Ausgabe 
30.9.1914
 
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vrkfr vom wrstMen Xrkey,fchavP?atz.

Tin geborener Essener, Oberleutnant b. (R.... tm Feld

artitterre--Regrnlent Nr----- schreibt an seine Familie unterm

16. Septernder an«...

Wobt zehn Tage bade ich nicht schreiben können, außer einmal mitten im heftigsten Aniltefteftrukpi, als mich mein Batteriechef ablöstr, eine PostkaGr. Ei« fünftägiger Arftlleriekamps im Be- reich der schweren Geschütze nalnn alte Kräfte unaufhörlich in Anspruch, 'bftchlaien Hobe ich zumeist aus blanker Erde im Chaussee- vabrn. Zehn Schritt von mir erhob sich eines Morgens vom gleichen Lager ein General. Gewaschen hat uns in diesen Tagen, die jortroöhrend andere besestiglc Feldstellungen erforderten, schließ­lich der stürmische Regen, welcher uns drei Tage durchweichte. Vorher hatten wir das wunderbarste Wetter, allerdings mittags oft eine Gluthitze. Di« meisten von uns, hoch und niedrig, sind seit dem 10. August in kein Bett gekrochen: ich eiin einziges Mal in einer Vorstadt von Brüssel. Aber was noch weniger augenel-m empfunden wurde: man hat dir Kleider. Stiesel nur ab und zu gelegentlich schnellen Wäschcwechstlns oblegen können. Ein einziges Mal seit dem Verlassen der Bahn einen Ruhetag in Belgien gehabt, sonst ist es immer unaufhaltsam vorwärts ge­gangen. Bisher hat mich glücklicherweise keine Kugel getrosten, und gesund und frisch verrichte ich den Dienst. Wr wollen die französische Armee nicht nur schlagen, sondern sie vernichten, und fern Engländer soll über den .Kanal zrirückkommen. Die Leistungen unserer Truppen sind überall großartig, und ihr Zustand trotzdem sehr gut. Biel geholten hat dabei der Rotwein, der hier überall in'Strömen gleichsam fließt. Was unserefeu­dale' Kavallerie an Strapazen und Entbehrungen erträgt, wftd den alten Ruhm dieser Regimenter erhöhen. Durchweg herrscht herzliche Kameradschaft und fester Wille, seine ganze Straft ein* zusctzcn um das hohe Ziel: des Vaterlandes Größe und Sicher­heit, mit erreichen zu Helsen. Aus dem besten Wege scheinen wir ja su sei«.

Wein liebstes Mntting!

Heute ist Ruhetag! O Wort voll zaubrischen Klängen für den Fekdsoldateu, der ohne ein Dach über sich mit Trockenheit, reiner Wäsche, Waschen, Essen und Ruhe sich ein wenig von dem Frieden uorspiegeft, den «s jetzt nicht gibt. Euren Tag lang nicht den nerven- chaunrudeu Gedanken, gleich gebt's los, einen Tag nicht das etwas wehmütige Gefühl, der Boden, aus dem du stehst, die Höhen, die vor dir liegen, sie können hie letzten sein, die du stehst!

Ru«, behaglich sitzen wft (Hauptmann und ich) im schönen Zimmer, Var mir die Postkarte von Paul, Fritz, Schokolade von Dir, 70 Zigaretten. Schon rauche ich, Bier und Wein steht aus dem Tisch, lecker zieht der Dutt der unten brodelnden Bohnen­suppe zu uns heraus, und wir schreiben! Wie gut, daß man das kau«! Wie gut, wi Gegensatz zu der Bevölkerung hier! Meine Hauswirtin, deren zwei Neffen, die Nachbarin, deren Mann im Felde ist, erzählten mft heute morgen weinend: llepuis ckeux nuus, pas de nouveiles! Nous ne savoos pas, oo se trouve mon man! Sie wissen nicht einmal, in welchem Regiment. Das ist doch fürchterlich. Sic wollte von mir wissen, ob viele Franzosen tot wäre«, ich tröstete sic, cs seien viele gefangen und daran klammert sie ihre Hoffnung. Die Leute sind sehr nett, üb >veiß nicht, was in ihrem. Inneren vorgeht, daß sie uns, die Eindring- Ujm£, so gitt behandeln. Als wir gestern durchnaß hier wieder ankamen, waren unsere Zimmer tadellos in Ordnung und sogar geheizt! Allerdings hoben sie Vertrauen besonders zu den Offi­zieren, und wenn das geringste ist, kommen sie gleich zu uns und bitten rfn Abhilfe, was gleich geschieht. Wenn ich so höre, bei uns beginnt die Schube, olles geht seinen Gang, so konimt ein heißes Daukgefühl gegen Gott, daß er unsere Grenzlande verschont. Du müßtest hier die Unordnung sehen! Alles über­laden mft Truppen, keine Verwaltung, die Ernte nicht herein, der Krüger droht, schrecklich. Ganz sassuugsbos stehen die Leute dem Schrecklichen gegenüber. Jetzt sind acht Tage seft den schrecklichen Tagen im Bois de X verflossen, ich denke mft Schauder daran prrück. Ja der Schlacht, wenn mau sich wehren kann, ist es! was < vilKt . es . Aber verstvü im Wall», im fteseu dichten Wald und dann M ar sich» um sich, neben sich dieses eutseykiche .Krachen, Borsten der schtueiieu Granaten, mm denen ein Schuß ganze Lich- tanpen riß. ahn» zu wissen, woher, ohne die Möglichkeit, sich zu wehren, das war schrecftich. Wir haben morgens ans dem Walde das ganz« SEKSxfcn der Franzosen ustu., ine ans da nicht ver- mifteleu, in aller Gemütsruhe beobachten können und haben sie nur deshalb nicht unliebsam gestört, weil wir unsere Stellung nicht verraten sollten. Gestern kam auch die Nachrickst, daß mein Pa- trouillengang bei £. ein weiteres Opfer gefordert, ein bei mir Verwundeter ist gestern gestorben. Ehre seinem Andenken. Ein Bild ist mir uuoergrßlich. Als wir am l. September morgens die Chasseurpatrouille abgeschossen hatten und zwei Mann, die liegen «chlteben waren, gefangen genoimnen hatten, ging ich mit einem Chasseur zu dem gleichfalls gesallcnen fangen Osfizier. Ich sah es sofort, er hatte Herzschuß. Aber der mich begleitende Chasseur der ihu ossenbar gern hatte, sragte mich angstvoll: Mon officier, vive-J-fl? Und als ich verneinend den Kovf schüttelte: II est mort, kniete der Mann nieder und betete lange für seinen Leut­nant! <8n ergreifendes Bild: Weit sah man ins sonnenüberflutete Land, vor uns inmitten von vier toten Pferden lang hingestrcckt friedlich der junge tote Offizier, drum meine Leute mit den Ge­rn gen en, u»d mitten drin kniete der Soldat! Es war totensftll, wohl jeder fühlte den Schritt des Todes, der auch ihn morgen treffen kann! Und auch ich habe mft dem Chasseur still ein Gebet gesprochen für den braven itameraden: Leutnanl der Reserve Gaston Forgues de Bordeaux. Seine sikbergeschmücktc Brieftasche und viel Geld zeigte den reichen Kausmannssohn. MleS ist abgc- liefert worden, ferne junge Frau wird es erhalten. Bor einigen Tagen erhielt ich auch einen Brief eines Fabrikanten aus Rem- Veü», eines Schwagers meines Kameraden P., der an meiner Sette gefallen und dessen junge Frau ich benachrichtigt hatte. Er schrieb sehr traurig, und bat um nähere Einzelheiten, die ich >i«n sofort mittftkte. Ja, Mntting, es gibt so viel Leid, und nicht immer gelingt es, die trübernste Stimmung zu verscheuchen. Was wird, weiß ich nicht. Wir hören dauernd ans der Ferne Kanoueudonner, auch spricht man von einer Schlacht vor Paris, von deren Ausgang wohl unsere weitere Verwendung abhängen

Sitzung Ser StaStverordneten.

Gestern vormittag fand »ach 8 wöchentlicher Pause wieder eine Sitzung unserer Stadtverordneten statt. Zuerst wurde eine Auslosung von Schuldverschreibungen der Stadt Gießen vor­genommen, nachdem die Stadtverordneten Orbig und Hclsrich als Urkundspersonen ernannt waren.

Oberbürgermeister Keller gedachte i» warmen Worten der Anerkennung des verstorbenen Kollegen Friedrich Helm: er gedachte seiner als eines zuverlässigen und erfahrenen Beraters der Stadt in Fragen des Verkehrs. Man werde in der städtischen Verwaltung dem Verstorbenen allezeit ein ehrendes Gedenken be­wahren. Ueberqehend zu ,,Mitteilungen" bemerkte der Vor­sitzende, daß er die Absicht gehabt, einen vollständigen Bericht über die TÄtjgkeit der Brrnmkftmg seit dem Mobilmachungstagc zu geben, doch sei er l>ei der Fülle der Arbeit bisher nicht dazu gekonnnen. Wichftg für die Bevölke­rung sei jedoch, zu erfahren, daß der Oberbürgermeister unter dem 13. September sich an die zuständige Stelle geioendet hat, um zu veranlassen, daß Mitteilungen über den Berbleib unserer Ange­hörigen im Felde schneller als dies bisher der Fall war, hierher gelangen. Der Oberbürgermeister kommt auf das be- refts mftgetelltc Ergebnis der Zeichnung der Deutschen Kriegsanleihe in unserer Stadt zu sprechen. Er bezeichnet das Ergebnis gegenüber den Beträgen, die in anderen Städten gezeichnet sind, als glänzend, wofür er den vielen kleinen und mittleren Zeichnern, die sich in unserer Stadt hervorragend bei der Kriegsanleihe betätigt haben, öffentlich Dank ausspricht. Aus Universitätskrersen war angeregt worden, um zwi­schen der Heimat und unfern Soldaten im Felde eine geistige Verbindung herznstellen, eine Hessische Feldpost in Form einer 4 Seiten starken Wochenschrift zur Gratislieserung an die hesWlhc Divifion herzustellen Nachdem die Darmstädlcr Zeitung

es abgelekmt hatte, diese Zeitung unentgeltNch zu drucken, wollte man den Plan verwirklichen, wenn die größere» Garnisonstcidte in Hessen die Truckkosten übernehmen würden. Gießen, Offenbach und Worms fanden sich hierzu bereft, Darmstadt und Mainz lehn­ten eine Brittagsleistung ab. Damit ist der Plan geschettett. Stadtv. Sommer crklätt, unsere Truppen lechzten nach Nach­richten aus der Heimat, er schlag« deshalb vor, allwöchentlich ein Auto nach dem Kriegsschauplatz zu senden, das die neuesten Tageszeitungen für die Soldaten dahin bringt, es sei dies besser und billiger als ein besonderes lfterarisches Unternehmen. Der Oberbürgermei st er bemerkte, daß in der nächsten Zeit sechs Automobile mit Liebesgaben von Gießen nach Frankreich abgehen, er werde veranlassen, daß die Fahrzeuge Zeitungen nach dort mitnchmen. Es sei nicht möglich, jede Woche jemand zu senden, der Zeitungen nach der Front bringe, denn die Automobile leiden bei diesen Fahrten durch Feindesland ganz außerordentlich. Der Vorsitzende spricht dem Geheimen Kommerzienrat Heichel­heim namens der Stadt seinen Dank aus für die Spende von 10 000 Mk., durch die es ermöglicht wurde, für die Stadt ein Kranken-Automobil anzuschasfen, welches zurzeit für den Transpott von Verwundeten dient. (Es wurden bisher über 250 schwer verletzte Krieger damit in die Lazarette befördert.)

Ucber die in der Gründung begriffene Kriegskreditkasse berichtet der Oberbürgermeister. Es bleibe vorerst abzuwatten, ivelcher Betrag aus der Mitte der Bürgerschaft für das Unter­nehmen gezeichnet wird, um zu erwägen, in welcher Höhe die Stadt Gt-ßen sich an der Kreditgenossenschaft beteilige. Beigeordneter Justizrat ffltiiitcltiolb war zuerst darüber im Zweifel, ob eine solche Gründung für unsere Stadt eine Notwendigkeit sei. In der darüber oorgenommenen Aussprache sei er aber überzeugt worden, daß es für die Stützung durch den Krieg schwach gewordener Exi­stenzen erforderlich sei, ein solches Kredit-Institut in unserer Stadt zu schaffen, das besonders das Handwerk und dem Handel weft- gehendst cntqrgenkommt. Es sei notwendig aus Gründen der all­gemeinen Fürsorge, daß sich besonders an dem Unternehmen als Genossen diesenigen .Kreise der Bürgerschaft beteiligen, die den Kredit des Instituts nicht brauchen, die aber durch ihren Beitritt zu ihrem Teil der allgemeinen Kredftirot gewisser Streife unserer Gewerbetreibenden mit ab Helten müssen. Der Oberbürger­meister verweist aut die von der Universität zu veranstaltenden B o r t r ä g e und bittet, dies« zahlreich zu besuchen. Nach seinem Borschlage soll der Erlös zur

Unterstützung der Hinterbliebenen der im Kamvs für das Baterland gebliebenen Strieger Berwenbung finden. Der Oberbürgermeister teilt mit, daß er an zu­ständiger Stelle beantragt habe, daß von Berlin aus für das Reich eine

einheitliche Festsetzung der Preise für Getreide

iestgesctzt werde, damit die Preise für Mehl und Backwaren für die Bevölkerung sich etträglich gestalten. Stadtv. Heichelheim bemerkt, daß sich dies wohl schwerlich durchführen lasse, da zwischen den Gettcidepreisen in Berlin und denen in Gießen auch in nor­malen Zeiten ein Preisunterschied vorhanden sei. Stadtv. Loeber bemerkt, die Differenz betrage etwa 2,50 Mk. Der Oberbürgermeister bemerkt, man möge doch den nötigen Ausgleich der Zentralstelle in Berlin überlassen. Es wird dann vom Oberbürgermeister der Aufruf des Oberbürgermeisters Körte in Königsberg verlesen, den dieser im Interesse der durch den Einfalt der Rüssen in Ostpreußen geschädigten Bevölkerung erlassen bat. Ter Oberbürgermeister verweist aut den Beschluß des Deutschen Städtetages, wonach die Heilung der Schäden in der Provinz Ostpreußen eine Angelegenheit aller deutschen Städte sei. Mit großer Wärme tritt der Oberbürgermeister dafür ein, daß die Stadtverordneten

für die schwer tzeimgesuchte Provinz Ostpreußen 3000 Mark bewilligt, indem er bemerkt, daß bereits von privater Seite ihm für den gleichen Zweck Geldbeträge überwiesen seien. Der Antrag wird einstimmig zum Beschluß erhoben. lieber die Wiedereröffnung des Stadtthecitrrs berichtet Beigeordneter Justizrat Grünewald, indem er das Folgende ausführte:

Die Frage, ob das Stadttheaier in dieser Saison spielen soll oder nicht, wird verschieden beurteilt. Die Sftmmungen darüber in der Bevölkerung seien Schwankungen unterworfen, wie dies aus den verschiedenen Stadien, in denen die kriegerischen Angelegen­heiten sich bewegten, sich leicht erkläre. Pflicht der Stadtverord­netenversammlung sei, unabhängig von diesen Stimmungen zu prü­fen, was dem Gemeinwohl diene. Wie grundsätzlich alle wirtschast- lichen Tätigkeitsgebiete aufrecht erhalten werden müßten, Handel und Wandel, industrielle Betriebe nach Möglichkeit nicht still ge­legt, soitdern höchstens eingcschränft werden dürften, so dürfe auch nach seiner Ansicht und nach der der Ausschüsse, die über diese Frage beraten hätten, der Tbeaterbetrieb nicht aushörcn. Im gan­zen Reiche seien jetzt Entschließungen dahin getroffen worden, ins- l>esondere auch auf Anregung des Vorstandes des deutschen Bülmen- vercins, daß man die Theater spielen lasse: eine Stadt wie Meßen dürfe in dieser Hinsicht nicht nach der Zahl ihrer Einwohner gemessen werden, man müsse bedenken, daß in ihr eine llnioersi- tät, eine Garnison, die Zeittralc einer Reihe von Behörden sich befinde, also eine starke Schicht intellektueller Elemente. Gerade in einer Zeit, die erfüllt sei von Krieg und Kriegsgoschrei, in der man nur höre von Gewalt, von Raubein und Rohem, dürften die kulturellen Werte nicht vernachlässigt werden. Es sei wichftg, daß wenigstens an einem Abend in der Woche die Bürger Gelegenheft hätten, zusammen zu kommen, ihre Meinungen auszutauschen, sich aneinander aufzurichten und aus den Werken unserer deutschen Dichter und Denker neue Hosfnmig, neue Zuversicht und Wieder­belebung des patrioftschen Sinnes zu schöpfen. Da Geselligkeft vollständig mangele, Konzette und dergleichen nicht stattsinden, biete das Theater die einzige Zeittrale ideeller Bestrebungen. Unter­blieben die Vorstellungen, so n>erde die Bevölkerung sich des Theaterbesuchs überhaupt entwöhnen, das Theater würde auch für die Zukunft veröden. Was den Spielplan betreffe, so würden in der ersten Zeit wohl vorwiegend patriotische Werke zur Auf­führung gelangen müssen, es böten sich aber auch eine Reihe an­derer ernster Werke von ftescm Sinn und Inhalt, die wohl ge­eignet seien, erhebende Empfindungen auszulösen Und er stehe nicht an, zu wünschen, daß zwar nicht Erzeugnisse der leichten Muse zur Ausführung gelangten, aber doch auch gute deutsche Lustspiele, die hier und da eine heilere Stunde hervorftestn. Die vereinigten Ausschüsse hätten beschlossen, die Spielzeit am l. November beginnen zu laßen und die Dauer bis zum l März vorzusehen. Ein Aufruf an die Bürgerschaft solle zum Abonne­ment ernruntern. »oährend die bereits gezeichneten Abvnneiiwius rechtlich verbindlich seien. Die Mitwirkung der Stadt solle sich beziehen auf die Gewährung sreier Heizung und Beleuchtung und aus Zeichnung einer Garantie bis zu 10 000 Mk. für die Soietzftt Die Stadtverordnetenversammlung, wenn sie dem zustintme. werde auch tu dieicr Beziehung eine Opierwillcgkeit in patriotischem Sinne betätigen, jeder Stadtverordnete möge in seinem Kreise aber auch dahin wirken, daß das Theater fteguenftere, hierdurch dem Zwecke der Aufnahme der Vorstellungen gedient und das Risiko der Stadt vermindert werde.

Dtc Stadtverordneten Habenicht und Schaffstacdt sprechen »ich nicht für eine vollständige Schließung des Theaters aus, waren aber übereinstimmend dec Ansicht, daß die Zeit noch, nicht dazu angetan sei, das Theater am I. November wieder zu eröffnen. Man war der Ansicht, daß es vollständig genüg«, wenn das ->picl cmr 1. Dezember oder, »oic Stadtv. Schasfftaedt meinte, am l. Januar wieder eröffnet würde. Stadtv. Dr. Ebel teilt vollständig die Ansicht des Beigeordneten Grünetvald: er verweist daraus, daß das Theater nicht irnr erne Stätte des Vergnügens, sondern eine Stätte der Aufrichtung mrd Erbauung auch bei chrveren Schicksalsschlägen, wie sie ftnzelne. Menschen tressen können, sei. Nach einem eindrtttgiichen Schlußwort des Redners tvird einstimmig beschlossen, daß das Theater am l. November seine Pforten wieder öffnet, daß die Stadt für das Utttseneh- men freies Licht und Heizung liefert und einen etwaigen Fehl­betrag bis zu 10000 Mk. zu decken übernimmt.

Oberbürgermeister Keller teilt mft, daß sich in Gießen >vic in anderen sotädlen in den ersten Tagen der Mobilmachung der Brauch ftngcfchlichcn habe, daß die Soldaten die Straßenbahn

Schlachtviehpreise ni F r a nk t urt a« M.

Flftschprftse in Gießen

Ccbieu

Kälber

Schweine

50 Ka. Schlachtgewicht

81100 Mk.

", Kg. Echlachtgw. 75 93 Pf. V. . . 63-6« .

/, Kg. 8696 Btt.

7. . 70-75 .

. 70-96 .

Eetreidepreise in Mannheim

Drotpreise in Gießen:

Weizen 100 Kq. 28.75-27.50 Mk. Roggen 100 Kg. 23.09- 24.00 Mk.

I Weißbrot 2 «q. «8 Ul,. I Schwarzbrot 2 Kg. 60 Wz.

unentgeltlich benutzen konnten. Diese Hebung babe mft der Lm

der Zeit zu llnzuftäglichkeiten gesühtt und müsse einmal em (£i nehmen. Es wird dabee beantragt, daß vom 1. Oktober an uw Berlvundetc und Aerzie im Dienste des Roten .Kreuzes imentgelt- sich befördett werden, dagegen M ilitärpcrsonen ern Fahx- gcld von5 Pfg. zu bczahlen haben.

Dir Wirlschastsfirsuchk des Bäckermeisters Ludwig R e u ß für das Haus Seltersweg 46 'Kaffecanssch-mk', des Heinrich Schmitz, Sonnenstraße 13 , und des Ern st Al brecht, Kaiser-Allee 24, iverden bcsürwvrtet. Beigeordneter Grünewald tveist daraus hin, daß das hessisch Ministerium bet Ausbruch des Krieges angcordnet habe, daß alle öffentlicheil Arbeiten tunlichst eingestellt werden sollen. Wie ver­kehrt diese Anordnung sei, beweise die Tatsache, daß der Unter- nehmer, der die Fenster sür das Amtsgericht bereits serttggestelst, aber infolge der Anordnung des Mimsteriums deren Lieserung nicht vornebmen könne, aut diese Fenster eine ?lnleihc. ansnehms, will, um sich Geld »u verschaffen, damit er ferne Verpflichtungen erfüllen kann. Der Redner stellt deshalb den Antrag, die Veftcmun- lung möge beschließen, daß der Oberbürgermeister an das Mini­sterium den Anttag stellt, daß alle

össknilichtn Arbeiten in Gießen, besonders aher die Staaisbauten, die in Angerff ge­nommen sind, ferftggestellt tverden und daß die in Aussicht ge­nommenen Arbeften in Gießen in Angriff genommen werden, damit Arbeit und Verdienst sür Handwerk und Gewerbe ge- schaffen wird.

Der Antrag wurde einstimmig angenommen.

°

Hirchliche Aachri^ten.

Evangelische Gemeinde.

Heute abend 8Uhr: ilttegsbetstunde in der Jobanneskirche.

. Pfarrer A n S s e l t>.

Die Marktpreise siir Vieh «nd Frircht und die tstießcner Fleisch» «nd Brotpreise

am 28. September 1814.

Lehle Nachrichten.

Ein Gesechl bei Lüderitzbucht.

(WTB.- Lüderitzbucht, 29. Sept. (Nichtamtlich.) Meldung des Reuter-Bureaus. Gestern fand ein sehr leb­haftes Gefecht bei Lüderitzbucht zwischen Engländern undDeulschen statt. Die Deulschen hatten fünf Tore und zwei Verwundete, die Engländer drei Tote und vier Ver­wundete.

Me Lage des deutschen Geldmarktes.

(WTB.) Berlin, 29. Sept. (Mchtamtlich.) In der heutigen Sitzung des Aentralcrusschuises der Reichsbank führte der Präsident v. Havenstein u. a. nutz:

Der deutsche Geldmarkt hat in diesen beiden ersten Monaten des Krieges verhältnismäßig am besten unter allen Län­dern abgcschnftten. Der Geldmarkt ist verhältnismäßig nüssig. Die Banken und sonstigen Kreditorganisaftonen haben; im Gegen­satz zu England und Frankreich feinen Tag lang ihre Tätig- j keft ausgesetzt oder die Auszahlung von Bankguthaben eingesäiränkl und l>aben, gestützt aus die Reichsbank, ihre Kredftgewährung ohne rigorose Einschränkungen ausrecht erhalten und ihre Gutkmbeu bei der Reichsbank beträchtlich verstärkt. Die Reichs b anl selbst darf mft Genugtuung aus diese ersten Monate zurückbluken. Wir haben in wenig Wochen eine starke Geldvarftk urtd Zahlungs­mittelnot überwunden, wir haben der nach ihr drohenden tiredit- kftfis wirksam gesteuert und haben nunmehr auch die Arme srrr und regen sie, um auch die letzte liftsahr^die aus dem Weltkriege für unier Wittschaftslchen erwachsenden Schwierigkritrar und Nile zu bannen. Ueberall aber bat es sich gezeigt, daß dir ! Kredit­not tatsächlich bei weitem nicht so groß ist, wie du erste Sorge sic sich vorstellte, tleberall wird taftächlich viel we­niger Kredit in Anspruch genommen, als woran! alle Orga­nisationen sich eingerichtet hatten. Selbst die D a r le hn s ka ssen bähen in diesen ersten zwei Monaten nur 320 Millionen von Darlehen auszugebrn brauchen. Die Begebung der Kriegs­anleihe ist unter all dem Großen, was diese gewaltige, erusir Zeit in unserm Volke gezeftigt hat, ein neues leuchtendes Bild, das sich würdig den Taten unseres Heeres an die Seite stellt. Es ist von besonderem Interesse, daß unsere Au s f u h r im August trotz aller ihr bereiteten Hemmungeir absolut wie rclaftv weniger zurückgegangcn ist als die Englands.

Aus Südafrika.

i. Köln, 30. Sept. DieKöln Ztg." meldet au? Amsterdam: Ans llpinton (Südafrika) wird gemeldet, daß etwa 300000 (?) Soldaten am Mittwoch übrr den Oranje-Flutz gezogen sind. Sie üderschritten diesen Fluß in 20 Kilometern südlich von Scuit Drift und rückten vor in der Richtung von Pella. Man glaudt, daß sie einen neuen Angriff auf Romansdrift beabsichtigen.

Eine russische Stimme gegen Bulgarie«.

(i.) Köln, 30. Sept. DieKöln. Ztg." meldet aus Sofia: Das lwlbamtliche BlattNarodni Prawa" lcitarftkelt über das ThemaDas Ende naht" und meiM, Bulgarien müsst bei der endgültigen Liauidation des Weltkrieges ehenfalls besetzt wer­den, denn seine politische Neutralität will wettere Ziele als nur die Unversehrtheit des jetzigen Besitzes. Wir mußten einmal vor­bereitet sein bei Beginn des jetzigen Kftcgcs, dreifach vorbereftet sein bft seinem Ende.

Rumänisches Ausfuhrverbot für Hafer »nd Bohnen.

i. Köln, 30. Scvt. DieKöln. Ztg." meldet aus Zürich: Nach hier eingcirossenen Berichten lwt Rumänien kein Verbot für die Getreideausfuhr, dagegen eiu solches sür Hafer und Boh­nen erlassen.

Bestätigte Todesurteile.

Leipzig, 29. Sept. (Prrv.-'Tel.) Das Reichsgericht verwarf die Revision des Bergmanns P s a i s , der vom Sch!vurgerubt Aachen am 2. Juli ds. wegen Mordes zum Tode und wegm Totschlags zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. Er hatte den Mord am 22. Dezember 1913 im Walde bft Altenwald an sftuer Ehefrau Wilhelminc begangen Ten Totschlag verübt: er in der Nacht zum 13. Januar 1914 in Streifteld an der Ehr- srau des Bergmanns Hustcr. Ferner wurde verworstn die Revision des Werkmftstcrs Fritz V e i t h, der vom Schwurgericht Bielc- ield am 10. Juli 1914 wegen Mordes zum Tode vcrurtftlt wor­den war. Er hatte in der Nacht zum 14. Juli 1913 in Bergkirrhen sftne Ehefrau ermordet.

Ein RmUunord.

Paderborn, 29. Sept. (Privattelegramm.) Die Ebestutt Bekemaier wurden heute nachmittag in ihrem Hause am Senneweg ermordet Llfgesunden. Angeblich handelt es sich um einen Raubmord.

VerantworSftd den gesamten redaktionellen Tftl: Aag. ®oeg<