Ausgabe 
29.9.1914
 
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Aus Südafrika.

London, 28. Sept. WLM. Nichtamtlich. Das Reutersche Burrau meldet aus Pretoria vonc 24. September: Die Polizei- stclion Rietfontcin ist am 19. -September von einer deut­schen Abteilung, die ungefähr 200 Mann stark ist, g e n o m m e n worden.

Notiz des LBolkfburoaus: Es bandelt such um eine ziemlich bedeutende englische Station, die östlich von Keetmanshoop liegt.

Französisch-deutsche Kämpfe im Kongo-Gebiet.

Bordeaux, 28. September. (WTB. Nichtamtlich.) Augagneur teilte im Ministerium mit, daß das franzö­sische KanonenbootSurprise" während der Operationen gegen Kamerun und Deutsch-Kongo Cocobeach besetzte.

Notiz des Wolfsbureaus: Cocobeach ist der frühere Name der Station Ukoko in dem deutschen Munigebict, das durch den Vertrag von 1912 von Frankreich an Deutschland abgetreten wurde.

Eine neue Beleuchtung der englischen Politik.

(WTB.- Berlin, 28.Sept. (Nichtamtl.) DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Aus Geschäftskreisen erhalten wir die nachstehende wiedergegebene verbürgte Mitteilung: Das eng­lische BankhausRoyal Bane of Canada" in An­ti ll a auf K u b a hat am 28. Juli an einen seiner spanischen Geschäftsfreunde ein Schreiben gerichtet, das folgende Stelle enthalt:Bezüglich des Umwechselns in Markwäh­rung, um welche Sie uns bitten, teilen wir Ihnen mit, daß es uns augenblicklich unmöglich ist. Ihnen Papiere in Mark­währung zu geben, da wir heute telegraphisch Order erhalten haben, aus Grund deren uns die Ausgabe von Giros auf Europa verboten wird und zwar verursacht durch die un­günstige politische Lage in diesen Ländern."

Hieraus geht zur Genüge hervor, daß schon am 28. Juli, also eine Reihe von Tagen vor dem Zeitpunkt, an dem der deutsche Einmarsch in Belgien den Vorwand zur englischen Kriegserklärung vom 4. August gegeben hatte, England an die ausländischen Banken Ordre gegeben hat, den Geldver­kehr mit Europa, besonders Deutschland, einzustellen.

Auseinandersetzungen zwischen der Türkei und Griechenland.

Athen, 28. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Meldung der Agence d'Athen es, Nach zuverlässigen Nachrichten gehen die b u l - garischen Komitadschis im Einvernehmen mit den Tür­ken vor. Eine tausend Mann starke Bande versuchte, die G r e n z e zu überschreiten, wurde aber zurückgewiesen. Eine andere Bande, die aus Türken und Bulgaren zusammengesetzt >var, machte den gleichen Versuch. Reim Türken wurden dabei getötet.

Die griechische Regierung übermittelte vorgestern der türkischen Gesandtschaft die Antwort aus deren Note vom 7. (20.) September, betr. die von den griechischen Behörden aus Grundstücken mvhanmiedanischer Auswanderer getroffenen Maßregeln. In der Antwort wird gesagt, daß die griechisch« Re­gierung sich in ihrem Verhalten gegenüber den Mohammedanern in Mazedonien und Epirus stets von einem weitherzigen, ver­söhnlichen Geiste habe leiten lassen. Wenn sich die griechischen Behörden gezwungen gesehen hätten, die von denjenigen Moham­medanern verlassenen Grundstücke und Gebäude zu benutzen, welche endgültig aus den neuen griechischen Provinzen ausgrwandert seien, so seien sie durch die unbedingte Notwendigkeit dazu gezwungen worden, wenigstens einen Teil der mindestens 230 000 Personen zählenden griechischen Flüchtlinge zu beherbergen, die gezwungen worden seien, ihre Güter im türkischen Thrazien und Kleinasien zu verlassen. Dieses Verhalten der griechischen Behörden entspreche dem Geist des im Mm zwischen Griechenland und der Türkei getroffenen Uebereinkommrns, betreffend den Aus­tausch derartiger Besitzungen. Auch die türkische Regierung habe muselmanische Flüchtlinge in Thrazien und Kleinasien in den von gestüchteten Griechen verlassenen Häusern untergebracht. Uebrigens seien nur die Bestbungen solcher Mohammedaner besetzt worden, die endgültig ausgcwandert sind. Die erwähnte Maßregel bedeute keineswegs eine Beschlagnahme, da die fraglichen Be­sitzungen bei gegebener Zeit von einer gemischten Kommission ab­geschätzt werden würden, um den Austausch der griechischen Be­sitzungen in der Türkei gegen die mohammedanischen in den neuen griechischen Provinzen zu ermöglichen. Wenn auch Zugeständnisse im einzelnen nicht möglich seien, könne man doch den Weg der Gegenseitigkeit beschreiten. Die griechische Regierung sei bereit, die Rückgabe besetzter mohammedanischer Besitzun­gen an ihre rechtmäßigen Eigentümer zu befeh­len, wenn die türkische Regierung den griechischen Flüchtlingen gestatte, ihre beschlagnahmten Güter wieder in Besitz zu nehmen.

Russisch-österreichische Grenzplänkelcicn.

Ofenpest, 28. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) DasUn­garische Korrespondcnzbureau" ist von zuständiger Seite ermäch­tigt, folgendes bckanntzugeben: Bei dem Uzsvker Paß ist gestern eine mehrere tausend Mann starke rnssischeTrnppen- abteilung ein gedrungen, die bei Malonrret zwischen Fenhvcswvelgy und Czvnws zurückgeschlagen wurde. Im Maramoroser Komitat sind btt Tornya ebenfalls Plänkeleien mit dort eingebrochenen russischen Truppen und unseren znm Grenzschutz befohlenen Truppen im Gang. Von M n n k a c s und Duszt sind größere Truppcnabteilnngen unterwegs, um' die Unseren zu unterstützen. Alle diese Grenzplänkel tten sind von ge­ringerer Bedeittung und geben, nachdem wir bei der Grenze und im Landesinnern über genügende Truppen verfügen, keinen Anlaß zur Besorgnis.

Bon der Wiener polnischen Legion.

Wien, 28. Sept (WTB. Nichtamtlich.) Gestern nach­mittag erfolgte die Abreise einer zweiten Kompagnie der Wiener polnischen Legion nach KraLrn. Die Legionäre mar­schierten durch die Straßen der Stadt und an dem Kriegs- mtnisteriuni vorbei. Unter überaus lebhaften Kundgebungen und den Hochrufen des Publikums begaben sie sich zum Nordbahnhof, wo eine feierliche Derabschiedüng stattfand. Der Obmann des Wiener polnischen Komitees, das Herren­hausmitglied Zgorski, hielt eine Ansprache, in der er die Legionäre dazu beglückwünschte, daß es ihnen vergönnt sei, sich ihren Anteil cm dem Siege der gerechten Sache, der un­ausbleiblich sei, zu sichern. Mit Rücksicht darauf, daß auch eine Anzahl Wiener und deutscher Freiwilliger sich den polnischen Legionären angeschlossen hat, richtete der Redner an diese eine deutsche Ansprache, in der er sagte:

Ihr deutschen Brüder werdet mit uns zusammen kämp­fen für das Wohl Oesterreichs, die Ehre der Monarchie und für die Zukunft des Landes. Wir Polen haben viel geopfert, >vir wurden gebrandschatzt und aus unseren Häusern vertrieben. Wir haben geblutet. Trotzdem verzagen wir nicht, weil >vir wissen, daß unsere gerechte Sache siegen muß. (Stürmische Heilrufe unter­brochen diese Ausführungen. Der Redner fuhr fort:) Nicht nur uns erweisen Sir einen.Dienst, sondern auch der Sache des Vater­landes. Es ist ein Kamps um die Ehre unserer und der deutschen Natton, ein Kamps gegen den Erbfeind der Kulttir. Der Redner schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch ans den Kaiser als den Obersten Kriegsherrn der Armee, in deren Reihen die polnische Legionäre kämpfen werden.

Nach W singen der Volks Hymne und Verabreichung von Erfrischungen beivegte sich der Zag aus der Halle unter den Rufen:Es lebe Oesterreich, cs lebe Polen!"

Höchstpreise für Weizen in Oesterreich.

Ofeupest, 28. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Nach dem ,.Bester Llohd" beabsichtigt die Regierung, um der Preis­steigerung in Weizen entgegenzutreten, die Festsetzung von

Höchstpreisen. Die Notiz für essektivcn Weizen ist vom 3. August (14.75) bis gestern auf 18.70 gestiegen.

Verlängerung des Moratoriums in Italien.

Rom, 28. Sept. (WTB.) Durch Königlichen Erlaß ist das Moratorium vom 30. September bis zum 30. Dezember hinausgeschoben worden. Der Erlaß bestimmt vor allem, daß die Kreditinstitute die Auszahlung von Depositen, die vor dem 4. August eingelegt sind, auf 10 Prozent für jeden der Monate Oktober, November und Dezember beschränken können. Die Emissionsbanken so­wie die Postsparkassen müssen jedoch, wie immer, die Ein­lagen voll auszahlen. Für Wechsel, die im Oktober, November und Dezember fällig werden, wird ein Mora-, torium von einem bis zu drei Monaten gewährt, vvr-i ausgesetzt, daß in jedem Monat 20 Prozent 'des Betrages! abgezahlt und Zinsen von sechs Prozent für das Jahr gezahlt werden.

Aur dem Reiche.

Berlin, 28. Sept. (WTB.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde dem Entwurf einer Bekannt­machung über die Unverbindlichkeit gewisser Zahlungsver- einbarungen die Zustimmung erteilt.

Berlin, 28. Sept. (WTB. Nichtamtlich,) Die,,Nordd. ,Allg. Ztg." veröffentlicht folgenden Aufruf: Dag für Tag bringen die Züge unsere Krieger zurück, die draußen in heißem Kampfe für das Vaterland geblutet haben. Da gilt es, zu helfen und den Tapferen ihre Leiden zu lindern. Wir richten an alle, die Helsen können und wollen, die herzlichste Bitte, für die P f l e g e u n s e r e r V e r wu nd e t e n baldigst Gab e n zu spenden. Zur weiteren Ausstattung der Lazarett­züge sind M a t r a tz e n erwünscht. Wir bitten um Mittel zur Anschaffung dieser Matratzen. Wir bitten ferner um Liebesgaben für die Lazarettzüge und Laza­rette in folgenden Gegenständen: Eingeniachtes und

frisches Obst, Fruchtsäfte, Fruchtgelees, Pappteller, Papier­servietten, Luftkissen und Gummiwvfsertissen. Die freund­lichen Geber bitten wir, ihre giitigst gespendeten Gaben in dem Jagdschlösse Klein-Glienicke oder in dem Palais des Prinzen Leopold, Berlin, Wilhelmsplatz Nr. 8, abzugcben. Die Unterzeichneten sind! zur persönlichen Entgegennahme dieser Gaben täglich in Berlin von 11 bis 1 Uhr, im Jagd­schloß Klein-Glienicke von 12 bis 3 Uhr bereit, und zwar in der Zeit vom 1. bis 10. Oktober. Luise Sophie, Prin­zessin Friedrich Leopold von Preußen, Frau General von Friedeburg-Potsdam, Frau Geh. Rat Ravens-Berlin.

Berlin, 28. Sept. (WTB.) DerStaatsanzeiger" ver­öffentlicht die Ernennung des Landrats a. D. Tortile- witsch v. Batocki-Friede in Bledau bei Königsberg znm Oberpräsidenten der Provinz Ostprentzen, des Staatsministers v. M o ltke zum Oberpräsidenten der Pro­vinz Schleswig-Holstein, sowie die Versetzung des bisherigen Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen Wirkt. Geh. Rats v. W i n d h e i m nach Hannover als Oberpräsident der Provinz Hannover.

Hannover, 28. Sept. DasBerl. Dagebl." meldet: Der frühere wel fische Reichstaglsabgeordnete Freiherr La n o w c r t h v. Si m m e r n ist im Älter von 80 Jahren auf seinem Gute Vichtringhausen am Deister gestorben. Der Verstorbene vertrat 1879 bis 1890 den Wahlkreis Nien­burg-Stolzenau.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 29. September 1914.

**BessernngimEis enbahnverkehr. Der neue Winterfahrplan sieht die Hälfte der Personenzüge vor, die sonst im Winter verkehren. Damit dürfte dem Verkehr während des Krieges in genügender Weise Rechnung getragen sein. Der 'Güterzngsahrplan soll möglichst vollständig ein­gehalten Iverden. Allgemein ist eine ständige Steigerung des Personen- und Güterverkehrs auf allen Bahnlinien zu beobs achten, der beste Beweis für das Wiedererwachen auf wirlt- schaftlichem Gebiete.

* Schuldienst-Nachrichten. Uebertragen wurden den Lehrern Otto Gremm zu Berstadt, Kreis Büdingen, und Hermann Horst zu Zotzenbach, Kreis Heppenheim, Lehrer­stellen an der Volksschule zu Neu-Isenburg, Kr. Offenbach.

** E h r u n g. Dem Hauptlehrer Ludwig S ch a a f an der hiesigen Stadtmädchenschule, der nach 50 jähriger Dienst­zeit mit dem 1. Okt. d. I. in den Ruhestand tritt, wurde unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste der Charak­ter alsRektor" verliehen,

** Die Beerdigung Friedrich Helnis. Eine zahlreiche Trauergemeinde hatte sich am Montag nach­mittag in der Kapelle des neuen Friedhofs am Rodberg eingefunden, um dem verstorbenen Stadtverordneten He hm die letzte Ehre zu erweisen. Abgesaüdte vieler Turnvereine des Gaues Hessen, darunter mehrere mit Fahnen, um st an--, den den reich mit Kr anz gewiirden belegten Sarg. Pfarrer A u s f e l d hielt die Gedächtnisrede, in der er die Biel--» seitigkeit Helms hexvorhob, mit der er sich, in den Dienst der Stadt und durch das) wa!s er fütr die Durnjäche ge­tan, in den Dienst des Vaterlandes gestellt hat, und durch dessen Hinscheiden eine schmerzliche Lücke hinterlassen wurde. Rühmend hob der Geistliche hervvr, daß der Ver­storbene aus dem Elternhause einen tief gegründeten Got­tesglauben mit in das Leben genommen Hab« und daß er glücklich in seinem Familienleben war, dem er sich als treuer Gatte und Vater mit Liebe stets gewidmet habe. Oberbürgermeister Keller widmete als Vettre- tcr der Stadt Gießen und namens der Stadtverordneten dem Entschlafenen einen warm empfundenen Nachruf; er wies darauf hin, daß Friedrich Helm seit 1905 ununter­brochen der Stadtverordneten-iBersammluna angehört hat, daß er sich besonders den Fragen des Verkehrs mit Ener­gie und Eifer gewidmet hat. Als Mitglied des Vorstandes des Verkehrsvereins habe der Verstorbene Tausende von Anfragen über das Leben und Treiben in unserer Stadt und über irnsere Verhältnisse erledigt und unermüd­lich dahin gestrebt, unsere Stadt nach außen bekannt zu machen und dadurch sich den Dank unserer Bürger­schaft verdient. Als Mitglied des Wrfsichtsrates der Ge­werbebank und an der Spitze des Vereins Kredit­reform fei .Helm tätig gewesen. Sein Andenken werde in unserer Stadt stets in (Lyren bleiben. Zum Zeichen des Dankes legte der Oberbürgermeister zwei Kränze am Sarge des Entschlafenen nieder. Gautnrnwart Will sprach na­mens des Gaues Heffcn der deutschen Turnerschaft: er rühmte Helms Tätigkeit für die Tnrnsache. Er fei schon zu einer Zeit für die Turnerei eingetretcn, als man deren Wichtigkeit für die Wehrkraft des Vaterlandes »och nicht erkannt hatte, er hat viel für die Turner des Gaues Hessen, ja für den Mittelrheinkreis getan, und das werde man dem Männe über das Grab hinaus danken. Es sprachen noch unter Niederlegung von Kränzen Vertreter der Turnvereine Wetzlar« Butzbach, Qrtenbcrg,,

Lautcrbach, Kirchhain, B ad-Na n h e t m, Grün.

borg, Nidda sowie des Sclstiheuvcreins Gießen der beiden Gicßcner Turnvereine. Ferner spracl-en noch Direktor Arnold für die Gewerbebank Gießen, Kirchenrat D. Schlosser für den Kir che n v o r st and dessen Mitglied der Verstorbene war, Oberbibliothekar Dr' Heuser für die Abteilung Gießen des Deuts chen Fl»;) tenvereins und Stadtverordneter Petri für den Verkehrs verein.

**ErinnernngenandasKricgsjahr 1870/71 hat das Museum des Oberhess. Geschichtsver­eins zur Ansicht ausgestellt. Beachtenswert sind die photo­graphischen Ausnahmen der Baracken, in denen damals die französischen Gefangenen auf der Schönen Aussicht unter­gebracht waren. Ein Bild zeigt eine Gruppe von 12 in Gie­ßen untergebrachten feindlichen Offizieren. Deutsche und französische Karikaturen über den Krieg, sowie die Truppen der neugegründeten Republik vervollständigen die Bilder aus jener Zeit.

** Vereins-Spende. Der Verband hessi­scher Kommunalforstwarte hat dem Roten Kreu; in Gießen 50 Mark gespendet.

** Keine Feldpost karten m i t A n t w o rt. Tcr Rcichsanzciger" meldet: Von der Privatindustrie sind Feld- postkarten mit Antwort in den Verkehr gebracht worden, bei denen die anhängende Antwortkarte den Vordruck für die Adresse nicht innen, sondern außen trägt. Derartige Formu­lare sind vorschriftswidrig, weil die Postanstaltcn, wenn der Absender beide Adressen ausgcsüllt hat, nicht wissen können, welche von beiden maßgebend ist. Das Publikum wird daher gewarnt, derartige vorschriftswidrige Feldpostkarten zu be­nutzen, da sie die Post nicht befördert, sondern zurückweisen muß.

** Beförderung von Briefen undGeldscn- dungen an Angehörige in London. Briefe und Geldsendungen an in England lebende Angehörige werden am besten der Kaiserlich Deutschen Gesandtschaft in den Nie­derlanden im Haag übersandt. Die Gesandtschaft übergibt die Sendungen der amerikanischen Gesandtschaft im Haag zur Weiterbeförderung nach London. Es ist hierbei zu be­achten, daß Briefe unverschlossen und in englischer Sprache abgefaßt sein müssen.

** Deutscher Verein für Sanitätshunde. Mit dem Sitze in Frankfurt a. M. wurde für die preußische Provinz Hessen-Nassau, die bayerische Provinz Unterfranken und das Großh erzo gtum Hessen ein Zweigoerein des Deutschen Vereins für Sanitätshunde, Sitz in Olden­burg (Protektor Se. Königl. Hoheit der Großherzog von Oldenburg) gebildet. 'Den Ehrenvorsitz des neuen Zweig­vereins hat der Kommandierende General des 18. Arm«- korps, Freiherr v. Gall, übcriwmmen. Der Verein erläßt einen Aufruf, in dem es heißt:

Der Nutzen gut ausgebildeter Sanitätshunde im Felde in durch die Erfahrungen dieses Krieges vielfach erwiesen. Zahlreiche Verwundete, die durch Sanilätsmanni'chasten bei Nacht und Nebel, oder toegen des unübersichtlichen Geländes nicht rechtzeitig ge­funden werden und so einem traurigen Tode verfallen könnten, werden durch die Hilfe der Hunde ihren Angehöttgen und dem Vaterland« erhalten. Nachdem der erste Versuch mit 12 Sanitätc- hunden, welche den Sanitätsbvmvagnien des Garde-Korps zugeteill wurden, zu durchaus befriedigenden Ersvlgen geführt hat, werden in der allernächsten Zeit weitere Hunde in Dienst gestellt werden. Tie Ausbildung der Hunde sowie deren endgültige Prüfung un» Ucbcrweisung an das Kriegsministerruni erfolgt durch den Deut­schen Verein für Scmitätshundr. Die täglich vor- und nachmittags statlfindenden Uebungen finden im Frankfurter Stadt­walde statt und unterstehen der Leitung des bekannten Ja<ch- schcrststellcrs, Herrn Ludw. v. Mercy, Pseudonym Hegendem, Autor des soeben in 2. Ätuflage erschienenen Werkes:Der Ge- brauchshaird, seine Erziehung und Dressur".

Die kynoloqischen Vereine arbeiten mit uns Hand in Hand: unsere Sache verdantt ihnen bereits bedeutende vraktischc und finanzielle Unterstützung. Zahlreiche Hund« wurden von ihnen und von Pttvaten kostenlos gestiftet (nur die sogenannten Polizü hundraisen: Schäferhunde, Airedaletertter, Dobermannpinscher un» Rvttwciler kommen in Bettacht), aber noch sind bei 'weitem m<ht der Bedarf und die Mittel gedeckt. Der Zweigverein bittet daher ihm weitere Hunde der genannten Rahen im Alter r,n 13 Jahren kostenlos oder gegen geringes Entgelt zu überlayen. Die gestilteten Hunde werden, soiveit noch am Leben, nach Beendigung des Kttcges den Besitzern zurückgegeben. Als Sanilätshnndc f ü h r e r kommen nur solche Herren in Betracht, welche nicht dienst pflichtig, pder nicht ausgcbildete Landsturmpflichtige, aber nach militärärztlichem Befund den Strapazen des Dienstes gewachsen sind. Sie werden nach ihrer Ausbildung als Sanitäts-Soldaten eingekleidet und genießen Rechte und Pflichten der übrigen Sol­daten: während ihrer Ausbildungszeit wird ihnen erforderlichen falls zum Unterhalt vom Verein ein kleiner Zuschuß gewährt Da der Deutsche Verein für Sanitätshunde zur Bewältigung scinci umfangreichen im höchsten Interesse des Vaterlandes liegenden Ausgabe noch größerer Mütel bedarf, so ergeht an alle der Äufrui, den Verein duchr eine einmalige Kriegsspcnde zu unterstützen.

** Ein gefangener Franzose anseineEl lern. Ein hier untergebrachter französischer Vcrwuildetcr hat einen Brief an seine Ettern gerichtet, der nach der Ueber setziing durch einen ebenfalls verwundeten französischen Oberst wie folgt lautet:

Liebe Eltern!

Ich schicke Euch diese Zeilen, um Euch Nachrichten von mir zu geben, die jetzt gut sind. Ich hoffe, daß mein Brief aiub Euch so finden wird. Ich bin verwundet, aber es geht viel besser: ich hoffe ausstehen zu können in einigen Wochen. Ich beende meinen Brief, da ich schwindlich werde. Euer Sohn, der an Euch denkt. Armand Heroouet.

Ich bin in Gießen in einer Klinik, wo wir sehr gut ver­pflegt sind, nichts fehlt uns, imd ich wünsche, daß die Ber- wundetcn, die in unseren Spitälern sind, so gill wie uns ge­pflegt sein.

Landkreis Gießen.

r. Wiescck, 28. Sept. Ans Veranlassung des Herrn Pfarrers B e r n b c ck wurde heute eine Sammlung v o u Kartoffeln für das Rote Kreuz veranstaltet, die ungefähr drei Wagenladungen ergab. Für die Unterstützung derjenigen Familien, lvelche durch Einziehung zum Dienste im Heere ihres Ernährers verlustig geworden sind, wird demnächst eine Sammlung stattfinden. Die Getdsammlüng für die Unterstützungsbedürftigen ergab eine Summe von über tausend Mark. Der Werkmeister Heinrich Schrei­ner vollendet am l. Oktober eine 25jährige Tätigkeit bei der Firma Wilhelm Meyer.

(kl) Lollar, 27. Sept. Der Ortsausschuß für Kricgs- sürsorge sandte an jeden im Felde stehenden Einwohner ein. Paket mit Liebesgaben, die von den hiesigen Bürgern gestistct wurden. Es wurden verabreicht: Zigarren, Zigaretten, Ta­bak, warmes Unterzeug, wie Unterhosen, Strümpfe usw., und dauerhafte Lebensmittel.

R. O d e n h au s c n (Rabenau), 26. Sept. Der Eisenbahn- Verein Londorf veranstaltete eine Sammlung unter seinen Mitgliedern zugunsten des Roten Kreuzes. Es wurden vorläufig 100 Mk. an das Kreiskomitec zu Gießen abgeliefert.

X Treis a. L., 29. Sept. Für das Rote Kreuz sind diel gesammelt und an das Kreiskomilee abgeliesert worden: 350 Hem­den, 83 Bett-Tücher, 100 Paar -Strümpfe, 56 Paar Fußlappen»