Eine Verkündigung des Bürgermeisters von Löwen.
Die Amsterdamer Zeilung „De Tijd" druckt eine Verkündigung der städtischen Verwaltung von Löwen ab, die zur Wiederaufnahme des gewohnten Lebens der Stadt aufsov- dert und damit als sicherstes Dokument den Beweis liefert, daß Löwen heute kein Trümmerhaufen, sondern in seiner Gesamtheit eine bewohnbare und bewohnte Stadt dar- stellt. Die Verkündigung lautet wie folgt:
Wir haben vergebens unsere Gemcindeabgeordncten ausgesucht Der letzte von ihnen, Herr de Schepene Schmit, gesetzlich verhindert, sein Amt weiter zu vertreten, hat uns am 30. August die Gemeinde-Angelegenheiten übergeben. Ich erachte es für meine Pflicht, diese Ausgabe zu übernehmen mit Hilf« einiger angesehener Bürger, die es übernonrinen haben, mir zur Seite zu stehen. Im Einverständnis mit der deutschen Heeresverwaltung fordere ich die Einwohner von Löwen auf, in die Stadt zu rückzukommen und ihre gewohnten Beschäftigungen wieder auszunehmen. — Wir wenden alle Sorge darauf, von jetzt ab den Gemeindedienst wieder herzustellen: die Polizei, die bürgerlich« Ordnung und der Dienst der städtischen Wasserweitung sollen schleunigst wieder eingerichtet werden. Der bcaustragte Bürgermeister A. N e r i n c x.
Ein englischer Schwätzer in Rom.
Rom, 7. Sept. Der hiesige englische Botschafter gibt den Zeitungen einen Bericht über die Daten der «ngli schen Korps in Frankreich, der in Deutschland große Heiterkeit erregen wird. Es heißt da nämlich, der englische Soldat sei dem deutschen weit überlegen. Die Stoßkraft der deutschen Infanterie sei ärmlich, während der feurige Mut der englischen Bataillone jede deutsche Kolonne vernichtet habe. Die englische Kavallerie habe endgültig ihre Ueber- legenheit bewiesen: die deutschen Patrouillen flöhen einfach vor ihr. Die deutschen Truppen seien keinen Schuß en g- ltschen Pulvers wert. Der bisherige Verkauf des Feld
zuges habe der englischen Armee 'Gelegenheit gegeben, ihren ttend zu vermehren. In diese Tiraoen schüchtern
Ruhm bedeutend eingestreut finden sich dann die Bekenntnisse des fortge schien Rückzuges und die Angabe der bisherigen Ver luste mit fünfzehntausend Mann.
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Wie der „Pathfinder" «nterging.
Rotterdam, 8. Sept. Ueber den Untergang des Kreuzers „Pathfinder" wird aus London gemeldet: Die Katastrophe geschah am Samstag nachmittag 4>/z Uhr, zehn Meilen nördlich von St. Abbs Head. Die Besatzung sah gerade beim Mittagessen, als das Schiff erschüttert wurde. Es neigte sich sofort nach vorne, und einen Augenblick später erfolgte eine furchtbare Explosion, welche das Schiff sprengte. Nach 4Mnutcn war der Kreuzer untergegangen. Schiffe und Rettungsboote aus St. Abbs Head eilten herbei und retteten den Kommandanten und eine Anzahl Leute. Das Schiff scheint in der Nähe des Magazins von der Mine getroffen worden zu sein. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von 280 Mann. Kommandant war Kapitän Francis Martin Leake. Außer ihm sollen noch 8 Offiziere gerettet worden sein. (Berl. Lok.-Anz.)
London, 8. Sept. l Nichtamtlich.) Die Verluste des Kreuzers „Pathfinder" betragen 4Dote, 13 Verwundete und 243 Vermißte.
Die Freiwilligen in England.
London, 8. Seist. (WDB. Nichtamtsich.) Meldung des „Reuterschen Bureaus": Obwohl die Rekrutierung befriedigend fortschrcitet. soll zur weiteren 'Förderung der Bewegung in der nächsten Woche eine große Versammlung in Birmingham stattfinden, in welcher Churchill und Chamberlain Ansprachen halten werden.
Der Handel Englands.
L o n d o n , 8. Sept. lWTB. Nichtamtliche Der Ausweis des Handelsamtes für August zeigt bei der Einfuhr eine Abnahme von über dreizehneinhalb Millionen Pfund Sterling, bei der Ausfuhr eine Abnahme von beinahe zwanzig Millionen Sterling gegenüber 1913, Das .Handelsamt weist darauf hin, daß die Llbnahme der Ausfuhr zum großen Teil auf den Umstand zurückzuführen sei, daß bestimmte Arten von Exportartikeln während der Kriegszcit nicht ausgeführt werden dürfen.
Eine französische Zeitung in London.
London, 8. Sept. (Nichtamtlich.) Hier erscheint eine französische Zeitung „Cri de Londres", Chefredakteur de Chassaigne, in starker Auflage.
Samoa von den Engländern besetzt.
Berlin, 8. Sept. (Amtlich.) Nach nunmehr eingc- troffenen zuverlässigen Nachrichten ist Samoa am 29. Aug. von den Engländern ohneKaanpf besetzt worden.
Englands Verhalten in Aegypten.
Wien, 8. Sept. kWTB. Nichtamtlich.) Das „Fremdenblatt" schreibt: Es bestätigt sich, daß die englischen Militärbehörden in Aegypten die Vertreter Oesterreich-Un- g a r n s und Deutschlands ausgefordert haben, Aegypten unverzüglich zu verlassen. Die beiden Diplomaten haben daraufhin gegen diese Verfügung protestiert, die schon deshalb völkerrechtswidrig erscheint, weil Aegypten ausdrücklich seine Neutralität erklärt hat — ganz abgesehen davon, daß eine solche Maßnahme nur von der Türkei oder dem ihr tributären Khcdiven ausgeben könnte. Uebrigens ist besonders charakteristisch, daß die Neutralitätserklärung Aegvvtcns auf Andrängen Englands erfolgt ist, dessen Militärbehörden nun eine derartige flagrante Völkerrechtsverletz- ung verüben. Dieses Vorgehen Englands, das sich so gerne als den Hüter internationaler Abmachungen aufspielt, den angeblichen Völkerrcchtsbruch Deutschlands sogar zum Vorwände für seine Kriegserklärung benutzte, reiht sich würdig an die Kette ähnlicher Akte der englischen Regierung im bisherigen Verlaufe des Krieges an.
Die Besetzung Radomr.
Berlin, 8, Sept. Die „B. Z. a. M." meldet aus Wien: Nachrichten aus Krakau besagen: Die russischen Truppen verließen am 26. August Radom. Am 27. August morgens kehrten sie in Starke von 2000 Mann zurück. Als am Abend sich die Nachricht verbreitete, daß deutsche Truppen herannahten, entstand unter den Russen eine fürchterliche Panik und sie verließen in großer Hast und Unordnung die Stadt, Die russische Infanterie hielt sechs Werst hinter Radom und überschüttete russische Kavallerie, die sie für Feinde hielt, mit einem Ha- gelvonüseschossen, wobei es viele Tote und V.crwuni-
dete gab. Am 29. August besetzten die Deutschen Radom.
WDB. Breslau, 8. Sept, (Nichtamtlich.) Die Schkes.
hiesigen stellvertretenden Generalkom-
Ztg. meldet: Bon dem mando wird mitgeteilt: Unsere schlesische Landwehr nahm gestern nach siegreichem Gefecht 17Offiziere und 1000 Mann des russischen Gardekorps und des dritten kaukasischen Korps gefangen.
Berlin, 9. Sept. Bei der Besprechung des Sieges in Polen sagt die „Bossische Zeitung" es sei wahrscheinlich, daß die Deutschen den Vormarsch über Radom fortgesetzt hätten und dabei mich zu einem Zusammenstoß mit dem russischen Gardekorps und dem 3. Kaukasischen Armeekorps zusammcngcstoßen seien. Es sind dies die besten Truppen des russischen Heeres, namentlich das Gardekorps ist eine Elitetrnppe in ganz anderem Sinne noäi, als unser Gardckorps. Daß die schlesische Landwehr über dieses Korps einen vollen Sieg errungen habe, sei von großer Bedeutung, Daß der Sieg vollständig war, gehe auch ans der großen Zahl von Gefangenen hervor.
Ein Schreiben des Siegers von Tannenberg
Aus Magdeburg wird gemeldet: Dem Magistrat der Stadt Magdeburg ist auf sein Glückwunschschreiben an den Sieger von Tannenberg^ folgendes Schreiben zugegangen:
Dem Magistrat der Stadt Magdeburg danke ich herzlich für die freundlichen Glückwünsche zu meinem Erfolg, den ich nächst Gott dem Herrn den hervorragenden Marschleistungen und der glänzenden Tapferkeit der mir anvertrauten Truppen verdanke. Bis jetzt sind aber 90 000 Gefangene abtransportiert. Ost und gern denke ich an die schöne Magdeburger Zeit zurück. Mil größter Hochachtung: von Hindenbnrg, Oberbefehlshaber im Osten.
Zwei Amazone» im russischen Heer
London, 8. Sept. Die „Times" meldet ans Petersburg, daß zweiTöchtcr des Obersten Tomilows- ky als Kriegsfreiwillige eingestellt worden sind. Die beiden jungen Mädchen sind in Uniformen eingekleidet und auf ihren ausdrücklichen Wunsch nach der Front gesandt worden.
Die unbrauchbaren Kosakenpserde.
Die Kosakenpserde, die die feindlichen Kanonen beim Einzuge in Berlin gezogen hatten, sollten am Montag versteigert iverden. Da die Pferde aber kaum Liebhaber gesunden hätten, hatte man —< wohl auch aus anderen Gründen — die Versteigerung abgesetzt. Versuche, die Pferde für unsere Kavallerie in irgend einer Weise dienstbär zu machen, sind mißlungen, denn die Pferde sind sebr scheu und gehorchen auf keine Befehle. Dies rührt jeoenfalls daher, daß die Tiere besonders auf Schenkeldruck dressiert sind. In Ostpreußen sind in den letzten Tagen ganze Herden russischer Pferde gesammelt worden, die nomadisierend sich in den Wäldern herumtreiben. Wie man uns schreibt, herrschen auf den Schlachtfeldern an den masurischen Seen trostlose Zustände, nicht nur Haufen ge fallener Tiere, sondern auch Berge russischer Toter werden in den Wäldern und Sümpfen noch jetzt gefunden. Es wird dafür gesorgt, daß zur Verhütung von Seuchen sofortige Bestattung erfolgt. Der Abtransport der ge fangenen Russen geht nur langsam vorwärts, zum Transport sind Ersatztrnppen befohlen, um nicht die Feld- trnppen zu schwächen. Um die große Zahl der russischen Bentepferdc los zu sein, werden sie, da ihre Verpflegung Schwierigkeiten macht, den oft Preußischen Bauern geschenkt, damit sie ihre Bestände ergänzen können. Vielfach machen die Tiere aber einen erbärmlichen Eindruck und sind zu schweren Arbeiten nicht geeignet.
Ter Bormarsch in Russisch-Polen.
Wien, 8. Sept. (WDB. Nichtamtsiäh.) Polnische Blätter schildern die -außerordentlichen Schwierigkeiten des Vormarsches der österreichischen Truppen in Rnssisch- Polen infolge großer Geländeschwierigkeiten, welche namentlich das Vorgehen der Artillerie außerordentlich erschwerten, Jedes Geschütz mußte statt mit vier mit zehn Pferden bespannt werden, und dabei mußten Bretter unter die Räder gelegt werden, um das Versinken der Geschütze zu verhindern. Die russische Infanterie schießt hinter starken, längst vorbereiteten, durch Lehm und Strohblenden geschützten Deckungen, welche nur dürch Artillerie- euer zerstört werden können. Die als Landsturm ein- bernfene Bauernschaft hat im Rücken der Russen derartige Schanzgräben zu bauen, daß die zurückgehenden Feinde fortgesetzt Deckung finden. Skus diesen schießen die Russen, solange sie selbst geschützt sind. Nach dem Eingreifen der Artillerie oder bei Sturmangriffen verlassen die Russen häufig ihre Deckungen, werfen ihre Gewehre weg und erflehen Pardon, worauf sich zeigt, daß die Munition meist verschossen ist.
Tic polnischen Legionen.
Wien, 8, Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Unter zahlreicher Beteiligung von Würdenträgern fand gestern nachmittag unter patriotischen Kundgebungen des Publikums die Verabschiedung und der Abmarsch der ersten Kompagnie polnischer Legionäre statt. Der Obmann des Polenkomitees, das Herrenhausmitglied Zgorski, hielt eine An- prache, die mit einer» dreimaligen Kaiserhoch schloß. An den Kaiser wurde ein Hnldigungstelegramm abgeschickt. Auf dem Wege znch Bahnhof zogen die Legionäre v-ör das' Kriegß- ministerium. Auf dem Bahnhofe verabschiedete der Vizepräsident des Roten Kreuzes, Baron Beck, die Legionäre, welche bewiesen, daß der Kamps, den die Monarchie undj ihre Bundesgenossen ausgenommen haben, um eine gerechte Sache geführt wird. Die Abfahrt erfolgte unter dem Absingen der Kaiserhymne und nationaler Lieder.
Rußlands Luftflotte.
Don Rußlands Luftflotte hat man bisher im Kriege noch nichts gehört; trotzdem ist sie vorhanden, wenn auch reilich in einem Zustande, der uns keine großen Besorgnisse einzuflößen braucht. Fm neuesten Heft der Cottaschen Monatsschrift „Der Greif" macht Georg Schultze-Bahlke nähere Mitteilungen über das Militärflugwesen Rußlands. Das russische Heer verfügt über zahlreich« Doppeldecker der ver- chiedensten Art, dock, hat man von Erfolgen russischer Flieger, außer denen Sikorskys und des seinerzeit in Deutschland tätigen Abramowitsch, nichts gehört, Auch über die Tätigkeit der Luftschiffe ist wenig bekannt geworden, und doch besitzt Rußland mit den Anfang dieses Jahres sich im Bau besindlichen 17 Luftschiffe, Als kriegst» rauchbar sind aber von ihnen nur die beiden ans Deutschland bezogenen Parseval-Luftschiffe zu bezeichnen, während- die übrigen aus Frankreich bezogenen oder in Rußland selbst erbauten Luftschiffe mit ihren geringen Geschwindigkeiten den Ansprüchen eines modernen Krieges nicht genügen. Die russische Marine verfügt über kein Lussschiff: auch das Marine-Flugwesen war in Rußland! bis 1913 sehr zurückgeblieben: doch ist die Zahl der Marineflieger seit 1913 erheblich Vermehrt und neben der Station in Petersburg iroch ein
Flugstützpunkt in Libau geschaffen worden. Anfang 1914 er- warb die russische Marine das Sikorskysche tßroßstugzeug ,Jl ja Mnromez", und der Bau weiterer Flugzeuge dies es Systems, von dem man sich viel verspricht, ist in Angriff genommen. Ueber das große russische Reich sind mehr alz 20 Lnftschrsfhallen verteilt.
RcichstagSabgeordnctcr Tr. Frank t.
Wie wir gestern schon berichteten, ist der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dr, Frank-Mannheim, der, ungedient, mit 40 Jahren sich als Kriegsfreiwilliger gemeldet hatte und nach kurzer Ausbildung ins Feld gezogen war, im Kampfe gefallen. Nicht nur die Sozialdemokratie betrauert diesen hochbegabten Mann, dessen wackerer und" mutiger Entschluß bewiesen hat, daß man die deutschen Sozialdemokraten ebenfalls als treue Volksgenossen ansprechen! darf. Erfreulicherweise werden die bürgerlichen Parteien, wenn sie demnächst an neue Vorbereitungen im Reichstag herantreten, nicht mehr vergessen, die Sozialdemokraten mit heranzuziehen, wie es versehentlich in der ersten, auch von uns erwähnten Vorbesprechung geschehen ist. Durch das Eingreifen der Regierung ist der Mißgriff wieder gut gemacht worden. Daß Dr. Frank die persönliche Wertschätzung aller Deutschen verdient hat, beweist auch ein Brief, den er als Kriegsfreiwilliger an eine Freundin gerichtet hat und der in der „Franks. Ztg." zu lesen stand. Wr geben ihn hietz wieder:
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Ob auch die Mutter weint.
Daß ich das Ding Hab' fangen an. Ich hab's gewagt.
Am dem Reiche.
Die nächsten Arbeiten des Reichstags. Aus varlamew-
tarischen Kreisen schreibt mian uns: Soweit es sich bis jetzt! übersehen läßt, dürfte der Reichstag im November bestimmst zusammentreten, um einige neue Kriegsvorlageu der, Regierung zu verabschieden, darunter Maßnahmen zur Verstärkung der Flotte. Ob eine kurze Haushaltsberatnng noch in diesem Jahre erfolgen kann, läßt sich bis jetzt nicht üb ersehen. Am praktischsten wäre die Einbringung rrndBerabschie« düng eines Notvoranschlags und nach Friedensschluß die Beratung des ordentlichen Voranschlags. Es ist jetzt sehr schwierig, die Anforderungen für das Jahr 1915/16 zu übersehen, zumal viele Mittel aus dem laufenden Voranschlag nicht zur Verwendung kommen und auf der anderen Seite Vor- anschlagsüberschrcitnngen notwendig werden. Für den Fall, daß ein Winterfeldzug uns erspart bliebe, wäre der Reichstag in der Lage, zu Beginn des nächsten Jahres seine Arbeiten ordnungsmäßig aufzunehmen.
(DDP.) Berlin, 9. Sept. Die Nationalliberalc Partei veröfsentlicht eine Erklärung über die Vorbesprechung bürgerlicher Parteien betr. Ausbau der Flotte. Es heißt darin, daß bei der nationalkibcralen Fraktion nicht die Absicht besteht, irgendeine Partei bei einer so wichtigen, die Wehrkraft unseres Vaterlandes betreffenden Frage von der Mitwirkung ans- znschließen. (Nationalztg.)
Stuttgarts. Sept. (WTB.) Die Veranlagung zum Wehrbeitrag in Württemberg ist nunmehr im wesentlichen beendet. Das Gesamtauskommen an Wehrbeitrag in Württemberg beträgt laut dem „Staatsanzeiger" nach den Wehrbeitragslisten rund 33 Millionen.
Karlsruhe, 8, September. (Nichtamtlich.) Wie der „Staatsanzeiger" mitteilt, ist die Reichstagsersatzwahl im 12. badischen Wahlkreis für den zum Vorsitzenden des Vorstands der Landesversicherungsanstalt Baden in. Karlsruhe ernannten bisherigen Vertreters, Geh. Rcgie- rungsrals Anton Beck in Lahr auf Dienstag den 27.Okto-- ber festgesetzt.
Mannheim, 23. August 1914, Liebe Freundin! Meinen steten Sormtag Mittag verbringe ich am Schreibtisch in meiner Wohnung. Ich bin in der Kaserne einguartiert und schlafe mit dem harten Feldbett wie mein Stammvater Jakob „zu Dänpten den Stem"' traumlos von 10 bis 5 und manchen Morgen auch bis 4 Uhr: der Trompeter weckt mich, Tie Strapazen der Felddicnstübung und des Marsches ertrage ich mühelos. Ich bin froh darüber: das Blut für das Vater- land stießen zu lassen ist nicht schwer und umgeben von Romantik und Heldentum. Ein viel größeres Opfer ist es, täglich den Schweiß unter dem Druck des Tornisters zu vergießen und stündlich auf tausend Selbstverständliä)keiten von Reinlichkeit und Bcguemlich- kcit zu verzichten, an die mau setzt wie an ein wett zurückliegendes schönes Land denkt. Aber der Körper ist wirklich der ltüecht der Seele. Der feste Borsatz, sich erirzuordnen und auch in kleinen und kleinlichen Pflichten das große Ziel nicht aus dem Bewußtsein, - zu verlieren, hilft über alle Hemmnisse hinweg. Wann wtt hier abmarschieren tveiß ich noch nicht. Wir warten tägluh ans den Ruf vom Regiment Nr. 110, das die letzten Kämpf« bei Mülhausen und Metz mitgemacht hat, und dessen Lücku wir anssttllen sollen. Ich stehe in der Front wie jeder andere. Ich werde von allen (Mannschaften wie Ösfiziercnl, mit größter Rücksicht (protzlg ansgedrückt: Ehrerbietung!) behandelt. Aber ich weiß nicht, ob auch die französischen Kugeln meine varlamentarischc Jmmnnttät achten. Ich habe den sehnlichen Wunsch, den Krieg zu überleben und dann am Jnnenban des Reichs mitzuschasien. Aber ,etzt ist für mich der einzig mögliche Platz in derLnrie in Reih und Glied, und ich gehe wie alle anderen freudig und siegessicher, Ter Gedanke out meine Eltern ist schmerzlich, sie wissen, wie sehr ich an ihnen hä,ig>e. Aber ich läbc schon mehr als einmal in entscheidenden Augen- blicken meines Lebens ihnen wehtun müssen, und ich kam, es nicht bereuen. Als ich vor elf Jähren mich ösfcntlich zur sozialdemokratischen Partei bekannte und damit manche Brücken hinter mir abbrach, zerstörte ich sicherlich manche Hoffnungen Meiner guten, braven Eltern, — aber ich Mußte mir mein eigenes Leben zimmern, und jetzt geht eS ja um mehr! Nicht um di« bürgerliche Existenz, sondern vielleicht um das Leben, Das Huttenlied wird die Jahrhunderte hindurch immer wieder erlebt:
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Tie unerschöpfliche Güte und Liebe der beiden wird ihnen nicht mir über dies innere Hemmnis himveghelfen.
Jetzt also — tzhüt Di Gott!
Ihr treu ergebener
Ludwig Frank. Die Feldadresse folgt, sobald ich sie kenne,
Mannheim, 8. Sept. Ueber die näheren Umstände, die zum Tod des Führers der badischen Sozialdemokratie,. Dr. Frank, geführt haben, wird der „Vollsstimmc" in Mannheim von zwei Augenzeugen berichtet: 2km 31. Aug. rückte Dr. Frank mit seinem Ersatzbataillon ins Feld. Am
3. traf er an der lothringischen Grenze im Biwak ein. Am
4. kani das Regiment, dem Dr. Frank als Flügelmann der ersten Kompagnie angehörte, ins Gefecht. Nach einen: zweistündigen Schießen kam der Befehl zum Sturmangriff auf die feindlichen Stellungen. Dr. Frank eilte seiner Kompagnie einige Schritte voraus und erhielt einen Schuß in die linke Schläfe, Eineinhalb Tage war es nicht möglich, die Leiche aus der Schußlinie zu bringen, erst am Sonntags gelang dies zwei Landwehrleuten. — Dr. Frank wurde unter den üblichen militärischen Ehren bei Baccarat in der Nähe von Luneville beerdigt.
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