Ausgabe 
10.9.1914
 
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timeter Kanonen bewaffnet und bat eine Wasserverdrängung von 8000 Tonnen Weiter berichten englische Blätter noch von einem anderen schtvcr beschädigten Schiff, dessen Name aber nicht angegeben ist. Dieses Schiss ist nnt 14, mit Holzstücken gestopften Löchern, au§ dem Kamps zurückgekchrl. Auch die Brücke war verbogen Der erste deutsche Schub hatte die Tnnamomaschine getroffen Die späteren Schüsse unterer ioackcrm blauen Jungen fegten die Schornsteine weg und zerstörten die Geschütze. Das -Schiss halte Tote und Pcrivundctc an Bord. Ein englisches Blatt berichtet auch noch von einem Kreuzer, der nicht weniger als 19mal getroffen wurde.

Die vorstehenden Schiffsangaben sowie die Mitteilungen über die Verluste der Engländer stammen aus englischen Quellen. Vermutlich dürften die Verluste aber, mit ob­jektiven Augen betrachtet, noch größer und schwerer sein.

TaS freiwillige Marincflicgerkorps.

tn Berlin, Matthcrikirchstraße Nr.9, stellt noch kriegs- freiwillige Matrosen ein: Reichsangshörige, nichtüber 35 Jahre alt, die sich zur Ausbildung als Beobachter eignen und die entweder Freiballonführcr sind oder das Steuer- mannsexamcn für kleine und große Fahrt abgelegt haben, ferner ausgebildele Flugzeugmonteure und Kraftwagen- kührer.

Botschafter Gcrard über Amerikas Neutralität.

Berlin, 9. Sept. An der gestrigen Börse waren Ge­rüchte verbreitet, nach denen Zweifel an der Neutralität !der Vereinigten Staaten von Amerika aufgetaucht sein livllen. Dies gab derB. Z am Mittag" Veranlassung, bei dem hiesigen amerikanischen Botschafter Gcrard Erlundi- gungen einziuziehen.Alle Gerüchte", sagte der Botschafter, die wissen wollen, daß die Vereinigten Staaten ihre Neu­tralität aufgeben würden, sind barer Unsinn. Wir denken gar nicht daran, mit irgend jemand Krieg führen zu wollen. Wir werden unsere Neutralität aus das peinlichste und energischste wahren. Wenn auderslcku- tende Gerüchte vielleicht auf dem Umstande beruhen, daß ich lncr lebenden Amerikanern geraten habe, so schnell wie mög­lich nach Hause Lu reisen, so findet dieser Rat seine natür­liche Erklärung darin, daß ich meine, in dieser Zeit, in der in Europa ein gewaltiger Krieg tobt, gehöre jeder Ameri­kaner in seine Heimat."

Ein zuverlässiger Zeuge über seine Eindrücke in Belgien.

(WTB.) Berlin, 9. Sept. (Nichtamtlich.) DieNordd. Allg. Ztg." bringt eine weitere ausführliche Schilderung des Direktors der Deutschen Bank Dr. H e l f s e r i ch über den Zustand Belgiens. Dr Helfferich sagt u. a :

Einige Ortschaften sind völlig zerstört: teils ist in diesen Ort­schaften heftig gcsockstm worden, zum anderen Teile erfolgte die Zerstörung wegen heimtückischer Uebecsälle nach sricblicher Kapi­tulation. So wurde der kleine Stadt Batticc nietergebrarmt, weil der Bürgermeister des Ortes nach einer Bewillkommnungs- ansprache den Führer der deutschen Abteilung niedcrschoß. Gleick>- zeitig wurde aus allen Fenstern ein wütendes Feuer aus die in den Straßen haltenden deutschen Kolonnen eröffnet. Dagegen ist der große Jndustrieort V c r v i e r s völlig unversehrt. Die Stadt Lüttich selbst zeigt nur an wenigen Stellen Spuren des Krieges. Gegenüber der Universität sind allerdings eine Anzahl Häuser zu- siaminengeschossm, weil nach der Besetzung der Stadt aus unsere Soldaten von hier geschossen wurde, wie behaupte! wurde von russischen Studenten. Die schönste Brücke Lüttichs und die meisten Brücken im Maastal sind von den Belgiern ganz zweckloser Weise selbst gesprengt worden. Unsere Truppen er­richteten in kürzester Zeit Notbrücken. Zwischen Lüttich und Tirlemont, wo unsere Tnippen in breiter Front sich vor­wärts bewegten, sicht es bis aus wenige Stellen ftiedlich aus, als ob nie der Fuß eines feinklichesi Soldaten die Gegend betreten hätte. Nirgends hat man den Eindruck als ob unsere Truppen ohne Not zerstört und verbrannt hätten. Tirlemont selbst ist gänzlich rmversehrt. Von Löwen ist lediglich derjenige Stadt­teil niedergcbrannt, in deni die heimtückischen Ucbersällc und die anhaltenden Straßenkämpse stattgcsunden haben. Unsere Truppen selbst versuchten zu retten, was zu retten war. In der Stadt Brüssel ist kernein menschlichen Wesen auch nur ein Haar gekrümmt worden. Das Eigenttim der Bürger wird aus das Peinlichste respektiert: Requisitionen der Truppen wie alle (Ankäufe der einzelnen Soldaten erfolgen gegen bare Bezahlung. Das große Jndustriebeckrn von Charlervr ist so gut wie voll­ständig verschont geblieben. Alle Fabriken und Werke sind intakt. In der weiteren Umgegend von Man beuge sind die großen Ortschaften im wesentlichen unberührt. dagegen sind die Zer­störungen in der näheren Umgebung, soweit sie im Bereich der Geschütze der Festung liegt, erheblich.

An dieser Stelle schaltet Dr. Helfferich ein, daß die bei den Ausfällen aus Maubeuge gefangenen englischen Sol­daten übereinstimmend anssagten, daß sie ihre sckwrsc Munition ans einem in Maubcuge eingerichteten Depot erhielten, wobei zu beachten ist, daß das englische Gcwehrkaliber nicht mit dem fran­zösischen identisch ist, .daß also speziell die Munition für die englischen Truppen bereitaehalten worden war. Bei den englischen Soldaten wurden große Mengen von D u m - Dum-Geschossen vorgefundcn. In der Gegend zwisclnm Sambre und Maas kehrten die Einwohner zurück. Nachdem dort erbitterte Kämpfe stattgesunden hatten, haben sich die Einwohner überzeugt, das, der deutsche Soldat, solange man ihm nicht ans Leben geht, der ftiedtichste Mensch der ganzen Welt ist. Im Tal der Maas wurde D i n a n t total zerstört, weil unsere Truppen nach friedlicher Kapitulation der Stadt und mehrtägigem Aufent­halt plötzlich von allen Seiten her von den Einwohnern beschossen wurden. Aus dem gleichen Grunde mußte die Zerstörung eines großen Teils der Stadt A n d e n n c erfolgen. Den meisten übrigen Orten des Maastalcs ist von den Schrecken des Krieges nichts an- »umerkcn. Der Gcsamteindruck ist. daß unsere Tnippen nur dort zerstört haben, wo die bittere Notwendig­keit des Gefechtes es verlangte oder wo das Verhalten der Ein- wohncrsckmst die schwersten Repressalien nötig machte. An zahlreichen Stellen ist es llar ersichtlich, baß unsere Truppen geradezu bemüht waren, die Zerstörungen aus den notwendiger Umsang zu beschränken und alles zu schonen, was gesckwnt werde, durfte. Eine der wichtigsten Aufgaben des deutschen Generalgou­vernements wird cs sein, den Wirtschaftsbctried, die Landwirt­schaft, die Industrie und das kaufmännische Gewerbe wieder in Gang zu bringen.

Ter erste deutsche SanitätSzug in Wien.

Wien, 9. Sept. Gestern nachmittag kam de r erste deutsche Sanitütszug vom nördlichen Kriegsschau­platz mit 265 Verwundeten, darunter sieben Reichs­deutschen, hier an. Die Verwundeten wurden von der Erzherzogin Blanko, dem Roten Kreuz und der Akade- mischen Hilfslcgion erivartet und nach Begrüßung durch das zahlreiche Publikum in verschiedene Spitäler gebracht. Die verwundeten Reichsdeutschen erzählten, daß sie Schulter an Schulter mit den tapferen österreichischen und ungarischen Kameraden gekämpft und sich mit ihnen ohne Unterschied der Nationalität angefreundet haben. Beim Verlassen des Bahnhofes stützten Tschechen treubesorgt einen Deutschen. Magyaren leiteten einen anderen deutschen Krieger sorg­sam die Treppe hinab. Transportführer war der Offizjer- ftellvertreter Renschel, ein alter Herr, dessen Brust das tm Kriege 1870/71 erworbene Eiserne Kreuz zierte. Die deut­schen Aerzte und Sanitäter unternahmen gegen Abend eine

Autofahrt durch die Stadt, wobei sie Gegenstand rauschender Ovationen seitens der in den Straßen angesammelten Mienge bildeten.

Die Stärke dcö russischen Heeres.

Uebcr die vermutliche Stärke de? russischen Feldheeres macht dieWiener Arbeiterzeitung" folgende Angaben, die ihr von unterrichteter Seite zugegangen sind:

In den sieben europäischen Armeebezirken Petersburg, Wilna, Warsckwu, Kiew, Odessa, Moskau und Kasan stehen 27 Armee­korps. ferner im Kaukasus, in Turkestan und Sibirien 10 Armee­korps. An R c s e r v e s o r ni a t i o n c n stellt Rußland wahrschein­lich 38 Divisionen ans, von denen aber nur 26 zu den europäischen Truppen gehören und ein Teil noch als Besatzung gebraucht werden dürste. Da von den nichtcuropäischen Armeekorps ein größerer Teil in ihren Standorten verbleiben nruß, so stehen für den Krieg in Eurpa wohl nur rund 30 Armeekorps zur Ver­fügung: zu ihnen würden nock> Rcserveformationen in Stärke von 10 Rcservekorps gerechnet werden können: alles in allem also rund 40 Armeekorps. Davon haben bisher gegen die Oester- reicher etwa 20 Armeekorps gekämpft, von denen zwei durch Verlust ihrer meisten Geschütze und durch sonstige große Schlacht- Verluste als großenteils erledigt gelten können Rund 10 Armee­korps dürsien nach Ansicht des genannten Wiener Blattes gegen Ostpreußen in Bewegimg gesetzt sein, von denen durch die Schlacht bei Tanncnberg rund firrir vernichtet sind. Weiterhin stehen imtürlich noch in Finnland, in und um Petersburg und auf den Verbindungslinien stärkere Kräfte: der Rest wäre noch in den westlichen Wafsenplätzm und als Reserve zur Verfügung.

Aus allem würde sich ergeben, daß nock, einige Rescrvearmee- korps gegen die Oesterreicher angcsetzt werden könnten: man darf aber wohl hoffen, daß auch die Oesterreicher inzwischen noch Ver­stärkungen hcrairziehm fonjKn. Daß die Nachrichten von dem Transport größerer russischer Truvvenmassen nach E n g l an d oder Frankreich ans Phrntasim beruhen, daran ist kaum ein Zweifel möglich.

Rnssischc Lügen.

(WTB.) Wien, 9. Sept. (Nichtamtlich.) Die Petersburger Tclegraphcn-Agcntur hat die vom Wiener Korr.-Burcau gemeldeten Siege der Armee A » f s c n b e r g bei Z a m o s c und Tyszowce dementiert. Sie wußte dagegen von einem Ricsensicg der Russen bei Lemberg sowie von dort gemachter reicher Beute, von 7 0000 Kriegsgefangenen, Eroberung von .Hunderten von Gc- fchützen usw. zu melden. Demgegenüber ist das Wiener Korr- Bureau ermächtigt zu erllären, daß bei Lemberg überhaupt keine Schlacht stattgesunden hat und daher von einem russischen Siege nicht gesprochen werden kann. Wie bereits ge­meldet, wurde Lemberg von den österreichischen Truppen aus strate­gischen Gründen freiwillig geräumt. Ebenso sind die Berichte von reicher Beute der Russen und 70 000 Gefangenen vollkommen aus der Lust gegriffen, es wäre denn, daß die russischen Truppen sämt- nche Einwohner von Lemberg als Kriegsgesangenc betrachten, um eine recht imponierende Zahl herausznbckommen. Was die Erfolge der in Rußland siegreich voraedrungenen Armeen bc-trifft, so genügt es. aus die entsprechenden ersten Meldungen des österreichisch-unga- äischen Armeeoberkommandos hinzuweisen, die seither glücklicher­weise durch neue Erfolge nur bestätigt worden sind. Der Peters­burger Telegraphen-Agenttir wird es auch durch das bunteste Lügengewebe nicht gelingen, die Siege unserer Armee wcttzumachcn.

Serbischcr Schwindel.

Wien, 9. Septbr. (W. B. Nichtamtlich.) DasSerb. Prcssc- burean" kann sich nicht genug tun in langen Berichten, über an­gebliche siegreiche Kämpfe bei.Schabatz und über einen ella- tanten Sieg der lleincn serbischen Armee über die österreichisch- ungarischen Streitkräfte, deren Zahl in jedem Berichte um mehr alS das Doppelte oder Dreifache wächst, über die Verluste der östcrreichisch-ungarischen Arniee. die sich in gleichem Berhältnts von Bericht zu Bericht erhöhen, sowie über die Rulnnestaten imd die strategrsckw Uctcrlegenh.it der serbifch n Streftlräste. Daran knüpft der phantasiereichc Verfasser dieser Kriegsberichte Bctrach- Nmgcn. welche darin gipfeln, daß außer schrecklichen Akten von Grausamkeiten nichts an die österreichisch-ungarische Ossensrve in Serbien erinnere, daß Oesterterch-Ungarn alle Hossming aus eine neue Offensive aufgegeben habe und daß nur noch die Furcht vor der serbischen Offensive in Wien herrsche. Da diese Meldungen über serbische Siege, deren Wirkungen offenbar zur Irreführung der össentlichen Meinung im eigenen Lande und einem allerdings beschränkten Teile des Auslandes nicht ausrcichen, so verbreitet das Serbische Presseburca» ans Nisch Berichte über russische Siege von kaum geringerer Bedeutung als demjenigen von Schabatz, die nicht mrr die österreichisch-ungarische Armee, sondern das ganze Reich einer unausweichlichen Katastrophe entgegenführten Die Glaubwürdigkeit dieser Berichterstattung wetteifert niit jener des russischen Generalstabs, der den entscheidenden Sieg der Armee Aussenberg zustschm Weichsel rmd Bug mit den Worten verkündet: Der Rückzug der öslerrcrchlsck>-rnrgarische>i Korps zwischen Weichsel und Bug hat sick> mit enormen Verlusten vollzogen. Der Wider­stand des Feindes ist gebrochen. Bezeichnender als diese Ver­drehung der Tatsackym ist der Ilnrstand, daß die bekanntlich ohne Schwertstreich erfolgte Besetzung der offenen Stadt Lemberg von der Petersburger Tefegrapbeuagentur in der Foirn gemeldet wurde, daß der Generalissimus Großfürst Nikolai Nikotajewitsch sür den General Ruski, welcher nach einen: glänzenden Siege die Festung Leinberg eingenommen habe, als Belohnung vom Zaren einen Orden erbitten werde.

Die Russen und Serben vergessen, indem sie ftch an ein­gebildeten Siegen berauschen, vollständrgdreungetzeuren Niederlagen undVerluste, die ihnen die östcrrer- chisch-unga rischen Truppen zu ge fügt haben und su­chen vergeblich, durch die den österrcichisch-amganschm Truppen znge- schriebencn Scheußlichkeiten diejenigen zn verdecken, die regu­läre und irreguläre Serben an Leichen, Verwundeten, ?ferztm und Anstalten des Roten Kreuzes verübt haben, und verschweigen, daß, wenn Ortschaften von den österreichisch-ungarischen Truppen nieder- gebrannt und Nichtkombattantcn niedergemacht worden sind, dies die Strafe, für deren völkcrrechtsundriges und barbarisches Ver­halten war. So wenig die russischen Kriegsberichte von den Sie­gen der vor Lublin stehenden Armee Danlls und Aufscnberg wissen, ebenso übersehen die Sttben die Erfolge der österreichisch- ungarischen Truvven an der serbisch-montenegrinischen Grenze, Wie sehr man sich in Oesterreich-Ungarn vor der serbischen Offensive süxchtet, davon gibt die gestrige Meldung Zeugnis, daß 5000 Derben bei dem Versuch eines Einbruches bei Mitrowitza ge­fangen worden sind, wobei noch nicht sestgestcllt ist, ob der Grund dieser mißglückten serbischen Offensive im Mute der Verzweiflung oder im Hunger der serbischen Truppen zu suchen ist. Wenn end­lich der russische Generalstab erllärt, daß die Hungersnot in Oesterreich-Ungarn llar geworden sei, so vermöchten ihn viele Tausende russischer Gefangener, die sür die äußerst humane Behandlung, besonders sür die ihnen zuteil werdende Verpflegung, nachdem sie tagelang Hunger gelitten haben, täg­lich ihren Dank ausspreckstir, leicht eines Besseren zn be­lehren Die Lebens in ittelprcise in Oesterreich- Ungarn sind nicht nur nicht gestiegen, sondern sie sind viel­mehr gesunken, was ganz erklärlich ist, da Oesterreich-Ungarn in Friedenszeitcn verschiedene Lebensmittel aussührt, während gegenwärtig die Ansftlhr unterbunden ist. Zur endgülttgcu Zer­störung der krankhaften Phantasie entspringenden serbischen Sicges- bericbte über die Kämpfe bei Schabatz fei hier der authenftschc Bericht zitiert, den der Kriegsberichterstatter desPester Llovd" mit Bewilligung des Kvrpskvmmandantcn Tcrsttzanski über diese Känipie verössentlicht. Nach diesem Bericht führten die öster­reichisch-ungarischen Tnippen am 1. und 14. itlugust den lieber- aang über die Save durch, besetzten Schabatz nach heftigem Wider­stand der Truppen und der Bevölkerung und wiesen heftige An- grisfc überlegener Streitkräfte ans Schabatz zurück. Am 16. August griffen österreichisch-ungarische Truppen mit inzwischen über eine Pontonbrücke über die Save eingetroffenen Verstärkungen wieder­holt die Serben an, die am 18. und 19. August zu einem flucht­

artigen Rückzüge gezwungen wurden, der nach der BchariptunM von .Gefangenen dem Rückzug der Türken bei Kunumowo glich.

Am 19. August abends erreichten die österreichisch-ungarischen: Truppcn die Linie Dukosc-Zervvac. Am 20. August traf der aus höheren strategischen Rücksichten ergangene Befehl zum Rückzug; ein, den Korpskoirinrandant Tcrschanski schivercn Herzens aus- führte. Das Gros der Truppen kehrte an das nördliche User der Save zurück. Kleinere Abteilungen wurden in_ Schabatz zurück- gelassen, welches von weitaus überlegenen serbischen Kräften an­gegriffen wurde. In der Nacht zum 23. August ist die Save aber­mals zum Entsatz der Schabatz verteidigenden Truppen überschritten^ worden. Es gelang, dle Stadt zu umzingeln und die Serben mit einer Attacke zurückzuwerfcn. Da es bei der damaligen Kriegslage wertlos gewesen wäre, Schabatz zu Ijaltcn, kam abends der Befehl, an das österreichische User der Save zurückzugehen. Der Beseht ist in der Nacht und am Morgen des nächsten Tages ausgesührt worden. Der durch den zwölstägigcn Kamps erschöpfte Feind hat nicht versucht, den Abzug z» stören. Nachdem der letzte Mann über die Pontonbrücke zurückgekchrt war, wurde diese abgebrochen. Der Armeekoiiimaiidant Tcrsiyansft dementiert energisch ein Telegramm, wonach Großfürst Nikolajewitsch den serbischen Thronfolger zum Siege von Schabatz beglückwiinscht. Das Ergebnis der Schabatzer Ossensive ist eine Lähmung des serbischen Heeres, dessen gestriger , erster Versuch, einen Einfall in österreichisch-ungarisches Gebiet' zu machen, mit dem bekannten Mißerfolg endete.

Italien besinnt sich"

Die Meldungen über die Haltung Italiens sind tvider- spruchsvoll. Während einige Römische Stimmen berichten, daß die Mehrzahl der Blätter an dem deutschen Vorgehen scharfe Kritik übten, schreibt ein italienischer Mitarbeiter der R'. W. Z., daß seit ein Paar Tagen die italienische Presse immer mit den bekannten franzosensreundlichen Ausnahmen mit Frankreich schonungslos ins Gericht gehe.

Von Italien habe es keine inoralische und auch keine materiell« Unterstützung zu erwarten, wird ihm auch von Blättern gesagt, die drei Wochen lang die französischenSiege" mitfeicrn halfen» als wären sie auch von Italienern erfochten worden. Noch vor acht Tagen glaubte, nein, hoffte der Corriere della Sera, daß, die Russen dem Deutschttim den Garaus machen würden, selbst wenn die Franzosen schwere Niederlagen erlcideir. Heute erllärt der j gute Corriere Frank reich sür vollkommen verloren! und glaubt und hosst auch nicht mehr, daß Rußland die Deutschen» nicderzwingen wird. Dagegen hofft der Corriere gar sehr, daß- Deutschland und Oesterreich so freundlich fein werden, ihren italienischen Bundesgenossen bei der Verteilung der Sie­gesbeute nicht leer ausgehen zu lassen. Derselbe Corriere, der in der Nacht zum 1. August d. I. feine berühmte Schwenkung zum Franzoseutum gemacht l>at. erklärt jetzt, daß die Dundestrene Italiens über allem Zweifel erhaben dasteht. Die regierungsoffiziöseTri­buns" geht in diesen Versicherungen noch ein Stückchen weiter. Auch dies freut uns. Nur müssen wir der Tribuna sagen, daß in ihrem eigenen Verlage die vielvcrbreitete MonatsschriftNoi c il nrondo" erscheint, und daß in dieser in der Ausgabe für den Monat Septcniber ein Arttkcl von Edmorrdo AbboDa Frosch» willer ad Altkirch" enthalten ist, der auf acht Seiten eine einzige dreiste Verhöhnung der Deutschen, sowie eine widerwärtige Ver­himmelung der Franzosen darstellt. Die Tribrma täte gut, ihrer« Herrn Abbo einigen Unterricht in der neueren Geschichte erteilen zu lassen, auf daß er in seinem nächsten Artikel vor neuen groben Fälschungen von Taten imd Tatsachen bewalwt bleibt. Auch in ihrer WochenausgabeTrrbuna rllustrata" hat dieselbe Tribuna dein jähen Weckrsel der Zeiten noch nicht Rechnung getragen. Sie kann auch nichts dafür, daß die Dcutsckzen über Nacht di« Sicgcshofsuringen der Franzosen und ihrer italienischen Freunde grausam zerstört haben.

?lber schließlich bessert sich die italienische Presse ganz auf­fallend, und wir wärm wirklich die Barbarm, als die man unS ausgrbt, wenn wir dm bekannten Mantel der christlichen Nächsten­liebe nicht auch über die letzten Extratouren unserer Bundesgenossin breiten wollten. Sie ist jetzt empört über das Ein­dringen der englisch-französischen Flotte in der Adria. Ganz plötzlich greift die italienische Regiemngsprcssc das Londoner und Pariser Kabinett wegen der Operationen der eng­lisch-französischen Flotte in der ?ldria heftig an und droht mit Gegenmaßnahmen, falls die Absicht unserer Feinde, V a l o n a zu besetzen, wahrgemacht ivcrdcn sollte. Es sollte mich gar nicht wun­dern, wmn Italien, um sich den Braten nicht mtgehen zu lassen, setzt Hals über Kopf unserm Feinden den Krieg erllärt, nachdem die Wafsm der Deutschen und Oesterreicher so kräfftgc Schläge bereits ausgeteilt babm. Italienische Blätter wollen auch wissen, daß England bereits anfangc, kriegsmüde zu werden. Es wäre von der Forderung Rußlands, die Dardanellen­frage zur Lösung zu bringm, nicht sehr erbaut und unterstütz« heimlich den türkischm Widerstand qegm das Auslaufen der rus­sischen Schiffe aus dem Schwarzen Meer ins Mittelmeer.

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Arr» Stadt und Land.

Gießen, 10. September 1914.

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Die Behandlung der Gefangenen.

Es ist nun öfter, «ich von amtliche» Stellen, darüber Klage geführt worden, daß Damen den französischen Ge­fangenen gegenüber nicht die erforderliche Würde und Zu­rückhaltung bewahrt hätten. Solche Einzelfälle waren gewiß im höchsten Maße bedauerlich und Warnungen waren be­rechtigt. Auf der andern Seite darf mau aber nicht zu wett gehen und nicht etwa Gefühllosigkeit den verwundeten Fein­den gegenüber empfehlen. Hier hat das Taktgefirhl zn ent­scheiden, und wir unterschreiben idcts, was Pfarrer Traub gestern unter der UeberschriftGerechtigkeit' in derFrkf. Ztg." schrieb.

Ich war empört wie kern anderer, als ich die Nackirrcht von dem uuwürdigm Bmetzmm einiger Pflcgerrimm am Bahnhol laS, aber ich wurde beschämt, als ich merkte^ wie viel Klatscherei hier vielleicht tn gutgemeinter Absicht, aber doch mit häß­lichem Erfolg gearbeitet hat. Es ist würdelos, wmn man z. B. in Elberfeld zuerst die Nachricht verbreitet, daß Fraum sichsckarw- los" betragen lzättm imd nackcher dies« Nachricht ganz offizrett dmrmtiert imrd. Die Ehr« der dmffchm Fmueirwelt, die beute wahrhaftig im gezählte Opfer bringt, ist unser aller Ehre. Verffuckt jede Koketterie in dieser Zeck! Koketterie ist keine Barmherzigkeit, aber ich will nicht, daß die echte Barmherzigkeit sich zurückdrängen lassm muß rim einiger erbärmlick)er Eiuzelerscheimingen willen. Es gibt hvsterische Fraum sicherlich. Sie sind^uutauglich zu solchem Dimst. dlher wir Männer wollm nicht oergeiim, daß es auch herz­lose Männer gibt: sie sind ebenso irntauglrch Die Militär« Verwaltung geht hier wieder mit glänzendem Beispiel voran: alle l>abm «s ihr warm gedankt, daß sie ausdrücklich den BefeN erteilt hat, die Verwundetm beider Nationen gleich zu be- baudclu. Ebenso erftmlich war der Erlaß ans dem preußische« Mftristerrnm des Innern, wonach in der Pffcge der Verwundeten kern Unterschied zwisckwn dm Nattonm g.-mackst werdm soll. Das ist gerecht und ist barmherzig zugleich. Eben darrmi wünschte ich, daß nnm überall danach handele. Ich will von dm traurigen Ein- zelheitm, die ich von verschiedmm Seitm crftchr, sckrweigew Zur Charakteristik dime eine einzelne Tatsache: Me Borsitzende einer Helierinnmaruppe ist mit Donnerwetter angefahren worden, weil sie einem sranzösisckreir slerbendm sechzrgjährrgen Grafen, der als freiwilliger Gemeiner diente, dm letzten Willen für »eine Frau mifgeschriebm hat. Da hört jede Gerechtigkeit ans. Es r>t häßlich, wenn man Frauen in ihrem Drenst aut Schritt und Tritt aufpaßt, ob sie auch nickst die Grenze des Zuläffigen üderschreitm und hinter allem etwas sucht. Das zeugt von einem Nnwürdigm Mißtrauen gegen unsere Frauen, Mütter rmd Schwcstem.

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