baix, Lille und ihre zahllosen, zum Teil sehr grasten Vororte »auflöst. Alle diese Ortschaften gehen beinahe ineinander über: «Ile gehören noch zum Bereiche der „Festung" Lille und alle «ähneln einander austerordentlich. Lille und die benachbarten Städte .sind die gcwcrbereichstcn Orte in ganz Nordftankreich; die Textil- Industrie Frankreichs hat .hier ihren Hauptsitz, es finden sich «hier zahlloie Spinnereien und Webereien, in denen Leinen. Daum- «volle und Wolle verarbeitet werden, zahllos sind die Fabriken«, in denen Posamentierarbeiden und Strumpfwaren erzeugt werden, ^Chemikalien. Seife, Zucker werden in Lille und den Nachbarorteil lhcrgcstellt, und alle Wasserlänse, die in und bei Lille zu finde«!, sind, zeugen von dem Bewerbercichtum der Stadtalle Fabriken entleeren ihre Abwässer in die Kanäle und Flüsse, und deren Wasser ist daher das schmutzigste der Welt. Trübe, fast schwarz, stinkend, jauchig, fließt es träge daftinl je nachxmp der Schelde ober dem Meere zu. Die Ge w erbestäd« haben wegen dieser Flüsse des öfteren lehh«rste Scherereien mit den Belgiern gehabtt Bcki- spielsweise war dir Espierre so schurutzig, daß die Belgier drohten, eine Barre zu bauen, die das Wasser von Belgien absperrte: die Gewerbcstädtr selten dann selten. wie sie mit dieser« 'Schmutze fertig würden. DarMlihin entschloß man sich, ums Jahr 1890, ein Wasserreiirigimqswrrk sn bauen, durch das das Fftüstchen .hindnrchgcleitrt wird. Seitdem (falls das Reinigungswerk inzwischen nicht wegen Verschmutzung cingegangen ist) gehen die Wasser der Cspierre aus dieser Anlage theoretisch gereinigt hervor. TatsöcUich lassen sie auch erhebliche Mengen schfcnartiger Fettmassen zurück, die für die Industrie durchaus nicht zu verwerten sind. Was für die Cspierre gelt, gilt für die Lys und die Denle ebenfalls: das verhältnismäßig reinste Wasser lat die Lvs. Wenn man sich vori irgend einer Säfte her, den großem Vtorortkemplex durchschreitend, in die Stadt Alle selbst begibt, so findet matt endlose, langweilige, geradlinige Straßen, an denen Fabrik neben Fabrik siegt: in den Nebenstraßen fallen einet« die außerordentlich schmutzigen Kinder auf, und in Lille ftlbst wie in den Vororten die zahllosen Kneipen, Die Arbefterbevölkernng dieses^ ganzen Industriegebiete? (Franzosen, Vlamlärrder, Belgier usw., ein wahres Völkergemisch) scheint dem Alkohol sehr zugetan zu sein, und in tzdrubair gibt es zar eine Kireioe auf je 15 erwachsene Männer. Das alte Lille ist eine ziemlich häßliche Stadt: seine Straßen sind lanqweisiq. das gleiche gilt von den freien Mädeu. und das neue Lille. das nördlich gelegen ist, ist wenig schöner. Es macht nrit «eurem Lärm, seinem geschäskigen Treiben und seinen HLnsern, die alle auf die gewaltige Industrie zugeschnitten sind, einen beinahe -rmerikanischen Crndruck Nur weiriqe Stellen in Alt- nie in Neu-Lille stechen vorteilhaft ob. Es gibt ein paar ganz ansehnlich- Kebäude. so die Ilniversität. das Pastcurinstitut und andere staatliche Gebäude: stellenweise finden sich in den Vororten auch Parkanlagen und Villenhäuser mit Gärten. Diese Gegenden sind aber von dem Geschäfts- und Industrie-Lille ebenso streng geschieden, wie die beiden Schicksten dm Bevölkerung. die besitzende und dm arbeitende, die noch Hmtderttmnfenden zählt.
vklder von der dklgisch-holländischen Grenze.
Wenn in Holland in diesen Tagen nach dem Falle von Antwerpen eine DolkSzählimg stattfände, so würde man eine Million /Einwohner inehr vorsinden, als vor dem Kriege: so hock» kann «Man gut und gern die Allzahl der Flüchtlinge aus Belgien ver- ;anscblagen. Toarscnde und Abertausende sind bereits ins Innere «des Landes geschafft worden, aber andere Tausende und Abertausende finden sicki nock> an der belgisch-holländischen Grenze, in «Seeland und «Brabant. Me Kriegsberichterstatter der großen holländischen Blätter, die jetzt diese Grenzgebiete durchstreifen, werden nicht müde, das entsetzliche Elend der heinmtlosen Flüchtling« in ergreifenden Worten zu schildern, und ihre „Kriegsberichte", wenn man so sagen darf, haben den sckrönen Erfolg gezeitigt, daß Holland sich mit größter Opserwilligkeit der flüchtig»! Gs!gier annrmmt. Es ist ein unendsicher Menschemtrom, der Aber die Q/imrycn geflutet ist, denn es sind nicht nur die Flüchd- stinge aus Antwerpen selbst, sondern «traft die aus ganz Belgien, flne seit dem Beginne des Krieges aus den deutsch geworbenen Mcbi-ten nach Antwerpen gewandert waren, wo sic s«h sicher chünkten, und tzu allen diese«! koutmen noch die großen Scharen 'belgischer, englischer «und französischer Soldaten, die bis zum «Ende de? Krieges rnttergebracht und erhalten werden müssen. Hinsichtlich der übrigen Flüchtlinge gilst inan sich in Holland «der Hofsuung hin, sie würden in abselchorer Zeit zurückkehren: «allein nach dem, was beispielsweise die ®erirfrtrrftatter des „All- gemren Handel?blad" und des „Nrcuwe Rotterdrmsche Courant" gesehen haben, scheint dies vorläufig trickst der Fall sn sein, im «Gegenteil. sie bevölkern noch die
-Goenzorte, und für die. deren Wohnsitze der Kriegs« surre AM» Opfer gefallen sind. ist dre Rückkehr
ja auch ziemlich aussichtslos. Noch sind die von zahllosen Rädern tief zerfurchten Wege des holländischen Grenzgebietes gestovst voll von Wagen, von Karren, von Fnstgängern, von Radfahrern, und Bergen ov Zoom ist eine belgische Stadt geworden. Alle Häuser und Gebäude, selbst dir Kir«hen, liegen in des Wortes wahrer Bedeutung vorn Keller bis zum Dachfirst voll von Belgienr: mühselig hält des Militär in den vosigevsropften Straßen einen Weg ffei, und imter Aufbietung aller Kräfte snkhen die Holländer dem Elend zu steuern. Aber die vielen eingelegten Züge, die vielen Schiffe haben iwch keine merkliche Befferung herbeiftihrcn können: noch immer zsibt es Tausende, die die letzte Nacht unter freiem Himmel zu- -rebracht haben, und sicher die nächste Nacht in der gleichen Herberge zubringen müssen, und alle diese Tausende müssen frieren und hungern. Die Hochslnt der Flüchtlinge hat Holland so überrascht, daß nicht genügend Vorkehrungen haben getroffen werden können. Das Militär, die Ortsbehörden und die Bürger besten, wie sie können: überall erscheinen Aufrufe, und viele wohlhabende Leute haben <u,f eigene Faust Hilsswagen ausgerüstet, und nach Hunderten zählen die Autos, die aus allen Testen Hollands gefahren sind und den Flüchtlingen Decken, Kleider und Lebensmittel gebracht haben. Der Hunger derer, denen man bat Hilfe bringen können, ist gestillt, aber viele, und gerade die Bedürftigen, haben diese Hstsswagen anscheinend nicht erreicht. Selbstverständlich haben sie ihren Inhalt bereits in der Gegend von Bergen op Zoom abgegeben. Aber tveiter südwärts finden sich in Wäldern und Feldern noch ungezählte Flüchtlinge, denen es besonders schlecht geht: es sind f>ie Schwachen, die Altcit, die Kinder, die Kranken, die nicht weiter gekonnt haben. Wo sie hinkommen. haben die Glücklicheren >mt> Kräftigeren bereits aste Vorräte auigczehrt: selbst die, die im Besitz von Geld sind, lmben in den Grenzgebieten tocnig Aussickst, «twaS Eß ober Trinkbares vorzitsinden, denn allenthalben vrangt an Laden und Wirtshäusern das Schild mst der Aufschrift: Aus- verkauft. So wandern sie, hungerich, durstend und frierend, westcr, ohne eigentlich zu wiffeu, wohin. Sic haben keine Ahnung, wo sie sich befinden, sie wissen nicht, wie weit die Städte, die sie erreichen möchten. entfernt sind, sie haben keine Karten. nach denen sie den Weg sinden könnten, und so gehen sie mühselig in der trügerischen Hoffnung weiter, zu Fuß in einem Tage von Butten oder Osscn- drccht (wenig nördlich von Antwerpen) bis nach Leyden oder gar nach Amsterdam zu kommen!
Au§ dem Reiche.
Dresden, 15. Okt. Die sozialdemokratische Fraktion des sächsischen Landtages ersuchte die Regierung, «inen mißervrdentlichen Landtag zur Beschaffung von Mitteln für ine Kriegshllse und die Regelung der Arbeitslosenunterstützung einzuberufen. Me Regierung beabsichtigt, die Einberufung Ansang kommeitden Jahres vorzunchincn.
rru» Stadt und Land.
Gießen, 16. Oktober 1914.
" Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Hessen. Zu der Anregung von Mitgliedern der sämtlichen Fraktionen der Zweiten Kamnier wegen Bekämpfung der Arbeitslosigkeit (siehe Nr. 238 dcS Gieß. Anz.) wird offiziell mitgcteilt, daß, durch die Maßregeln, die von der Großh. Regierung auf dem Gebiete des Staats- bautvescns schon bei Verabschiedung des StaatsvoranscktlagS getroffen Ivaren, der beabsich«tigte Zweck zeitiger Borsor.p für reichliche .Arbeitsgelegenheit, namentlich im Winter,soweit wie möglich sichergestellt ist. Für die Staatsbauv e rwal t ung sollen tm laufenden Rech>- nungsjahrc noch Arbeiten mit einem Kostenaufwand von über 2 1 /, Millionen Mark ausqefiihrt tverden. Jöl der Staat sfor st Verwaltung sind für die bevorstehende Holzernte 3 Mill. Ntark zu verwenden. Nach Berichten der Oberförftereien besteht aus diesem Gebiete nicht die Sorg«, daß es an Arbeit, sondern daß es an Arbeitern fehlen werde, um die vorgesehenen Fällungen cruszuführen. Die Staats- cisenbahnvcrwaltung beabsichtigt, die zahlreichen im Hanpt- voranschlag ftir 1914 vorgesehenen größeren und klcmeren Bauten, bei denen dies irgendwie niöglich ist, im Winter aus- ftihren zu lassen. Für diese stehen fast 10 Mill. Mark z«rr Verfügung. — Es kann danach wohl gesagt nwrden, daß fetzt schon für die kommende Zeit Arbettügelegenheiten vorhanden sind, die den in Betrach«t kommenden Erwerbs- kreiien die Möglichkeit von Verdienst im Werte von vielen Millionen gewährleisten. Wo sich gleichwohl die erfolgten Vorkehrungen nicht als ausrei<l>end eruzeisen sollten, ivird cs an rechtzeitigen Maßregeln der Regierung nicht fehlen.
** Zeitweilige Aufhebung der hessischen Fortbildungsschulen? Das Landwirtfchastskammer- mitgiied A.Hensel (Dortelipeil) hat der Landusirtschafts- kammer folgenden Antrag unterbreitet: „Die Landwirt- schastskarrnner wolle an die zuständige Großh. Behörde das Ersuchen richten, den Fortbildungsschulunterricht während des Kriegszustandes aufzuheben." Der Antragsteller begründet sein Gesuch mit dem jetzt herrschenden Leutemangel auf dem Lande.
** Ritter des Eisernen Kreuzes. Feldwebel Meyer, Inf.-Regt. 115, aus Lich. Oberlt. Stamm, zurzeit auf dem östl. Kriegsschauplch, nitd llffz. Walter aus Lich. Serg. Moll aus Röthges, Jnf.-Rogt. 168. Uffz. Ludwig Willershäuser aus Rodheim a. d. Bieber, Jnf.- Regt.83. Lehramtsass. Peter Tritsch aus Grünbevg, Off.- Stellv. im Landw.-Jnf.-Regt. 116. Oberlt. Schilling von Dillenburg, Jäger-Bat. 8. Oberlt. Adolf Schmidt aus Diilenburg, Jnf.-Regt. 45. Uffz. Ernst Pölitz aus Sinn, ^ußart.-Regt.9. Oberlt. v. Mentz im Res.-Jnf.-Regt. 116.
erinann Bo ecke l aus Jriedberg, Uffz. d. R. und Offizier- Stellvertr. im Res-Regt. 116. Leutn. Feh und Hauptmann Bin der n a gel aus Friedberg, beim Stab des Pionier- Regts. 19. Gerichtsassessor Oswald Friederich von Wetzlar, als Führer einer Mecrine-Maschinengewehr-Kompagnie. Sergt. Wilhelm T h o r n , Ulanen-Rogt. 6, aus Ebersgöns. Direktor der clektr. Straßenbahn in Worms Th. Radtke, Off.-Stellv, im Res.-Jnf.-Regt. 88. Off.-Stellv. Lehramtsassessor Rudolf Schmitt von Butzbach, Jnf.-Regt. 168. Koinp.-Feldtv. Löber, Jnf.-Regt. 168. Wzefeldw. Wolf, Jns.-Regt. 168. Oberlt. Qu ade, Jnf.-Regt. 168. Feldwebel« Johannes Köhler von Marburg. Major Weyergang, Jnf.-Regt. 166 in Jriedberg. Leutn. Kutsch vom Jnf.- Regt. 168 aus Friedberg. Hauptmann Ha l m, 2. Gen.-St.« Offiz. 18. A.-K., Major Martens, 2 . Adjutant 18. A.-K., Oberlt. Cabanis, 1. Ordonnanzoffizier. Oberlt. Riedesel Frhr. zu Eisenbach, Berpslegungsoffizier (Ul.-Ryt.6), Feldintend. Kochanvwski, Stab d.Gen.-Kdos. 18.A.-K., Ober-Kriegsgerichtsrat Cellarius, beim Gen.-Wo. d. 18. A.-K. Generalmajor n. Brig«-Konnuarrd. Elstermann v. Elster, Stab der 42. Jnf.-Brig. Hauptmann Dieckmann, Adj. der 42. Firf.-Brrg. Vom 1. Fußart.-Regt 3: Major «Sch liep hacke, die Haalptleute Pohlirnd Di doch, die Lts. Teltz und Buschmann, Feldw. (Off.-Dienstt.) Hager, Wzefeldw. Gramsch, Unteroff. Lachmann, Kanonier Kette ring, die Obcrüs. Weygand, Jäger und Rosenstern, dre Leutnants Kleinanit. Meckel, Feldw. Gießler, Serg. Funke, Feldw. Sieb, Feldw. Funk, Unteroff. Winzer, Thar. Major a. D. v. Dreski (Kdr. d. M.-Kot. 1. Fußart.-Rgt.3). Oberstabsarzt Dr. Volkenrath (Feldlazarett 7). Oberstabsarzt Dr. Langhetzd (Feldlazarett 2). Unteroff. Drederecke, UnterzahPm. Blum, Wachtnveister Eichenaner (Feldgend. Trupp 18.A-K.). Leutn. d. R Oskar Cordes tm Res.-Jnf.-Regt 118. Oberlt. d. R. Dubais de Luchet, Stabsdiv-Komm. Gefr. Ferd. Seidel im Feldart.-Regt63. Pionier Heine. Geibel von Okarben. Oberarzt Dr. W. Siebeck (<8au- Odernheim) aus Gießen. Major Schröder, Hauptmann Coulmann, Oberleutnant Möller, Feldwebel Eggert, Schneider, Reinhardt, D^efeldwebek Götz, samt, vom Jnf.-Regt. 116.
** Krücken für Verwundete. Der Mctzgermelster Fe lsi n g in Rupvertenrod hatte bei einem Besuch im Loizw- rett beobachtet, wie vorteilhaft für unser« Krieger, die an Fuß vern«undet sind, eine Krücke beim Umhergehen sein ivürde. Seinen Bemühungen ist cS gelungen, daß eine ganze Partie Krücken von dazu geeigneten Handwerkern im D^els- berg Hergestell>t wurden, die er dem Lazarett in der alten .Klinik übersandte. Das Beispiel! verdient auch an anderen Orten der Provinz Nachahmung.
** Postnachrrcht Der Postanweisungsverkehr mit Bolivien ist vvrWufig eingestellt tmwden.
**Der Kries nnddie deutsche Volkswirtschaft
In der Reche der Vorträge, deren Ertrag zum Besten von Hintcrblickuncn der im Felde gefallenen Grehenec bestimnit ist, svrach gestern obend Professor Dr. Skalweit in der neuen Aula der Universität über den Krieg und dü deutsch« Volkswirt- ichast. Kein Ereignis, so führte der Vortragende ans, trifft die Volkswirtschaft härter «tls der Krieg, der in dem vom Feind lwimgcsuchten Lande nicht bloß di« volkswirffchaftliche Em- ivickclung stört, sondern «tuf Jahre hinaus vernichtet. Dre Tatsache, das; Deutschland frei vom Feinde fft, bedeutet für uns «inen bedeutenden «Gewinn. Der Wirtschaftsavvarat arbeitet bei uns mindestens so gut n»ie in den neutralen Staaten, die sogar in,- folge der durch den Lkrieg hervorgerufcnen aggeiaeinen ivirtschirst- lichen Notlage mech leiden als nsir. Die Meinung daß hie für die Kriegsrüstnngrn peransgabten Kosten verbrmicht würden, ohne materielle Werte zu schaffen, also unproduktiv seien, ist in dieser Vrrallgemeiuernng nicht richtig. Denn es unterliegt keinem Zweifel, daß mimche itzrwerbc durck» den Krieg hoch kommen, ganz neue Industrien entstehen, schon enchandene tveiter ausgebildet werden Kein moderrtcs Volk bat so viel Kriege geführt als das englffche. Die dosür notwendigen Kriegskosten sind Geschäftsspesen gewesen, die sich gut verzinsten. Indessen kann ein« Nation auf bic Dlmrr nicht so frivol Vorgehen, eül Krieg Muß von hohens, «tttlichen Kräften getragen sein, und diese Kräfte sind es auch, die eine Answärtsbewegung des Wirtschaftslebens bedingen. Ans nratcrielle Werte kommt eS nicht so selir an, sondern ans produktive Kraft, die sogar ein nNgNcklichrr Krieg «ruSlösen
kann, wie sich dies nttch denr dirißig jährigen Kriege und in den,
Krieg mit Mcpoleon vor hundert Jahren zeigte. Aber ohne nationale Einheit ist die Cutwickelnug der Volkswirtschaft nicht möglich, ohne politische Einheit keine wirtschaftlick>e Einheit, in der die im Volke fcMuntnii'ruben Kräfte sich svci entfalten köimen. In dem Augenblick, als im Jahre 1870/71 unsere nationale Einheit gefd>affen war, war der Grund zu unserer «Größe gelegt.
Der Auischwung des wirtschastlichen Lebens in Deutschland war von zweierlei abhängig: 1. von der Stärke ihres tnne- ren Marktes und 2. von der Blüte der Wirtschaftstechnik und Organisation. Je stärker der inner« Markt eines Volkes ist, um so unabhängiger ist es vom Ausland, eine Tatsache, die von unendlicher Bedeutung ist und gerade zu Kriegs» zetten in die Erscheinung trftt. Noch vor 100 Jahren war Frmck- rcich auch in ivirffchaftlicl-er Beziehung die große Natron, im letzten Jahrhundert aber hat sich bet Schwerpunkt des Marktes immer mehr nach Osten, nach Deutschland, verschoben. Unsere Industrie hat den Mehrtcil in sich ausgenommen. Sie hat Frankreichs und zuletzt Englands Industrie überflügelt, mtb Deutschland ist das erste Jndustrievolk der Welt geworden. Die breitere Grivtdlage des starken inneren Marktes verdankt es seiner Kleinstaaterei. Tie vielen einzelnen Hauptstädte ermöglichten und bedingten ei:: Kulttrrnivemi ans breit« Grimb- lage. Dazu kam eine großzügige Lerkchrspolitik durch ein reich ansbebauteS Eisenbahnnetz, sowie die Vorteile einer regen Binnenschiffahrt. Aber Deutschland ist auch führender Agrar- ft a a t. Die Industrie ist also nicht auf Kosten der Landwirtschaft groß geworden. Bismarcks Zollpolitik läßt sich gerade jetzt in ihrer ganzen Grüße erkenneir, wo Volks- und H cereseinährung sicher gestellt sind. Gegen diesen Jnnenlgrndel hat unser Export mir eine untergeordnete Bedeutting, während England, das seine Landivirtscho.ft vernachlässigte, in iveit höher»» Maße von dem Ausland abhängig ist.
Was min die Waren selbst anbetrifft, sich nnserr Grvßftrdlffirie ein, daß es nicht nur daraus an kommt, mehr zu sabrizieren, son- dcnr auch besser. In dieses Stadffkm ist sie langsam hineingewachsen, so daß sie den Wettbewerb mft den besten Erzeugniffen« des Auslands getrost ausnchnten konnte, ja aus manchen Gebiete» konkurrenzlos dasteht. «Das ivär möglich durch die svstematffcht! Anwendung der ivissensckwftlicften fit-nntnissi «ms die Gebiete der Technik. Landnnrtscbastliche und le«ftms«fte Fachschnken enkstnnden, und der ungelernte Arbeiter verschwand nach und nach und mußt« dein gelernten Platz imuften. Den vielfach im Ausland belächelten deutschen Lehrer und Unterofsizier init der strengen und siche«» Disziplin, wodurch eine stettge Bereicherung imserer produktive» Kraft gewährleistet wird, kann ims niemand nacktmachen, und kctu Krieg wird ihn uns nehmeu. 'Sodann ist die Organisatioris der Arbeit auf allen Gebieten des öffentlichen und wirtschastlichen Lebens musterhaft durchgcführt. Dm Sinn für strenge Ordnung ist uns anerzogcn. Und mag diese Ordnung auch« mittentSV pedantisch odm b-ureaukratisch au »sehen, in krittschen Sttrndcn hat sie sich stets bewährt. Zn dm Organisation dm Arbeit kommt abm auch die Organisation des Kapitals. Maschinen sind leistnngS» fälngcr, aber auch teurm. Das Wachsen unsmcS Nationalvm- möaens hat gleichen Scktritt gehalten mit dem wirtschaftlichen Aufschwung. Es beträgt nackt siriwrer Schätzung 285 bis 330 Milliarden Mark, so daß wir auch him die erste Stelle einnehmen. Unsere Rcichsbank, durch den Gmtmalwelttnarschall Haven- stein musterglUttg geleitet, hat sich bei Ausbruch des Krieges glänzend bewährt und die gewaltige Belastungsprobe gut ausgehalten, wäbrm.d dm Nimbus sowohl der ftanzüsischen als englischen Bank wohl für ffnmm geschwunden ist. Wähvend wir in Deutschland mit einem Bankdiskont von 6 Prozent arbeiteten, rechnete England 10 Prozmt und Frankreich zog vor, übmhanpt keinen Ausweis Mtsznstellen. Auch imsmc Privatbarrken haben den mstcn Ansturm gut ausgehallen. Ein Ruhmesblatt bleibt es sernm für Terttschland, ohne Moratorium anSgekommen zu sein, ohne das selbst nenitrolc Staaten nicht cruskamen. GS steht zu hoffen, daß auch dem kleinen und nttttberen Geschäftsmann und Gewmbetoeilimchen durch Gründlmg von Kredftkassen unter die Arme gegriffen wird, damit m ohne schaden zu nehmen di« schweren Zeiten üdmdanmn kann, üluch unsere Staatssinanzett sind gesund. Wir haben die größten Einnahmen dm Welt und wenigm Schulden <tE Frankreich und England, dabei nicht so hohe ©teuer« als diese Länder. Zum Schluß fügte dm Vortragende noch die Mahnung an, es möge jchm dafür sorgen, daß alles in gewohntem Geleise weitm gebe. Dm Dürgm dürfe es nicht n>m- lett, daß dm «Soldat Krieg sühtt. Es nnrke außerordentläch be- rulngend und sei ftrr das wirtschastllche Leben sehr viel wert, wenn eine Stadt im Kriege dasselbe Bild biete ttne im Frieden, wie dies mfreulicherweisc von utismm Vaterstadt Gießen gesagt werden könne. Augenblicklich stehe eine iilnsgabe im Vordergrund, das sei die Niedmringung des Feindes. Dann roerde alles übrige von selbst kommen. Das deuffche Reich werde dcmn seine vornehmste Aufgabe darin mblicken, schwachen Völkern «nsznhelse» und im Frieden Handel und Verkehr zu pftegcit.
** Aus dem Bureau des Stadttheater?. Gv- foealichertveise laufen fortwährend weitere flotutt» mentsanmelduuaeu ein, so daß das Haus cm den beiden Abonnementsapenden Dienstag und Freitag euren behaglichen Eindruck machen wird. Bon ersten Fächer» war nur das der Sentmrentaün und des erfben HeDen neu zu besetzen, und es find jetzt Frl. Martcha Schi?d vom Dent- sckten Dbeater in Lodz und Herr Reyher Linden voan vtwex Stadttheater in Heilbronn verpflichtet worden.
— Bi« Mahnung und Beitreibung *»»
Staatsabgaben, die von den znm .Kriegsdienste ern- berufenen Personen geschirldet werden, hat seithm nrit Rücksicht auf die besondmen Verhältnisse geruht. Sie wird nunmehr, soweit ein Erlaß der Schuldigkeiten nicht ftattgeinn- den hat, demnächst wieder aufAetionnnen werden. Die baldige Zahlung ettoa rückständiger ^taatsgefÄle liegt deshalb im Interesse der Schuldner?
** Silbern« Ho chzei t stffern heute Anatomieiäener Friedrich Beltzoff und Frau Katharine geb. Seipp, sowie Dienstmann Kaspar Eisen dach und seine Ehefrau ged. Keil.
" Das Schla«chtderbot von Kälbern «utev 76 Kilogramm Lebendgewicht, das im Zhlteresse unserer hämischen Viehzucht erlaffen worden istz wdcS einschneidend auf die bäuerlichen Betrieb«, besonders in Gebieten, die in der Nähe von großen Städten wie Franv- fnrt a, 331 ., Wiesbaden, Darmstadt, Mainz usw. liegen und die vor allein sickf der Milch Wirtschaft widmen. Die Landwirte in diesen Gebieten sind nickst mehr in der Lagctz schleunigst ihre Kälber nach kurzer Zeit auf den Markt gtt bringen, sondern sind deshalb gezwungen, znr Zuch Wer- zngebcn und die Albmelkwirtschaft in erheblichem! Maße einzuschänken. Mit der Zeit wird in diesen Gebieten eine Milchkn appheit Platz greifen urid dies« wiederum eine Milchpreiserhöhung im Gefolge haben. Auch der Handel ist mit der Maßnahme nicht einverstanden, da er jetzt am! Anfänge dieses Verbots wenige .Kälber, die dem Verbot ent- spreckp:n, anfzntreiben in der Lage ist. Auf den Schcvchb- höfen ist deshalb der Kälberauftrieb verschwindend klein und betrcigt oft bis zu ein Zehntel des frulwren. Da Angebost und Nachfrage in schoffem Gegensatz stellen, sind die Kälberpreise in fortgesetztem Steigen begriffen. Diese ans einer annehmbaren Höhe zu halten, ist auch durch die Zuftthren aus Holland und anderen neutralen Landern ftrwn möglich.
** Ein Schoorchen. iftecht häufig hatten leichtverwundete Krieger bei einer Berpftegutrgsstation am Bcchihof d-ie dort bedienenden Damen gefragt, ob man ihnen kein Schoorchen geben könne, „(siin Schoorchen?" ivar immer verwundert gefragt worden, die Damen sakichi sich dabei stets ratlos an, wein, ein Schoorchen haben wir nicht. Bor wenigen


