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tj e u r r o Aufsehen. Sie werden i» allen Bazaren aus­führlich besprochen. Es wurden Mittel »nd Wege gefunden, diese Meldungen traft der uvn den Engländern bereiteten Hindernisse weithin zu verlachten Aus dem bekannten Wall fahrtsort Kerbel« liegt die Nacisrickt Var, daß, dort Jubel Elfter die russischen Niederlagen herrsche.

Wien, 1. Okt. Ans Kon st a n ti n o pe l wird ge­meldet: Die Sperrung der Dardanellen wurde durch das Kreuzen einer aus 21 Einheiten bestehenden englischen Flotte veranlaßt. Die Verhinderung der Ansfahrt van türkischen Torpedobopten wurde als Ge- walttiirigkeit empfunden. Schließlich wurde eine Erklärung des englischen Botschafters, daß England denUarriz- Eultan" (früherGoebe n") undMidilli" (früher Breslau") als deutsche Kriegsschiffe betrachte, und daß diese beim Austritt aus den Dardanellen von der eng­lischen Flotte vernichtet würden, als b e l e i d i g e n d c r ge­walttätiger Schritt empfunden Darauf aniwortcte die Pfvrte 'mit der Dardancllcn-^perrung.

Die Psorte und Griechenland.

Ko n st a n t i n o p e l, 1. Oft. (WTB. Nichtanitlich.) Nach Mitteilungen aus authentischer Quelle sind im An­schluß an den letzten Notenwechsel zwischen der Pforte und Griechenland, der die Beschlagnahme des Grundbesitzes von Muselmanen in Mazedonien und Epirus betraf, beide Re­gierungen übereingekommen, den Sitz des türkisch hclleni- schen Auswandernngsausschusscs von Smnrna nach .Konstan­tinopel zu verlegen, um die Prüfung der Frage des Aus­tausches von beiderseitigen! Grundbesitz zu beschleunigen.

Die Haltung Bulgariens.

Sofia. l.Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Das Blatt Knmbana" tritt den russensreundlichen Zeitungen, welche die Sache Rußlands von der Sache Serbiens trennen wollen, entgegen und schreibt:

Beide Staaten seien untrennbar verbunden: wer mit Rußland gehe, müsse ein freund Serbiens sein. Es wäre einfältig, aus Rußlands Tücke Hoffnungen aufzubauen. Die mazedonische Frage ist mit der Frage der Beziehungen zu Rußland innig ver­knüpft. Die Illusion, daß Rußland die bulgarischen nationalen Ideale verwirklichen könne, müsse endgültig zerstört werden. Das Blatt will wissen, daß Rußland neuerdings an Bulgarien For­derungen gerichtet habe, die mit dessen Neutralität unvereinbar sind. Das bulgarische Volk werde eine entschiedene Zurückweisung dieser Forderungen einmütig billigen. Es müßten sofort Maßnah­men gegen jeden Versuch, die bulgarische Neutralität zu verletzen, getroffen werden.

Das italienische Parlament und die Neutralität.

Rom, 1. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Die Versamm­lung der l i b e r a l c n D e p u t i c r t e n , die unter dem Vor­sitz des Vizepräsidenten der Kammer, Grippo, tagte, hat fol­gende Beschlußfassung angenommen:

Die liberalen Deputierten erkennen die Rechtmäßigkeit der Neutralitätserklärung an, welche die Regierung beim Kriegsausbruch abgegeben bat, und versichern von neuem, daß sie v o l l e s V e r I r a u e ii zur Regierung haben, von der sie anneh­men, daß sie den hohen Pflichten und der großen Verantwortlich­keit gegenüber Italien sich bewußt iit. Sie vertrauen daraus, daß die Regierung mir Vorbedacht und Tatkraft die obersten nationalen Interessen wahrzunebmen wissen wird."

Nach Schluß der Versammlung begab sich die Abord­nung zum Ministerpräsidenten S a l a n d r a, um ihm die Beschlußfassung zu überreichen.

Japanische Berluste vor Tsingtau.

Rotterdam, 1. Okt. DieDaily Mail" berichtet aus Tokio, daß die Japaner in den ersten vier Wochen in den, Kämpfen um Tsingtau .112 Tote gehabt und 9 Flug­zeuge verlor'en haben.

Die Mängel in England.

Mailand, 1. Okt. Wie derCorriere della Sera" aus London meldet, fehlt es in England an Kasernen, Artillerie und sonstigem Zubehör, abgesehen von Khakiuniformen. In ganz England sei kein Khaki­stoff mehr zu haben, und bis zur Neuhcrstellung müssen die Soldaten die bekannten Rotröckc tragen. Mittlerweile kauft die Regierung alles vorhandene blaue Tuch auf, um provisorische Uniformen zu schassen. Londonliege zurzeit n achts in tief st em Dunkel. Die Riesen­uhr von Westminster sei erloschen, ebenso ein großer Teil der Straßenbeleuchtung. Nur vom Dache von Charing Croß slarmncn Reflektoren, die den Rachthimmel nach den 20 Zeppelinen absuchen, die beständig erwartet werden.

Eine innere Anleihe in Dänemark.

Kopenhagen, l.Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Nach Blättermeldungen bereitet die Regierung die Ausgabe einer vierprozentigen inneren Staatsanleihe von ungefähr sech- zigMillionenKronen vor. Die Anleihe soll innerhalb 40 Jahren getilgt werden und ihre Unterbringung bereits gesichert sein.

Minen im adriatischen Meere.

Rom, l.Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Nachdem die zahl­reich an mehreren Stellen des Adriatischen Meeres treiben­den Minen den Tod mehrerer Fischer herbeigeführt haben, har das Marineministerium Torpedobootszerstörer au^ge sandt, um die Minen zerstören zu lassen. Das Ministerium hat die Unterbrechung der Schisfahrt bis auf Widerruf für die vom Staate subventionierten Linien angeordnet und den­jenigen empfohlen, welche das Risiko einer Reise übernehmen wollen, nur bei Tage und mit der größten Vorsicht zu fahren.

Das Zahlungsverbot gegen England.

Berlin, l.Okt. (WTB. Nichtamtlich.) DieNordd. Mg. Ztg." bringt einenDas Zahlungsverbot ge­gen England" betitelten Artikel, in welchem es heißt: Sein-n vrinziviellen und allgemeinsten Ausdruck findet der englische Standpunkt in dein BerbotdesHalndelnsmitdem Feinde. In weiten Kreisen unseres Volkes ist die Frage auf­geworfen, ob wir dicstn uns zugedachten Schlag einfach hinnehmcn sollen, oder ob wir nicht besser Vergeltung üben sollen. Immer allgemeiner ist ein Zahlungsverbot gegen England verlangt wor­den. Die Bundesratsverordnung vom 30. September trägt dem Rechnung Nur ein Zahlungsverbot, worauf der deutsche Kauf­mann uiid der deutsche Schuldner sich berufen kann, versetzt ihn in die richfige Stellung gegenüber seinem englischen Gläubiger oder dessen Agenten. Es ist nicht zu verkennen, daß es Fälle ge­ben kann, wo Zahlungen nach England eine Notwendigkeit sind, sei es, mn den dortigen Deutschen Unterstützung zu gewähren oder um deutsche Filialen in England zu unter­stützen, sei es, um wirkliche Werte für unser nationales Ber- nrögen zu erlangen oder sicher zu stellen. Solchen Sonder­fällen trägt die Verordnung Rechnung, indem sie die Reichs­kanzlei ermächtigt, eine Ausnahme zu bewilligen. Die Zah­lung darf auch nicht über ein neutrales Land ersolgen. Wis­sentliche Zuwiderhandlung gegen dieses Verbot ist mit G e - sängnisstrasebis zu drei Jahren oder xnit Geldstrafe bis zu 5 0000 Mark bedroht. Selbstverständlich läßt dieses Zahlungsverbot das Recht des Gläubigers als solches bestehen. Die

Schulden sind nicht erlassen, sondern mir bis mis werteres gestundet. Diese Stundung ist aber nicht nur für Geldsvrderun- gen ausgesprochen, auf deren Erfüllung sich das Verbot erstreckt, sondern sie ist aus vermögensrechtliche Ansprüche aller Art aus­gedehnt. Eine Verzinsung während der Dauer der Stundung braucht nicht geleistet zu loerden, soweit Zinsen für die Zeit vor der Fälligkeit der Forderung geschuldet werden, laufen sie bis r Fälligkeit weiter. Die Protesterhebung wird bei cchscln, die uMer das Zahluugsverbot fallen, hinausge- s ch o b e'tt. Hat der Schuldner ein Interesse daran, sich alsbald von der Schuld zu befreien, so kann er ztn diesem Zweck den ge­schuldeten Betrag bei der R e i ch s b a n k hinterlegen. Es war zu berücksichtigen, daß eine große Zahl deutscher Geschäftsleute es bereits seit dem Ausbruch des Krieges und insbesondere seit dem BckauMwcrden des englischen Zahlungsverbotes abgelehnt hat, noch nach England zu zahlen. Auch diese berells ein getretene Zahlungsverweigerung ist nachträglich gebilligt worden: etwaige an sich bereits eingctretene Berzugsfolgrn sind wieder aufgehoben worden. Die Stundung wirkt auch gegenüber den: Erwerber einer Forderung. An die hiesigen Niederlassungen englischer Unter­nehmungen, mögen sie tn englischen oder deutschen Hütchen sein, soll auch weiterhin gezahlt werden müssen, vorausgesetzt, daß die Forderung in dein inländischen Betriebe dieser Unternehmungen entstanden ist. Es kommt darauf an, daß das Geld nicht nach England gehen darf. Die Abführung der cin- genonimencn Gelder nach dem Mutterland ist natürlich den hiesigen englischen Fllialen verboten. Man hat sie in der Hauptsache bisher durch Bestellung einer Ueberwachung nach der Verordnung vom 4. September 1914 daran zu verhindern gewußt.

Sck-ars zu trennen von den erwähnten Fällen sind diejenigen, bei welchem es sich um Agententätigkeit im Aufträge von Gläu­bigern in England handelt. Diese fallen unter das Verbot, das heißt, es darf nicht an die Agenten des englischen Gläubigers gezahlt werden und der Agent selbst darf sein Geld nicht nach England abführen. Eine besondere Vorschrift ist mit Rücksicht aus die überseeischen Geschäfte deutscher Kausleute getrvffen. In­folge der kriegerischen Ereignisse, z. Ä. infolge der Beschlagnahme von Waren und der Schließung deutscher Geschäftssilialen ün Auslande ist es leicht möglich, daß Weckpel, die auf ausländische Kimden oder sonst aus das Ausland gezogen sind, gegenwärtig nicht zur Einlösung gelangen. In solchen Fällen sollen auch die in Deutschland befindlichen Niederlassungen englischer Gesellschaf­ten bis aus weiteres nicht berechfigt sein, tvegm Nichteinlösung der Wechsel Rückgriffsansprüche wechselrechllicher oder zivilrecht­licher Art in Deutschland geltend zu tnachen. Bon den übrigen Bestimmungen der Verordnung wäre noch zn erwähnen, daß Ilcbcrtretiiugcn von Ausfuhrverboten, sofern die Waren nach England gehen sollen, unter strengere Strafen gestellt sind, als gewöhnliche Uebcrtrctnngen von Ausfuhrverboten.

Au» SterSt und ikanv»

Gießen, 2, Oktober 1914.

Auf dem Felde der Ehre gefallen.

(Aus Hessen und den Nachbargebietcn.s

Res. Äug. R e i tz, Inf.-Rgt. l 16 aus Flensungen. Lt. d. Res. und Oberlehrer Dr. Ludwig Weise, Inf.-Rgt. 147 aus Gießen. Lt. d Res. und Oberincenieur Arnold Buslerdrech, Inf.-Rgt. 70 ans Worms. Lt. d. Res. Diplom-Jng. Fritz M o- rell, Jns.-Ngt. 118 aus Darmstadt. Bizeseldw. ©tim. Rau, Inf.-Rgt. 116 aus Liederbach. Res. Georg Kaufmann und Fritz Nickel aus Rodheim v. d. Höhe. Vizefeldw. d. Landw. Jean L. W a l l d o r f, Jns.-Rgt. 118 aus Nieder-Saulheim. Land­wehrmonn Karl N ö h r b a ß aus Weinheim in Hessen. Gesr. Heim. N a u l h, Ers.-Res.-Jns.-Rgt. 85 aus Mainz. Minsk. Arthur Löbsock, Jns.-Rgt. 87 aus Frankfurt a. M. Gesr. d. Res. Johann Lahr, Inf.-Rgt. 118 aus Mzey. Vizefeldw. d. Res. Gerichtsaktuar Fritz Wagner, Inf.-Rgt. 83 mis Bieden­kopf. Lt. b. Landwehr und Gerichtsassessor Karl E s ch m a n n, Jns.-Rgt. 83 aus Biedenkopf. Mnsk. Herrn. Schneider, Jns.-Rgt. 116 aus Offenbach a. M. Wehrmann und Post­schaffner Peter Krämer, Inf.-Rgt. 168 aus Ofienbach a. M.

Gesr d. Res. Johannes Kohlenberger, Inf.-Rgt. 115 aus Osfenbach a. M. Ltl. d. Res. Otto E. Diethche aus Ossenbach a. M. Mnsk. Wilh. Walther, Jns.-Rgt. 87 aus Hanau-Pnlvcrsabrik. Landtvehrmann Hermann Hofmann II. ans Schwalheim. Landtvehrmann Jvhs. Keil III.,Jnf.Rgt. 116 aus Lumda. Res. Karl P f a ff, Jägerbat. 11 aus Stockhansen bei Wetzlar. Einst -Gefr. Leon Spe ier, Feld-Art.-Rgt. 63 in Frankfurt a. M.

Auszug aus der Verlustliste.

(Angehörige des Garde-Dragoner-Regiments Nr. 23 aus Ober Hessen.)

Unterosf. Karl Keil, Rieder-Roßbach, Kr. Friedberg, schwv.

Ilntervsi. Karl Heil, Gießen, tot. Gesr. Karl Häuser. Stcin- berg. Kr. Gießen, lv. Gesr. Heinrich Schrimpf, Zahmen, Kr. Lauterbach, tot. Drag. Christian Steuernagel, Storndors, Kr. Alsfeld, lv.

Liebesgaben für die hessischen Truppe«.

Wie uns aus Darmstadt gemeldet wird, ist gestern mittag von dort ein der Großherzogin zur Verfügung ge­stellter Sonderzug mit Liebesgaben für die hessi­schen Truppen abgegangen. Dieser ersteEleonoren­zug" bestand aus elf offenen Güterwagen, auf denen sich ebensoviele hoch mit Liebesgaben beladene Automobile be- ssrnden, und aus einer Reihe von geschlossenen Wagen. Das Gesamtgewicht der Sendung betrug 500 Zentner, der Wert über 65 000 Mk. Der Zug soll möglichst bis zmu Divisions- stsabquartier geleitet werden. Bon dort bis zu den Truppen sollen die Autos die Beförderung übernehmen. Am 7. Ok­tober geht der zweiteElermovenxug" zu der 25. Reser v e- division und am 14. Oktober der dritte zu den hessi­schen Landsturmtrnppen ab. Am vorigen Dienstag ist ein aus vier hochbeladenen Antos bestehender Liebes­gabentransport unter der Führung des Leutnants von -Gnstedt zn der außerhalb des Verbandes der hessischen Division stehenden 25. K«va>lleriekrigtad-e abge­gangen.

** Der Ehrenbürger unserer Skadt Gehermer Ober-Meditzinalrat Dr. Georg Gaffkh-Berltn, Geueralarzi ä la suite der Armee, ist nach dem westlichen Kriegs- sck«uplatz berufen und hat sich gestern dahin begeben. Bekanntlich ist Dr. Gaffkv, der sich seit einem -Jahre im Ruhestand befindet, eine hervorragende Wborität (ruf dem Gebiete der Insektion skranl- beiten. Die Berufung Dr. Gafskvs dürfte nrft der Eiuseikung vor­beugender Maßnahmen gegen Infektionskrankheiten in den Kriegs- lazaretten in Zusammenhang stehen.

** Hessische Medaille fstr Tapferkeit. Dem Prinzen Friedrich Karl von Hessen wurde von dem Großherzog von Hessen die Hesssiche Medaille für Tapfer­keit verliehen. Der GroßherMg Kbeogab sie dem Prinzen» als er verwundet im Lazarett zn Bovzäers lag.

** Bon der Landsmannschaft Darinstadlia sind über 40 jüngere Mitglieder Kriegsfreiwillige. Bei den hiesigen Truppen sind allein 14 Mitglieder «ingetreten. An 140 Mitglieder stellt Darmstadsia insgesamt dem Vater­land zur Verfügung. Vier Mttglieder starben bereits den Heldentod, nämlich drei Offiziere der Reserve, ein Offizier- Stellvertreter. Das Eiserne Kreuz haben erhalten Forst­assessor Rompf, Leutn. d. Res. von Lang-Göns, cand. Phil. Wenner, Vize-Feldwebel d. Res., von Darmstadt.

cand. jur. E i d m a n n, Vizewachtmeisier oer Res.» J

ist für das Eiserne Kreuz vorgeschlageu.

** Stadttheater. Auf den heutigen Aufruf im In­seratenteil zur Beteiligung ain Wonnement im StM- theater sei ganz besonders hinaeiviesen. .Es ist zu lonnschag, daß alle, denen es irgend möglich ist ihr Abonnement trotz der ernsten Zeiten allsrechterhalten. Die DurchsülzruAy des Betriebs unserer Bühne, die sich liber Hessens Grenzen hin­aus steigenden Ruf erworben hat, darf wohl ans starkes lokalpatriotischcs Interesse zählen, sic ermöglicht zugleich eine größere Anzahl bewährter künstlerischer Kräfte tvießen zu erhalten. Sicher wird auch das Stadttheater, beim Mangel an anderen Veranstaltungen, für viele neben der geistigen Anregung einen erwünschten Treffpunkt bieten, an dem man unter llmständen svährcnd der Vorstellung neueste Kriegs- nachrichtcn erfahren kann. Möge der Direktor unserer Bühne recht zahlreiche Siegesdepeschen eineni recht zahlreichen Pu­blikum von der Bühne aus verkündigen können. Daß aus einen zeitgemäßen Spielplan besondere Sorgsalt verwendet werden soll, sei noch ausdrücklich hervorgehoben.

** Unsere Lazarette haben sich in den drei letzten Tagen gefüllt, und es sind jetzt im ganzen nt unserer Stadt rund 1600 Bcnvundete untergebracht. Die verletzten Krieger sind nachts hier angelangt. Das Sanitätspersonal hatte am Bahnhof sehr anstrengenden Dienst. Hoch anzuerkenncn ist, daß sich eine sehr große Anzahl dafür geeigneter kräftiM- jüngcrer und älterer Männer in den Dienst des Roten Kreu­zes gestellt hat, denn dieser Dienst stellte besonders in den letzten kalten Nächten hohe Anforderungen. Bei der Anzahl der Verwundeten, die in den letzten Nächten hier ankamen, mußte man viele, da die Straßenbahn und die zur Verfü­gung stehenden Aulos den Transport nicht bewältigen konn­ten, aus Tragbahren vom Bahnhof nach den Lazaretten schaf­fen. Die 13 Mannschaften der Sanitätskolonne und die 10 bis 12 Samariter, welche den Bahnhofsdienst alle acht Stun­den mit Ablösung versehen, nehmen es mit ihrem menschen­freundlichen Amt überaus ernst, was öffentlich anerkannt werden muß.

** Dum-Dum-Geschosse überall. 'Dem Feld- Postbriefe eines 116 e r s an seine in Gießen wohnenden Eltern entnehmen wir, daß auch dieses Regiment die un­menschliche Kriegführung unserer Feinde ans eigener W- schaunng kennen lernen konnte. Der Brieffchreiber fand in verlassenen französischen Schützengräben Patronen, in denen das Geschoß verkehrt herum steckte. Es handelt sich auch dabei um den Zweck, die Schußwunden möglichst zu ver­schlimmern, also um typische Dum-Dnm^Geschoffe.

** Ein Bild aus einem englischen Gefangenen- l a g c r entwars uns ein gestern durch einen besonderen Glücks­zufall aus einem englischen Internierungslager entwichener Gie- ß e n e r. Angesichts der durch die deutsche Presse gegangenen Nachrichten von der humanen Behandlung der Kriegsgefangenen bei unseren englischen Vettern, wonach denselben sogar die Er­laubnis znm Billardspiel und zu täglichen Ausgängen grgebsil sein soll, ist es nützlich, mit den Angaben eftiLs, der es wüsssq kann, zu beweisen, daß es mit der Humanität Albions gegen die Gefangenen nicht gar so weit her ist. Unser Gewährsmann, der sich mit vielen hundert Landsleuten am 25. August in Amerika nach Deutschland eingeschifft hat, ist aus der Höhe von Barnwuth, als das von den deutschen Reservisten benutzte holländisch« Schiff von den Engländern aufgebracht wurde, mit seinen Fahrtgenosseu in Gefangeuschast geraten. Die Deusicben wurden dann nach dem etwa 15 Icm südlich von Oxford gelegenen Camv Dorchester gebracht, , wo sie trotz der kalten Wllteruug in Zelten kampieren mußt«. Das verabreichte Essen unterschied sich kaum von.Sträflings- k v st und bestand durchweg «rns zähein Fleisch, ein oder zwei Kar­toffeln und trockenem Brot. Me männlichen Gefangenen, unter denen sich auch 'Krüppel und Blinde befanden, mußten die Ver­sicherung abgeben, während des gegenwärtigen Krieges gegen England nicht kämpfen zu wollen. Die Wache der Inter­nierten, deren Zahl etwa tausend betrug, bestand aus sieben Sol­daten. spach dem Bericht unseres Gewährsmannes müssen deren militärische Eigenschaften lebhaft an das Svldatspielen unserer In­end erinnert haben, denn dem englischen Wachtkommandv sollen ie Gewehre meistens dann losgehen, wenn man es am wenigste» erwartet, beim Laden, Präsentieren usw. Allerdings bsiiand das Kommando ans noch nicht lange eingetretenen Leuten. Die Brief- z e n s n r wird äußerst strenge gehandhabt. Wenn einmal ein Brief, die Behörde passiert, dann geschieht es nur stückwesie, und in diesen' Stücken ist noch manche Stelle dürft» lleberstreichen mit Tinte un­leserlich gemacht. Die Spionensurcht der Engländer kam eines ?lbends ergötzlich zum Ausdruck, als die englischen Posten eine Jagd aus eine zutrauliche unschuldige Taube veraustalleten, die von d« Gesangencn gefüttert tourdc. Ein in der Nähe des schließlich er­jagten Tierchens befindlicher Papicrsetzen Ivurde als gefährliche, nach Deutschland bestimmte Naclnicht angesehen, bis man er­kannte, daß es sich um ein patriotisches Lied handelte, das einer der Deutschen verloren hatte. Aus der Spionensurcht erklärt es sich auch, daß die Engländer sich sogar nicht ensichließen können, einen Gefangenan, der sich wegen einer Armampntakwn noch in ärzllick«r Behandlung befindet, zu enllassen. Jedenfalls geht aus alldem hervor, daß das Geschick unserer in englischer Ge­fangenschaft befindlichen Landsleute nicht gerade benelbensweck ist, und namentlich im HiMick aus die eingangs erwähnten Presse- äußerimgen wird man guttun, seine Ansichten von der in Eng­land selbst geübten Menschenfteundlichkeft ei» wenig zn korn- giercn.

** Das Grohh. Hessische Regierungsblatt Nr. 34 vom 30. September 1914 enthält: Verordnung, die Wanderung der Verordnung vom 8. November 1909 über die Dampfkessel beretffend.

** Die gegenwärtig« Sterblichkeit der jüdi­schen und christtlichen Bevölkerung des Großher zvgtnms Hessen nach Geschlecht, Alter und Todes­ursachen. Eine eingehende Untersuchung hierüber, die im 4 und 5. Heit der Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden, Jahrgang 1914, veröffentlicht ist, kommt, toie Reg.-M K n ö p s e 1 in den Mitteilimgen der Zentralstelle für Landesstaüml seststellt, zu folgendem Ergchuis:Die Sterblichkeit der jüdischen Kruder ist halb so groß wre die der christlichen. An dieser Unter­sterblichkeit haben sämtliche Todesursachen Antell, was aus eine sorgsälllgere Pflege der jüdischen Kinder zurückzuMren ist Me Untersterblichkeft der Inden im Alter von 15 29 Jahren betragt gegenüber der Sterblichkeit der Christen 3040 Prozent unt durch dre sehr geringe Tnberkiilosesterblicksteft bei beiden Gescmab tern und durch die geringe Zahl von Vcrnnglückungsfällen bei den jüdischen Männern bedingt. Inder Altersklasse von 30b9Ja-ra> ist die Untersterblichkeit der Juden bis aus 15 Prozent zurnlk- gegangen. Diese ist wie in der vormigehcnden Altersllasse zu n- tlärei, Die Uebersterblichkeit der jüdischen Männer an Hcrzkawo heften wird dmch ihre Untersterblichkeit an Tuberkulose mehr ausgewogen. In den 2 höchsten Mtcreklasscn ist nur noch bei tn jüdische» Frauen im Alter von 60 69 Jahren eine Untersterbüld- fett festznstellen. Bei den übrigen Personengruppen ist die allgL meine Sterblichkeit gleich groß. Recht verschieden ist jedoch d« Sterblichkeit nach einzelnen Todesursachen. Gering ist wiederm» die Tuberkulosesterblichkeit und iu der Wersllasse von 60--°/ Jahren auch die Sterblichkeit durch Erkrankungen der dltvnmg-^ organe Dagegen überwiegen die Herzkrankheiten und der Gchftw schlag bei den jüdischen Männern >md Frauen, der Krebs bn den beiden Geschlechtern im Alter von 70 und mehr Jahren lim,"; Krankheiten der .Hornorgane bei den jüdischen Männern allem.

Kreis Schotten.

n. Schotten, 1 Okt. Die für Mtttooch, 7 Okkover^ vorgesehene Hauptversarmnluiig des VereinsLehrer­heim Bogelsherg", die alljährlich in den Herbstserten