164. Jahrgang
Nr. 243
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Sowöcm«. - Sleü#s«n: viermal w Leben tttch OichenrrLamilleiidlätter.
(DienStag undFretiag); zweirnot mvnall. linib »iktiehastliche seitffag«» Fernsvrech - Aoschtüste; tüedieSchriftteitunßHS Lert»g,8eschästsstell«51 Adresse Ktr Drahtnsch- rtdjint Lnr«i,rr«rHe». JnMt'i« v«t 2»zki,r» fftt 6*<
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Erstes Blatt
Freitag, lb. Gttober
General-Anzeiger für Oberhessen
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Die AntwerpenerZiegerbeute. Deutsche Truppen vorwarschau.
Diplomatische Dlotzstellung Englands.
-WTB) •r»fe5 ß&virttvartier, 15. Olt, mittags. fRortlich.) Sei Antwerpen wurden int ganzen 4000 biS 5000 Gef«ngen e gemacht. Es ist anzunehmen, daß in nächster Zeit noch eine große Zahl belgischer Soldaten, die Zivilkleider angezogen haben, dingfest gemacht werden. Nach Mitteilungen des KoafirlS in Lernen»en find etwa 20 000 belgische Sollten nnd 200 Engländer ans holländisches Gebiet Lber»etreten, wo s« entwaffnet wurden. Ihre Flucht muß in größer Hast vor sich gegangen sein. Hierfür zeugen Massen weggeworfener Kleidersäcke, besonders von der englischen Royal- Laval-Division. Die Kriegsbeute in Antwerpen ist groß: Mindestens 500 Geschütze, eine Unmenge Munition, Massen von Sätteln und WoylachS, sehr viel Sanftäts- material, »obkreiche Kraftwagen, viele Lokomotiven und Waggons, 4 Millionen Kilogramm Getreide, viel Mehl, Kohlen, Flachs, für l0 Millionen Mark Wolle, Kuvscr und Silber im Werte von einer kalben Million Mart, ein Banzer-Eisen- bahrrzug, mehrere gefüllte VervffegnngSzügc, große Biehbestäiche. Belgische und engffsche Schiffe befanden sich nicht mehr in Antwerpen. Die bei Kriegsausbruch im Hafen von Antwerpen befindlichen 24 deutschen Dampfer und 3 Segler sind mit einer Ausnahme vorhanden, jckoch sind die Maschinen unbrauchbar gemacht. Angebohrt und versenkt wurde nur die „©rtefViuru" des Norddeutschen Lloyd. Die große Hafen- s ch l en s e ist intaft, aber zunächst durch mit Steinen beschwerte versenkte Kähne nicht benutzbar. Die Hafenanlagrn find unbeschädigt.
Die Stabt Antwerpen hat wenig gelitten. DieBevSl- kernng verhält sich ruhig und scheint froh zu sein, daß die Tage d«S Schreckens zu Ende sind; besonders, da der Pöbel bereits »u plündern begonuen hatte. Die Reste der belgischen Armee hoben bei Annäherung unserer Truppen Gent schleunigst geräumt. Die belgische Regierung, mit AnS- nochme des KriegSmimsteriumS, soll sich nach Le Havre begeben
Angriff« der Franzosen in der Gegend von Albert wmden unter erheblichen Berlusten sür sie abge- wiescn. Sonst sind im Westen keine Deränderungen.
Im O st en ist der russische, mit starken Kräften unternommene Vorstoß auf Ostpreußen als gescheitert anzusehen. Der Angriff unserer in Polen Schulter au Schufter mft dem österreichischen Heere kämpfenden Truppen beffndet ffch im Fvrffchreiten. Unsere Truppen stehen vor Warschau. Ein mit etwa 8 Armeekorps aus der Linie Jwangorod— Warschau über die Weichsel unternommener russischer Borstoßwurde aus der ganzen Linie unter schweren Verlusten sür die Russen zurückgewor- s fit. Die in russischen Zeitungen verbreiteten Gerücht« über erbeutete dcntschc Geschütze entbehren jeder Begründnua-
Als wir gestern abend die ausführliche Meldung d urch ein Extrablatt den Gießener Lesern bekannt gaben, da war des Jubels kein Ende. Män kann von einem gelinden Sturm auf unser Geschästsgebäude sprechen, so daß wir eine strategische Stellung einnehmen und dem nachdrangenderr „Feind" den Durchgang durch unsere 2lrbeitsstätte gestatten mußten, wobei die Verteilung der Extrablätter vorgenom-, lmen wurde. Zwar sind die Kämpfe in Flandern noch nicht abgeschlossen, »nd die Zahl der Gefangenen wird sich noch vergrößern, indeffen ist die überguellende Freude über den Sieg vollauf berechtigt. Reiche Schätze, die wir zur Kriegs- füknunq gut gebrauclien können, sind in Antwerpen zurückgeblieben, der Verlust vvn 500 Geschützen bedeutet für die Belgier, soweit sie noch im F-elde stehen, völlige Wehrlosigkeit. Mag die belgische Regierung, die sich nach Le Havre geflüchtet hat, in einem Aufruf mi die Bevölkerung auch große Worte gebrauchen Vvn „schneller Revanä,«". die in Verbindung mit Franzosen und Engländern genommen werden solle, mag auch ein hochtrabender Telegrammwechsel zwischen dem Präsidenten Poincars und dem belgischen Ministerpräsidenten stattgcfunden Haben, in bem betbejufj itcxfi immer die eitle Hoffnung auf den endgültigen Sieg vorspiegelten, — das ändert nichtis daran, das; auf der Landkarte jetzt denftvürdige und endgültige Verschiebungen eintreten. Das belgische Parlament darf unter deutscher Oberhoheit sich demnächst zu Beratungen zuscrmmensinden, und es wird nach wie vor dafür gesorgt lverden, daß das unglückliche, durch die verkehrte Politik seiner Regierung ins Verderben gestürzte Volk Vertrauen zn Deutschland und seinen Maßnahmen faßt. Im Leitartikel des vorliegenden zweiten Blattes ist zu ersehen, daß Antwcrven in wackfen- dem Maße Vorteile aus der Handelsverbindung mit Deutschland zog während der englische Handel in der Seestadt an der Schelde einen Rückgang zu verzeichnen hatte.
Heute schon verlautet aus den holländischen Orten, wo Engländer und Belgier entwaffnet worden sind, daß belgische Offiziere sich geweigert hätten, ihre englischen Kameraden zu grüßen, und es heißt, daß die Söhne Albions ff, ivilder Auflösung auf der holländischen Bildfluche erschienen seien, ivährend die Belgier wenigstens ein gewisses Wah äußerer Wurde ffch bewahrt hätten. Mag man davon
halten, was man wfll, die Tatsache steht jedenfalls fest, daß England auch bei seinen Bundesgenossen an Shrnpathie verloren hat. Wie wenig Grund siir Frankreich vorhanden ist, nunmehr seine Hoffnungen auf die Mitwirkung der Russen zu setzen, beweist der neueste Stand auf dein gesamten Kriegstheater des Ostens, wo jetzt mit der Belagerung und Beschießung von Warschau ein neuer Akt beginnen wird.
Mit welchem Groll, niit welchem tiefen Haß gegen England müßten wir jetzt die von der „Nordd. Allgem. Ztg." veröffentlichten Enthüllungen (s. 2. Bl.) lesen, wenn es den vereinigten Feinden gelungen wäre, aus ihrer Verschwörung gegen Deutschland auch kriegerische Erfolge zu ziehen. So studieren wir die ans Tageslicht kommenden Briefe und Aktenstücke nur mit einem Gemisch von Ekel und Verachtung. Wir wissen jetzt für alle Zeit, woran wir mit England sind! Ein wenig Heuchelei war bei ihnen allemal mit im Spiele, das war uns lange bekannt, aber ein solches Maß von verräterischer Falschheit, wie es jetzt für die Oeffentlichkeit der ganzen Welt aus den Men hervorgeht, das übersteigt doch die kühnsten Begriffe machiavcllisttscher Auffassung. Im Anschluß an die Thronrede des Königs Georg hat der leitende englische Minister Asguith im Unterhaus am 10. Riärz 1813 noch ausdrücklich erklärt; „Die politisch« Gruppierung der Mächte ist unverändert geblieben. Weder zu Fraukreich noch zu Rußland sind unsere B^ieherue gen weniger herzlich oder weniger innig, atz? sie es vorher waren." Asguith berührte auch das Zusammenarbeiten mit Deutschland und erllärte: „Dieses Zusammenarbeiten hat nicht nur den.Weg der Diplomatie angenehmer gestaltet, sondern es hat — das ist unsere feste Ueberzeugung — auch gegenseitiges Vertrauen hervorgerufen, das zwi- irbeii den beiden großen Rationen andauern wird." Und der Marineottnister Churchill, der die Marine-Konferenzen mit Frankreich und Rußland in der Stille anbahnte, hat ebenfalls erklärt: Großbritannien und Deutschland haben die Ueberzengung gewonnen, daß es beider Wunsch ist, den Frieden zu erhalten. Freilich hat sein „Weltfeiertags"-Pro- gramm in Bezug auf den Ausbau, der Flotten bei uns kein volles Verständnis gefunden, seit unsere Regierung, wissen mußte, daß auch Rußland am Werke war.
Ein Glauzpunkt der russischen Heimtücke und Ber- sdellungskunst ist der in der Veröffentlichung der „Nordd. Allgem. Ztg." zitterte Ausspruch des „friedlichen" Sasonowr „Die Idee von einer russisch-englischen Marinekvnserenz existiert nur in der Idee des Berliner Tageblatts und im Mond." Es sind also nicht nur einzelne Männer, ivie Gr e tz der freilich das Haupt der gegen Deutschland gerichteten Verschwörung war, Jswolskv und der Großfürst Nikolaj Nrko- laiewitsch, denen die Schuld am Kriege zuzuschreibcn ist, nein, mitverantwortlich und mitschuldig in hohem Maße sind auch die Wölfe im Lamm sfell, namentlich in England, die jetzt die Parole ausgeben, es handle sich um die Vernichtung des preußisch-deutschen Militarismus, der dem Weltfrieden gefährlich geworden sei. Eine hohe Befriedigung nehmen wir aus den neuesten amtlichen Veröffentlichungen, daß wir anscheinend in London einen Diplomaten hatten, der das Ränkespiel rechtzeitig durchschaut und sich durch zeitig« War- nungen um das Reich ein unsterbliches Verdienst erworben hat.
Ter deutsche Vormarsch an die belgische Küste.
A m sie r d a m, 15. Okt. (WTB.) „Nieuws van den Dag" meldet aus Terneuzen; Deutsche Truppen, die nach Tausenden zählen, seien durch Selzaete nach Westen vorgerückt. In Selzaete sei ein Ausruf erlassen worden, daß alle Männer zwischen 18 und 45 Jahren sich binnen zwei Tagen anmelden müßten. Heute früh wurde Affeuede besetzt. „Nieuws van den Dag" meldet weiter: D p e r n wurde durch die Deutschen vollständig umzingelt. Ein Strom von Flüchtlingen, die sich auf Idem Wege nach Calais befinden;, weist aus den allgemeinen Vormarsch der Deutschen nach der Küste hin.
Rotterdam, 15. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Nieuwe Rotterdamsche Couraul" meldet aus A a r d e n - bürg; Tie Deutschen besetzten die Brücke bei Stroo- brugge an der holländischen Grenze. Ströme von Flücht- lnigcii kommen in Seeländisch-Flandern an. — Aus Rosen- daal wird gemeldet; Morgen beginnt wieder der Bahnverkehr nach Antwerpen.
Kopenhagen, 15.Okt. (WTB. Nichtamtlich.) „Ber- lingske Tidende" meldet aus London: Ein englischer Korrespondent hat in Vcurne (Feuernes) Bortruppen des von Antwerpen kommenden belgischen Heeres angetroffen. Reisende, die gestern von Ostend« kamen, beobachteten einen heftigen Kampf bei Oestdunkerke dicht am Meere.
Ter Reichskanzler in Brüssel.
Brüssel, 15. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Der Reichskanzler hielt gestern mit dem Generalgouverneuer Frhrn. v. d. Goltz und dem Ehef der Zwilverwaltung, ExzellenÄ v. Sandt, eine Besprechung ab und begab sich heute nach Antwerpen. Der Reichskanzler kehrt morgen in das Haupt- quartter zurück.
Tie belgische Kammer unter preußischer Oberhoheit.
Stockholm, 15.Okt. Aus London wird gemeldet, daß der deutsche (tzeneralgonverneur in Brüffcl den belgischen Kammern Gelegenheit geben will, nach den verfassungsmäßig geltenden Vorschriften während aus^rord- dentlicher Umstände zusammenzutrcten, mit Rücksicht auf di« Lage, Beratungen abzuhalten und ihre WünscheüberdieprovisorischeRegierungdee Landes vorzutragen. (Voss.ZiA)
Die englische Marinebrigabe.
Rotterdam, 15.Okt. In den englischen Häfen Deal und Walmor ttafen am Montag abend mcl>r als 5 0 00 Mann der englischen Marrnebrigade aus Antwerpen unverichrt ein. Sie wurden von Müttern, Frauen und Bräuten lebhaft begrüßt.
Ungeduld in England.
Kopenhagen, 15. Okt. (WTB. Nichtanrtlich.) „National Tidende" meldet aus London: Man ist hier nicht geneigt, die Bedeutung der augenblicklichen Lage zu unterschätzen, doch herrscht in geivissen Kreisen Ungeduld/ daß nicht schnellere Fortschritte gemacht werden, und daß die britische Flotte noch nicht in der Lage war, einzuschreiten und einzugreifen.
Eine Erfindung des „Temps".
Parts, 15. Okt. (WTB. Nichtauttlich.) Der „Temps'' dthauptet, daß Deutschland alle Männer untetj fünfzig Jahren zu den Waffen ruft.
Prinz Wilhelm zu Wied in der Front.
Berlin. 15.Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Prinz Wilhelm zu Wied ist als Major ä la suite dem Gcnerälstab zugeteüt und zur Front ab gegangen.
Türkische Entrüstung über die Lügen unserer Feinde
Koustan tinopel, 15.Okt. (WTB. Nichtamtlich.) llm zu zeigen, wie sehr die Engländer, Russen'und Franzosen' die öffentliche Meinung der Länder täuschen, gibt der,Lk- dcrm" aus dem Turkcster Blatt „Sada-i-Tasken" (Stimme von Tasthkend) vom 29. September eine Menge falscher Nachrichten wieder, zum Beispiel, daß die Russen siegreicki gegen Berlin und Wien vorrückten, daß die Deutschen in Belgien vernichtet und die Franzosen auf allen «eiten in deuffchos Gebiet eingedrungen jeien, Haß die englische Flotte glänzende Siege errungen habe und daß. die Muselmanen der ganzen Welt einen außerordentlichen Haß gegen Deutschland hegen. „Jkd'am", der sein Erstaunen über >ol. chen Grad der Lügenhaftigkeit ausdrückt, spricht seine End rüftung über in demselben Blatte nach Petersburger Meldungen veröffentlichten Nachrichten über die Lage in der Türkei aus und stellt fest, daß tm türkischen Kabinett keine Meinungsverschiedenheit bestelle, und daß die Türkei weder schwach sei, noch sich in Gefahr befinde.
Konstantinopel» 15.Okt. (WTB. Nichtamtlich.)Allgemein wird hier krittstert, daß viele Engländerinnen auf Veranlassung des britischen Botschafters Konstanti- nopelverlassen haben, da das Verhalten der türkischen Behörden gegen die Ausländer stets mustergültig war und ish ' t
Günstige Stimmung in China.
Bern, 15. Oft. „Rußkoje Slowo" meldet aus Toköot In China ist ein vollständiger Umschwung zu Gunsten Deutschlands cingetreten. Die deutscher Siegesmeldungen »verden von der einheimischen Presse gefeiert und die Erfolge in Tsingtau und des Kreuzers „Emden" mfl Jubel ausgenommen. (Frvf. Ztg.)
Deutsche Kreuzer vor Samoa.
Berlin, 15. Okt. Wie der „Nieuwe Rotierdamsche Eow' raut" meldet, sind di« beiden deutschen Kreuzer ^Scharnhorst" und „Gnei scn a u", nachdem sie Papete aus Tahiti in Brand geschossen haben, vor Apia, dem Hasen der Samoa-Insel erschienen. Die Neuseeländer, die Apia besetzt haben, bereiteten sich auf einen Angriff vor, aber die Kreuzer dampften nach einer Stunde wieder weg. Offenbar wollten sie ihre eigene Stadt nicht beschießen. (Ctr, Bln.)
Das Kriegsrccht in Portugiestsch-Kongo.
Lissabon, 15.Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Der Gouverneur von Angola hat für Portugicsisch-Kongo das Kriegsrecht erllärt.
Lille.
Tie strategffch wichtige Besetzung von Lille durch die deutschen Truppen teuft die Aufmerksamkeit auf diese alte Hauptstadt Frau- jösisäi-Flanderns. Mehrmals tu der^ Geschichte ist Lille Zeuge gewaltiger Schlachten gewesen — es seien nur die Namen Bou- vines und Fomenay genannt —, mehrfach nt Lille selbst um- ftritten worden; 1708 wurde die Stadt durch den Prmzen Eugen nach hartnäckiger Belagerung genommen, l^0, belagerten Oesterreichs Truvpen sie vergeblich. Lüle ehemals l'Jsle lJniel), nach ihrer Lage zwischen Lys und a,eule genannt, liegt inmUten ttncr fruchtbaren, an Wasseckäuten und Kanälen auhcrordentlich rnchcn Landschaft. Nähert man sich etwa, von der belgischen Seite herkommend der Stadt und bcstttgt bei Mouseron den lMonl" (in Flandern hat jeder Maulwurfshügel Anspruch aus den Namen Mont), so steht man wie gleich hinter dem Grenzbache


