Die Preisgabe von Lille.
Gin Berichterstatter des- SoT.flQig. meldet aas Rosen» daal, 28. Attjprst:
Aus Mir hin her gesichtete fecmzoftu berichten, daß nacki einer zustscku'ii der Pariser und der belgsschen Regirrung getroffenen Abmachung ein Teil der Flüchtlinge über irauzösrsches Gebiet cü>- gcschobcn umrde, imi Paris, wohin sich in den letzten Tagen etwa 60 000 Beioohuer slkordfrankrcichs begeben liabeu, zu entlasten, llrbereinstiminend erklären die fimizosen, daß in den durch den deutschen Einmarsch bedrohte» Städten und Ortschaften crrie fürchterliche Äugst herrscht. Durch die skandalösen Berichte der belgischen Presse über die „deirtschc Grausamkeit" wurde in der Bevölkerung die 'furcht dermaßen gesteigert, daß alle Bc- ruhiMiigsmitlcl der Bürgermeister und Präsekteu fruchtlos blieben Am schlimmsten steht es in Lille. Abordnungen der Bürgerschaft begaben sich aut'die .Präfektur, um flehentlich zu bitten, daß uian die Stadt vor einem Bombardement bc- >v obre» möge. Tie Deputierten von Lille unterstützten dieses Ansuchen durch Vorstellungen bei der Regierung, die sich schließlich dem dringlichen Wunsche der Volksvertreter unterwerfen nmßte. Die mächtige Sticht, wo noch, vor wenigen Tagen den durchreisen den englischen svldate» ein begeisterter Empfang bereitet worden war, liegt heute gänzlich vereinsamt. Bloß die armseligen, durch ihre kläglickien Zustände berüchtigten Arbeiterviertel find fo dicht bewohnt ime in friedciiszettcn Es herrscht .in diesen Massen auariieren ein unbeschreibliches Elend: man verflucht den sozialistischen Deputierten Ragleboom, der für den Krieg stimmte, .indem bciinden sich in Lille auch, Tausende von französischen, belgischen und englischen Verwundeten. Schon deshalb sah man von einer Verteidigung der Stadt ab. Die Rasterung der Beiestigungswerke wurde von der Bevölkerung mit unver- lwblener Freude begrüßt, und als der Kommandant mitteilte, daß die Besatzung von 50000 Mann zur Unterstützung der französischen Rordarmee heronqezoge» werden sollte, fühllcu sich die Leute völlig geborgen. Vom Bürgermeister erhielt die Bevölkerung die Mahnung, einem etwaigen Einmarsch feindlicher deutscher Truppen nicht den geringsten tätlichen Widerstand cnlgegenzusetzen und mit Würde die „h o si c n t l i it, nicht lange" Besetzung der Sladr zn ertragen. Der Präfekt reiste in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag nach Dünkirchen ab, nachdem er die Archive der Stadl nach P aris halte schaifen lassen.
wie die deutsche Gesandtschaft in Tanger überfallen wurde.
Von einem Deutschen, der soeben aus Tanger in Berlin eingctrosfcn ist, gehl dem „Bert. Tagebl." die folgende Schilderung des Uebcrsalls aus die deutsche Gesandtschaft in Tanger zu.
Im Torbogen der Kaiserlich deutschen Gesandtschast lagern die Mochasnis, die Geiandtschaftssoldaten, wie immer. Jn^dcnBureauS arbeite! man, wie immer. Niemand ahnt, daß au, Seitenwegen, vcrsteclt hinter der hohen Gartenmauer, die Taborfvldaten das ganze Geiandt'chaitsgebäude umzingeln. Von rückwärts kommen iie, von beiden Seiten rücken sie vor. Schon ist das Tor versperrt, ehe nur irgend jemand aus diu Straße versteht, was vor sich geht, ülui dein Salto laufen die Araber zusammen, aus allen Gassen und Gäßchen strömen sie. Sn dichter Mauer stellen sie vor dem Tor der Kaiserlich deutsche» Gesandtschast. Kein To» ilt zu hören. Die Soldaten sind jetzt in das Gesandtschaftsgebäude eingedrungen, die i,»bewaffneten Mochasnis gesange». Der Sul- lansvertrcter Sid-Mohammed-el-Tazi erscheint. Um ihn herum allerhand marokkianischc Würdenträger im wallenden festgewand, stolz, so plötzlich im Vordergrund der Ereignisse zn stehen. Doch weis; e? selbst der einfachste Araber, nur ein Schatten der frau- zosen ist der sultan. T a z l überreicht dem kaiserlicheu tzöeschästs- lräger die Pässe. Das Personal der tßesandtschast bättc josort die Stadt zu verlassen, sofort. Vor dem Tor steht ein Automobil, ein Kriegsschitt liegt bereit. Sie Kälten e,nzustcigen — Joftrt! Was bedeutet das- Nicht die üblichen vlerundzivailzig Stunden Zeit zur freien Reisevorbcreituug? Dieses Militärausgebot, dieses gewaltsame Eindringen aus deutschen Grund und Boden! Und das hier in, internationalen Tanger! Waren nicht hu allen Zetten die Gesandtschaste» unverletzlich'? Einen derartigen Völkerrechtsbruch, eine solche Gewalttat hat die Geschichte bisher nicht zu verzeichne». Widerstand böte nur die ioillkommenc Gelegenheit, mit den unbcquenicn Deutschen aufzuräumcn Der Garten wimmelt von Soldaten und französischen O i, i ü i c v c n. Sofort werden die .Herren der Gesandtschaft ab- gesührt. Dem Kanzleivorstcher verbietet man den einen Schritt ins Bureau, die Schränke abzuschlicßen. Eine geschickte Wendung: er eilt zurück, Soldaten Kinter ihm her. Er schließt die Schränke und Bureaus ab. Tocki die Papiere sind nicht mehr beiseite zu schassen. Der Herr Sultansvertretcr hat fein marokkanisches Ehrenwort gegeben, nichts zu berühren. Dem kaiserlichen Geschäftsträger läßt man eine halbe Stunde Zeit, seine sämtlichen Sachen zu packen, natürlich unter iiiilttärischer Bewachung. Das Automobil niir den Gefangenen fährt in sausendem Tempo lsirmnter nach dem .Hasen. Ter ganze Weg ist mttttärisch bewacht, die Lau- dungsbrücke ebenfalls Dort liegt schon die Barkasse des K r i c g s s cki i s s c s bereit, die umgehend die Gefangenen nach dem französischen Kreuzer „Cassard" transportiert. Gefangime'? O nein! Tiefe Deuifchen sind „Ehrengäste", „Passagiere", denen der „Cassard" in liebenswürdiger Wette „zur Ver- jüaung gestellt" ivorden ist, zu ihrer eigenen Sicherhett! Das sind wörtlickst ÄeiißcrungendeSsranzösisckcnGesandtcn mir gegenüber, als ich am Abend desselben Tages eine längere Unlerrckung mit ihn, batte, wenige Stunden vor meiner Einschiffung aus den „Cassard". Ter französische Herr Gesandte lehnte im beguemen Lehnstuhl, lächelte befriedigt. „Was >vollen Sie mehr'? Man stellt ein Kricgsschltt zu Ihrer Verfügung.. . Passagiere . .. Ehrengäste . eigene Sicherheit . .Wieder und wieder sagte er das. An Bord des „Cassard" traf man sich mit den O e st c r r c i che r n, denen cs airch nicht besser ergangen war. Niemand hatte Gepäck, viele mußten ihren gesamten Hausstand z u r ü ck l a s s c ii. Jetzt durften sic unver- ichlosicnc Briese an Land schicken, Gepäck durch die Dftner besorgen lassen. Man versteht, daß dabei alles drunter und drüber ging, niemand sein Eigentum vollständig bekam. Natürlich war den „Ehrengästen" jede andere Verbindung znit dem Land verbvten. Besuche zu empfangen blieb diesen „Passagieren" strengstens untersagt. Tic Braut des einen Beamten ruderte an das KrrcgSschift heran, um vom Boot aus ihrem Verlobten einige Abschiedswortr zuzurilien. Selbst das ivurde verboten. Allen anderen .Deutschen ln Tanger riet der französische Gesandte, sich so bald wie möglich auf nentralen Bode» zu begeben. (Bisher galt Tanger für ncuttal!) Am Morgen des 20. reisten viele Deutsche nach Cadiz ab: die Lage in Tanger war dock etwas unangenehm geworden.
Au§ dem Reiche.
Berlin, 8. Sept Professor Röntg-en hat, wie der „Berl. Lokalcrnzciger" meldet, seine große golLene englische Medaille, die einen oftssdwert von etwa 1000 Mark besitzt, dem Roten Kreuz -zur Verfügung gestellt.
Mühlhausen i.E.,3.Sept (WM. Nichtamtlich.) Die „Neue Mulhauser Zeitung" meldet, daß vorgestern der Verleger uitd Besitzer des „Milhauser Tageblattes", Hans Brinkmann, von der Zivilbehördc verhaftet und das Weitererscheinen de? Blattes verboten wurde. Der Grnitd ist unbekannt.
Heer rinv Flotte.
Berlin, 3. Sept. iNichtamtlich.) Wie der „Lokalanz." aus Breslau meldet, starb dort im Alter von 64 Jahren der frühere Gouverneur von Köln, General der Infanterie Kurt v. Sperling.
Märkte.
ke. Aranksurt a.M. Die h h os m a r kt b «ri ch t voin 3, Sept.
Austrieb : Kälber 634, Schafe 62, Schweine 583.
Tendenz: lebhaft, geräumt. Preis für 100 Psd.
Lebend- Schlachtgewicht
Kälber. Mk. Mk.
Mittlere Malt- und beste Saugkälber. . . . 52-56 88-85
Geringere Mast» und gute Saugkalb«? . . . 45 — 50 76—85
Geringere Saugkälber......... 40—44 68 — 75
L>ch ak e.
Stallmaltschai«:
Mostlämmer und jünger« Mastbammel . 42—43 92-94
Aeltere Masthammel, out genährte junge Schafe
und geringere Mastlcinrmer...... 36 - 00 88 - 00
Schwei n:.
Vollflelschig, Schweine von30—100 ica*
Lebendgewicht ........ 48.00—51.0) 63.00—64.09
Lollfleischige Schwein« unter 30 k?
Lebendgewicht........ 47.00—48.00 60.00—62.0)
Bollsletschige Schweine von 100—120 k;
Lebendgewicht........ 48.00—51,0 ) 60.00- 62»
Vollfleischize Schweine von 120—150 c;
Lebendgewicht ........ 48.00—51.00 60.00— 62.00
oh. Bingen, 2. Sept. Marktpreise. Weizen Mk. 24,50,
Kor» Mk. 21,00, Gerste Alt. 00.00, Haser Mk. 24,00, Heu Mk. 5,50, Stroh Mk. 3,30, Kartoffeln Mk. 7,00, Erbse» Mk. 43.00, Linsen Mk, 51,00, Bohnen Mk. 40,00, Weißmehl Mk. 41,00, Roggenmebl Mk. 31,00; olles für 100 Klgr. Butler 1 Klgr. Mk. 2,70, Milch
1 Liter 21 Psg., Eier 10 Stück 85 Psg.
Eingesandt.
lFür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Das Rote Kreuz und dir Pfarrer.
Im 'Abendblatt der „frankfurter Zeitung" vom 2. September befindet sich eine Notiz, nach der fast alle hessischen Pfarrer sich freudig dazu bereit erklär! haben sollen, zu Gunsten des „Roben Kreuzes" aus einen Teil ihres Gehaltes zu verzichten, obwohl der Gehalt kaum ausreichend sei.
Diese Nachricht zeigt, lote schlecht ihr Bersasser von der Stimmung in hessischen Pfarrerskreisen unterrichtet ist. Ich selbst habe in den letzten 14 Tagen eine Anzahl von Kollegen gesprochen, die sich einmütig gegen die obige 'Art, für das Vaterland zu opfern, ausfprachen. Ick» selbst balle sic auch für völlig verkehrt. Ein dcrnrkiges „Opserbringen" mag wohl für den Drückeberger, der auch im Psarrerstand zu sinden ist, angebracht sein. Der weiß sich dann unter Kontrolle, aber die wettaus größte Mehrzahl hat die nicht nötig. Die gibt freiwillig „nach Kräften", oft auch — genau gesehen „über Kräfte". Die haßt aber auch mtt Recht dieses schablonenmäßiyc Opfern, wie es der Gehaltsabzügen imch Prozenten der fall sein würde, das wieder dem Geizigen eure Gc- wissenserleichterung ist, wenn er sich sagt, „so viel muß ich geben, mehr brauche ich nicht zu geben." Mancher, der außer dem Gehalt noch andere Einkünfte hat, nsird daher auch nicht so zur Wohttätig- feit herangezogen, wie der, der sich diese Quellen nicht erschließen mochte, und mtt seineui Gehalt sogar noch Schulden zu bezahlen Hot. Denn die gibts auch im Psarrerstmrd.
Dann liegen auch die Verhältnisse lokal ganz ungleichmäßig. Von dem Pfarrer der großen Stadtgcmeinde weiß fast kein Mensch, was er gibt, oon uns Laildpsarreru weiß es jeder Mann im Ort. Wer also „um der Leute willen" gibt, der weiß, daß er kontrolliert nsird Denn die Landpsarrer müssen sich mit ihren Gaben oben in die Geberlistcn schreiben, um die anderen zuni Geben zu ermuntern. Wer das versäumt, llage nicht den Menget an Opsersinn bei anderen an. Unsere Gemeinden richten sich in der Beurteilung der Bedeutung eimr Kollekte nach uns. Sie wissen, daß die.Meßzahl der Pfarrer opferwillig ist.
Darum geben loir fürs Rote Kreuz gern und reichlich, aber nicht nach der Schablone der nionatllchen ganz unsinnigen und im ernzeluen falle ungerechten, weil gleichen Gehaltsabzüge. Das Verttauen haben usir zu unserem Stande, das haben auch die Gutgesinnten und anständigen Elemente in unseren Gemeinden.
Ein Landpfarrer.
Meteorologische Beobachtungen der Station Siebe«.
Sept.
1914
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Nebel
Höchste Temperatur am 2.-3. September 19U = -s- 23,4' C.
Niedrigste , . 2,-3. ISll - + 8,8« ,
Niederschlag: 00 mm.__
Berantwortlich für den gesamten redaktionellen Teil: Aug. Goetz.
Billige, gute Nahrungsmittel werden letzt in allen fomilien gesucht. Da sei aus die Mehlspeisen, Puddings und Suppen hingewicftir, die einsach und billig aus Dr. Oetkers Puddingpulvern und Dr. Oetkers „Gustin" hcrgeftellt werden können. Ter Gehalt an knochenbildenden Salzen macht diese Oetker- Spcisen zn einem hochwertigen Nahrungsmittel für Jung und Alt, für Gcsirnde und Arauke Der Umstand, daß Gustin ein deutsches Fabrikat ist, sollte die Hausfrauen schon aus patrwtischen Gründen bestimmen, stets Gustin zu verwenden. */ 9 hv.
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung über Vorratserhebungeu.
Ter Bundesrat l>at auf Grund des 8 3 des Gesetzes über die Ermächtigilng des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1914 (Reichs-Gesetzbl. S. 327) folgende Verordnung erlassen:
8 1-
Während der Dauer des gegenwärtigen Krieges ist den von den Landeszentralbchördeil bestimmten Behörden lederzeit Auskunft über die Vorräte an Gegenständen des täglichen Bedarfs und des Kriegsbedarfs, insbesondere au Nahrungs- und futterinitteln aller Art, an rohen Naturerzeugnissen, Heiz- und Leuchtstoffen zu geben.
8 2 .
Zur Auskunft vcrpslichtet sind:
1. landwirtschaftliche unb gewerbliche Unternehmer, in deren Betrieben die Gegenstände erzeugt oder oerarbettet werden.
2. alle, oft solche Gegenstände aus Anlaß ihres Handelsbetriebs oder sonst des Erwerbes wegen in Gewahrsam haben, kauft« oder
verkaufen,
3. Kommunen, öffentlich-rechtliche Körperschaften und Verbände.
8 3.
Die Anfragen können sich auf folgende Punkte beziehen:
1. wie groß die Vorräte sind, die dem Befragten gehören, und wo sie sich befinden,
2. ob der Befragte fremde Vorräte im Verwahr bat, wie groß sie sind und wem sic gehören
Vorräte, die Ausländern. und Vorräte, die im Ausland lebenden Deutschen gehören, sind stets besonders anzugebcu),
3. ob der Befragte zum Empsange inerterer Vorräte berechtigt oder zur Lieserung von Vorräten vervslichtet ist, zu loelchem Zeit- punll und gegenüber welchen Lieserantcn bezw. Empfängern,
4. tvohin früher angemewetc Vorräte abgegeben worden sind.
Dft anfragendc Behörde fit bercchttgt, zur Nachprüfung der Angaben die Borratsräume des Besragtcn untersuchen und settu Bücher prüfen zu lassen.
8 5 .
Wer die aus Grund dieser Verordnung gestellten fragen nicht in der gesetzten Frist beantwortet, oder wer wissentlich unrichtige Angaben macht, wird mtt Geldstrafe bis zu 3000 Mk. oder im Um vermögenSfalle mtt Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft.
„ 8 6 .
Die LandeSzeutralbehorden erlassen die Besluiumingen zur Ausführung dieser Verordnung.
8 7 -
Diese Verordnung tritt mit den: Tage der Verkündung ft Kraft.
Berlin, den 24. August 1914.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers.
Delbrü ck.
Bekanntmachung.
Aus Grirnd der vo-rstehenden Bclanittmachung wird solgendes bestimmt:
1. zu den Erhebungen gemäß § 1 sind dft KreiSamter, m den Städten von über 2O-00O Einwohnern die -Oberbürgermeister ständig.
2. Die nach 8 1 zuständigen Behörden können bei Durchfübrimg der Maßnahmen gemäß 88 3 und 4 die Mitwirkung der Orts- Polizeibehörden in Anspruch nehmen.
3. VotttcheudcS ist von den Kreisäinteril in den AmtsverLiu- digungSbläticrn und in ortsüblicher Weise bekannt zu machen
Darmstadt, den 27. August 1914.
GroßherzogltcheS Ministerium des Innern.
_ v, Hombergk,
Bekanntmachung.
Be t r.: Sonntagsruhe
Der kommandierende General des XVIII. Anneekorps hat seim Anordnung, wonach die Vorschriftcn über die Sonntagsruhe m»8a Kwait treten, wieder aufmhoben. Es greisen hiernach die geschlichen Vorschriften über die Sonntagsruhe ioieder Platz.
Die gesetzlichen Bestimmungen über die Beschäftigung von gewerblichen Arbeitern an Sonn- und Festtagen finden nach 8 105* Wßl Nr. l der Gewerbeordnung auf Arbeiten, welche iu Not- sallen oder im öfseuttichen Interesse unverzüglich vorgenmiimcil werden mutten, keine Anwendung. Zu diesen Arlietten gehören lolchc, welche im Interesse der Mobilmachung des Heeres not. wenftg und für die Beschleunigung der Molsilmachung dienlich sind. Es sind darunter nicht nur die Arbeiten derjenigen Umernehmei zu rechnen, »oelchen von Militär- und Marinebehörden B-obg- machungslftferungen oder Leistungeu vertragsmäßig oder freihändig ausgegeben sind, sondern auch die ülrbeiteu, welche von aiidea lluteruehmern für die Militär- oder Marrnelieseranftn zur Er- sitlluug der settens der Heeres- oder Marineverwaltung gestellte» Aufträge geleistet werden.
Dauer des Krieges sind daher alle Soirntagsarbeiten, dce für den Hecrcsbedari und für die Lebensmittelversorgung des Heeres u»ch der Bevölkerung zu leisten sind, nickst zu beanüondeii, Greßen, den 31. August 1914.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Or. U sing e r.
An das Größt,. Palizeiamt Gießen, dir Großh. Bürgek- meiftereirn der Landgemeinden des Kreises, Großh. Polizei- Kommiffariat Arnsburg und die Größt,. Genüarmerir des Kreises.
Wtr empfehien Ihnen die Beachtung der Vorschriften vor« Ifthender Bekannttnachung und weise» Sie an, alle in Bewnht kmnmmden Arbeiten auch im Zweiselssalle zunächst ohne uietteaS zuzulassen und erforderlichenfalls die loeitcrc Prüfung des Sa». Verhalts nachträglich vorzuiiehmen.
Gießen, den 31. August 1914.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Ö r. U s i n g e r,
B e t r.: Unterstützung der Angehörige» der zum Milttärdienst Eft- getretenen.
An die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden
des Kreises.
Die von den Kommissionen bewilligten Untentützungsgesuche Wert*» von uns dem Großh B^irks Kommando Gießen zur Be- schernigung des Tages des Dien steint rius vorgelegt.
Cs sind daher keine dahingehenden 'Anfragen durch Sie an Großb. Bezirks-Kominandv Gießen zu richten.
Gießen, den 2. September 1914.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Or. U s i n g c r.
B c t r.: Mobilmachung; hier den Pserdebestand im Kreise Gießen. An die Gwßh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche mit Erledigung unsrer über« gedruckten Verfügung vom 26, August im Rückstand sind, loerden hierdurch aufgesordert, die berichtigten Listen bei Meldung von Strafe innerhalb 24 Stunden einzureichen, Gießen, den 3. September 1914.
jGvoßhcrzogliches Kreisamt Gießen.
^_ Dr. Ufin g e r.
Betr.: Die Kinderarbeit in den gewerblichen Betrieben.
An die Schulvorftärrdc der Landgemeiaden des KreiseS.
Die Berzeichrnsse der gewerblich tättgen Kinder sind bis ft>4« testens 15. Oktober l. Js. hierher einzureichen.
Zur Erleichterung der Prüfung dieser Verzeichnisse wird ersucht, bei deren Aufstellung gedruckte forniulare, dft bei Wilhekm Klee ttr Gießen zu haben sind, zu benutzen.
Wir erwarten pünktliche Einsendung der Verzeichnisse. Gießen, den 2. September 1914
Großh. Kreisschulkommission Gießen.
Dr. U s i n g e r.
Bekanntmachung.
Betr.: Tft landwirtschostliche Winterschule in L i ch.
Die landwirtschaftliche Winterschule in Lich, deren Zweck und Ziele bekannt sind, wird am Dienstag, den 3. November ds. Js., ihren nächsten Winterkursus beginnen,
Äusgenommen werden junge Leute im Alter von 14 bis 26 Jahren, welche das Unterrichtsziel der Volksschule erreicht hab«i.
Aeltere Landwirte können als Hospitanten ausgenommen werden.
Tic Schüler können ich Lich Wohnungen in bürgerlichen Familien mit Heizung und Licht nebst voller Verköstigung, solche, welche nicht übernachten, guten Mittagstisch zu mäßigen Pressen erhalten.
Das Schulgeld beträgt für das Winterhalbjahr 20 Mk. Anmeldungeu sind an den Schulvorsteher, Großh. Oekonomie- ral Weitzel in Lich, zu richten.
Gießen, den 28. August 1914.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. U sing c r.
Bekanntmachung.
Betr,: feldbereinigung Eberstadt,
In der Zeit vom 15, bis einschl. 22. September l. Ir. liegt werktags auf Großh. Bürgernieistcrei Eberstadt
das Verzeichnis über die Hcucntschädigungen für 1914 zur Einsicht der Beteiligftn ossen.
Einwendungen dagegen sind während der obigen Offenlegnngr- zcit bei Großh Bürgermeisterei Ebersladt schriitliäi cuizureichol und zu begründen.
Fricdberg, den 28. August 1914.
Ter Grvßbcrzoglichc Jeliftereinigungskomnsijsitt:: Schnittspahn, Kreisamtmami.,


