Ausgabe 
1.10.1914
 
Einzelbild herunterladen

neutrale* Hafen Regenten deutschen Schiffe fast ausnalpus- los engtijche Ladanqen an Bock Hütten, woraus der englische JCrtajnnni« uuti vergebe»-:' nmrte. > lins che Abhilfe sei ge­boten, sei es, daß man die Schiffe mit englischer Besatzung weiter fahren lasse, oder sie an Muttale öerflaufe.

DieWeftminster öfe^ette" weist auf die gewaltigen Schädigungen hin, welche der Einfuhrhandel mit ge­frorenem Rindfleisch durch den Älrieg erleide. Eine Schiff­fahrtslinie werde demnächst nicht mehr verkehren und damit witrden wöchentlich 6 Millionen Pfund gefrorenes Fleisch aus Argentinien sortsallen. Aehnlich stehe es mit der Einfuhr aus Australien, Das sei bedenklich, da viek Fleisch an die Truppen im Felde abgegeben werden müsse.

Weitere deutsche Seebcute.

Rotterdam, 30. Seht. Der englische Dampfer Vcpuna" mit einer Ladung Cobra wurde einer De­pesche auS Sydney zufolge von den Deutschen auf den Marschallinseln erbeutet. Die griechische Firma A. A. Em- bericos teilte der englischen Regierung mit, daß der Kreuzer Emden" sich aus ihrem DampferPontopores" mit Koh­len versorgte/

Der deutsche und der englische Handel.

London, 30. Sept. (SB. B. Nichtamtlich) DieDimes" schreiben in ihrer Besprechung des Buches von William Daws on am 26. September: & wird viel von der Ge­legenheit gesprochen, die der Krieg bietet, um sich des deutschen Handels und der deutschen Absatz­gebiete zu bemächtigen. Hiervon ist vieles leeres Geschwätz, Die Handelsbeziehungen, deren wir uns dank unserer Flotte bemächtigen können, werden nicht lange in unserer Hand bleiben, wenn der norniale "Zustand wieder einttitt Wie soll dann das dabei festgelegte Kapital wieder heranskommen? Deuffchland hat sich seinen Handel ehrlich durch die Kenntnisse, die Intelligenz, den Fleiß, und die Anpassungsfähigkeit seiner Kauf- leute und Ingenieure gesichert. Nur durch die gleichen Eigenschaften können Nur die Absatzgebiete uns erobern und dauernd behalten. DieDimes" empfehlen endlich den englischen Industriellen das Studium des Buches und die Nachahmung deutscher Geschäftsmethoden.

Eisenerz als Kriegskonterbandc.

Stockholm, 30. Sept, (W. D, Nichtamtlich) Die schwe­dische Presse drückt ihr Erstaunen und ihre Besorgnis darüber aus, daß Großbritannien gegen die Lon­doner Deklaration, die Großbritannien in diesem Kriege beobachten zu wollen sich bereit erklärte, Eisenerz als Kriegskonterbande erklärt hat. Mit Verstimmung und riecht ohne Bitterkeit, so sagt das radikaleDagcnS Rpheter", sehen wir diesen englischen Schritt, der das wirt­schaftliche Leben des aus-richtig neutralen Schweden sehr schwer trifft.

Das englische Moratorium.

Basel, 30, Sept, (WTB. Nichtamtlich,) Nach einer Meldung des hier eigegangenenDemps" aus London beschloß die englische Regierung, das Moratorium erst am 1. April in vollem Umfange endigen zu lassen,

Spanien beschlagnahmt einen englischen Dampfer.

Madrid, 30, Sept. Aus Huelva wird gemeldet, daß das spanische KanonenbootDelphin" in der Mündung des Guadiana den englischen Handels- d a m p s e rP e n n i n s u l a" und fünf portugiesi­sche Barken beschlagnahmt hat. Der Kommandant des Delphin" verlangte von dem englischen Kapitän die Papiere zu sehen. Dieser weigerte sich, seine Klarierungspapiere vor­zuzeigen. Der spanische Kanonenbootskommandant beschlag­nahmte daraufhin denPenninsula" und die mit der Aus-- 'labung beschäftigten portugiesischen Barken und schleppte sie in den Hasen von Huelva, Ein Seegericht wird über dien Fall entscheiden. Wahrscheinlich wird jedoch die Beschlag­nahme aufrecht erhalten werden, da es sich um die Ucbev- nahme von Kriegskonterbande gehandelt haben soll. (Bcrl. Tageblatt./

Ein Armeebefehl des österreichischen Oberbefehlshabers.

(SBTB) Wien, 30. Sept. (Amtlich.) Der Oberkom- «mandant Erzherzog Friedrich erläßt einen Ar­meebefehl, in dem es u. a. heißt: Die Situation ist für uns und für das deutsche Heer günstig. Die rus­sische Offensive in Galizien ist im Begriff zusammenzubrechen. Gegen Frankreich steht ein neuer großer Sieg bevor. Auf dem Balkan-Kriegsschauplatze kämpfen wir gleichfalls in Feindesland. Innere Un­ruhen, Aufstände, Elend und Hungersnot be- -drohen unsere Feinde im Rücken, während -die Monarchie und das verbündete Deutsche Reich einig undin starker Zuversicht da stehen, den uns freventlich aufgedruwgenen 'Krieg bis ans sieg­reiche Ende durchzukürnpfen.

v. Auffenberg erkrankt.

Wien, 30. Sept. (W.B. Nichtamtlich.) Aus dem Kriegs- hreffeguortier wird amtlich gemeldet: Der Armeekomman­dant v. Auffenberg ist erkrankt. Diese Nachricht wird gewiß allgemeines Bedauern Hervorrufen.

Die Lage auf dem österreichisch-russischen Kriegsschauplatz.

O fen Pest, 30. Sept. (W, B. Nichtamtlich.) Ein aus Uzsok eingetroffener hoher Generalstabsoffizier hat dem -Obergespan die amtliche Meldung erstattet, daß die Kämpfe, die vorgestern und gestern um Uzsok stattgefunden haben, ivon Erfolg begleitet waren und die Russen zu­rückgedrängt wurden. Der Uzsokcr Paß befindet sich «wieder in unseren Händen. Me Russen haben sehr schwere Verluste erlitten. Ans dem Gebiete des UngerkornitatI be­endet sich kein Russe mehr,

Wien, 30, Sept, (W.IB, Nichtamtlich.) Ae Mütter besprechen das gemeinsame Vorgeben der verbün­deten deutschen und österreichisch-ungarischen Streitkraste gegen die Russen, Das ^,Fremdenblatt" schreibt:

Ae Tatsache, daß die deutsche und österreichisch-ungarisch« Armee nunmehr vereint ist, um den gemeinsamen russischen Feiird zu bekämpsen, wird soioohl bei uns ivie in dem treu verbündeten Deutschen Reiche die größte.Genugtuung und ausriästige Begriste- erung Hervorrufen, Jetzt ist Gelegenheit geboten, die Waffen­brüderschaft aut das glänzendste zu bewähren. Mit hoffnungsvoller Zuversicht blicken wohl alle Völker der verbündeten Staaten den Ereignissen entgegen, deren Szene der nördliche Kriegsschauplatz werden mag.

DieNcueFreie Presse" Ivcist aus das seit vierzig Jahren bestehende deutsch-österreichische Bündnis hin und sagt: . ^ .w.

Niemals in diesen 40 Jahren hat Europa daran zweifeln

können, wo Oesterreich-Ungarn stellen werde, wenn Deutschland von Gcsahr bedroht sei, und Deutschland sein werde, wenn die Monarchie sich gegen einen Feind wehren müßte. Nun fechten die beiden Kaiserreiche im Norden zur Verteidigung ihrer Zukunft und Sicherheit, nun stehen sic fest zusammen und die wärmste Sym­pathie begrüßt in Oesterreich wie in Ungarn die unüberwrndlict>e Kamvsgenosscnschast. Sehnsüchtige Wünsche begleiten sie aus allen Wegen,

DasNcue Wiener Tageblatt" betont die selbst­süchtigen Zwecke der verbündeten französischen Republik, Englands und Rußlands und hält dem entgegen:

Auf Seiten der beiden Kaiserstaaten, aber in schlichten Worten die ernste Kundgebung des ftäsengleichen Zusammenstehens bis zum Sieg oder Untergang, dann in schicksalsschwerem Krieg in Nord und Süd, in Ost und West ein Hand- und Herdstützen bis zum letzten Mann, Roß imd Geschütz, ein einziges gigantisches Hirnarbeiten aus gemeinsame hehre Ziele,

DasNeue Wiener Journal" schreibt:

Was gestern die Bevölkerung Wiens und des ganzen Kaiser- staatcs mit hellem Jubel erfüllte, das war nicht ganz allein die Siegeskunde von allen Kriegsschauplätzen, das war mehr, das war die Begeisterung für das Bünvms mit Tentschlaiw, das war die Begeisterung für Treue um Treue, die so herrlich in die Erschei­nung tritt,

Bon den Tcntsch-Böhmen.

Prag, 30, Sept, (W, B. Nichtamtlich.) In einer Beratung der deutsch-böhmischen Reichsratsabgeordneten wurde heute eine Begrüßungskundgebung an die ver­bündeten Armeen beschlossen, in der es heißt, daß die Ab- geordncten von Oesterreich-Ungarn und Deutschland mit heißen Segenswünschen den ausgezwungeucn Kamps um das Recht und die Existenz ihrer Reiche begleiten, der trotz der planmäßigen Ber- leunrdungen der Gegner und ihrer jeder Kultur hohnsprechenden .Handlungsweise gewiß siegreich zu Ende geführt werde. Sie machen für die Verwüstungen des Krieges, die furchtbaren Verluste an Menschen und volkswirtschaftlichen Werten jene verantwortlich, die sich nicht scheuten, ein meuchlerisches Verbrechen der serbi­schen Staatslenker mit ihrem Namen und ihrer Unterstützung zu decken. Sie versichern die beiden Heere ihres unerschütterliche» Ver­trauens und des begeisterten Dankes sür die bisher ftcundigst ge­brachten Opfer, An den Kaiser Franz Josef wurde erne Huldigungsdepesch« gesandt, in der die Abgeordneten ihre unerschütterliche Treue versichern und für die österreichisch-ungari­schen Massen und die des verbündeten deutschen Heeres von Gott einen vollen Erfolg erflehen.

Italiens Neutralität.

Zürich, 30. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) DieNeue Züricher Zeitung" gibt einen Artikel aus demCorriere Subalpino di Cuneo" wieder, der G io litt i zugeschrieben wird und sich mit der italienischen Neutralität be­saßt. Nachdem der Verfasser das Anerbieten der Triple-Ent­ente, das durch Delcassö und Pichon gemacht wurde, und in dem Italien Trient, Triest und Dalmatien ver­sprochen wird, sowie dass Anerbieten A n d r a s s y s, das Nizza, Savopen, Korsika und Malta betrisst, launig zurück- tveift, weil die hochherzigen Geber die Geschenke gar nicht in der Tasche hätten, sagt er u. a.:

Italien schlvankt nicht wie Buridans Esel zivischen Heubün- deln: cs will locker das eine noch! das andere. Aber wir werden uns nicht der Falschheit und des Treubruchs schuldig machen und unsere Freunde hinterrücks anfallen. Nicht einmal Macchiavelli wäre in der Aufrechterbaltung der Staatsdoktrin zu einem solchen Zynismus heruntergcsunken. lieber alles geht die Würde einer Natron. Der Mensch lebt nicht von Brot allem, son­dern auch von seiner Würde und Ehre. Wir wissen nicht, ob der Meibnnd noch vorteilhaft ist, dürfen aber den Gewinn nicht ver­gessen, den er uns in drei Jahrzehnten gebracht hat. Es sind heute Symptome vorhanden, daß das Land ebenso wenig für einen Krieg gegen wie mit Oesterreich begeistert ist, Vielleicht wird er gewünscht von den Republikanern und Nationalisten, sicher nicht von allen. Das Land will überhaupt keinen Krieg, es braucht den Frieden, Wir haben schon mit dem lybischen Krieg übergenug. Wir wissen nicht, was der Sieg bringen würde, wissen aber gewiß, daß eine Niederlage den Zusammenbruch des Landes zur Folge hätte.

Neuer Kronrat in Rumänien.

Wien, 30. Sept. Mitteilungen von zuverlässiger Seite gestatten eine günstigere Auffassung der Haltung Rumä­niens. Morgen findet ein neuer Kronrat statt. Wie der Bu- karesterUniversul" meldet, gab der deutsche Gesandte von dem Bussche-Haddenhausen rm Auftrag seiner Re­gierung die ausdrückliche Erklärung üb, daß zwi­schen Deutschland und Oesterreich-Ungarn eine unzerstörbare Solidarität besteht.

Der König von Rumänien erkrankt.

Wien, 30.Sept. (WTB. Nichtamtlich.) DieWie- nerAllgemeineZeitung" erfährt zu der Erkrankung des Königs von Rumänien, daß diese keinen bedenklichen Cha­rakter trage und kein Anlaß zu Besorgnissen vorhanden sei.

W i e n, 30. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Hier eingetroß- sene rumänische Blätter enthalten folgenden von Hofarzt Mamulea am 21. September ausgegebenen Bericht:Der König leidet seit einer Woche an Leberkolik, einem Lei­den, zu dessen Beruhigung er genötigt sein wird, einige Tage das Bett zu hüten." (Notiz des Wolfs-Bureaus: Nach einer neueren Nachricht ist der König wieder außerhalb des Bettes.)

Aus Bulgarien.

Sofia, 30.Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Agence Bul­gare: Das BlattRuß ko je Slowo" will wissen, daß der neue bulgarische Kriegsminister Fitschcw den russischen Gesandten S a w i n s k i besucht und ihm erklärt habe, daß er niemals eine feindliche Aktion gegen Rußland oder Ser­bien zulassen werde. Gegenüber dieser Mitteilung ist fest- zustellen, daß Fitschew, der seit vierzehn Tagen den Minister- Posten inne hat, heute zum e rßenMale den SZertreterRuß­lands ausgesucht hat.

Sofia, 30. Sept. (WTB, Nichtamtlich,) Meldung der Agence Bulgare": Der Minister des Innern erhielt gestern ans Strumitza folgendes Telegramm:In der letzten Nacht kamen wieder etwa hundert Flüchtlinge aus I s ch t i p an. Sie erzählten von fürchterlichen Dingen, Die Stadt sei von serbischen Truppen eingeschlossen worden, die die Männer mit Waffengewalt fortführen, um sie zur serbischen Armee zu schicken. Zwischen der Gendarmerie und den Bürgern ist es zweimal zu einem Feuergesecht gekommen. 283 Familien, deren Oberhäupter nach Bulgarien flüchteten, sind verhaftet ivordcn. Bier Frauen haben im Gefängnis ent­bunden. Die Bevölkerung der Stadt und des Bezirks ist einer wilden Verfolgung preisgegeben."

Zur Sperrung der Dardanellen.

Konstantinopel, 30. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Eine halbamtliche Rote stellt zur Rechtfertigung der voll­ständigen Sperrung der Dardanellen fest, daß eine eng­lische und eine französische Flotte seit einiger Zeit am Eingang der Dardanellen kreuzten, wobei sie die ein- und ausfahrenden Schiffe anhielten, durchsuchten und die Besatzung ausftagten, was der Freiheit der Schiffahrt in den Dardanellen tatsächlich Abbruch tat. Deshalb hat die Regierung beschlossen, die Dardanellen zu sperren und nicht wieder zu öffnen« bis die genannten Flotten sich

von der Meerenge entfernt hätten und die bisherige, abnormalen Verhältnisse geschwunden seien.

Kon sta n t in o Pe l, 30. Sept. (W. B. Nichtamtlich Me hiesige offiziöse Agentur erfahrt: Me russische Re g i e r u n g wollte m n s e l m a n i s ch eFr e i w i l l i gje" « den russischen Distrikten am Schwarzen Meer, insbesonder, in Adschara, Tschurusku und der Umgebung Barums, « ihr Heer einreihen. Da die Muselmanen sich weigerte« wurden die Notabeln eingekerkcrt. Me muselmanisch Bevölkerung sei sehr erregt. Die Einwohner Adsthmp, hätten zu den Waffen gegriffen.

Rom, 30. Sept. DerCorriere dJtalia" meldet m» Konstantinopel: Die russische Flotte aus de«) Schwarzen Meer nähert sich «dem Bosporus. Die eim. lische Mittelmeerflotte mit einem großen Dell der franM- scheu Flotte versammelt sich in den Gewässern der Aegäiz Aese Flottenkundgebung im Bosporus und in den Dard«) netten soll die Türkei zur Beibehaltung der Kapitulation^ und zur Aufgabe ihrer zweifelhaften Stellung gegenüber dem Dreiverband zwingen.

Spannung zwischen Rußland und Afghanistan.

Konstantinopel, 30. Sept. (WTB.) Gestern hie, eingetroffene persische Blätter enthalten die Bestätigung eines Zivischenscllls bezüglich eines Tunnels an der russisch afghanischen Grenze. Die Russen Hütten seit Jahren heim­lich an einem Tunnel von der Grenzstadt Knschk nach Her«, gebaut. Der Gouverneur von Herat fest hiervon verständig, gewesen. Der Emir von Slsghanistan hat die Zerstörung des Tunnels angeordnet, Gerüchten zufolge sind 2000 Russe« und zahlreiche Arbeiter in dem Tunnel nmge- kommen. Der Zwischenfall hat in den Beziehungen zwi­schen Rußland und Slsghanistan eine große Spannung her- vorgerusen.

Der Angriff der Japaner in Kiautschau.

(SBTB,) Tokio, 30, Sept. (Nichtamtlich. Reuter^Nrl dnng.) Me Japaner haben am Sonntag die Deutscher fünf Mellen von Tsingtau entfernt angegriffen.

(WTB.) Tokio, 30. Sept. (Nichtamtlich.) Eine amt­liche .Mitteilung besagt: Bei ihren Landangriffen auf dn nächsten Umgebungen von Tsingtau hatten die Japaner 3 Tote und 12 Verwundete.

R o t t e r d a nt, 30. Sept. Die britische Gesandffchaft hat eine Depesche das englischen Auswärtigen SImtes erhalten, die japanische Regierung habe berichtet, daß am Samstag die japanischen Truppen die Deutschen angegriffen haben. Diese hätten die vorgeschobenen Stellungen zwischen den Flüssen Paische und Listun besetzt.

Borfichtsmaßrcgcln.

Berlin, 30. Sept. General von Löwensekd macht imKorpsverordnungsblatt" bekannt: Gefangene

französische Offiziere berichteten, daß sie unsere Offiziere und Offiziersstellvertreter an den blanken Leder-Ga­maschen erkennen und abschießen. Er rät, die Gamasche« grau zu beschmutzen und stumpf zu machen, damit sie kein Ziel mehr bieten. Me Engländer haben Unsere Vor­gesetzten an der vielen Benutzung der Ferngläser er- könnt und beschossen.

Das Ergebnis der deutschen Kriegsanleihe.

Berli n, 30. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) In der soeben erschienenen Nummer de§Bcmkarchivs" bespricht der Di­rektor der Deutschen Bank, Dr. Helffeit ch, das ErWh, nis der Kriegsanleihe.

Er stellt zunächst fesch daß der Zeichnungsbeittag von rund 4Vu Milliarden nicht nur ans dem Papier steht, sondern echt bis aus die letzte Mark" ist, und daß der für das Reich gesicherte Betrag etwa doppelt so groß ist wie die Summe, worauf als Ergebnis der ersten Kriegs­anleihe an maßgebenden Stellen gerechnet wurde. Mit dem Bettag von 4>/s Däilliarden übertrifst die denffche Kriegsanleihe alle bisher in der Wett durchge- führten Finauzaktionen, deren weitaus größte die durch zwei Slnteihen aufgebrachte französische Kmogskosteneutscluidi- gung von 4 Milliarden war. Diese 4 MMarden wurden rn 2Hz Jahren aufgebracht, während die um eine halbe MM- acke größere deutsche Kriegsanleihe in ebensoviel Monotzllk von dem deutschen Volke eingezahlt wird, und zwar als aus­schließliche Leistung des deutschen Volkes, da die Heran­ziehung selbst des neuttalen Auslairdes in voller Slbsicht vermieden wurde. England hat bisher 900 Millio­nen Mark aufgebracht, Frankreich stößt bei der Geld­beschaffung auf große Schwierigkeiten. Ihm ist bisher nur die Beschaffung von 40 Millionen Mark in England gelun­gen, während man zu einer inneren Anleihe angesichts des Mißerfolges der kurz vor dem Kriege emittterten 800 Döillio- nen Franken 3VrProzentige Rente sich bisher nicht ent­schlossen hat. Für einen Kriege der bis in das nächste Frühjahr dauert, ist also der Geldbedarf des Deutschen Reiches gedeckt. SVenn der englische Schatzkanzler in echt bri­tischer Ueberhebung prahlte, nicht die erste, sondern die letzte Milliarde werde den Krieg entscheiden, so mögen England und Frankreich zunächst eimnat diesen sWfp-nntg der drei bezw. vier Milliarden einholen. Dann lverden wir in aller Ruhe zusehen können, ivem die Ausbringung von etwa weiter nöttgen Milliarden schwerer fällt, llnsere Kriegsanleihe machte uns niemand in der Welt vor. Niemand wick sie uns so leicht nachmachen.

Münchener Klatsch.

München, 30. Sept. Um dem Kaffee Haus- und Bierbankklatsch entgegen zu treten, gibt das stellver­tretende Generalkommando folgendes bekannt:

Es wirkt erheiternd und betrübend zugleich, zu sehen, wir ein unsinniges Gerücht das andere ablöst Jede SlirfklärunascrrbeU der Behörden scheitett an der Sensationslust eines TeÜes des Publikums. Zuerst wurde auf der Fröttmattnger Heide eine Un­zahl französischer Spione erschossen und den Soldaten, die sic sest- aenommen hatten, die besondere Vergünstigung gewährt, der Er­schießung beiwohnen zu können. Kurze Zeit daraus konnte München nicht schlafen, well der Kronprinz verwundet und gefangen genom­men worden war. Dann waren es Bettreter des weiblichen Ge­schlechts, die in Schließheim einen Offizier tätlich angegriffen hatten und dafür standrechttich erschossen wurden. Wetter brach ein ftanzösischer Offizier sein Ehremoott: er floh vom Lechselde, wurde aber tviedcr sestgenommen und gefesselt eingebracht. Darnach sahen in Praunstcin 159 Zivilisten ihr« standrechtlichen Ab­urteilung entgegen. Das Neueste auf diesem Gebittr ist daß einer unserer höchsten Offiziere, der zurzeit im Felde sein 40 jähriges Dienßjubiläum feiert, nach Münck/en nicht ganz sreiwlllig zurück- gekehrt sei. Personen, die immer als best informiert gellen «vollen und in ihrem Kreis dafür gehalten werden, glauben sogar, über die Veranlassung alle Einzelheiten zu wissen. Sicherlich hat dieser Offizier über das Wohlwollen, das seiner Person entgegen gebracht wird, genau so gelacht, wie das stelivextretendc General kommculdo. Uber die Sache hat auch ihre ernste Seite, die Verbreiter solcher