Nr. 25,
Der Eichener Anzeiger
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Erstes Blatt
m. Jahrgang
Freitag. 2. Oktober
Bezuqsvrci,. monatl. 75 Ps., oiertel- jährl. Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Ps.: durch diePost Mk.2.— oiertcl- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokalI5Ps., ausw. 20 Ps. — Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich sür den polit. Teil: Aug. Goetz: sür „Feuilleton', „Vermischtes' und„Gerichts- saal": Karl Äieurath;
. iür „Stadt und Land':
Rofation$6ru<f und Verlag der Brühl',chen Univ.Buch- und Sieindruckerei R. Lange. Zchristleitung, Keschäfttstelle u. Druckerei: Zchulftr. 7. A,",°memeü-' H^Beck
weiteres Zurückdrangen der Franzosen durch unseren rechten Flügel. Angriffe von Toul her zurückgeschlagen. Afghanistan
beginnt den Weg.
MTB.i Großes Hauvtauartier. 1. Oktober, abends. (Amtlich.) Am Zst. September wurden die Höhen von Royc und Fresncy (nordwestlich von Noyon) den Franzosen entrissen.
Südöstlich von St. Mihicl wurden am l. Oktober Angriffe von Toul her zurückgcwiescn. Die Franzosen hatten dabei schwere Verluste.
Der Angriff auf A n t w e r p e n schreitet erfolgreich
fort.
Auf dem östlichen Kriegsschauplatz keine Veränderungen.
Die für die Deutschen siegreichen Gefechte bei Albert sind kräftig sorlgesctzt worden, und heute kan» der deutsche Generalstab bereits melden, dast der Feind weiter nach Süden zurückgetrieben worden ist. Rohe liegt etwa 15 Kilometer nordwestlich von Noyon; die Franzosen befinden sich aus regelrechter Flucht, wenn sie in so kurzer Zeit die Strecke, I von Albert bis zu den angegebenen Höhen, etwa 45 Kilo- I ineter, zurückgelegt haben. Langscrm dringen unsere Trup- I pen auch aus dem linken Flügel vor. Von Toul aus suchten I Die Franzosen durch verzweifelte Ausfälle den Durchbruch Durch die ^-perrsortlinre zu verhindern, allein vergeblich, sie erlitten dabei, wie es in der obigen Meldung l)eigts. schwere Verluste. Man kann dem General v. Blume nur zustinnncn, wenn er bei seiner Beurteilung der Lage annimmt, der deutsche Generalfhab sei völlig davon überzeugt, daß auf unserem rechten Flügel der Erfolg unser -ei, denn sonst würden die deutschen Truppen nicht so plan- näßrg und kraftvoll ihre Angriffe auf Antwerpen und auf l linken Flügel sortsetzen. Es wird nicht einmal mehr rötig sein, den rechten Flügel noch weiter zu verstärken;
I ille Kräfte werden jetzt daran gesetzt, den letzten Widerstand I>er Belgier und die ^vperrforts in der Linie Tonl-Verdnn rus dem Wege zu räumen.
Nach Prwatnieldungen aus Paris glaubt die französische (Bevölkerung nicht mehr an das Eintreffen exotischer Hilfs- Truppen; sie weiß vielmehr jetzt, daß man sich nur aus die Ergänzungen aus dem eigenen Lande verlassen kann. Ob 1 Frankreich die neuen schweren Verluste, die es bei den kämpfen gegen die Deutschen in den allerletzten Tagen | vieder gehabt hat, durch neue Truppen ausreichend wieder 'rsetzen kann, steht dahin. Die Londoner und Pariser Siim- > uungsbevichte lauten in dieser Hinsicht nicht viclvcr- precheick». Der Angriff auf Antwerpen aber schreitet, wie aus | >em deutschen Hauptquartier gemeldet wird, erfolgreich fort.
Als interessante und bedeutungsvolle Neuigkeit ist nun l wüte hiiizugekonimen, daß der Emir von Afghanistan seine Streitmacht gegen England und Rußland aufzubieten im Segriffe stehe. Afghanistan, ösllich von Persien gelegen, xrenzt wie dieses im Norden an Rußland, im Süden an >as indische Reich. Afghanistan Hai jahrzehntelang den Engändern heiß zu schassen gemacht, und schließlich hat immer ,ur die sinanzielle Politik Englands, nicht aber seine Waffengewalt gesiegt. 'Der Emir von Afghanistan hält die Ge- egenheil für gekommen, sich nicht mehr mit dein Golde Eng- ands zu bemrügen; er ivird die Fahne des Aufruhrs auch ach Nordinöien tragen. Die Grenze zivischen beiden Reül)en äust von Südwcsten nach y lordosten. Es ist
weifellos übertrieben, daß Afghanistan zusammen 60 000 Mann aufznbringen vermag. Das Zand ist twa halb so groß wie das Denffche Reich. Der afghanische sriedensstand beträgt 50 000 bis 60 000 Männ, genug, um ei Heu .kriegsmäßigen Ergänzungen England und Ruß- ^rnd zugleich gehörig zu sclwffen zu machen.
Dabei dauert die Spannung an den Dardanellen un- ! ermindert fort. Die englisch-französische Flotte hat sich war bis Tenedos zurückgezogen, wenn man einer Privat- reldung glauben darf, aber die Pforte beharrt vorläuftg | uf der Sperrung der Dardanellen.
In einem amtlichen russischen Bericht wird zuge- | eben, daß die Deutschen die die galizischc Grenze be- errschenden Hügel im Süden des Gouvernements Kielce | efefligen, mit dem offenbaren Zweck, den Vorstoß eines 'ilfskorps von Schlesien nach Krakau zu decken. Ein hes- ger Kampf scheine in diesem Gebiet bevorzusieben. Hofsenv- ch hören nur bald von weiteren Erfolgen der dcutsch-öster- ffchischen Heere!
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Die erschöpften Feinde.
Berlin, 1. Okt. Das „Berllner Tagebl." meldet aus otterdcrm : Eine amtliche Pariser Meldung von >r letzten Nacht besagt: Tie Lage ist im allgemeinen be- l iedigend. Ter „Temps" schreibt: Dies ist der 60. Tag des I riegcs, der siebzehnte der großen Aisne-Schlacht. Es ist 1 ne Schlacht der Erschöpsung.
^ Das deutsche Borrückcn in Französisch-Lothringcn.
Rotterdam, 1. Okt. Eine Depesche der „Times" aus ! aney vom 24. Sept. besagt: Die Deuffchen rücken wieder I >r. Sie besetzten Thiancourt und No m e n y. Die Deut- I )en rücke» durch das Lezousc-Tal vor.
Fürst Leopold zu Lippe
ist am gestrigen Donnerstag dem Bataillone, dessen Che' er ist, ins Feld gefolgt. In Begleitung des Fürsten sind zur Front gegangen Oberhosinarjchall Generalleutnant z. D. v. Loos, Flügeladjutant Hauptmann v. Natzmer und Geh. Kabinettsrat Leutnant d. R. a. o. Professor Epstein.
Die Belagerung von 'Antwerpen.
Rotterdam, l. Okt. Aus Antwerpen wird gemeldet: Beim Fort Waelhem sprengten die Deutschen das Pulvermagazin. Sie sollen die Plätze Li er und Heerenthals besetzt haben.
? Das Antwerpener „Handelsblad" gibt eine längere Erzählung über die Beschießung von Lier, südöstlich von Antwerpen. Auch hier kehrt der ausführliche, .geradezu traditionell gewordene Bericht über die Beschießung des Hospitals wieder, der niemals fehlt, wenn es sich um die Beschießung eines belgisck)en Platzes handelt. Ganze Karawanen von Flüchtlingen aus den Gemeinden, die zwischen den einzelnen Forts liegen, kommen in Antwerpen an. Ueber 150000 Flüchtlinge sind außerdem nach Gent und 5000 nach Brügge gegangen. Der Ort Bilsen an der holländischen Grenze bei Maastricht, von dem behauptet wurde, er sei niedergcbrannt, steht fast vollkommen unver-, schrt, nur etwa ein Dutzend Häuser sind durch Feuer zerstört. Auch Heerenthals, das angeblich bei dem gegenwärtigen Vormarsch der Deutschen zerstört worden sein soll, ist nach holländischen Berichten unversehrt.
80 Millionen deutscher Schaden in Brüssel.
Brüssel, 1. Okt. Von deuffchen Flüchtlingen sind bisher mehr als 8 0Millionen Franks Schaden angemeldet, der von den Brüsselern vor dem Einzug der Deutschen angerichtet worden ist. Me Schäden, die vor der Besetzung Brüssels dort angerichtct wurden, muß die Stadt Brüssel selbst bezahlen.
Gesuche um Rückführung Gefallener.
Berlin, 1. Okt. (WTB.) Dem Wolss-Bureau wird amtlich mitgeteilt: In letzter Zeit sind zahlreiche Gesuche um Rücksührung Gefallener gestellt worden. Das Aussuchen, Ausgraben und Uebersuhren Gefallener aus dem Bereich der vordersten Linie ist überhaupt unausführbar. Aber auch sonst wird die Rückführung auf so große Schwierigkeiten, wie z. B. Mangel an Transportmitteln stoßen, daß nur dringend davon abgeraten werden kann, solche Gesuche zu stellen. Für die Soldaten ist das Schlachtfeld das schön st e und ehrenvoll st e Grab.
Die holländische Rcutratitätsverletzung durch englische Fliegerbomben.
Rotterdam, 1. Okt. Dem „Amsterdamer Telegraas" zufolge hat die holländische Regierung Befehl gegeben, in Zukunft alle fremden Flieger, die niederländisches Gebiet überfliegen, herunterzu schießen ohne Rücksicht auf weiße Flaggen. Wie der holländischen Presse gemeldet wird, erfolgte der Bombenwurf eines englischen Fliegers über Maastricht nach den behördlichen Feststellungen nicht bei Nebel, sondern nur bei bewölktem Himmel. Bevor der Flieger die Bomben abwarf, schwebte er, eine weiße Fahne schwenkend, in nur 400 Meter Höbe über der Stadt.
Verluste der Znavcn.
Berlin, 1. Okt. (W. B. Nichtaintlich.) Ein Mittagsblatt gibt eine llnierredung wieder, welche der Korrespondent der „Daily Mail" in Paris mit einem verwundeten Zuavenoffizier hatte, welcher erzählte, am 20. September sei eine Brigade von 8000 Zuaven in daS deutsche Maschinengcwehrfeucr geraten und bis auf 1000 Leichtverwundete aufgcrieben worden.
Ein Zeitungsvcrbot in Belgien^
Rotterdam, 1. Okt. Der Verkauf des „Nieuwe Rotterdamsche Courant" ist in den von den De utscheu nicht besetzten Gebieten Belgiens verboten worden.
Die neue Offensive in Galizien.
Berlin, 1. Okt. Der Kriegsberichterstatter des „Bert. Tagebl." meldet ans dem österreichischen Kriegsprffsequar- tier: In den letzten beiden Wochen konnte sich die österreichisch-ungarisch« Armee unter dem Schutze ihrer starken neuen „Stellung hinter der S a n - L i n i e in Ruhe verproviantieren, die Verluste durch ffische Mannschaften aus- gleichen und den Gejamtbestand durch große Reserven erhöhen. Dank ihrer Erschöpsung und Munitionsverausgabung kamen die Russen währenddessen nicht über die Besetzung der freiwillig verlassenen Gebietsteile hinaus. Ueberdies ersclstverte der wochenlang« Regen, der die russischen Aufuhrgebiete in Sümpfe ver - wandelte, die Nachschübe und die Verproviantierung der russischen Armee. Infolgedessen setzten die russischen Operationen gegen das Heranziehen der deutschen Truptz.en viel zu spät ein und blieben wirkungslos. Die
denffche Armee reichte nunmehr ihre Hand der verbündeten österreichisch-ungarischen Armee, die einen Monat lang den Stoß der numerisch weit überlegenen russischen Hauptmacht ausgehalten und den geplanten Durchbruch zweimal vereitelt hat. Außerstande, die Bereinigung im Nordwesien zu verhindern, suchten die Russen durch Einbrüche in die Karpathenpässe eine Krästezersplitterung der österreichisch-ungarischen Armee hcrbeizuführen. Nachdem auch dies mißglückte, waren sie gezwungen, den Kamps in dem von den Verbündeten vorgesehenen unb vorbereiteten Gelände aufzunehmen.
Tie Verluste der Russen.
Zürich, 1. Okt. (WB. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung der „Neuen Zürcher Ztg." veröffentlichen die Londoner Blätter glaubwürdige Meldungen über die Verluste d>er Russen in Ostpreußen und O st g al i z i e n. Danach seien auf dem galizischen Schlachffelde gegen 100000 Russe» gefallen.
Einstellung von Sträflingen und Ausländer« ins russische Heer.
Stockholm, 1. Okt. Dem „Stockholmer Tageblatt^ wird aus St. Petersburg gemeldet, daß angeordnet worden ist, sämtliche Sträflinge, die auf administrativem Weg« verhaftet ivorden waren und kriegstauglich sind, frei zu lassen unb ins Heer einzustellen. Im Ministerrat wurde beschlossen, daß neutralisierte Ausländer unter 30 Jahren nach den allgemeinen Besffmmnngen Dienst tun sollen, während die zwischen 30 und 50 Jahren von Aerzten aus ihra, Kriegstauglichkeit hin untersucht werben sollen.
Die letzte serbische BerteidigungSliue.
Wien, 1. Okt. Wie aus Sofia berichtet wird, arbeiten die Serben eisiig an ihrer letzten Verteidigungtstz linie Novi-Basar-Poscharcwatz.
Ausbruchversuch gefangener Russen.
(WTB.) Crossen, 1. Okt. (Nichtamtlich.) In dem hiesige,.. Lager russischer Gefangener benutzten vor einigen Tagen etwa zweihundert dort untergebrachte Rußen einen Augenblick schweren llnwetters mit heftigem Sturm und Reg» zu einem Ausbruchversuch. Sie stürmten aus den nah« der iKnatine gelegenen Baracken aus den Platz zu, wo dieGew e h r< Pyramiden der wachthabende» Kompagnie ausgestellt waren. Ter Posten eröfsncte sofort das Feuer aus dtc Aus» brechenden und alarmierte das Wachtkommando, das zum- Teil ebenfalls die Waffe gebrauchte. Als die vordefften der Ge- Gesaugencn fielen, wurde der Ausbruch sofort aufgegebeu. ®iei Russen sind getötet, acht schwer und mehrere leicht verletzt. Eine abirrende Kugel traf den Garnison» er- waltungsinspektor a. D. Schulz an der Lunge. Außerdem verletzte eine Kugel einen Posten der Landsturmleute am linken Unter- arm leicht. Aerztliche Hiffe war sosort zur Stelle.
Infolge der Boffälle wurde dann noch eine Kompagnie des Landsturms alarmiert und zur Verstärkung des Wachtlommandos. herangezogen. Es trat aber bald wieder Ruhe und Ordnung ein.
Die schaffen Schüsse, die weithin hörbar waren, verursachten, große Aufregung in der Stadt.
Die Untersuchung soll ergeben haben, daß der Ausbruch tat-, sächlich von einer lleinen Gruppe, die des Zwanges des Lager- lcbens überdrüssig war, vorberfftet wurde. Der Wind soll vorher dazu benutzt worden sein, um Zettel zur gegenseitigen Befftän- digung nach den anderen Baracken ju vermitteln. Ein getötete, Ausbrecher war dicht bei den Gewehrpvramidcn zusammengestürzt.
Generalmajor Ludendorfs Ehrendoktor.
Berlin,!. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Wie das „Berliner Tageblatt" meldet, hat die philosophische Fakultät der Univeffität Königsberg dem Generalstabschef des Generalobersten von Hindenburg, Generalmajor Ludendorfffdü» Würde eines Ehrendoktors verliehen.
Afghanistan auf dem Kriegsmarsch?
Konstantinopel, 1. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Ein hiesiges Matt gibt die Meldung des ofsiziösen afghanischen Organs „Aradjnlah Barulafghan" wieder, nach welchem der Emir von Afghani st an eine Streitmacht von etwa 400 006 Mann regulärer Truppen unter dem Oberbefehl seines Bruders Naer-Ullah Khan mit dem Aufträge enffandt habe, die Stadt Peschawar, den Schlüs - selJndiens zu besetzen, und eine andere aus 300 000 Mann bestehende afghanische Streitmacht unter dem Befehl! des Thronfolgers Narec Jere gegen Rußland.
Die Stimmung in der Türkei.
Wie n, 1. Okt. Einer Konstaniinopeler Meldung zu« folge erregen die Nachrichten über die deutschen und österreichischen Siege im Orient ungt«


