buf 7 Ubr abends Südekum erklärte zunächst: Er sei gekommen mit der Absicht, die italienischen Genossen über die Lage der deutschen Genossen zu informieren und um zu erfahren, ob die italienischen Genossen Schritte getan batten, um die Beziehungen zu den Ge- nossen der anderen Länder a-ufrechtzuerhalten, Wir halten daran fest, zu erklären, das; die deutschen Sozialisten nicht anders handeln konnten. Mein Hiersein beioerst, dos; die deutschen Sozialisten sich immer ihrer Pflicht gegen die Internationale bewußt sind, aber ne glauben, dag die deutsche Regierung ihre Friedensliebe bewiesen hat und gegen ihren Willen zum Kriege gezwungen wurde; daher die Unterstützung durch die sozialdemokratische Partei,
D e l l a S e t a bestritt, das; die Deutschen aus diesem Gesichtspunkt heraus dem Kriege hätte;; zustimmen dürfen. Die italienischen Sozialisten würden nicht zrigestimnrt haben, wie sie auch dem libyschen Kriege nicht zugestimmt hatten,
Dr, Südekum bemerkte hierzu: Die deutschen Sozialisten hätten ihr Vaterland gegen den Zarismus verteidigen^müssen. Er wiederholte die Erklärung Haases und fügte hinzu: Ich wundere mich, das' die italienischen Sozialisten glauben können, daß ^nc so starke deutsche sozialistische Partei aus ihre Ausgabe und ihre Ideale verzichtet hätte. Sie müssen sich überzeugen, daß uns nichts anderes übrig blieb, als die verlangten Kredite zu bewflligen. Er behauptete werter, das; alle bürgerlichen Zeitungen Italiens gegen Teutschlaird und für Frankreich arbeiten, und es scheine, als ;oenn die ilalie- nischea Genossen sich betresfs Erhaltung des gegenwärtigen Zustandes in Italien mit der italienischen Bourgeoisie im Einverständnis befinden.
Niemand kann zweifeln, fuhr Südekum kort, dag die d cm ticken Sozialisten den richtigen Weg eingeschlagen haben. Gewiß ist, daß sie in vollkommen gutem Glauben sich befinden und überzeugt sind, >onalistisch gehandelt zu habcii. Jedenfalls konnten sie weder anders handeln, noch mehr tun. Bei den deutschen Grenzverhältnissen, angesichts der drohenden Gefahr an der russischen Grenze, war die Frage einer Revolte, eines Generalstreiks außerhalb^ aller Diskussion, Ich erachte es als die Pflicht der italienischen Sozialisten. die Neutralität aufrecht zu erhalten, damit ein Stützpunkt bleibt, an welchem die internationalen sozialistischen Beziehungen wieder angeknüpit iverden können. Im Falle eines Scheinfriedens hätten die sozialistischei; Parteien dann einzugreisen, damit der Friede für alle Zukunft gesichert blecht, Schließlich hielt Südekum für nötig, daran; hinzuweisen, daß die deutsche sozialistische Partei weder die Absicht noch das Recht har, die Stellungnahme der italienischen sozialistischen Partei irgendwie zu beeinflussen, aber suchte, herzliche internatchnale Beziehungen wieder anzuknüpien.
Die Antwort Della Selas,
Della Scta fand es vor alleni seltsam, dah die deutschen, Sozialisten sich in diesem schwierigen Moment an ihre italienischen Genossen wenden, um so mehr, als man dieser Intervention jede Absicht unterlegen kann. Und dies ist für uns ein ernstes Motiv, das uns zwingt, ihnen uneingeschränkt unsere Meinung, zu sagen. Er fuhr fort: Die Verteidigung der Haltung der deutschen Sozialisten überzeugt uns nicht. Die hier wiederholte Rede Haaies ist uns zur Genüge aus der bürgerlicheil italienischen Presse bekannt, die daran interessiert ist, den Patriotismus der deutschen Sozialisten zu beweisen, gegenüber den internationalen Gefühlen der italienischen Sozialisten, Ihr sprecht von dem mit uns alliierten Frankreich und dem engliichen Feinde Deutschlands: aber wir sprechen von unserem Frankreich, vom revolutionären Frankreich, von dem Frankreich Jaurtzs' und von keinem ariderer. Die französischen Sozialisten betrieben immer eine antimili- taristiichc Propaganda in einem Lande, welches Revanche wollte. Tie Franzosen kämpften gegen die französischen Kriegsvorberei- tungen, was die Deutschen nicht taten, oder doch nur bis zu dem Punkte, wo die imperialistischen Gefühle des Kaisers und des Bürgertums .verletzt werden konnten, ebenso, wie wir gelrsen haben, das; sich die deutschen Sozialisten am Vorabend des Krieges mir den anderen Parteien zusammen an Akten der Ehrerbietung und .Huldigung dem Kaiser gegenüber beteiligt haben,
Südekum nahm zu diesem Punkt das Wort, um mitzu- tcllcn, daß an diesen Akten die Sozialisten nicht teilgenommen haben,
DellaSeta nahm Notiz von dieser Mitteilung irnd bemerkte sedoch, daß eine Berichtigung dieser Episode wenig bedeute, da der Gesichtspunkt der deutschen Sozialisten demjenigen des deutschen Imperialismus konsorm sei, Tic deutsche Vorherrschaft, suhrDellaSetasort,bedeutetfürunseineschlim- mere Gefahr, alsdiejenige des Zarismus, weil der Zarismus verhindert, daß die deutsche Armee auf Paris marschiert und weil er das französische Banner schützt, ivrlches das revolutionärste ist trotz seiner Fehler und Jrrtümer, Der deutsche Wahlspruch ist heute: „Deutschland über alles", ll il d in diesem hat der deutsche Sozialismus nicht cntgegengcarbeit. Ich füge hinzu, daß Ihr im gegenwärtigen Falle ans republikanischen Prinzipien hättet handeln m'Affen, da zweifellos der WUlc der Herrschenden den Ausgang des Krieges beeinflußt, denn jeder Krieg hat, sozialistisch gesprochen, immer eine ticse kapitalistische und- ökonomische Ursache, Die deutschen Sozialisten haben jedoch im „Vorwärts" dem Kaiser eine Anerkennung p'.chliziert, well er 25 Jahre lang gegen den Krieg gearbeitet habe,
Ihr sprecht von der deutschen Zivilisation, die in Gefahr sei, aber rvir können keine Kultur darin sehen, wenn man das neutrale Belgien angreift und guillt und wenn sich die Zerstörung Löwens vollendet. Im großen und ganzen stellt Ihr, die Sozialisten, dieselben Erwägungen an, wie die Minister der deutschen Bvurgeosie, Für uns ist der Kaiser nicht lcheraler wie der Zar, Wir haben, um den Krieg zu verhindern, uns niemals an einer Aufwiegelung der italicnischen irredentistischen lBcsreiung aller italienisch rcdenden Gebietsteile und Vereinigung mit dein Mutterland Gefüdle betelligt, aber wenn wir Eurem Beispiel hätten folgen sollen, hätten auch wir uns in der schrrcklichen Gefahr befunden, den; Kriege Beihilfe leisten zu müssen. Für uns besteht die sozialistische Pslicht darin, ims immer gegen den Krieg zu empören, und wir müssen uns auch heute empören gegen den schrecklichen Zustand. wo man sieht, daß Deutschland das Recht der Neutralität verletzt, hat, wie es das gegen Belgien getan hat, ohne daß Ihr protestiert hättet.
Wir haben das Bergnügen gehabt, auch unsere Gefühle und Ansicht von der Sachlage, die diejenigen der großen Mehrheit unserer Partei sind, auszudrücken. Ihr habt gesagt, Ihr wäret weit entfernt, irgendeinen Einfluß mif unsere Neutralität auszuüben. Wir wiederholen Euch, daß die Neutralität der italienischen Sozialisten eine andere ist als diejenige der Regierung. Und über die Neutralität der italienischen Sozialisten bestimmen nur diese allein. Und wenn in, rrnseren heutigen Schritten und Worten ein geheimer Wunsch ist, so haben wir auch ittunferer Neutralität einen g eheimen Gedanken. Aber dieser Gedanke soll kein Geheimnis sein für Euch, wie auch Eurg Gedanken für uns kein Geheimnis find. Und wir sagen Euch offen, daß wir das zerstört« Belgien beweinen und ehren und zitternd das Schicksal Frankreichs verfolgen, welches auf dem Schlachtfeld der Internationale das Leben Jaures' geopfert hat. Und was dir Beziehungen von Partei zu Partei angeht, werden wir suchen, wenn der Fried« sich nähert, ichnellsrens eme internationale Zusammenkunft ernzuberusen.
Mit dieseri Ausführungen wurde -die Aussprache beendet.
Der „Vorwärts" bemerkt dazu: „Wir halten die Auffassung unserer italienischen Parteigenossen fick: ein sei- t i g, müssen aber in der jetzigen Situation aus leicht de- greiflichen Gründen auf eine Diskussion verzichten. Konstatiert muß nur leider werden, daß die italienische Auffassung bei den sozialdemokratischen Parteien auch in anderen neutralen Lindern stark verbreitet ist,"
Dar mexikanische Problem wieder neu erwacht!
WTB, Kopenhagen, 14, Sept, (Nichtamtlich.) „Ber- linske Tidende" meldet aus London: Von wohlunterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß, das Verhältnis Müschen
Präsident Wilson und General Earranza, dem wirklichen Oberhaupt der Republik Mexiko sehr gespannt sei, weil Carranza in ziemlich unverschämtem Tone fordere, daß die Truppen der Vereinigten Staaten Veracruz räumten, In den letzten Tagen sind große amerikanische Truppenmassen nach der mexikanischen Grenze a h- gegangen.
Aus dem Reiche.
Mannheim, 14, Sept, Der Plan der Heimbringung
der Leiche des Reichstagsabgemdneten Dr, Frank vom Feindesland nach Mannheim, der von einer Abordnung der Mannheimer sozialüemokrattschen Partei Ausgang voriger Woche versucht wurde, war nach der Mannheimer „Volksstimme" nicht von Erfolg begleitet. Tie initrtärischcn Operationen gestatten vorerst noch nicht, an die Ausführung des Planes heranzurrewn Das sozialdemokratische Blatt anerkennt gerne und dankbaren? große Entgegenkommen, das die Militärbehörden sowohl in Berlin wie in Karlsruhe und auf den Etappenstationen für die Ausführung des Planes bekundeten.
Karlsruhe, 14, Sept, (W, B, Nichtamtliche Ter Großherzog Hai sich entschlossen, während des gegenwärtigen Krieges Taten von hervorragender Tapferkeit durch Verleihung des militärischen Karl-Friedrich-Verdienstordens oder der militärischen Karl-Friedrtch-Verdienstmedallle zu belohnen.
Aus Stadt rrnd
Gießen, 15. September 1914.
Auf dem Felde der Ehre gefallen.
(Aus Hessen und den Nachbargebieten.1 .Hauptm, d. Res, Ernst Probst, Jnf.-Regi, 81 ans Frankfurt a M. — Oberleutn, z, See Fritz W c i f f e u b a ch, 2 Minensuch div. aus Franlfurt a M, — Assist -Arzt ö Res, Dr, Rud, Werner Hcusner, Inf,-Regt, 142 aus Gießen, -— Lt, d, R, Lehramtskandidat Ed, Ca st ring ins, Jnf.-Regt, 116, — Bizewachlm, d, Landw.-Feldartilleric Karl Kahle aus Frankfurt a, M, — Gefreiter Jos, S al z b run n, Jus.-Regt, 87 aus Frankfurt a, M.
- Ofs.-Stellvertc. Fritz Wal ging er, Jnf.-Regt, 117 aus Mainz, — Gefreiter Fritz Hill, Jns.-Regt, ll8 aus Udenheim,
— Landwehrmanu Georg Bersch aus Darmstadt, — Gardefüsilier Andr, Altstä 1 ter, Rgt, 115 aus Wersau, — Landwehrmann Lorenz N ehrwein aus Darmstcwt, — Reservist Adam Kas- fenbergcr aus Hellcrbach, — Vizefeldw. d. Res, cand, mck, Rudolf Fink aus Dillenburg, — Unterofsiz. Paul Weber aus Fellerdilln, — Emj-Unteroft, und Lehrer Georg Schnatz, Jns.- Regt, 87 aus Mainz, — Res. Jose; Schier aus Nlainz-Mombach
— Ossizier-Stellvertr, sind, orrft. Hubert Klein, Jns.-Regt, 168 aus Overralh, — Hauptm, Eduard Mattel, Jns.-Regt, 116 aus Bernburg, — Musketier Hans R e i tz, Jnf.-Regt, 8l au? Hanau. — Musk, Phil, Föllcr aus Hanau, — Musk, Julius Kugelstadt aus Wehen, — Reservist Willy Zimmermann aus Wiesbaden,
** Amtliche B e r l u st l i st e, Nach der amtlichen Be lanntmachung des Oberbürgermeisters liegen von setzt ab die amtlichen "deutschen Vertu st listen im Stadthaus, aus dem Polizeiamt und aus der Polizeiwache am Sclters- tor zu jedermanns Einsicht offen. Leider enthalten aber die bis jetzt erschienenen stiummern immer noch nicht die Verluste unserer hessische» Regimenter,
Zkjtzkt bif Sriepanieilei!!
** Ue6 T Aiig' und Hand fürs Vaterland, Jeden Nachmittag befolgen diesen Schützen-Wehrspirrch Jünglinge und Männer ans allen Kreisen unserer Bürgerschaft im Mter von 16—65 Jahren, Es handelt sich darum, Zivilmannichasten aus-, zitbilden, die den Bahiibetvachungsdienst übernehmeri, wenn unser Militär abberuien oder für die Gefangencnbewachnng gebraucht wird. Die Anleitung zum Schießen .gibt Schießmeister Noll, der vom Musketier Rosentha! imi> dem Büchsenmacher Dikore unterstützt wird. Bisher sind 90 ausgebildete Schützen dem Be- zirkskomniando gemeldet, 50—60 sind augenblicklich in der Ausbildung begriffen und täglich drängen sich neue Mannschaften an den Schießstand, die ihre Ausbildung im Interesse 'des Vaterlandes verlangen,
** Der Aussuhrverkehr nach den neutralen Staaten. Nach einer der Handelskammer von dem Wirlschatt- lichen Beirat der Linien-Kommandantur 6 in Frankinrt a. M. zu- gcgangenen Mittcilnng ist der Ausiuhrverkchr nach allen neutralen Stanken »löqlicb. Alle Rhcin-Schifiahrts-Gesellscbaflcn unterhalten reaelniäjnge Derbindiingen mit Holland, vo» wo mit neutralen Tampsern sich Derladegelegenheit nackt Nord- »nd Südanierika, Schweden, Norwegen und Dänemark bietet. Ebenso bietet sich nach den nordischen Ländern Verschiffungsmöglichkeit von Hamburg und den deutschen Ostseehäfen. Nack der Türkei, Griechenland und Ehma steht der Weg über Italien offen.
** Quetschekuche, Das Verdienst, das sich die Gemeind« W aldgi rm e s durch -Spendung von 100 Zwetschenkuchen für das Wetzlarer Lazarett um das Vaterland erworben, hat die Gemeinde Ki nzenb a ch nicht ruhen lassen, sie trumpfte mit 150 Stück des edlen Backlverkes, Darauf setzte Hermann st ein zum Spurt ein und stellte einen Rekord von 200 Zwetschenkuchen ans. Also 450 Zwetschenkuchen, darunter etliche in der Größe eines ausgewachsenen Geschützrades, haben die Wetzlarer Verwundeten verarbeiten müssen, — Lieb Vaterland, kannst ruhig sein!
Landkreis Gießen, z, D a u b r i n g e n, 14. Sept, In der am Samstag ab- gehaltenen Hauptversammlung des „Männer-Dnrn- Vereins (E.V.), Mitglied des Tnrnexbrrndes „Lahn-Düns- berrtzh wurde beschlossen, dem Roten Kreuz 100 Mk, zur Verfügung M stellen. Für die unterstützungsbedürftigen Familien der Kriegsteilnehmer des Vereins sollen die monatlichen Beiträge, die von den nicht zur Fahne einberufenenj Mtglredern weiter erhoben werden, je nach Bedürfnis zur Verteilung kommen.
l. Langgöns, 14, Sept, Der hiesige Verein der Käsereibesitzer hat für das Rote Äeuz 50 Mk, gespendet, die der Scrnrmelstelle in Gießen überwiesen wurden.
Kreis Schotten.
k, Schotten, 14, Sept, Tie in der Stach vorgenvm, mene Sammlung für das Rote Kreuz und die bedürftigen Fam ilie n unserer in Feindesland stehenden Lwldaten hat 11000 Mk, ergeben, Ivovan bereits 3000 Mark dem Roten Kreuz überwiesen worden sind, Außerdenr hat der Gemeinderat für sämtliche Kriegsteilnehmer je einen Anteilschein der Kriegsverjichernng einznlösen beschlossen, wofür über 1000 Mk, erforderlich sein werden. Für die Notleidenden in Ostpreußen wurden 5 0 Mark bewilligt, Kreis Friedberg. h, Bilbel, 14. Sept, In der Schule wurde ein Lazarett mit 32 Berten eingerichtet. Die gesamte Ausrüstung wurde in mustergültiger Weise von hiesigen Bewohnern und den benachbarten Genleinden zur Verfügung gestellt.
^ § Aus der Wetterau, 14, Sept, Der orkanartige
S t u r in in der Nacht Horn Samstag aus Sonntag hat an
den Ovstväumen enornren Schaden crngerichtet. Wie gesK lagen die Früchte am Bodeck
Kreis Wetzlar.
- Krofdorf. 14, Sept, Die für Krofdorf-Glei. b e r g erbaute Schule geht ihrer Bolleiiduiig entgegen. Ir« Anschluß an die für beide Orte geschaffene Wajserlciiungj erhält die Schule im Erdgeschoß eine Badeeinrichtung, Ter stattliche Neubau ist für vier Klassenräume eingerichtet, enthält aber keine Lehrermohnungen. Die Gleiberger Schul« wird demnächst aufgelöst, ,
Hessen-Nassau, h. Aus dem T a u n k s , 14. Sept, Ein orkanartiger Wirbelstnrn, hat in der Nacht zum L-onntag im ganzen Taunusgebiete schweren Schaden angerichtet. Der Sturm fegte den größten Teil der Obsternte von den Bäumen, Am Sonntag waren ungezählte Hilfskräfte mit dem Ein- saumieln des „Sturmobstes" beschäftigt, ohne daß, es ge, lang, auch nur einen Bruchteil der abgcworfcnen Früchte zu bergen. Der Obstmark: dürfte in diesen Tagen mit tausenden von Zentnern Obst beschickt loerden, Dem Ver- nehmen nach wird sich der Preis für einen Doppelzentner Sturmobst auf sieben Mark stellen.
X. Hanau, 14, Sept, An der Kriegsanleihe wird sich die städtische Sparkasse in Hanau vorläufig mit einer Viertelmillion Mark beteiligen, — Der Fuhrmann Caspar H o h m a n n, ein bejahrter Mann, geriet heute nachmittag beim Heufahren unter die Räder seines Fuhrwerks und wurde getötet.
Eine neue gönn der Rriegsversicherung.
Ter Gedanke der Kriegsvenichcrung hat sich seit den Tagen der Mobilmachung überall in ersreulicher Weise geregt. Die Tages- presse brachte wiederholt Ausführungen über die Grundlagen, den Umfang und die Deckung dieses isonderrisikos, Daneben war der Anzcigentell der Zeitungen mit Inseraten der Berircheriirrgsd«. tretcr und Gesellschastsdirektioncn an gefüllt, worin die von ihnen getroisenen Einrichtungen geschildert und zur Benutzung empfohlen wurden.
Wer schon srühcr seine Familie oder seine sonsttgen Angehörigen durch Abschluß einer angemesseneir Versicherung für doi Fall eines unerwarteten Todes versorgt hatte, war nun auch für den Kriegsfall ohne weiteres ganz oder teilweise gesichert, iofent seinerzeit in die Versicherung das Kriegsrisiko eingeschlvssen wurde, Oft war dies letztere aber nicht der Fall, da es der Versicherte hch der Antragstellung unterlassen hatte, derr Einschluß der Ückregs- gesahr besonders za beantragen. Da ist cs mzuerkennen, daß mehrere Gesellschasten sich unter gewissen Bedingungen freiwillig bereit erklärten, auch in solchen Fällen das Kriegsristko bis zu einem gewissen Grade, in einzelnen Fälle» sogar in voller Höhe zu übernehmen Für die hier in Bcrracbt kommenden Bevöllcrimgskreisc ist also in zufriedenstellender Weise gesorgt ivvrden,
Sckuoieriger ist die ffiachlwlimg der wirtschaftlichen Vorsorge aber schon für die zahlrerckfeu anderen, die erst im letzteil Augenblick an einen solche» Abschluß dackfteu, Naturpenräß uuißteii- nämlich die Olesellschastcn zur Wahrung der Interessen ihrer alt« Versicherten de, den jetzt in größerer Zahl beantragten Vernchd- rungcn mit Einschluß der Kriegsgefahr billigerweise eine Extra» xrämic erheben, die in einzelnen Fällen bis zu 100 Mk, auf das Tausend der Versichcrungsiunime betrug, lind die selbstverständlich noch neben der regulären und lausenden Prämie zu entrichten ist. Dies >ftng vielfach erheblich über die Kräfte zahlreicher Wehr- vslichtigen hinails, lvas rrm io mehr zu bedauern ist, als es sich gerade in solchen Frillen um Kreise handelt, die eben wegen ihrer geringen wftckschaftlichen Leistungsfähigkeit des Versichermlgs- schutzes in gmz besonderem Maße bediftsen. Diese Lücke in dm geschaffene!, Einrichtungen hat im Großherzogtum Hessen die vom Großh, Oberversicherungsamt und dev Krankenkassen ms Leb« gerufene „Hessische Kriegsversickferung" ausgefüllt, während sonst im ganzen Reiche, insbesondere in Preilßen, die -^elbstverwalttiugs- körperschastcn Provinziakverbände, Landesbanken, ihrankenkasscii lind Fcucrsozietätenj in Verbindung mit der ihnen nabestelfenden öffentlichen Lebens- rind Bolksversicherung «nie gleiche EinrickNung der Kriegsversicherung geschaften haben, die auch jetzt allen denjenigen Vaterlandsverteidigern zu Hilfe kommen sollen, welche es nicht vermocht hatten, für ihre Angehörigen in ausreichender Weise vorzusorgcn. Dazu erscheint diese Einrichtung durch die Einfachheit und Klarheit ihrer Bedingungen in besonderem Maße berufen,
Tic Teilnahme an dieser Gründung erfolgt ohne alle besm- deren Formalitäten in einfachster Weise durch Löftmg- eines oder urehrcrcr Anteilschcftre zu je 10 Mk, obnc daß eine ärztliche U n t c r s u ch u tt g oder sonst eine persönliche Beteiligung der Wehr» pflichtigen bei der Ausnahme criorderlich ist. Es kann also die Lösung der Anteftscheine auch für die bereits im Felde stehende durch die zurückgebliebenen Frauen oder sonsttgen Angehörigen leicht erfolgen. Für den Einhcitsbelrag von 10 Mark für einen Anteilschein loerden nun für deri Fall, daß der Kriegs- teilnebmer im Kriege sein Leben einbüßt, dcil Angehörigen der verhälmismäßigc Amteil an den insgesamt eingekommenen Mst- teln ausgezahlt. Bei Annahme einer Sterblichkeii wie die von 1870/71 würden dabei ans den Anteilschein etwa 250 Mk entfallen. Sind die Verluste geringer, dann erhöht sich der Betrag, sind I sie größer, bann erniedrigt sich dieser Betrag, Die kjöchste Zahl l der >ür einen Kriegsteilnehnrer lösbaren ÄnteUscheine ixträgt 20 Stück, so daß also eine Höchstleisttmg von 5000 Mk ermöglicht werden würde. Für bereits Gefallene oder Verwundete können Ülnteilicheine selbstverständlich nicht mehr gelöst iverden, falls diese Tatsache den Änmeldenden bekannt war. Diese Besttminuiig trifft dagegen nicht zu, wenn eine Gesamtheit von Personen gleichzeitig versichert werden. Es bieret sich also hierdurch Gemeniü«, Vereinen, Firmen, Fabriken usw, eine günsttge Gelegenheit, für ihre einberusencn Angestellten und Arbeiter L-orgc zu tragen.
Bemerkt sei noch, daß die Organisation dieser Kriegsunter- stützungskaisc ebenso wie die der öpeiitlühen Lebens- und Volks- vcrslcherung'süx Preußen provinzweisc und für den Bezirk de: Bundesstaaten 'einzeln diirchgesührt worden ist. In den Teilen des Reiches, in welchen Kriegsversicherungen noch nicht eingerichtet ! sind, ist deren Gründung vorbereitet und sicherein Vernehmen, nach werden schon in allernächster Zeit eine Anzahl gleicher Ein;ichtrmgw , auch dort ins Leben treten können, »
Die Annahmestellen der Kriegsoersicherung sind überall kennt- » lich gemacht. j j
Die beiden Molttes.
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Die Stelle des Generalstabschefs der deutschen Heere, die 1876 Feldmarsclmll von Molikc iimc hatte, riinrmt heute b kanntlich wiederum ein Moltke ein. der den gleichen Namen führt wie seoi großer Oheim, General Helinuth von Moltke, der nuninehr das „Gehirn uirsever Armee" darstellt, ist der ziveitc unter den mer Söhnen »vir Moltkcs Bruder Adolf, mit dem den Feloherrn ebenso wie mit dem Bruder Fritz ein besonders iimiges Bcrhälttüs verband, „Die vier Riefen" nannte der Onkel Adolfs L-öhne, die ihn alle vier körperlich überragcen, und er hat sich ihrer stets mit treuer Berwandtenliebe angenommen. So nahm er Anteil dl per Erziehung des ältesten Ressen Wilhelm, der ein schwächlichrr Knabe war und üesian Ennvicklung der Feldmarschall mit geradezu väterlicher Liebe überwachte Apcr auch zu Helmuih hegte er besondere Zuneigung, Während des Krieges 1870 verlor er den 22jäbrigen, der noch als Fahnenjunker des 86. Füsilier: egiments ins Feld zog, nicht aus den Augen, So schreibt er am 6, September aus Reims an den Bruder Fritz: „Auf der Herfahtt W& gestern fuhren ivir an der Rast der zehnten Division vorüber und fanden Helnruth mit den Offtzierrn seines Regiments unter einem Apfelbaum sitzend. Er siebt ein bischen spitz aus, ^ sicher! ober, oolltomui«, ivohl zu sein. Geld habe er „massenhafr , zu tcoen auch, eine Wurst vcrsaunähtc er und begnügte sich } ,u !. einer Flasche Wein aus niernem Wagen. Seine Rockschöße linu durchsckwsscn, er selbst aber ganz und fwhen Mutes. Er niuß


