Einzelbild herunterladen

r. 252 Zweites

Erscheint täglich mit Ausnahme dcL Sonntags.

DieSietzenrr Kamillenblätter" werden dem »Anzeiger' viermal wöchciiltich beiqelegt, da? Krcfsblott fär den Urei; Sietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirlschastlichen 3eit- sragen" erscheinen monatlich zweimal.

General-Anzeiger für Gberhesjen

Samstag, 3. Oktober 19^

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'icheo

Universität-? - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gieße».

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: e^gEil. Redaktion: ^^112. Tel.-AdruAnzcigerBießen.

Die englische Schuld am Kriege.

Kopenhagen, 2. dt.Nationaltidende" verösfent- f)t folgende Aeußcrungen des Staatssekretärs des utschcn Auswärtigen Amtes v. I a g o w, die eine Antwort * f das jüngst veröffentlichte Interview mit dem englischen iterstaalssekretär Acland darstellcn:

Unterftaatssckretär Acland behauptet, das Eingreifen Eng» rds in den Krieg sei darauf zurückzuführeri, dag Deutschland ^ Neutralität Belgiens verletzt habe. Ich kann nicht au.iehnieu, Ü diesem hohen Beamten des Foreign Office unbekannt sein lte, daß Sir E. G r e» in seiner Rede im englischen ater Haus am 3. August erklärt hat, er habe dem sran- ischen Botschafter bereits am Nachmittag des vorhergehenden iges, also am 2. August, die vollste Unterstützung der zlischen Flotte für den Fall zugesichcrt, dass die deutsche Flotte ,cn die französisch« Küste oder die französische Schiffahrt vor M. Erst in der Nacht vom 3, auf den 4. August abends erfolgte Verletzung der belgisckieu Neutralität durch deutsche Triw»cu. enso wenig kann der Unterstaatssekretär vergessen baden, daß r E. Grey in seiner Unterredung mit dem Fürsten L i ck - > ws kn am 1. August es ausdrücklich abgelehnt hat, Deutschland Neutralität Englands für den Fall zuzusichern, dass Deutsch- rd die Neutralität Belgiens respektiere. Es handelt sich daher r einen, nicht einmal besonders geschickten erneuten Versuch, Welt über die Motive ir rez u hrc^r, die der englischen -terligirng an, Kriege zugrunde liegen, sie bestehen nicht in icr altruistischen Fürsorge für die Unabhängigkeit und Jnte- ität Belgiens. Diese war nicht bedroht, wir hatten sic Eng- rd ausdrücklich zugesichert. Wer es ist begreiflich, daß ein md, das seine Kolonialherrschaft auf den Trümmern anderer aaten aufgebaut hat, ein Land, das sich wie in jüngster Zeit noch Aegypten so oft über gegebene Versprechen und inter- tionale Verträge hinweggesetzt l>at, dieser Zusicherung nicht inte. Ein Deutsches Sprichwort sagt: Man vermutet niemand rtrr einem Busch, hinter den, man nicht selbst gesessen hat. So achte in der Vhontasie der englischen Staatsmänner das Schreck- spenst einer Besetzung Antwerpens durch deutsche Truvveu aus, d wie Sir E. Grey Frankreich die englische Hilfe sckwn für n Fall einer Bedrohung von Calais und Cherbourg durch die utsche Flotte zugesichert hatte, so vcranlaßte schließlich die Be- rgnis, ein Teil der Südküste des Kanals könne den schwachen indcn Belgiens entrissen und zu einer Operationsbasis für : deutsche Flotte werden, England nicht nur, sich selbst am :iege zu beteiligen, sondern auch zu dem furchtbaren Ver - :echen, das bedauernswerte Belgien zum Wider- and gegen den deutschen Einmarsch zu ermu- g e n. Die Haltung Englands ist somit lediglich durch den icklichtslosen englischen Eigennutz bestimmt wor- n, der überhaupt für den ganzen furchtbaren vieg verantwortlich ist. Wenn heute auf den Schlacht- dern des Konttncnts die Söhne Deutschlands, Oesterreichs, cankreichs und Rußlands für das Vaterland verbluten müssen, trifft die moralische Verantwortung dasür mit in erster Linie e englische Politik, die unter der Formel der Erhaltung des ropärschen Gleichgewichts andauernd die chauvinistischen Strö- irngen in Frankreich und Rußland gegen Deutschland crmuttgt rd damit einen Zustand der Spannung auf dem Kontinent rvorrrcf, der sich im gegenwärtigen Krieg entladen hat. Von her ist es die englische Politik gewesen, die Völker des Kontinents geneinandcr auszureizcn, um selbst ungestört die Welt beherrschen t können.

Adolf Harnack und die englischen Theologen.

In dein nunmehr erschienenen 1. Kriegsheft der Fnter- ationalen Monatsschrift für Wissenschaft, Kunst und Technik ird im Anschluß an die Rede Adolf von Harnacks bei der eutsch amerikanisijen Shmpathiekundgebung im Berliner äthaus am 11. August ein Brief veröffentlicht, in welchem :ne Anzahl hervorragender englischer Theo- ogen unter dem Ausdruck hoher persönlicher Verehrung nd Dankbarkeit für Harwick und andere deutsche Lehrer >ren Schmerz darüber ausspricht, daß Harnack das Ver­alten Großbritanniens in dem gegenwärtigen Kriege als as eines Verräters an der Zivilisation habe be- eichnen können. Die wirklichen Motive Großbritanniens igen in der Notwendigkeit, für die verletzte Neutra- ilät Belgiens einzutretcn, und sie seien der festen cberzengung, daß Großbritannien in diesem Kampfe für iecht uni» Gewissen für Europa, die Menschheit und dauern- en Frieden sechte.

Adolf v. H a r n a ck antwortet darauf, daß er das Wort Verräter an der Zivilisation nicht gebraucht habe, daß es

picardische Stättebilder.

(Peronne - Mbert Dapwime.)

Auf dem rechten Flügel unserer Schlachtlinie in Frank- eich sind, wie die amtlichen Meldrmgen kundgcben, die m Nordufer der Somme gelegenen Städte Per o n ne und l l b e r t heiß umstrittene Punkte,,in denen unsere Truppen ckstvere Angriffe der Gegner abwehrten und siegreich Vor­rängen, Auch 1870 wurde um Peronne schwer gekämpft, damals war es eine nicht unbedeutende Festung, die wochen- ang belagert und bescl>ossen werden mußte, ehe sie ihre öore den Deutschen öffnete. Auch deute, wo die veralteten Festungswerke nur noch geriugen Wert haben, schützt Zeronnc den Uebergnag über die Sonrme, die auf beiden lfcrn von Morästen und Torfmooren begleitet wird md so eine natürliche Verteidigungslinie der Franzosen >ild«t. Südlich der Stadt, wo die Cologne der Somme zu- licßt, dehnt sich ein langgestreckter, durch seinen Fischreich- itm bekannter Teich mit genrüsebebauten Inseln. Eine iroße, vielbogige Steinbrücke und die von der Linie nach IZaris benutzte Eisenbahn brücke sind die einzigen für Trup- >en brauchbaren Verbindungen na<b dem Südufer, wo das Dörfchen Tresty liegt, bei dem Pipin von Heristal durch einen Sieg im Jahre 687 die Herrschaft über Frankreich :rlangte. Ten Rdittelpunkt des kaum 4000 Einwohner zählen- >en Landstädtck>ens Peronne bildet dieGrande Place" mit dem Denkmal der Katharina von Poir, die wie eine zweite Jungfrau von Orleans die Stadt lo36 erfolgreich gegen las Heer Karls V. verteidigte. Ueber dem Gewirr der engen rlten Gassen thront hoch bas Schloß» in dessen Burgverließ Karl der Einfältige Hungers sterben mußte und Karl der Kühne den abenteuerlichen Ludwig XI. gefangen hielt. Heute prent das Schloß» dessen Mauern noch die Spuren der deut­schen Kugeln aus dem letzten Kriege zeigen, als Kaserne und Militärmagazin. Von seinem Söller bietet sich eine weite Fernsicht über che Picardie bis zu den die Grenze gegen die Grafschaft Artchs bildenden Kreidehöhen. stloch zieht sich um die Stadl der alte Festmigswall, gleichsam um sie vor den

aber sein Urteil über bas Verhalten Großbriranniens richrig wiedergebe. In einer glänzenden Deweisführimg, in welcher er die angebliche Verpflichtung Großbritanniens, für die bel­gische Neulralität cinzutrelen, den elendesten aller Vorwände nennt, schreibt er u. a.:

Nicht wir sind es gewesen, die die Neutralität Belgiens ver­letzt haben. Belgien, wie wir befürchten mußten und wie wir jetzt, durch Tatsachen belehrt, immer deutlicher sehen, war schon längst mil Frankreich im Bunde und mit Ihnen. Frankreichs Flieger schwebten über Belgien, bevor wir cinmarschicrten, Abmachungen mit Frankreich haben stattgeiuudcn, und in M a » b e u g e hat man ein Arsenal mit englischer Munition gesunden, das vor der Kriegs­erklärung angelegt war. Dies Arsenal Sie wissen, wo Mau­beuge liegt! weist aus Verabredungen Großbritanniens mit Frankreich, bei denen auch Belgien eine Rolle gespielt hat. Diese Verabredungen liegen heute aller Welt vor: denn der Kreis der Beweise ist geschlossen und dasbetrügcrischcSviclGroß» britanniens ist ausgedeckt. Trc haben Belgien zum Kriege gegen uns ermutigt und verpflichtet, und dal>er fällt aui Ihr Haupt die furchtbare Verantwortung für all das Elend, das dieses arme Land getroffen hat,

Grey nicht in Italien,

Rom, 2. Okt. Die im Ausland verbreitete Nachricht, daß Grey nach Italien gereist sei, wurde halbamtlich als un­richtig bezeichnet. Uebrigens dauern die englischen Versuche, Italien aus seiner neutralen Stellung hecauszulockm, mit allen Mitteln sort. Sie sind jedoch aussichtslos.

Dciujcbc Kolonien.

Die Besetzung von Lüderitzbucht.

Kapstadt, 2. Lkl. Lüderitzbucht wurde von den süd- astikanischen Truppen am 26. September bcjctzt. Die englischen Strcilkräste hatten sich der Stadt gegen Abend genähert. Zwei Tage zuvor hatten Offiziere die Stadt mil einer weißen Fahne zur Ucbergabe ausgesordert. Man glaubt, daß sich die Besatzung am 18, September nach Zerstörung der Eisenbahnen zurückgezogen habe. Ae Deutschen haben alles unberührt gelassen mit Aus­nahme der Station für drahtlose Telegraphie, die sic zerstörten. Ae Engländer haben nur sehr wenig Lebensmittel und Geld gesunden.

Die Zungwchr während der Krieges.

Der Zentralausschuß der Volks- und Jugendspiele in Deutschland bittet uns um Aufnahme folgender Ausfüh­rungen:

Mit der Einführung der Jungwehr, wie ire durch den gemeinsamen Erlaß der Minister des Krieges, Kultus und Innern für Preußen angeordnct ist, soll während der Kriegszeit die noch nicht dienstpflichttge männliche Jugend über 16 Jahre zu militärischer Vorbildung, solveit sie ohne Gewehr möglich ist, zusammengcsaßt werden. Die Beteiligung ist eine freiwillige, muß aber für jeden jungen Mann als vaterländische Ehrensache gelten. Die Königlichen Regierungen haben die Gemeindebehörden in Stadt und Land angewiesen, mit der Bildung einer Jrmgwehr ungesäumt vvrzngehcn. Die Gemeinden dürsten daher gegenwärttg mitten in der Vorbereitung sein. Zu dieser bedeutungsvollen Sache hat sich jetzt auch der Zentralausschuß sür Volks- und Jugendspicle in Deutschland, der schon seit vielen Jahren NackKruck auch aus die Hebung der Wehrkraft hiirwirkt, geäußert, indem er den etwa 950 deutschen Gemeinden bis zu 6000 Einwohnern Material zur Durchführung ihrer Ausgabe übermittelt hat. In dem An­schreiben sagt der Vorsitzende, Mgeordneter Dr, von Schencken- dorss, daß die Jungwchr sich infolge ihres hohen vaterländischen Charakters weit über jede andere freiwillige Einrichtung dieser Art hcraushebe und auch volksgesundheitlich von großem Werte ser, da nach den beigegebenenRichtlinien" die reine körper­liche Ausbildung mit der militärischen Hand in Hand zu gehen hat. Von den Gemeinden steht zu erwarten, daß sie die Beteiligung der jungen Leute an den Hebungen weitgehendst erleichtern wer­den. Von wesentlicher BedeuMng für den Erfolg wird der Um­sang der Uebungszeit sein. Wenn hierfür mehrfach zwer Stunden am Sonntag nachmittag in Aussicht genommen werden, so wird diese Zeit als Mindestumfang anzusehen sein, aber, um das Ziel baldmöglichst zu erreichen, voraussichtlich von vielen Gemeinden überschritten werden. So hat Kiel die Uebungen aui zweimal in der Woche, sonne am Sonntag nachmittag in seinem Aufruf in Aus­sicht genommen, was auch anderwärts möglich sein dürfte. Bei all- seittgem guten Willen wird cs aber in sehr vielen Orten gelingen, eine mittlere Uebungsdauer herbeizusühren: je einmal in der Woche und am Sonntag nackmiittag, sowie an zwei Wenden je eine Stunde Unterweisung. Schwierigkeiten weiden in der Ge­winnung geeigneter Lehrkräfte liegen, da die geeignetsten zu aller­meist im Felde stehen. Wer dies Hemmnis kann nicht unüber-

Wasscrmassen der vorgelagerten Teiche und Sümpfe zu be­schützen. Weiter draußen wechseln Getreidefelder mit großen Rübcnackcrn; nur ab und zu sieht man ein kleines Gehölz, und hohe Ulmen, die ein Kirchturm überragt, zeigen an, daß hinter ihnen ein Dorf versteckt liegt.

Das ein wenig größere Städtchen Albert liegt nicht direkt an der Somme, sondern mehrere Kilometer abseits om dem kleinen Flüßchen Ancre, dessen Namen es früher selbst trug, bis Lridwig XIII. Günstling Albert von Luhnes es sich zu Ehren in Mbert umtauste. Auch im Tal der Ancre dehnen sich weite Moore und Sünrpfe, die nur auf wenigen, schwer zu beschreitenden Pfaden sicher durchquert werden können. Mberts Sehenswürdigkeit sind seineAlpen". Der Mutz bringt aus seinem Oberlauf viel Statt mit, crus dem unweit der Stadt, wo er in raschem Lauf über steile Whänge dahin- sließt, Tropfsteinhöhlen und eigenartige Ktalkgrotten sich ge­bildet haben. Sie sind der Stolz der Bewohner von Lllbert und werden während der alljährlichen Wallfahrten im Sep­tember viel besucht. Tenn Notre Dame de Brebitzres birgt seit dem 1l. Jahrhundert ein heiliges Bild der Jungfrau Maria, zu dem im Herbste viele Tausende wallfahren und Heilung suchen. Früher stand das Bild, das nach der Legende das Schas eines Hirten ausgescharrt haben soll, in einem kleinen Kloster außerhalb der Stadt, bis Ende des verganl- genen Jahrhunderts eine große kathedralenartige Kirche in­mitten des kleinen Städtchens errichtet wurde, die heute das Ziel aller Wallfahrer aus Nordfrankreich ist.

Nicht mehr zur Picardie gehörig, wohl aber nahe an die grenzend, hat auch Dapaume, wie 1870/71, in den jetzigen Kämpfen wreder eine große Rolle «spielt. Bon den zwischen Peronne und Bapaume gelegenen Bergen sieht man im Halbkreis um Bapaume die Dörfer Ztavreuil, Avesues, Thilloh »"8 Ligny, bei denen in den ersten Januartogen des Jahres ix/1 die Truppen Goebeus der Uebermacht der fran­zösische» »wrdarmee unter Faidherbe heldenmütigen Wider­stand leisteten, bis die Kraft des Gegners erlahmte und er zum Rückzug gezwungen wurde. Unweit Favreuil erinnert

ivinolicki feilt. So wird in einem Artikel desMilit. Wochcnbl." vorgesckilagcn, in den schwierigsten Fällen dieser Art die geeigneten Kräfte aus dem Felde zurückzurufcn, was dort numerisch kaum ins Gewicht fiele. Jedenfalls ist der ftaatlidK Plan der mili­tärischen Vorbildung allgemein um so mehr kräftigst zu fördern, als nach einer Mitteilung derTägl. R." Franlrcich die Ein­berufung der ILsährigen Rekruten des Jahrganges 1915 schon sür den Oktober d. I. angeordnrt hat. _

Au» Stadt und Land.

Gießen, 3. Oktober 1914.

Erntedankfest.

Erntefest in der Kriegszeit! Lob- und Danklieder in den Tagen, da die Not uns so schwer ans der Seele lastet, da edles, teueres Leben vom Tode dahingemäht wird wie das GraS im Juni und da uns der Famftrer alter Eltern, junger Witwen und vaterlos gewordener, lleiner Kinder die Ruhe des Tages und den Schlaf der Nächte raub Illlerdings, wenn das Erntefest feiern so viel hieße a.. jubeln und ausgelassen sein, so würden wir mit seiner Feier unser Gewissen schwer belasten M»er wir wollen nicht jubeln, wir wollen uur die Hände falten und still die Treue Gottes preisen, die uns auch mitten in diesemi großen Böllerringen nicht verlassen hat. Wer die Geschichte kennt, weiß, daß der Hunger eine Begleiterscheinung de- Krieges ist. Durch den Hunger, durch das Wschneideu un­serer Zufuhrlinien gedachten unsere Gegner, vor allem die Engländer, uns uiederzuzwingen. Ihre Anschläge sind zu Sck)anden geworden. Das große Sterbejahr 1914 ist ein gutes Erntejahr gewesen. Wir sind, wie unsere National- ökonomen sagen, mindestens auf 11 Monate hinaus mit | Brotfrucht versorgt. Das Grenzland im Osten blutet aller-: dings jetzt aus tausend Wunden, aber sonst sind im deutschen' Vaterlande Städte, Dörfer und Felder unbeschädigi. Der Landmann geht hinter seinem Pfluge her und bestellt das Feld zur Wintersaat, weithin streifender Rauch lenkt den Blick auf die Felder, auf denen die gut geratenen Kartoffeln eingesammelt werden. Wenig junge Männer sind auf den Aeckern zu sehen, aber die Arbeit wird doch getan; denn, die Weißhaarigen, die nicht ganz Gesunden, die Frauen und Kinder greifen tüchtig zu.

Jedoch nicht nur in diesem Jahre, nein überhaupt in den letzten Jahrzehnten ist die deutsche Arbeit mit aller Treue getan worden. Das beweist die Ausbringung der Milliardenanleihe innerhalb weniger Wochen. Deutschlau- war früher ein armes Land, jetzt ist es reich. Reich ge­worden ist es durch seine Arbeit. Der Bauer hat im Schweiß, seines Angesichtes gesäet und gepflügt, der Fabrikarbeiter stand jeden Tag mit dem Glockenschlag an seiner Maschine, der Handwerksmeister ist zielbewußt seinen Weg gegangen, der Kaufmann bat gerechnet und kalkuliert. Mächtig hat sich nach 1871 die deutsche Industrie entfaltet, und die deutschen Schisse liefen die Häfen der ganzen Welt an. Daß wir fleißig und erfolgreich waren, hat den Neid der Engländer erregt und im letzten Grunde diesen großen Krieg über uns gebracht.

Der deutsche Meiß und Idie deutsche Treue, sie sind herausgewachsen aus dem deutschen Gottesglauben, aus dem Glauben, daß Gott alles in allem ist, daß er nickst nur den Segen der Felder spendet, sondern auch die Ge­schicke der Völler und die Seelen der Menschen so lenkt, daß alle nützliche Arbeit gedeihen kann und ihren Lohn findet. In den neun Wochen des Krieges hat sich mancher wieder zu dem Gott seiner Kindheit zurückgefunden, und Tausende haben erkannt, daß in unruhigen, harten Zeiten Gottesfurcht und Glaube allein den Menschen Festigkeit verleihen. Diese Festigkeit wollen wir uns auch für die Zukunft bewahren.Durchhalten", das war das Leitmotiv aller Reden, die neulich bei der machtvolleu Kundgebung der Wirtschaftsverbändc Deutschlands in Berlin gehalten worden sind. Wir, die wir nicht im Felde stehen, wollen ein jeder an seinem Posten unsere Schuldigkeit turt, daß unser wirtschaftliches Leben im Gange bleibt und wir unsere kämpfenden Brüder versorgen können. Mr viel« gemeinnützige und künstlerische Bestrebungen, die seither di« Menschen in Atem gehalten haben, wird nach dem Krieg« kein Platz mehr sein, wir werden von Grund aus umlernen

eine ho^Pyramide an jene Schlacht. Auch Bapaume war früher befestigt, wurde aber schon Mitte des 19. Jahrhun­derts als Festung ausgegeben. Freilich ziehen sich noch immer Teile der alten Mauern um die Stadt, hinter denen 1871 di« Deutschen Schutz vor den franzölrscheu Gewehrkugeln fanden. Das Land von Bapaume gleicht dem von Psroune und Albert. Getreidefelder wechseln mit Rübenplantagen und nur bin und wieder denken große Raps- oder bunte Nelken selber darauf hin, daß auch Oel gewonnen wird. Erst in der Rich­tung auf Cambrai zu mehren sich die Gehölze, um bald großen Wäldern Platz zu machen, wie sich auch südlich, der Somme, an den Ufern der Oise, breite Waldgürtel hinziehen.

Der Kinernatogravh im Dienste der Astro­nomie. Der erste Versuch, die Fortschritte des Kinematographen der Astronomie dienstbar zu machen, wurde für llnterrichlszwrcke im Jahre 1897 von Camille Ftammarion unternomiPen, der in dem Saal der französischen Astronomischen Gesellschojt ein Bild der Drehung der Erde im Raume projizieren ließ. Danach führte Lcnoir eine Reihe von kincmawgravhischen Bildern vor, die die Drehung der Erde um ihre Achse, die Mondphasen usw. veran­schaulichten Während es sich hier nur um geschickte Rekonstruk­tionen handelte, wurde der Kinernatogravh zum erstenmal für ei­gentliche Forschungszweckc bei der Sonnenfinsternis vom 17. April 1912 in großem Umfange angewandt Gegenwärtig werden nun, wie die World berichtet, noch weitergrhende Anwendungen des Kine­matographen sür das Studium der Bewegung und der Verän- derungen der Sonnenflecken, für die Bedeckungen von Sternen und Planeten durch de» Mond, die Veränderungen der Mondoberflach« unter den Sonnenstrahlen usw. versucht. Es sind verlchrcoene astronomische Stationen über die Erde verteilt, deren Arbeiten nn- ander ergänzen- so daß man allmählich eine ununtewrochene strllung der Phänomene am Himmel zu erlangen hont.

Die große, di-,eiserne Zeit", -ine hiftory» Komödie mrs den Freiheitskriegen von Curt Mulle Mitte Oktober im Stodttheater M Hanau sem« Er,tausfilhrwt, erleben.