Nr. 223
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Erstes Blatt
<64. Zayrgano
Mittwoch, 25. September X9H
GietzenerAilzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
Drei englische Panzerkreuzer von deutschen Unterseebooten
in der
(WTD.) Berlin. 23. Srvt. (Nichtamtlich.) Aus London wird unterm 22. Sept. amtlich gemeldet: Deutsche ll n t c r s e c b o o t e s ch o s s c n i n d e r N o r d s c e die e n g - tischen Panzerkreuzer „Aboukir" und „Hoguc" und „Crcfiy" indenGrund. Eine beträchtliche Anzahl Mannschaften wurde durch hcrbcigeciltc englische Kriegsschiffe und holländische Dampfer gerettet.
Wie dem Wolff-Bureau von amtlicher Stelle mitgeteilt wird, kann die Bestätigung der Nachricht deutscherseits noch nicht erfolgen, da die Unterseeboote infolge der großen Entfernung eine Meldung noch nicht erstatten konnten.
Aus anderen Quellen wird bekannt, daß der Zusammen- stoß am 22. September zwischen 6 und 8 Uhr früh. 20 Seemeile» nordwestlich Dock van .Holland, stattfand.
„Abmikir" wurde zuerst durch ein Torpedo getroffen. Der holländische Dampfer „Flora" brachte 287 Ucberlebendc nach Imniden. Die versenkten Panzerkreuzer sind 1900 gehont und haben je 12 200 Tonnen Wasserverdrängung, eine Bestückung von zwei 23,4 Zentimeter-, zwölf l5 Zcntimeter- und zwölf 7,6 Zentimeter-Geschützen. Die Kreuzer weisen Maschinen von je 21000 Pferdestärken und 755 Mann Besatzung auf.
Für das deutsche Volk bedeutet die vorstehende Nachricht eine große, freudige Botschaft. Wir wissen es, daß die deutsche Flotte vor den weit überlegenen englischen Streitkräften zur See es gegenwärtig nicht aus eine entscheidende Seeschlacht ankomnien lassen darf, daß vielmehr ihre Tätigkett in vollem Umfange erst beginnt, wenn die Haupt- schläge zu Lande für uns günstig ausgefallen sind. Aber daß unsere blauen Jungend nicht untättg gewesen sind, haben vir schon mehrfach erfahren. Erst gestern konnten wir bei rem Einlauf einer zuverlässigen Meldung uns darüber freuen, daß die Schiffe unserer Chinastation, für die mancher so besorgt gewesen ist, sich mit Erfolg ein dankbares Feld ihrer Tätigkeit gesucht haben. Vor der indischen Küste, im Meerbusen von Bengalen, hat unser kleiner Panzerkreuzer Emden 6 brittsche Handelsschiffe ausgegrif- sen und versenkt, nachdem er die Bemannung an Bord genommen hatte. Die gestern abend eingelaufenc, nachstehend wiedergeqebene Reuter-Meldung bedeutet für die Engländer Die reinste Selbstironie, denn es wird da ja mit einem Hauch von Bewunderung davon gesprochen, wie wacker der deutsche Kreuzer die drahtlosen Nachrichten aufgefangen und danach seinen Feldzugsplan eingerichtet hat, wie höflich die englischen Mannschaften von ihin behandelt worden sind und — kein Wort. verlautet darüber, wie dann dies möglich war, ob die große englische Flotte so gewagte Unternehmungen nicht hat verhindern können. Der Oberkommandierende der englischen Mittelmeerflotte ist ja schon sttafweise zurückgerufen worden: jetzt erhebt sich die Frage, wer ist der neue Verantwortliche oder vielmehr Unverantwortliche, der sich seiner Aufgabe nicht gewachsen gezeigt hat.
Noch viel folgenschwerer aber trifft England das Ergebnis des Seegefechtes in der Nordsee. Die britische Flotte zählt zwar 43 Panzerkreuzer und die drei in den Grund geschossenen Exemplare sind nicht von der n e u e st e n Bauart der „Battle Cruiscrs", der „Linienschisfskreuzer", die erst nach 1907 vom Stapel gelaufen sind. Immerhin sind diese im Jahre 1900 abgelausenen Schisse ein ansehnlicher Bestand der englischen Flotte gewesen.
Es zeigt sich jetzt, wie richtig Deutschland beraten war, als es sich den Ban einer tüchtigen Flotte von Unterseebooten ungelegen sein ließ: wir besitzen gegenwärtig deren 72, mähend England verhältnismäßig wenig, nämlich 81, besitzt.
Die Erfolge des Kreuzers Emden.
Kalkutta, 22. Sept. (Nichtamtlich. Reuter.) DieOfsi- ckere und Mannschaften der von dem Kreuzer „Emden" kn der Bai von Bengalen versenkten britischen Schisse sind gestern nachmittag hier angekommen. Sic äußerten sich anerkennend über die ihnen von den deutschen Ofsizie- r e n erwiesene Höflichkeit. Ter Streiszug des Kreuzers „Emden" begann am 10. September. An diesem Tage nahm er den Dampfer „I n d u s", der durch Geschützfeuer zum Sinken gebracht wurde, nachdem die Besatzung <tuf die „Emden" übergeführt worden >var. Als der Kreuzer auf dar Höhe der Bai kam, fing eralledrabt losen Nachrichten aus, welche die Abfahrten aus dem Hafen meldeten und kannte infolgedessen die Lage sämtlicher schiffe in der Bai. Am 14. «eptember sichtete die „Emden" den Dampfer „Lo o", übernahm seine Besatzung urch versenkte ihn. JSet Dampfer „Kabinya" wurde in der Nacht zum 12. September genommen und zwei Stunden später der Dampfer „Killin". Während derselben Nacht wurden drei andere Schiffe gesick)tet, jedoch nicht verfolgt. Am Mittag des 12. September nahmen die Deutschen den Dampfer „Diplo- ma t", der später versenkt wurde. Dann wurde der italienische Dampfer „Laruano" angehalten, aber an demselben Tage tviedcr sreigelassen. Auf seinem Rückwege warnte der Dampfer mehrere andere Schaffe, welche zurückfuhren und jo der Kaperung entgingen. Am 14. September nahm
in den Grund
die „Emden" den Dampfer „Tratbock" und versenkte ihn durch eine Mine. Die Besatzungen sämtlicher erbeuteten Schiffe wurden dann an Bord eines Fahrzeuges gebracht, das den Befehl erhielt, nach Kalkutta zu fahren. Zwei deutsche Schiffe begleiteten es bis innerhalb 75 Meilen von der Mündung des Hooghly.
Ein englischer Strafbefehl.
London, 22. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Wie das Preßburea» mttteilt, ist Vizeadmiral Droubridge von der Mi t te lm e e r f l o t t e zu rü ckb e ru f en worden. Ueber die Ursache des Entkommens der deutschen Kreuzer „Goeben" und „Breslau" aus der Straße von Messina ist eine Untersuchung eingeleitet worden.
Die englische Rekrutierung.
London, 22 . Sept. (WTB. Nichtamtlich.) „Daily Chro- nicle" drückt seine Unzufriedenheit mit den Ergebnissen der Rekrutierung aus und tadelt die Methoden der Rekrutierung. Die Erhöhung der Anforderungen an das Körpermaß erwecke den Anschein, daß Kitcheuer mit der ersten halben Million zuftieden sei. Tatsächlich wolle uno brauche Kitcheuer eine ganze Million, aber wenn er sic heute erhielte, könnte er sie nicht unter bringen, bekleiden, ernähren und ausbilden.
.Haag, 22. Sept. Aus London wird gemeldet, daß die Werbungen für die neue, eine halbe Million be - tragendeArmce günstige Fortschritte machten. Hingegen sind aber Schwierigkeiten entstauben für die Ausrüstung der Truppen. Obwohl in England Tag und Nacht unter Hochdruck gearbeitet wird, wäre eS ganz unmöglich, vor Neujahr nenneaswerte Truppenstärken nach dem Kontinent zu entsenden. Die britische Regierung hat vergeblich versucht, in Holland in den verschiedensten Auuüstungsgegenständen Ankäufe zu machen. ' * «...
Rotterdam, 22. Seplemb. Wie das „Rvtterdamsche Tageblatt" aus London meldet, hat die britische Regierung eine Verfügung erlassen, durch die allen Behörden Großbritanniens verboten wird, Maßnahmen zur Linderung der Arbeitsuot zu treffen, so lange die Werbung der englischen Behörden bei den Arbeitslosen andauert.
Südafrika lehnt ab.
Kö ln, 22.Sept. Die „Kölnische Zeitung" meldet: Wie die „Times" berichtet, ist im südafrikanischen Abgeordnetenhause die Beteiligung am Kriege abgelehnt worden.
(WTB.) London, 22. Sept. (Nichtamtlich.) Die „Times" meldet aus Kapstadt: Der Rücktritt des Generals Beyer, des Oberbefehlshabers der südafrikanischen Miliz, hat die Regierung in eine schwierige Lage versetzt. Es besteht eine starke Opposition gegen die Offensivmaßnahmen gegen Deutsch-Südwestafrika, und zwar nicht nur bei den Anhängern des Generals Herzog, sondern auch bei einer beträchtlichen Anzahl Buren, die sonst die Regierung unterstützen, namentlich in der Orauje-Kolonie, dem Transvaal- Bezirk, dem Bezirk Lichtenburg und den Grenzgebieten der Kapkolonie. Die Buren sind loyale britische Untertanen, halten aber die Offensive gegen Deutsch-Südweftasrika für unpolitisch, umveise und überflüssig.
Die Lage in Aegypten.
W i e n , 22. Sept. Ein vom 6. September datierter Brief eines in Kairo lebenden Oesterreichers bestätigt die Meldung, daß in Kairo Unruhen ausgebrochen sind. Es herrscht hier schon großer Aufruhr, was gefährlich werden kann, denn wenn die Araber den Heiligen Krieg erklären, kennen sie nur Christen und keine Nationalität. Gestern wurden die Mufti- und die Ben el Sunein-Straße im Hauptgeschäftsviertel geplündert und ausgeraubt. Englische Kanal-' leric kam wohl und säuberte die Straßen, aber wieder zu spät, es ging drunter und drüber. Es ist unmöglich, Geschäfte zu machen. Infolge des Moratoriums fällt es den arabischen Kunden nicht ein, zu zahlen.
Der geflüchtete Major Aate in den Tod gegangen.
Halle (Saale), 22. Sept. In Torgau flüchtete (wie wir schon mitteilten) ein gefangener englischer Major nachts aus der Brückenkopfkaserne. Es wurden einige Schüsse dem Flüchtenden nachgesandt, die aber in der Dunkelheit fehlgingen. Gestern nachmittag wurde er bei der Zuckerfabrik Brottewitz gestellt und tötete sich, indem er sich die Kehle durch- schnitt. Der Major hieß Date und gehörte dem Dorkshire- Regimcnt an.
Der Kampf um Kiautschau.
Stockholm, 2V. Sept. (Priv.-Tel.) Nach hier vorliegenden Meldungen soll ein deutsches Flugzeug auf die japanische Vorhut bei Tsingtau eine Bombe geworfen und 30 Mann getötet haben.
Zur Beschießung von Reims.
Berlin, 22. Sept. (WTB. Amtlich.) Die französische Regierung scheute leider nicht vor einer verleumderischen Entstellung der Tatsachen zurück, wenn dieselbe behauptet, daß deutsche Truppen ohne militärische Notwendigkeit den Tom von Reims zur Zielscheibe eines systematischen Bombardements machten. Reims ist eine Fe st u n g, die von den Frau-
geschossen.
zosen noch in den letzten Tagen mit allen zur -Verfügung stehenden Mitteln ausgebaut worden ist und zur Verteidigung ihrer jetzigen Stellung benutzt wird. Bei dem Angriff auf diese Stellung wurde das Bonibardement von Reims zur Notwendigkeit. Die Befehle waren erteilt, die berühmte Kathedrale zu schonen. Wenn es trotzdem wahr sein sollte, daß bei dem durch den Kampf hervorgerusenen Brand von Reims auch die Kathedrale gelitten hat, was wir zurzeit nicht festzustellen vermögen, so würde das niemand mehr bedauern wie wir. DieSchuld allein tragen aberdie Franzosen, die Reims als Festung zum Stütz- punkt ihrer Verteidigungsstellung machten. Wir müssen energischen Protest gegen die Verleumdung erheben, daß deutsche Truppen aus Zerstörungswut ohne dringendste Notwendigkeit Denkmäler der .Geschichte und Architektur zerstören.
Haag, 22. Sept. Der Korrespondent des „Daily Cro» nicle" bezeichnet es als unerklärlich, daß bei dem schnellen Vorrücken der Deutschen anfangs September in Reims gar nicht Widerstand geleistet wurde, umsomehr, als Reims als eine der stärksten Stellungen Frankreichs anzusehen sei. Die französische Erklärung, man habe eine Beschießung von Reims vermeiden »vollen, läßt der Korrespondent nicht gelten, verlangt vielmehr eine kriegsgerichtliche U n ter su chu n g über die Umstände, unter denen die Uebergabe von Reims erfolgte. Ein weiteres Telegramm vom Sonntag meldet: Me an der Front befindlichen Franzosen und Engländer stehen infolge des anhaltenden Regens in den Laufgräben bis über die Knie im Wasser.
Dankbare Franzosen.
Ein ehrendes Zeugnis für die vortreffliche DrMplin unserer Truppen und das menschenfreundliche Verhalten ihrer Führer zu den Einwohnern des feindlichen Landes ist die nachstehende Zuschrift des Magistrats von Florenville an den deutschen Ortskommandanten:
Florenville, 12. September 1914.
Herr Kommandant!
Bor Ihrer Abreise haben wir Wert daraus gelegt, sowoU in unserem eigenen Namen, wie auch im Namen der ganzen Bevölkerung, Ihnen den Ausdruck unserer lebhastesten Erkenntlichkeit sür den Schutz vorzutragen, den Sie uns während dieser, für uns so schweren Tage gewährt haben.
Die Liebenswürdigkeit Ihres Charakters, die Höflichkeft, di» Sie in Ihren Beziehungen zu jedermann von uns bewiesen haben, haben uns fast vergessen lassen, daß wir unter fremder.Herrschaf' waren.
Wir hegen die Hoffnung, daß Ihr Amtsnachfolger in gleichen Bahnen wandeln wird.
Unsrerseits, Herr Kommandant, versichern wir Ihnen, daß aus freien Stücken kein unfreundlicher Akt gegen Ihre Regierungl und deren Truvven hier begangen werden wird.
Der Stadtsekretär. Der Rat für den Bürgermeister,
(gez.) Jacob, (gez.) A. Brodfer. (gez.) Simeon, (gez.) Eng. Bracher, (gez.) Joannes.
Man sieht aus diesem Beispiel wieder einmal, was von den ausländischen Behauptungen über die Grausamkeit unserer Kriegführung zu halten ist.
Die Kämpfe bei Chateau Thierry.
London, 22. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) „Daily News" melden ans Chateau Thierry vom 19. Sept.: Gestern tobte ein wütender Kampf. Angriffe fanden tags und nachts statt. Die d rutsche Infanterie wogte unaufhörlrch gegen die Stellungen der Engländer und Franzosen. Me Angriffe waren eine -Erholung gegen den entnervenden Granathagel, der von den Hügeln kam, ivv die Anwesenheit der Deutschen nur durch deu anfsteigenden Rauch der Geschütze wahrnehmbar war. Me deutschen Kanoniere machen Fortschritte und besttmmen die Schußweite mit außerordentlicher Genauigkeit: Gestern fiel eine Granate in das englische .hauptqnartter, wo sie eine vollständige Verwüstung anrichtete. Der Stab kam mit dem Leben davon. Die Verbündeten hatten schreckliche Verluste. Sie vernichteten drei deutsche Geschütze. .Das' Feuer auf die Verschanzungen war so heftig, daß es iu öert Feldhospitälern unmöglich war, die Toten und Verwundeten wegznholen.
Ein Stimmungsbild aus Frankreich.
i. Köln, 23. Sept. Die „Köln. Ztg." meldet aus Zürich: In einem Brief aus Paris der „Neuen Züricher Ztg." wird unter anderem gesagt: Bei meiner Fahrt von Beim nach Paris hielt der Zug auf jeder Statton. lleberall sah man neues Elend. Ae Wartesäle waren Lazarette für Schwerverwundete und die Verwnndetenzüge waren endlos.
Französsifche Freiwilligeu-Hilfskorps.
Genf, 22. Sept. Die in Bordeaux erscheinenden Pariser Blätter haben eine N a t i o n a l s a m m l un g mr die Bildung von F r e i w i l l i g e n - H i l f s k o r v s für die nationale Verteidigung in ganz Frankreich eröffnet. (Die Mißerfolge der Freischärler Gambertas im >zahre 1871 sollten die Franzosen eigentlich von einer Wiederholung des verzweifelten Experiments abhalten. Die Red.
Die Stimmung in Antwerpen
Kristiania, 22. Sept. In der Zeitung „Astenposten" heißt es in einer Schilderung Antwerpens: Beinahe jeder zweite Mensch aus der Straße ist in Uniform. Me ganze


