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b« n. Der Gasthoß in dem wir gewohnt batten, verschiedene andere Gedöste und Häuser waren zerstört. Sir stellten nur iwch Trümmerhaufen dar. Leichen fanden wir zwischen Schntthanfen und nicht einmal ganz. Einzelne Leicheutcile waren in nicht «sicher zu gebender Atrise besudelt. Es bot sich uns ein grauenvoller Anblick, den ich nicht vergessen >verde Was wir an Wagen zusammcnbringen konnten, schafften wir zusammen, um Frauen. Kinder und Greife und deren allcrnotwendigste Labe zu retten. Insgesamt hatten wir rund IbOlangeLeiterwagen zusammengebracht. Kaum noch brauchbare Pferde muhten die Bespannung bilden. Biele von ihnen waren zu alt und manche von ihnen brachen zusammen, ehe unsere Flilchtlingskarawaue eist recht in Gang kam. Endlich waren »dir so weit, dah sich unser trauriger Zug in der Richtung auf das entfernte Soldau in Be- Ivcgung setzen konnte. Unterwegs sahen wir überall blutenden Herzens die gleichen Greuel. UeberaU fanden wir auch Leichen von Ermordeten vor, vornehmlich aber von Frauen. Einig« Stunden unterwegs, sahen wir uns plötzlich von russischen Truppen umzingelt. Schon fürchteten wir nun auch des Letzte, was wir noch hatten, ya verlieren. Und nicht nur das. Wir fürchteten uni unser Leben und das der Frauen in unserer Karawane. Da tauchten in höchster Not deutsche Reiter am Horizont auf, die . . . Ulanen und die . . . Dragoner. In loenigen Minuten kam es in unserer Nähe zu einem blutigen Zusannncnswß. Bald pfiffen auch uns die Kugeln um die Ohren, wenig später waren die Geg­ner dicht auseinander und in einem wütenden Handgemenge. Mit Freude konstatierten wir, dah auf deutscher Seite nur wenig» Mann sieleic und daß die Russen die größeren Verluste an Toten hatten. Die Rüsten suchten bald das Weite.

Aber dann meldete sich auch der Hunger. Das einzige, das wir bei unserer Flucht nritnehmen komrten, war verbraucht, es mußte auch den weinenden und schreienden Kindern überlassen bleiben. Doch Hunger trecht 's ein. Kohl und Runkelrüben rissen wir aus dem Boden und verzehrten diese Feldfrüchtc mit einem wahren Heißhunger. Schließlich hatten wir auch keine Geräte und das notwendigste Material, um uns etwas zu kochen. Es gelang uns, frei irmihcrlauscnde Kühe cinzufangen, die den Kleinsten die Milch liefern mußten. Am nächsten Tage wurden wir nochmals von den Russen überfallen, aber auch jetzt erschienen unsere braveu Soldaten rechtzeitig, um uns vor dem .'lergtzen zu bewahren. In Secburg hatten die Russen besonders schlimm gehaust. Am Waldesrande fanden wir eine Reihe er­mordeter Frauen, viele von ihnen mit zerschnittenen Brüsten. Grauenvolle Bilder boten sich uns dar, die wir alle nie ver­gessen werden....

Noch rund 14 tägiger Fahrt in den Leiterwagen kamen wir in Soldau au, vollkommen ermattet, lind beschmutzt sahen wir aus! Die reinsteu Neger! In Soldau unterstützten uns Soldaten bei der Verladung der Sachen nach Berlin. Wagen und Pferde bkrchcu Ar mllitärische Zwecke zurück. Bei Soldau hatte kurz vorher ein Kampf stattgesirnden. Hier und da lagen noch ge­fallene Russen. Mit der Eisenbahn kamen wir, nach Tannenberg, wo Hindeuburgs tapfere Armee inzwischen die 'große Schlacht ge­schlagen hatte. Einen zweistündigen Aufenthalt benützten wir Männer zur Besichtigung eines Testes der Schlachtfelder. Noch jetzt boten sich aus schreckliche Anblicke dar. In Sümpfen und Seen konnten wir noch ums Leben gekommene Rüsten entdecken. Biele unserer deutschen Brüder lagen noch verbunden auf dem Schlachtfelde, da sie nicht alle so schnell abtransportiert werden konnte».

Schlimm war es auch hier mit den Nahrungsmitteln bestellt. Hier in Tanrrenberg bekamen wir ebensowenig das notwen­digste Essen wie in Soldau. Endlich kamen wir auch in Thorn an. Es war nachts 3 Uhr. Sechs Stunden hatten wir Zest. Nahezu 4)000 Flüchtlinge hatten sich hier bereits zusmnmengefunden. Das erste, nwzu wir alle das größte Bedürfnis hatten, war eine gründ­liche Reinigung. Das Rote Kreuz versah uns mit frischer Wäsche. Und dann gab es warmes Essen. Wie sind wir nach unserer ermüdenden zwei Wochen langen Fahrt über dieses Essen hcrge- sallc»! Erbsemsuppe gab es und Boot. Immer wieder mußten die Kessel gefüllt werden und inrmler wieder worden sie auch geleert. Frisch gestärkt, ging die Fahrt weiter über Bromberg und Schneide- urühl, wo wir wiederum vom Roten Kreuz beköstigt wurden. Und je näher wir dem Herzen Deutschlands kamen, um so bepcr wur!» unsere Aufnahme. Ueber Landsberg a. d. Warthe ging es nach Ber­lin. In mustergültiger Weise wuchc hier für uns gesorgt. Ruhe war uns einstweilen das Kehße. Am 20. September war für uns ostpreußischeu Flüchtlinge Gottesdienst im Berllner Dom, der uns unvergeßlich bleiben unrb. Hofprrdiger Dry ander sprach. Ein jedes Eckchen und ein jedes Plätzchen war besetzt. Ruhe haben wir nun für die nächsten Tage. Wie aber werden wir wicdersinden, was unr verlassen mußten? und wie wird sich dann unsere nächste Zu­kunft gestalten...

Au§ dem Reiche.

Berlin, 1. Okt. (WTB. Nickitaiittlich? Im Aufträge des Kaisers hat der Generalintendant des Feldheeres, General­major v. Schaler, derAllgemeinen Fleischerzeitung", ?lkffen- gesellschaft, mitgeteilt, daß der Kaiser die Spende der deut­schen Fleischermeister an Schinken, Speck, Wurst und Dauerwaren, sowie Fleischkonserven mit Dank annimmt. Tie Allgemeine Fleischerzeitung" hat demgemäß eine Sammlung solcher Liebesgaben eingeleitet, dir in großen Ladungen dem Wesd- und Ostheer zugehen werden,

Berlin, 1. Okt. <WTB. Amtlich.) Eine von dem preu­ßischen Handelsminister vewnlaßte Rundfrage über die Liefe­rungsbedingungen der Konditionenkartelle hat zu dein Ergebnis geführt, dah die überwiegende Mehrzahl dieser Kartelle die von der Staatsvegiernng ausgestellten Grundsätze an­erkannte. Lediglich bei einigen Konventionen der Texttsbranche bestellen noch Abweichungen, aber auch bei diesen nur bezüglich einzelner Punkte sencr Grundsätze. Bor der Entschließung über die Maßnahmen des Bundesrats zur Beseitigung der noch be- stehenden A bweichungen sind Verhandlungen zwischen den ein­zelnen Lieferanten und Abnehmerverbänden unter Detcstigung ininisterieller Kommissare eingelestet worden. Für die Tuchbranche haben solche Verhandlungen bereits mit dem Ergebnis der An­erkennung der niinisteriellcn Grundsätze m ihren wesentllchcn Punkten stattgcfunden.

Mannheim, 1. Okt. Die Reichst« asersatzwahl für den gesallenen Abgeordneten Dr. Frank Soz.) im 11. ba­dischen Rcichstagswahlkrcisc Mannheim-Schwetzingen-Weinheint findet am 17. November statt.

Kirche und Schule.

Dir Miss«» mid der Krieg.

Bon Herrn Geh. Kirchenrat v. Schlosser erhalten wir folgenden Brief zum Abdruck:

Daß Sic dem Artikel über die wahrhaft vaterländische Hal­tung unserer deutschen Mrssionsgririlschaften Ausnahme gewährt haben, verpflichtet nrich mit allen Missionssteunden zu lebhaftem 'Dank. Denn cs trist dadurch die sonst nicht immer genügend be­achtete Tatsache in ein helles Licht, daß unsere Missionen sich der hohen Bedeutung der Mission sür die Ersüllung der großen '.Mtmifgaben unseres Volkes klar bewußt sind. Freilich nicht in dein engherzig selbstsüchstgen Sinne will das verstanden sein, wie es vielfach in England und Amerika der Fall ist, als ob di« Mission direkt der Ausdehnung der politischen Macht ihres Volkes den Weg zu bahnen haben. Aber doch so, daß, die Erziehung der Naturvölker zu einer hölzeven Stuft der Menschlichkeit die Grünt», lieöstrgung eines wirklichen Gedeihens unserer Koloinen ist. Denn über dem niedrigen Standpunkt, der die Ettrgeborenen nur als Arbeitstiere bewertet und daher jeder Aufwärtsentwicklung ihrer geistigen Fähigkeiten mißtrauisch gegenübersteht, sind wst doch glücklickt hsturus. ,

Deshalb darf die Mission in unseren Kolonien auch in diesen sckNveren Zetten, in denen unsere Teilnahme naturgemäß unseren nächsten Nöten.und Sorgen, unseren Soldaten, unseren Berwun- deten. unseren Arbeitslosen und ohne Schuld in Sorge Geratenen, und nickst zuletzt unseren ausgeplönderteii Volksgenossen im Osten und Westen gilt, doch nicht ganz im Stich gelassen werden. Wst

dürfen imseren Miiswusgrsellschäften die Mittel nicht verweigern,

die sie bedürsen, uin ihr Werk so weit im Gange zu halten, vor allem um chr Personal, so weit es nicht mit im Heere steht, so lange zu erhalten, bis die Zeitläufte den Wiederbeginn des Werkes draußen gcslattcn. Mrnrtt erfüllen ivir geradezu eine hohe vater­ländische Pflicht. In diesem Augenblick, in dem die Engländer ihre gierigen Hände nach Ostafrlka, Südwestafrika, Kamerun, Togo und nachnnserem Besitz in der Südsee ansstrecken, um das alles rühmlos als Beute ernzuheimsen, sollten wir unsere Zuversicht, dah wir das alles schließlich wieder gewinnen und unsere friedliche Arbeit dereinst dort wieder treiben werden, unter ande­rem auch dadurch bezeugen, daß wir unsere dor­tigen Missionen über Wasser halten. Hunderte von Männern und Frauen der evangelischen und katholffchcn Mission stehen eben da draußen auf Dorposten in Not und Gefahr. Das Vaterland darf auch sic nicht im Stich lassen. Neben all dem, uns wir sür Rotes Kreuz und anderes opiern, wird doch hoffent­lich auch noch dafür ein Schcrflein übrig sein.

Hochachtungsvoll

L). Schlosser.

Rom, 1. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Mel­dung desMessagers" ist Kardinal-Staatssekretär Fer­ra to an einer Blinddarmentzündung erkrankt. Die Krankheit ist nicht schwer, doch erregt sic auch wegen des Alters des Patienten Besorgnisse. Gestern abend lvar die Temperatur zurückgegangen: das Allgemeinbefinden hat sich gebessert.

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IM FELDE

erwarten unsere Angehörigen aus der Heimat Nachrichten über die Vorgänge daselbst und über die Ereignisse und Fortschritte auf den Kriegsschauplätzen.

Durch die regelmäßigeUebersendung des

Gießener Anzeigers

kann mancher lebhafte Wunsch erfüllt werden. Die Nachsendung des Gießener Anzeigers ins Feld erfolgt am zweck­mäßigsten durch die Post. Man bestelle ihn deshalb bei den zuständigen Post­ämtern vom I.Oktober an unter genauer Angabe des Namens, des Armeekorps, der Division, des Regiments und der Kom­pagnie. Außer dem üblichen Bezugspreis erhebt die Post nur eine monatliche Umschlaggebühr von 40 Pfennig. Be­stellungen nimmt außerdem entgegen die

Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers.

V__/

An» Stadt und La«-.

Gießen, 2. Oktober 1914.

** Ritter des Eisernen Kreuzes in Hessen: Major Stephan vom Jnf.-Regt. 116 (Major Stephan ge­hört dem Regiment seit 25 Jahren an). Lt. d. R. Gerichts^ assessor Hermann Raab und W. Rittcrshausen ans Wetzlar. Lt. u. Back-Adj. Erich Ruppert, Jns- Regt. 168. Regierungsbaumeister K a u s, Oberlt. d. R. vom Jnf.-Regt. 168. Freiherr v. Stetten, Oberstll. und Kom­mandeur des Drains des 18. Armeekorps. S e lza m, Major im 24. Drag.-Regt. Oberst Petery vom 25. Art.-Regt. Rittmeister H o e g n e r von der 18. Train-Abt. Hanptmann Krug von Nidda vom Feldart.-Regt. 25. Wachtmeister Ehrenhardt von der 5. Eskadron des Drag.-Regts. 24. Sanitätsfelchoebel Jaath und FeDwebel Karn vom Jnf.-Regt. 168.

** Charpie kommt wieder zu Ehren. Da die Banmwollpreise stark in die Höhe gehen und die Beschaffung von Berbandwatte infolge der unterbundenen Einfuhr von Baumwolle bald ans große Schwierigkeiten stoßen dürfte, wird in den hiesigen Reservelazaretten von jetzt ab sterili-z sierte Charpte statt der Mitte in Benutzung genommen. Es wird daher gebeten, aller Orten fleißig Charpie zu zupfen! und sie baldigst an die Geschäftsstelle des Roten Kreuzes, Liebigstraße (Alle Klinik) abliefern zu wollen.

** Für die Blauen. In der jetzigen Kriegszeit, in der Liebesgaben für die Vaterlandsverteidiger geschenkt werden, sollen natürlich auch dieKämpserznrSee nicht vergessen werden. Der Vorsitzende des Marine-Vereins Gie­ßen, Gg. Heb streit, ist bereit, Liebesgaben jeder Art an Ort und Stelle zu senden. Ueber die bereits an die Seehelden gelangten Liebesgaben quittieren einige Dankschreiben. Das Kommando der 2. Matrosen-Artillerie-Abteilung schreibt: Für die meinen Matrosen-Artilleristen zugewiesene Zi­garrenspende spreche ich Ihnen meinen verbindlichsten Dank aus mit der Bitte, den dorttgen alten Kameraden zu sagen, wie warm mich dies treue Gedenken berührt hat. P e t r u s ch k y , Kontrc- Admiral z. D. Bon dem Kommando des SchiffesHessen" ging folgendes Schreiben ein:Für die erneute, sehr willkom­mene freundliche Uebersendung der Liebesgaben spreche ich dem Marine-Verein im Namen der Besatzung allerbesten Dank aus. Allzeit bereit für Kaiser und Vaterland. Mit kameradschaftlichem Gruß an die Mttglieder des Vereins. Küsel, Kapitän zur See.

Auch eine Anzahl Postkarten überbringen aus verschie­denen Stationen Grüße und Dank für gespepdete Liebes­gaben des Gießener Marinevereins.

** Zeitgeschichtliche Vorträge. Mit einer Darle­gung der Entstehung des gogenwärtigeu Krieges eröffne» gestern abend in der neuen Aula der Universität Prof. Dr. Rvlofß eine Reihe von 10 Bvrträgen aus der Geschichte der Gegenwart, die an den Donnerstagen der kommenden Wochen von hiesigen Hochschullehrern gehalten werden sollen. Wie man es zu würdigen weiß, aus berufenem Dbunde über die Ursachen und Begleiterschei­nungen des augenblicklichen Weltgeschehens unterrichtet zu wer­den, bewies der rege Besuch der gestrigen ersten Veranstaltung. Angesichts des guten Zweckes der Ertrag der Eintrittsgelder kommt den Hinterbliebenen im Felde gefallener Gießener zugute und bei der Qualität der Darbietungen darf man hoffen, daß wetten Kreisen der regelmäßige Besuch der Vorträge eine ange­nehme Selbstverständlichkeit werden loird. Aus den Ausfüh­

rungen Pros Rvloffs Vvv 1t* klar die verbrecherische Rolle

aus, die England seit Menschengedenken im großen Welttheapr spielt. Können bei Rußland der Zwang, die innere Fäulnis aller Art unter dem prunkenden Mantel äußerer Erfolge zu nerbergeu, und bei Frankreich die nie erloschenen Revanche-Ambitionen ab in beschränktem Maße entlastend sür die Heraufbeictuoörung des Wcltbrandes halten: bei England ist die einzige Triebseder sj, alle und jede äußere Politik stets der Gcsiclstspunkt des lallienben Dritten nnd die jedes höheren Gesichtspunktes bare Berwlgunq der Interessen seines Geldsacks gewesen. Die (beschicke der librrgen Staaten spielen in der Auffassung der englischen Polittk nur die Rolle ctties Postens in einer Krämerrechnung. Der wirffchafp liebe Aufschwung Deut chlands überzeugte England seit etwa Ih Jahren von Tag zu Tag mehr davon, daß sein Hauptgegner in Deutschland zu suchen sei. Allein ist es gegen den mackrtigen Berwaudtc« nmchtlos. Deshalb mutzten Frankreich und Rußland herhaltcn. Frankreich, dessen koloniale Mo äst eines Tages von selbst an seiner schwindenden Volks- und Wirtschaftskraft jchcitrrn muß, wird mit Erfüllung seiner außereuropäischen Wünsche g f . ködert und unter Benutzung der Revanchridec ganz auf die g» Hermen englffchen Jnleresen sestgclegt. Rußland, dem das von England ermunterte Japan die Tür ttr Ostasien sperrt und formst den Weg nach .stttnstauffuopel zeigt, benutzt unter englischer Hilft die Orienlpolittk als Ablaßventil für die ttn Jmievn immer bedroh, sicher werdende Gärung. Damtt hat England die beiden Bundes, genossen, wie es sie haben will: Frankreich schwört bedingungslos aus den einstigen Feind England, und RuUand muß, sobald sich Deutschland und Oesterreich-Ungarn gegen die von ihn: und Eng­land betriebene Ausschließung der Zcntralmächte aus den Oriem- interessen wedrcn, gegen die beiden Kaiserreiche auftreten. Jta- liens Stellung zum Dreibund wird durch die Unterstützung seiner tripolitanischen Bestrebimgcn erschüttert. Niedriger noch erscheint das Spiel des verantwortlichen Regisseurs dieser ganzen Jntrigue, Eduards VII. und seiner Nachfolger, wenn man beoenkt. daß ihr Plan keineswegs auf eine Vernichtung Deutschlands Isiuauslics, sondern zug.'slanöeuermaßen mit der Möglichk it dr späteren V-r. Wendung desselben gegen Rutzka-nd rechne'« 1908, als Eduard VII. in Reval den Krieg propagierte, und 1911 bei der Marokkokttsir scheiterte die Durchführung des geplanten Ueberfalls auf die Zen. tralinächtc an dem noch zu lebendigen SchtoLchegefühl Rußlands. Doch die Hetze gegen Deutschland und mtt chr tue Bo ober errungen für den kommenden Krieg man denke an die drrijährrge 'Dienst, zeit in Frankreich, zu der Rußland drc Republik unter Androhung des eigenen Staat b n erotts z'vaug, am die Mil La dmanl cheu des Zarenreiches dascchst gingen ihren G.rug Gleichseitig suchte foc lichtscheue Ententcpolttik sich die grvhserbischerr Bestrebung« zu nutze zu machen, um Oesterreich und damit Deutschland ttr den Ber- nicktungskamps zu zwingen. Das wurde ihr zum Verderbe». Dtt Tat trug ihren Lohn wie so oft in sich und die serbiselrenHeinivor« schlugen inil der Ermordung des Trägers des Gegenspiels, des Erzherzogs 'Franz Ferdinand, zu ftüh los. Ritßland konnte, oha« seinen Kredit auf dem Balkan aus immer zu verlieren. Serbiens Hilferuf ittcht üh.whören und der Krieg war da. Me deutsch« Politik hat dem deutschen Empiiuden von dem sicheren, von ,cder Angriffslust freien Ruhen in der eigenen Kraft bis zum letzten Augenblick Rechnung getragen. Nun aber das deutsche Schwert gezogen ist, hängt an ihm das Geschick nicht nur Deutschlands und seines Verbündeten, sondern das der Welt. Me Hoffnung ist erblüht, daß nicht Englands kalthcitzige Berechnung, , sondern germanische Achtung vor Kultur und berechtigter Sclbständcgkst künftig ihre Geschicke der Völker bestimmen werde.

Kreis Schotten, ff- U l r i ch st e i n, 30. Sept. Heute abend war Ulrich­stein in heller Aufregung. Gruppen von Leuten standen auf der Straße und Frauen weinten. Eine TelegraphenboLn hatte das Gerücht verbreitet, es sei eine Depesche eingelaufen, daß 10 000 deutsch« Soldaten von den Franzosen gefangen wor­den seien. Anfragen ergaben, daß die Nachricht erfunden sei, alles atmete erleichtert auf. Auch in der hiesigen Gegend sollte den Verbreitern dieser Schwindeleien das Handwerk einmal gründlich gelegt werden.

aller

Schwurgericht.

th. Gießen, 1. Oktober. Gestern verhandelte das Schtnur ge richt gegen de» bisher unbestraften 76 Jahre alten Ortsgerichtsmann und Auszügler

Christtan M ü n ch von Harbach wegen Meineid. Me Anklage ver­trat Gerichtsasscssor Knauß. Die Verteidigung führte Rechts­anwalt Dr. Spohr. Vor der Vernehmung sührte der Vorsitzende, Landgerichtsrat Neuen ho gen aus, daß im vorigen Jahre der Schwager des Angeklagten, ein gewisser Knöß, den Feldschütz Münch

wegen Privatbeleidigung verklagt hatte. Am 17. Dezember 1913 stand in dieser Sache vor dem Schöffengericht Grünberg Verhand­

lungstermin an. Der Angeklagte Münch wurde ttn Termin als erster Zeuge veriwmmen und bestätigte die belastenden Momente der Privatllage gegen den Feldschütz. Me dlnllage, welche sich M gegen Münch richtet, behauptet nun, er sei in jenem Ternttn m Grünberg, um seine Glaubwürdigkeit festzustellen, gefragt worden, ob er mit dem Feldschütz verfeindet sei und ob er bereits gegen den damals Beklagten Münch Anzeigen erstattet hat. Der heutige An­geklagte, der damalige Zeuge Münch, soll nach der AnAage beide Fragen unter dem Zeugennd glatt verneint haben. Es wird nun aber Taffache sein, daß eine .Feindschaft zwischen den beS»r Namensvettern bestanden hat, und daß der heute wegen Fallchcids Nngellagtc mindestens zwei Anzeigen gegen den Feldschütz erslntttt hat, darunter eine Anzeige etwa ß Monate früher, ehe er dies eidlich in Wrede stellte. Aus Grund dieses Tatbestandes bat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben wegen fahrlässigen Falscheids, die straskainiuer aber kam zu dem Beschluß, daß der nicht unerheb- liche Verdacht bestehe, daß der vor dem Schöffengericht Grünbcrg geleistete Eid wissentlich falsch abgegeben sei und verwies «c Sache vor das Schwurgericht.

Der Angeklagte bestritt in der gestrigen Verhandlung, daß et unter Eid die Unwahrheit gesagt habe, und blieb dabei, daß txtt. was er in Grünberg gesagt habe, die reine Wahrheit sei. Ec sei mit dem Feldschützen weder befreundet noch verfeindet.

Ter Vorsitzende bemerkte: Angevagter, Sie und der FeldiiM wohnen doch beide in dem lleinen Ort Harbach und gehen gewrtz vN aneinander vorbei. Grüßen sie sich und sprechen sie zuscrmmm^ Der Angellagtc verneint dies und setzt hinzu, der Mann sei ihm gleichgültig. Der Feldschütz fei viel jünger als er und es komme ilrm doch zuerst zu, zu grüßen. Aus Befragen gesteht der ?lirgrklagtt zu, er habe eine Anzeige gegen den Feldschützen wegen Betrug zwar mtt seiner Unterschrift versehen, aber umgekehrt habe iltzi der Feldschütz öfter angezcigt, und dieser sei ihm gehässig. Ganz ennq sei er allerdings nicht ortt dem Mann, aber von Feindschaft mtt demselben wisse er nichts. ,

Landgerichtsrat Neuenhagen stellt aus den Akten fest. b«ti im Jahre 1906 der Feldschütz Münch den Anqellaqten wegen eme. geringen Felddttbstahls angezeigt hat. Me Angelegenheit kam vm das Gericht. In der Verhandlung hat der Angellagtc ölunittser- flärt, c r s er mit dem Feldschützen verfeindet. D«er hat dies damals auch zugegeben, woraus man seine Aussage m«j als hinreichend erachtet und aut Freisprechung in der Sache erkann: fort. Ans Vorhalt will Münch sich der Sachlage nicht mehr eriiineril. Der Vertreter der ?lnllage wünscht vom Angellagten zu msM, ob er nicht öfter gegen den Feldschützen mit Anzeigen vorqcgimgen sei. Mr Angellagtc stellt dies in Abrede. Der Vorschende weilt ferner darauf hin, der Angellagtc habe 3 oder 4 Monate, che cr als Zeuge in Grünberg dtt Tatsache in Abrede gestellt l>abe, wegm' unbefugten Weidenlassens von.Gänsen den Feldschützen.mtflOWe oder anzeigen lassen. Angellagter Münch will davon nichts mehr wissen. Es loird ihm daraushtti eine dahingehende Anzeige,, de seine Unterschrift trägt, vvrgelegt. Münch, bcftagt, ob er Unterschrift anerkenne, sagt, er habe seine Brille vergessen utw erinnert sich nicht mehr. ,

In der Zeugenvernehmung erllärte Geh. Justizrat Mecker> Grünberg, der ajs Richter dem ?lngcllagten den in Red« stedomw Eid nbgenominen hat, er habe den damaligen Zeugen eejetzlnpr Bvrschrist gemäß, vor Meineid verwarnt. Der Zeuge Meck« ^ damals den Eindruck gehabt, daß der Angellagtc dcc cm chu