E'i’fnn' iit her Front, deren Schicksal ihnen am Herzen lag! Der Verwundete imponierte ihnen übrigens sehr, weil er «inen Zahn „ganz von Gpld" hatte. Er mußte also ein sehr vornehmer Mann sein Aus der Rückfahrt sah der dänische Herr in einer kleinen Landstadt aus der Straße einen encs- lischc» Soldaten, der von Frauen und mindern umringt war. Mit Hilfe von Zeichen und Gebärden suchte er ihnen klar zu machen, ime er die Deutschen klein gekriegt hatte. „So lag ich und so führt' ich incine Klinge". Die französischen. Frauen und Kinder verstanden zwar nichts, aber der Fremde schien ihnen doch gewaltig zu imponieren.
Französische Bilöcr von der öentschen Flotte.
IInmitlell»ar vor dein Ausbruche des europäischen Völkerkricges hat ein französischer Offizier in der „Revue de Paris" einen langen, augenscheinlich aus gute Kenntnisse gestützten Aufsatz über die deutsche Flotte verössentlichr, der jetzt im Hinblick aus die glänzenden Leistungen unserer Blaujacken doppelt lesenswert ist. Der Franzose, ein Leutnant, der seinen Rainen nicht nennt, gibt zuerst eine durchaus sachlich gchaliene Geschichte der Entstehung der deuischcn Flotte, behandelt dann ihren Ausbau und kommt hierauf zu ihren Mannschaften und Offizieren. Tie Vergleiche, die er mit der französischen Flotte zielst, satten zuweilen zugunsten der deutschen Flotte ans, namentlich hinsichllich der Tisziplin und der Haltung. „Dir deutschen Seeleute im ganzen gcnomnien," so sagt er dann wörtlich, „haben die Vorzüge, wie die Nachteile des deutschen Soldaten, aber ihre Mängel, besonders das Fehlen der Initiative und die geistige Langsamkeit (lenteur d'esprit) sind an Bord wichtiger als am Lande. Das ist vielleicht der Wunde Punkt." Von den Offizieren hüst er hervor, daß sie stolz auf die Seemacht ihres Landes seien und fest an die Zukunft der deutschen Flotte glaubten, die an Glanz die Vergangenheit übettresjen würde: sie fürchten den Krieg nicht, sondern sie wünschen ihn. Ten Glanlien an die eigene Kraft erkennt der Franzose als starken Faktor an: doch meint er dann: „Es ist unschwer zu zeigen, daß ihre Einrichtungen, weit entsernl davon, denen anderer Völker voraus zu sein, gewöhnlich nur deren A'-glanz sind und mit bedeutender Verspätung cingesührt werden." Hierbei hat er die Einführung der schweren Kaliber und der Unterseeboote im Auge und er glaubt überhaupt ieststel- Icn zu können, „daß keine Originalidee im Seewesen von Deutschland ausgegangen ist, und daß nichts dazu berechtigt, über die Flotteneinheften dieses Lairdes ein besonderes günstiges Urteil zu fällen."
Was für eine Rolle wird nun die deutsche Flotte im Kriege spielen? Diese Frage behandelt der französische, Leutnant ziemlich ausführlich und für einen Franzosen sehr sachlich: „eine aktive, das versteht sich," so beginnt seine Antwort, „und daher in säst allen Fällen eine sekundäre." Alle deutschen Militärschriftsteller, so urteilt er, sind darüber einig, daß der Sieg zu Lande erfochten werden müsse. Ern Krieg der deutschen Flotte gegen England, der dann besonders eingehend besprochen nnrd, würde daher nicht, wie man in Frankreich vielfach glaubt, eine Wiederholung der Kontinentalsperre werden, deutsche Kreuzer würden zwar gelegentlich englische Kaussahrcr jagen, gewöhnlich aber die eigenen Schilfe bc- schützeir, im Ausklärungsdicnst tätig sein und mit den Torpedo- fkottillen gemeinsam arbeiten. Alles sür die Schlacht, das ist der erste Glaubensartikel der gesamten deutschen Flotte, und daher werden die Panzerschifse die Hauptrolle spielen. Der Beginn des Kampfes ist nach dem Franzosen eine lebhafte Tätigkeit der Torpedoboote Deutschlands, die „bewundcrswert geübt" sind und den Gegner schwächen iverden: ebenso wird Deutschland einen starken Gebrauch von Minen niachen, deren Wirksamkeil der russisch- javanische Krieg gezeigt har und für die die Gewässer der Nordsee besonders günstig sind. „Ten Gegner durch Torpedvvorstöße, Minen und Unterseeboote schwächen, dobei die Panzers bitte im Schutz der Häfen behalten, bis dieses erste Ziel erreicht ist. das würde die deutsche Taktik im Kriege gegen England sein, dann würden die Panzer hervorkommen und eine Schlacht liefern, und schließlich — einen deutschen Flottcnsieg angenommen, würde die Trans- vortslotte erscheinen, um das Jnvasionsheer an die englischen Küsten zu setzen, die, wie man weiß, kaum verteidigt sind." Der Franzose meint, trotz der englischen Furcht vor der Invasion hege der deutsche Generalstab diesen Plan wohl nicht, allein er weist daraus hin. daß eine Landung während der englischen Manöver im Jahre 1913 geglückt ist und daß ähnlich im Jahre 1910 bei den französischen Seemanövern der angeriommene Truppentransport von Algier nach Frankreich auch hat bewerkstelligt werden können, und an anderer Stelle seines Aussatzes kommt er darauf zurück, daß 50 große Dampfer der Hamburg-Amerika-Linie und des Norddeutschen Lloyd leicht imstande wären. 250 000 Mann samt Artillerie, Pserde- material und gesamter Bagage nach England überzusetzen, wenn es auch ein gefährliches Wagnis wäre. Eine solche Landung müßte freilich durch ciuen erfolgreichen Krieg an der deutschen Küste vorbereitet werden. Der Franzose bespricht dann die starke deutsche .Küstenverteidigung, Helgoland, das „deutsche Gibraltar", Borkum, Sylt, und meint, vom wirtschaftlichen Standpunkte aus, brauche Deutschland eine Blockade seiner Küste nicht zu befürchten, denn was man auch sagen möge, seine eigenen Bodenerzeuguisse und die Einfuhr zu Lande ermöglichten es ihm, lange Zeit und ohne Sorge zu leben: die Blockade wünsche Deutschland vielmehr, well sie die feindliche Flotte herbeiziehe und in den Bereich der Küstenverteidigung bringe.
Am Schlüsse seines Aussatzes saßt der Franzose sein Urteil zusammen: er hebt hervor, wie trefflich geübt alle Bestandtelle der deutschen Flotte seien, wie sie, bei jeder See, in geschlossenen Formattonen, bei Tag wie bei Nacht, ohne Feuer und Lotsen in dem schwierigen Fahrwasser zwischen Dänemark und den Friesischen Inseln manövrierte, wie sic an den Kampf mll den Elementen gewöhnt sei, zuletzt aber sagt er, augenscheinlich als Selbstbeschwichttgung, wörtlich: „Die deutsche Flotte ist hinsichtlich der Eigenschaften ihres
kömppt der Brief zugleich mit der Dauben an den Ort, von dannen die Daube her ist, und offt weiter als über taufmt Merl, daß man wohl sagen mögte, es wäre unmüglich." Nach diesen und anderen Zeugnissen dürfen wir den Orient, das Nilland und Bordevasien als die Heimat der modernen Brief- tauben-Feldpost bettachten, denn die Taubentelegraphie der alten Römer roar mll dxrn Untergange ihres Reiches verloren gegangen: vielleicht geht sie in Babylonien in uralte Zeiten zurück — toar es doch eine Taube, die in dem langen lägvercn Kamps der Arche gegen die unermeßlichen Wasser der Sintflut nach der schönen biblischen Erzählung ihrem Gebieter Noah das erste Friedensblatt brachte. . . .
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— Ei n aktuelles Lustspiel. Man schreibt uns mis Wiesbaden:Jm Residenz-Theater fand die Urcnisführnng ellies aktuellen Lustspiels „Alles mobil!" statt, das Werk zweier Wiesbadener, Wilhelm Jacoby und Hans Linck. Jacoby hat sich bereits als Bülmenichriststeller leichterer Ware einen Namen gemacht, während Hans Linck, abgesehen von einigen Versuchen, zum ersten Dtale einen vollen Erfolg einheimste. Die Idee des Stückes ist nicht neu: in dem lnckannten Lustspiel „Das Buch einer Frau" kommt sic z. B. sehr sein zum Ausdruck. Di« Figicren sind die üblichen Typen, die man im Lustspiel zu sehen gewohnt ist, das sich dem Schwank zuneigt, abrr das Ganze ist sehr geschickt geinacht und mll teilweise ganz neuen Witzen durchsetzt. Luise, die Tochter eines Majors a._ D„ hat ein Buch geschrieben, das den Titel ,tAlles mobil!" führt. Da der Vater das Schreiben aber für un- standesgemäß hält, wählt sie ein Pseudonym und bittet einen ihr bekannten Schriftsteller, sich als Autor zu bekennen. Auch eine Freundin Luisens springt in die Bresche, um den Vater auf eine falsch« Spur zu setzen. Di« beiden falschen Autoren bekommen, gestützt ans ihren falschen Ruhm, die ihnen eigentlich nicht znge- dachten Partner fürs Leben. Zum Schluß im dritten Akt lausen alle Fäden glatt. Drei Paar« kriegen sich imd wollen sich kriegstrauen lassen, dll Herren erscheinen sämtlich in Feldgrau, cs werden Strümpfe gestrickt und riesige Vorräte eingekanst. Witze wie: „Kennst du die Kosaken?" fragt die polnische Magd den Offiziers burschen und der antwortet: „Nur flüchtig!" Und weiter: „Bon den Engländern wollt ihr wohl viel Geld?" — „Nein, wir begnügen uns mll ein paar Kreuzern," schlugen zündend ein. Es war «p. du rchschlagender Heiterkeftsersolg. der mit Lokalpairivtis - muä mchts m tm hatte, vielmehr gao» ehrlich gcmröll war, p, N.
Personals anderen unterlegen: ihr Material hat keine wahrnehmbare Ueberlegrnlwit, aber die gleiche Hartnäckigkeit, der gleiche Geist der Beharrlichkell, die bei ihrer Bildung gewirkt haben, kennzeichnen auch das Leben ihrer Schisse.. Sie hat ein Ziel und vcrnach- lässigt nichts, um sich darauf vorzubreilen: hierin liegt ihre Stärke,"
Kircbc und Schule.
** Die diesjährige Synode des evang. Dekanats Gießen wurde am Mittwoch morgen in dem Konfir-
inandensaal der Johanncskirchc mit einer von Pfarrer A u s s e l d hier gehaltenen Andacht eröffnet. Aus Grund von Offenbarung Ioh. Kap. 3, V. 7 sf. sprach der Redner über die Aufgabe per .Kirche, Gottes Wort unserem Volke in dieser schweren Zell nahe zu bringen Darauf b g:ü:st: der Vorsitzende, Dekan Guß mann, die Anwesenden imd gedaclüe in ehrenden Worten des durch den Tod ausg.sckiicdenen Mllgliedes, Zkirchenvorstehers Schwalb von Rödgen, des aus denc Felde der Ehre gefallenen Psarrassistenten Barth zu Lollar und der sonstigen bluttgen Opfer, die der ikrreg jetzt fordert Jchrr wird in der üblichen Weise gedacht. Die Wahl des iveltlichen Synodalen zu Rödgen wird genehmigt. Der Bericht des Drkmmtsaussclstlffes über das Jahr 1913 sonne die Berichte der Syrrodalvertrcier sür äußere und innere Mission, die Deianotskrankrnpffcgc, den Gnstav-Adolf-Verein und den evang. Bund tvaren schon rwr acht Tagen den Mitgliedern gedruckt zugc- stelll morden. Ihnen ist folgendes allgemein Interessierend« zu entnehmen: Im Personalbestand der Pfarrer, Organisten und Kirchenvorsteher sind einige Veränderungen durch Versetzung oder Tod eingetreten; in Beuern wurde ein Posaunenchor gegründet, kirchliche Feste fanden wiedec statt, besondere Feiern vom Regierungsjubiläum des Kaisers und an der Jahrhundertfeier werden aus allen Gemeinden gemeldet. In manck«n Gemeinden bürgern sich be'ondere Totensestieiern aut den Friedhöfen rin. In Leihgestern ist ein Frauenverrin sür Armenpflege mll 150 Mitgliedern. Die Zahl der Evangelische» des Dekanats beträgt 61 935, wovon 350 den Sekten zugehören. Der Kirchenbcsuch hat gegen das Vorjahr um 157 Erwachsene und 669 Kindern abgenommeu, der des hl. Abendmahls ist sich ungefähr gleich geblieben. Ter Prozentsatz der Kirchenbesuchcr schwank! zwischen 9,3 und 59,6 Proz„ der der Abendmahlsgäste zwischen 21,7 imd 213 Proz. Dieser Rückgang der äußeren Kirchlichkeit sttht im Zusannnenbang mit dm Zunahme der Vergnügungssucht, Wohlleben und Genußsucht, über, die im weiteren Verlauf des Berichtes geklagt wird: besonders wird aus den schädlichen Einskuß hrnge- wiescn, den der übertriebene Besuch der Wirtshäuser aus du männliche Jugend ausübt. Tie kirchlichen Gebäude sind meist in guteni Zustande, wiewohl in einigen tzlemeiirden Neubauten er- uninsckst wären. Die meisten Pfarrhäuser sllrd aus .Kosten der Gemeinden an die elektrische Leitung augeschlossen, in Leihgestern auch die Kirche, waS jetzt bei den abendlichen Kriegsbetstunden für alle Kirchen zu wünschen wäre. Für Werke der christlichen Licbcstättgkeit gingen ein 63 889 Mk., an Ärrchen- kollekirn 3810 Mk., an Opfer für Ortsarme 12 696 Mk., sür sonstige kirchliche Zwecke 6112 Mk.. zusammen 86 597 Mk., mehr gegen das Porjahr 11519 Mk., wovon 1633 Mk. Nationalspende für die Mission waren. Auf deii Kops der Bevölkerung kominen 1,39 Mk. gegen 1,22 Mk. in 1912. Für die äußere Mission besteht großes Interesse: das beweist die Völkerkundliche Ausstellung der Baseler Mission, die vom 4.-23. April in der alten Klinik tahicr abgeholtcn worden war und großen Besuch zu verzeichnen hatte. Außerdem sind die Gaben für die Hcidenmission sehr ge- tvachsen infolge von Predigten, Misironsvorttägen und Missioirs- sesten, die hin und wieder gehalten wurden. Auch sür tue innere Mission wird ttästtg gearbeitet, ebenso sür den G-A-Verein und den Evangelisck^ii Bund, welch letzterer 9 Zweigverellre im Dela- nat hat. Tie Dekanatskraukenpftege schreitet gut voran, sieben Stationen sind besetzt, die 55 Tagpslegen, 182 Nachtpslegen und 8761 Pslegebesuche zu verzeichnen hatten. Die Rechnung der Tekanatskasse für 1913, die von 2 Mitgliedern der Synode geprüft war, wird genehmigt. Zum Sttllvertteter des Dekans wird gewählt Pfarrer Webcr-Lang-Äöns, zum geisil. Abgeordneten zur Landessynode derselbe, ^als weltlicher Abgeordneter Prot. Dr. Wftmiienaucr brer, zri «Stellvertreter Pfarrer Lic. Itzombel-Reis- kirchen und Altbürgermeistcr Kreil mg-Hruchelivim Sodann regt der Vorsitzende aus Grund einiger von ihm auigcstcllten Richtlinien die Frage zur Besprechung an: Welche Ausgaben erivachscn dem evangelischen Psarrer und den kirchlichen Gemeindevrganen in dieser schweren Zeit? An die erschöpfenden Ausfübrungen des Vortragenden knüpftc sich eine längere Aussprache. Zinn Schluß dankt der Vorsitzende dem zum 1. Oktober in den Ruhestand tretenden Kirchenrat Strack und dem nach Beendiguirg des Krieges ausscheideuden Kirchenrat 1>. Schlosser sür ihre Tätigkeit und wünscht ihnen Gottes Segen. Mit eineni von Pfarrer Bernbeck- Wieseck gesprochenen Gebet wird die Synode gegen 2 Uhr geschlossen.
vom Roten Rreuz in Gießen.
Gießen, 30. Sept.
Alan schreibt uns:
Für dll stammende vaterländische Begeisterung, dll alle Kreise unseres Volkes erfüllt, legen nicht nur die Heldentaten unlertt Krieger auf den blutgetränkten Schlachtfeldern imd zur See Zeugnis ab, sondern nicht ininder auch die unvergleichliche Opferwtllig- kell, mit der sich dll zu Haute Zurückgebliebenen zur Betätigung ftirVolk imd Gemeinwohl -usammensckorten. So habe» namentlich mich die Bestrebungen des Roten Kreuzes eine geradezu leidenschaftliche Teilnahme in den iveitesten .Kreisen gefunden. Bei dem riesigen Angebot freiwilliger Hilfsttäfte ist sogar die Gefahr aufgetaucht, daß sich derjenigen, die nicht sofort unnnttelbar in der von ihnen gewünschten Weise mit .Hand anlegen durften, vielfach eine gewisse Verstimmung über di« ihnen aufgezwungene Untätigkeit bemäckstigl hat. Umso aingebrachter erscheint cs, letzt nach Ablauf der ersten Kriegswvchen einen Blick auf dll verschiedenen Arbeitsgebiete des Roten Kreuzes zu werfen, darauf hinzuiveijen, was bisher gerade hier in Gießen geleistet wurde, und wie vielsack, Gelegenheit noch heute jedermann arbeiten ist, die Arbeiten des Roten Kreuzes tatkräftig zu unterstützen.
In Gieße» besteben zurzeit zwei Grupven des Roten Kreuzes. Tie eine schon seit langen Jahren tättge Gruppe besteht aus dem hiesigen Zweigverein vom Roten Kreuz und dem Alice-Frauen- verein, dll andere wurde sogleich bei Kriegsanfang ans Initiative des alten ZweigvereinS ins Leben gerufen, indem dieser in einem Schreiben vom 3. August an den Provinzialdrrrktor dll Bildung eines Kreiskoniitees und von Ortsausschüssen in allen Geineinöen des Kreises zur Sammlung von Geld- und Liebesgaben anregte.
Die erste und eigentliche Aüfgab? des Roten Kreuzes bildet die Unterstützung und Ergänzung des militärischen Sanlläts- dicnstes. Tan! dem großen Entgegenkommen der Universitäten konnten die in den Universitätskliniken eingerichteten Bereins- lazarette vom Rvttn Kreuz eine ganz außerordentliche Erweiterung gegenüber dem nv prim glichen Plan« erfahren. Statt, wie ursprünglich geplant, 200 Verwundete, können nunnvebr annähernd 600 in den Universitätskliniken untergrbracht werden. Der dadurch erheblich gesteigerte Bedarf an Betten — gegen 100 Bitten mußten für die Ktiniken neu beschafft werden - .Krankenanzügen, Spriseeinrichtungcn nsto. erforderte sehr bedeittcnde Aufwendungen, tue, soweit nicht die eingegaugencn Liebesgaben aus reichten, "aus den Geldsammlungen gedeckt werden müssen.
Neben den Vereinslazaretten sind aber auch die direkt von der Hceresverwalttrng eingerichteten Reserve-Lazarette im Garnisons-Lazarett (Braugassei, im SiochenhauS, Kaufmännischen Vor- cinShans, Turnhalle, Steins Garten, katholischen Vereinshons, katholischen Schwesternhaus, evangelischen Schwesternhaus und in der Alten Klinik Gegenstand der Fürsorge des Rottn Kreuzes. Die geringen, gar oft nicht ausreichenden Mittel dieser Mllllär- Lazarettc sind ebenso wll in den Vereinslazaretten durch Berrit- stellrmg von Bettwäsche, Leibwäsche, Verband»,itteln, Kleidungsstücken, Krücken, Stöcken, Wein, Obst, Zigarren nsw. so ausgiebtg,. als dies rrur ttgrnd inöglich ioar seitens des Roten Kreuzes, cr- gönzt worden. An Leibwäsche ivurde den Lazaretten vorwiegend die gelieferte gebrauchte Leibwäsche zur Berfügimg gestellt, wöh- rend ins Feld nur ganz neue Wäsckie oder nur sehr gut «rhrlten« Stücke gesandt ivurden. Auch für die Unlerhaltung der Verwundeten wird gesorgt durch eine von der Uutoeriilät eingerichtete
und venoaltetc Bücherei und durch Tageszeittmgen Verschiedrnsh»>
Art, die täglich in dll Lazarette abwechselnd gebrackü werden.
Einen wesentlichen Teil der Verwundeten-Fürsorg« bildet» ferner die Verpflegung und Versorgung der in den Eisenbahnzügen durch Gießen kommenden V-i. mundeten und Kranken. Für dicseit Zweck ist mit erheb, licheil Miltelii eine Verbands- und Erfrischungsl>alle auf dem Bahnhose geschaffen worden, wo sich seit Beginn der blutigxw Känipse unter der Führung eines leitenden Arztes und zg^,^, Assistenzärzte eine Reihe von eifrigen Helfern und vom Alne. Frnucn-Verein ausgebildete Helserinnen sowie als Saniariterinm» tättge Damen des Roten Kreuzes bei dem Einttcfsen der Lazarett- ^ zöge durch Verabreichung vo»^ Eririschungen, Erneuerung Beibänden nsw. betätigt. D>en ^rtanim der Hilssmaimchaft bildet die Gießener Sanitätskolonne, dir zur Unterstützung ihrer altcg Mitglieder in zwei AuSbildungskurse» noch weitere kundige heiser hrrangczogen hat. Bon der Stanimannschaft sind einige tn z?ih,
!azaretten im Feindesland verwendet, andere als Begleitmannschaften der über Eiießen hernussahrenden Verwnndetenzüge, wjh, rcnd die jüngeren Mitglieder vorwiegeird bei der Verbandstellr aus dem Bahnhose und bei der Uebersührung der Verwundeten in die hiesigen Lazarette sich betätigen Ganz besonders loertoolh Dienste leisten für den Vcttvundctcnttansport das von Herrn Geheimen Kommer-ienrat Heichelheim geschenkte Krankenautomobil und zahlreich^: Wogen hiesiger Krastlvagenbesitzer.
Für dnrchkommendc Lrichlverwundcle sind Nachtunteckunsts- räume in der Anatomie, im Liebigm»se»m und in der Fest- und Bergwerkshallc auf dem Gelände der alten Klmik geschaffen, in denen bis zu 530 Mannschaften untergrbracht werden können
Erst seit kurzem hat die Versorgung der im Felde stehenden Trnpven mit Liebesgaben ins Werk gesetzt werben kömien. Eine erste Sendling ist aus Jnittative des Oberbürgermeisters Mitte September zusammen mit Bllibandstoffen sür die Feldlazarette in und um Sedan mit drei Automobilen direkt von Giesren «uz ins Feld befördert worden. Vor einigen Tagen folgte eine größere Sendung von Li be gaben (Lebensmittel, Wäsche und Genußmittch in 32 Kisten, deneii bald weitere Vorräte folgen solien.
Die Liebesgaben, die den 6>rundstock dieser Sendiingen bilden, sind auf den von dem Roten Kreuze erlassenen Anfrus aus allen Kreisen der Bevölkerung und zwar nicht nur aus der Stadt und aus dem Kreise Gießen, sondern auch aus vielen Ortschaften außer- halb des Kreises und des Groß.herzogtnms (so besonders aus U l r r ch st e i n und Umgegend sowie ans dem Kreise Wetzlar) in reicher Fülle eingegangen. Soweit nicht die Vcrwendirng ins Feld sogleich erfolgte, wurden die gelieserte» Nabcungsmiltel, Kleidungsstücke nsw. möglichst gleichmäßig auf die jämtiichen hiesigen Lazarette verteilt. Da sich diese immer wieder von neuem und in steigendem Maße mit Verwundeten und Kranken füllen, so muß das Rote Kreuz mis einen sortdauernden Zustrom voy Liebesgaben aller ?ttt rechnen können. ' II
Es ist bereits ein kurzer Ueberblick über die an der Eftri- schungsstelle am Bahnhof verabreichtcu Lebensmittel veröHeui. lickt worden. Noch besseren Ausschluß über das bis letzt Geleisleie ^ geben die nachstehenden Zahlen über die bis zum 20. SeptemL» : entstandenen Ausgaben. Tie Errichtung der am Bahnhof notwendigen Gebäude kostete 1800 Mk.. ivozn weitere Auslagen sür j besseren Schutz der Buden gegen Kälte noch hin zu ko man eu. Für Aufstellung der Kessel, Awschasfung des Geschirrs und ionftign i Geräte müßten 22Ö0 Mk. verausgabt werden. Für Arznerm, jI Berbandmittel und sonstige Sanirätsmaterialien der Berb.indsllllr am Bahnhof wurden 1390 Mk. bezahlt. Durch die Ersrischungs- L stelle am Bahnhof wurden neben den Lrebesgaben sür 2600 Rh | Eßwareu verabreicht. Tie Bedürfnisse dm Lazarette und die Be- I rcitstellung der sür die im Felde stehenden Truppen nötrgeii Aus« I stottiingsgegcnstand«, Leibwäsche, Unterhosen, Strümpfe und dngtz > erwiderten einen Ltusnund von nrnd 1000 Mk. Für Wacki^nen» , am Bahnhof und in der alten Klinik, Aufwendung für dar Sani« I tätspcrsonal und Berwundetenttansport waren rund 1800 Mk. 1 erforderlich. Heizung, Beleuchtung, Porto, Telegramm- und Fern- . sprechgcbühren, Schreibmaterialien, Bücher, Dirnstvorschriftr», F Druckkoste,, und ?kvschaffnngen verschiedener Art stellten sich ruf ■ rund 2000 Mk. Dll meisten Ausgabeposten sind so niedrig, weil viele Liebesgaben gleicher Art verwendet werden konnteii. Auch iu , den nächsten Monaten wird der Geldbedarf gegenüber den beiden ersten Monaten mit einer Gesamtausgabe von rund 15 009 Mk. A nicht geringer sein, da cm Stelle der einnmligen Ausgaben immer . > neue Bedürfilisse der Lazarette treten. Daß bei der Höhe der Aus- i gaben die Abführung von Geldmitteln cm dll Zenttale in Darm- | stadt ausgeschlossen ist, bedarf keiner Hervorhebung. Im Gegen- ‘i. teil rechnet die Leitung d« Rotni Kreuzes bei dmn oft bewährten I Opfersinn der Einwolmerschaft Gieße,rs aus iveitere recht reich !w liche Gaben, um die Leiden unserer Verwundeten nach Kräften mlldern zu können. I
Arr» KtaSl rnrv Larr^»
Gießen, 1. Oktober 1914. Arbeitslosigkeit, Armenpflege und „Kriegsfürsorge".
Das Großh. Miiiisteriuni des Innern hat in einem Ausschm- ben an die Großh. Kreisämter erneut als Gegenstand besonderer Auftirerksamkeit und Sorgfalt die Verhütung der Arbeitslosigkeit bezeichnet und das Zusainmenarbeiten aller öttlilbe» Arbeitsnachweise von ?lrbeitgebern, Arbeitern, Korporationen usw, mit dem öffentlichen ?lrbeitsnachweis wiederholt dringend emvfoh- len. Da aber ttotz aller dieser Maßnahmen eine Inanspruchnahme der Ar me „pflege vielfach wohl kaum vermieden werden könne, > sei es weiterhin nötig, daß die Gemeindevettvaltungen rechtzeitig mit bf» Arbeitgebern und den Arbeiterorganisationen Fühlung nch- men, um zu verhüten, daß dll Armenpjlege in übermäßigem und überflüssigem Umfange in Ansprrich genommen iverde. Das (tzrvßh. > Ministerium weist hieran anschließend daraus hin, in erster Linie sei stets daraus Bedacht zu nehmen, nach Möglichkeit Arbeits- > Ii gelegenheit zu schaffen. Hier müßten gerade die Kommunal- »crwallungen iu ihrer Eigenschast als ?lrbeit- und Lluftraggeber Mitwirken und die bereits iu Angrffs geiwmmencn Arbeiten nicht etwa aus Anlaß des Krieges unterbrechen, sondern ungesäumt fort- sühre». Zu iv-iinschen sei auch, daß sie diejenigen Arbeiten, !nk zwar beschlossen, aber noch nicht begonnen seien, unverzüglich M Angriff nehmen. Bei Ausführung dieser Arbeiten müsse Rücksscht genommen werden, möglichst vieleii Personen — gegebenenfalls unter Verkürzung der üblichen Arbeitszcll — einen, iven» l auch notlniritigen Verdienst zu gewähren. Eine Beschäftigung srn- i williger Kräfte lmbc dagegen ganz zu »uterbleibcn. Ferner müsse imni versuchen, bei Vergebung neuer Lieserungcn den Firmen zur Bedingung zu machen, Masienenllassuiigen von Llrbeitnchmern oder Lohnkürzungen zu unterlassen. Auch bei Unternehmen, dll sich be- l rcits im Besitz größerer Austräge befinden, ivürden dahiugehruc« Bemühungen vielfach nicht ohne den gewünschten Erfolg bleiben.
Ten Gemeinden wird weiterhin in dem Erlaß nahegelegt, bei Aw stallrn, >oie zum Beispiel die der Straßenbahnen, die zunächst cme Einschränkung des Betriebes batten eintretcn lassen müssen, alsbald den früheren Betrieb in vollem Umsange wieder aufzunchmeu und zu diesem Zweck eine entsprechende Zahl neuer Arbellskräfte einzustellen. Die vorstehenden, haupisächlich sür den ArbeiterstaM gegebenen Hinweise seien aber virlsach auch aus andere Kreise, ins* besoudeiw auf dll der kaufmänuisckwii und technischen Angestellten, anweisbar Dies um so mehr, als eine Anzahl von Angestellten zu dem Kündigungstermin am I. Oktober d. I. beschäftigungs-und brotlos würden. Auch hier dürften solche Stellenlosen nach Möglichkeit bei der Vergebung geeigneter Arbeiien, z. B. im Kanzlei- dienst, zu berücksichtigen sein. — In einem weiteren Abschnitte des Ministerialerlasses imrd die „K riegsfürsorge" behandelt und als eine der vornehmsten Pflichten der Gemeinden das lttntretnr für alle infolge des Krieges hilssbedürsttgen Personen bezcichnet- Ein solches Einschreiten düri'e aber in den jetzigen Zeitverhältmsftu weder rechtlich noch praktisch unter dem engen Begriff der Armen- , Vssege in Erscheinung treten. Die Envartung, daß die ssllmemden ihre dahingehenden Pflichten in weilyerzigcm Sinne ausfassen, könM um so mehr gehegt iverden, als die Gemeinde» schon vcrschlldentlcw freiwlllig mit patriottscher Hingabe sich dieser Aufgabe gewidmrr hätten und als sie mit jeder einzelnen derartigen Maßnahme M den Kriegszeiten in erhöhten, Maße auch der Allgemeinheit und dem eigenen Interesse dienten Dir Gewährung barer Unterstützung zur Erinögtichung der Mietzahlung empfehle ftch im allgewru^s nicht. Es sei orelmehr eine direkte Einigung der Gcmuwden w»


