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lieriljprrch - Slnfchlüge: iür die Schriitl eitung 112 Bcrtoq,<NcschäitSst«lleö1 Ädretze tör Drovtnach- ridpoc Anzeiger «ietzea. anaüt)OK ooa Anzeigen Kr bk tageSmnnmcr bis va rn ü tiagS 9 Uhr.
Erstes Blatt M. Jahrgang Donnerstag, Oktober 19 M
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Rolatwnsdnlck und Verlag der Sricht'fchen Univ.-Svch- uud Zteinüruckerei 8. Lange. 5chrifUeitung, Seschästrstclle u. Druderei: Lchulftr. Z.
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Die Zranzosen mit schweren Verlusten vom deutschen rechten Zlügel zmuckgeschlagen. vor Antwerpen zwei Zorts zerstört.
(WTB-)ÄrotzeS Hauptguartirr. 30. Srptnnb.. abends. (Amtlich.) Nördlich und südlich von Albert vor- yrhende übrrlegem feindliche Kräfte sind unters chwercn Verlusten für sie zur ückgeschlagen. Auf der Front der Schlachtlinir ist nichts neues zu melden. Bei den A r - gönnen geht unser Angriff stetig, wenn auch langsam vorwärts. Vor den Sperrfortsandcr Maaslinie keine Veränderung. In Elsaß-Lothringen stieß der Feind gestern in den mittleren Vogesen vor; seine Angriffe wurden kräftig zurückgcworfen.
Vor Antwerpen sind zwei der unter Feuer genommenen Forts zerstört.
Don dem östlichen Kriegsschauplatz ist noch nichts Besonderes zu melden.
Die letzten heißen Kämpfe unseres deutschen rechten Flügels halxn sich nicht bei Noyon, sondern in der Gegend von Bapanme abgespielt. Albert liegt etwa 15 Kilometer südwestlich von Bapaume. Die französischen Truppen hatten also ihren Kulminationspunkt erreicht und sind mit schweren Verlusten wieder zu rückgetrieben worden. Bezeichnend für ihre Lage ist ein heute eingetroffener englischer Bericht, der zu gibt, daß die neu gebildete französische Armee imscrtig und urrassgebildet sei. ?luch fehle es an Offizieren.
Nun ist es nicht vertrmnderlich, daß die Erbitterung des Feindes aufs höchste gestiegen ist. Es besesttgt sich bei ihm allmählich die Ueberzcugung, daß alle Anstrengungen schließlich doch vergeblich sein werden, und das große Leid, die manuigfachk» unvermeidbaren Zerstörungen von Städten und Dörfern Frankreichs werden selbstverständlich auch Gerüchte über Rücksichtslosigkeiten unserer Truppen zeitigen, so daß wahnsinniger Haß in den französischen KSnipfern emporstergen mag. Allein das kann in keiner Weise zur Entschuldigung dienen für die namenlosen Verbrechen, die lt. einer nachstehenden Meldung des Generalstabsarztes v. Schjern ing an den Kaiser in einem französischen Dorfe durch Franktireurs verübt worden sind. In allen gesitteten Ländern wird man nun merken, w o in Wahrheit ine barbarische Kriegsführnng Platz greift. Es ist zweifelsfrei bewiesen worden, daß die deutschen Offiziere sich bemühen, künstlerische Baudenkmäler nach Möglichkeit zu schonen, und wenn auch mit Strenge gegen Francttreurs vsorgegangen worden ist, so wäre doch der Fall ganz und gar undenkbar, daß deutsche Männer Verwundete oder Tote verstümmeln oder martern körmten. Daß dieser Geist der Barbarei aber nicht nur auf Frankreichs Schlachtfeldern weht, sondern auch seinen Sitz in der friedlichen Hauptstadt hat, beweist der „Mattn" mtt seinen gemeinen, verbrecherischen Aufforderungen an das französische Heer, und das beweist auch die Tatsache, daß der französischen Zensurbehörde diese schmähliche Mordgesinnung des „Mattn" ganz in der Ordnung zu sein scheint.
Mft dem FallzweierForts von Antwerpen rückt die Stunde näher, wo auch in Belgien der letzte Widerstand des Feindes beseitigt sein wird. Bei Tsingtau endlich haben die gelben Helfer der Briten ebenfalls schon blutigo Köpfe sich geholt. Dagegen erregt es in allen deutschen Herzen ein wahres Hochgefühl, daß unser tapferer Kreuzer „Emde n" wieder ein halbes Dutzend feindlicher Schiffe aufgebracht und zum Teil versenkt hat. Die deutsche Flotte entwickelt entschieden mehr Mut und Jnittative als die Riesenmacht der Engländer, und das wird im Auslande, und namentlich auch in dem gewitterschwülen Orient seinen Eindruck nicht verfehlen.
* B *
Ein Kulturbild der „grande nation.“.
GroßesHauptquartier,30. Sept. (WTB. Amtlich.) Der Generalstabsarzt der Armee und Chef des Feld- santtätswesens v.Schjerning hat dem Kaiser folgende Meldung erstattet:
Bor einigen Tagen wurde in Orchies ein Lazarett von Franktireurs überfallen. Bei der am 24. September gegen Orchies unternommenen Strasexpedition durch das Lmidwehrbataillon Nr. 35 stieß dieses auf überlegene feindliche Truppen aller Gattungen und mußte unter Vertu st en von acht Toten und 25 Verwluudeten zurück. Ein am nächsten Tage entsandtes bayerisches Pionierbataillon stieß auf keinen Feind mehr. Es fand Orchies von den Einwohnern verlassen. Im Orte wurden 20 beim Gefecht am vorhergehenden Tage verwundet« Deutsche grauenhaft verstümmelt ausgefundcn. Ohren und Nasen waren ihnen abgeschnitten und man hatte sie durch Einführen von Säge- Mehl in Mund und Nase erstickt. Die Richtigkeit des darüber ausgenommenen Befundes ist von zwei ftanzösischen Geistlichen unterschristlich bestätigt. Orchies ist dem Erdboden gleichgemacht.
Mailand, 30. Sept. Der Korrespondent des Mailänder Sozialisteublattes „Avanti" in Bordeaux bespricht die Handhabung der Zensur in Frcnkreich und zitiertden „Matin", der offen zur Ermordung der Deutschen Gefangenen ausfordert, während die Zen-
für den Tadel der ,L>umanits" über solche Roheit gestrichen habe. Der Satz des „Mattn" lautet wörtlich:
Nur kein Mitleid in den nächsten Kämpfen mit diesen nichtswürdigen Verbrechern wider das gemeine Recht, wenn wir sie in unserer Gewalt haben, und aus denen sich Wilhelm II. vielleicht eine Leibwache gebildet hat, die aber wert sind, um gebracht zu werden wie die Schweine. In ganz Frankreich würde ein unwiderstehlicher Protest ausbrechen, wenn wir glauben oder fürchten^müßtcn, daß man uns mit solchen Gefangenen belästigen sollte. Sie sind keinen Pardon wert, sic müssen niedergemacht werden wir die wilden Tiere."
Diese Sprache des bekannten Pariser Blattes zeigt besser als alles andere, wie tief in Wahrheit die französische Kultur gesunken ist. Der unwissendste russische Kosak kann heute den gebildeten Boulevardier kaum noch an barbarischer Wildheit und unmenschlicher Gesinnung über- tresfcn.
Die „Times" über die Lage des französischen Heeres.
London, 30. Sept. (25.21. Nichtamtlich.) Der militärische Mitarbeiter der „Times" tröstet sich über den Fall des Forts C amp-de s-Ro m ain s folgendermaßen :
Der Fall des Forts ist sehr traurig. ?lber der französische rechte Flügel besitzt sicher starke Reserven. Wir erwarten, daß im Lause ganz kurzer Zeit die Deutschen wieder zurückgetrieben werden. Die französischen Sperrforts sind niemals als lange widerstandsfähig a.'igesehen worden. Ihre Aufgabe war, die Zufuhrwege des Feindes zu sperren. Diese Mission haben sie erfülll. Die Hauptinteressen richten sich augenblicklich auf die Gegend von Bervnne, wo sich die feindlichen Heere in einer großen Schlacht befinden. Biele gute und erfahrene Offiziere haben kein großes Vertrauen ans die jetzt in der Bildung begriffene Armee. Nicht, weil sie die Qualität des Menschenmaterials an Körper und Geist bezweifeln, sondern weil sie sie nicht vor Ablauf von achtzehn Monaten für fähig zum Feldzuge, zumal gegenüber der modernen Artillerie, halten, und selbst dann kaum, wenn sie durch Berufsoffiziere gut ausgebildet werden würde. Mer die Anzahl der Offiziere ist nicht nur an sich beschränkt, sondern sie wird auch durch die großen Verluste fortdauernd verringert.
Stockholm, 30. Sept. Das „Swenska Dagbladet" schreibt: Die neue österreichisch-deutsche Front tvird sicherlich bald so stabil sein, daß die rücftvärttge Bewegung aufhört. Von russischer Seite soll man durch! Rekognoszierungen zu dem Ergebnis gekommen sein, daß die Stellung des Gegners zwischen Przemysl und Krakau so stark ist, daß sie einer förmlichen Belagerung ausgesetzt werden muß, besonders da die Russen der österreichischen Armee, die durch starke deutsche Verstärkungen unterstützt ist, der Zahl nach bis auf weiteres unterlegen sind, infolge der starken Abteilungen, die man teils nach Polen, teilst nach Ostgalizien senden mußte, um ein Zusammenwirken mit den Truppen in der Bukowina zu erzielen. Bestätigt sich die Nachricht von den Verschickungen nach Polen, so versteht man, daß die Wirkung von Hindenbnrgs Opera- ttonen jetzt in der Form einer Erleichterung des russischen Druckes auf Oesterreich zum Ausdruck kommt. Diese Nachricht über die Lage ist aus Petersburg an Pariser Zeitungen gedrahtet worden.
Zweikampf zwischen einem englischen und einem deutschen Flieger.
Rotterdam, 30. Sept. In einem Bericht aus dem englischen Hauptquartter wird ein Zweikampf zwischen einem englischen und einem deutschen Ftieger geschildert. Der Engländer, der die deutschen Stellungen beunruhigte, wurde in der Luft von dem deutschen Flieger verwundet, doch gelang es ihm, innerhalb der englischen Linie in der Nähe eines Lazaretts zu landen. Der Bericht erllärt ferner, daß der Kampf immer mehr einem Belagerungskampf ähnelt und die Deutschen ihre Stellungen aus das Sorgfältigste gewählt haben.
Die Nachricht vom Fall von Maubeuge in Frankreich.
London, 30. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Tie „Times" meldet aus Paris unterm 26. September: Der Fall von Maubenge ist jetzt in Frankreich allgemein bekannt geworden, obwohl er bis jetzt amtlich noch nicht zugegeben wird.
Bon der französischen Zensur.
Bordeaux, 30. Sept. (W. B.) M i l l e r a n d hat für acht Tage das Erscheinen des „Homme Libre" verboten, da Clemencean sich geweigert hat, einige Stellen eines Artikels zu stteichen. Das Gesuch um Suspendierung des Blattes war von dem kommandierenden General des 17. Militärbezirks ansgegangen.
Der bewachte Eiselturm.
Rotterdam, 30. Sept. Die „Times" meldet aus Paris: Der Eiffelturm wird sorgfältig bewacht, und es ist verboten, in der Umgebung von einem Kilometer Licht zu brennen. In den Gasthöfen der Umgegend nimmt man die Mahlzeiten beim Licht einer gemeinsamen Kerze ein.
Frankreichs Verluste.
Amsterdam, 30. Sept. Nach französischer Schätzung sollen die Vertu st eFrankreichsbisher schon 300 000 Mann betragen. Ein Krieg von einem Jahre würde Frankreich zu Grunde richten.
Ein Ausfall aus Antwerpen zurückgefchlageu.
Rotterdam, 30. Sept. .21m Sonntag machte das. Antwerpener Festungsheer einen 2lusfall. Daran sollen nach belgischen Meldungen 7 0000 Mann teilgenommen haben. Auf beiden Seiten.kam es zu einem größeren Artillerie-> kämpf, wobei die Ortschaft Oodeyhem in Flammen ans-; ging. Zweimal wurden die Belgier von der deutschen Min-, deryeit zurnckgcworsen und schließlich endgültig aus Der-, monde zurückgeschlagen, wo sie während des Ge», fechts Batterien und Maschinengewehre in verschanzte Stellungen gebracht hatten. Angeblich vermochten sie sich dadurch in ihren Stellungen zu behaupten.
Rotterdam, 30. Sept. An der holländischen Grenze lvird die Belagerung Antwerpens fühlbar. Ans Baarle- 2 las sau, an der Sndgrenze Nord-Brabants, treffen tausende belgischer Flüchtlinge mit ihrem Hausgerät ein, um in Holland ihr Unterkommen zu suchen. Sie erzählen, daß. die Deutschen bei dem Vorrücken gegen Antwerpen ganz Nordbelgien von den belgischen Soldaten säubern. Sie würden stündlich in Turu- hout erwartet. Die Pfleglinge einer Irrenanstalt in Gheel nmrden fortgeschafft. Sämtliche belgischen Flüchtlinge werden auf Befehl der holländischen Regierung geimpft. Die holländische Dainpfstraßenbahn Bred-Antwerpcu verkehrt nur noch bis zur Grenzstatton Wernhout, von dort geht ein Omnibus. Nach Meldungen ans Turnhout treiben die deutschen Truppen die belgische Feldarmee aus drei Richtungen vor sich her nach dem Festungsgürtel Antwerpens! Die dritte Beschießung Mechelns hat Verheerungen ange- richtet. Bei der Abfahrt des Kardinals Merciers am Sonntag abend nach Antwerpen hatte der Bischofspalast in Mecheln wenig gelitten. Die Deutschen schafften geschiiS ihre schweren Geschütze, hinter ihren Bortrnppen in Schuß- wette und beschossen die Forts von Mecheln, besonders Waelhem und St. Kathelyne. In der Stacht rückten die Deutschen gegen Aalst (französisch Sllost) vor und beschossen es) Am Montag nachmittag verteidigten sich die Belgier noch an der Brücke über den Tender-Fluß.. Auch in Gent treffen zahlreiche Flüchtlinge ein.
Die Zeppeline in Tätigkeit.
Genf, 30. Sept. Die „Morning Post" meldet ans Petersburg: Zeppeline haben viele Erkundungsfahrten auf dem östlichen Kriegsschauplatz unternommen" einer warf eine Bombe auf eine Schule in Bielostoft
Die Bauschädcn in Mecheln.
Brüssel, 30. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Bei der Besichtigung von Mecheln, die am 29. Sept., sofort nach der deutschen Besetzung, von mehreren Herren unter Führung des mit dem Schutze der Knnstdenkmäler beauftragten Geheimrats von Falke vorgenommen wurde, konnte fest- gestellt werden, daß die hervorragenden Baudenkmäler dei Stadt keinen erheblichen Schaden erlitten haben. Nur an wenigen Stellen sind einige Häuser ohne künstlerische Bedeutung durch Artilleriefeuer zerstört worden. Das schöne Haus des Großen Rats mit dem anstoßenden Museum und die Giebelhäuser am Großen Platz haben nicht gelitten. Die hochcmporragende K a t h e d r a l e ist mehrfach von Artillerie- geschossen getroffen worden. Zwar haben die deutschen Truppen strikte Befehle erhalten, die Kathedrale zu schonen, doch haben nach der Besetzung der Stadt durch deutsche Truppen, heute belgische Schrapnells und Granaten die Kirche iw Augenblick der Besichtigung durch die Herren der Zivilverwaltung wiederholt beschädigt. Die Bauschäden können ohne siroße Schwierigkeiten wieder ausgebessert werden. Die ausnahmslos nwdernen Glasgemälde sind, wie alle Fenster der Stadt, durch den Luftdruck zersplittert. Die andern Kirchen von Mecheln sind unversehrt geblieben. Alle wertvollen Bilder wurden, soweit es sich Nachweisen läßt, vor der Besetzung der Stadt entfernt. Die schönen alten Häuser am Kanal sind unbeschädigt geblieben. Der deutsche Stadtkommandant hat strengen Schutz aller Kunstdenkmäler angeordnet.
Der Kreuzer „Emden" hat wieder 6 Schiffe aufgebracht^
(WTB.) London, 30. Sept. (Nichtamtlich.) Die Admiralität gibt bekannt, daß, während der letzten Tage der Kreuzer „Emden" im Indischen Ozean die Dampfer „Dumerico", „Kinglud^, „Riberia" und „Toyle" weggenommen und in den Grund gebohrt und ein Kohlenschiff weggenommen hat. Die Bemannungen der Schiffe wurden auf dem Dampfer „Gyfedale", der ebenfalls genommen, aber ft eigelassen wurde, nach Colombo gebracht, wo sie gestern sinh einttafen.
Basel, 30. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Laut der „Nationalzeitung" bringen englische Blätter immer mehr Nachrichten über die Gefährdung des englischen Seehandels durch deutsche Kriegsschiffe. Tw „Tacly Post" Liverpool teilt mit, daß Hanbelskreise bei der Regie- rung vorstellig geworden sind und verlangt haben, die eng- tische Marine müsse große Anstrcngungeii machen, um die deutschen Kriegsschiffe im Atlantischen Ozean wegzunehmen.
In den „Times" klagen die Kaufleute darübsr, daß die zweihundert gekaperten oder festgelegten und die 150 in


